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Full text of "Elemente der Geologie"

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a 


11  B  R.AR.Y 

OF  THE 

UN  IVLRSITY 
OF    ILLINOIS 


550 

C86e 
1872 


GEOLOGY 


OCT  lb    1249 


KLEMENTE 


DER 


G  E  O  L  O  G  I  E. 


i  IKK 


E  0  L  0  (1  I  E 


VON 


l>"    III  ISN\\\  (ilil  l»\l  li. 

• -.   IP>:K  rsuniMiAi    i>.n/ii.  IMP  IPIIII  '  r»i;  I>KK  '. K>PI  •".!-•  111  N   i 

KclMl.KKlP   I' 


MJT  380  FIGUREN  IN  HOLZSCHNITT. 


/WHITE  TTNVERANDERTE  ATIFLAGE 


LEIPZIG, 

Vr.Hl.AO   Vi)\   \VII  MK I  \l    I   \(,H   M.\\\ 

1872. 


Das  Recht  der  li-hri-selzinm  in  fremde  Sprachcn"  isl 


VOKWOKT. 


Deim  Entwerfen  der  Kleniente  d  e  r  <  J  eo  I  o^i  e«.  \\elelie  ieli  hiermit 
ilrin  natlinvissenseliat'tlielien  I'uMieuni  iil>eri;el)e.  lialie  icli  es  als  cine  meiner 
Haii|»taut'i;-ahen  hetraelitef  .  den  Hnll)all  ini  Lichte  eines  voin  /eitpimkte 
seiner  [ndividaalisirung  an  in  lebendii;er  t'ortselirittlielier  Entwickeluog  !>«•- 
jrritVenen  knsinisclicii  I'jii/.ehvcsens  c-rscliciiu'ii  /Ji  lassni.  ini  (Jc^nisat/c  /u 
der  rein  l»  »-s  ••  li  IT  i  l»  e  n  d  r  n  Darstellun^sNveise.  welche  nur  ^u  lci«-|if  den 
Kindruek  liintcrliisst  .  als  <»l»  miser  Planet  ehvas  Todtes,  Starres  uiul  in 
>eiiien  uln-rHiirhliclicn  Cnntiiren  rnl»e\ve:;-lielies  und  fcrti^  (ie-ehenes  sei. 
Ks  konnte  dies  naiiientlicli  in  den  Capiteln  iiher  dynainiselie.  |iein»p-netiselie 
und  liisturi^die  (leolo^ie  ^esehclKMi,  wahrcnd  dcr  |)('tr<i^ra|iliiselie  Ahselinilt 
sicli  ant'  die  naekte.  systeinatiselie  Alll/iillluil^  Illld  Bosclirciluili^  d('S  Ge- 
s|ein>iiiateriales  und  die  arcliitektonisehe  (ieulo-ie  a  ill'  die  kalde  l)esehreil)lliif;- 
d«  >  llaiies  der  Krdkrnste  hescliriinken  musste.  lU'i  BehandlUDg  dcr  pli\>iu 
irrapliiselien  (  u-tilogie  habc  icli  die  (MterHiielienheseliatlenlieit  unseres  IManeteii 
nur  in  ski///.enhat'ten  I'nirissen  ent\vert'en  kiinncn.  inn  niieli  nielit  all  /u  \veit 
in  ein  benachbaites  <Jcl>iet.  das  der  pliysikaliselien  (Jco^rapliie,  /u  verlieren. 

In  der  Darstellnn^  der  Knh\  iekelunji's^esehielite  des  Enlballes  und  seiner 
H»'\volnnT  also  in  der  hist(.riselien  (leologie)  winl  der  Leser  die  jialarontn- 
In-isehen  liesehreilnin^en  vennissen.  \velelie  sieli  in  ahnliclicn  Lelirhiieliei  n 
ein-cllocliteii  finden.  Idi  lialu-  der^leielien.  uhnchin  nicht  ersclni|dende  und 
lietViedi-enile  /(M)|<i^iscli  hdanisclie  (  'liarakterisiruiiii'i'ii  der  >'Leittossilien» 
\erineiden  und  deren  Keiintniss  vnraiisset/,en  /u  iniissen  -ir^laiilit.  eliensn  \\ie 
dies  hei  pef  n»i;ra|diisclieii  und  inineral<^iselieii  Studien  einerseits  init  Ke/ui; 
aut  die  gegteinsbildenden  .Mineralien.  aiiderei^eils  aiil'  die  iiiiiieralliildendeii 


Die   Krnpt  i  v  -e  >  t  e  i  ne  .   deren   Kmporlnvelien  einen  so  wielitip-n   Ein- 
llu->   au!'  die  alliniihliclie   rnii-cstaltinii;'  und  die   je\veili-e   Krselieiniini:-s\\i'ise 


VI  Vnrwort. 

(ler  EnlolicrHiichc  p-iinssort  hat  und  nodi  iiusscrf.  natiirucniass  /uischcii  dio 
tibrigen,  wesentlich  (lurch  die  Thitti^kcit  des  \\'a».-r>  vermittolten  Gesteins- 
produoto  einzureilicn.  1st  stofs  als  cine  Sclnvierigkeit  •  hetont  wordm.  Ich 
Italic  \ci-Micht.  Icf/.terer  dadurch  zu  begegnen  und  cine  nafiirlichc  Verkniipfung 
zwischen  den  vulkanischen  nnd  sedimentaren  Producten  des  Entwickelnngfl 
processes  dadnrch  herzustellen,  dass  ich  naoh  Schilderung  dor  Mecrcsnieder- 
sclilage  jeder  einzelnen  Periode  einen  Paragraphen  einsehaltete.  in  welclicni 
ich  die  » vulkanischen  Erscheinungen«,  also  Eruptionen,  Niveauver- 
anderungen,  Schichtenstorungen,  Spaltenbildungen  und  Verwerfungen.  die  in 
jenes  Zeit alter  fielen,  kurz  besprach  und  darauf  eine  Aufzahlung  allcr 
analogen,  ihrer  Ursprungszeit  nach  unbestimmten.  /.urn  Theil  jedoch  viol  jiinge- 
ren  Reactionen  des  Erdinnern  auf  das  Gebiet  der  betreffenden  Sediment- 
formation  folgen  Hess.  Dadurch  wurde  zugleich  thunlich.  ankniipfend  an  die 
Schilderung  der  Spaltenbildungen,  die  Mineralgange  zu  envahnen  i\nd 
dieselben,  statt,  wie  sonst  wohl  gebrauchlich,  in  einem  besondern  Anhange, 
bei  den  einzelnen  Sedimentformationen  als  diesen  angehorige  und  von  i linen 
untrennbare  Vorkommen  zu  besprechen. 

Unsere  Literatur  besitzt  eine  Anzahl  trefflicher  Lehrbiicher  sowohl  iiber 
einzelne  Zweige,  wie  liber  einen  grossen  Theil  des  Gesammtgebietos  der 
Geologic.  In  ihnen  stand  mir  ein  ausserordentlich  reichhaltiges  Material  zu 
Gebote,  bei  dessen  Benutzung  mein  Hauptaugenmerk  auf  die  Beschrankung 
des  in  Fiille  Gegebenen  auf  das  Wesentlichste  gerichtet  sein  musste.  wie 
solches  in  einem  auf  die  »Elemente  der  Geologie«  beschrankten  Leitfaden 
enthalten  sein  darf.  Vorzugsweise  konnte  ich  mich  auf  die  bekannten  Lehr- 
bticher  von  Naumann,  Bischof,  Lyell,  Dana,  Vogt,  Zirkel,  Quenstedt.  v»»n 
Cotta,  Frd.  Rb'mer  und  Bronn  sttitzen.  ohne  jedoch  die  Monographien  und 
Arbeiten  anderer  Geologen  unbeachtet  zu  lassen. 

Somit  empfehle  ich  die  vorliegenden  Elemente  der  Geologic  der  wobl- 
wollenden  Beurtheilung  und  nachsichtigen  Aufnahme  der  Fachgenossen. 

Leipzig,  im  Juli   1872. 

HERMANN  CREDNER. 


VORWORT 

zur  zweiteri  Auflage. 


W, 


enige  Wochen  nach  dem  Erscheinen  meiner  »Elemente  der  Geologie« 
stellte  sich  die  Nothwendigkeit  eiiier  neuen  Auflage  derselben  heraus. 
MciiMMii  \\ Yrkr  aucli  nur  eincn  annahernd  iilinliohen  Erfolg  zu  wttnschen, 
danmls.  als  ich  es  vor  fttnf  Monaten  der  wohlwollenden  Aufnahme  von  Seiten 
meincr  Facligenossen  empfahl,  hiitte  rair  zu  unbeseheiden  geschienen,  uud 
auch  heute  gestehe  ich  es  mit  Vergnligen  zu,  dass  man  den  Hauptfaktor 
dieser  raschen  Consumirung  einer  starken  Auflage  in  dem  drlickend  fiihl- 
l):iri'ii  Mangel  eines  kurzgefassten  Gnmdrisses  der  Geologic  zu  erblicken  hat. 
DicscM  Hrt'olg  liefert  jedoch  zugleich  den  Beweis,  dass  die  Beliandlung, 
\vclche  der  Gesammtstoff  der  Geologic  in  meinen  »Elcmentem«  erfahren  liat, 
jciifin  BedUrfhisse  im  Allgemeinen  entspreche. 

Ant'  der  anderen  Scite  alter  treten  mir,  jetzt,  wo  das  Buch  fertig  vor 
mir  licji't  und  als  Leitfaden  ftir  meine  Vorlesungen  benutzt  wird,  jetzt,  wo 
sicli  die  Urtheile  bowalirtcr  F;ir]igenossen  meliren ,  auoh  seine  Feliler  in 
bestimmterer  Gestalt  entgegen. 

Kiir  einen  der  wesentlichstcn  derselben  lialte  ich  den  Mangel  specicllercr 
Literaturaiigabcn.  d.  h.  also  den  Mangel  kurzer  Aufzahlungen  der  wesent- 
lichstcn und  ncucsten  Litcratur  des  Inhaltcs  jedes  einzelnen  Abschnittcs 
zuin  Xwecke  der  Belehrung  der  speciellere  Auskunft  Suchenden. 

Die  neue  Auflage  meiner  »Elcmente«,  wie  ich  sie  heute  durch  einige 
Worte  einleite,  folgt  jedoch  der  ersten  so  rasch,  dass  es  unthunlich  war, 
jt't/t  sclidii  dem  von  mir  erwahnten  Mangrl  ab/uhelfen  und  mir  nichts  Ubrig 
blcibt.  als  dies  auf  sj)Utere  Zeit  zu  verschieben.  Sollte  meinen  »Elemcnten« 


VI  Vonvort. 

das  Glttck  einer  dritten  Auflage  wiik-rialireu  .  so  wird  der  Leser,  abgesehen 
von  alli-n  anderen  Umanderungen,  an  der  Spit/.e  jedes  Kapitels  die  Auf- 
/a'hluuj;1  der  wichtigsten  auf  dessen  Inhalt  bezUglichen  Literatur  finden. 

Bis  dahin  empfehle  ich  das  Werk  in  v o  1 1  s  t a n d i g  un  v e  r  :i n d e r t e r 
Gestalt  dem  gleichen  Wohlwollen,  mit  dem  seine  erste  Auflage  aufgenominen 
worden  ist. 

Leipzig,  im  November  1872. 

HERMANN  CREDNER. 


EiiileituiiK. 

i)     1.    AlifLiidii'    dor   lionlogie 1 

(j    2.   EintlioiluiiL:  dor  Geologic 1 

§    3.    HiHs\\issoii-rh;iflon  dor  Geologic ?    .    .    .    .  2 

§    4.   Geologische  I.iteratnr 3 

Erster  Abschnitt. 
Physiographische  Oeologie. 

§  1  Ge.-tall  nnd  dn»so  dor  Krde 5 

§  2.  Spooilivlios  Gevsicht  der  Erdo 6 

§  3.  Temporatur  des  Erdinnern.  Gluthllussigor  Krdkorn  .• 7 

§  4.  Vertheilung  von  Land  nnd  Meer  auf  dor  Erdoberflacho '.» 

(6  5.  Allgeinoino  Gnippirung  dor  Conlinente  nnd  Oceane !» 

§  fi.  Gliedcrnng  dor  r.ontincnlalmasson 10 

0  7  Inseln 10 

\6__8_.  Anscheinende  Geselzmassigkeit  in  don  limrissen  der  Continento 11 

j| 9!  Reliefformen  des  Landes 12 

§10.  GO\MSSC  liosotzniassigkeiloii  in  den  Reliefformen  des  Landej. 14 

§11.  Dor  Meerosgrnnd la 

Zweiter  Abschnitt. 
Petrographische  Oeologie  (Petrographie). 

a)  Allgemoinos. 

§    1.   Aufgabe  der  Pelrographie 17 

§   3.  Wesentliche  Bestandtheile  der  Gesteine .•    •  '7 

§    3.   /nfalli^f   Bosl;iinlllioile  der  Gesloino 18 

§    4.    Accesv>risohr   HosUuulmasson 1(* 

^trnctur  der  Gesteine " 20 

§    6.    (Jehergango   dor   licsh'ino 22 

§    7.   Bostiininnng  dor  Gonion^llicilo  dor  dotoine 23 

Anvsondung  des  Mikroskopes  in  der  Geologio      ...» 23 

§    8.  Classification  der  Gesteine 30 

b)   Uebersicht  dor  Gesteinsarlen. 

< 

1.  Classe.  Krystallinische  Gesteine. 

1.  Ordnung.   Einfache  Gesteine. 

1.  Familie.    Eisgesteine. 

1.  Eis 31 

2.  Familie.     Haloidgesteine. 

2.  Steinsalz 32 

3.  Gyps 33 

4.  Anhydrit 34 

5.  Kalkstoin 34 

6.  Dolomit  . 


VIII 

3.  Fa  mi  I  ic.      K  if -d !;<••»( c  in r. 

Heite 

B     'JuaiYit 38 

«J.    KrystallmiM-hfr  nu.iiY-.iiulMriii 38 

10.  Kirsclx'hirfer ;js 

11.  FfUfrslrin ;l'j 

Hornstfin,  -l.i-.pis,   >u.»\\,i  —  rn|u.n  /..    Kir-Hsmlfi ,    roliiM'Im-fcr,   Kicselguhi  I'.i 

4.  Familie.     Silicatgcstei  nr. 

!•_'     lluinlilmdcfds 40 

«3.   ChloriLschiefor 40 

14.  Talkscliiffer 40 

i '.     NTpfiitin 41 

5.  Familif.    E  rz  grstoi  in- 

16.  SpatliriMMistcin * 41 

17     Spliaro^idi-rit \-> 

18.  BrauneiMMisloin 42 

19.  Rotheisenstein 42 

it)    Mat;fioteisenstein 43 

6.  Familie.     Kohlengesteinr. 

21.  Torf '.  .t 

2i    Braunkohle 44 

23.  Sleinkohle 44 

24.  Anthracit 45 

25.  Grapbit   .    .   .    .  , 45 

26.  Petroleum 46 

27     Asphalt 46 

Guano 46 

2.  Ordnung.   Gemengte  krystallinische  Qesteine. 

1.  Abtheilung.    Massige  Oesteine 47 

Classification  der  massigen  Feldpatbgesteine 48 

Aeltere  Feldpathgesteine. 
a)  Quarzhaltige  Ortboklasgesteine. 

28.  Granit 49 

29.  Granitporphyr '. 51 

30.  Felsitporphyr 51 

31.  Felsitfels 53 

32.  Felsitpechstein 53 

b)  Quarzfreie  Ortboklasgesteine. 

33.  Syenit 54 

34.  Quarzfreier  Orthoklasporphyr 

c)  Plagioklasgesteine. 

35.  Diorit 56 

36.  Corsit  und  Kiigeldioril 

37.  Porphyrit 58 

38.  Melaphyr 

39.  Diabas 60 

40.  Gabbro 

41.  Hsperbtheml 

42.  Sc'liillerfels 63 

.lunge  re  Felds  pa  t  h  gestei  ne. 
a)  Quar/lialtiut'  SHiiidingesleine. 

43.  Quarztrachyt 64 

b)  QuarzlVfif  Samlni-rsteine. 

44.  Trai-h\t 66 

45.  Phonolilh 67 

c)   Plaguiklasiicslcinc. 

4fi.  Horobieode-Aodesil 68 

47.  Angit-Andesil 69 

48.  TrarliNlprrbstcin 

49.  Obsidi'an                                                         70 


luhalr  IX 

Seile 

50.   Perlit 71 

.".  1      Kimsstein 72 

Di. •    Handle 

lij     I'la-ioUa-   Dolent,    ii.-li>t    \naiiK-Mt   uiitl   Pl;i£inklas-l<as;dt 73 

..(     Ni-phelin-Dulerit    uud   Nepli<-liu   l!a>all 76 

54.    LcurilopliN  i    inul    l.i-ucilhasalt        77 

35.   TaHiylyl 78 

I  fldspallitme   IM,I>M.-C,   gemengte  kry  stallinisrlit-  (icslcine. 

,i.-i-en 79 

57.    Turmaliiil.-ls 79 

tlogll             79 

59.  (Jranatl.-ls 80 

Kinzigil,  Curdierill'els,   Diinil,   Lberzolilb,   Kulysil 80 

2.  Abtheilung.    Qeschichtete  Oesteine. 

60.  Gneiss 80 

61.  firanulit       88 

61     llallfllinla       83 

63.  Porphyroide 83 

64.  Glininifi.scliiclci 84 

<i,'i    Tbonglimmerschiefer,  l'li\llif 85 

SiM-icilscliicl't'r S6 

66.  Hacoluniit 87 

2.  Classe.  Klastische  (Triimmer-)  Gesteine. 

4.  Familie.    Lose  Accumulate 
a)  Pruducte  mechanischer  Zerkleinerung  durcii  das  Wasser. 

67.  Sand,  Kies,  Seifen,  Grus,  Gerdlle,  Geschiebe 87 

b)  Lose  vulkanische  Auswiirflinge. 

•  -     \  iilkanisclie  Asche,  Sand,  Lapilli,  Bomben,  Blockc ,  Bimssteinsand  iindBims^l'  mun  nil.  88 
t.   Kamilie.    Sandsteine,  Conglomerate,  Breccien. 

69.  Sandstein • ss 

70.  Conglomerate 90 

It.  Breccien 9\ 

3.  Familie.     T  hongesteine. 

Kaolin 93 

7:t    Thon,   Lehm,  Loss 93 

-'  hieferthon 94 

75.  Thoiisc  liiclcr 95 

4.   Familie.     Tuffe. 

76.  PorphyrtuH' 96 

77.  Gnmstfintuff 97 

-••halstein 97 

7!».  Tuffe  der  trachytischen  und  basaltiscben  Gesteine 98 

Dritter  Abschnitt 
Dyiiainiscbe  Oeolugie. 

Der  Vulkanismus. 

Begriff  des  Vulkaiiismus 400 

I     Vulkane  11  ixl  ihre  Thatigkeit. 

Begnlt   i'iiii->   \ulkans 100 

a)  Die  geschichteten  (oder  Strain-)   \  ulkan. 

§    1.  Charakter  dersolben KM 

;•     '     Mali-rial  <ler  Vulkanenkegel  und  daraul  luisirle  Einlheiliini:  dci-  Mratovulkane  .    .  102 

tj    :<.    I  nlrrgrund   di-r   Vulkane 103 

§    4.   Ringformigc   I 'm\\allunp-ii.    Hinstur/.knileir Id', 

tj    '<•    Maarc (05 

§    6.    I'nterseeisrhe    Vulkaue  und   Vulkaiii-ninseln lO.'i 

§    7.   Kaiuiilii  In-   Veikniipl'uiii;  der  \ulkane.     Vnlkanenreilien   und   Vulkaiiengruppi-n    .     .  106 


I  .I-:--  der   Vttlkaoe   nut    Hezug  aul    Land    niul    Meet                                                        .  107 

(j     '.>     (Jcngrapliisclie    VcrtlieillUig    der   Stratovtilkanc      .  )OS 

§  10.    Erloscheno    niul    tliatli;c    Vlllkane      ......  IP 

$11.    Die   normale   Thaligkcil   tier  Stralovulkane  n> 

/(island   dec   Eruption  dcr  Stralovulkatic        ............  It, 

b)   Die  homogcneii  Vulkanc. 

§  13.    C.haraktcr  deisoll>en   ......................  1)6 

§  It.   Slruktnr  dor  hoiuogoiiou    \  nlkaur       .............  ll'.i 

d  t.'i     \  ft  •kuupt'iing  dcr  homogonen  und  gosohielitotcn   Vulkanc      ...  H'j 
§  16.    Enlstphung  der  homogpiien  Vulkanc  ............                                        .419 

2.  H  i-  1  ssr   UUP  I  1  1-  n. 

Hnssr  Uudlen     ...........................  1  "< 

3.    Vulkan  is  die   Erdhebeii. 

§     1.    BogrifT  derscllicn     ....................  123 

$     i.    InltMisilat    und   Art    mid    Wci-o  dn    HI-\M>I;IIIII:   <kv»   Modcns    .     .  1  '.; 

j5    *.  Fortpflaozungsweise  <i«'i   KnUii-iicn  ...............  t  >\ 

§     4.    \bbfingigkeil   <I»M-   Kixlht'lu-n   Vun  don   pjnt;iiostiM-hiMi    \  rrlialliu-scn   ....... 

i     :>.   FortpflanzangSgescbwindigkeit,   Daunr,   Haufigkeit  und  Ansdcliininu  drr  l-irdlu'lioii 

v;    r..  Scobehen  ................................  12fi 

1}     ~.   Wirkungen  der  Seebeben     .........................  127 

§    8.   Beziehungen  zwischen  Erdbeben  und  viilkanischeii  Eruptinncn  und  zwisclicu  Krd- 

behcn   und  Gcstirncdiistellation    .......................  127 

4.   Pe  rmanon  I  c  Hehungen  niul  Sc  n  k  n  n  u  r  n  dcs   Modons. 
§     1.    liislanlanc    nder    sacculart1   Hfliiinucn   und   Scnkiinucn.     Anlialls|iiinktf   i'ur  <'.un-«ta 


§    2.   Beispielo  von  Hebungeii    .......................  I  -^i 

§    3.   Beispielc  von  Sctikiingcn  ..........................  1  31 

'     llrhunutMi   und  Sonkiingon   in  trulicrcn  geolugischcn  /iMlraiunoii        .......  133 

•  .   KiiKlchung  dor  Continento   .........................  l.<:> 

§    fi.   Auscheinendc   (losotzmassigkcil    in    dcri    Conturlorrncn   der   Conlinonto    und   dom 

Vcilaule  der  (Ii'hirgo  irn  /usammenhange  mil  deron  KatetetHlBg9VQis6    .....  136 


Die  geologische  Thatigkeit  des  Wassers. 

Dio  acolouisrlio  Thatigkoif   <|o>   Wassors    ............    •.  (37 

1.    Das   f  I  ns>  i  LO    \V  a  ss  P  r  a  1  s  g  «•  <>  I  op  i  s  r  h  os.   \\  ••  i  k  /.  c  u  r 
Allgemeine  Darsfollung  seinor  Tliatigkeit    ............  13* 

a     Dip  chi'mischo  Thatigkpil   dcs   \\assrrs. 
§     1     Das   \\assn   ....................  .....  til 

)     2.   Durchdringlichkcil.   Autlosliclikoit   und  Zprsctzbarkcit  allcr  'icstcino  dnrHi  \V,i-s.-i      11-' 
j5     3.    Die   hvdro-cliciiiisi  hen   I'mrcss,.  .......................      <43 

"1.   Aiitldsiing      ............................      143 

2.  rm\vaudlung   \\asscflrcicr  in  wassorlialtigc   Miiicralipn    .    .  .    .      145 

3.  Oxydation      ............  ,  .........  .      146 

4.  Reduction     .........................  1  is 

:\.   Carbonatbildungcii  durch  /erselzung  V«MI   Silicatcn  .    . 

§     4.   Die  liyiro-cliomisclien   Process.'     \  i.rtsclzting  ..............  IM 

§    h.   I  nfcrirdische  Absatze  aus  Mincralsolutioiipn    ............. 

)     fi.    Minoralqucllon   und  deren   Ahsatzc     .........  159 

§    7.   Dem  Meoro  zugetnhrto  Mincralsubstanzen    ................          Ifil 

§    *.  Hbhleabildnngea,  Erdfalle,  ErderscbntterungeA,  Schtchtensteruogen  m  holgc  d«M 

untcrirdisclieri  Tliatigkeit   dcs  Wassers       ...................      16i 

b;   Die  mechanische  Thatigkeit    «1'^   Wassers 
§    9.  Die  fliessenderi  Gewasser     .........................      165 

§  10.  Erosion     ...................  167 

1  41.  Transport  und  Absat/e  von  Seiten  fliessender  Gewasser     .    .        ......  169 

§  12.  Die  mechanische  Thatigkeit  des  Meeres  ................ 

(j  13    /cistdrende,  transportirende  und  ^iederabsetzende  Thatigkeit  ,i 

2.    Das  Ei  s  a  I  s  geol  01:  i  >••  h  e  -   \V  c  rkzeug. 
§    1.  Wesen  der  Gletscher    ................  179 

§    2.  Bewegung  der  Gletscher  .    .    ............. 

§    3.  Tntere  Grenzc  der  Gletscher  ......... 

§    4.   Verbreitung  der  (iletscher   ................ 

:      .     Von  den   Bp\\egungcn  dor  r,|risi-hci    .il.li.-  ••lieinungen      .......      1  s  < 


Inhalr.  XI 

Das  organische  Leben  als  geologisches  Agens. 

Seite 

(j    t.  Manni^faliiLiki'ii  der.ueoiodsdien,  durchorganischeThtttigkeit  vartnittelten  Vorgiinge  I8tf 

;i     Kalkalischcidmii:  atis  dfiii    Nicer  durcli   thicrisclic  Thidkkcil. 

§     i.    Die    Uaiilrn   der   I'oKpen    .........................  190 

§    3.  Muschel-  uiul  ForaminiferenBtoke    .....   r   ...............  191 

li     Aul'speicln'riini;   von   Koldenslnll'  dnivli    pllan/.liclic   Tliiiliukeil. 

jj     4.    Der  Yerkoldmii:>pi-<icc>-»  und   .lit-  kolileiihildenden   I'tlanzen    ..........  19* 

j     .V    Gas<|uellcii   aN   I'rodncle   di'i-  /ei-M-l/tini;   vejuMahilischer  Suhslan/eii     ......  1ljr> 

j     i;     Schlammvulkaiie   als   Resultale   oi'Liaiiiscln'i-   /<•!  sc'txuiii-fii     ...........  I9H 

Die  Zeit  als  geologischer  Factor. 

(irii-.sc  ilrr  iii'tiloLiisi-lifii   /I'ili-aiiiiic    .....................  197 


\  icrter  Absclniilt. 
Petrogenetisclie 

§     1.   AiiUialii-  .IfiscllM'ii 

A.  Die  Eruptivgesteine. 

(j    i.    Knt^lt'liuiit;  tin    Ki  ii|)livt;i'stiMhc      ......................      iOI 


H.   C'.liaraklt'i'istisrlic   Kii-eiilliuinlirlikcitcii  (k-r  Eruptiv^esteiii*-     ..........      203 

".     Kni|iti\r   Nalur  drr   liasaltisi-licn   und  tracli\  tisflicn   (ii'stciiic  ..........      iOfi 

ii     Kruplivf    Satin-  L-C\\  isscr  Ci-anili1  .    so\\jc   dcr  Kclsitpiirph\  i-e  .   Syinli-,    \li-l;i|ili\  i  v 


B.  Die  Sedimentargesteine. 

§     7.    Kiitstcliun^  und   Material  der  Sfdiiiu'iitarsiosleino      ..............  ill 

§    8.  Oliai-akti'i  i-liM-hc  Kfiiii/ciclicn  d»T  Soditnoulariiestcinc     ............  212 

\i    9.  Miiiri-oi,'fiic   Sedimeatiirgesteine   infriianisclifu  I'l-spruu^^     ........  ili 

i  10.   Minci-Di-'i'iic  Sedimenttirgesteine  ciiruiiscltcii  I  rspi-n  hires  ............  213 

§  41,   ZiKiyt-iic   und   ph\  lutiem1  Si>diim'iiti.'i'striiic      ..................  ils 

C.  Umgcwandelte    metamorphische    Gesteine. 

vj  \t     Hcu'i-ilt  di-s  Mclaiiiorphisinus        .......................  219 

§  13.   Narh\ycisl>ari>   (icst('iiisiiiii\\aiidlunt:cii   durcli  Mincrali|iicllon   und   Sickcrvvasscr  .     .  i20 

§14.   Nai  li\\fjsl»are  Gesteinsurmvandiungen  durch  \idkanische  Dampfe     .......  £22 

§  15.  GesteiosumwandluDgen  duidi  Koldenbraiidc  .................  223 

§  Ifi.   Nai-hweisbarc  Vcra'ndprunt-'«-ii  durcli   Eruplivijt'-tfini'    .............  223 

§  17.   Die  Thrni-ie   \om  allgeiiK-iiifn   Metainorpliismus      ...............  227 

Fiinfter  Abschnitt. 
Architektonisclie  Geologie. 

Aufgalir  d.-i-i'llien  .............................  i33 

a    die  geschichteten  Gebirgsglieder. 

<!     1.    Die  Si  hit-Id      ..............................  233 

^(•liicldfiirciliiMi  ..............................  235 

^    3.   Schiclilcnlage  ;   Scliiclitrnsliii  uniicn  durcli  Aut'richtung  .............  237 

v)     A.   Sclijcldcnstoi  iinui'ii  diin-li   FoltuiiL.'cii  udci    liicL'imgen    .............  239 

§     5.   SchichtefiBttfrangeo  (lurch  Spaltuiii:i'n  und    Vt'r\\crfiingen    ...........  242 

§    6.   LagerongSTerbaltDisse  /weier  Schichtenreilien  zu  einander     .........  243 

,     KrlaliM-  Allcrshcslimmung  der  Schiclitfiistui  ungen   ..............  244 

I  ianv\,.|  s,,|,.  s.-liicforung  ..........................  246 

h    Die  massjtren  Gebirgsglieder. 

i)     9.    Ihiv   l.;ii,'ciuiii;sfornr)en   ...........................  247 

§  10.   Ihre  Structurlormen  ........    •    ...................  £49 

o    Die  plait.  -nformigen  Mineralmas<en     Minn  ilj;n 

ji  1  I     \Vc>,-n  und  Entstelmng  der  Mineralgange    ..................  251 

>5  1  -i    Ganf-verhaltnisse     ...................    ..........  252 

0   l;-i     VIM  v.  frfuiis'o  n   der   Minn  .iL  ,m  •••      ....  253 


XII  lul.alt. 

Scdistor  Abschnitt. 
HistorisHie  Geologie. 

;i     Kinleilendes. 
§     1.    Aulgahe   der  hislorisrhen   Geoloijie 

(j    4.  i>ar\\  in's  Transmatationsfheorta 257 

§     3.   Geoloi^iselu1   Perioden  uml   Foriuationen -^:,s 

§     4.   (iren/en   der   Formation    nach   ohen    ninl    unti'll 259 

§    5.    Horizonlalc  Ausdehnung  einer  Formation  und   Vcrschiedenartigkeit  gleichallcii^er 

Formalioncn 260 

§    6.  Altersbflziehaogen  xwisohcu  Pormationen  von  i:leichem  paJaeoatologischeoi  Habitus  261 

§     7.    AnhftHspOnkle   zur  IJcsliniiuiini;  dcs  i-colo^isclirn   Alters  \(»n   Scliicliti'iic(iiii|ilcxcn  i62 
§     S.   (ilic(li>ruM£    der    BbtwicklQpgageschidlte    uml    (it-r    fi)ls|)i'('clicii(lcii  Srliichlcnifilif 

dor  Krdkrusle  in   I'eriodcn  und   l-'onnnlionon 264 

Abstammung  und  fruliostcr  Zustand  dor  Erde.   (Kant'sche  H\  |)(>lhcsc,      267 

b)  Forinationslcliic. 

Dit>  l-'undanK-ntal-Koniiation   (Erslnrrungskruslc) 468 

A.  Die  azoischc  Formationsgruppe. 

Cliaraktoristik  dcrsclbcn      269 

Die  laurentiache  oder  Urgneisaformation. 

Petrograpbischer  Chnraktor 270 

Aiuloulunticn  organischen  Lcbens  wahrend  der  lauruntischcn   I't-riodf 273 

Miichti^kciL  und  architektonische  Verlialtnisse 274 

La^erungsvcrliidtnissc  der  laurentischen  zu  den  iibrigen  Formationen 275 

\Crbreiturfg 376 

Die  huronische  oder  Urschieferformation. 

Petrographischer  Charakler 477 

Organische  Restc 281 

Architektonische  Verlialtnisse 281 

\Lagerungsverhaltnisse  .   \  ttf^uA^^ 482 

Tabellarische  Uebersicht  liber  die  azoischen  Formalionen      283 

.  Vulkanische  Erscbeinungefl    wahrend    dcs   azoischenZeitallers  und  ini  (ichictc  lauirn- 

tischer  und  huronischer  Formationen  iibcrhaujd 284 

B.  Die  palaeozoische  Formationsgruppe. 

C.harakterislik  und  Glicderung  derselben 4,sy 

Die  silurische  Formation. 

Pelrographischer  Charakter 290 

Architekionisehe  Verhaltnisse • 291 

Palaeontologischer  Charakter  der  Silurformation 494 

/Nveitheilung  dor  Silurformation 299 

\Geoi.<ra|>hisrhi'  Verbr_oitun!.' 300 

Vulkanische  Erschcinungen   und  Ganggebilde  im  Gebiete  silurischer  Tcrritoi  ien     .    .  304 

Glii'derung  und  Parallelisirung  der  silurischen  Formationen   verschiedenor  Lander         .  305 

Kiickhlick  auf  das  silurisohe   /eilalter 310 

Die  devonische  Formation. 

Petro»raphisohi%r  Charakler 3H 

AK  hiteklonische  Verhiillnisse 314 

Pidaeontologischcr  Charakter 314 

Divitheiliuii.'  der  di'Muiischi-ii  Scbichienreihfl 319 

Old-red-saiidstoiie-Facies 319 

iH-iiiM-apluM-hf    \'erbrcilung       320 

Vulkanische  ErscffeliTongeD  im  Gebielo  devonis<  her  Foi  inalionen 344 

(iliederuni;   und   Parallelisiruuu  devunisfhei    l.n  inalionen 325 

Kuokhliok' 347 

Die  carbonische  oder  Steinkohlenformation. 

I'etKiL'i -aphiseher  Charakter 

Lageruogsverhfiltni8§e 329 

\K-liilektonische   \fihiiltnisse 349 

I'alaeonluloiMsrher  Charakter 

X\veitheilnniL'  umi  versrhiedene  Facies  der  carbonischen  Formation 338 

<ieoi.Taphi»i-tie   \Cihreitung  derselben 340 


Inhult.               -  Mil 

Si'iti- 

Die  kliniatischen   Yerlialtnisse  \\aluvnd   tier  rarliunisrlien   1'eriode 345 

Die  Bildung  der  Sleiukolilenllol/.e 345 

Yiilkanisrlie  Krsrlieinunuen   und   (iiiimliilduii^oii   im  (lebiete  carboniseher  Formationeii  347 

Itik-kblk-k 35* 

Die  Dyas  oder  die  permische  Formation. 

Bililungswcise  und  CharaktorisUk 353 

I'alaeontnlo^isrher  Cliarakter 354 

I)  ic   UN  ;i  s  De  u  I  sch  la  ml  s. 

1.   Das  Both  I  icgcndc. 

IVtrofzrapliisi  -her   Cliarakter 358 

Palai-oiiliilniii-ii-lii'i-  Cliaraktci- 360 

Gfslfinsfi-ii|itioiKMi   \\alirfiid   dcr  AltlaiitM-uiit;  dcs  HothlioyeudiMi 361 

2.   Die  /cell  sti>  in-G  ruppi' 

Cliarakli-rislik   mid   (ilicdcrung 364 

Uaiiefurniii;!'  Krzla^crsliillcn   in  drr  ZechBteiO-Grttppe .* 367 

VfrliiviluiiL:  tier  dcutsrlu'ii   D\as 368 

Die  Dyas  E  n^  la  uds. 

(ilicdiTung 369 

Die  |M>rmische  Formation  Russia  nds. 

Cliaraktorislik 369 

Die  |)c  i  in  i  schc  Formation  in  No  rdanteri  ka. 

Cliarakteristik                          370 


Kurklilick  aut  die  Entxvickelung   dcs   organischen  Lcbcns  wa'hrend  dor  palaeozoischcn 

/..•ilalter 374 

C.  Die  mesozoische  Formationsgruppe. 

Chaiaklfi  istik   und   (iliederuilg 37s! 

Die  Trias. 

CltaraktiM'istik • 373 

Die  (I  c  u  tscli  e  Trias. 

<.   Dcr  liiintc  Sand  stein. 

I'ctid^rapliischer  Cliarakler 375 

Er/rulirung 377 

Palaeootologucher  Charakter 377 

a.    Dcr  Muschclkalk. 

laphisclicr  Charakter 379 

l'alin'()iiliiloi;isrhcr  Charakter 384 

_ 383 

3.  Dcr  Keuper. 

Charakter 384 

I'aluconloloL'isclier  Cliai'aklcr 385 

(iliciloi-ung 386 

Verbn-ilimg  der  Trias  in  Deutschlnnd 389 

l.a^cmngsvorlialtnisse  der  denlschen  Trias 3<jO 

Die  e  n  L;  I  i  sdi  (•  Trias. 

r.haraklrristik 3yi 

Die  Trias  in  Dcutschland   und   Knt-land 393 

Die  New  -  He  d -S  a  n  (I  s  I  une  Formation  in  Norda  me  r  i  k  a 

Cliarakteristik ;)<)/, 

I)  i  e  Tr  ia  s   in  <l  e  u  A  I  pc  n. 

Die  (iliedenniii  der  alpinen  Trias MIK; 

I.  I  nlere  alpine  Trias '   .    .    .    .  3<J8 

II.  nbere   alpine   Trias 3yy 

Krnplivgesleine   der  alpinen   Tria- /,0i 

Der  Jura. 

Cliarakteristik ' 403 

1.   De  r   I.  i  a  s 

Petrographlscber  Cbarakicr 405 

Lagerbngsverhttltaisse 40«j 


\llgemeiner  palteoBtologfscher  Charakler   ..............  406 

•  iliederniiL:    de>    I.  ins      .......................  408 

Tabellarische  Uebersieht 

i.    Der  Dourer  odcr  In.  nine  Jura 

I'elrographisrlier  Charakter     ........................  411 

LagerangsverhfiltnteM  ............................  ',1-2 

I'alaeontolodx-her  Charakter      ..........................  4  \  ;< 

C-liedcriing  <les  Dogger     ............................  ',  i  , 

Tahellarisrlie    Uehersicht       ............................  417 

li.    l)cr   weisse   odcr   ulu-re   Jiirn. 

Petrograpbiscber  Charakter    ...........................  it\-l 

Paheontologi&cher  Charakier     .......................  /,is 

(iliederung  ..................................  421 

I'aliellarisHie   I  ehersiclil      ...........................  425 

Gcofirapliisrlic  Vcrbrcilimt:  <lri   .luriironiiiilion    ......  426 


Die  Kreide 

(iharaklcrislik    mid    peiTOgraphiSOber   (lluii'iiktcr      .................  .',31 

Palacoiilfilo^ischer  Charakler      ..........................  433 

Siidlii-lic   nnd  ndrdlichc  Kreidefaries    .......    ................  436 

lilioderuiiL;  dor  Kreide     .............................  436 

Neocom    ....................................  437 

Tabellarisrhc  leliersielit  jler  Kreido     .......................  438 

\\  'caldtMiformation      ......    .........................  440 

(iault     ......................................  443 

Cenoman     ...................................  445 

Turon   .....................................  446 

Senon   .....................................  448 

Geographische  Verbreihma  der  Kreide  ......................  450 

Lagerungsverhaltnisso  ..............................  455 

Eruplivgesteine  und  <!aii}>^ehilde  im  Gebiete  der  Kreide   ..............  456 


Hi  .  kblirk  aufdie  Entvvickeluiii;  dcs  (ir^anisrlien  Lebenswahrend  der  mezozoischen  Zeitalter.  457 

D.   Die  kaenozoische  Formationsgruppe. 
Das  Tertiar, 

Charakter  der  Tertiarporiode 459 

Die  E  o  r  a  n  f  o  r  m  a  t  i  o  n. 

Die  Eocanformation  im  siidlichen  England 464 

Die  Eocanformation  des  Seinebeckens 466 

Die  Eocanformation  des  Sudens 468 

Die  0  1  igoca  nf  or  ma  t  io  n. 

Tabellarisclie   Uebersicht 472 

Die  Oligocanformation  in  Sudengland 472 

Die  Oligocanformation  im  Seinebecken 473 

Die  Oligocanformation  der  Schweiz 47". 

Die  Oligocanformation  in  Norddeutscbland 17(5 

Die  Miociin-  und  P  li  ocan  formal  ion. 

Tabellarische  Uebersicht 482 

Das  Becken  von  Mainz 482 

Das  Wiener  Becken      484 

Die  neogenen  Tertiarformationen  der  Schweiz  und  des  iionllirlicn   Bayorns 486 

Der  Crag  Englands " 487 

Da<  Pliocan  Italiens      

Einigcs  tilier  die  geographische  Verhreitung  'des  Tertiar 490 

Die   LfiirenuiL'sverhaltnisse  der  Tertiarforrnation 492 

Vulkanisrlip  Eiscliciniuigcn  \viihrcnd  der  Tertiaperiode 493 

Das  Diluvium. 

Krsi  lieinungen  \sahrend  der  Diluvialx.eit 497 

Die  Glacialersflieiniiiigen  auf  den  sknndinavischen  und  hritisclien  Inseln 501 

Die    Driflencbeinangen    im    nordeuropiiischeii    Flachlande   und    dem    nordlichen    Theilc 

des  amerikanischen  Continentes.   dem  damaligen  diluvi.ilen   Mfi'iesboden    ....  503 

Der  europaisclie   und   nmerikaniselie   Continent   \\iilirend   tier   Dilnvialzeil 505 


Einleitung, 


§.  I.  Aufgabe  der  (ieologie.  Die  (Jcolode  I'iissl  die  Krde  als  ein  kos- 
misehes  ln<li\i(luum  ;iul'.  (lessen  Kiiienscharien,  Kral'laussenmiien  uml  Knl\\ick- 
lungsgeschichte  sic  y.u  eiiorschen  hill.  Sic  l>e/.\\eckl  (leiun;ieh  niehl  ;illein  d;is 
Sludiuin  des  ferliiren  Krdtjan/en  vind  seiner  ein/.elnen  (ilieder,  ihre  /\\eile 
gleichberechiigte  An  foal  >e  isl  die  Ergrnndimij  der  (lesehichle  unseres  IManelen 
mid  seiner  Me\\  olmer.  Sie  soil  \ ersnchen.  den  Krdball  \on  den  erslen  Sliidien 
seiner  Kxisten/.  dnreh  die  ein/.elnen  Phasen  seiner  iilliniihliehen  llei%;iusl)ildnni; 
his  /u  seiner  jel/.iiien  (lesliilluni:  /u  \erfoli;en  nnd  d;is  NVirki'ii  der  lie!  diesein 
i-jil\\  iekliinLispnieesse  lh;ili|4en  Niilnrkriifle  /u  ennilteln;  sie  soil  versnehen.  \<M 
den  /nsliinden  der  l^rde  \\iihrend  \erllossener  I'erioden ,  von  den  je\v  I'iliuen 
hninen  nnd  Floren  jiuf  ihrer  Oberfliiehe,  von  der  Verlheilmii:  \on  Kesll;ind  und 
Meer,  von  den  kliintilisehen  nnd  \nlkanischen  Erseheinnniien  I'riiherer  Xeiliiller 
ein  Hild  /u  iie\\innen  und  endlieh  die  iilliniihliehen  Veriindeninuen  /n  Nerloluen, 
\\elclien  iille  diese  \Crliiiltnisse  im  l.iiiil'e  del1  EntwickluDgSgescfaichte  der  Kr«le 
niiler\\orfen  \\.iren. 

Die  (ieolouie  liel'erl  n;ieh  ;ille  Dem  niehl  eine  nackle  Naturbeschreil»niii;. 
ihre  Auii:,il)e  isl  el»en  so  viel  iiesehiehllieher  Art:  sie  isl  die  I.ehre  \on 

dem      Krdkorper     in     seiner     gegenwflrtigeB      I1' I'sehe  in  u  iiiisu  ei  se 
nnd   seiner  iilliniihliehen   K  n  l\\  iek  I  u  iiu. 

§.  2.  r.intlieiliini:  (lei*  (Jeologie.  Die  KrlorsehmiL;  des  Krdktirpers  li.il 
I'oL'rnde ,  sieh  loi:iseli  ans  einiinder  enl\\  iekelnde  Kr;iLien  iinr/nslellen  nnd  /n 
l»e;inl\\orlen  : 

I)  Welches  isl  die  Oestiill.  (iriisse  nnd  Oherlliicheiilicseli.illenheil  ,  welches 
sind  die  phystkaiischen  Verhiillnisse  der  Krde '.'  D;ir;nif  ;ml\\  oriel  die  ph\sio- 
fir;ip  h  i  sche  (i  col  OL:  ie. 

;'  Ans  \\.is  1'iir  M.iicri.il  heslchl  der  nns /iiL'iin^iuc  Theil  der  Krde?  Dariiher 
hiindell  die  p  e  I  r  «»ii  r;i  p  h  isch  e  (ieolo^ie. 

:j)  Welche  Kriil'le  hiihen  hci  der  ursprilnulichen  Hildunu  nnd  allmiihlichcn 
Verttnderuog  des  Gestetnsm&teriais  so\\ie  der  pberflttcheogestaUuDg  der  Krde 
miliie\\irkl  nnd  \\irken  noch  jel/.l?  Aiiskiinl'l  erlheill  die  d\n,imische  (ie(»- 

Logie. 

Credner,  Elemente  d.  Geologie.  1 


2  Einleitung. 

i      Ant    \\elche    \\ei-~e   habcn   sich    miter  Mit\\  irkung   .licsrr   Kriilte   die 
BChiedenartigen   Gestcine    gebildct  ''     h.nml    bel'assl    sich    die    pet  rogen  el  i 


(  i  r  (i  log  i  ('. 

•:i)  \Vie  sind  die  Geslcinc  /inn  Aul'baii  dcr  Krd\csle  benul/l  \\orden.  \\  ie 
si  IK  I  sk>  /.inn  Gan/.cn  verbmidcn.  \\clches  isl  die  Architeklonik  dcr  Krde  ?  Dicsc 

Fragcn  behandell  die  archiiektoBisehe  Geologic. 

r>  Welches  isl  die  Enlwickluogsgeachicbte  dcr  F.rde  uud  ihrcr  |{»-\\(iliiK'i-  '! 
chit'  Krnuc.  \\clclir  die  li  is  tori  sell  c  (Jco  I  oi^i  c  xu  hc.-inluorlcn  suclil. 

§.  3.     Hiilfswissenschai'teii  dcr  Geologie.     Die  Aiifi:;il»-ii    der  (icolu-i,- 

sind.  \vie  aus  deni  ehcn  (icsji^lcn  licrNoriidil,  so  \  iclscilii;.  djiss  sicli  (lit-sc  ;iul' 
siinnnlliclie  iihriue  Xueiuc  der  Na(ur\\  issenscli;it'leii  sliil/.cn  muss.  Mine  ilirer 
wesenUidlsteD  GmndlageD  hildel  die  iMineralogie.  Die  Kin/elkor|)er.  \velehe 
il.is  .M.iierial  /nm  Aufl»au  der  Erdkruste  geliefert  hahen.  sind  die  .Mineralien. 
deren  Kiizenseliaflen.  deren  Hildiini-  und  Umbilduiii;  die  Mineralouie  lelirt.  His 
/ur  KrmitleliiMii  der  Mineralien,  aus  \\elehen  die  (Jesleine  des  feslen  Krdkorpers 
/nsainineiiLieset/.l  sind,  izeht  der  CJeoiinosl  heini  Zer^liedern  des  Krduan/en  /u- 
riiek,  ihre  Kenntniss  aher  setzt  er  voraus. 

Die  Chemie,  die  Lehre  von  den  Erseheimmuen  hei  der  Ein\virkuni:  der 
Materien  auf  einander,  macht  die  Deutuiiii  der  Gesteinsentstehunu,  die  Verfol- 
ijiing  der  Voriiiinize  heim  Werden  und  bei  der  Uniltildun^  der  Gesteine  nioiilieli 
und  jiiebt  durch  die  chemische  Analyse  Mittel  zu  GesteinsuntersuchuiiizeM  an 
die  Hand. 

Die  Palaeonto  logic,  die  Wissenschaft  von  den  Faunen  und  Floren  der 
Vorwelt,  muss  als  cine  der  Ilauptijrundlagen  des  geologischen  Studiums  betraeli- 
tel  \\erden.  Sie  giebt  die  Moglichkeil,  die  viele  Tausend  Meter  ni;iehtii.'e  Anf- 
einanderfolge  von  Gesteinsschichlen  in  /.usaininengehorige  Complexc  liinnatio- 
nen)  zu  scheiden,  sie  lehrt.  das  Alter  der  einzelnen  Gesleinsbildiutiien  y.u  coii- 
statiren.  sie  liefert  Mittel,  z\vei  wenn  auch  noch  so  weit  von  einander  enlfernte 
Seliiclilen  hinsiehllich  ihres  Alters  zu  vergleichen,  sie  giebt  Andeutungeb  iiber 
die  physikalisclie  Geographie  friiherer  Perioden  und  spriehl  endlich  in  der  nn- 
sere  Zeit  be\\egenden  Frage  iiber  die  F.ntwiekluiiLisireseliiclite  der  Organisnien 
das  entsclieideiide  Wort. 

Auch  die  Physik  sleht  in  inannigfaltiuster  He/iehung  zu  Geologic.  Isl 
doeh  die  Mineralogie  /uin  grosscn  Theilc  cine  pin  sikalisclic  \\'issciiM-lian  und 
sind  doeh  die  Fragen  naeh  dein  speeilisehcii  Ge\\  iclite  der  Erdc.  naeh  den  Tem- 
[)eraturverhiiltnissen  des  Erdiniieren  .  naeh  dcin  Frdiiiagnclisnius  rein  ph\sika- 
liseher  Natur. 

Kbenso  innig  ist  das  Verhiillmss  dcr  Astronomie  /.ur  Geologic.  Sie  be- 
lelii'l  mis  iiber  die  Slellung  unseres  Planelen  im  \\Clleiis\sleni.  sic  bcreclinet 
die  Diniensionen  und  die  allgem^ine  Form  der  Erde  und  giebt  Andeutunucn 
iiber  die  urspriingliehsteit  Zuslande  dei'selbcn. 

Xwisehen  Geographic  endlich  und  Geologic  lassen  sich  iibcrhaupt  keinc 
scharlen  Grenzen  y.iehen.  Die  Obcrlliichcnbcschallcnheit  dcr  Krde  isl  cbcn  der 
Aiisdruek  des  geologischen  Banes  dcrselbcn  und  das  Fndprndukt  dcr  Suniini- 
rung  dcr  Hf-nll.ilc  allcr  IViihercn  geologischen  Vorgiinge. 


Kinleitung.  3 

§.  i.  (jpoloifisHlP  Litcralur.  Die  \\  is^ciiM-liaKlielie  Kntfaltnni:  der  Cico- 
loiiic  \\ar  ahhiiniiii;  N  on  der  Knl\v  iekeluiii:  der  (llicmie.  Mincralouiie  nnd  Palaeon- 
loloizie  und  Liehort  \vie  die  ilirer  elicniienannlen  Iliillsu  isseMscliat'len  der  nenesleii 
Xeit  an.  Trol/.dem  hal  ihre  Lilcralur  hereils  eine  urosse  AnsdehnnnL:  UCNMHIMCII. 
a  VMM  den  Handbuchern,  \\elelie  das  lian/c  (iehiet  der  Geologic  umrassen. 
sind  als  die  \\  ichliuslen  nnd  neueslen  /n  eruahnen  : 

(I.    I'.    Nanmann,    Lehrhnrli   der  (Jeo^nosie.    '.\  B.inde.    ;'.  Anil.     I.eip/iu  iS.'iS 

his    INT;'     noeli   crscheinend.' 
(I.    Biscliol'.  Lehrbuch  der'cbemischen  und  physikalischen  Geologic.  '.\  B;inde. 

:'.     \iill.      Bonn    iSli!'.    hi<    IS(»(>.    -       Nehsi    Naelilrau    IS/:'. 
('..    Voul.     Lelirhnch   der   (ieolo^ie    nnd    Peli'dakteiikMnde.      ;'    Biinde.    '.'..    Anil. 

Brannseli\\eiu    |S(i(i    his    1ST:'     nodi    erseheinend). 
l;.    A.    One  listed  I.    Kpoclien   der   Nalur.      TuhinueM    IS(i|. 
Sir  (lliarles   l.\ell.    Principles  ol'  i^colojjy.      10.   edit.      London    18(1S. 
Sir  Charles   L\ell,    Klemenls  ol'  ticoloiix.      II.    edit. 
.1.    I).    Dana.    Manual   of  ueoloiz).      >>.   edit.      Pliil.-idrlphi.-i  a.    London    ISIiS. 

h)   Lehrbiicher  einzelner  geologischer  Disciplinen : 

Broun    niiil    I-'.    Homer.    Lethaea   iicoiinoslica   oder  Ahhildnnji  und    Beschrei- 

luinii  der  ITir  die  Grebirgsformaiionen  hc/.eiclincndsien  Versteinerongen, 

:\    B;iM.1e  Text    mid    I  :> 'i    Tal.    Ahhilduni!(-n.     III.  Aufl.     Slnlluarl   IS.".|      :ii;. 

l;.    Xirkel.    l.elirhneh   der   Petrographie,    i    Biinde.       Bonn    ISM). 

B.    \on   dolt  a.    die   Lehrc   \on   den    Brz?agersC9tt6B,    ''2    Biinde,    2.  Anil.    l;rei- 

1,,,,-ir    1X59— 61. 
I',.    W.  ('..  Knchs.    die  \nlkanisclieii  l-'.rsclieinuniien  der  Krde,  l.cijv/.ii:  nnd  llei- 

delheru    I8«i".. 
II.    Beruhaus,    IMi\sikalischer  Alias,    2.   Aufl.      Gotha    1849—52. 

Monographische  Arbeiten.  Dieselhen  Itehandeln  llieils  iic\\  isse  (icsleins- 
arlen  oder  Schichlcneomplexe.  Ihcils  den  Lieolo^isrhen  Ban  gewiSSet  Gegenden, 
oder  endlich  iicolo^ischc  Voriiiin^c  nnd  hilden  die  llanplmassc  der  l.ileraliir. 
Hire  .Mehr/.alil  isl  cnlhallen  in  den 

d)   geologischen  Zeitschriften,   nelimlich  : 

N  e  n  cs  .1  ah  r  I  MI  eh    I'ii  r   M  i  M  e  ra  I  o  •.>  i  e  .  (i  eoloLiie  nnd    I' a  I  aconloloi:  i  e  . 
ue^riindel    \on   k.  C.    \on  Lconhard  nnd  II.  (i.   Broun  1830,    I'orl^esHxl  von 
(i.   I.eoiihard    nnd    II.    B.    (leinil/. 
Xeilschriri     der    Denlsclien    i>  (To  I  o  LI  i  se  h  e  n    (i  e  s  e  I  I  sc  h  a  It  .     ersclieinl 

seil    iSiS   in  Berlin. 
Jahrhurli   der   k.    k.    li  eo  lot:  i  sc  h  e  n    B  e  i  c  h  s  a  n  s  t  a  I  I  .    ersclieinl  seil    |S:ill 

in    \\ien. 

Onarlerl\    Journal    ol    llie   ideological   socielv    of  London. 
Bulletin   de   la    sociele    L:  e  o  I  n-j.  i  i|  n  e   de    hi    l;rance. 

e  Geognostische  Karten,  hei:lcilel  \on  Profile  n.  sind  der  i-rapliisclie 
Ausdrnck  nnseres  ^eoloijiselicn  (icsammlu  issens  iiher  eine  (irtiend.  Als  Bei- 
spiele  moLreii  ani:eliilirl  \\erdcn: 

J^Marcou.^  (ieolo^ical    map   of  Ihe   \\orld.    I  :  :>:{. Kill). (•(»(>.     \\iiil.-rlhur  iSlil. 
A.    Diiiiinnl.    (larle    ileolouiipie   de    I'Murope.       Paris 

,  I  vi    b?  t~i^  \ 

j  SI  "    " 


4  Einleitung. 

von  Dechen,    Geo«nostische    Uebersirhlsknrle    von    Deutschland ,    Frankreich. 

und  den  aiiuivii/.riidrn   l.andeni.    II.   Ansi-abe.    1:2,800,000.    18(59. 
von  Dechen,   Geologisdie  Karte   von  Deulsrhland.    1:1,400,000.    Berlin   lK(i'.). 
Geologische    Karte    von    Preussen    und    den    ThUri  nui  sc  h  e  n    Slaa- 

ten.      Henuisiietieben    dnrcli    das    Koniiil.    Preuss.    Minisleriuni    fQr    Handel. 

<ie\Ncrl>f    und    ollcntliche  Arlieiten.      Mil    erliinterndein  Texte.      1    :   25,000. 

(Seit  1870  im  Erscheinen  l>eiirilVen.) 
(ieoi-nostische    Karte    des  K  ii  n  igreichs    Bayern    und    der    anuren- 

/enden    l.iinder    v.    C.   \V.    GUmbel.      Mlinclien    iSiiK.       1    :   500,000. 
(ieoiinoslische    Gene  ralk  a  rle    des   Kb'nigreichs   Sachsen    von  G.   F. 

Nan  in  a  nn.     Dresden  1845.      1    :   400,000. 
Geologische    Uebersichtskarte    der    osterreicli  isehen    Monarchic 

von  Fr.   von  Hauer.      1   :  576,000.      'Seit  18C>7   ini   Krsrheinen   b 


Erster  Absdmitt. 
Physiographische  Geologie. 


I  /it-  urosse  Mannigfaltigkeit  in  dor  Beschaflenheit  dcr  Erdoberfljiche  ist 
das  Ursult.it  aller  der Eiotelvofgtfnge,  welclie  wir  untor  deni  Begrifl'c  desEnl\\irk 
lunuspntrcs.scs  unscres  Planeten  zusammcnfassen.  Dieser  Erfahruniissalz  gicbt 
die  .Mitlol  an  die  Hand,  aus  gewissen  physikalischeu  Verhallnissen  der  Erdc 
Hiirk.M-lilii.s.sc  ;iuf  die  Enlwicklungsvorgiinge  selbst  zu  mac-hen.  Auf  die  ge- 
c  Bescbreibung  der  Erscheinungen ,  in  vvelchen  diese  geologischen  Vor- 
,1111  unverkennbar&en  iliren  Ausdruck  gefundcn  haben,  also  namentlich 
(In  (lestall  unsores  Planeten,  der  Temperalurverhaltnisse  des  Erdinncren .  <ln 
Vciiliciluiii;  des  Festlandes  und  der  Oceane,  der  Gebirge  und  Ebenen,  muss  sich 
dfi  dcr  |)li\>iographischen  Geologic  gevvidmete  Abschnitt  dieses  llandbuches  be- 
M  hriiiiken. 

§.  I.  Gestalt  und  Grosse  der  Erde.  Die  Erde  ist  ein  mil  Polar-Abplat- 
tunu  \ci.schenes  Ellipsoid,  dessen  Aequatorial-Durchmesser  1719,  dessen  Axe 
1 7  \'.\  geographische  Meilen  betragt.  Die  Abplallung  an  jedem  der  Pole  beliiuft 
sieh  somil  nur  auf  3  Meilen.  Die  Abweichung  von  der  Kugelgeslalt  ist  dem- 
.iu.vser.si  ucrini:  und  scheint  fast  zu  verschvvinden,  \\enn  man  iu  Bertlek- 
ii:  zieht,  dass  der  Niveauunlerschied  zwischen  dem  tiefsten  Meeresgrundc 
und  dem  hbchslen  HerLie  fast  eben  so  viel  betragt. 

Die  Kllipsoidgeslalt  der  Erde  wurde  vorzugsweise  durch  Gradmessungen 
•  nnst.iiirt.  welche  freilieh  so  lange  als  die  Kugelgestalt  der  Erde  ftlr  zweifellos 
i;all,  iillein  dio  Ennittelung  der  ErdengrbsSe  zum  Zwecke  halteii  und  erst  spii- 

ter,    als  durch  Pendell baehtungen  Zweifel  an  dcr  Richligkeil  der  bisherigen 

Ansichl  rege  NMirden,  auf  Feslslellung  der  Abvveichungen  der  Erdfiguralion  von 
der  Kugolform  uerielitel    \\aren. 

Die  Messungen  der  Grbssc  der  Erde  beruhen  auf  dem  Salze,  dass  wir  den 
Durehmesser  einer  Kugel  berechnen  kb'nnen ,  »sobald  ein  Bogen  eines  ihrer 
Liinssten  Kreise,  also  eines  Meridianes  der  vorausgeselzten  Erdkugel,  sowohl 
nai-h  seiiiem  Winkel-,  als  auch  inich  seinem  Linearmaasse  gegeben  ist.  Die 


f. 


t  •  m  »•* 


Winkelgrtfsse  dues  ftferidianbogons  \\urde  mil  Httlfe  aslronomischer  Beobachtun-^ 

yen.  die  l.anjjc  dessdhen  diudi  Mcssinrj  mil  dcr  KclU-  odcr  durch  Triantailalion 
Icslucsldll  iiml  ii. icli  tlrin  Sal/.c.  il.i--  sidi  der  Moridiauw  inkd  yum  Krcis.  alsu 
y.u  :{li<»",  \\  ic  dcr  Meridianhiii:cn  /urn  IMII/CII  Meridian  \crliiilt.  die  dKisxr  d  •> 
Irl/.teren  lic/.ddmel. 

Die  Knldcckmrj  des  .lahrcs  IliT;'.  da^  das  ails  hdi<Teii  Hrciten  nadi  dcin 
AiM|ii,ili.r  i:fl»r;irlilc  Scciindcnpcndcl  cine  ^criiiucrt'  An/;ihl  MUI  Scli\\  inuiiiiL;cii 
niiiclil  ;ils  Inihcr.  ;ilsd  \crkiicxt  \\crdcn  muss,  inn  scincni  X\\cckc  y.u  cnl>|>rcclicn. 
crM-liutlcric  d;is  Tlicorcin  MUI  dcr  Kii^cl^c.si.ili  dd  I'jilc.  ;nd  dcrcn  <)l»crl1;n-hc 
die  Scli\\crkr;il'l.  .ilsn  ,m<-|i  die  /.ilil  dci'  I'cndclscliM  iiiuim^cn  iiltcnill  l;isl  die  izlcichc 
l^cuocn  .scin  \\1irdc.  Die  clicu  cr\\  .dinlcn  BeobachUingGf)  u.iltcn  dcsh.ilh  Nc\\- 
ton  mid  H(I\L;|ICII>  Vcnmhissini- .  di,-  Krdc  ;ils  cin  ;m  den  I'olcn  seiner  I'm- 
drehungsaxe  abgepiattetes  Kotationssphaeroid  ;III/.IIS|M-CC|ICII.  Die  Uichii^kcii  dic- 

scr  l-'uluei  IIIIL;  snlllc  n.inieiil  lii'li  durch  GradmeSSDDgeO  ciilscliieden  \\crdcn, 
\\elc-hc  diir.ml  ucrichtd  scin  miissi,  n  .  /n  cnn>l;ilircn  .  o|>  die  .Mcridi.uilinL:cii  ulci- 
chci-  \\inkcl.  ;ilsu  y..  l>.  cincs  (ir.idcs  in  Imhcrcn  mid  nicdcrcn  Hrcilcn  i:lcidi.  ndcr 
oh  sic  tiiicli  den  I'olcn  /.n  grosser  ills  ,nn  Ac(|ii;il<»r  seitMi.  \\  ic  cs  hci  Klli[>soidcn  dcr 
Fiill  isl.  X\\ei  /.u  dicscm  /\\cckc  in  den  .l;ihrcn  \~,:\'.\  mid  :'.<,  .ih-c>.iiidlc  l'r;m/n- 
sixchc  Bxpediliooen  slclllcn  in  Liijijtland  mid  in  I'crn  (iriidinoMin^en  .m.  dcrcn 
Hesidlatr-  die  ThciU'ic  \un  dcr  dlipsoidisdicn  (icslalll  dcr  I'lrde  \  ollkoninicn  he- 
statigten. 

Audi  dureh  Pendelsch\Vingungen  isl  die  (ieslali  dei1  Ki-de  hestiimnhar.  l>ic>«- 
hcruhl  aul'  dcin  (ieset/c.  d,i>s  die  Sdmcrkrall  i|uadralisch  mil  der 
\<>m  SchWerpimkle  ahnimml.  Da  mm  die  I'cndel  an  den  I'nlcn 
schndlcr  sch\\iiii:cn  nls  an  dem  Aequatnr.  miisscn  erslcrc  dcm  Schucrpunkle 
der  Krde  niiher  lichen  als  die  letzlercn.  die  Mei'idianc  also  Kllipsen  sein. 

Die  geom.etrische  Gestall  dcrl-lrdc  he/.euiil  die  Art  ihi-erl^nl- 
.slcliuniz.  Hire  I  cirni  als  Rotalion.sellipsoid  \vcisst  darauf  hin.  dass  sidi  ihr 
.Material  u  r  s  p  i1  ii  n  L:  I  i  c  h  in  einem  plaslisehen.  cinein  lliissii:en  Zuslandc 
hct'undeii  hat.  und  /war  crhiilt  die  Ansidil  der  ( Jeolo^cn ,  dass  dersclhc  cin 
tiluthlliissiucr  ^CXNCSCII.  durch  Hcohadiliinucn ,  \\clchc  in  spiilcrci\  Ahsdinillen 
mit^ethcill  \\crdeii.  cincn  1'esten  Sliil/.punkl. 

§.  2.     Das  sjM-cifisi-he  Gewicht  der  Enle.     Die  mittlcrc  Diditiukcit  dcr 

l-'.rdc  i>l  .'i.li  ni.il  -n.sscr  als  die  des  NN'asscrs.  Die  l-'eslslcllmiL:  dicso  \Verllies 
\\ar  nidit  aul'  dircktcin  \\'CL;C.  \\ohl  alter  iinniilldhar  dadurdi  miiplich.  da>s  man 
cine  Wirkunu  der  Masse  der  Krde,  /.  Ii.  ihre  An/ichun^  mil  dcr  cines  andercn. 
seiner  Masse  naeh  hckannlcn  Kiirpcr.s  \erulich.  Xu  dicscm  /\\cekc  lial  man 
drei  Meihoden  in  AnwendmiL;  lichradil.  Die  erste  dcrsdlicn  heruhl  auf  dcr 
\hlcnkuiii:  des  Mleiloihcs  aus  der  wahren  Verlicallinie  durch  An/.iehuiii:  MUI 
Seitcn  dcr  Masse  cincs  nahdicuenden  lieri;es:  die  y.\\eilc  aid'  der  Beobachluflg 
\on  Pendelschwingungen  aid"  dcm  (iiplcl  cincs  hohcn  Hcr:jes  odcr  im  (irmidc 
cines  liel'cn  Schai-hles  und  \cm  solehcn  aul  der  eheiicn  Krdc.  \\ohci  die  DilVe- 
ren/  der  Sdiuin-nnus/ahlcn  aul'  Koslcu  dcr  /\\  isdicn  hcidcn  Heohachtun^s- 
punklen  lic^.'iiden  Krdmassc  /u  scl/.cn  isl.  cndlich  die  drille  Melhodc  auf 

den    Sdi\\ini:uiii:eii   fines   hori/inilalcii  .    daher  dcr   Seh\\erkral'l    enl/.d-encn    und 


I.    Pbysiographische  iicnid^jc  7 

dmvli  die  An/idiiing  urosser  Melallkugeln  in  IJe\\egung  ge.sel/len  I'endels  dn 
hrehwaue  . 

Das  hohe  speeilisehe  liev\ieht  der  Krdc  muss  Uberrasehen  .  \\enn  ni.ni  es 
mil  dour  der  bekaimlen  lesion  Krdknisle  vergleichl,  \\elchos  el\\a  :{,()  betragl. 
\\iihrend  sicli  die  Diehligkeil  dor  eontinenlalen  uiul  oeeanisehen  Krdoberll;ielie 
/us.miinen  aid'  k.iiiin  l.li  belanl'l.  Ks  ergioht  sich  darans.  d.iss  d;is  speeifisehe 
Go\\iehl  des  Krdinuern  bcdeulend  grosser  ills  •'>,(>  isl  ,  so\\ie  die  \\iilirscliciii- 
lichkril.  diiss  die  Dirhtiiikcil  dcs  Krdniiilcriiilrs  mil  dor  Ticfc  /uiiiinnit,  --  V<T- 
hiillnissr.  uclclie  iihnlicli  \\it-  dir  (icsl.iM  dor  Krde  ciiu-n  iirspriln^licli  lliissi^rn 
/iisl.ind  iinscrcs  I'liinctt'ii  xoriiusst'l/cMK 

§.  :5.    TcniiuTsitur  dcs  Krdiiuiorn.    (Jluthttiissigw  Erdkern.     Die  He- 

eiiilhissiinu  drr  'rt'inpiM'iilur   IIIIMTCS  I'l.iiirlen   durcli  die    \on  dcr  Siuiiie   kniniiien 
den    \\iirinesli, ililen    liesrhiMiikl   sieh   iiul'  die   iiusserste  OlxM'lliiehe   der    I'j'de    mid 

hereils  in  einei1  Tiel'e  \on  ill  his  2-">  M.  Nollsliindii:  ;iuf.  In  diesein  Ni\  e;m 
d.i  sicli  liier  selhsl  die  jiilirliclien  \Veclisel  in  der  Kinwirkimi;  dtM1 
Siuiiie  niclil  nielli1  i;elU'iid  ni;ielien  ktinnen,  cine  j;ilirein.  jiihraus  constanlc  Tcin- 
per.ilnr.  mid  /uar  ist  dicsclhc  im  Alkeim-inen  die  nehinlielie  \\  ie  die  million- 
Teinperalnr  des  an  dor  Knl(il>crlliioho  verlical  dai'iiher  iicloiionon  I'imolcs.  So 
sind  in  den  ;M.I  .M.  lielen  Kellern  des  I'ariser  Oliserxaldi'imns  Thennomeler  riuf- 
uestelll,  \\clelie  eine  eonslanio  Tompcralur  von  11,7°  C.  zeigcn  und  dcrcn  jiilir- 
lirhe  Scliwaiikmiiicn  ansserhalh  dcr  Grcnzen  der  Beobaohtung  licuon. 

NVahrcnd  die  \\anne  dor  ausserslen  Krdkrusle  eine  IVenido,  von  der  Sonne 
iichoriilo  und  \ondiesoi1  alihiiiiiiiiio  isl,  niachcn  sieh  unlorliall)  der  (Jreii/.e  die- 
ser  Meeinllussimii  Teinperaliir\erli;illnissc  in  oiner  Weise  gcltcnd,  dass  man  auf 
einen  in  dec  Tielc  der  Erde  selhsl  liciiemlen,  also  lellurischen  \Viirme(|uell 
seliliesseii  muss.  Von  dor  Gronzo  der  Kim\irkung  der  Soimenwarme  an  lindcl 
nelimli<-li  naeli  dor  Tiefe  zu  eine  stele  Tempera  lur-Zuna  h  mo  stall. 
Ms  lierrsehl  also  in  den  verseliiedenen  \i\eans  der  Krdtiel'e  eine  an  jodom 
I'nnkle  /.war  eonstanlo,  aher  in  iiloiehem  Selirille  mil  der  Tide  zunohmondc 
\\.uine.  Dieser  in  geologischer  Bezioliunt;  hoeliuiehliiio  Salz  (indel  seine  I5e- 
i;rilndunu  in  don  Tempcralnrvorhaltnisson  »o \\issor  aus  der  Tiel'e  emporslei^en- 
dor  \\armer  (Juellen.  sou  ie  artesiselier  Hrunncn  und  endlieh  liefer  Hergwerkc. 
Ouellen  bosil/.on  diejenigo  Tempenilur,  vvelehe  iliren  Wassorn  bei  deren 
Cin  ulalion  aid'  Spallen  und  KlUflen  iuncrhalb  dor  Gosteine  von  dieson  milge- 
Ilioill  \vorden  isl.  I'.s  lassl  sieh  deshalb  aus  ihren  Tem|ieralurverhiillnisson  auf 
dicjiMiigen  ihres  unlerirdiselien  rrspnmgsortos  seliliesseii.  Die  Teinperalnr  sehr 
/ahlreiehor,  ja  der  meislen  Quellen  isl  aber  eine  hohere  als  die  milllere  Tem- 
])eratnr  des  I'unklcs.  an  \\eleliein  sie  her\ orbn-ehen.  Man  nennl  dicsclbon, 
namenllieh  dann.  \\enn  dieser  I'lilerseliied  oin  hedeulender  isl,  war  me  Quel- 
len  oder  The  rm  en.  .Manehe  dieser  Thernien ,  SO  die  Geysirs  auf  Island, 
.ml'  Neu-Seel, md  und  ,im  \Veslabhangc  der  Uoek\  .Monnlains  erreichen  Siedehilze, 
und  kommen  deshalb  aus  nnlerirdisehen  Hogionon ,  wo  so  hohe  oder  noch  ho- 
here \Varmegrade  herrsehen.  deren  Niveau  unter  der  Krdoberdiieho  jcdoch  des- 
halb niehl  genaiier  lesiueslelll  \\erden  kann,  wcil  Tiefe  und  Richlung  unbe- 
kannl  sind,  aus  weleher  die  Wasser  zu  uns  gelangen. 


8  F.      l'll\-i«»Ul.lplli-~cln- 

Dieses  Ilindrrniss  \\ird  in  soldirn  Fallen  beseiliijl.  \\o  in. in  unlerinlisehen 
Wasseransammlungen  dmrh  senkredile  Bohrloeher  arlesisehe  Brnnnen) 
einen  kUnstlichen  Abfluss  \ersehalll  h;il.  Besonders  bd  der  A  n  1 .1  g  c  der  lel/- 
leren  \\ird  es  moglidi  sein .  \on  Fuss  /ir  Fuss  genaue  Teraperaturinessungen 
des  in  ronslalirlen  Tiefen  hervorbreehenden  \Vassers  \  nr/.midimen  mid  ;ms  die- 
sen  iiul'  die  Temperaturverhttltflisse  der  durcbbobrten  Gesteins/.onen  sdbsi  /u 

sehliessen.  Derarlige  Beobachtimgefa  haben  v.\\  dcin  lirsliiiiinlrii  Hcsiill;ilr  i:r- 
I'iilirl  .  diiss  milrrluill)  drr  (irrn/r  del1  IJrriiillii.s.siinii  von  Sritrn  ilrr  Sonnrn- 
\\.innr  n.icli  drr  Tirfr  /.u  rinr  .slrlr  /nnaliinr  drr  'rrinpriMliir  sl;i!llindrt  mid 
diiss  Irl/.trrr  in  drinsrlhrii  .M;i;issr  \\iirlisl,  \\  ir  die  Tii'fr  .in  l,;mi:rnrinlirilri). 
Hir  An/iilil  vnii  .Mrlrni  odrr  l;iissrn,  \\rlrhr  in, in  in  die  Tiefr  i:elien  muss,  mn 
eine  Krlioliimi:  der  Teinperiilur  urn  I  °  (1.  \\.ilinielimen  /n  kinmen  nrmil  m;m 
die  ue  ol  lierm  isrlie  Ti  e  I'e  n  s!  u  I  e.  Hei  (Jele^enlieit  der  Anhiue  vei'sehiede- 
ner  Holirl()(Hier  Mir^eiHimmene  Beol);ielilnni;en  erizehen.  d;iss  /,.  B.  in  dein  Holir- 
loclu-  von  Kiidersdorf  ;ille  92  F.,  in  dein  \on  (Jreiielle  ;ille  '.).">  F.  mid  in  dem 
\on  Neiis;il/\\erk  ;ille  9;'.;'7  I',  eine  Temperaliir/.muilnne  \on  jr  I  "  (].  stalll.ind. 
d,is>  mil  aiideren  \\Orlen  die  geothermisrlie  Tiel'enstul'e  in  diesen  Bolirlorhrrn 
(.>:'.  (.i-"»  mid  r(\\as  idirr  (.»i  F.,  also  etwa  '.\\  M.  Itetruii. 

BesUitigl  wurden  cliesc  Resullale  (lurch  Teinperalurheohaelilmiuen  in  Ber.u- 
\\erken,  in  deren  einigen  man  bis  zu  1000  mid  nielir  .Meier  Tide  hinalme- 
dnmiien  ist.  Ilirr  isl  die  /weckmassigste  Methode  diejeniue.  hei  \\olelier  man 
unmiltdbar  die  Temperatur  des  Gesteines  innerhalh  frisch  gesrlila^ener,  nidire- 
rer  Fuss  liefer  Bohrlbcher  zu  bestinmien  suchl.  Auf  diese  Weise  \vurde  iiberein- 
slimmrnd  feStgeSteltt ,  dass  eine  Warmezunahnie  mit  der  Tide  slattfindel  mid 
dass  die  Temperatur  in  jeder  belrachtlieheren  Tiefe  constant  isl,  wahrend  die 
Grosse  der  geothennischen  Tiefenstufe  nach  Maassgabe  der  desteinsbesehafl'en- 
heit  und  anderer  localer  Uinslande  sehr  schvvankl,  fiir  gewohnliche  Tiet'en  jr- 
doch  in  einer  runden  Millelzahl  auf  33  M.  veranschlagl  \\erden  kann.  in  mns- 
serer  Tiete  aber  immer  grb'ssere  Werthe  erhalt. 

Selbst  in  Jakulsk,  wo  der  Boden  bis  zu  einer  Tiefe  \on  last  -Jim  M.  das 
ganze  Jahr  hindurch  gefroren  isl,  nin)ml  die  Kalle  mil  der  Tiefe  ab  und  /.war 
des  gulen  Leitungsvermbgens  des  Eises  wegen  in  sehr  kleinen  geotherraischea 
Tiefenslufen,  so  dass  die  Ternperalur  in  130  M.  von —  I7,I2°C.  auf — 2,9°C. 
steigl. 

I'.ine  ebensolche  F>hbhung  dei%  Temperatur  der  Gesteine  und  der  in  ihnen 
circulirenden  Ge\\iisser  mil  zunehmender  Tiefe.  \\ie  sie  fiir  die  aussersle  Srliioht 
der  Erdkrusle  mnstatirt  ist,  \\ird  anrli  in  fiir  mis  mierreielibaren  Teufen  stall- 
linden.  I'nd  in  der  Thai  legen  die  heissen  Ouellen.  \\elehe  an  /ahlreiehen 
I'nnkien  bervordringen,  Zenuniss  ab  \on  dem  Temperaturzustaude  jrnei-  \i\eans 
des  Krdinnern  .  denen  sie  ihre  hohen  NYiirinegrade  \erdanken  und  die  mil 
Zugrundelegung  des  \orher  Milgetheillen  rinrr  Tid'r  \on  el\\a  :{:{()<)  .M.  anue- 
hbren  miissen.  Sleigen  mm  iihnlieh  \vie  diese  heissen  Ouellen  gesehmol/rnr 
(ii^lriiiNinassrn  aus  drm  Krdimirrn  hrrauf.  so  kiimien  \\ir  nielil  anders  als 
seliliessen  .  dass  sie  aus  Tiefen  slammen  ,  in  wdehen  gem'igende  Hil/.egrade 
herrschen,  mn  jene  (iesteinsmassen  in  Fluss  /n  eihallen.  also  wenigslens  ;'nini"i;. 


I.    Ph\sioi:i-aphisclie   (icolo^ic.  '.) 

Line  derartii;e  Temporalur  \\iirde  num.  \\eim  die  Wdrmeztinahme  dcm  (iescl/.c 
cincr  arilhmelischen  Progression  I'olgte ,  in  ('»»'>. 000  M.  Tide  crreichen.  Weil 
jedoeh  die  geothermischeo  Tiefenstufen  mil  der  Tide  sdbst  \\achscii  ,„  so  diiiTle 

dii-  (irenxe  xN\ischen  uoehmol/eiier  (icsteinsmasse  und  fester  Erdkniste  erst  in 

doppelter  oder  dreilacher  Tide  xu  suehen  sdn.  Da  mm  heissc  Oucllen  so\\o|il 
\\ie  llUssige  Laven  an  xahlloscn  ,  fiber  die  ganxc  Krdkii-d  \ertheillen  Punklen 
licr\orbreclicn,  so  muss  aul'  cinen  in  dcr  KrdtidV  iihcrall  sorliandt'ncn  \Viinw- 
i|iidl,  fincn  ;;l  ul  li  I'l  its  s  i  i:  c  n  Knlkrru  i^eschlosscn  xM-rdcn,  \vddicr  sich 
allmiihlidi  mil  cincr  Krstarnm^sknislc  iim-chcn  h;U.  Mil  dieser  Auflassimg  har- 
monirl  dcr  Salx,  /.u  \\cldicm  die  hcid(Mi  Noi'i^cn  Parai;raphou  filhrlcn.  dass  die 
(icslall  inn!  das  spccilischc  (ic\\idil  del1  l-j'dc  aul'  cincn  urspriindidi  Iliissiucn 
Xusland  hin\\ciscu. 

§.   i.     VcHlieilunu:  von  Land  und  Moor  aul' dor  Erdoborfliichc.    Unscr 

PI, met  hat  x\\ci  Umhttttungen ,  cine  mir  local  \ci-|>rcitclc ,  das  \Vasscr,  und 
cine  alliicindiii1,  die  A  tm ospliii re ;  xwisdien  tier  partidlen  Wasserbedeckung 
(fill  die  Krdkruste  als  l-'cslland  xu  Taj^e.  Die  Oberniicho  unsercM1  Ki'de  \\iid 
dcmi;(>mass  \on  Laud  und  Was.se r  izehildet,  jedoeh  in  einem  sdir  undeidien 
\crhallnisse:  das  letxlere  niinml  fast  z\voi  DritUlieile  melii-  Oherfliiche  ein  als 
d.is  Land,  oder  uenauei- :  die  Grossc  dcs  Moeress|)ie;;els  verhiill  sidi  xu  der 
Oherlladic  dcs  Kesilandes  \\ie-275  :  100.  Eine  noch  uugloichcro  ist  die  Vci- 
Ilicilunu  dcs  Landes  innerhalb  der  rinxdnen  Zonon,  wdehe  die  Erde  umi;iirlen, 
indcm  die  nordlidie  llall)kiif;d  fast  dreimal  soviel  Festland  als  die  sildlidic. 
die  nordlidie  p-massiijilc  /one  jileidiviel  l>and  und  Wasser,  die  heisse  Zone 
1  i  Land  und  -  ;  .Mccr  hcsitxl  und  endlicb  auf  die  Olterlladie  der  sUdlichen  ^c- 
inassiutcn  /one  nidit  i;anx  '.  ,„  Land  komnit. 

Lin  L:c\\isscrmassen  neulrales  Gebiet  zwischcn  Land  und  Wasser  reprasen- 
lireu  die  Liloralxonen  der  Continente,  die  wahrend  der  Flulhzeit  vom  Meere 
hedecki  sind.  \\iihrend  der  Ebbc  als  Laud  erscheinen. 

§.  -ri.  Allgemeine  Ornppirnng  der  Coutinente  und  Oceane.  Grossere 
/ii>,immeuliaiii:eude  Arcale  von  Land  \NcrdenContinente,  solche  von  Wasser 
Occane.  klcinerc  Parthien  von  Irockenem  Lande  Inscln,  isolirle  Wasser- 
hcckcn  Seen  ^cnaiint.  Wahrend  jedoeh  die  Continente  von  einander  ge- 
iicimtr,  ixiliiie  Masscn  liildcu,  nehmen  die  Oeeane  ein  xusammenhiinucndes 
Mecken  ein.  sind  ein  ein/.ii;es,  iu  versehiedene,  aber  communieirendc  Anne  ge- 
ulicdcrlcs  (ian/.cs.  Das  I  and  pruppirl  sieh  in  2  g rosso ro  Conlinentaleomplexe, 
den  Orient,  an  \velehen  sieh  Australien  ansehliessl,  und  den  Occident  urn  den 
Nordpol.  urn  sich  in  siidlicher  Kidiluni:  immer  mehr  xu  vci'schmiilern  und  end- 
lich  in  der  Siidspit/.e  von  Afrika  mid  Siidamerika  ganx  ausxukeilen.  Die  \\  as 
ser  hin.m'gen  haben  sidi  mehr  um  d<'n  sildliehen  Pol  angesammell  und  scndcn 
nach  Norden  xu  drci  urossc  Ausliiuler,  den  allanlisdicn.  den  stillen  und  den 
indisdicn  Ocean  aiis.  \\eldie  sidi  x\\ischen  die  nach  Silden  xu  hornlormig  aus- 
laurend<Mi  Continenle  schieben .  um  sich  in  demselben  Verhiiltnisse ,  \\  ic  das 
Land  an  Ausdehnmii:  ge\Niiml.  xu  \ereni;en.  Wahrend  aber  die  Oceane  bis 
xmn  Nordpole  reichcn  und  dort  die  Nordkiistc  des  Fesllandes  bespillen ,  liegl 
di(>  mitllere  siidlichc  Grenxe  des  Idxleren  bereits  iin  45°  s.  Br.,  also  gcradc 


halhuegs  /.uiselien  Aeipulor  mid  Siidpol.  So  ivirlil  Sodamerika  nur  his  /.inn 
•'•I'.".  ;i|so  his  in  die  Hreile  \<in  Edioblirgh  mid  Kopenliagen  .  Al'rika  nur  his 
H\\.i  /inn  '.\'i  ".  also  his  in  die  Hrcile  \oii  (iihrallar,  Auslralien  his  /inn  \'-\(>. 
also  his  in  die  Itreile  tics  nordliclien  Portugal.  .ledoch  erliehl  sicli  innerlialh 
der  ring's  inn  dm  Siidpol  aiisgehreilelen  Treiheismassen  cine  Inselgrnppe  oder 
fin  I'olareonlinenl  iiher  den  \\asserspiegel. 

^.  <'.  (jlicih'riiiiv:  <I<T  ('onlinnilnlniasscii.  \Vie  hereiis  er\\almi.  grup- 
pirl  sieli  das  Fesllaml  x.ii  x,\\ei  \on  eiuander  unabliiingigeu  (loutitienlalmassen. 
einen  osllielien  und  einen  \\eslliclien  Laiidcoinplex.  l.et/.lerer  heslelit  aiis  \ord- 
nnil  Siidamerika .  ersterer  aiis  Mui'tipa.  AlVika  und  Asien .  denen  sieli ,  dureli 
eine  Kelte  \nn  Inseln  enjz  Nerhunden.  Aiislr.-ilien  anschliesst.  Diese  heiden  ^ros- 
sen  (ioiilinentalinassen  \\erden  in  last  reelileni  NVinkel  anl' ihre  iJinuenersleekiniL;. 
also  in  mii:e|'iihr  osl-\\  esllieher  Itieliluni;,  dureli  liel'e  Hnelilen  «'ini:ese|inilleii  mid 
dadnrcli  in  eine  nonlliehe  mid  eine  siidlielie  llall'te  Ljelheill.  \\iirde  die  l.and- 
enue  son  I'anaina.  \vi(>  es  mil  tier  \on  Sue/  ueselielien,  durelisloelien.  so  \\iirde 
sieli  in  dem  Millelliindiselien  mid  dem  Mollien  Meere ,  dem  (loll'  \on  Mexico 
mid  dem  Caraihischen  .Meere.  endlicli  in  den  \\asserslrasson  des  oslindisdien 
Areliipels  nehsl  den  (la/.\\  iselien  liei;en(len  oceanisehen  ZoiHMl  ein  mimilei-hroelie- 
ner  (iiirlel  oll'enen  \Vassers  inn  die  Krde  /.ielien.  In  Fol^i'  dieser  Kinkerhmii; 
/.erlalll  der  \\esllielie  (]onlinen(  in  Nord-  und  Siidamei'ika  ,  \\iihi-end  der  i»|- 
liclie  Landeoniplex  als  ein  Doppelcontinenl ,  hesteluMid  aiis  Kuropa  und  Asien. 
aiif/id'assen  isl,  \\elchen  AlVika  und  Australicn  tmgrliiiiiiil  sind. 

§.  7.  luselll.  Die  /.ahlreichen  Inseln.  \\elelie  sieli  in  niielister  Nalie  des 
l-'estlandes  iiher  den  Spiegel  des  Oceanes  erhehen  (die  G  esla  d  e  - 1  n  se  I  n  . 
sind  als  losiietrennle  (iliodcr  der  Conlinetite  zu  helrachlen,  von  denen  sie  nur 
dureli  verh#ltnissm8ssig  seichle  Wasst-r  lietrenni  sind,  so  dass  sie  in  l;oke  einer 
Ntveauveranderung  \on  eini^en  llunderl  Fussen  \vieder  mil  dem  1'esilande  ver- 
einiul  sein  \\iirden.  So  geJioren  Schotlland,  England  und  die  diinisehen  Inseln 
dem  europaisehen ,  Japan  mid  der  in'osstc  Theil  der  oslindisehen  Inseln  dem 
asialischen.  Neu-Seeland.  Neil-Guinea  und  Celehes  dem  australischeii.  Vancou\er, 
Neutundland  und  das  Feuerlaud  dem  amerikanisehen  Continonle  an  iind  ersl 
see\\iiris  \on  ihneu  sliirzt  sich  der  Meereshoden  sleil  zu  dem  eigentlichen  ocea- 
niselien  Hecken  ab,  -  -  beginnt  also  ersl  der  Ocean. 

Die  l.oslren'nunii  der  (lestadeinseln  \om  Festlande  ist  entxveiler  dureh  den 
Zerstorenden  EinfluSS  der  <le\\iisser.  so\\ie  iiherhau}>l  der  Atmosphiirilien  /.  l>. 
hei  den  Sclieeren-lnseln)  odcr  durch  brtliche  Senkunt:  und  lheil\\eise  I'eher- 
seliNM-mimmi:  der  Conlinenle  izesclielien.  Die  Merkmale  einer  Knlslelmiii;,  \vie 
der  lel/.ler\\almlen,  /eiiieu  sieli  am  deiilliclisten  hei  Crosshrilannien  und  Irland. 
l-'.in  seichter  Meeresarm  ,  die  .Noidsee  und  der  (lanal.  iiher  deren  Spiegel  ein 
aul'  ilirem  (iiunde  slehender  KirelitlUirm  um  ein  Ketraehlliclies  hers  orragen 
\\iirde.  hal  sieli  /.s\  iselien  sie  und  das  Festland  gedriingt.  Dies  isl.  \om  geo- 
I'^iseheu  Slandpunkle  aus  aiiCgd'assl.  «'rsl  \or  kiir/erer  Xeit  geschehen.  da  die 
hriliM-heii  ln>dii  alle  \\ilden  (iesvii'-hse  mid  Thiere  des  curopiiiselien  Fesllandes 
hi'sil/.eii .  so\\rj|  >ic  ilirem  klima  zukommen.  Kine  \Vieder\ereiiiigung  dieser 
Insdgruppe  mil  dem  Conlinente  dureli  eine  saeeulare  llebung  \\urde  demnadi 


I.  Physibgraphische  Geologic .  II 

cine  \\cscnlliclic  YerandcrmiL:  der  I'llan/.en-  mid  Thieruell  nirhl  /ur  Fol^e  hahcn. 
In  eiiiem  u.in/  ahnliehen  Yerhallnisse  slehen  Horneo.  .l.i\.i  und  Sumatra  /inn 
a-ialisehcn.  -  Cclel.rs.  Neu-<iuinea,  Ncn-Calcdonien.  Vn-Secland  und  I  18 
maiiicn  /.urn  anslralischcn  <  jmlinenlc.  nnr  hal  ihre  l.oslrcnnnni;  hcrcils  \or  laii^cn 
ueoln-ischen  /.eilramnen  .slalljjefmiden.  Die  (iren/sehcide  hcidcr  lnsel\\ellcn  isl 
cine  iiher  I  no  l-'.idon  tide  milerseeische  Klul'l,  \\clehc  sieli  in  nnr  \  ier  Mcilen 

Hrcite  /uix-lirn  li.ili  und  l.omlmck  cinciMMis  uiul  (iclchcs  und  Borneo  anderer- 

M-iK    hiuiliiivli    /i'-hi.      \(ird\\csllicli   \(»n    ilir  sind   die   Tliicr-     mid    I'llan/cnlor- 
men   iisiiiliseh.    sjidi»llieli   iliii'ehwrii  ;mslraliscli. 

lnsell)ildmi-en  in  l''olue  Ijurdiirliiicr  Kiisten/ersliiekelmii;  Irellen  \\ii-  mir 
nnler  liolien  Ri'eilen  mid  /A\ar  an  den  paeilisclien  I'lrni  des  hriliselien  mid  des 
Iriilier  nissisclien  Nufdaiuerika.  ,su\\ie  I'ala^onicns,  enillieh  an  der 
KiMe  (Jronlands.  \.,ir\\e;.eiis  mid  Srliolllands. 

Dio  o  eea  n  iselien  Inseln  lie^en  Tern  MID  den  Kiislen  der 
ninl  slehen  /.n  diesen  in  keiner  iinmiKelliaren  He/ielninu.  Sic  sind  enluedcr 
(ieliirusplaleaiis  mler  Kei'i;L;i[)fcl  iinlci1  den  Meere.ss|tie-el  uesmikeiicr  l;esllande. 
also  dereii  Icl/.le  I  Iterresle  \\  ie  (]c\l(»n  mid  Madagascar),  odcr  mid  /\\ar  bci 
\\eilem  ilirer  .Melir/alil  naeli  jmiii  \iilkanisclic  odcr  coralline  Bauwerkc.  lloehsl 
eliaraklerisli.sch  isl  die  selir  ;je\\  olmliclie  \nitrdnnnu  der  Vulkancninseln  /u 
llaelien  CniAeii,  \\clclic  so  ueslelll  sind,  dass  ihrc  NViilhunii  dein  Oeeane.  ihre 
eonea\e  Seile  dcm  1'Vsllaiidc  /IILJCNN endel  isl.  Die  Alenten,  Kui'ilcn,  I.ien-Kliieii 
Inseln.  die  kleinen  . \nlillcn  sind  Irellliclie  |{eisj)icle  dcr  Arl.  Filr  die  Korallen- 
inseln  isl  ilire  iierini:e  .Meeresliiihc  mid  die  jilcichmiissiiic  WiederilolUBg  ilirer 
einl(irinii;en  (lonliircn,  im  (ii'uensal/.  /ii  dcr  ol'l  schr  helriielilliehen  llohe  mid 
mannigfalligen  (ilictlcrmit;  der  Vidkaneninscln,  bezeicbnend.  \Y;ihrend  die  ai- 
lanliselien  und  indiselien  Mcerc  selir  arm  an  oeeaniselien  Inseln  sind,  liesil/l 
der  |iaeilise|ie  Ocean.  j:an/.  al»i;csclioii  von  don  Vulk;incn-Schnurcn  in  der  Nalie 
d-'i  Cniilinenie.  ilirer  mehr  als  -")70,  dci'cn  (Icsanimlarcal  jcdocli  nur  \\cni^ 
•jinxx,-!-  sis  :{0()0  DMcilcn  isl.  Diese  /alilrcichcn  Insclclicn  sclixviii'incn  <|iier 
dureli  die  Siidscc  mid  hildcn  cine  Zone,  \\clelie  sicli  von  dern  indiselien  Arehi- 
|icl  aus  in  o.  s.  ii.  Hielilmiu  iihcr  den  Ae<|uator  hinucii  in  die  siidlielien  Tropcn 
x.ielil  mid  den  Nainen  Pohnesicn  mil  Hccht  fiihrl. 

§.  K.    AnsclM'incinh'  Oeset/iniissi^kcit  in  don  Umrisscn  der  Conti- 

iM'lllo.  Die  all^cmcincn  I'lnrisse  der  Continents  selieinen  eincr  !ic\\  isscn  <ie- 
Nc|/m;i.ssii:kcil  /.\\  nnlcrlicLicn,  indcm  ihre  llaiiplkuslcnlinien  cnl\\cdcr  in  nord- 
nsllielicr  (uler  in  n<ird\\esllielier  UiehlmiL:  \crlaiifcn.  Dadureli  isl  die  keillurniiue 
(ic^iall  der  l;esilaiide,  ihre  naeh  S.  iicriclilclc  /uspilzuiii:  hcdiiii:!.  Die  Osl- 
ku-ir  Nordaiiierikas  |O|L;|  einer  nord<islliehen  Hichlmii:.  in  ilirer  niirdliehen  |-'orl- 
vei/nnu  liei:!  die  Oslkiislc  (iri)idands.  dicscr  parallel  die  \Veslkiisle  Skandina- 
\iens.  \\ahrcnd  die  Siidkiisle  von  Yucatan  in  ihrc  siidliehe  Ycrlan^ermiL:  fiilll. 
Ilir  |)arallel  I. mil  die  last  \ollkoinincn  i:eradlinii:c  Siidost-.  so\\iedic  Nord\\esl 
kiisle  Siidamcrikas.  Dei-  /.\\eilen.  also  nordu  eslliehcn  llaiiplriehtmiL:  j^chorl  die 
uaii/e  in  llaehe  Cur\cn  L'elMiL'ene  \Yeslkiisle  Nord-  mid  Sildainerikas  an.  ebens,. 
die  Nordoslkiistc  diesi-r  hcidcn  Coiilinenlc,  so\\ic  cndlich  die  WcslkUslc  (iron- 
lands. 


12  I     Physiographisohe  Geologic. 

Die  keillormiue.  (lurch  die  nnrdostliehe  uiul  die  nnrd\\e.stlielie  Hiehlun- 
ihrer  llauplkuslen  brdiugle  (Jeslalt  Xordamerikas  \\iederlioll  sieli  in  Al'rik.i  so 
vollkomnien,  d.iss  sn-ar  die  ;ms-  mid  einspringenden  \Vinkel  beider  Welltheile 
einamler  -e-eniiber  liegen.  —  fcruer  in  Arahicn,  in  Vorderindien,  so\\ie  in  dein 
siidiislliehen  Theile  Asiens.  nur  isl  hier  die  Geset/.massigkeit  dec  (Jeslallung 
dadureh  el\\as  \er\siseht.  dass  sicli  die  Siidspitzc  /uin  grosslen  Thcil  unter  den 
Meeresspieuel  uesenkl  hat  mid  nur  noch  dureli  ein  untersceisches  Plateau,  auf 
\\eleheni  Borneo,  ,la\a  und  Sumatra  emporsleigen,  angedeulet  wird.  (Jan/,  iihn- 
lieh  \erhiill  es  sieh  mil  Auslralien.  Neu-Guinea,  Neu-Caledonien.  Neu-Seeland 
und  Tasmanieu  slehen  zu  diescin  Contincnte  in  demselhen  Verhiiltnis.se  wie 
England  /.u  Europa.  \\ie  Borneo.  .la\a  und  Sumatra  zu  Asien,  -  sie  sind  die 
lei/ten  Dborbleibsel  der  im  Xuslande  saeeularer  Senkung  begrill'enen  Osthalfto 
iles  einslmaliiien  ansti'alischcn  Gesannnteonlinentes.  Erganzt  man  dessen  t  he- 
malige,  jetzt  zum  Theil  unterseeisehe  Gestalt.  (lurch  Verlangerung  der  Kiisten- 
linien  Neu-Seelands  in  nord\\esllieher  und  siidwestlicher  und  die  Weslkiisle 
Tasmaniens  in  stidosllicher  Richtung,  so  ist  die  Aehnlichkeit  derselben  mil  der 
der  des  heuligou  M'rikas  eine  tausehcnde. 

Die  linmoloLre  (Jeslalt  Afrikas,  Amerikas  und  Gronlands  hedingl  unter  An- 
derem  aueh  die  doppelt  geJ)ogene  Windung  des  allantisehen  Oceanthales  und 
seine  Ver/ueigung  in  einen  nordwestlichen  und  einen  nordbstlichen  Arm,  die 
Da \isslrasse  und  die  Meeresstrassi-  /. \\isehen  den  parallelen  Kusten  von  Grbn- 
land  und  Norwcgen.  Eine  \\eitere  Folge  des  nach  N.  divergirenden  Verlaufes 
der  1'iir  die  Conluren  der  Continenle  maassgebenden  NO.-  und  SW.-Linien  isl 
die  unuleielie  Verlheilung  von  \\asser  und  Land  auf  der  nb'rdlichen  und  siid- 
liehen  llalbkugel,  die  Anhaulung  des  Trockenen  an  dein  Nordpol,  seine  horn- 
fdrmige  Ausspitzung  nach  S.  zu  und  die  Ansammlung  der  Gewasser  an  dem 
Sildpol. 

§.  9.  Bcliefformen  des  Laildes.  Der  allgemeinste  Unlerschied  in  der 
Reliefbildung  des  Laudes  \vird  durch  die  Bezeiclmungen :  Tiefland,  Hochebene 
und  Berge  ausgedriickt. 

Tief lander  sind  ausgedehnte  Landstriche,  welche  sich  ilberall  nur  \venig 
Uber  den  Meeresspiegel  erheben.  Sie  beginnen  nieist  unmittelbar  an  den  Kilsten 
des  Meeres,  von  welchen  aus  sie  sich  rait  sehr  geringem  Ansteigen  oft  \\<Ml 
in  das  Innere  der  Conlinenle  erstrecken,  so  das  norddeutsche  Tiefland  und  die 
Mississippi-Thaiebene.  Es  giebt  indess  auch  Tieflander,  welche  nicht  bis  zum 
Meere  reichen,  sondern  rings  von  Gebirgeu  umgelten  sind,  \vofilr  das  nieder- 
uiiLiarisehe  Binnen-Tiefland  ein  Keispiel  liefert. 

Als  Hoc  he  I)  en  en  IM  a  I  e  a  u  s)  bezeichnet  man  stelig  ausgedehnle  Erhe- 
bungen  des  l.andes  vnn  bedeutenden  horizonlalen  und  verticalen  Dimensionen, 
\\eh'lie  let/.lei-e  ue\\bhnlich  Uber  300  .M.  belragen.  Die  Oborflachc  des  Plateaus 
isl  meisl  Ndllkommen  eben  oder  \\(>llig  und  hllgelig.  /.uweilen  sind  jedoch  Berg- 
knppen  und  (iebirus/.uge  auf  dieselben  aul'gesetzt,  oder  schluehlenarliue  \Vawr- 
laule  lief  in  dieselhen  (Mnizeselinillen.  So  erhebeu  sieh  auf  dem  Plateau  von 
nuilo.  \velches  10,000  F.  Meereshdhe  besit/l ,  unler  anderen  di(>  i:e\\alligen 
Krg.-l  des  <:<>tnpa\i  is.TT-'i  Fj  und  Chiiiibora/o  :'l.iil  F.)  --  auf  dem  Thon- 


I.  Physiographische  Geologic.  13 

schiefergebiete  von  Laach  die  abgestumpften  Vulkanenkogel  <les  Rausenl icr^e.s. 
dr>  llochsimmer  u.  ;i.  I);is  ^i-Mvx.irtLste  heispiel  fiir  Schluchlenbildungen  auf 
Hochebenen  liefert  <!CT  Colorado  in  dem  nordainerikanisrhen  TeiTitorium  \on 
An'/oiiii.  in  (lessen  aiisgedehnle  llochebenen  er  ein  Sxslein  \on  2-.'{000  M.  lie- 
fen,  senkrechten  Schlurhlen  einueuiihlt  h;it. 

Hire  Hegivn/ung  linden  die  Plateaus  enlweder  dnrch  Tiell;ind.  oder  dureh 
Gebirge,  und  /.\\ar  Iheils  diiirh  allmiihliche  reberuange  oder  duivh  slul'enlormige 
Absiil/e  Terrasseii'.  Iliinlig  \\erden  llorhebenen  ;uil'  melnvren  Seilen  \nn  Ge- 
birgen  mnl'assl:  so  dehnl  sirh  diis  Tafelland  \im  Tiibel  y.uiselien  I  lnn.il,i\  ;i 
und  kiien-I.iin  in  einer  dinvlisc-linittliclien  llohe  von  4000  M.,  das  1500  M. 
hohe  Sal/seeplatan  /.uischen  den  Rocky  Mountains  und  dor  Sierra  Nr\ada  .HIS. 

Hcriie  erheben  sich  entxNcder  \ereinx.elt  aus  der  I'>bene,  oder  eine  irriissere 
An/a  hi  derselben  1st  zu  (Miu-ni  viellaeh  i:ediederten  (ian/en  verbunden  und 
bildet  dann  ein  Gebirge. 

Isolirte,  ei  n  /e  I  st  ehende  Herije  sind  verha'ltnissniiissii:  selten  und  dann 
ineist  Milkanischen  rrspruni^s.  In  diesein  hi  Me  besit/en  sie  iiewolinlit-li  ke.Liel- 
oder  domfitrmige  (ieslalt.  Meist  trelen  sie  in  grosserer  Anzahl  neben  einander 
auf  und  plleLH>n  dann  entweder  unregelmassig  gruppirt  oder  reihenweise  neben 
einander  gestellt  zu  sein. 

Die  Gebirge  unterscheidet  man,  je  naehdem  eine  ihrer  Horizon tal-Dimcn- 
sionen  sehr  \ orherrschend  ist  oder  nfcht,  in  Gebirgsketten  und  Massen- 
gebirgc.  I.ei/.tere  bilden  eine  gewohnlich  uni  einen  noch  hoheren  lierg,  eine 
inn  einen  Mittelpunkt  geordnete  Gruppe,  erstere  mehr  oder  weniizer  langgc- 
strfckte  Heihen,  welche  entweder  quer-  oder  langsgegliedert  sind.  Die  Quer- 
gjifderung  ist  die  gewb'hnlichste  von  beiden  Erscheinungen  und  besteht  darin. 
dass  voin  Gebirgsrttcken  aus  nach  beiden  Seiten  Riicken  und  Thaler  in  einer 
aul  die  Axe  der  Kette  fast  rechtwinkeligen  Richlung  auslaufen,  wahrend  zulolgc 
der  parallelen  Gliederung,  die  am  jirossartigsten  im  Alleghany  System  ansire- 
spnu-hen  ist,  das  ganze  Gebirge  in  inehrere,  zura  Theil  sehr  zahlreiehe  parallele 
Ketten  /erl'allt,  unter  welchen  eine  durch  ihre  Langen-  und  Hohendiinensinnen 
als  llaiiplkede  hervortritt. 

Rei  der  Feststellung  der  Hohe  eines  Rerges  oder  eines  Gebirires  kann  man 
sich  enlueder  auf  das  Niveau  des  Meeresspiegels,  oder  auf  das  miltlere  \i\e.-m 
der  aiii^renzenden  Landstrichc  bcziehen.  In  crsterem  Falle  spricht  man  \on 
absoluter,  in  let/leivm  von  relativer  Hohe.  So  erreicht  z.  R.  das  Hima- 
Ia\a-Gebirge  in  Mt.  Everest  eine  absolute  Hohe  von  29,000  P.,  bcsil/.t  aber  von 
dcin  Plateau  von  Ttlbet  aus  betrachtet,  nur  17,000  F.  relative  H5he. 

Naeli  Unterschieden  in  ihrer  Hohe  nennt  man  die  Gebirge  Hoch  gebirge, 
\\enn  dieselben  2000  M.  oder  noch  holier  ilber  den  Meeresspiegel  reichen. 
gcmeine  (icbirge.  \venn  sie  diese  Hohe  nichl  crlangen.  \\iihrend  man  lioden- 
erhelmngen  von  nur  wenigen  Hundert  Fuss  Hohe  als  II  Ug  el  land  be/eichnei. 

In  der  allgemeinen  Form    eines  (iebirgcs  geben   sich  zuniichsl    drei   llaupl- 
theile  /u  erkennen  :  der  Fuss,   seine  unteie  Itegion,   woes  rnit  dein  umgcben 
den  Plachlande  verschmilzt,   die  seillichen  Abhiinge  oder  Abl'iille  und   end- 
lich  derKanim  oder  Rllcken.    die  obere  Iteuion  des  (iebii-ges.    in  welchcr  sich 


14  I.  Physiographische  Geologie. 

die    beidersoiligon    Abl.ille    vei vini-rn.      < 'ir\\i.|mlich    sind    die   (iebirgsrtlckon   7.\t- 

gleich  die  \\  ,i  -  -••  i  -<•  IK-  id  «•  n  Eweier  Plusssystenie. 

Thaler  sind  die  rinncnlormigcn  Kinsehnitle.  duivh  \\elche  die  Gliederung 
der  (iebirge.  so\\io  die  DtirchiUhrUDg  dcr  I'latcans  bcdingl  isl.  Sic  bcginiicn 
liiiulig  ;ils  Schluclilen.  erueilern  sicli  x.u  (iriindrn  und  nelimcn  als  Tliiilcr  .111 
llreile  und  Ausdelmung  x.ii.  jc  uichr  sic  sidi  dcr  Kbene  niilicrn.  l.aufen  die- 
selben  in  ungol'iilir  reehlem  \\inkel  \<m  den  < icbirgsriickcn  ;nis.  sn  lieisscn  sie 
Oncrl  ha  Icr.  \\iilircnd  die  y.\\  isclien  ilinen  liegcnden  licrgriickcn  ;ils  .liiclicr 
hc/.cicliiK-l  \\ei-dcn.  DicjcuiiZcMi  ticfslcn  Slellen  cincs  (Jchir^M-iickens.  ;mf  \\  clehc 
dcr  A.USgangSpUBkl  x.\\cier  nacli  enluciicn^esct/lcr  Seitc  des  (iebirues  Ijnifcndcr 
Ouei'lhiilcr  I'iillt  und  die  in  I'okc  dii\on  sjillclloi'inii:  .niv^elniclilel  erscheincn. 
sind  die  (ielii  riispiisse.  Die  Lii  n  ii  e  n  ill  ;i  I  e  r  liinreii  deni  ll;iii|)l/UL:e  einer 
(iebiruskelle  parallel,  sind  (h'sweizen  die  licdiiiiiinii:  I'iir  kellcidonniL'e  (u-ldi-iis- 
giiederung  und  /eichnen  sich  moist  (lurch  ;mtTiilliiz  geradlinigen  Verl;iuf  ;ius. 

Dio  i.-nisslen  Niveauunterschiede  auf  deni  Fosllande  sind  in  dcr  I'mL-elum^ 
des  Todlen  Meeres.  \volcho  434  M.  unler  deni  .Meeresspiei:el  lioiit.  und  deni 
Ml.  K\eresl.  \\elelier  9(i(i7  M.  ahsolute  .Meeresluilie  hesil/t.  naehj;e\\  iescn.  Diese 
Iliihendin'eren/.  \velehe  demnaeh  10,100  M.  bolriiiit,  isl  jedocli  noch  ininier  \er- 
sch\\indend  kloin.  worm  sie  mil  dom  Erddurchmessor  \orulielicn  \\  inl.  /u  \\ol- 
ehein  sie  sich  verhiill  \vie  1  :  1373.  Man  hat  doshall)  mil  Reclil  die  rnelien- 
lieilen  aul'  der  Oborlliicho  doi1  Krde.  \\enn  ni;in  lel/.lere  mil  eincin  Hi  \crulich. 
mil  den  Hauliigkoiten  auf  der  Schale  desselben  in  Parallolc  uestelll. 

Ein  \vichtiiros  1-llomont  boi  Beslimmuniz  der  Helionbrmen  oinos  Continenles 
tider  eiiies  Theiles  desselben  ist  seine  mittlere  Hohe,  d.  h.  diejeni^e  Iliihc. 
welelie  or  in  seiner  ganzen  Ausdehnuui:  haben  \\iirdo.  \venn  seine  Masse  L'lcielj- 
lormiii  auf  seiner  GrundllJichc  ausgebreilol  \\iiro.  Man  hal  die  milliore  Iliilie 
l-'.iirnpas  auf  223,  Asiens  auf  383,  Nordamerikas  auf  2i(.).  Siidamerikas  aul' 377. 
Afrikas  auf  500  (?)  und  Australiens  auf  170,  und  somil  die  dor  siimmtlichen 
(iontiiieiile  auf  ot\va  300  M.  geschalxt.  Wiirdo  diese  fiber  dom  \Vasserspic!_'el 
belindliche  Krdmasso  in  die  Oooano  izostUr/t,  so  \viirde  diesclbe.  da  ila>  MHII 
Meere  einiiononuneno  Aroal  dreimal  so  gross  ist,  \\  io  <lio  Oberlliiche  des  Landos. 
da-  Mceresbeckeii  '  ;  \nn  :{()().  also  100  M.  hoch  ausfullen.  .Niniinl  man  die 
dun-liseliniUliohe  Tiefe  des  Oceanes  zu  5000  M.  an,  so  \\iirde  i-'imal  sn  \iel 
I'lrdmasse  niitliig  sein,  als  sich  oberhalb  des  Meoresspie^cls  belindet.  um  das 
lio<  ken  der  Oceane  aus/iiLileiehon. 

§.  10.  Gewisse  Gesetzmiissigkeiten  in  den  ]{elioft'ornien  des  Landes 
Kbenso  vvie  in  don  MorizonUil-Conluren  dos  l;osllandes.  sn  IICITM-II!  aucli  in  don 
Heliellormeii  dor  Continonlo  cine  1:0 \\  issc  (icsel/miissiukoit.  \\elche  sich  dai'in 
kund  L'iebl,  dass  die  Hiinder  des  l-Ysllandos  y.u  Kdsteogebirgeq  omporsleigen, 
deron  Iliilie  in  eincin  beslimmlen  Verhiillnisse  y.ur  (in'isM-  de>  aii^ren/cndon 
Oceanes  slchl.  In  I'oke  dieser  Mrsohoinunii  isl  einerseils  die  I  .ago  und  das 
Slreiclien  der  (iobirgo  (lurch  die  rierrichlung  dcr  IVsllande.  dcncn  sic  ango- 
hiiren,  so\\io  ihre  Iliilie  diireh  die  Ausdelmung  dos  bcnaclibarlcn  Meeres  bo- 
sliniml.  andererseils  die  .\olh\\eiidigkoil  der  flaohoron.  im  Allgomoinon  bassin- 
liirmiiien  (iestalluniz  dos  Inneren  dcr  (lonlinciile  -c'-icbcn. 


I.    Phyaiograpbische  Geologle.  15 

Am  deullirhsten  tivlen  diese  Abhiingigkeitsycrhalluisse  y.\\  i.schen  Yerlauf  nnd 
llohe  der  (iebirge  einerseits  mid  Co&tinentalgestaltlTOg  und  Meei-esuroxse  anderer- 
seits  in  Nord-  und  Siidamerika  hrr\nr.  .leder  dieser  beiden  Conlinenle  besil/.l 
fin  {isllidies  und  em  \\estliches  Kiisleiiiiebirge.  welche  \\ie  diese  Kiislen  sell»,l  in 
bordwestlicher  und  nordostlicher  Hiehtung  \erlaufen.  und  deren  \\esllidies.  ;ils 
das  den  grosseivn  Ocean  begren/.ende.  d;is  hohere  isl.  Dcin  Alleghan\  S\stem 
enl.sprechen  in  Siid;iincrik;i  die  l>r;isili;mis»'li<'ii  (Jebirgskellen.  —  drn  Andes  die 
Sierra  \e\ada  und  die  Hockx  Mountains:  die  ;ill;indiselien  ('lebirge  mil  XOO  bis 
L'IIIMI  M..  die  pacilischen  mil  700  und  inehr  Meier  llohe  enlspreehen  der  (iriisse 
dev  angrenienden  Oee;mes.  X\\iselien  heiden  (Jehirus/iiiien  delinl  sieli  d;is  Innere 
der  iiinerikiiniselien  ^unlinenlc  in  eltenen  IY;ienen  und  ll;ielien  l'liissli;issin>  ;uis. 

Audi  SiidatVik;i  isl,  so\\ci(  \\ir  es  kennen,  eine  lloclielteiie,  die  iiiieh  den 
lien;ielili;irten  .Meeren  durch  mifoerichtete  (iehirusriinder  Iteizren/.l  \\ird. 

Ati>lr;ilien  endlieh  diirl'le  el)enl';ills  einer  iillseilJL;  ;in  den  Hiindern  iieliolie- 
nen  und  n;ich  Aus.-en  sleil  ab/liir/enden ,  ini  Inneren  aher  sich  einsenkenden 
llnelii-ltcne  uleielien.  Die  oroi;r;iphisclien  \Crli;illnisse  des  asialiseli-eui-opiiisclietj 
l)iip|ielconlinenles  sind  \er\\iekellerer  Art  und  lassen  sich  auf  naliirlielie  \\Cisc 
mil  der  hei  den  iibriiren  Feslliindern  uellendeu  (icsel/iuiis.siiikeil  nieht  in  I'-inkianu 
hriuiien.  I'jne  ultereinstiumiende  Mi^enlliiimlielikeit  nllcr  seiner  Gebiriie  iiielil  sich 
jetluch  darin  kuiid.  dass  ihr  dem  Meere  zugewandler  Abfall  steiler  ist,  «ils  ihr  con- 
tinenlaler  Abhani;,  \velcher  sich  durchweji  xu  ausLiedelinlen  Hochebenen  \erllaehl. 

AIIS  der  im  Alli:enieinen  nacht:e\\  iesenen  Abhiiniiiiikeil  ih'r  l,;iire  und  Hich- 
lunii  der  (iebir^e  von  der  Ntihe  und  dem  Verlnuf  der  Kiislen,  —  der  Ihihe  der- 
selben  \on  der  GrOsse  der  anizrenzenden  Meere,  der  Sleilheil  ihrer  (Jehiinue 
\on  d<'in  I  inslande,  ob  diese  dern  Oceane  oder  dem  Festlande  zuiie\\';indl  sind, 
Liehi  her\or.  dass  die  Gebirge  jtinger  wie  die  Conlinenle  sind. 

§..11.  Der  Meeresgrund.  Die  Umrisse  der  eigentlichen  ocennischen  Becken 
I'allen  niclit  ininier  mit  den  Kilstenlinien  der  Conlinenle  xusainnien  ,  \  ielmelir 
y.iehen  sich  inn  die  ineislen  der  letzteren  flnche  Kiistenzonen,  welche  als  unler- 
sfi-is.-hr  l-'urisei/ungen,  als  vom  Meere  bedeckle  Riinder  der  Conlinenle  y.u  be- 
Irachlen  sind  und  denen  auch  die  (lesladeinseln  nngelioren.  Oil  n>l  Meilen 
\\cii  von  der  Kiisle  slilr/t  der  Boden  3000  bis  7000  M.  lief  ab,  und  erst  hier 
be-innl  das  eigenlliche  Mecresbecken.  So  erslreckt  sich  z.  B.  die  Oslkilsle  von 
Nordainerika,  so  nainenilich  von  New  Jersey ,  unterhalb  des  Meeresspiegelfl  nodi 
el\\a  Hi  Mcilcn  ueil  hinaus  und  senkl  sich  aul'  diese  ganze  Knllei-nung  nur 
"JOU  M..  also  nichl  inehr  als  1  M.  auf  040 ;  erst  dann  sliir/l  sich  der  Meeres 
grund  sleil  in  die  Tiefe. 

1 1.  >  Itelief  des  Meeresgrundes  und  seiner  Niveauverschiedeobeiten  sind  im 
Veruleich  /.u  denen  des  l.andes  nodi  \\enii:  genaii  bekannl.  Ivs  sind  inn  ein 
/cine  I'unkle  oder  Linien.  auf  denen  man  Tiefseeniessiinuen  \  orgenoiuiuen  hal. 
Xach  diesen  lel/leren  /.u  schliessen  .  erreichen  die  nordlichen  Theile  des  allan- 
li.M-hen  und  pacilischeii  Oceanes  el\\a  iOOO  M.  Tiefe,  \siihrend  an  einy.elnen 
Slellen  in  dem  siidlidien  (iebiele  des  ci-lririi  Helen  \  on  6000,  8000  mid  iiber 
14,000  M.  Qachgewiesen  uui'den.  hie  milllerc  Tii-fe  dci  Mi-eresbecken  \\ird 
auf  -'iOOO  bis  7000  M.  gesrhiilzl. 


16  I.    Physiographisclie  Geologie. 

Auch  auf  dom  Meeresboden  \\cdiseln  Hohen  mid  Tiefen  mil  dnander  ah, 
nur  fehleii  alle  die  I'nehenlieilen.  \\elehe  die  /.ersloivnde  Kr;il'l  tier  Alhmosplia- 
rilicn  mid  Iliessenden  <;e\\;isser  ini  La  life  der  Zeit  auf  der  Krddterlliidic  .ins 
dem  lYiiher  miiicLilirdcrtcii  (I;in/cii  hcnuisiiCiirhciU'l  lial.  Ks  hrsil/i  \iclinclir 
cine  eiiilonuiizc,  ll;icli\\('lli^c  Ohcrfliirlie,  \\clclic  >ic|i  in  sanl'- 
hebt  oder  senkt  mid  von  ;illm;ililichen  BodenanschweUongen  udt-r 
trichterfbrmigefi  Kiust'iikmi^cM  unlcrhrochcii  \vird. 

.Man  lial  den  Mcercsgrund  als  licsunkciif  Thcilc  dcr  Krdkrusle  zu  belracli- 
tcn,  \\iihrcnd  die  Conlinenle  ilir  ehemaliuo  Nixeau  lieiltelialten  oder  sich  nodi 
ilber  dasselbe  iielioben  liaben.  Tin  cine  eini^erniassen  klare  Vorstdlunu  \un 
der  Confiyuration  der  eigentlichen  Erdoberflache  zu  bekommen,  muss  man  sidi 
dieselbe  ganz  ohne  Wasser  denken,  dann  \\tlrden  die  Continente  vvie  Slein- 
colosse  mil  verhaltnissmassig  sleilen  Seilenwiinden ,  als  liohe  Plateaus  inmilten 
des  dreimal  so  weil  ausgedehnlen  welligen  Tieflandes  3000  bis  17,000  M.  hodi 
lici'Mtrtreten.  Vom  niedrigslen  Punkte  dieses  lelzteren,  des  einstigen  Meeres- 
jirundos,  bis  zu  dem  Continentalplateau  wiirde  man  elvva  I  bis  •>  Meilen  Ver- 
lieallinhe.  und  von  diesem  bis  zu  den  ihm  aufgesetzten  hoclisten  Gebirgsgipfelo 
VOTI  Neuem  etwa  \*/4  Meile  zu  sleigen  haben. 


Zweiter  Absclmitt. 
Petrographische  Geologic  (Petrographie). 


a.  Allgenieiiies. 

§.  I.  A  u  lira  lie  der  Petrographie.  Die  Petrographie  lehrt  uns  die  (ie- 
sleine. das  Material,  welches  die  feste  Erdkruste  zusammenselzt,  kennen. 

Die  (iesleine.  I'elsarlen  oder  Gebirgsarten  sind  Aggregate  von 
lndi\i<luen  einer  oder  inehrerer  Mineralspecies.  Die  Aufgabe  der  Petrographie 
isl  es.  diese  (iesteine  in  die  sie  zusammensetzenden  Mineralspecies  zu  gliedern, 
so\\  ie  die  All  und  \Veise  des  Zusainnienlrelens  derselben,  also  ihre  Structur- 
Nrrhallnis.se  y.u  unlersurhen  und  ihre  Aggregationsgesetze  zu  ergrtinden. 

Die  Krmitlelung  der  Knlslehimg  und  Umbildung  der  Gesleine  muss  einem 
spiiteren    Absehnitte      der     petroijenelisehen    (ieologie)     ilberlassen    bleiben,     inn 
Norlier    (ielegenlieil    znr  Kenntnissnahnie    der  bei  diesem   Processe  lliiitig  ge\\e 
senen    Kriil'le   y.u   gebeil. 

§.  2.    Wesentliche  Bestandtheile  der  Gesteine.    Eine.  der  Anigaben 

der  Petrographie  isl  die  Krinillelung  der  Heslandtheile  der  (Iesleine  <»der  der 
(iesteinseleinenle.  Diejeiiigen  Mineralien,  \\elclie  den  HegrilV  eines  Gesleines 
bedmgen.  indeni  sie  y.u  seiner  Consliluirung  erforderlich-sind,  Nverden  \\esenl- 
liehe  Bestandtheile  oder  (iemengtheile  genannl.  (Iranit  beslehl  aus  Hilary., 
l-'eldspalh  und  (iliininer:  keines  dieser  Mineralien  darf  deni  genannlen  Gesleine 
lehlen  oder  durcli  ein  anderes  \ertrelen  N\erden,  ohne  dass  dieses  seinen  (Iha- 
rakler  als  (Iranil  \erlierl.  Knlziehl  man  dem  (iranil  den  Feldspath,  so  \\ird 
er  /.inn  (ireisen.  trill  fUr  Glimmer  Hornblende  ein  und  der  Quarz  zurilek,  so 
entstehl  S\enil.  Ouar/,  Feldspalh  und  (iliininer  sind  deinnach  die  wesenlliehen 
Bestandtheile  des  Granites,  ohne  Nvelehe  man  sich  (iranil  niehl  zu  denken  \ci 
mai::  fehlt  einer  derselben,  so  Nerliert  das  Geslein  den  (Iharakler  des  Granites. 
Man  kennl  bereils  geiien  Toil  Mineralspeeies  und  sollle  deinnach  eine  aiisser- 
ordenllich  grosse  Versehiedenheil  mid  eine  sehr  bedeutende  Zahl  der  son  ihnen 
/.iisainmengesel/leii  Gesleinsarteii  eiANarlen.  Ks  isl  jedofh  die  /aid  derjenigen 

Credner,  Elpiueute  d.  (ieologie,  2 


_ 
Plasioklas. 


18  II.  lVtroi:r;i|>liiselie 

Mineralien,  welehe  einen  \\eseiilliclien  Anlheil  an  del'  Zlisamniensetzung  der 
Gesleine  nehiiien.  \erhiillnissmiissig  sehr  beschriinkl.  Als  die  wiehli^sleii  der- 
selben  sind  I'olgende  /.n  nennen: 

Kis     /.    B.    als  Material   der  Gletsclier. 

Dolomilspat  h.    Kalks)>alh,    Anh\dril,    G\ps.    Sleinsal/. 

Onarz     als   Otiar/fels.     Sandstein.     Gemenglheil    des  Granit.    Gneiss.    Ouar/- 
porplnr  u.    v.    a.  . 

Orlhoklas     als    llauplgemenglheil    dcs    Granil.     Gneiss.    -e\\  iss, ., 
und   S\enile  . 

Sanidin    (in  den  Trachvten). 

Oligoklas   meist  nebenOrthoklas,  auch  ohne  ihn,  /.  B.  im  Dioril) 

Labrador   'als  Gemenglheil  des   Diabas.   Gabbro.    II\  perslhcnit 

Nephelin  und  Leucit  (im  Basalt). 

Augil     hauptsiichlicher  Bestandtheil  der  Diabase.   Melaph\re,    Basalle  . 

Hornblende   (im  Syenit,   Diorit,   Hornblendefels) . 

Kal  ig  liminc  r    namentlich  im  Glimmerschiefer  und  Gneiss). 

Magnesiaglimmer   (namenllich  in  gewissen  Graniten   und  Trachylen  . 

Serpentin,   Talk,   Chlorit. 

G  r  a  n  at   (im  Kklogit,   Granatfcls  . 

Turmalin. 

Bra  uneisenstein,     Botheisen  si  e  i  n  .      M  agn  e  lei  sensl  ei  n  ,     fiir    sich 
\vichtige  Lagerstiilteu  bildend. 

Graphil,   Anthracil,   Stcinkohle,   Braunkohle. 

§.  3.  Zufallige  Bestandtheile  der  Oesteine.  Von  den  Besiandtheilen. 
aid  deren  Zusammentreten  die  Xalur  einer  Gesleinsart  beruht ,  also  von  den 
\\esentlichen  Bcstandtheilen  sind  die  zufiilligen  oder  accessorise  hen  Ge- 
menglheile  der  Gesteiue  zu  unterscheidcn ,  \velche  nicht  /.nr  \\esenllichen  Zu- 
saiiiniensely.ung  der  letzteren  gehbren,  bald  vollstiindig  fehlen ,  bald  jedoch  in 
einer  der  Begelmassigkeit  sich  nahcrnden  Hiiufigkeil  in  dem  Gestein  eingesprengl 
vorkommen.  und  zum  Theil  sogar  charakleristisch  fiir  ge\\isse  Gesleins- 
arten  sind.  So  komint  z.  B.  in  vielen  (iraniten  Turmalin,  in  manehen  kalk- 
sleinen  Zirkon,  in  fast  alien  Glimmersehiefern  Granal  \or.  fiir  die  Basalte  isl 
das  Auflreten  von  Olivin  sogar  charakleristisch,  und  dennoch  ist  das  \Vesen  der 
genannlen  Gesleine  nicht  an  diese  zufiilligen  (iemenglheile  gebunden.  Granil. 
Kalk-stein,  Glimmerschiefer  und  Basalt  \\erden  ihre  Bereehligung  zu  diesem 
Xainen  nicht  \erlieren,  auch  wenn  man  ihnen  ihre  Turmalin-.  Zirkon-.  Granal- 
nnd  Olivin-Einsprenglinge  enlziehen  konnle. 

In   den    incislen    l;iillcn    /.eichnen     sii-li    diese    eiimesprenglen    aeeessorisehen 
Beslandlheile  durch   allseilige  AusbiMung   ihrei-   KrvslalU'onn   aus.    Als  die  \\ieh- 
ligslen   derselben   diirften   an/.ul'iihren  sein  : 
Boracit  im  Gyps. 
Bcr\ll   im   Granit,    Glimmersehiefer,    Gneiss. 

G\anit   im  Granil.    Gneiss,    (ilimmerseliiefer.    Talkschieler.    Granulil. 

Si  a  urolith   im   (ilimmcrschieler. 

Ciranal    im   Gneiss,    (ilimmerseliicl'er.    Ghlorilsehierer. 


II.  IVtrographische  Goologio.  19 

Olivin  im  Basalt. 

Titanit  ini  Syenit,   Granit,   Dioril.   (inriss,    knstalliiiisrlicn   Kalkstein. 

Mai:  ii  <•!  kit-s  ini   Diorit.    Basalt,   Serpentin   u.   s.   \\ . 

Schv\  elYlk  ies,   z.   B.   in  don  knslallinischen  und  klastischen  Schiefern.    im 
Grtinstcin,   in  Thon,  Kohle  u.   s.  \\. 

Ma  g  lie  tr  is  custom    in    sohr   zahlroichen    Ge'steinen,    z.    B.    Granit,    Syenit, 
(inriss,   Chloritschiefer,   Talksfliiot'or  u.   a. 

Sch  \\t-IV  I  in  Gyps,  Thon,  Mergel,  Sandstein,  Kalkstein. 

I)  i a  ma nt  im  Itacolumit. 

(Jolcl  in  Talk-  und  Glimmerschiefern,   im  Diluvial-  und  Alluvialsand. 

Plat  in  mit  letzlerem  im  Diluvium  und  Alluvium. 

§.  i.  Accessorische  Bestandmassen.  Innerhalb  vieler  Gesteine  treten 
ahnlich  \vie  die  beschriebenen  accessorischen  Mineralindividuen  Einschliisse  von 
loniilirht'ii  Mineralaggregaton  auf,  welche  in  ihrer  Zusammensetzung  von  der 
(icstcinsmasse  abweichen,  nur  eine  untergeordnete  Wichtigkeit  besitzen  und  als 
/.ut'iilliiic  Krsclieinungen  zu  betrachten  sind.  Man  bezeichnet  dieselben  als  ac- 
cess orische  Bestandmassen  und  filhrt  dieselben  am  zweckmassigsten 
nacli  ihrer  Enstehungsweisc  auf  zwei  Hauptformen  zurtlck,  welche  man  als 
Concretionen  und  Secretionen  unterscheiden  kann. 

Die  Concretionen  haben  sich  innerhalb  der  Gesteinsmasse  durch  Con- 
centration einer  otler  mehrerer  vom  Gesteiue  verschiedener  Mineralsubstanzen 
nach  einem  Punkte  ausgebildet.  Das  Innere  einer  Concretion  ist  deshalb  zuerst, 
das  Aeussere  zuletzt  entstanden.  Nach  ihrer  Uiusseren  Form  lassen  sich  unter- 
M'htMilen  :  Krystallgruppen  (Gyps  im  Thon),  kugelige  Concretionen  von  radial- 
strahligem  Bau  (Schwefelkies  im  Schieferthon) ,  traubige,  knollige  und  platten- 
formige  Concretionen.  Linsenformige  Concretionen  werden  Septarien  ge- 
nannt,  wenn  dieselben  von  zurn  Theil  radialen  Spalten  durchzogen  werden, 
\\fldtf  licNNohnlic-h  MHI  Kalkspath.  Eisenspath  oder  Braunspath  ausgefUllt  sind 
und  hiiulig  ein  forrnliches  Netz  von  sich  verzweigenden  Adern  im  Inneren  der 
Concretionen  bilden.  EigenthUmliche  Formen  sind  die  Tutenmergel,  spitze, 
lutcnfiirmig  in  einander  st«ckende  Kegel  mergeligen  Kalksteines  mit  quergerun- 
/.t'ltcr  Olx'iflache,  welche,  dicht  neben  einander  stehend,  mehrere  Zoll  machtige 
Platt<Mi  /iisammcnst'tzen. 

Die  S<- ere  lion  en  bildeu  sich  immer  innerhalb  praeexislirender  Spalten 
oder  BlasenrSume  und  z\var  in  Folge  einer  Infiltration  von  Mineralsolution,  aus 
\\fldierMineralabsatze,  von  der  Wandung  aus  nach  dem  Inneren  zu  fortschrei- 
icnd,  vor  sich  gingen.  Es  findet  also  mit  Bezug  auf  die  einzelnen  Theile  der 
Srrn-tionen  gerade  das  umgekehrte  Altersverhaltniss  stall,  wie  bei  den  Concre- 
linncn,  wo  das  Innere  zuerst  gebildet  wurde.  Die  Secretionsbildungen  ticl.inLiifii 
nicht  immer  bis  zur  vollstilndigen  Ausftlllung  der  Hohlraume,  so  dass  ein  Theil 
derselben  offen  geblieben  ist;  in  diesem  Falle  besteht  die  Secretion  aus  einer 
mehr  oder  weniger  dicken  Kruste,  welche  die  Innenwand  des  Hohlraumes  iiber- 
zieht,  und  deren  freic  Kr\stallspit/en  nach  Innen  ragen  (Drusen).  Veranderte 
die  inlillrirte  I.osunu  ilin-n  Mineralgehalt,  so  setzlen  sich  die  verschiedenartigen 
Kildungen  meisl  in  oft  ausserordentlich  /arlcn  conccnlfischen  Lagen  ab.  Die 

2* 


"-?"  II.    Petrographische  (ieolo^ie. 

\\  ei:e.  \\elelie  die  infilirirle  Hiissi^keil  uenomnien  li.il  .  die  [nfiltratidnscanMle, 
sind  liiiuliu  naeliy.imei.sen.  hie  gewUhnlichsten  als  Seerelionsmassen  aiil'lreleu- 
ilcii  Mineralien  siiul  Ou.ir/.  . \niclli\sl,  (ihaleedon.  Kalkspalli,  llramispalli .  Xeo- 
lillie.  Delessil. 

Naeh  der  (ieslall  des  llolilraiimes,  \\eleher  die  ersle  Yeranlassiin^  y.ur  Se- 
creUonsbildung  izah,  iiiilcrscli(;idct  man:  .Man  del  n  oder  (lend  en.  Mineral- 
seerelionen  imierhalh  kiiijel-,  him-  oder  mandellormiiier  Hhisenriinnie  in  i:e\\i>sen. 
einst  liliillilliissiiien  (iesleinen  .  /.  M.  Mel.iphxr  und  l!.is;ill  :  Trilnier  udef 
Adern,  MineralsecrettOOeo  innerli;ill)  piMeexislirendei-  S|t;illeiii-;iiiine :  Nesler. 
solelie  innerli;ill)  ^;;in/.  iiiireizeliniissiL;  p'l'onuter  llolilriiuine.  .Mil  diesen  ;iceessn- 
riseheii  IJesliindiitiissen  diii'len  die  I'linseliliisse  fremder  (iesleinsiirten  nielil  \er~ 
\\eeh.sell  \\ecdeu.  I'ls  sind  dies  l;r;iL:iii<'iite  iillerer  (iesleine,  \\elelie  hei  del1 
l^ildiuiL;  einer  iieiien  |-"els;ifl  \(in  dieser  eiiiiiesclilossen  \\iirden. 

§.  -r).  SlrilCtur  (ler  Oesteilie.  Dui-ch  l^rniitteliini:  der  (iesleinseleiiiente 
iillein  isl  eiii  (ieslein  nneli  nielit  iieniiirend  hesliminl.  Aus  (^n;iiy .  l;elds|».illi 
und  (iliniiner  hestelil  (irnnif.  (iiioiss  und  Felsitporphyr ,  ;nis  K;ilks|);illi-lndi- 
sidnen  der  M.innor  und  drr  dichle  K;ilkslein.  heide  in  ilirein  Aeusseren  sn  \\eil 
\ei-M'liieden.  Die  niielisto  Anl'i;;il)e  der  I'elro^rjipliii1  muss  demn;ieh  d;ir;Mil'  ire- 
riehlel  sein,  norli  .indere  eli.-iiMklerislische  .Mei'km;ile  lierhei/ny.ielieii.  Die  Ver- 
sehiedenheit  der  (iesleinsslrueliir  liel'erl  solche. 

I'nler  Slruelnr  der  (iesleine  verslehl  iiian  ihr  dmvli  Form,  (iriisse.  f.;iLie 
und  Verbindungsweise  del'  ein/.elnen  Hesl;mdllieile  her\  ori;el»r;ieliles  inneres 
GefUge. 

Mine  liel  einureifende  Verschiedenheil  der  (iesleine  heruhl  d;ir;iuf.  oh  deren 
hesliindtheile  enlueder  ;ils  \  e  r\\  ;i  ell  se  n  e  k  r  \  si  ;i  I  I  i  n  ise  h  e  I  n  d  i  \  i  d  u  e  n. 
oder  ;ils  \erkillele  Bru  cli  s  t  Qc  k<1  iilterer  (i(>sleine  erseheinen.  Die 
einen  neimt  man  k  r  \  s  I  a  I  li  n  i  sell  e,  die  anderen  klasl  iseli  e  oder  Trii  m  mer- 
ges I  e  i  n  e  ;  als  T\pen  der  erstei'en  inoiieii  (Iranil,  l'orph\r  und  ^larmor,  als  solelie 
der  lel/leren  Con^lomerale.  Sandsteine  und  lose  (ieriillmasseii  dienen.  In  del- 
Art  und  \Yeise.  \\  ie  die  krvslalliniselien  oder  klaslischen  Hestandlheile  der  (ie- 
sleiue  /.u  einem  (ian/.en  ziisainmenlrelen  .  maehen  sieli  \\  iedei'um  die  manniu- 
rachslen  Modilicationen  und  dadurcli  die  \\eeliselndslen  (iesleinseliaraklere  i;el- 
lend.  Die  Struetur  der  krystallinischen  (iesleine  kann  neliinlich  sein: 

kiirniu,  \\enn  knslallinisehe  Kiirner  und  BliiMer  naeh  alien  moijielien 
hieliliinizen  mil  und  dureh  einander  \er\\aehsen  sind,  olme  iriiend  cine  l»e- 
slimmle  AiiordniuiL:  erkennen  /.u  lassen.  Naeli  dcr  (iriisse  des  Koi'nes  unler- 
seheidel  man:  SJTOSS-,  iiroh-,  klein-  und  leinkiirnii:  /.  h.  (iranil.  Marmor  : 

did)  I,  \\enu  die  (iesleinselemenle  mil,  hlossem  AUL-C  oder  mil  der  l.upe 
nielil  melir  erkennhar  sind:  ersl  unlcr  dem  .Mikrosk(»pe  Irill  die  /usammen- 
sel/.uiiL:  des  (iesleines  her\or  /..  H.  diehtei'  Kalkslein  .  Im  (iei;ensal/.e  /u  die- 
sen  kr\slalliniseh-dieli(eii  Ai:i:re;zalen  nennl  man  i:lasarlii:e,  aiieli  l»ei  slarkei" 
Ver^riisseruiii;  lileieliartii:  erselieinende  (iesleine  liomoueii.  Sehr  feinkoniip's 
his  diehles  liefiiL-e  maiieher  Krupl i\ iiesleine  he/eieluiel  man  als  a  p  li  a  n  i  I  i  se  li  : 

>.  eliuppii:.   \\.-iiu  die  (iesleine  weniuslens   /.urn  Liriisslen  Theile   aus  Schiipp- 


II.     lVln»:;r;i|>lli>rlif 

elien   mid  IMatlelien   lieslelien.    \\eleke   eine  Andeutuni;   von   paralleler  AnordnuiiL: 
erkennen      lassen     /.    I!.    (llilorilM-liiefer  : 

I'laseriii.    \\enn   linsenroriniiio.     korniue   Mineral. i^uiviMle   mil   dilnnen    I.. 
i:en  \on  schuppiger  Zusammenselzung  abwechseln  in  dor  \\eise,  dass  sieh  leix- 
lore  an  die  linsenfbrmigen  Kerne  ansehmieizon    /..   B.   (inoiss); 

seliiel'rii:  mid  Mat  t  oriu,  \\enn  die  (ieinen^llieile  n.icli  iruend  ciner 
heslimmlen  Fliiehe  parallel  ani;eordnet  sind ,  \\oduivh  das  (i<-sl<-iii  in  lanlcc 
diiiiiic  l.aucn  /.fi'lalll,  \\clclit-  in  nodi  diinnci'c  l.aincllrn  s[),illl»ar  sind  /..  |{. 
Tlionscliicfcr.  I'apicrkdhlc  : 

fasrrii:.    ucnii   d.is  (Icslcin   aus   laulcr  tascrii-cn   odcr  dUDD3tengeIigen  Mi 
neralindmducn    hcslchl.    \\flchc    /iiNU-ilrn    \ollkonnnrn   parallel    nclu-n   cinandcr 
>lclicn     /..    B.    <i\|>^>.    I;as<-rkalk  : 

i;rsl  reck  I  ,  \\cnn  allc  odcr  cin/.rlnc  Mincralindividucn  dcr  (lolrmsarl 
nadi  u<'\\i.ss<Mi  parallclcn  l.inicn  izcordnct,  uiM'ichlct  odcr  in  die  Laiiir  lAc/.n^i-n 
sind.  In  inanclicn  Sxcnilcn  sind  die  llurnlilcndesiinlcn ,  in  \iclcn  Trach\  ten 
dir  .sanlcnloriniurn  Sanidinkr\stall<\  in  ^c\\isscn  l.a\(Mi  die  lunggezogeiien  Hla- 
senriiuiiH1  mil  ihrcn  la'iiiisten  Axen  parallel  i^cht^eil.  Als  cine  Modification  <ler 
Slreekunu  ist  die  M  i  k  ro  f  I  uc  t  n  a  t  i  o  nssl  met  u  r  y.u  helraeliten.  \\elclu1  darin  he 
slelil.  dass  in  einer  anselieinend  hoino^enen.  i:lasarli^en  .Masse  vnlkaniselien  I'r- 
sprun^es  nn/iildii:e  inikrosknpiselie.  nadel-  cxler  radenlurniiue  Kr\sl;illelien  Mikro- 
litlie  in  paralleler  HielituiiL:.  enls|>reeliend  dor  Bo\veuimii  dor  einsl  iilulhlliissi - 
uen  Masse.  ansueseliiiMlen  lioiion  /,.  B.  ini  Obsidian,  l^asall)  : 

pnrph  \  r  i  sell .  \\enn  in  einer  dielilen  odor  I'einkorni^en  (iesleiiisinasse 
anllallend  urossei'e  Minoralindi\  idnen  ansueseliioden  sind  l-'elsitporpli\  r,  Traeh\l  : 

oolilhisch,  \vonn  das  (ieslein  aus  lanter  kleinen  kiii;elii;en  (loiieretionen 
heslehi.  \\elelie  fine  eoneenlriseh-sehaliiie  odor  radial-laserii;o  Slruelur  liosi(/on 
/..  B.  oolithisehor  Kalksloin  dor  .luralornialion,  ltoi;cnslcin  dor  Trias,  l-j-lison- 
slein  \on  (larlsliad  .  (ie\\isse  Mrii[)li\i:esleino  liahen  in  Koli;o  ihrer  Krslarruni: 
eilie  i;a!i/.  alinliehe  Slructur  aniiononiiiion,  die  man  als  sph  aoroli  Ih  i  sch  l»e- 
/.oiehnol  •/..  B.  IVehsloin); 

lagenfOrmig  odor  gebtyodert,  NMMIII  das  (Josloin  aus  \viodorholl  mil 
oinander  abwecfaselndeo  parallolon  I.ai^on  von  \erseliiedenarli^ein  odor  vorseliie- 
den  uelarhlem  Materiale  hestelil  (/.  B.  llallollinta,  Bandjaspis) . 

poriis.  /.ollit^,  cavcrnos,  \\enn  das  (iesloin  kleine,  ^ro'ssere  uder  selir 
un«s>e.  UOregelmSssig  ueslallolo  llolilriiuino  enlhiill,  \\oleho  dureh  Auslanuiin^ 
oin/olnor  (ienienutheile  enlslanden  sind  /..  B.  Baiiehuaeke  dor  !>>as); 

hlasii;  und  soh  lae  k  i ;.'.  \\enn  ein  aus  ^lullillilssi^eni  /usl.mde  erslarrles 
•  ii'xicju  rundliche  Blasenrauine  enlhiill  /..  B.  inanehe  l.aven.  Uimsslein  : 

maodelsleinartig  odor  amygdaloidisch,  \\enn  die  llolilriiuine  in 
Masii:en  (iexiejncii  t:iin/lieli  odor  x.uni  Tlioil  mil  freindarliuer  Minoralsulistanx 
ausi:efiilll  sind  /..  B.  Melaplix  rinaiidolsloin) . 

Dio  Triimmergesteine  he/.oielinot    man   naeh  (Jrdssc  und  Form  dcr  sie    x.ii- 

s.iinmensetxenden   (M-sleinslVaLimenle   a  Is 

Breeeien,  \venn  das  (ieslein  aus  irriissoron  so  ha  rl  k  a  n  I  i  u  e  n  Brueli- 
sliiekeii  lie.sielii  /..  B.  I'orjjhrbreccien); 


'2'2  II.   IVIn>i,'r;ipliisclic 

Conglomerat  e  (Psephite) ,  \vcnn  das  Geslein  ;MIS  griissen-n  ;i  bur  ru  n- 
(I  etc  n  Hollstik-ken  brsleht  (/.  B.  Rotbliegendes  (londonx-nil): 

Sandslcinr  Psammile  .  wenn  das  Geslrin  aus  rundrn  odcr  crkiucn  Ge- 
slrinslVainiirntrn  bestrhl .  dnvn  Gross*'  x\visclicn  Slecknadelkopf-  his  Krltscn- 
iirosse  schvvnnkl  (z.  B.  Quadersandstein); 

Sehlamin-  odcr  Thongest  ei  n  *>  THilc  .  \\rmi  das  (ieslein  ein  erdices. 
homoi^enes  Ansehcn  htil,  wenn  cs  also  aus  feinen  Staubkiirnclicn  und  Schilpp- 
clicn  licstdit  'i.  B.  Thon,  Kaolin); 

lose  Accumulate,  wenn  GesteinsbruchstUcke  lose  auf  einandcr  lidiauft 
sind,  ohne  durch  ein  jUngeres  Cement  verbundcii  -i.\\.  scin  '/.  B.  Kies,  Sand  . 

Ein  Structur\(M-hiiltniss,  welches  viele  knslallinische  und  alle  klaslischcn 
Gesteine  auf/Aiweisen  haben,  ist  das  dor  Schichtung. 

Geschichtet  nennt  man  ein  Gestein,  wenn  es  in  einor  Anfeinanderfolge 
(System,  Complex)  von  plaltenfbrmigen  Masse n  (Schichlen,  Biinken)  auftritl, 
welche  letztere  durch  parallele  Flachen  Schichtungsflachen)  bcgren/t  werden 
und  bei  weiter  Ausdehnung  in  der  Regel  uur  geringe  Dicke  (Miichtigkeit)  be- 
sitzen.  Ist  in  einem  Gesteine  ein  derartiges  Structurverhaltniss  nicht  ausge- 
sprochen,  so  bozeiclmet  man  es  als  massig. 

§.  6.  Uebergange  der  Gesteine.  Der  Begriff  eines  Gesteines  als  Aggre- 
gat  gewisser  Mineralindividuen  lasst  bedeutende  Schwankungen  in  deiu  Men- 
gungs-  und  Grossenverhaltnisse  der  letzteren  zu.  Daraus  folgt,  dass  die  Ge- 
steinsarlen  nicht  als  scharf  begrenzte  Species  daslelien,  vielmehr  Uebergange 
in  andere  Gesteine  wahrnehmen  lassen  werden.  Solche  Uebergange  linden 
indess  nur  inncrhalb  gewisser  Gesleinsgruppen  stall  und  werden  auf  folgende 
Weise  vermitleil : 

a,  zwischen  kr\  stallinischen  Gesteinen  : 

1)  Ein  wesentlicher  Gemengtheil    tritt  allmahlich   zurilck    und   ver- 
schwindet  endlich    vollstandig.     So   wird   aus  Granit   durch   Verlust   des   Feld- 
spalhes  Greisen,    aus  Gneiss  durch   Zurilcktreten   des   Glimmers   Granulil,    des 
Feldspathes  Glimmerschiefer ,    aus   letzterem  durch  Verschwinden  des  Glimmers 
Quarzit. 

2)  Ein   neuer  Gemengtheil   trill  hinzu   uud    nimmt   zum    Theil   auf  Koslen 
eines    anderen    allmahlich    verschwindenden    GemcniJitlieiles   zu.     So   wird   aus 
kryslallinischem  Kalkstein  durch  Zutrill  von  Glimmei-  Kalkglimmerschiefer ,    aus 
Syenit  durch  Zutrill  von  Elaolith  und  Zirkou  Zirkonsyenil. 

3)  Sammtliche  Gemengtheile  eines  grobkbrnigen  Gesteiues  werden  so  feiu- 
kbrnig,    dass   das  Gestein   dicht   erscheint.     In  dies«>m    Verwandlschaftsveriiajt- 
nisse  steht  der  Dolerit  zum  Basalt,    Dioril  und  Diabas  zum  Apham't,    I -Vlsilpor- 
phyr  zum  Felsit. 

4)  Die   Gemengtheile    eines    krxslallinischen ,    kbrnigen    (iesleines    (M-Jiallen 
parallele  Anordnung;   in  Folge  davou  niminl  lelzteres  eino  llaserige  odcr  schie- 
Icri-c    Slruclur  an;  so   geht   Granit  in    Gneiss  und   dieser    in    GMmmeradtliefer 
ilber. 

.")  (icwissc  (iemcngtheile  Irelen  in  besondcrs  grossen  Kornern  und  aus- 
gebildelen  Krystallen  vor  den  Ubrigeu  hervor,  wiihrend  diese  an  Grbsse  Ner- 


II.   IVIiu-r.ipliisrlii-  (ii'uln^io.  '2'.\ 

liercu.      Aul'  dies.'   NYcisc   \\ird   der   rebel-gang  x.\\  isolicn    kornigen   und  porphx- 
risclicn   Geslciucn   \  ermittclt. 

b.  /Avisclien   k  last  isc  li  e  n   Gesteineii  : 

6)  Die  Grosse  der  /usamniengckiltelen  Gc.steiii>!Vagmenle  niminl  nb  oder 
y.u ;  ails  GonglomeratBD  \\erdcn  Sandsleinc  und  tinigckehrl. 

7  Kckige  (iesleinsbruclistucke  \\erden  zu  abgerundctcn  Rollstiicken  :  aus 
Rrcecien  \\erdeii  Conglomerate. 

S  Die  Mengc  dcs  \erkitlenden  (lemenles  iiiinint  /.ii  .  aus  Conglomerate!) 
mil  Ihonig-kalkigein  Hindcniitlel  \\erden  Kalkincriid  mil  cm/clnon  Rollstiickcn. 
\\clchc  alliiiiililich  lian/  \crscli\\indcu. 

'.»  Dei-  |)droi:ra|)l)isclic  (lliaraktrr  dcr  (icstoinslVatiiucnlc  \vird  durcli  Vcr- 
driiiiuunii  dcr  (MUCH  durcli  andcrc  Geslt'insarlon  vtM'ihulert.  Aus  Grjinit-,  Aui- 
pliiltolit-  und  Quar/itcongloincral  cul\\ickclt  sich  ein  roines  QuarzitcongloiniM-at. 

c.  /\vischcn  k r\  sta  11  inische n  uiul  klast  isch  en  Gcsteincn  : 

10  Kruptixizcstcinc  stchcn  mil  klastischcn  (u\slcincn  (lurch  Tuffbilduiiui-u 
in  cniicin  ZusaniiiicnliaiiLic  Tlionsteino  und  Forphyi'c  dcs  Rothlicgenden). 

II)  Klastisclic  (icslcinc  udicn  durch  Contactmctainorphosc  allintihliiz  in 
krxstallinisclic  iibcr.  (Thongcslciiu4  in  Hornfels,  Ihonigo  Kalke  in  Mannor). 

§  7.  Die  Bestimmuiig  der  Gemengtheile  der  Gesteine.  Bei  korniuc  u 
(icsiciiuMi,  dcren  Gemengiheile  deutlich  von  einander  zu  untcrscheidcn  sind, 
slcllcn  siclt  IHM  gcniiiicndcn  iuiucrali>i;ischen  Vorkenntuissen  dcr  Hcstiininiuii' 
dcr  niincralisclicn  \atnr  dcr  Icl/.tcrcn  kciuc  bcsonderen  SobwierigkeHen  in  den 
\\CiZ.  llahcn  sich  auch  die  MincralindiNiducn  durch  ihr  Zusaniiuengedriin^tsciu. 
durcli  ihrc  ^cgcnscilige  VerwaChsung  gowdhnlich  in  Hirer  Aushilduniz  /.n  voll- 
koiumoiu'n  Kr\stallcn  gehindtft,  so  sind  doch  in  der  Spallbarkeit,  Ha'rlc  und 
Farbe  der  GeslciiiM-lciucntc.  ihreui  spceifischen  Gewiclite ,  Glanxe  und  chciui 
schen  Vcrhalten  noch  genQgende  Mcrkmale  gegeben,  um  ihre  inineralischc 
Nalur  zu  kennzeichnen. 

Sclm  icrii^cr  gcstallen  sich  die  Verhiiltnisse  bei  ieinkornigen  oder  dichtcn 
dcstciiisailcn,  dercn  Rcslandlhcilc  das  »nl)c\vall'nclc  Auge  niclil  inchr  zu  nn- 
tcr.si -licidcn  \cnuag.  Das  nachstliegende  HUlfsnu'ltel  ist  die  Lupe,  und  \\cnn 
sich  audi  dicsc  als  ungendgend  orwcist,  das  Mikroskop.  Lelzleres  Instrument 
isl  scit  den  hocliwichligen  Resultalen  der  jUngslcn  Zeit  eines  der  unentbehr- 
lichslcn  Iliilfsinitlcl  der  (icsiciusunlcrsuchung,  und  die  miki'oskopisclic  (icstcins- 
analvsc  cine  \ielversprecliende  Disciplin  der  geologisrhen  Wissenschal'l  gexvoi'dcn. 

Bei  Anwendung  des  Mikroskopes  in  der  Petrographie  lial  die  Geologic 
eb(Miso  \vie  bei  Untersucluiiii:  deullich  krxstallinischcr  Felsarlen  /AVCJ  Aui'gabcn 
/.n  losen  .  niimlich  cincrscits  die  Mineralelemente ,  \velche  die  Gesleinc  zusaiu- 
ineiiset/.en,  andererseits  die  YerbindungSNveisc  derselben  zu  ennitteln.*) 


*)  Der  finiifclilciisNvtM-tlii'sli-  Weg,  UunnschlifTc  fiir  die  Untcrsucliunji  ini  <lmrlil';illi>ii<|i-n 
Liclitc  anzufertigen,  ist  dcr  fol^cndi-.  M;ui  sdiliii-'c  cine  nuiiiliclist  fileicliniiissi^  diinnc  Sclicrlic 
\dii  ctsva  -2  his  :t  Cm.  Liin^'c  mid  Hrcitc  in  ilcr  Kiditniii;  dcs  \crliini.'tcn  Oucrsrlinilfcs  \on  dcin 
y.u  untcrsiK •licndcii  Gesteinsstiick  ;ili,  Itcfcsli^c  cs  vcrinitlclsl  Cnnadjibalsams,  den  man  \mln-r 
crhitzt  tiat,  damil  cr  rnsfh  crkaltc  und  fcsl  \\cnlc,  aufcincni  (ilaslid'cldicn,  \vic  sic  zu  inikrii- 
kojt  isrlicn  I 'ntcrsiK •linniicn  im  Gebrauche  sind,  und  sclilcil'c  dann  die  Gestcinsprobc  auf  einer 


'2  I  II.  IVtroi;raplii>e|ip  lien! 

Ms  die  \\csenlliehsten  M  i  lie  ra  I  e  I  e  m  e  n  I  e  del'  dichlcn  (iesleine 
hiil  in. in  Feldspathc.  Nephclin  Illicit,  Noscan.  Augit  ,  Hornblende.  Diallag, 
Ihpcrslhen.  Glimmer.  Oli\in.  Magnclciscn.  Granal  iind  Oiiarz  erkannl.  Kin- 
/clne  dicscr  .Mincralien  galten  his  \ur  Kiir/.em  ;ils  verhttltnisgm&ssig  seltene 
mid  iiuf  nur  \\cnigc  l-'undorlc  hcscliriinktc  <  iesteinsclemcnle.  Krst  d;is  Mikro- 
skup  h;i(  ilire  Iliiuligkcit  und  \\eite  Ycrbreilung  dargclhan.  Das  aud'alligslc 
llcispicl  dal'iir  1st  der  Lcucit,  den  inan  hislier  inir  in  dm  l.a\en  Italians,  des 
l.aaehcr  Sees  und  des  Kaiscrstuhlc*  kannte.  \oii  dem  aber  jrl/t  nacliLicu  icsrn 
i>i  .  dass  <•!•  cincii  uan/  gewtfbnlicheD  Ut-staiidllicil  un/ahliiicr  andcrcr  cclilcr 
l-ascit,  souio  /ahlrciclicr  Hasallc.  so  von  Sadism,  dcr  Hliiin  und  dcin  Tluirin- 
i:cr  \Valde,  ansmarhl.  Achnlichcs  t^ilt  voni  Noscan ,  \vclchcr  frilhcr  auf  den 
VCSIIN.  die  riniiciicnd  des  Laacher  Sc(>s  und  das  Hcgau  in  Baden  hescliriinkt 
seliien.  neuerdinizs  ahcr  in  viclcn  Phonolithen  Bohmens.  dcr  Lansil/..  dcr  Hliiin. 
CenlraU'rankreiehs  ucl'unden  \vurde.  So  hiell  man  fcrncr  den  ()li\in  fiir  cincn 
ansschliessliehcn  7.ufalligcn  Genicnglheil  dcr  Basalle,  bis  vor  Kur/cin  das  Mi- 
kroskop  /.ci^lc  .  dass  cr  zuglcich  cin  ganz  cliaraktei'islischci1  aeccssoriselier  Bc- 
slandtheil  des  Gahltro  sci.  Auch  der  Ncphelin  'in  kurzen,  dickcn  hcxauonalen 
1'i'isnicn  hesil/i  in  Phonnlilhen.  Trachylcn,  Basalten  und  Andesiten  cine  friihcr 
iiniic'alintc*  \\eilo  Vcrbrcilung;  endlieh  muss  aucli  niikroskopiselxM1  Apalil  in 
langcn.  nadellonniuen  li(v\agonalcn  Prismcn)  zu  den  \crhrcitolsl(Mi  (ioniong- 
theilen  der  krystallinischcn  Massengesteine  (Diorit,  Diabas,  Melaphyr,  Sjcnil. 
(iranil  gcxiililt  \verden. 

Die  ohcn  gcnai\ntcn  regular  kr\stallisirendcn  Mineralien,  also  Leucit.  No- 
scan  und  (Iranal,  charaklerisiren  sich  unler  denr  Mikroskopc  dadurdi .  dass 
ihrc  nach  irgend  eincr  Richtung  gefiihrtcn  Durchschniltc  stels  das  Lichl  cin- 
I'acli  hrcchen,  also  iin  Gcgensal/.e  zu  den  Mineralien  allcr  Ul>rigen  Krxslall- 
sNsiemc  kcine  Polarisationserscheinungen  geben.  Die  Aufgabc  der  aueh  l>ei 
(icslcincn  \on  groberem  Kornc  schwierigen,  aber  so  hochwichtigen  I'ntcrschci- 
dung  dcr  feldspalhigcn  Mineralgcincngthcilc  \\ird  durch  das  Mikroskop  nur  theil- 
\\ei>e  gelosl.  Die  mikroskopische  rnlersuchung  unterscheidel  nur  das  Kr\  si  a  II- 


(z.  B.  Ofen-    Plattc  mil  Smir-H  >;o  lief  an,  bis  cine  m(ii:liclisl  vinissc,  t'licm- 
isl.  Di.'sc  Liliitlc  man  durcli  Sclilcifen  auf  einer  maltcn  Glasplaltc,  liis  die 

Cilanx  rrhalt.  Dann  crliilzo  man  das  Cilaslal'clclicn.  xvodiircli  sich  dcr  C.anada- 
cr\\rirhl,  und  iilicrlraiie  die  Go^li'iu-pi'dlic  mil  iicncin  crhilzlcin  Mal-ain  ant'  fin 
andcrcs  Tal'i'lcln-n.  BO  <lass  die  ^lallo  Kliirln'  anf  dicscin,  olino  Hlascn  da/\\  i>clicii.  fcst  anf- 
li.-.-l.  .Irl/l  M'lilcil'c  man  die  nun  nacli  Anssen  uckchrl^  ranlic  Oln-rlla'clif  dri  I'rultt1  auf 
•  ilicii  aiiiii-uclMMiein  \Vc-c  sn  diiiin,  als  cs,  olmr  sic  xii  /crlircchcn,  innulidi  ist.  mid  polirc 
sir  auf  (lias.  Scldicsslidi  \\ird  dcr  darchscheineade  odor  dmrlisicliti^e  zarlc  Gesteinsschlifl 
mi)  fri*clicm  Halsam  anf  cin  rcincs  (MashifHehcn  lilicrlia^cn  mid  zur  Krlioliiui.u  dcr  I'dln- 
cidilat  mil  rim-m  Krckdasclicn  \.TM-IHMI. 

Ht-i  dcr  iiiikn^kdpisclieii  riitiTMirlmiiu'  srll)-l  vvcndct  man  anfani:licli  cine  scl>\\;idicn- 
Vcri;ii>sNi>i-nnL:  an.  urn  MC|I  v.\\  orionlircn  und  zn  cincr  alkcnicincn  Aiiseliauuni:  dcr  Mincral- 
und  ihrcr  X'crhindunu^Nxci^c  /.\\  uclan^cn.  und  licnntzt  dann  sfurkcrc  \  cr-i  n^-c- 
I. is  xn  c|\\;i  soOmalip'r  .  inn  die  Ilclails  zu  sludireu.  Die  Au\\cndmi^  MHI  I'nlari- 
-aliiins\(ii  richlmiucii  i^t  diirdians  crforderlicli  .  \vcil  sic  /.  15.  die  Miltel  an  die  Hand  iiield. 

die   amorpl ler    kr>-lalliniselie    BcscliallVnlicil    mid   die   ciufaclic    odcr    duppeltc   Slralden- 

lircc|iuii|j   eiiizpliier  ficslciusclemeiile  ,    ferner  Ortlmklase    sun    IMai:iiikla-en   /.\\ 


II.     l'rtnp-r,i|)ln>rlir    I  M-nln-ic  '2.") 

.s\stem  des  I'raiJichen  I'Vldpalhes.  also  die  Fraue ,  ob  fin  monokliner  oder 
trikliner  Keldspalli  \orlie^l.  \\idirend  sie  cine  Trennuni:  son  Oli-oklas.  Labra- 
dor mid  Anorthit  nichl  ermddichl.  Da  ;iucli  chemischo  Httlfsmiltel  inir  in  uanx, 
besondors  gilnstigen  Fallen  iin  Slande  sind,  ein  schliosslichos  I'lllici!  in  dieser 
Frage  xu  fallen,  so  muss  sirh  der  mikroskopirende  (ieoloi;e  meisl  mil  dem  l\c- 
sullale  bognUgon .  einen  ()rthokl;is  oder  einon  IMagioklas  Iriklincn  l;»'lds|»;illi 
ills  (MMiiciiiitlioil  crkiinnt  y.u  luihcn.  Die  Durclischnitlc  dcr  l'l;iijiokl;isr  xcichncn 
>ich  \iir  dfiu'ii  dcs  nionoklincn  Oilliokhis  und  Sjinidin  dmvli  ilirr.  dnreli  l;i- 
niclliir(>  ZwillingSVerWadlSUDg  liediniztc  parjilldt1  Slrcilunti  aus.  In  polarisirU-m 
Liclilc  ci-schciiit  jedc  dicscr  LiiinelltMi  andcrs  jzcfiii'ltl,  dcM1  unlcrsudilc  Plajiioklas 
soinil  pr;iflit\oll  l)lau,  uclh.  un'ln.  roll)  izcstivift  oder  liniirl.  H(vi  d«M-  ol'l  schi- 
srlmirripMi  Unterscheiduog  von  Hornlilcndc  nnd  Auiiil  iiicht  die  I'ilr  die  llorn- 
ltlende.  \orxui:s\Neise  liei  dnnkeliieriirltlen  Kr\stallincli\  iduen  in  DiinnsehlilVen 
eharakterislische  Eigenthtlmiichkeh  dos  Dichroisnuis  dtMi  Anssclilaiz.  Hrinui  man 
das  /.u  nntersiichende  Priiparal  nnler  das  Mikroskop.  in  Belches  man  den  I'o- 
larisator.  nichl  alter  den  Anahsalor  einj^eset/l  lial,  und  di'ehl  ersleren.  so  \er- 
iiiiderl  ein  iin  (iesiclitsfelde  belindlicher  Alliiit  seine  I;arlx'  niehl  ,  die  dunkel- 
iii'iine  llornltlende  jedocli  \\ird  lielliin'inlich  dureliseheinend. 

Die  .Mineralelemenle  der  (lesltMiic  ]>flei:t  man  als  homoLrene  Kiirpcr  xu  l>e- 
Irachlen  und  xu  hexeichnou  :  im  (legonsalze  zu  dioser  Ansicht  hal  das  Alikro- 
skop  i;elehrl ,  dass  dies<>  lIoiuu^Miilat  nui1  cine  seheinbare  isl,  nur  I'iir  das 
Nosse  Aiiize  exislirl  und  durch  fremde  Einschliisse  irestorl  \\ird.  Diese 
Kinsehlilsse  sind  Iheils  I'esler,  llieils  flUssigcr  .\alnr.  Die  fcston  sind  \\  iedrr- 
iini  enl\\('der  solche  von  ainorphor  Glassubslanx  ((ilaseinschlUssc),  odor  solchc 
von  mikroskopisclien  Krystiillchen  Mikrolilhcn). 

Dio  (il  ascinschjl  ilsse  entslehen  dadurch,  dass  ein  sic'h  aus  einem  i»e- 
sclunolxenen  Marina  ausselieidt'ndei1  Krystall  kleinc  Partikclchcn  dos  Schmelx- 
llnsses  umscliliessl  ,  \\elche  lx>i  rascher  KrslaiTiini;  als  Kinscliliisse  von  glasiucc 
Snbslanx  erscheinen.  \Vo  sich  demnaeh  solche  (ilaseinscliliissc  linden,  Ubcrall 
lielern  sie  den  definitive!!  BcNveis  dafilr,  dass  das  kryslallinische  Goslciu,  in 
dessen  Mineralelementen  sie  aul'lreten,  ursprilnglich  sich  in  giuthflQssigem  Zu- 
slande  Ix'fundcn  hahe.  Kino  ganz  analoge  und  d;js  ebon  Gosagto  nur  besliir- 
kcnde  mikro^kopisehe  I'irx'heinung  ist  die,  dass  sich  Adern  von  (Ilassubslanx 
in  die  Knslalle  hinein  erslrecken.  Boido  Jioobachlungen  \\  iederliolen  sich  nichl 
nur  bei  Obsidian  und  I'echslein.  sondern  aucli  bei  1'honolilhon,  iiasallon,  .Mela- 
ph\ren.  I'orpliN  ren  mid  anderen  demnaeh  z\Noifellos  erupli\en  (iesieiuen.  \\  o 
sie  in  Auuit .  llornblonde .  Nosean,  Nepholin,  Oli\in.  I.eucit,  Feldspalh  nnd 
Oiiarx  .mllrelen.  In  den  (ilaseinschlilssen  linden  sich  sehr  go\\ohnlich  Hlasclien. 
dime  dass  jedoch  cine  Consian/.  x\\  isclien  Volnmen\<-rh;dlniss  dor  lost  en  Ma>se 
und  dei-  llohlraiime  obualtet.  so  dass  sie  ihre  Kntslohung  der  Conlrachr.n 
dor  umlrillllcn  (ilassubslanx  nichl  \erdanken  koimeu.  Lel/.lere  isl  izexNiilmlicli 
iiclblich.  briiunlich  odor  grflnlieh  gofjirhl  und  nichl  si-lion  \on  \\  in/ii:en.  nadel- 
I'iinnigi-n  Kr\slallcheii  melir  txler  \\oiiigor  dichl  aiiizefiilll  enldasl  .  Die  /aid 
der  (daskoruer  in  manchen  .Minoralion  isl  so  oimrm  ,  dass  diese  lolxlon-n  aid 
das  inuii:ste  \nn  joiien  impraL'iiirl  sein  miisseu  nnd  in  dor  That  in 


II.    Petrograpbisclic 


nnr  den  Bruchlheil  eines  Millimeters  messcnden  Knslalle  nadi  Tausenden 
xa'hlen. 

I*]  i  n  sch  I  iissc   in  i  k  rnsko  pischer  K  r  \  st  a  1 1  ge  I)  i  1  d  e    MikrolUhc    inner- 

li.illi  dcr  gesteinsbildendeo  MineraiiiMiividuaD  sind  sdu-  \erbroiieie  Krsdteinnn- 
gen.  Mcislcntheils  sind  sic  ganx  \virr  mid  regdlos  in  dem  umschliessenden 
Minerale  eingeslreul.  in  anderen  Fallen  aber  sldil  ihrc  Yerlheilung  in  ucsci/- 
iniissii:t'i-  Hc/.iclnin^  /.u  Form  nnd  \Vafhslliniii  drs  llauplkrx  slallcs  in  dcr  \Vrisc. 
diiss  sie  zu  dor  Ohcrll.idic  dcs  Ict/lcrcn  parallclcn  Xoncn  an^cui'dncl  crsclit  i- 
ncn.  Dainit  stclil  cin  srlialndoniiiL:rr  Anl'hau  dcs  hclrcll'cndcn  Aiiiiit-,  llorn- 
hlcndc-  nnd  Lcucitindis  idiinins  in  N'crhindunj;,  \\clclicr  in  (irsteinsschliflen 
durch  die  l'arl)cn\cr.schicdcnlu'il  dcr  cin/.elncn,  das  (ian/.c  /.usainincnsfl/rndt'ii 
parallclcn  Liizcn,  namontlicli  al>ci-  durch  die  den  cin/.clncn  Scliiclilcn  rntsprc- 
clicndc  Anciiiaiiderrcilninii  dcr  cr\\;ihnlcn  .Mikrolilhc  licr\ortritt.  Lctxlere  !»<•- 
stchcn  hci  Hornblende-  und  Auuitkr\stallcn  namcnUich  ans  Mai:nctciscnkornclicn. 
Ncphelinsaulchen ,  Feldspathnitdelchen,  —  hei  Leueilen  aus  Augitnadeln ,  .Mai:- 
nclciscnkiirncrn ,  (ilascinschlUssen ,  Noscan-,  (Iranat-  und  \cpliclinkr\slallclicn. 
Vorxiiizlicli  >iiul  es  die  Mikrolithc  des  Leucites,  welche  sehr  iic\\olinlich  in  hochsl 
rcuclmassigen  conc^ntrischen  Zonen  angeordnet  sind  und  dann  in  Ki-)stall- 
durcliscliniUen  conccntrisclic  Kreise  odor  achteckige  Leucilocdcr-(Jucrsclinittc 
darstcllcn.  'Fig.  I  und  2).  Docli  konimen  auch  Lcucitc  mil  radial 


Fig.  1.     Loncit  mil  Mikrolithen  nut 

dem  BaMilte  von  Stolpen 

(Sacbseu). 


Fig.  2.    Lencit  mil  Mikrolttheii  iiii.- 
dem  Basalte  YOU  Svhack;tu 
(Rhon). 


MikrolitluMi  vor.      In    sehr  vision  Fallen    isl    die    niincralischc  Natur    dcr  Mikro- 
lithe  nioht  x.u  ennitteln. 

Die  Menge  soldier  fremdarliger  Kinsehliisse  in  anscheincnd  liomoLicnen 
Mincralieii  isl  oft  uberraschend  gross  und  aussert  sidi  mit  Hexug  anl'  die  let/.- 
icrcn  cincrscits  in  deren  Farbe,  Glanz  und  Ansehen.  andererseils  in  dem  Rc- 
Milt.ilc  dci-  dicmischcn  rnlcrsuehung.  Die  rollie  Farlte  dcs  Carnalliles .  dcs 
llcnlanditcs.  des  Perlhiles  wird  durch  Blallchen  von  Kis»>no\\d  hersorgehraehl. 
in  ahnlicher  Weise  riihrt  der  kupferrothe  metallisdic  Schimmer  dcs  llxper- 
sthenes,  die  graue  Farbe  maneher  Feldspiilhc.  die  griine  dcs  Prasems.  das  Far- 
bcnspiel  des  I.altrador,  der  Fellglan/  dcs  Kliiolillies  von  frcmdarligcn  Kinsdiliisscn 
her.  Dass  diese  einen  Eintluss  auf  das  l-'.rgcbniss  dcr  dicmisdicn  rnlersudmng 
ausUben.  isl  naturlich.  und  dadurch  erkliiren  sidi  die  viellalligen  Al»\\cidningen 
fast  aller  Analvsen  von  der  berechneten  Normalformel. 


II.    IVtro^raphisrhc  Geolojiie.  27 

Flilssigkeit  seinschlusse  in  Quar/.,  Steinsal/.  S\lvin,  G\ps  und  Fluss- 
spath,  gross  genui:.  um  mil  Mossem  Anue  erMickl  /.u  \\frdfit,  sind  scit  langer 
Zeit  bekannt,  auf  die  aussfrordentliehe  Haufigkcit  and  Verbrfilung  mikro- 
skopischer  Kinschlilsse  von  Fliissigkfilen  \\urde  man  ersl  in  den  let/ten  .laliren 
aufnifrksani.  Die  kleineren  dcrsflbfii  sind  gf\vohnlieh  nmdlifh  oder  eilormii:. 
die  grosserfii  unregflmassig  veriislelt  und  sclilauehartig  in  die  Lange  gi-zogfii. 
Hire  ilher\\ie-ende  Mehr/.alil  isl  niehl  lianx  mil  FUlssigkeit  ausgefUlIl,  sondern 
/eiizt  fin  Hliisclien.  eine  I.ilx-lle  ,  \velfhe  sicli  in  Folge  der  unmerklichen  Ei7.it- 
teruniien  des  Mikroskopirtiselies  sehr  hiiuliii  rastlos  umherkreisend  liewe^l.  Die 
cini-fsi-hlossene  l:lils.-i;^kfit  ist  enlN\eder  eine  \\iisserige  Solution  von  Chlor- 
natrium.  Clilorkalium  oder  Sulfalen  von  Natron,  Kali  und  Kalk  oder  alu-r  Iliissiue 
Kohlfiisiiure  let/.Iere  /..  B.  in  granitischen  Quaraen  .  In  manclien  angensfhein- 
lieli  eine  Sal/liisung  enthalto ndcn  Gfsleinsporen  sind  \Vilrfelchen  von  Steinsalx 
ausgfsfliifden,  vvelche  bei  Berilhrung  mil  der  beweglichen  Libcllc  \on  dieser 
l'or(L:t\scliol)en  \\erden,  also  Irei  in  der  Mutlfrlaugf  lifgen  (/.  B.  im  Quar/e  des 
(iranits  von  ^Johanngeorgenstadt,  des  FelsilporpliNivs  aid  Arran,  des  Zirkon- 
sNenites  von  Laurvig;  Fig.  3). 

Die  KliissiiikeitseinschlUsse  erreichen  sellen  mehr  als  0,06 
Mm.  im  Durehniesser,  sinken  dagegen  zu  solcher  Kleinheit 
herah.  dass  sio  selbsl  bei  lOOOfacher  Vergrosserung  als  kauni 
\valirnehiiihaic  Punkte  erscheinen.  Das  Dimensionsverhallniss 
\on  Flttssigkeitseioschlutt  und  Libelle  ist  ein  vollkommen  un-  FiF: :!-  F1.f'sji«k(;itM<i": 

scnluss  mil  Libelle  una 

bfstinnnles,  so  dass  sich  in  ein  und  demselben  Krystalle  grosse  Kochsaizwiirfeichen. 
Fliissiiikeilseinscliliisse  mil  ausserordentlich  feinen  Bla'schen 
dicht  neben  sehr  kleinen  Einschlilssen  mil  sehr  grossen  Libellen  finden.  Das 
Hliisehen  kann  denmach  nicht  durch  Zusammenziehung  der  erkaltenden,  urspriiniz- 
lieli  den  gauzcn  Hohlrauni  ausfUllenden  Fltlssigkeit  entstanden  sein,  weil  in  di(>- 
sem  1'alle  die  (iriisse  heider  in  einem  ganz  bestimmlen  Yerhallnisse  stehen  mUssle. 
I'n/.wf  iff  Ihal'l  aher  ist  es,  dass  die  mikroskopischen  Fltissigkeitseinschlilsse  ]jei  der 
Bildung  des  Ciesleins  von  Iclzlerein  umfasst  wnrden,  also  ursprUnglich,  nicht  fl\\a 
sj)ater  iniiltrirl  worden  sind.  Ihre  Gegenwart  weisst  deinnach  darauf  hin,  dass  bei 
der  Kntstelmng  ihres  Muttergesteincs  Gase  oder  Dainpfe  thatig  gewesen  sind, 
\\flelif  .sieh  lieim  Krkalten  eondensirlen.  Die  FlUssigkeitseinsehHlssf  trelcn  enl-,\e- 
der  \\iri  dnreh  einander  ufstrcut  auf  oder  sind  zu  sich  verzwcigenden  und  dann 
\\ieder  \crfinigf nden  Xonen  gruppirl,  vvelche  die  Substanx  des  sie  einsclilies- 
senden  Miuerales  dnrchziehen.  Am  haufigslen  sind  FlUssiiikeilseinsehliisse  his 
jet/I  heohaelilel  \\onlen  in  deni  zuni  Theil  ganz  von  ihnen  angffiilllen  Quar/e 
derGranitf.  Gneisse.  Porphyre,  im  l''elds])alh(¥  /.  M.  uahhroiilinlieher  hasalle 
von  Mull  mid  des  (iablu-o  auf  Skye,  im  Ncphclin,  ()li\in  und  Leucil  eehlcr  -e- 
flossener  Laven  sowie  vieler  Basalle. 

Von  den  oben  er\\alinlen  Glaseinsehlilssfn  unterscheiden  sich  die  FlUssig- 
keitseinsehliisse  dnreh  ihre  breile  und  dunkeh1  Ranclbegrenzung  im  Vergleiehe 
mil  der  schmalen  der  ersteren ,  durch  die  schrnale  Umrandung  der  Libellen. 
\vahrend  die  Hliisehen  der  Glaseinschliisse  mil  fineni  dnnkelen  und  biviten  Kandc 
\ersehcn  sind,  ferner  meistenlhcils  durdi  die  liewegliclikeil  der  Libellen  (zu~ 


\\cilen  jcdoeh  iincli  foislcheml  iinil  dnrch  die  Farblosigkcil  lines  Inhallos  itn 
(ic.ucn.sal/c  xu  der  oft  gelblich  grilncn  odcr  bniiinlichen  Farbc  der  (il;issiil»s(;in/. 

Kndlich  si  nd  in  den  kryslallinischcn  (icmenglhcilcn  \jelcr  Kmpli\  ^eslcinc 
mikroskopische  I'D  re  n.  also  llohlraumc  son  eiforiniger  odcr  kngcliger  (iestall 
\erbrcilcl,  \\elche  gcnaii  \\  ic  die  grosseren  Hlasen  y.nhlrcichcr  l.axen  (lurch 
empoiMeigcndc  nnd  iin  erkaltcnden  Magma  sleeken  blcibcnde  (ins-  odcr  Dampf- 
blascn  uebildet  \\iirden. 

Mine  /\\citc  Aufgabe  dcr  mikrokopischcn  Gesleinsuntersuchung  isl  die  Kr- 
initlcluni:  dcr  .M  i  k  ros  I  rncl  u  r,  also  dcr  ciircnlliclicn  Vcrl)indniiL:.s\\  cisc  dcr 
Mirieraleletoente  :  I'>s  sind  nnincntlich  /,\\ei  Bauptresulta£e,  /u  dcncn  iiuni  hicr, 
iichinizt  1st.  Auf  dcr  cincn  Scilc  lint  sich  iic/cii;t  ,  d;iss  die  ulnsarliiicn  nnd 
hnlh^l.isiucn.  nnschcincnd  honio^cncn  Geslcinc  an^efiilll  sind  von  inikrosko- 
pischcn  Krvslitllchen  Mikrolithen  ,  nnderseils,  dnss  nnschcincnd  LilcichinJissii: 
korniirc  (icstcinc  niclit  nur  nus  individualisirlcn  Mincrnlclcinenlcn  hcslclicn. 
sondcrn  dass  sich  z\vischen  dicscn  die  glasiii(Mi,  amorphen  Reste  dcs  rasch  (vr- 
slnrrlcn  nrspriingliclicn  Mnijinns  (M'h.Hten  habon.  Dies  ist  z.  B.  bci  den  nieislen 
Basaltcn,  ]>ei  viclon  Phonolithen,  Mclaphyren  und  Dinhasen  der  Fall.  Sellist 
tlie  \\  ie  das  vollkoinmenste  Gins  nusschenden  Obsidinnc  sind  von  Mikrolithen 
(Iiirclisch\\nrnit,  cbenso  die  Pechsleinc  und  Perlile.  Solche  niikroskopischc  Kr\- 
stallausscheidungen  sind  cnl\vcd(M-  fnrblos  oder  undufchsichtig  seh\vai7..  IHe 
crsteren.  die  fail)loscn  Helonite  (fig.  7i  sind  ^c\\ohnlich  cinfaeh  nadelloriniu. 


lig.  geradlinig  und  an  beidcn  Knden  stumpf  abgestutztj  keulcnfonnig  \erdickl 
ode  gnbelig  gezackt,  zmveilen  sind  sic  /u  slernfdnnigen  Aggregnlen  mileinander 
verbunden  oder  in  mehrcrc  hinter  cinander  licgende  Glieder  nnl'geldst  und  end- 
lich  hakcn-  oder  schleifenlonnig  gcbogen.  Neben  den  durehsichtigen  \\nssor-- 

hellen ,  in  grb'sseren  Exemplaren  das  Lichl  polarisi- 
renden  Belonilen  erscheinen  in  den  glasigcn  (icstcincn 
lange  und  ausserordcntlich  dtinne,  undurchsiclitige. 
cincm  sch\\nr/en  llnnre  iihnliche  Krjslnllnusscheidungen 
i  T  r  i  chile  fig.  5).  Sic  beschreibcn  schr  gcxvohnlich 
schlcifcnnrligc.  /ick/.nckfiirniigc.  schrnubcniihnliclie  \\  in- 
dungen  oder  strahlcn  \on  eincin  eeulralen  Magnclciscn- 

steinkorne  allseitii.'  nus.      Dcrarliiic  Mikrolithe  und  X.\\;M 
Belonlte  (dnrohsiehtige 
Mikroiitii-i.  Belouile  so\\olil  nls   Ti'ichite    sind   in  der  glasigeri  Ge- 

slcinsmnssc  schr  iin^leichmiissig  \ertheill,  stellcn\\  eise   ist   diese   gnnx   frci  davon. 
andci-cn    I'unklcn   lieu;en    die  Ausseheidunkeo   \\irr  durch  cinander,   an   noch 


sind    sic    parallel   lichen    cinand( 

1 


Trichite  lliaarf»nnij;c,  scliwar/.c  Mikrolithe). 


slroniarlii;    /.u    Bandcrn    an^cordnet. 

*-J  ' 

\\clchc  sich  \\cllig  hin  und  her  \\  indcn. 
sich  urn  iin  \Vegc  licgcndc  Kr\stnllc 
l>icgcn  oder  sic  iiin/.ingcln.  I'-s  isl  dies 
die  Krscheiiinnu  der  .M  i  k  r  o  f  I  u  c  I  u  n  - 
t  ions  t  met  n  r  siclic  png.  -'  I  und 


und  7J.     Aus    ihr   gchl    hcrvor,    dnss    sich    das    nrspriinizlich    glnthllils- 


si-c    Magma  jencr  glasnrligcn   Geslcinc,     iiaclideni    sich   bercits  ein/.clnc  uriissere 
Krystallc   und   un/ahlige  Mikrolithe   ans   ihin  ans^eschiedcn  lialten.    noch   in  eincin 


II.      lVtn)UI,l|)|li>rllC 


29 


dcrarliucu   Xnslande    dcr   IMa>licital    belaud,     dass    es    sicli    nodi    cine    Xcil    lani: 
iu   diirclieinander    Iliessendcr   He\\ei:mii:    erliallen    komitc.      Kbenso   \\ie    in    den 


\MA  If '   £>  •      fZ  *^~Zrtfff f  "Ti          I"*   Rd 


6.     MikrAfliirtiiatitiiisstrnrlnr  im  Obsidian.  Fig.  7.     Mikrofluctoationsstrnctnr  im  Perltstmn. 

diiivlians  da.siiien  oder  lialbulasiuen  (icsicinen  \\icdcrhollsichdiese  Fluclnalioiis- 
slriictur  aueh  in  dein  aniorplicn  (Jrundlciii.  der  soizenanntcn  X\\  i.M-liendran^nniis- 
iiiasvc  der  diehleii  llasalle.  Mclapli\re  n.  a. 

Kin  rernerer  \Vc^ .  den  man  xnr  Trennunij  der  (lesleinsbeslandlheilc  bc- 
liul's  deren  rulersuelinnu  aii/.ii\Neiiden  pflc.ul,  beslehl  in  der  I'ulxerisinmii  des 
Cesleines  mid  Soiideninu  dcr  \erscliieden  scliweren  (iemen^lheile  dnreli  Selilam- 
IHIIIIL:  .ml'  einer  iieneiiilen  (ilastafel.  Die  ein/elnen  y.iemlich  izleieliarli^eii  All 
laucrnnucn  kimnen  dann  einer  Unlersnclmiii:  mil  der  Lnpe.  dem  .Mikroskop 
oder  cliemisclien  Iliiirsmilleln  unler/oyen  werden. 

Kin  empfehlenswerthes  Verfahren,  wodurch  naeli»e\\  iesen  \\erdcn  kann. 
ob  mikrokrxslallinisclie  (iemenullieilc  eincs  (iesleines  in  Siiuivn  loslieh  siiul 
oder  niclil,  beslclil  darin  .  dass  man  das  belrell'ende  (ieslcin  xn  einem  liroben 
I'liher  rcibl .  in  \Nclcltem  man  mil  dem  .Mikroskope  die  einxelnen  Koi'ner  nach 
l-'arbc.  I'olarisalionss erliallen  u.  s.  \v.  xu  nnlerselieiden  im  Slande  isl.  Kin 
anderer  Tlieil  des  I'nhers  \\ird  mil  Salxsiinre  izekoelil  und  dann  j:ul  ausue- 
\\asclien.  Veruleiehl  man  die  so  behandelle  I'liKermcnize  mil  der  in  urspriinii- 
licliein  Xnslande  belindliclicn.  so  cruiebl  sicli  dnrch  das  Versclm  undensein  ir^end 
cines  Mineralelemeoles  (lessen  Aufloslidikeit  oder  Xerselxbarkcil. 

(ieuissc  Bestandtheiie  der  Gesleine  namenllicli  Magneteisenstein]  lassen 
sich  naeli  (lessen  I'liKcrisirnni:  dnr<-li  An\venduiiL;  des  Mai-nclcn  isoliren. 

In  alien  Fallen  isl  das  spccilisclie  Ccuichl  des  (Jesteines  xn  crmillcln.  aiis 
\\elehem  sieli  niclil  sellen  sicliere  Scliliisse  auf  (lessen  minernlo^ische  Xusammen- 

liz  xielKMi   lassen.      So   koimen   x.   h.  (lesleine.    \\elclie   ein   lieriniieres  speei- 

•s(ies\ielil  besilxen  als  der  Labrador,  nie  OcMnen^c  \on  Labrador  und  Au- 
:^il  sein.  denn  da  das  speeilisclie  (Jexvicht  des  Antilles  grosser  isl  als  das  des 
Labradores.  >o  k.inn  sicli  das  speciliselie  (ic\\iclil  der  Labrador-Aiiiziliieslciue 
nur  in  den  (ireny.<-n  x\\isclieii  d<-m  dieser  bciden  .Mincralien  bc\\eu.-n.  (ie- 
menule  Silicaliiesh-ine  boil/en  ein  um  so  hiilieres  speeilisclies  (icuirlil  j(-  M,.- 
rintier  dcr  (icliall  an  Kieselsiiure  mid  je  grosser  dcr  an  Hasen  isl.  —  Audi 
die  IViifiiiiL:  dcr  Marie  dicliter  (iesleine  erlaubl  xn\\eil<-n  Scliliisse  aid'  deren 
mincralische  (lonslilnlioii .  x.  U.  auf  die  Ab\\esenlieil  oder  (JeL'etmarl  \on 
ireier  Kicselsanrc. 


HO  II.    IVtrotiriiphisrlio 

Mil  dcr  physikaliscfoen  muss  die  ehcmische  (JnterSQChutlg  der  Gesteine. 
die  IVilfung  ihres  Yerhaltens  geizen  Siiurcn.  ihre  Schmel/barkeit  ,  ilir  sonsliges 
Yerhalten  MM'  dent  Lb'throhrc  llaiul  in  Hand  gehen.  Dureli  Bauscbanalvsen 
\\ird  die  allgemeine  chemische  Zusammenset/.ung  eines  Gesteines  ermittelt,  doch 
ist  es  inituntcr  mb'glieh,  aus  derselben  Schlilsse  auf  die  Natur  tier  dasselbe 
constituirendeo  Mineralien  ab/.uleiten.  So  inUssten,  um  einige  Beispiele  an/.u- 
luhren  .  uemengle  Orthoklasgesteine,  deren  Kieselgehall  inclir  als  l\->.-2  Procent 
belraut,  nolliNM-iidipT  \Vcisc  Ouaiv.  cnllialtcn ;  —  ein  HornhlciHlc-Orthoklas-lic- 
sU'in  dcssj'ii  Kicsclsiiin'CL-clialt  drill  dcs  Orlhoklas  ulcichkonunl .  cntlialt  fltcii- 
lalls  IVeie  Kiosclsiiurc,  da  der  Kioselsauregelialt  dcr  Hornl)lendc  I)*M  \\citciu 
ucringer  ist,  als  der  des  Orlhoklases;  -  -  in  einem  Orthoklas  mid  Oliizoklas 
haltcnden  Gesteine  liisst  sich  aus  dem  Verhaltnisse  des  Kali  und  Natron  auf 
das  Vorherrschen  dos  einen  oder  anderen  Feldspathes  schliessen.  Durch  gc- 
srhickte  Interpretation  der  Bauschanalysen  ist  es  zuweilen  sogar  moglidi,  das 
.McnizunirsYf-rhaltniss  der  Mineralelemente  eines  Gesteines  wenigstens  annahernd 
mil  um  so  grosserer  Wahrscheinlichkeit  zu  ermitteln ,  je  weiiiger  GemengUieite 
man  zu  bertlcksichtigen  hat.  Die  wichtigsten  Resultate  Uber  die  mineralische 
Xiisainmensetzung  der  dichten  Gesteine  verspricht  jedoch  das  Hand  in  Hand 
(it-lien  der  chemischen  mil  der  mikroskopischen  Gesteinanalyse,  welche  sich 
Lic^-nscilii:  crganzen  und  ihre  Schwiichen  ausgleichen  werden. 

Eine  bedeulende  Erleichterung  in  der  Bestimmung  der  Gemengtheile  mancher 
didilor  Gesteine  gewahrt  die  nicht  seltene  Erscheinung,  dass  dichtc  Varietalcn, 
\Ncnn  auch  oft  erst  in  bedeutenderen  Entfernungen,  allmahlich  in  deutlicli  kornigt1 
iilK-rgehen  oder  wenigstens  stellenweise  einzelne  ihre  Gemengtheile  in  grb'sscivn 
Individuen  ausgeschieden  enthalten.  Auch  die  Vervvitterung  der  Gesteinsober- 
tliichcn  giebt  mancherlei  Aufschuss  tlber  die  Zusammensetzung  der  Gesteine, 
\\ril  deren  \  erschiedcnartige  Gemengtheile  von  der  Verwitterung  verschieden 
stark  angegriffen  werden.  Auf  derartigc  Verhiillnisse  muss  desshalb  bereits  bei 
I  nhTSUchung  der  anstehenden  Gesteinsmasse  Rtlcksicht  genommeu  werden. 

§  8.  Classification  der  Gesteine.  Bereits  in  §  5  wurde  auf  den  augen- 
lalligen  I'literschied  zwischen  krystallinischen  und  klastischcn  Gesteinen  anf- 
mcrksam  gernacht.  Er  ist  so  durchgreifend  und  scharf,  dass  er  fUr  eine  natiir- 
lichc  Gnippirung  der  Gesteine  als  HaupteintlK'ilungsprincip  festgehalten  wt-nlt-ii 
kann.  \Vir  erhalten  dcmgcmiiss  zwei  ui-iissei'e  Abtheilungen.  nehmlidi: 

I.  Kryatailinische  (ieslei  ne,    beslehend  aus  mil  einandcr  vfr\\,icli 
M-iicn.    gegensritig  innii:   \-(>rbundencn.   irleiclialtcrigcn  Mineralindi\  idncn   in   ilircr 
diirdi   ilirc   Knlslehungs\N«'ise  bcdingtert  Gestalt  und  Lage. 

II.  Klastische  Gesteine,  bcslchcnd  aus  zerlrilmmerten  und  zerklcincrtcn 
idlcrcn   (ie.slcinen,    deren    Bruchslilcke    in    den    meisten    l;;illen    (lurch    ein    erst 
spiiler  entstandenes   Bindemittel  /usanimen  gehalleir  werden. 

Die  Individuen.  als  deren  inniges  Aggn«gal  die  kr\stallinischen  Gesleine  /u 
betraeliteii  sind.  kiinnen  ent\\cder  finer  oder  mehreren  Mineralspecies  ;m- 
m'hiiren.  Demgemiiss  y.erfallen  die  krystallinischen  (lexeme  in  x\\ei 
abtbeilungen 


II.  Petrographische  Geologic.  Ml 

I  fin  I. ic ho,  Ai:iiveuate  von  lndi\ idnen  einer  Mineralspecies  (z.  B.  .Marmor, 
(Mil  Agiireiial  Mm  kalkspalh-lndi\idiirn  . 

:'  iiemeniite,  AiZi:ivsj:;ilr  von  Individuen  melirerer  Mineralspecies  (•/..  B. 
(iranit.  cin  Aiiureiiat  \on  l-'eldspath-,  Onar/-  und  (iliimner-lndi\  iduen  . 

Ferner  lassen  sieli  die  rinforluMi  kryslalliniscliiMi  (IcsU'inc  nacli  ilirc  clic- 
iiti.M-liiMi  XiisiiiiiiiHMisi't/iiiiii.  die  iiemenulen  danaeli.  ol»  ilii'e  Sli'iiclur  eine  inas- 
sii-e  \\ie  heiin  (Jranit  oder  eine  uesehielilele  \\  ie  Iteim  (iliiniiUM-scliiet'er  ist  .  in 
kleincre  (iruppen  sondern.  Kiner  Synopsis  der  (iesleine  liisst  sich  demtjeniiivs 
lokcnde  (iliedenini;  y.u  (Jninde  leiien  : 

A.     Krystallinische  Gesteine. 

I.     Einfaclie  Gesteine. 
1.      l-lisiiestciiie. 
:'.      llaloid^esteine. 
M.      Kiesclfieslcine. 
4.     Silicatiresleine. 
•">.      Kr/.i;esleme. 
6.      Kolilenij;esteine. 
II.    Qemengte  Gesteine. 

a.  ntiissige. 

b.  geschielitele. 
i:      Klastische  Gesteine. 

1 .  lose  Accumulate. 

2.  Sandsteine,   (longloinerale,   Breccien. 

3.  Thongesti'inc. 

4.  Tulle. 


b.  llebersicht  der  Gesteinsartcn.  ) 

1 .  Clnsse.  Krystallinische  Gesteine. 
\ .  Ordnung.  Einfache  Gesteine. 

1.  Familie.  Eisgesteiue. 
I.   Eis. 

.Naeh  seiner  KnlsUM1uini;s\N cise  untersehcidel  man  das  Kis  in  Se  h  n  ee  -  \\  i  s 
nnd  \\asscr-Kis  und  ersteres  nach  seiner  pelrographischen  BescluiHenheit  in 
Selinec.  l-'ii'n  nnd  (Ilelselier-Eis. 

Der  Sell  nee  isl  ('in  loses  Aiiiii'e^al  von  Nadeln,  Lamellen,  KonuM'n  nnd 
l-'locken.  entstelil  (lurch  Niederschlai^  der  atmospliiirisclien  Fiuichli^keit  und  hildd 
in  der  ohersten  Heiiion  der  Boohgebirge,  sowie  in  den  Polargei^enden  ausge- 
dt-liiile  und  inaelili^e  Ahlauernntzrn. 


'     Hi-i  ilit-MT  I Clu-rsiclit  der  Gcslfiii-iii-tcii   li.il   cs  sich  nls  uiitlmiilicli   cr\\icscn,   1:1  •  \visse 
BezeichBUDgeD  xu  \ci-inciileii,    wclcln-  «'isl   in  den  AbsclinilliMi  ulu-r  liislorische    und    d\n;i- 
ilnv   Krkliinini.'  lindrn  \\crd<Mi.    Ks  \\inl  dcsslinlh   hicnliirch   ;uil'  die   lictrct'- 


'.\'2  II.  I'clro^rapliisclic 


Der  Kirn,  cin  AIIIMVIMI  \on  loscn  oder  (lurch  F.i.M-rment  verbnndenen 
blendend  \veissen  EiskOrnern,  enlsleht  in  iierinLicren  lli>hen  dcr  Hochgebirge 

[\on  ct\\a  :ni)OM.  ;il»\\  iiils1  durcli  Versi-limel/uiiii  des  lloehschiiccs  /.u  Kiskiirnern, 
\\rlrln-  xcil\\cise  duivli  d;i/\\  isrlien  sickerndes  und  irefrierendes  \Yasser  y.u  einer 
niehr  oder  minder  I'eslcn  .Masse  \erkitlel  \\erden  kiinnt-ii. 

l);is  (i  I  e  I  sell  er  -F,  is  .  cin  knstallinisch  knrniL'cs  Aui:rei:at  son  dieht  mid 
iininillclkii-  xusammen  ^cscliiiiol/ciicn  li;irlcn  Kiskiirnern,  cnlstclit  in  dcin  nnicr 
li.ilh  ;'.">(HIM.  M.-ci-csliiilic  liriicndni  \i\«-;in  dcr  l!oclii:clm-;jc  dmrli  /nsjiinnicn- 
sclinn'ly.uni:  dcr  Kinieiskiirncr.  Ivs  isl  p;ir;illcl  dcr  Gietscheroberflftche  inchr  (idcr 
minder  denllicli  schicliU'iuirliu  lichiiiulcrl.  von  ;msscrordcnllicli  Icincn  mid  /.ihl- 
rcichcn  II;i;irs|);illen  dmvlidrim-cn,  mid  hesil/.l  in  tinissercn  M;isscn  cine  sclione 
lil.inc  l;iirlmnii,  \\iilirend  kleinerc  Stileke  I'iirhlos  sind.  Die  (ilelscher  ci  rciclien 
illter  •')<)!)  .M.  Miiehli|:keii  .  llu-  Yorkoimnen  ist  ein  doppelles  :  erstens  in  der 
RochgebirgSZOne  tier  irem;issii;leii  und  heissen  Liindcr  x.\\  ischen  deni  Firn  und 
dcr  Sclimel/.linie  des  Kiscs  Alpen^lelscher)  ;  Zvveitens  in  den  (lehirizs-  und 
UUgellUndern  hiilierer  Breiten  (Polargletscher),  \\o  sie  ihre  Knden  l»is  in's  Meet- 
liincin  slreeken.  in  \\  clc-liein  dieselhen  \on  den  \\ellen  /erstilckelt  und  ;ils  Kis- 
iKM'i-e  I'orliieti'ielten  >\erden. 

l);is  \\';isse  r-F.  is  hildel  sich  (lurch  AussoheiduHg  luidcHonni^er  I'.iskrx- 
sl.ille  soxvohl  atif  der  Olierlliiehe  \vic  ;iuf  deni  Grunde  der  Gewiisser  (Gruiul- 
l-'.is  .  1'j-sleres  ist  dielil  ,  luirl,  durehsiehliii  ,  weisslich  oder  grtlnlieh,  lel/.(crcs 
sc|i\\;iniini^,  locker  und  \veil  ordige  und  sandii?e  Theile  <les  Hodens  unisi-hlies- 
send,  schinnl/ii;  liefiii'hl.  Die  1'olarmeere  sind  die  Heiinath  des  unverganglicben 
Wasser-I'lises  ,  sie  tragen  eine  f>  his  K>  Meier  iniieliliue  Kisdecke  .  \\elehe  im 
Soninier  nur  /uni  Tlicil  in  Sehollen  Dficfat  und  von  der  Slronmni*  \Nei4izefilhrt 
\vird,  /inn  Tlieil  al>er  aneh  lantie  .lahre  hindnrcli  reslbleibt. 

2.  Fomilie.  Haloidgesteiue. 

Minlache  kr\slallinischc  Gesleine,  deren  inineralische  Beslandtheile  der  Classe 
der   llaloide   und  der  Gruppe   der  el>eni'alls  sal/Jilinlielien   Chloride  und    Fluoride 
leiehter  Melalle  angehoren.      (z.   B.   Koclisalz,   Gyps,   Kalkspath,    Dolomitspalh  . 
•2.   Si  ein  sal/. 

Das  Sleinsalx  ist  ein  blattcM'i^es,  korniijes  oder  faseriges^Aggregat  des  .Mineralcs 
Koehsalx  und  hesleht  \\  ie  dieses  aus  Chornalrinm.  Seine  leichle  l,osliehkeit 
in  \Vasser,  sein  sal/i^er  Gesclnnaek  nnd  seine  aiisuexeiclmelc  hexiiedrisehe  S|>alt- 
barkeit  inaclien  es  leichl  kenntlieh.  Abiindernnizen  in  deni  Lienaiinlen  Noi'inal- 
licsi.iiide  \\erdcn  (lurch  heiniischiinueii  \on  Chlorcaleium  nnd  Chlormagnesiuui, 
\\elchc  deni  Sleinsalxe  die  l-j^enschat'l  erlheilen,  Feiu-hliiikeil  aus  der  l.ul'l  an- 
xuxiehen.  so\\  ie  \on  (llilorkaliuin  hcr\  or^ehrachl.  Andere  Beimengungen  \crlcihen 
deni  urspriiniilieli  farl>losen  Gesteine  maneherlei  Fiirbungen.  So  fiirhl  cine  ue- 
rinue  Beimeniiiinij;  \on  Kiseno\\d  das  Sleinsalx  roth.  \on  KupfergrUn  oder 
Kupfcrchlorid  j^riin  oder  blau  ,  von  Bitumen  i-rau  oder  blan.  \\iihrend  cndlich 
Thon  hiiuliL;  als  Yernnrciniizniifi  auflrilt  Thoiisalx).  An  manehen  I'uiikleii  seines 
Yorkoinmens.  so  in  Stassl'url  bei  hernbnrL:,  namenUieli  aher  in  \\ielicxka  ent- 
hiill  das  Sleinsalx  Blasen.  \\clche  mil  \erschiedeneii  (iasen  \\  assei'stolV.  Kohlcn- 
siiure.  K<tlileiio\\d  ^efillll  sind  Knislersalx)  . 


II.     l'cli'(ii;r,i|ilii>rlif 


Das  Steinsal/.  i.sl  ent\\eder  inir  undeullirh  oder  uar  nirlil  ijeseliielitet.  In 
Slassl'url  \\ird  rs  dmvli  diinnc  paralleie  Lagen  Von  Anhydril  in  reirelinassiije 
Hankc  Ljcsouderl.  Ks  bildel  machine  Lager  inul  Slbcke  x.uiselicn  Thon,  (i\p>. 
Anhydrit,  Merge  I  mid  Doloinil.  Die  Sal/lagersiiiite  \».n  Sliissfurl  ist  iiber  :UO, 
die  l>ei  S|)eivMberg  im\\eil  Uerlin  erholn  le  ^c^cn  1:500,  die  von  \Viclir/.k;i 
slcllcn\\ cisc  iiluM- 1  iOO  M.  iniiclitiir.  Die  Altl.i^cnin.ucn  drs  Sli'insiil/.cs  sind  ;uif  kcinc 
besiimrote Formation  hcsc-liriinki,  sic  Nci-ihcilcn  sich  vielmehraufdieganzesedifneTi- 

tiirc  Schichtenreibe     \\io   dies   ;ms    Inliiciidcr  t;iln'll;ii-isclici%  rchcrsichl 


Formation. 

Ijocalitiit. 

Hildiini.'!'!!  tliM1  Jt-lxl/cil. 

\\  uslcnsalx.  dcr  Kir^isrnslopiir,    in  Araltifn,   in 
Siidainci  ik;i. 
Sccsiil/.   am    Todlcn   Mrci-c  ,    iiin  (ii-osst'h  Salz- 
scc.     (Utah.) 

Teriittr. 

l.aiii'rsliilU'ii  von  Cardona  in  CataloniiMi,  Hier^ 
liczka  und  Itochnia  in  (ialixicn,  —  in  Siebeobiirgen, 
"RIcTnasitMi  und   Arnicnicn,   —  von  Hiinini  in  Halicn, 
in  Louisiana. 

Krcidc   mil    WciildtMi. 

Suulc  \on  Hndrnlirrii  :iin  Dcistci',  \\rslpliidisclir 
Sool(iuelliM).  (Unna.) 

.hint. 

Keuper. 

Lotliringcn,  Hall  in  Tirol,  HallHn  und  Hcrclilt-s 

.uadi-n  (lu'i  Salzburg). 

hfoachelkaik. 

Am  obcren  Neckar  und  Koclu-r  (WiirliMnhci^) 
Krnslhiill  und  Stoltcndicim  ;Thiirin^cn). 

Buatsandstein. 

Ihmnovcr,  Schuningcn  bci  Brauus<  liNsciv',  Salz- 
dcrheldtMi,  Kiii-land. 

D\;i^. 

Hci  Gcra  ,  Artern  (Thiiriniicn)  ,  Slnssfurl  .,  Kir- 
i:isfnsti-|)|)f  am  llckllussc. 

Sti-iiiknldiMiriii-iiiidiun. 

Am  kanavvha  und  New  Rivor  (Wcsl  Virginia), 
im  cn^lischcn  Steinkohlengebirge  \on  Durhain,  Hri- 
slol  u.  a.  L. 

l)r\o|). 

Silur. 

\\Vst  Virginia  ;  ItciSalina  und  Syracuse  iinSlaalc 
New-  York,  Ix-i  Sa^inaw  in  Michigan. 

3.  Gyps. 

l);is  (iNpsircsioin  ist  cin  spiilhigcs,   fiiscriges,   schuppis^es  odor  kornigcs  his 
dichtcs  Ai:i:rcii;il  von  Gyps-Individuen,   heslcht  nlso  aus  wasscrhalligem  scli\\c- 
Knlkc.      Kin   \oi  y.il^lidics  Unlerschoidungsmerkm;il  dcssclhcn   \on  an- 


dcivn  iilmlicli  aussehondcn  Goslcincn  •/..  H.  i;c\\isscn  Kalkslcincn  ist  seine  Wcich- 
hcil  und  seine  Unliislielikcit  in  Siiuren.  Seine  ursprllngliche  Farl»e  ist  /  \\ai- 
\\eiss,  \\m\  jcdoeli  (lurch  Heinu^nuungen  .  von  liilinncn  und  Thon  in  cine  grnuc 
und  dureli  solche  von  Kisenoxyd  in  cine  gelbe,  rolhe  und  braune  ver\\andell. 
Nelten  den  einfarbigen  trcten  geflcckle,  uesin-il'le.  \\olkii;e,  inannorirle  flypsc 
auf.  Nach  Verschiedenlieilen  in  ihrcr  Slrueiiir  iinterscheidel  man: 

Spiithigen  Gyps;  A^ieLMi  \on  /.inn  Thcil  fusslangen  Individuen,  so 
/.  H.  in  der  Marienhiilile  bei  Heinliard.sbi'unn,  ja  von  lachtergrosson  Individuen, 
so  in  dem  Steinsal/be/irke  von  Wielic/ka. 

C  r  e  d  n  e  r,  Elcmcnto  d.  (ioolo^io. 


:U  II     PetfOgraphische  Geologic 

l-'.ise  ru\  ps :  Aii^iviMt  \on  seidenglttrizenden  Fasern ,  \\elehe  meist  senk- 
reelit  aul  den  BegPenXUngsflttchen  der  IMatten  stehen,  die  dieses  (ieslein  /\\  iselien 
kbrnigem  (l\pse  liildet. 

Diclilen  (i\ps;  ausserordentlieh  I'einkiirnig,  sehr  ha*llfig  schneeweiss  und 
;ni  den  Kanten  dureliselmeidend,  diinn  Alabaster  tienannt. 

Kbrnigen  Gyps:  Lttniigeft  Aggregat  YOU  weisser  oder  lichter  Farbe,  oft 
mil  diinklen  Fleeken  und  \Volkcn. 

In    den    beiden    letzlgenannlen    Viirietiiten    kommen    namonllich    Bergkrvslall 
bei  Fahnern  in  Thiiringen)   und   Boracil  (hei  Lttneburg  ,  ferner  Aragonil,  Coe- 
lesiiu.    Sehwefelkies  und  Sehuel'el     Spanien  und  Sicilien)   als  zuftllige  Gemeng- 
llieile  vor. 

Der  (iyps  is  I  ije\vohnlieh  ungesclu'chtel  und  bildel  in  der  Reizel  linsen- 
oder  stocklonniiie  Einlagerungen ,  \viihrend  pnrallele  Schichlen  vei-hiillnissiiiiissiu 
selien  sind  (Osterode  am  Ilarzej.  Thon  ,  Sleinsalz,  Anhydril  sind  seine  tie\vbhn- 
lielislen  Ik'^leiler.  Durch  Auslaugung  (er  ist  in  420  Theilen  Wasser  loslich  sind 
in  iluii  hiiuliii  Hohlrauine  (Schlollen  entslanden  ,  \velche  zum  Theil  rneilen\veile 
Krslivckuiiii  hesit/en  und  dann  oflers  die  Fundorlc  diluvialer  \Virbellhiere  (z.  B. 
Ursus  spelaeus)  sind.  Seine  Hauptenlwicklung  falll  in  dieUyas,  Trias  und  das 
Terliiir.  So  uiniiiebl  ein  hoher,  6  Meilen  langer  felsiger  Wall  von  Gyps  der 
DyasformalioD  den  Stid-Rand  des  Harzes  von  Sangerhausen  bis  Oslerode,  eben- 
so  gehbrt  der  bereits  erwahnle  spathige  Gyps  von  Reinhardsbrunn  der  Dyas  an. 
Miichlige  Einlagerungen  von  Iriassischeui  Gypse  sind  namenllich  in  Tlillringen,  in 
den  Neckargegenden,  bei  Ltineburg  u.  s.  w.  bekannl. 
\.  Anhydrit. 

Das  Anhydrilgeslein  isl  ein  grobkbrniges  bis  dichtes  Aggregal  von  Anhydrit- 
Individuen  und  bestcht  \vie  dieses  Mineral  aus  schwefelsaurem  Kalke.  Vom  (i}[>s. 
mil  \\elchem  er  vergesellschaflet  vorkommt,  unterscheidet  ihn  seine  grbssere  Hiirte 
(3 — 3,  5  gegen  1,5 — 2).  vom  Kalkstein,  mil  dem  er  zuweilen  grossc  Aehnlii -h- 
keil  hal ,  namenllich  sein  Nichtaufbrausen  mil  Siiuren.  Weiss,  hellgrau,  hellrolh- 
lich ,  hellblau  sind  seine  gewbhnlichen  Farben.  Er  ist  selien  und  dann  nur 
undeullich  geschichtel.  Vereinzelt  trill  er  in  dilnnen,  parallelen  Lagen  Schnliren) 
zwiselien  anderen  Gesteinen,  so  im  Sleinsalze  von  Slassfurt  auf. 

Das  geologische  Vorkommen  falll  mil  dem  des  Gypses  zusamrnen.  Duicli 
Aufnalime  von  Wasser  gehl  der  Anhydrit  leicht  in  Gyps  ilber,  und  cs  sind  daher 
die  von  ihrn  gebildeten  Gebirgsmassen  gewbhnlich  von  einer  miichligen  (J)ps- 
krusie  bedeckl.  Aus  dem  auf  den  lelzlen  Seilen  Gesaglen  gehl  hervor,  dass 
(i\ps.  Anh\dril  und  Steinsalz  sehr  gewbhnliche  Begleiler  sind.  ICinige  der  \\ieh- 
tigslen  der  deutschen  Fundorte  des  Anhydrites  sind:  Oslerode  am  Harze,  Slass- 
furl  bei  Magdeburg,  Lllnebiirg.  Sulz  am  Xeckar,  Hall  in  Tyrol. 
5.  Kalkstein. 

Der  Kalkstom  ist  wesenllich  ein  Aggregal  von  Kalkspath-Individuen,  seinem 
Normalbeslande  nach  wesenllich  kohlcnsaurer  Kalk.  Seine  reinon  Varietiiien  Ibsen 
sidi  unler  lebhaflem  Aufbrausen  in  Sa'uren  vollslandig.  Sehr  ha'ufig  wird  ein 
Theil  der  Kalkerde  durch  Magnesia,  Eisenoxydul  oder  Manganoxydul  vertreten, 
und  ebenso  uewbhnlich  erscheint  die  Kalkmasse  verunreinigt  durch  Kieselsaure, 


II.   Petrographische   Geologic.  35 

Thon  und  bituminose  Substan/.en.  Die  Farbo  dcs  reinon  Kalksleines  ist  \\eiss. 
in  Folge  seiner  BeimenLMingen  nimml  er  jedpch  graue  ,  golbliche  und  briUmlicho 
Fai'lmngen  an  odor  ist  farbig  gellivkl  .  gellammt,  geslroift  odor  marmorirt.  Naeli 
seinon  Struelurverhallnissen  unlerschcidot  man  folgende  Varieffiten: 

a)  k  d  r  n  i  g  e  n  K  a  1  k  s  t  e  i  n  ,  M  a  r  m  o  r ,  ein  grobktirniges  bis  zuckerig-feinkiir- 
niges  Aggrogat  \  on  /inn  Tlieil  y.\\illingsartig  zusammengeset/ton  Kalkspalh-Indi- 
viduen.  \\elehe  nach  alien  Richtungcn  durch  einander  geuachsen  sind ,  und 
\\elrhe  man  an  den  verscliieden  laufenden  rhomboedrischen  Spaltiingsniichen  or- 
keimt.  Gewohnlich  isl  dor  kornigo  Kalk  \veiss  und  an  den  Kanlen  durchschoinend 
oder  hollgrau,  hellgolb  oder  hellrbthlich  ,  cinfarbig  odor  marinorirl.  Scin  Roieh- 
lliinn  an  /ufiilligen  Gomengtheilen  ist  gross,  unlor  diesen  sind  Gliimnor,  Gram- 
matit,  Granat.  Spinel  I ,  Serpentin,  Korund,  Quarz,  Apalil ,  Flussspalh,  Maiinel- 
eisenstein  .  Schwefelkies ,  (Iraphit  liervory.ulieben.  Nanienllieh  kann  der  Gliimner 
in  soldier  Mcnge  auftroton ,  dass  dor  Kalkstcin  oin  schiefrigos  Gcftlge  annimint 
und  dann  Kalkulinnnerseliiefei'  gonannt  \vird. 

Schichtung  isl  am  kryslallinisehen  Kalke  bisvvcilcn  sehr  doullich  zu  beob- 
adilen.  liiiulii:  aber  gar  nicht  vorhandon.  Die  Mchrzahl  soincr  Vorkommen  ge- 
liiiren  den  iiltoslon  Fonnalionon  dor  Krdkrusle,  namcnllieh  dcncn  der  lauron- 
liselion  (Inoisse  und  kr\ slallinischen  Schiefer  an,  zwischen  \\elchen  dorselbe 
reiiolniassigo  l.ager  oder  unregelmiissigo  Slb'cke  bildet  so  z.  B.  bei  Trondhjem  in 
Nor\veizen ,  bei  Auerbach  an  der  Borgslrasse,  bei  Drossendorf  in  Miiliren,  bei 
Wunsiedel  im  Fichtelgebirge ,  bei  Burkhardswalde  im  Erzgebirge,  bei  Hermsdorf 
im  Biosengebirge,  im  Alleghany-Gebirge,  in  Canada  und  am  S(ld-Ufer  des  Lake 
Superior.  Die  Mai morlager  von  Carrara  und  andercn  stideuropaischen  Localitiilen 
sind  bei  \Veitern  jilngercn,  jurassischen  Alters. 

Kino  grobkorniizo  Varietal  des  krystallinischen  Kalksteines  ist  der  Ka Ik- 
sin  tor,  \veleiier  namonllich  in  der  Form  von  Stalaktilen  in  den  Hohlungen 
der  KalksletDgebirge  gofunden  wird. 

I)  die  lit  en  oder  gomeinen  Kaikstein;  er  kbesilzt  eine  ausserst  fein- 
kiirnige  ki  \ slallinisehe  Struclur,  \velche  oft  erst  mil  lliilfo  des  Mikroskopes  als 
solehe  zu  erkonnen  ist,  und  einen  flach  muscheligen  bis  splilterigen  Bruch.  Er 
ist  moist  einfarbig,  gelblich,  braunlich  oder  grau,  selten  gefleckt  und  sehr  go- 
\\()lmlich  reioh  an  Thiorreston,  dahingogon  arm  an  zufiilligen  mineralischen  Ge- 
mengtlieilen.  unlor  \volchen  namonllich  Bloiglan/.  Sehwefolkies,  Zinkblende  und 
deren  /n  sH/ungsproduele  \Vichligkeit  bosilxen.  Dei1  gemeino  Kaikstein  zoiehnel 
sicli  \oi-  dom  kb'rnigen  dureh  Deiillichkeit  und  Schiirfo  seiner  Schichlung  aus 
HIM!  s|)ielt  eino  hochst  \\ichlige  Bolle  als  Gliod  fast  siimmtlicher  ^eschichlelen 
GebirgsformaUonen.  Die  dichlen  Kalksleine  sind  hiiulig  durch  Beiinongungen 
\erunreinigt.  Naeh  (Jor  Arl  derselben  unlerschoidet  man: 

a)  thonigen  Kaikstein,  P)  kicseligon  Kalkslein,  y)  dolomi- 
tischon  Kalkslein,  8)  bitu  m  i  nbscn  Kalkslein  (Slinkkalk,  weil  beirn 
Zerschlagon \verden  einen  slinkenden  Geruch  von  sich  gobend).  Ausserdem  be- 
/.eiehiK't  man  die  dichtcn  Kalksteine  je  nach  ihrer  Stellung  in  der  Formalions- 
reihe  als  Kohlenkalk,  Zochsloinkalk ,  Jurakalk,  --  nach  ihrer  Verslcincrungs- 
fUhrung  als  Slringoeephaleiikalk ,  Oi'lhocoronkalk ,  Crinoidenkalk  ,  Korallonkalk, 


'M\  II.    iVtn^rnplii.M'lir    (ieoloi;ie. 

.Nmiiiiiulileiikaik,  mid  endlieli  naeh  ausgexeichneleii  Aiil'sehluss|Mitikteu  uiul  Vur- 
koimimissen  /.  B.  ;ils  Kileler  Kiilk ,  Opatowil/.er  Kalk,  llallstadler  Kalk.  Tron- 
lon-Kalk. 

c)  oo  I  i  t  In  sch  en   Kalkslein;    ruiulliciio  hirsen-  his  erbsen^ro.vse  Kalk- 
korner    von    COnceDtrischf^chaUger,    oft    auch    radial-fasoriger  Zusammensel/ung 
sind  durcli  oine  diehle  oder  online  Kalksteinmasse  zusammengekiUet.     In   ilucm 
Miltrl|)iinkti'   umsehliesseii  die  ein/elnen   Oolilhkiirncr    niclit  selten  einen   fremd- 
arligen  Kiirper,   em  Sandkornchen  odcr  t-in  Musdu-lfragment,  welches  den  eislcn 
Anstoss  /in-  Hildunjj;  dt\s  Koines  i:ei;el)(>n  Ijat.      Zuin  Thril   \\allet  i\\c  Kalkslein- 
iinindniasse    auf  Koslen    der  Oolilhkorner  vor,    /uin  Theil   jedoch    trill   diesellie 
^an/.  /urdck,  so  dass  sich  die  Korner  j;ei:enseitig  berUhren  ;  man  nennl  ein  der- 
artii^es  (leslein,   namentlich   \venn  die  Concretionen   aus  Aragonit   (rhoinbischem 
kohlensanrein  Kalke)   bcslchen  und  Erbsengrosse  erreichen   Brbsenstein  oder 
Pisolith    (i.  B.   von  Carlsbad),   solchc  Oolithe  alter,   deren  radial-fasei'ii;e  Kalk- 
korner  dureh   ein  Ihoni^-nier^elii^es   Bindemiltel   \erbunden  sind,   Roi^en stein 
(/.    B.    bei    Braunschweig,    bei   WolfenbUtlel ,   bei  Bernburg,   bei   Kisleben).      Der 
^e\\ohnliche    Oolith    aus    hirsekorngrossen    Kilgelchen  .setzt   an    der  \Veslseile 
des  Sch\var/.\\ aides,   ferner    bei  Hildesheim  und  Hannover  n»achtige  Schichten- 
reihen   xusnnimen. 

d)  porosen  Ka  Ikslein ,  Kalkluff,  Travertin;  feinerdige  bis  fast  dichle 
oder  auch  porose  ,   blasige,   schwammige,    concenlrisch-schalige    Kalksleinmasse 
von  gelblicher  Farbe.     Sie  trill  in  den   rneislen  Fallen  als  Incruslalion  von  bunt 
y.usammengehauften  Pflanzenslengeln,  Blallern,  Moosen  auf  und  umfassl  zahlreiehe 
Hesle    von    Muscheln,   Schneeken  und  anderen  Thicrarlen,    (z.   B.   Knochen   von 
Kleplias    primigenius).     Als   einige    der  Hauplvorkotnmen  mogen  die  von  Tivoli 
unfern    Rom ,     Baden    bei    Wien ,    Weimar   und    Tonna    in    Thilringen    genannt 
\\crden. 

e)  erdigen  Kalkstein,  Kreide;  ein  weicher  milder  Kalkslein  mil  fein- 
erdiizem,   rnallem  Bruche,   im  reinsten  Zuslande  schneeweiss,   \\eich  und  schrei- 
bend,   bei   einlrelendern    Gehalle  von  Thon  oder  Eisenoxyd   grau,   gelblich   und 
hiirler  \\erdend.    Seine  kleinsten  Theilchen  beslehen  ihrer  Mehrxahl  nach   nicht 
aus    ki'yslallinischen    Individuen ,   sondern   aus  mikroskopischen  Scheibchen  und 
kiiuelchen  von  amorphem  kohlensaurem  Kalke,  sowie  aus  Foraminiferen-Schalen. 
Sehr  hiiufig  enthidl  die  Kreide    neben  xahlreichen  Tliierresten  Feuersteinknbllefl 
als  accessorische  Beslandmassen  sowie  gi'Une  Glaukonitkbrner    als  xufiillige  (Je- 
menglheile   (Glaukonilische  Kreide).     Die  Kreide  bildet,   wo  sie  auflrilt,   seliroll'e 
1-Vlsparlien,   so  namentlich  bei  Dover  und  Calais,   sowie  auf  RUgen. 

<>.  Dolomit. 

Der  normale  Dolomit  ist  ein  Aggregat  von  Individuen  des  Minerales  Dolo- 
mitspalh,  also  Magnesia-Kalk-Carbonal  mil  54,35  Theilen  kohlensauren  Kalkes 
und  i- '),(>;)  Theilen  kohlensaurer  Magnesia.  Dieses  Mischungs-Verhiillniss  isl  je- 
doeh  nicht  constant,  nicht  einmai  gewohnlich,  vielmehr  repriisenlirt  der  Dolomit 
in  den  moisten  Fallen  Verbindungen  von  Kalkcarbonat  und  Magnesiacarbonat 
in  ganx  unbestimmlen  Proporlionen.  Zu  diesen  beiden  Carbonalen  Irill  sehr  oft 
noch  ein  drilles,  i^Wnlich  kohlensaures  Eiscnoxydul,  wenn  auch  nur  in  geringen 


H.   ivicii-t.ipiiiM'h 

Menken,  mid  endlieli  Rilumon  und  Kieselsiiuro,  \\onach  man  den  Dolomit 
.schtissig,  biluminbs  oder  kioselig  nonnt.  (ie\\  i>se  leicht  /u  verwecbselnde  Yarie- 
ta'ten  dt's  Dolomites  und  Kalksleines  Qnterscheiden  sieh  \vie  I'oki  :  Dolomii  1st 
hiirler  ;ils  Kalkslein  ,11.  dnivlisehnitllich  i  :  Ti,  —  or  besilzl  oin  grbssoros  speei- 
fisches  Gcwich!  :V,i  :  ^,7),  —  Dolomilslttcke  brauson  mil  kaltor  Siiure  nur  schr 
\vonig,  Kalksleinfrflgmente  sehr  stark,  —  lot/lero  Ibsen  sich  rasch,  crslorc  laiii:- 
siim  in  Salzsiimv. 

.Manrhc  korniuc  Dolomite  sincl  rcich  an  ncccssorischcn  BcstandthciliMi ,  so 
dt-r  drs  Hinncntlialcs  ini  Olu-rwallis  (Zinkhk-ndc,  Arsrnikalkics,  Schwcfolkics, 
Tri'inolii  ,  drs  Campo  lonizo  sfidlich  vom  St.  Gollhard  (Realgar,  Tuniialin,  Koriind 
u nd  Tivmolil). 

Die  nicislcn  Dolnmitvaricliiton  sind  dcutlich  kr\stalliniscli  nnd  /.\var  bald 
L;i'ob-t  hald  solir  frinkb'rniij; ;  bci  den  Dol  otn  i  la  schen  sincl  die  einzelnen 
Dolomilspalh-Individaeo  i;ar  nicht  mil  einander  xei'hundcn,  sondern  lieL-en 
lux-,  siaubartiu  nelx-neinder.  Kndlich  \verden  g(>\visse  feinkorniye  Dolomilc  von 
uiiret;eliiiiissii;  lieslalteten,  eckiiien  Zellen  nnd  Ilblilungen  vollsUindig  durch/oi:en, 
\\odnrcli  das  (lestem,  dann  Ranch  wacko  genannt,  oin  lochorii^es,  /erfressenes 
Anssehen  erhiilt.  Die  Wandnnizeii  der  Hohlriiumc  sind  mil  Dolomilspalhkryslall- 
clien  incrnstirl.  Kin  lypischer  Fundorl  dor  Rauchvv.ncko  sind  die  Folsparlien 
•  I-  -  Allensteines  nnd  Hohlensteines  in  Thiiringen.  Bemerkenswerlh  isl  die  Nci- 
uniii:  des  Dolomites  zu  Pels-  und  Hbhlenbildungen  ;  so  beslohen  die  Felsruinen 
des  frankischen  Jura  nnd  der  schwiibischen  Alp,  die  oboliskenfdrmigcn  ,Fels- 
massen  des  I;assalhales  aus  Dolomit.  Tebenhaupl  spiell  dieses  Gostoin ,  ge- 
\Nbhnlieli  mil  Mergeln  und  Kalksleinen  vergesellschaftel,  cine  \\ichtigeRollc  als 
Ranmaterial  dor  Erdfeslc. 
7.  Morgel. 

Di<-  Merge  I  sind  innige  Gomonge  von  Kalkslein  odor  Dolomil  mil  Thon,  wo- 
y.u  aussordom  noch  feine  Gliinmerschnppehen  und  QaancktfrncfaeD  Ireten.  Der 
Thongehall  beli'iigl  /,\\isehen  ^0  bis  60  Procenl  der  gan/on  Gesloinmasse.  \\elehe 
enl \\edei-  erdig  o<lor  sehieferig  und  mehr  odcr  weniger  biluminb's  soin  kann. 
Die  Merizel  sind  durch  Eisonoxydul  und  Eisenoxydhydral  grtlnlich,  gelblieh  o«lor 
brannroth,  in  Folge  slarkon  Bilumengohallcs  grau  bis  schwa rz  gcfarbt  und  bloichen 
in  li-t/terem  Falle  im  Feuer.  An  dor  Lufl  blaltern  sic  sich  auf,  zerfallcn  in 
\\iir!clii;e  Rrbekchen,  \\elclie  allmahlich  zu  Erdkrume  werdon.  Neben  Kalkslein 
und  Sandstein  bilden  die  Mergel  das  Ilauplgosleinsmatorial  dor  geschichlclen 
Portnalionen. 

K  n  p  I'erschicfer  nennl  man  gewisse  dllnnschioferige  Mergcl,  welche  reieh 
an  Fisc-lire  -ten  .  in  Folgo  davon  slark  biluminb's  und  dosshalb  scluvar/  uefiirbl 
sind  nnd  in  iltrer  (lesteinmasse  aussorordenllich  feinc  Kupforcrzparlikolelien 
eitiL;es|Meiii:t  entlialten.  Auf  dor  Gcwinnung  dieses  Kupferschicfers  lieruhl  der 
urossai'ligi?  Mansl'elder  Rorgbau. 

Manelie  Kalkmeruel  sind  mohr  odor  \\enigcr  reieh  an  grilnon  (Ilaukonil- 
kiirnorn;  man  findol  dorarlige  (i  I  a  u  k  o  n  i  t  in  e  r  ge  I  namontlieli  in  Weslphalen, 
l;rankroieli  nnd  an  der  atlantisrhen  KUsle  von  New  Jersey,  wo  sie  der  Kreide- 
formation  angohbren. 


its  II.    Petrographische  Geologic. 

Bra  ndsch  iefer  sind  braunscbwarxe  und  pcehsdmaiv.e  .Meriidschiefer, 
\\ddic  sd  stark  von  Bitumen  impriignirt  sind,  d;iss  sic  mil  russcndcr  Flamme 
brenncn  Sccfcld  in  Tyrol,  Walgau  in  Baycrn,  Oschatz  in  Sachscn.  Odsduefcr 
von  Holl  in  \Yilrlembcrg  .  , 

Ihrcr  lieriniien  Ycrbrcilung  v\egen  kiinnen  folaende  hierher  gehbrige  (icstcinc 
nur  kur/  angefilhrl  werden : 

Phospliorit.  cin  I'ascriges  bis  dtchles  Apalitgestein  von  \\cisslichcr,  grau- 
lichcr  und  gelbUchbraoner  Farbe,  \vclclics  Kluftausfiillungcn  und  Ablagerungen 
in  oraldenfbrmigefl  Yerticfungcn  inncrhalb  allerer  K;ilk>,l<'in(>  in  Nassau  an  dcr 
I.ahn  und  Dill,  in  Ba\crn  hci  Andn-ru;  ,  aber  auch  fonnliche  Lager  und  Flot/.c 
/. uischen  ThoQScbiefern,  so  in  Estrcinaduni,  bildet. 

Sch  \vcrspa  th,  ein  dichtes,  dunkcleraues  Aggrcgat  von  Schwcrspalh-ln- 
dividucn,  \vclchos  z.  B.  zvvischen  den  Thonschiefern  an  der  Lennc  (Wcstpha- 
Icn'  in  bis  30  M.  iniichtigen  Lagern  auftrilt. 

3.  Fa  mi  lie.    Kieselgesteine. 

Die  Kieselgesleine  bestehen  allein  oder  vorwallcnd  aus  Minei'alien  der 
Quarzfamilie. 

8.  Quarzit. 

Der  Quarzil  isl  cine  kornige  bis  dichtc  und  dann  gnobsplitterige,  \veisse, 
graue  oder  durch  Beiniengung  von  Eisenoxyd  rolhlicli  gefarbte  Quar/inasse. 
.Ic  nach  ihrer  Slructur  unterscheidel  man  folgendc  Abarten  :  Kbrniger  Qua r/. it, 
sehr  oft  sandsteinahnlieh,  —  dichter  Quarzit,  ausserordenllich  fcinkornig,  schie- 
feriger  Quarzit,  dessen  schieferige  Slructur  zum  Theil  durch  lagen\veise  vcr- 
Iheilte  Glimmerblatlchen  hervorgebracht  vvird.  An  zufalligcn  Gemenglheilen  ist 
der  Quarzit  zienilich  reich ;  nanicnllich  hervor/uliel>cn  sind  Glimmer,  Granat. 
Turmalin,  Pislazil,  Schwefclkies,  Magncleisenerz  und  Gold  (letzleres  z.  B.  in 
den  sildlichen  allantischen  Staaten  von  Nordamerika).  Die  Quarzit^  sind  mcisl 
sehr  deutlich  geschichtel  und  bilden  mehr  oder  weniger  machlige  Einlagerun- 
gen  zwischen  Glimmer-,  Chlorit-  und  Thonschiefer. 

9.  Krystallinisclier  Quarzsandstein. 

Dcr  krystallinische  Quarzsandstein  (Kiystallsandslein  besteht  aus  laulcr 
kr\>-tallinischen  Quarzkdrnern ,  zuvvcilcn  aus  vollstiindig  ausgebildetcn  Ouarz- 
kryslallen,  \velche  durch  ein  gcwbhnlich  iiusserst  spiirliches  Kieselcemcnl  vcr- 
bundcn  sind.  Ilicrher  gehbren  die  untertriassischen  Sandslcine  der  Vogesen, 
fcrncr  viele  Kicsdgcsteine  der  Braunkohlen-  und  Steinkohlcnformation  (Mill- 
stoncgrit  Englands  und  Nordamerikas). 

hi.   Kicsclschiefer  (Lydit). 

Dcr  Kicsclsdiicfcr  ist  cin  dichtes,  sehr  hartcs,  unsclniiclxbarcs,  von  Thon- 
erdc ,  Kohlensloll'  und  Eisenoxyd  impragnirles,  hornsteinahnlichcs  Quarxgestetn 
mil  spliiicriucm  Bruche  und  von  dunkclcr,  namentlich  sch\\arzcr  Farbe.  Er 
isl  in  diinncn,  mcist  nur  zollmiichtigcn ,  schaiTirelrennten  Platlcn  abgclagcrt, 
/.ci^t  sc-lir  vollkommcnc  Zcrkliiflunp,  in  Folgc  dercn  das  Gcstcin  in  pohcdrischc 
Alisi.ndcningsstUcke  zertheill  \vird  und  ist  von  zahlrcichcn  Schnilrcn  und  Adcrn 
von  >Ncis>cm  Ouaiv.c  tlurchzogen.  Seine  sehr  dichten,  vollkommen  sch\\ aiv.cn 


II.    lVlrnm,i|ilii>rhr 

Yarietjitcn   mil   Qachmuscheligeffl   Hnu-he  \\erden  L\dit  oiler  Prnbirstein  uenanut. 
Kr  bildet  z.    H.    iin  Oborharze  zwischen  Clausthal,    Lcrbach  und  Lautenthal,   itn 
Fiehtel^ebirue    in    dor    Niihc    von  Hof  ,    in   Bbhmen    in  dor  Gogend   von  Beraun. 
in  Saehsen  /\\isrhen  Freiberg  und  Nossen  miichlige  Scbichtenfolgen. 
II.  Feiu'i-stcin  (Flint). 

Dcr  Feuerstein  ist  ein  graues  ndrr  sehwarx.es  Kiosclgestein  mil  ausge/eieh- 
net  musrheligem  Bruehe.  Seine  Bcberbenartigeo  Bruchsttlcko  sind  scbarfltantig 
und  .in  den  Kanlen  durehselineidend.  Er  besleht  ;ms  einein  innig-en  Gemenge 
von  knstallinisclu'r  und  aniorpher  Kieselsauro ,  cine  ZusammenseUunL:,  \\clelie 
erst  iin  polarisirlen  Liehle  erkennbar  wird ,  sich  alter  aneli  dnreli  Koelien  mil 
K.-dilauiie  nachweisen  liisst.  Die  scli\varz<-  Fiirbuni:  dos  Feucrstoins  rtlhrl  zum 
umssen  Tln-ik'  von  Kohlonstotl  und  dieser  von  organisclien  Hoston  her  und  ver- 
scli\\indet  in  diesein  I'alle  beim  Glilhen. 

Der  Feuerslc'in  bildet  namentlioh  lagomvcise  an  cinander  geroihlo  Knollcn 
in  dcr  \\eissen  Schrcibkreide,  so  bci  Dover  und  Aachen,  so  auf  HUgen  und 
Wollin.  Ausserdoin  trill  c%r  in  Form  von  losen  Rollslilcken  Uberall  iin  Diluvial- 
.sande  der  norddeutst-hen  Kbene  auf,  cntstammt  aber  den  /inn  Theil  zcrstinMen 
Kreidelagern  an  der  Oslsee. 

In  die  Familie  die  Kieselgesteine  gehbren  noch  folgende  Gcstcinsarlen, 
writ-he  siiininllich  nur  unbedeulende  Ausdchnung  und  deshalb  geringere  Wich- 
Iii;keil  besil/en  : 

Hornslein,  cine  dichle,  liarte,  trilbgrfiirble,  rauchgraue  oder  braimrolhe 
Ouar/massse  von  sptUterigeni  Brucho;  nieisl  knollige  Massen ,  anrogelmiissige 
Kinlagerungen  von  geringer  Ausdehnung  oder  wenig  niachlige  Schichlenfolgcn 
zusamiiieiiselzend. 

.las  pis,  eine  hornsleinarlige  Quar/masse,  von  strcifenweise  abwechseln- 
tlei .  rollier,  gelber,  brauncr  und  grUner  Farbe  ;  in  grbsster  Miichligkeil  am  Lake 
Superior  in  Nordamerika. 

Silss  wasserq  ua  r  z,  eine  feinkbrnigc,  moist  porbse  ,  zelligc,  splitterige 
(ii  undiiiasse,  die  sich  durch  ihre  KinschlUssc  von  Stlsswasser- und  Landschnerken 
und  Pllanzen  als  ein  Quellenabsatz  kundgiebl.  Er  bildct  regellos  geslallelr 
.Massen  z\\ischon  losen  Sandcn,  Thonen  und  Kalksleinen  jUngsten  geologischen 
Alters,  z.  B.  dcr  Umgegend  von  Paris. 

Kiese  Is  inter  und  Kicselluff,  eine  bald  erdige,  lockere,  porbse,  bald 
eompaete  Ouarzmasse,  welchc  zum  Theil  auflallende  ausscrliche  Aohnlichkrit 
mil  KalklulV  besilzl,  zum  Theil  vvie  k. ilk  sinter  in  sUilaklilischer  Form  auflrill 
und  sich  als  Absalz  aus  heissen  Quellen  (so  des  Geysirs)  bildet. 

Pol  i  rsc  h  icfer,  eine  erdige,  aussert  fein  anzufUhlende,  abfiirbende, 
dilnuseliieferi^e,  bliilterige  kieselniasse  von  gelblicher  Farbe,  welche  aus  mikro- 
skupisch  kleinen  Kieselpanzern  von  Diatomeen  zusammengesetzt  ist  (Bilin  in 
Bbhmen). 

K  i  o  s  c  I  g  u  h  r  (Bergmehl)  weisse ,  lockere ,  mehlartigc  Kieselanhaufungen, 
\Di-s\allrnd  ,uis  Kieselpanzern  von  Diatomeen  gebildct;  als  Lager  z.  B.  im  Un- 
trrgrunde  von  Berlin ,  mancher  Stellen  der  Ltlncburger  Ilaide,  bei  Franzens- 
bad  in  Bbhmen. 


10 

'. .  I  .imilir. 

Iliorlior  gehiiren  die  A^i;r<-i:;ilr  \nn  Ampliolrrolillien  mid  Geolilhrn  (z.  B. 
Hornblende  j  T;ilk,  (llilnril.  Serpenlin),  ;ilso  Gesteino,  \\rlrhr  ilnrr  rhemisolien 
Zusammnisrl/ung  iiiich  Silicate  \on  Erden  und  Melallo\\den  odor  \<m  Knlcn 
mill  Alk.ilicii  sinil. 

12.  Hornblendefels  (Amphibolit). 

Dor  Rornblendefels  1st  ein  AggivtMi  \<>n  srli\\ar/.rn  odcr  gn'inc.n,  kornigcn, 
slrahligen  odor  faserigon  Bomblende-Individuen,  dnrcli  .dcrcii  ^csNoluilicli  p;ir;il- 
Iclc  Anordnunij;  moist  cine  diclischieferige  Slruclur  cnlstolit.  Iliiiilii:  ti-ctcn  /u 
dom  roincn  Bornblendea^regale  noch  cl\v;is  Ouarz,  Glimmer  und  Oliuokliis 
als  Gomonjilhoilo  liinxu,  \\iihrond  als  xufiilligo  Ikvstandlhoilo  vor/iiiiswoiso  Soli\\o- 
folkios,  Granat  und  Pislazil  an/ufUhron  sind.  Der  kornigc  Ilornl)londcfols 
isl  nicht  so  go\volmlioh  \vic  seine  sohioforigo  Varietal  der  11  orri  ble  ndosoli  i  o- 
for,  wolohor  doutlich  gosoliiolitot  isl  und  in  regolmassiger  Woolisellagorung 
/\\isohen  den  a/oiselien  Gneisscn  und  Glimmorschiofern  von  Skandinavion,  dos 
nordliehon  Hbl)inor\valdos,  dor  Sudeten,  Siobonburgens,  dor  Tauernkello  Tyrols 
und  zahlroiohor  andoror  Looalitaton  auftrill. 

Kino  l)osondero  Variotiil  des  Hornblondeschiofers  isl  der  Slrnhls  tein- 
odor  A  klinol  ithschicfcr,  ein  dickschieferiges  Aggrcgat  von  gras- bis  laucli- 
grllnem  Slrahlslein  in  dilnnslengeligen  odor  faserigcn  Individuen.  Er  isl  in 
den  Alpen  Savoyens.  bei  Klausen  in  Tyrol,  im  Zipser  Comilal  (Ungarn  ,  in 
Scholtland,  Massachuselts  u.  a.  L.  bekannt.  » 

13.  Chloritschiefer. 

Der  Chlorilschiefor  isl  cin  schuppig-schieferiges,  lauchgrilnes,  weichcs,  mil- 
des  Aggrogal  von  Chlorilschuppen ,  welchen  gowohnlioh  eUvas  Quarz ,  ha  u  fig 
auch  elvvas  Feldspalh  boigomongl  isl.  Er  isl  reieh  an  zufalligen  GemenglheiieD, 
von  diosen  sind  anzufUhrcn :  Magneleisensloin  in  ausgozeiohnclen  Oolaodorn 
(Zillcrlhal,  Eisenrcgion  am  Lake  Superior),  Talkspalh  in  sckarfen  Rhomboodorn 
(St.  Gollhard,  Zillorlhal),  Granat  in  Rhombendodekaedern  (Greiner)  ,  Turmalin, 
(Mabacher  Alp,  Ural),  Gold  (sttdl.  allanl.  Slaalen  von  Nordamorika  . 

Der  Chloritschiefer  ist  in  don  moislen  Fallen  seines  Vorkonnnens  ausui1- 
/ciclinot  obenfliichig  geschichtel  und  trill  in  Gesellschafl  und  in  Wedisellagerung 
mil  Gneiss,  Glimmorschiofer,  Talk-  und  Thonsohiefor  auf.  So  am  Ml.  Rosa, 
Grossglockner,  im  schlosischen  und  mahrischcn  Gebirge,  boi  Kalharinonburg 
(Ural),  im  Alloghany  Sysleme. 
U.  Talkschiefer. 

Der  Talkschiefer  ist  ein  schieferiges  Aggregal  von  Talkschuppen ,  \\t-lolio 
ein  sehr  \\oiohos,  fcltig  an/.ufilhlondos  (Jesloin  von  \\oissor  bis  griiiilioh  \\cisscr 
Fiirbnni:  bildon.  Als  unlorgeordnoto ,  oft  gan/-  fohlondo  Gomongtlioilo  dicscr 
Talkmassc  Irelon  Kornolion  von  Quarz,  sf'llcMi  von  1'oldspath,  als  /.ufiilligo  (ic 
mongllioile  xor/ugsNveiso  Magnctoisonslcin,  SoliNM-folkios,  Granal,  Magiu-sit,  Stauro- 
lith,  siimmllich  /.  H.  im  Val  Canaria  und  Zillerthalo.  forner  Gold  (in  den  siid- 
lidion  allanlisChen  Staalon  von  Nordamerika)  auf. 

Dor  Talksoliiefer  isl  doutlioh  gosohiolitcl  und  naincntlioh  mil  Chloril-  und 
(ilimmorsohicfor  vcruosdlsohaflol ,  so  bei  Ilof  im  Fichlelgebirge,  am  Allv.itcr 


II.    I'elro^rapliiM'lir    (irnlo^ie.  1  I 

in  Schlesien,    in    den    Karnlhener    Alpen  ,     am    Ml.    Blanc,    am    Ml.    Hosa,    im 
I'ral  n.  s.  \v. 

Als  cine  zvsischen  (Ihloril-  urul  Talksehiefer  slehende  Varietal  isl  y.u  t'rwiihncn 

tier  To  |>f  stein;  cs  ist  dies  ein  vervxorren  Blzig-SCbupplgea  (Ie\\el>e  \nn 
Chlorit-  und  Talkschuppen  ,  \on  deiien  bald  die  einen,  bald  die  anderen  vor- 
\\allen  kiinnen.  Diese  grtlolich-grau6  Gesleinmassc  ist  sehr  mild,  la'ssl  sich 
bei  grosser  Xahiiikeil  mil  dcm  Mosser  sclmeidcn  und  \\iderstehl  dein  hefliiisten 
Feiier.  Der  Topl'siein  lindet  sich  mil  Chloril-  und  Talkschiefer  vergesellschaflel, 
/.  B.  liei  Cliia\enna  in  den  Alpon,  hci  Trondhjcm  in  Norwegen,  bci  Boston  in 
Massachusetts. 
l  .">.  Serpent  in. 

Der  Serpent  in  ist  ein  dichles  oder  foinkb'rnigcs,  mildes,  im  Brut-he  rnalt- 
sehimmcrndes  Geslein  von  dilster  grunen,  seltener  braunen  Farben,  liiiulig  mil 
dunkelen  ,  llammii;en  oder  ijeaderten  Zeichnuni^en.  Er  beslelit  lediglicb  aus 
de-m  .Minerale  S<'r|»enlin  ,  unischliesst  jcdoeli  /ahlreiche  zufiilligo  Gemcngtlieilc, 
so  vor/.iii;s\\('ise  :  l'\rop  (Waldheim  im  siichsischcn  Granulilgebirgc  und  Zb'blil/), 
Maizneleisenstein  Zillerlhnl),  Chromciscnslein  (Slcyermark,  Maryland),  Arsenikal- 
kies  Heiehonslein  in  Schlesien),  Chrysolil  in  senkrcchtfaserigcn,  seidengljinzen- 
deii  Schniiren  den  Serpentin  durchschNvarmend  (Rcichcnstein,  Waldheim). 

Der  Serpcnlin  crsclioint  zwar  moist  als  ein  rnassiges  Gestein,  trill  aber 
aucli  in  Geslall  reirelmiissigcr  Schichlonfolgen  von  dllnnen,  ebenflachigen  Flatten 
oder  starkeren  Biinken  (Waldheim),  nur  selten  hingegen  schieferig  auf  (Hoboken 
bei  Ne\\'  York).  Kr  besilzl  zweicrlei  Lagerungsformen  ,  man  kennt  einerseils 
Serpentinlager  z  \vischen  Talk-,  Chloril-  und  Glimmerschiefer  oder  Gneissen  (im 
I'ral.  in  den  Alleghanies,  am  Greiner  in  Tyrol,  im  siichsischen  Granulitgebirge), 
.mdererseiis  SerpenUngSnge  und  -Stockc,  welchc  das  benachbarte  Geslein  durch- 
set/en  bei  1'redazzo  in  Tyrol,  bei  Balloch  in  Schollland). 


Erzgesteiiie. 

llierher    liehiiren    die   einfachen    kryslallinischcn    Geslcine,    deren    Mineral- 
elemenle  sich  (lurch  ihrcn  hohcn  Melallgehalt  auszeichnen. 
1  6.  Spatheiseiistein. 

Der  Spatheisi'iislein  isl  ein  liclblich-graues  bis  gelblich-braunes,  grob-  bis 
leinkorniges  Aggregat  von  rhomboedrischen  Individucn  dcs  Minerales  Eisenspath, 
und  beslelit  somit  hauptsiichlich  aus  kohlensaurem  Eisenoxydul  mil  grosserer 
oder  izerin^erer  Beimischung  von  Mangan-,  Magnesia-  und  Kalkcarbonaten.  In 
IVischem  X.uslande  besilzen  die  Spaltungsilachen  der  Mincralindividucn  irisiren- 
den  oder  perimQUerartigen  Glasglanz,  welcher  jedoch  unler  dem  Einflusse  der 
Atinosphiirilien  versrlnvindet.  Das  Geslein  vsird  anfiinglich  an  der  Oberfliiclu1, 
n.ich  und  nach  bis  zu  grosser  Tiefc  in  lirauneisenslcin  umgewandelt.  Als  zu- 
lalliiie  (Jemeniilheile  Irelen  zaldreiehe  Kinspreni:linge  von  Schwefclkies,  Kupfer- 
kies  und  ICisenglanz  auf. 

Der  Spalheisenslein  bildet  masxJLie  Minlagerungen  und  Slbcke  von  oft  sehr 
ansehnlicher  AusdehoUDg  /\\  isehen  geschiehielen  (Jesleinen,  Irilt  aber  auch  in 
Form  NOII  (iangen  auf.  Als  die  bedeutendslen  Spalheisenslein  vorkommen  sind 


•  12  II     Petrographische 

x.u  erv\almcn:  der  S.'iO  M.  ilbcr  die  Thalsohle  aufragende  Krzberg  bei  Eiscncr/, 
in  Sleiermark,  dcr  Stahlberg  l>ci  Museii  in  \Yeslphalen,  dcr  Slahlheri:  bei 
Sclimalkaldcn  in  Thiiringen. 

17.  Spliiirosiderit  oder  Thoneisenstein. 

Dcr  Sphiirosideril  ist  cine  feinkiirnige  his  dichte  Spalliciscnslcinmassc.  \\cldic 
innig  mil  inchr  oder  \\eniger  Thon  gemengt  ist.  Dcr  Sphiirosidcrit  slclil  soniil 
/urn  Spalliciscnstcin  in  dotiisolbcn  YcHiallnisse,  v\ie  die  Mergel  zmn  Kalkstcin. 
Seine  Farbe  isl  gran,  gelblich  oder  liriiimlich. 

Dieses  Eisenerx  trill  enl\\eder  in  zusainnienhiin^enden  l.aiiei'n  (Flotxcn), 
dder  in  isolirlon  linsenfonni^en  Xieren  mid  Knollen  y.\visclien  den  Sehiel'er- 
Ihonen  des  SteinkobleDgefoirges  und  dor  Braunkohlenforrnation  aul'  und  liefert 
ein  sehr  geschSUtes  Material  /ur  (Je\vinnung  des  Eiscns ;  so  in  den  Sleinkolden- 
irc'hieten  von  Saarhrilcken,  Zwickau,  Siid  Wales  und  Pennsylvania,  ferner  in  dor 
Braunkphlen formation  am  Nordabfalle  des  Siebengehirges  u.  s.  w. 

Kohlcneisenstein    oder    H  lack  band    ist    cin    inniges    Gemenge    von 

Sphiirosideiit   mil   1  -2  bis  35  Procenl  Kohle,  welches  dickschieferige  Slruclur  nnd 

scliwai-x.e    Farbc   besilzt,     namenllich    in  den    schottischen    und    westphiilischen 

MochuiiHM-    Steinkohlengebielen  flolzarlig  auflritt,   und   dort  als  ein  ausgezeich- 

netes   lusenerz  abgebaut  wird. 

1 8.  Brauneisenstein. 

Dor  Brauneisenstein  ist  ein  faseriges ,  feinkbrniges ,  crdiges  oder  dichtes 
Kisenerz  von  ockergelber  bis  schwarzlich-brauner  Farbe  mil  gelblich-braunem 
Striche.  Kr  ist  svesenllicli  Eisenoxydhydrat ,  entliiilt  al)er  gewohnlich  elwas 
Manganoxyd  und  Kieselsaure  und  ist  hiiulig  durch  Thon  verunreinigl. 

Dcr  Bi'auncisenslein  tritt  in  den  moisten  Fallen  vergesellschaftel  mil  oder 
in  glcicher  \Veise  \\ie  Spalheisenslein,  Sphiirosideril  und  Schwefelkies  auf,  als 
deren  Unnvandlungsprodukl  or  zu  belrachlen  ist.  (Iberg ,  Elbingcrodo  und 
Kiibelnnd  ini  Harze,  Siegen  im  Rheinlande  u.  s.  w.). 

R  a  sen  ci  sen  stein  (Sumpferz)  ist  eine  durch  Beimengungen  von  Sand, 
chemisch  gebundene  Kieselsaure,  Phosphorsiiure ,  organische  Sul>stanzen  und 
andere  Sloffe  verunreinigle  derbe  oder  schwammige  Varietiit  des  Brauneisen- 
erzes.  Dieselbe  findet  sich  in  Xiederungen  (z.  B.  der  norddeutschen  unterhalb 
des  Moor-,  Sumpf-  und  Wiesenbodens  in  ausgedehnten  aber  vvenig  machtigen 
Ablagerungen. 

Bohnerz  ist  eine  groboolilhische  Abart  des  Brauneisensleines  und  besteht 
aus  erbsen-  bis  nussgrossen,  ausgezeichnet  conccntrisch-schaligen  Kugeln  von 
thon-  und  kiesclhaltigem  Brauneisenstein ,  welche  mcist  durch  eisenschUssigen 
Thon  oder  Quarzsand  verbunden  sind.  Sie  bilden  Mulden-  und  Klut'tausfUl- 
limgen  sehr  jungen  (Icrtiiiren)  Alters  innerhalb  iillerer  (jurassischer)  Gesteins- 
gcbiete,  so  bei  Kandern  in  Breisgau,  bci  Frohnslellen  in  Wilrlemberg,  bei 
Egci-kinden  in  Sololhurn. 

19.  Rotheisenstcin. 

Dcr  Bolheiscnstcin  ist  cin  faseriges,  derbes  oder  crdiges  ockcrigcs  I^isen- 
(>!•/  von  blnlrother  bis  bi-aunrother  oder  slahlgrauer  Farbe  mil  kirschrothem 
Slriclic.  \\\-  bcstcht  im  rcinslcn  Zuslande  aus  Kisenoxyd,  isl  aber  abgeschen 


II    Petrographische  (irnio^ie  \',\ 

von  Spurcn  von  Manuano\\d  haulig  stark  (lurch  Tlion  and  Kiosclsiiure,  untl 
x\\;ir  in  so  schwaokenden  Yorhaltnissen  \ei •muviniLit.  d;iss  voin  Holheisenslein 
mil  Spurcn  son  Kiosolsiiurc  his  liiuah  /inn  eiscnschiissigen  Quarzit  und  .laspis 
cine-  ununtorbroclicnc  Uebergangsreibe  existirt. 

Dcr  Koihcisenstcin  besil/.l  xnm  Thcil  aiisgozcicbnut  scharfe  Schichlung.  Seine 
grbsseren  Yorkommen  hilden  gleichformiiie  Einlagorungon  zwisehcn  Talk-  und 
Chtoritsohiefern,  Ouarziten  und  Jaspis  dor  azoischon  Fonnalionen.  Als  soldic 
sind  hervor/uhebcn  die  NOD  Hio  Marino  auf  Elba,  der  Pilot  Knob  in  Missouri, 
namcnUich  alter  die  Eisonorzlaiiersliillen  siidlieh  vom  Lake  Superior  in  Nord- 
amerika ,  \\flchc  melirere  llundcrt  Fuss  Miiehligkeit  und  deren  Ausuehendes 
cine  (u'sammtliinge  von  mchr  als  10  deulschen  Meilcn  bositzt. 

Mine  eigenlhdmlicbe  Varietal  des  Rolheisensteins  ist  dor  E  isonooli  th. 
Dersclbe  bcslchl  aus  liirsekorngrossen,  dunkelrolhcn  odor  brnunen  Kornorn  \<m 
Hotheisenstein,  /.urn  Theil  auch  gemengt  mil  solchen  von  Thoneiscnstein,  welche 
von  eincin  tlioniucn.  kalkigon  odcr  sandigon,  ofl  fast  vcrschwindcnden  Omentc 
zusammengehallon  \\erden.  Dor  Kiscnoolilh  kommt  in  inehr  oder  \\enigcr  miich- 
tiiien  Schichtcn  innerhalb  mesozischer  Schichtcnreihen  vor,  so  bci  Aalcn  in 
Wilrleinberii,  bci  llolinstiidl  in  Braunschweig,  bei  Harzburg. 
:'i).  Magneteisenstein. 

Dcr  Mauncleisenslcin  isl  cin  korniges  Aggregat  von  Magncteisen ,  welches 
scli\\ai-/c  Farbo  und  schwarzon  Slricb  hat,  stark  magnctisch  ist  und  seiner  clu-- 
misclicn  Zusammcnsci/ung  nach  aus  Eisenoxyduloxyd  bestehl.  Selten  rein  trill 
der  Magneleisenslein  ycxviihnlich  mil  Granat,  Chloril,  Quarz,  Epidot,  SchNNelel- 
kies  und  Kupfcrkies  gemengt  auf  und  zwar  bildet  er  Lager,  Flblze  und  Slocke 
/ \\isehen  den  (Jcsieinen  der  azoischen  Gneiss-  und  Glimmerscliieferreihe.  Die 
(Jebiele  diescr  Fonnalionen  sind  demnach  auch  die  Heimalh  der  grossarlii:sl(Mi 
Ma^neleisenstcinlagerslatlen,  von  welchen  namcntlich  die  von  Arendal,  Danne- 
mora  uiul  der  Lappmark  Jiier  der  Gellivara  5300  M.  lang,  2600  M.  breit 
und  liber  Tauscnd  Meter  hoch)  in  Skandinavien,  die  Eisenberge  des  Ural, 
die  miiclilken  und  zahlreiehen  Magnclciscnsleinflotze  irn  Alleghany  Gebirge  und 
in  Canada  zu  ervvahnen  sind. 

6.  Familie.   Kohlengcstcine. 

Die    hierher   gehbrigcn    Gesteine    bestchen    wesenllich   aus  KohlenstofT  und 
\erdanken  ihrcn  Ursprung  cinem  Unibildungsproccsse    von   IMlanzenmassen   (sic 
sind  phy logon). 
21.    Torf. 

Dcr  Torf  ist  ein  bald  lockcres,  bald  mchr  zusammcngepresslcs ,  com- 
pacles,  lil/ii:c>  (ie\\e|»e  von  in  Zcrsetzung  begrifTencn  rilan/.cnlheilen ,  deren 
l-'nrm  urn  so  deullieher  crliallcn  isl,  jo  vveniger  stark  sic  durch  Zusammen- 
pi-essung  und  Xersci/ung  gelillen  haben.  Mil  beiden  slehl  auch  die  Farbe  des 
Torfes  in  Zusammenliant:,  \\elchc  /wischcn  lichlbraun  und  pcchsch\\ar/ schwankl. 
.Ic  nach  den  IMlan/.cnarleu ,  aus  denen  der  Torf  vorzugsweise  beslehl,  pllcgt 
man  Mooslof.  \Viescnlorf,  llaidelorf  u.  s.  w.  ,  jo  nach  dor  KescliaH'cnlicil  der 
Masse  Pechlorf,  Papierdorf,  Torfci'dc  u.  s.  w.  zu  unterscheiden. 


1  1  II.    lVln>i:r.i|»lii«-|ir  (irn|i,_ 

Dei  Tort  bildel  l.a^er  von  \\fdiselndcr,  oft  bclriichllielier  Marhtkkeit  und 
i  nlstehl  uherall  d;i.  wo  sicli  ;im  Boden  slagnirender  (Je\\asser  der  Niederunuen 
und  Uocbplaleans  Sunmf-  und  Wasserpflanzcn  ansammeln,  so  in  .Mecklenburg, 
Ostfriesland  ,  auf  doni  Brocken,  dem  Bruchberge  im  Harze ,  bei  Diirlieim  iin 
Srli\\  ;ir/.  \\aldc  u.  \.  a.  0. 
•2;'.  Itraiinkohle  (Lignit). 

Die  Brnunkohle  ist  cine  dichtc,  crdige,  hol/ige  oder  faserige  Kohlenmassi- 
mil  braunem  Slriche  mil  .").">  liis  T.">  1'rocent  Kohlcnsloll  und  bedeutendcm  Bilu- 
iiM-iiLichaUe.  Sic  /.cigt  hiiufii:  die  woblerfaaiiene  vcgetabilische  Slruc-iui-,  Itcsiixt 
muscheliiien,  erdigen  odrr  holzartigcn  Bruch  und  hrnuiie  l)is  pcclischuar/c  l;arhc, 
vcrlnvnnt  leiclit  mil  russender  I;lainnif  und  unler  Knlsvicklung  eines  unaiiLic- 
in'lnvicn,  eigeolhUmlich  hrcnxlichcn  (Icruches  und  giebl  mil  Kalilauizc  cine  dun- 
kelhraune  Fliissigkeil.  Nach  ihrcn  verschiedenen  Slructurverb'altnissen  lial  man 
cin/.clnc  Aiiarlon  der  Brnunkohle  als  Peehkohle ,  holzige  Braunkohle,  Fapier- 
kohle,  Moorkohle,  Nadelkphle,  iM-dkohle  (Uinbrn)  u.  s.  w.  bezoichnet. 

Als  accessorischer  Genienglheil  ninncher  Braunkohlen,  so  derer  von  Artern, 
kommt  Honigslein  nnd  Retinil  vor. 

Die  Braunkohle  bildel  Flolze,  d.  h.  zusammenhiini-cnde  ausLicdchnle  Laj^cr 
innerhalb  der  nach  ihrern  Vorkornmen  benannlen  lertiaren  Braunkohlenfonnation. 
Manche  dicsor  Fldtze  crreichcn  Uber  20  M.  Machligkeil  (so  bei  Coin  ^5—30  M. ; 
bei  Ziltau  liber  33  M.) 

23.  Steinkohle   (Schwarzkohle). 

Die  Sleinkohlc  ist  eine  dichle,  im  Bruche  meist  muschclige,  feU^l.in/.cndc, 
saininet-  bis  pechschwarxe  Kohlcnmasse  mil  75  bis  90  Procenl  KohlenslolF  und 
lieringerein  Bilumengehalle  als  Braunkohle.  Sie  giebl  einen  braun-  oder  grau- 
sc-h\\arzen  Slrich,  vcrbrennt  mil  heller  Flamine  unler  Knlwickelung  von  starkein 
Ilauche  und  aromalisch- biluminbsen  Geruchc.  Einige  Varietaten  weiehen  in 
dei  Ilitze  auf  und  schmelzcn  (Backkohle),  andere  sintern  nur  zusamrnen  (Sin- 
lerkohle) ,  noch  andere  zerbrbckcln  in  der  Hilze  und  hinlerlassen  zum  Theil 
einen  erdigen,  lockeren  Biicksland  (Sandkohle).  Kalilauge  wird  von  Steinkohle 
nur  wenig  oder  gar  nichl  braun  gefarbl. 

In  pelrographischer  Ilinsichl  sind  folgende  Varietiiten  x,u  unterscheiden . 
G  Ian  zkolHe  mil  muscheligem,  slarkglanzendern  Bruche,  Grobkohle  mil  un- 
ebenem,  grobkornigem  Bruche,  Schiefe  rkoh  le  mil  Schieferstructur,  Kiinnel- 
kohle  mil  (lachnmscheligem,  vsaclisdan/.endem  Bruche,  Rus«kohle,  lockere 
Masse  mil  erdigcm  Bruche,  Faserkohle  mil  Faserslructur. 

In  lechnischer  Ilinsicht  pllegl  man  felle,  kohlensloflarmen1.  an  Bitumen 
reidie  und  mage  re,  kohlenslofl'reichere  und  bilumenanne  Kohlen  zu  unler- 
scheiden. 

Als  ha'ufigcrc  zulallige  Gemenulheile  der  Steinkohle  sind  Schut'lelkies,  Blei- 
glan/  nnd  Kalkspalh  an/ufuhren.  \Vie  die  Braunkohlen  trelen  aneli  die  Slein- 
kohlen  in  FliHzeii  auf,  die  sich  Uber  Ilunderle  von  Ouadralmeilen  ausdelinen 
in  Nordamerika  und  I .") ,  20  und  mehr  Meter  Machliukeil  erreiehen  konnen. 
So  i\l  d;:<  I'lanilzer  Fliil/  im  X\\  ickaner  Bassin  7  bis  I'i,  das  Russkohlen- 
lldtz  ehendorl  1 0.  das  \a\eri-Flol/  in  Oherschlesien  I :{  M.  inachtig.  Die  Stein- 


II.   Petrographische 


knhlt'ii  \\edisellagern  mil  SHiiefei  lliouni  uii.l  Sandsleinen  und  hildeii  nn  Yereiu 
mil  diesen  die  produktive  Steinkofaieoformalioa.  .ledoeh  ist  das  Yorkommen 
der  Sleinknhle  niehl  a  ill'  diesen  Sehichleneomplev  bescliriinkt  ,  \ielinehr  sind 
so\\nhl  in  iilu-ivn .  \\ie  in  jilngeren  Kormalionen  (Devon,  Wealden)  ein/elne 
BteiokohlenflOUe  bekannl. 
24.  Anihracit. 

Her  Anihracit  ist  eine  eisen-  his  sammelsehwarze,  stark  glas-  his  halb- 
melallisdi  gla'nzende.  spriide  Kohlenmasse  mil  fiber  '.)()  1'roccnl  Kohli-iistolV.  Ini 
vcrhivniil  t«r  hci  staikrin  l.iifl/.iiiir ,  tlioils  mil  scli\\aclicr .  llicils  ohnc 
olint-  (irrui-h  und  ohne  Haurh  und  ohno  zu  schmelzen.  Kr  i^ichl 
cinrn  srlmaiv.t'ii  Slrich  und  ist  das  hiirleslo  dcr  KohliMiiirstt'inc,  in-lit  jcdoch 
liiiuli^  durch  Al)iialinu>  scinos  (Jehaltes  an  KohlonstolV  und  Aufnahnit'  von  Bi- 
tumen in  Stcinkohle  Uber. 

Dei-  Anlliracil  trill  zuin  Theil  in  selbsliindigen ,  ausgodohnlcn  Flotzen  auf 
(•/..  H.  im  ostlirlion  Pennsylvania),  oder  er  hildet  »emcinsain  mil  Sleinkohlc  und 
Braunkohle  l-'liil/e ,  aus  denen  er  load  durch  Umwandlung  liervorgegangc'n  isl 
i/..  B.  in  Siid  Wales,  am  Meissncij,  endlieh  komml  er  in  Neslern  von  heschriink- 
leien  Dimensionen  vor  (z.  B.  bei  Gera  im  Voigllande). 

In  folgender  Tahelle  sind  die  hauplsiichlichslcn  Unlerscheidungsmerkmale 
der  heschiiehenen  Kohlengesleine  Ubersiehllich  zusammengestellt. 


KlllllclH.-!   stf  ill 

5~ 

!- 

Gewjcht 

rmte  Kali- 
ge  wird 

v< 
a 
f 

Erscheinungen  beim  Verbronnon 

3 

I 

"C 

|3 

M 

a 

en 

m 

llr.iiiukiilili-     .     .     . 

55—75 

0,5-1,5 

braun 

ticf- 
braun 

leicht 

nicht 
schmel- 
zend 

rus- 
sende 
Flam  mo 

stark 
ran- 
chend 

bronz- 
lirl, 
stin- 

nicht 

z.  Th. 

aroma- 

StHnkohle      .     .     . 

75-90 

•2 

1,2-1,5 

braun- 
schwarz 

oder 
hell- 
gelblich 

z.  Th. 
leicht 

schmel- 
/.ond, 
z.  Th. 

hollo 
Flam  mo 

stark 
rau- 

cht'ii.l 

Usoh 

bitumi- 
nos 

brann 

sinternd 

ricchend 

theils 

Antlirarit  .... 

uber  <H) 

2-2,5 

1,4-1,7 

gran- 
schwarz 

gar    ' 
niclit 
geiarbt 

niir  boi 
starkom 
Luft- 
znge 

nicht 
schmel- 
/.o  nd 

schwa- 
che, 
th.  gar 
koine 

gar 

niclit 
rau- 
chond 

ohne 

(Icnii-li 

Flaminr 

i"i.  Graphit. 

Das  Graplntgeslein  isl  ein  grobschuppiges  bis  feinschuppiges  oder  fasl  dich- 
les,  /uin  Tht'il  erdiges,  eisenschwarzes,  metallgliin/endes  Aggregal  von  Gra])hit. 
Es  ist  relli.u  anzufUhlen,  weich  und  ahfiirhend.  Der  Normalbesland  des  (iia- 
pliiliiestcines  sollU;  rciner  Kohlensloll  sein,  cs  kommt  jedoch  in  der  Nalur  nur 
verunreinigl  und  z\\ar  mil  Beimengungen  von  Kieselsaure,  Kalkerde,  Thon- 
erde  und  Kiscno\\d  vor.  Ge\\ohnlich  trill  dieses  Geslein  als  Graph  il- 
schiefer  auf,  welcher  zuin  Theil  ausseronlrntlit  h  regelmiissige ,  (lolzarlige, 
zum  Theil  sehr  miichlige,  aber  aueh  kleinere  nesterformige  Einlagerungcn  z\vi- 
jhen  Gneiss  und  Glimmersehiefer  hildet.  So  zwisehen  Gneiss  und  kryslalli- 


46  II.    IVtroijrapliiselie   Geologie. 

nisehern  Kalksteine  bei  Krumau  in  Bbhmen,  /\\isdien  Glimmerschiefer  und  Gneiss 
in  dcr  Umgegend  vun  Passau  und  an  anderen  zahlreichen  I.ocalitiiten  der  (inei.xs- 
und  Glimmerschiefergebiete  von  Skandina\  ien,  Schollland,  den  atlanlischen  Staa- 
ten  von  Nordamerika  und  Canada. 

26.  Petroleum  (Erdi.i 

Das  Petroleum  1st  eine  diinn-  oder  diekfliissige,  farblose,  gelhliche  odor  bra'un- 
liche  Kohlenwasscrstoflverbindung  von  stark  nromalisch -biluminbsem  Geruche, 
\\elehe  aus  der  Zersetzung  von  organisehen  Subslanzen  hervorgegangen  1st. 
iS'ach  ihrer  Farbe  und  deni  verschiedenen  Grade  ihrer  Fliissigkeil  unterscheidet 
man:  Naphla,  \\assei-lioll  und  sehr  flilssig,  Stein  bl,  gelb ,  opalisii'end  und 
not'h  vollkonmien  fltissig,  Bergtheer,  braunlich  und  /iihflilssig. 

Das  Petroleum  findet  sich  gevvohnlich  als  Ini])r;igna(ion  poroser,  /elliger 
odor  erdiger  Gesteine  Brandschiefer,  Oelschiefer,  bitumen reicher  Kalksleine  oder 
Sandsteine),  seltener  in  grosseren  Ansnmndungen  innerhalb  unterirdischer  Hohl- 
ra'ume  und  Gesteinskliifte.  Lelzteres  isl  im  grossartigsten  Maasslabe  in  den  sog. 
Oelregionen  Nordamerikas  im  Bezirke  Enniskillen  in  Canada-West,  am  Oil  Creek 
im  nordliclien  Pennsylvania  nahe  der  Grenze  von  Nord  New- York,  am  Kanawha 
in  Ohio,  am  Boyd  in  Kentucky  der  Fall,  wo  das  Petroleum  zum  Tlieil  in  kUnst- 
liehen  Brunnen  zu  Tase  sprudelte,  zum  Theil  in  die  Udhe  gepumpl  \\ird.  Die 
zaldreiehslen  Fundorle  von  Petroleum  in  Europa  gehoren  einer  Zone  an,  well-he 
sich  den  Karpathen-Abhang  enllang  durch  Galizien ,  die  Bukowina  bis  in  die 
Moldau  hineinzicht.  Die  altest  bekannten  Vorkommen  natilrlich  an  die  Erdober- 
fla'che  tretenden  Krdoles  sind  die  Naphta-Quellen  von  Baku  am  kaspiselien 
.Mi 'ere. 

27.  Asphalt  (Erdpech). 

Der  Asphalt  is  eine  dunkelbraune  bis  schwarze,  fettartig  gliinzende  Masse 
von  pechahnlichen  Aussehen,  welche  aus  Kohlenstoff,  Wasserstoff,  SauerstolV 
in  nicht  ganz  constanten  Verhaltnissen  beslehl,  Der  Asphalt  besilzt  einen  stark 
muscheligen  Bruch,  brennl  leicht  mil  lebhafter  Flamme  unter  Enlwickelung  eines 
dii-ken  Bauches  und  biluminbsen  Geruches.  Der  Asphalt  isl  ein  Oxydations- 
produkl  des  Petroleum,  welches  in  der  Berilhrung  mil  der  almosphai-ischen 
J.ul'l  zuersl  ziihflUssig  und  dann  fest  wird.  Er  (indel  sich  demgemass  gewiihn- 
lich  als  Impregnation  von  porbsen  oder  zclligen  Gesleinen  (Limmer  bei  Hanno- 
ver, Lobsnm  im  Elsass)  und  nur  selten  in  Form  selbstiindiger  Lagersliitien, 
und  dann  entweder  als  oberfliichliche  Anhiiufung  (namentlich  aul  der  Insel  Tri- 
nidad, wo  ein  slundenweit  ausgedehnles  Asphallgebiet  bekannt  isl;  am  Todlen 
Meer  .  oder  als  Ausfiillung  von  KlUfltn  (Benlheim  in  Hannover.  Albertgmbe 
in  Neu  Braunscluveig). 

In  Hinsicht  auf  seine  Enlstehungsweise  jst  hier  anhangsweise  der  OuailO 
anzufilhren.  Er  bildet  weissliche ,  gelbliche ,  zuweilen  schmul/iiirollie  erdige 
Anhiiufungen .  N\(>lchc  einen  sehr  unangenehmen .  scharfen,  ammoniakalischen 
(ierueh  besit/en,  vorwiegend  aus  phosphorsaurem  Kalke,  Ammoniak.  Harnsiiure, 
O\als;iure  und  I'lminsaure  bestehen  und  das  Product  der  Anhaufung  von  K\- 
crementcn  in  grosser  Menge  heisammcn  lebender  Seeviigel,  so\\  ie  verfaulender 
Horpeniberresle  \  on  Hobben.  Mbven  und  dergl.  sind  Die  urossailigslen  (Juano- 


II.    Petro^iMpliiM'lic  (icolo^if.  47 


ablaiierunpen    helinden   sirh   aul   den   Inseln    liings   der   Kiisle   I'eius,    \.ni   denen 
die  Chiiu'ha-lnseln  die  beriihmteslen  sind. 

2.  Ordnung.     Gemengte  krystalliniache  Gesteine. 

a     massive    iTypus  Cranil  ,    l>)   ucscliichlctc    ,T>  pus  (iliinmcrsrliicfVr)  . 
I.  Ahtlioilnn.u.     Massige  Gesteine. 

Die  masMiien  krxstallinischen  Gesleine  sind  fasl  durchvseg  crupliven  Ur- 
spnmgs,  d.  h.  in  glutlillUssiizem  Zustandc  aus  dein  Erdinneren  emporgedrungeo. 
Die  \\iehtigsten  Heslandlheile  der  hei  Weilem  vorvvaltenden  Mehr/ahl  derselben 
uehiiren  der  Familie  der  Feldspatht:esleine  an.  Am  iialilrlichslen  scheint  es 
deshalb,  Classitieation  und  Gruppirung  der  hierher  zu  rechnenden  Gesleine  aul' 
die  Niilur  der  in  ihnen  vorkommenden  Feldspalhe  /.u  hegriinden.  Lel/tcre  sind 
enlNveder  inonokliiiisch  (Orlhoklase),  oder  triklinisch  (Plagioklase),  dicscn  p'liiiivn 
Oligoklas,  Labrador  und  Anorthit,  jenen  Orlhoklas  und  Sanidin  an.  Erslere. 
unlersclieiden  sich  von  den  lelzleren  durch  ihre  Zwillingsstreifung,  die  sieh 
iiiitcr  dt-m  Mikroskope  in  ge\vohnliehein  Liehte  als  parallele  Liingslinien,  in  po- 
larisirtem  Liehte  durch  verschiedenfarbige  lamellare  Streifung  zu  erkennen  giebt. 
Die  Scharfe  und  Conslanx  dieses  Unlerscheidungsmerkmales  macht  dasselbe  /u 
einein  ausgezeichneten  Kriterium  filr  die  Gruppirung  der  Feldspalhgesteine.  Diese 
zerfallen  demnach  in  0  r  thoklas-Ges  te  ine  und  Plagioklas-Gestei  n  e 
mil  Oligoklas,  Labrador  und  Anorthit  als  Feldspalh-Gemengtheil.  1st  eine  sichere 
I'nterscheidung  der  letzteren  mbglich,  so  wird  man  von  einem  Oligoklas-,  La- 
brador- odcr  Anorthil-Gestein  sprechen  kbnnen  ,  in  vielen  Fallen  jedoch  und 
besoiulers  bei  gewissen  feinkornigen  oder  aphanilischen  Gesleinen  (Melaphyr 
und  Basalt  ist  dies  unthunlich,  so  dass  die  F.eslstellung  der  plagioklaslischen 
Natur  des  Feldspalhes  gentlgen  muss.  Es  ist  nichl  ausgeschlossen  ,  dass  in 
manehen  (iesteinsarlen  neben  Orlhoklas  aueh  Oligoklas,  also  ein  Plagioklas  auf- 
tritt,  dageiren  scheint  Orlhoklas  nie  mil  Labrador  oder  Anorlhit  zusammeii  vor- 
zukommen. 

\\  eitere  Anhallspunkle  fiir  eine  Gruppirung  der  gemengten  kryslallinischen 
(iesteine,  namenllich  der  Orlhoklas-Gesleine  sind  1)  die  Anwesenheil  oder  das 
I'ehlen  des  Unar/es  in  ihrer  Gesleinsmasse  ,  so  dass  man  sie  in  quarzhaltige 
und  (juar/.IVeie  sondern  kann  ;  2)  das  elwaige  Auflrelen  driller  Gesleinselemeiite 
,\vie  Hornblende.  Augit,  Glimmer,  Nephelin  oder  Leucil,  von  denen  die  beiden 
lelzlgenannten  den  Feldspath  vollsliindig  erselzen  kb'nnen)  ;  3)  Verschiedenheiten 
in  der  Slructur,  denen  zu  Folge  sich  innerhalb  der  Gesleinsgruppen  eine  Glie- 
dennii:  in  kornige,  porphyrische  oder  glasige  Gesleinsreihen  bemerkbar  maeht  ; 
I  das  grbssere  oder  geringere  geologische  Alter  der  Gesteine,  \\oiiaeh  man  sie 
als  altere  \oiterliiire  und  jUngere  (lertiilre  und  posllerliiire)  Irennt. 

Auf  die  angedeuleten  Gesteinscharaclere  isl  umstehende  lal)ellarische 
I'ebtM'sichl  und  Gruppirung  der  nussi^en  uenn-ngien  ki-\stallinischen  (Feldspalh-) 
(iesleine.  -  -  eine  dankenswerthe  liaiidseliriflliche  Millheilung  des  Herrn  F.  Zir- 
kel  -  -  gegrilndet.  In  den  verlicalen  Reihen  dieser  Tabelle  zeigl  sich  erslens, 
dass  ein  und  dasselbe  Gesleinsmaterial  unler  verschiedenarliizen  \  <  i  lui 


48 


II.   PetrographUche 


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II.    Petrographische  (it'olu^ic.  49 

iianz  almeirltende  Strnrtnr,  also  einen  uan/  antli'ivn  (lesteinseharakter  anneh- 
inon  kounlo  '(Irani!,  Folsitporphxr.  I'eehstein  .  z\\eilons,  dass  sich  vollkommcn 
analog1  .Minoraleoinbmalioiien  in  \erseliiedonon  lieolouischen  Xeitriinmen  \\ieder- 
holl  liaben  ,  dass  also  die  in  den  unteren  llauplcolonncn  ani:elnhrlen  (lostoine 
gewissermassen  none  Aullauou  dor  in  drr  oboren  llanpti'eihe  uenannlon  Fels- 
arlen  repriisentiren.  So  sind  Felsilporphx  r  nnd  Onar/.traehyl  /inn  Yer\\  eehseln 
iilmlichc  quariftihrende  Orthoklasgesteine  ,  -  Diabase  nnd  Dolcrite  l.ahrador- 
An^ilucslfiiic.  ^fliin-cn  alter  ihrer  l-'.ntslelnini;  naeli  \\eil  L;elrennlen  jieolouisehen 
/eilriininen  an.  In  don  liori/onlalen  Ueilien  hinpeuen  Irilt  die  Vei'schieden- 
arliiikeit  dor  inineralisrlien  /nsainin<'nsel/.nni:  dor  xnin  Thoil  uleiflialleriiion  Ge- 
sleine  lu>r\or. 


Altero 

a)  0  n  ;i  i  xli  a  1  1  i  ii»'  0  rt  h  o  k  I  a  SUM>  s  It-  i  ii  t>, 

\\esentlicli    (iemeiiize    von    Orthoklas    (mil    Olii;oklas),    Onar/.    nnd    (Ilinnner; 
korniiz:   (Iranil.   onmlmiirt   kiirniii-porpli)  risch  :   (Iranilpoi'phyr,    porphyrisch  :    l;el- 
sil|tui  |i|i\i\    diehi  :    Felsilfels,    iilasiirlifz  :    I'oohslein. 
tx.  (iranit. 

Dor  (Irani!  isl  ein  iirob-  bis  feinkiirni^es  Aii^roiiJtt  \on  Orlhoklas  (und  Oli- 
::nklas  und  Onar/..  in  \\clcliein  (Iliininorbliitlchon  oingoslroul  lieiion.  Dor  feld- 
s|ialliii:e  (leinenjillioil  wallet  in  dor  Hoiiol  \or  don  iibriuen  vor  und  ist  haupl- 
siiohlioli  Or  I  link  las  ,  bald  in  oinfafln'n  ,  bald  in  XwillinuskrNslallen  ,  \\elolie 
juif  don  IVisclien  S|iallmiL:sll;iclien  oino;i  slarken  I'orliiinttorizlan/  bosil/en  nnd 
ineisl  riidilicli  \\oiss,  lloisoh-  odor  /iojjjolrolh  ,  sellonor  !j;rUnlich  odor  i-i-an  t;e- 
I'iirbt  sind.  Neben  doin  Orlhoklas  Iritl  solir  ^o\\ohnlicli  oin  ^riinlieh  odor  i^raii- 
lich  Lielarbler  Iriklinor  Ol  i  i^ok  I  ;>  s  auf  und  niaolil  sich  (lurch  die  /williniisslrei- 
fuuir  auf  soinen  Spaltnimsdiiolien  und  durch  soinon  follartiuou  (Ilan/  konnllioh. 
Der  Onar/.  ei'sclieinl  in  don  ineislon  Fallen  in  unregelmassi^en,  slai'k  loll-  odor 
ulasiiliiii/.endeu  Kornern  von  lichltirauer  Farbe.  Sein  museheliger  Bruch  und 
seine  Iliirlo  untorsclieidon  ihn  loiohl  voin  Foldspalho.  Nach  Arl  nnd  Woise 
seinei1  KinhiiMini:  in  die  ilbriizon  Uoslandllieile  des  (Iraniles  tiiobt  or  sich  als 
das  am  spiiteslen  \  on  alien  Liranilisehen  (Iesleinsel<Mnonlon  foslij;e\\-oi-deno  /u  er- 
kennon.  Der  (I  Mm  in  or.  so\\ohl  Magnesia-  \\ie  nanientlieh  Kaliiiliimnoi1,  bildel 
diinne  Laniollen  odoi1  soelissoilii;e  Tal'oln  von  \\eissor,  br.iunoi'  <»doi%  sch\\ar/er 
Farbnnii.  \\elrhe  bei  ver\\  iUerudo!!  (Iranilen  in  eine  inessin^iielbo  Ubori;elil. 
Der  (Dimmer  kann  durch  Talk-,  Chlorit-,  (Ira|)hil-  nnd  I'liseiiLilan/.si'hnppen 
\erlrelen  \\ordon.  \\odurch  naoli  diosen  .Mineralspecies  benannto  (Iranilabarlen 
enls|(>hou  (z.  B.  (ii'aphituranil  . 

Aus  /ahlroiohon  UansclianaUsen  oriziebl  sieli  als  (\pischos  .Millel  dor  eho- 
misehou  Zasaminensetzung  dor  (Iranile:  Kieselsiinre  72,  Thonerde  1(1,  Kison- 
(»\\dulo\\d  1,'i.  kalkenlo  1,5  Mai-nesia  u..'i.  Kali  (').">.  Nalron  2,5. 

Sehr  Liross  isl  die  Xahl  der  als  zul'iilliiio  (lomoniilheile  des  (Iranitos  aul'- 
Irelenden  Minoralien.  unler  \\elchen  lierxor/nlieben  sind:  (IrauiL,  I'inil.  I'isla- 
/it,  Turmalin.  Mer\ll.  Apatit.  Andalusil,  Flussspalh.  iMa^noleisener/,  /.inner/. 
Sebwefelkies. 

Credner,  Elemente  d.  Cieologie.  4 


50  II.   Petrographische  Geologie. 

Die  Korngrtfsse  des  Granites  sehwankt  ausscronlentlich  und  sinkt  von  Faust-, 
j;i  Kopf'grosse  his  /n  SenfkorogrdSSe  herab.  Die  inillelko'rmgen  Yarietiilen  sind 
die  geNNiihnlirhsten.  In  ilirer  gleiclimiissiii -korniuen  .M.i.ssc  trelen  liiiufig  ein- 
zelne  griissere  Feldspathknstalle  und  x.\s;ir  in  der  Regel  nach  dem  (larlshader 
(iesrt/.e  \er\varhsene  /willinge  hervor,  \vodurcli  der  (iranil  einen  porphjrarti- 
gen  Habitus  erhalt,  so  bei  Carlsbad,  hei  \Vunsiedel  im  Pichtelgehirge,  iin  Thii- 
ringer  Wald,  in  den  Pyrenaen. 

Der  Granit  ist  ein  massiges  Gestein,  welches  verha'ltnissmassig  nur  sellen 
in  plattenlormige  Biinke  abgesondert  crscheint  (so  in  der  Lausilz,  bei  StreliU-n 
in  Schlesien,  l)ei  Zehren  in  Sachsen).  Das  Massive  und  Uniicschirhletr  ist  s«j 
vollkonunen  mil  dein  BegrifTe  des  Granites  versvachsen,  dass  wir  denselht-n. 
sohald  sich  eine  Parallelslructur  und  mil  ihr  eine  Andeulung  von  Schichtung 
/«'iiit.  nicht  mehr  Granit,  sondern  Gneiss-Gran  it  nennen. 

Der  Granit  tritt  unter  doppelten ,  durchaus  verschiedenen ,  aber  bisher 
nicht  immer  getrennt  gehaltenen  Lagerungsformen  auf.  Einerseits  bildet  t-i 
ein  \viehtiges  Glied  in  der  Sehichtengruppe  der  laurentischen  Gneissformation, 
\vo  er  durch  allmahliche  Entwickelung  deutlicher  Parallelstructur  in  Gneisse  tiber- 
geht  und  mil  Kalksteinen,  Quarziten  und  anderen  geschichteten  Gesteinen 
\\cchsellagert  (Bayerisches  Waldgebirge,  Gentralalpen ,  Pyn-niien,  Skandi- 
uavien,  Canada,  atlantische  Staaten).  Ganz  anderer  Art  als  bei  diesen  sedi- 
mentiiren  Graniten  sind  die  Lagerungsverha'ltnisse  des  Granites,  \vo  er  in 
glulhfldssigem  Zustande  aus  dem  Erdinneren  hervorgepresst  worden  ist, 
crstarrte  und  jetzt  die  anderen  Gesteine  gang-  oder  stockartig  durchsetxt, 
kurz  alle  Erscheinungen  eines  eruptiven  Gesteines  zeigt  (Rehberger  Graben 
bei  Andreasberg,  Granulitgebiet  in  Sachsen,  Bayerisches  \Vald»ebirge  und  vit-le 
andere  Districte).  Nicht  nur  die  Lagerungsforni  und  die  Ursprunizswoise,  auch 
das  geologische  Alter  der  beiden  Granite  ist  verschieden ;  wahrend  niiinlicli  die 
st'diinentaren  Granite  der  altesten  Gesteinsformation  angelioren,  fallt  die  Erup- 
tion der  Ubrigen  Granite  in  spatere  (das  silurische,  devonische,  ja  in  noch 
\\fil  jilngere)  Zeitalter. 

Die  Form  der  Granitberge  ist  in  der  Regel  eine  gevvblbte,  einein  Kuiiel- 
abschnitte  gleichende  (so  die  des  Brockens).  Ihre  Oberfliiche  ist  gewohnlich 
von  zum  Theil  colossalen,  wollsackiihnlichen  Granitblbeken  besiiet  (Felsenmeere), 
dert-n  Entstehung  dadurch  erkliirlich  ist,  dass  die  Verwilterung  des  Granites 
den  das  Geslein  durchsetzenden  KlUften  nachgeht,  die  niichstlieuenden  Partien 
in  lockeren  Grus  umwandelt  und  die  centralen  Massen  in  Form  abgerundeler 
Blik-ke  zurilcklasst. 

Unter  den  zahlreichen,  durch  Modification  ihrer  Zusammensetzung  und  ihrer 
Structur  bedingten  Granit-Varieta'ten  sind  folgende  hervor/uhe.ben: 

a.  G  rani  tit,   besteht  aus  vorwaltendem  rothem  Orthoklas,    viel  Oligoklas. 
wenig   Quara   und    wenig   schwa rzlich-grllnem    Magnesiaglimmer   'ohne    weissen 
Kaliglimrner);   Brocken,    Riesengebirge,    Brotterode    uud   Ilmenau    in    Thttringen. 
Brixeu  in  Tyrol,  Baveno. 

b.  Prologin-Granit    (Alpengranit),    besteht    aus   gliinzendem    Orthoklas, 
mattem   Oligoklas.    Uuar/,   dunkelgillneni   (iliminer  in   sechsseitigen  'J'iifek-lien  und 


II.  Petragraphiache  (ieologie.  51 

lielliirdneni    bis    smaragdgriineiB     Talk.     \\clclicr    oft     den    Oliizoklas    inipriiijiiirl 
Nvesllidie  .\l|)fii  . 

c.  S  N  fin  I  ii\-i\  n  it ,    cin     ijraiHlisdics    Asj^ivual    NOII    Ortlioklas ,     Olisjoklas. 
Ouar/    mid    \\rniii  (ilimmer.    /u   \\rlrlirn    Hornblende    Irill     (dentralparlien    d  IM- 
S'oi:esen,    Pilsencr  Kreis  in  Holimen,    Krixen    inTNrol,   Kcidicnslein   in  Sdilesien  . 
Dieses  /.inn   Tlicil   porpliNrisdi   aiisuchildele  (icstein  durdiscl/.l   auf der  Insel  SkNe 
dt'll   F.iiis   uinl    h.il    (lessen    Kalke   in   Miirmnr  uiiiiicxNaiiddl . 

d.  Pc^in.-i  til,    cin   sclir  urosskoniiiics,    niclil   srllrn   druscnrciclics  A 
\<»n   Orlhokl.is    in  his  fuss-,  ja  klaflcriznisscn  I'arlicn),  NNoisscin  Ouaiv.  und 
Tafrln    \(in   silhcrxvcissciu   (iliiiinicr,     /.u   dcncn   sich   sclir  p-\\(ilinlich   siinlcn!  iir- 
inip-  Tuniialiuc.    /n\\  cilcn  aucli   als  /ulalliiic  (Jt'iiicn^lliciU-  Ucryll.  Topas,  (iranal. 
Apalil.    Orlhit  u.  a.  ut^scllfii  (I'cuiii  in  Sacliscn,    Lanucnbiclau   in   Schlcsion,  X\\  ic 
sol   iin    hayiisrlirii    \\aldc,    Hulila    ill   Thiiriniifii  . 

<-.  Sell  ri  I'l  lira  nil,  fin  Aiiiiiviial  \on  iirosscn  lH'ldspalli-liidi\  iducn.  \\clchc 
von  /alilrcichcn  parallel  slchcndcn,  slciiizcliiicn  Uuar/-lndi\  idncn  in  dcr  \\Cise 
(liircli\\acliscii  sind,  dass  die  Icl/.h-rcn  atif  den  SpaltUBgsQftcbefi  dcs  Peldspatfaes 
in:  OucrhruclH'  und  y.uar  in  Fiituren,  iihnlidi  \vic  hcbriiischc  Sclirift/ii^c  cr- 
sclicincn.  In  untergeordneten  I'arlicn  hci  Uodrniuais  in  Baycrn,  KhrtMtbcri;  hci 
llnii'iiaii.  iin  Hicscnut'hifiic.  l»«'i  Tliarand. 

:>'.».  (.ranitporpliyr. 

Der  Granitfioiphyr  bcsidil  aus  finer  fcinkuruii^on  (irundmassc,  \\clclic  por- 
pli\nsclic  Ausscliciduniicii  vou  l;clds|)alli ,  Ouar/  und  (ilimiiuM-  unil'assl.  Die 
dcullicli  knrniiic  (irundniasst'  dcs  (Jranil|)orph\ res  ist  ein  A^reiral  \on  Fcld- 
spalli,  Qua rx,  und  (iliinnicr  odcr  (lliloril,  dessen  feine  ScliiippeluMi  dcr  sonsl 
briiunlirlien  cider  urauliclien  Gruiidniassc  cine  ^riinliclio  Fa'rbuni'  verlcilicn. 
In  dcrsclbcn  lichen  /alilrciclic ,  incisl  iibcr  zolli-rosse,  ileisch-  odcr  /ic^clrollic, 
stark  iiliin/.cndc  Orllioklas/.\\  illiiii;c.  klcincrc  und  s|)iirlichcrc.  izclltlichc  odcr  ijnin- 
liclu',  matte  Oli^nklaskrxslallc.  crbscn^rossc  ijjrauc  Quar/korncr,  Schup|)cn  NOII 
braunoin  (iliinnicr,  und  Flocken  oder ruadliobe  Kiirncr  von  dunkcl^rilncin  (lliloril. 
Stclll  sich  ncbcn  dicscn  (icstcinsclcinciilcn  nodi  scliN\ar/c ,  kur/  siiulcnloriuiiit1 
II  or  nl)l  c  nde  ein  NNJC  bci  LicbcnsU^in  in  TbOrifigen),  so  ncnnt  man  das  (ic- 
slcin  SN  en  i  tiira  nitpoi'|)liN  r.  Als  /ailalli^cr  (icincn^theil  koininl  /uwcilcn 
(iranal  \or  bci  \\"ur/cii  .  Her  (iranilporpliN  r  ist  in  Dcutschland  nainciillicli 
iin  Lcip/iucr  krcisc  bci  Hrandis.  hcuclia  und  an  dcin  Muldculcr  y.NNisclicn  Trcb- 
scn  und  NViir/cn  cnlNvickcll. 

:5<).    Fclsiiporpliyr  (quar/filhivnd«'r  l'or|)li\r  . 

D(M-  Fclsilporplnr  bcslchl  aus  cincr  dichl  crsdicincndciK  fclsilisclicn  (Irund- 
inassc.  in  NNclchcr  KrNslallc  NI>II  Ouaiv.  und  Orllioklas.  dancbcn  aucli  solclic  NOII 
Oliuoklas.  Sanidin  odcr  (iliinnicr  porpliN  riscli  ausucscliicdcn  lichen. 

Die  (ii'undinasx1  ist  cin  miners  (icmciiiic  NOII  inikroskopisclien  l;cldspalli- 
und  Ouary.kiirndicn  in  sdiNNankenden  Yerlialtnisscn  mil  77  I'roccnt  Kicsclsiiure. 
NNO/U  kleinc  (iliinincrbliiltdicn  trclcn  ktinncn.  Sie  isl  bald  diclil.  splillcriu, 
(him  sclir  hart,  bald  mall,  rauli,  locker,  .sclbsl  crdii:,  und  bcsil/l  am  liiiulij-'slen 
cin  riitlilidi  braune  I'.irbe.  ncbcn  NNcldier  Liriiiilidic.  i;clblidic.  i;rauc,  ja  braune 
Nuanoen  vorkommcn .  die  oft  aulVallcnd  i MM  \\  mil  einander  wechseln.  Als 


52  II.   Petrographisehe  Geologie. 

besnnderc  Modiliealionen  in  dcr  AusbildutigSWeise  der  Grundmasse  1st  dcren 
kugelige,  lagenfbrmige  und  drusige  Struclur  xu  bclrachlcn.  Die  kugeligc 
Stnrctur  machl  sich  dadurch  geltcm!,  duss  hirsekorn-  l)is  erbseiiiirosse.  conccn- 
trisch-sehalige  odd-  radial-l'aseriije,  /inveilen  iin  Inneren  hohle  Kilgelchen  in  dcr 
diclilcn  Grundmasse  ausgeschieden  sind.  In  gewissen  Varietalen  dcr  Fclsit- 
porphvrc ,  den  K  ugelporphy ren  ,  konnen  die  Kugeln  Faust-  bis  Kopfariissc 
crrcichen:  sie  beslehen  aus  concenlrischen  Schalen  von  abwechselndem  .laspi* 
nutl  (Miakrdon  und  umschliessen  cincn  Rauin,  dor  von  Kalkspalh-,  Flussspatli- 
und  EisiMiglimmerkryslallen  ausgekleidel  isl  (Spies! >cri:,  Sclincckopf  in  ThiirinL'cn  . 
Die  I  aiicnformige  Structur  dor  Felsitporphyr^rundrnasse  \\ird  dadurch  her- 
vergebracht,  class  Quarz  und  Feldspath  von  einander  gesonderlc,  mil  einandci- 
abwechselude  Lagen  bilden  (Wechselburg  in  Sachsen,  Tabar/  in  ThUrin^en. 
Weinhcini  ini  Odemvald).  Bei  drusiger  Slructur  zeigt  die  (irundmasse  nian- 
eher  Porphyre  (Mllhlsteinporph  yre)  zahlreiche,  unregelmUssig  gestnllelc. 
liiiufiij;  mil  Quarzkrystallen  ausgekleidele  Ilohlungen,  wodurch  das  Geslein  ein 
/elligos,  zerfressenos  Aussehen  erhalt  (Umgel)ung  des  Inselsberges  in  Thiirin- 
uen,  Ziegelhauscn  im  Odenwald). 

In  dieser  Grundmasse  des  Felsilporphyres  liegen  Orlhoklas,  Oligoklas,  Quar/ 
und  Glimmer  porphyrisch  ausgeschieden.  DerOrthoklas  erscheinl  in  rolhlichen 
Kryslallen  mil  stark  perlmutterglanzenden  Spaltungsflachen.  Bei  den  einfachen 
Kryslallen  herrscht  die  Saulenform  vor,  die  tafelformigen  sind  slets  zu  Zwillin- 
gen  verwachsen.  Beim  Zerschlagen  des  Gesteines  erscheinen  dieselben  in  <|iia- 
dratischem,  rechteckigem  oder  sechsseitigem  Querschnilte.  Dej'  nur  in  kleineren 
Krystallindividuen  auftrelende  Oligoklas  zeichnet  sich  in  frischem  Zuslande 
durch  die  Zwillingsslreifung  seiner  Spaltungsflachen  aus,  verwittert  jedodi 
so  leicht,  dass  dieses  Kennzeichen  rasch  verschwindet ;  er  \vird  danu  malt 
und  spiiter  weich ,  selbsl  kaolinarlig,  wahrend  sich  der  Orlhoklas  noch  voll- 
kommen  unzerselzl  erhallen  hal.  Auch  Sanidin  ist  aus  manchen  Porph \IVM 
bekannt.  Der  Quarz  erscheinl  in  hirsekorn-  bis  erbsengrossen,  unregelmSssigea 
Kornern,  oder  in  wohl  ausgebildelen  Dihexaedern  (letzleres  z.  B.  am  Auers- 
berge  bei  Slolberg).  Seine  Farbe  isl  graulich  weiss  bis  dunkel  rauchgrau,  sein 
muscheliger  Bruch  felt-  bis  glasglanzend  Wahrend  Ausscheiduiiiien  von  Onar/ 
in  alien,  von  Feldspath  in  den  moisten  Felsitporphyren  vorhanden  sind,  erscheinl 
Glimmer  nur  in  seltenen  Fallen.  Er  bildel  dann  hexagonale  Tiifelchen  von 
schwarzer  oder  tombackbrauncr,  selten  silberweisser  oder  messinj^clber  Farbe. 

Als  lypisches  Millel  der  chemischen  Zusammcnsety.ung  der  Felsitporpln  re- 
nal sich  ergeben  :  Kieselsaure  74,  --  Thonerde  12  — 14,  —  Eiscno\\dulo\\d 
2  —  3,  —  Kalk  1,5,  —  Magnesia  0,5,  — Alkalien,  unler  denen  Kali  von\  ieiil. 
7  —  9. 

Wahrend  die  Felsilporphyre  arm  an  zufalligen  Gemengtheilen  sind,  von 
denen  hochslens  Schwefelkies,  Epidot,  Granat,  Flussspath  und  Chlorit  anzufUli- 
ren  sein  dilrften ,  zeichnen  sie  sich  durch  ihren  Reichlhum  an  accessorischen 
heslaiidinassen  aus,  welche  als  Mandeln,  Nester  und  Schniire  von  Kalkspalh. 
(Juar/,  Chalcedon,  Achat,  Amethyst,  Flussspalh  u.  a.  auftreten.  In  Thilringen 
(bei  Elgerslmrg,  Ilmenau  und  Friedriehsroda)  bilden  Mangancr/c  in  Form  \(»n 


II .   Petrograpbische 


53 


Neslern,   Adorn   und  SpalteoaitsfUliUDgen   technisch   \\iehlige   Bestand- 
massen   innerhalb  des   l;e|silporpli\ros. 

Die  llaupt/oit  fclsitpoi pits  risolior  Kruptionon  lallt  in  die  IVriode  dor  Dyas 
souie  der  altoren  Trias,  und  ihre  llauptverbroitimg  innorhalb  Deutschland  in 
oine  /one.  \\elelier  die  (legend  an  der  Lenne  und  bei  Brilon  in  Wostphalon, 
der  Thilringor  \Vald,  der  Siidrand  des  llar/os.  dor  Ilalle-F,oipziger  Krois  und 
oino  An/.alil  Loealilalen  dos  Kr/gohirgcs  und  Sohlosieiis  angehb'ren.  An  der 
\Vostkiiste  \on  Sclioltland  durchsctzt  und  dborlagorl  syenitischer,  also  horn- 
biendeftibrender  Folsitporphyr  die  Schichten  der  Liasformalion. 
31.  FelsitlVN. 

Dor  Felsitfels  isl  ein  hartos,  ooinpaeles  (lesloin  von  dichlein,  homogoncm 
Auxelion.  welehos  wosonllioh  aus  einem  innigen  Gemengc  von  Feldspalh  mil 
Kieselsiiure  boslohl  und  mil  der  Grundniasse  des  cben  beschriebenon  Felsit- 
pi»rpli\ros  ideiitiseli  ist.  Mil  let/.tereiii  .steht  der  Felsitfels  auch  in  ongor  ra'uin- 
liohor  Be/.ieliiiiig.  indein  ausgodolinto  Partien  dos  Felsitporphyrcs  nach  ihron 
Gronzen  v.u  durch  Verdichtung  ihros  Gel'Uges  in  Felsitfels  Ubergehen  (so  in  den 
Es  Iritt  jedoch  dieses  Gestein  auch  in  selbstandigen  Ga'ngen  auf  (so 

•I- 
:\-2.  Felsitpechstein. 

Dor  Felsitpechstein  ist  ein  halb  glasiges,  leicht  zersprengbares,  an  don 
Kanten  durehselieinendes  Geslein  von  pechahnlichem  Aussehen,  bosil/l  Fettglanz 
und  inusoholigon  bis  unebenen  Bruch  und  erreicht  kaum  die  llarte  des  Ortho- 
klasos.  Seine  vorliorrschenden  Farben  sind  dunkclgrUn,  braunroth  und  schwarz, 
zuweilen  mil  gestreifter  odor  vvolkigcr  Zeichnung. 

Der  Pechstein  ist  ein  natiirliches,  wasserhaltiges  Glas,  welches  als  eine 
Krstarrungsmodificalion  der  Felsitporphyrmasse  zu  deuten  ist.  Bei  mikrosko-y 
j)isehei-  rntersuehung  zeigt  es  sich,  dass  die  Felsitpechsteine  nur  zum  Theil 
aus  ainoi'phor,  das  Licht  einfach  bn'chondor  Substanz,  neben  dieser  aber  aus 
felsi  I  i  seller,  also  kr\ stallinischer,  doppolt  brecheuder  Materie  bestehen,  wah- 
rond  oigenlliche  BeloniU^  gar  nicht  vorkommen.  Die  felsitische  Masso  bildet 
Stroifen,  Adern,  sich  concentrisch  uinhtlllende 
Schalen  odor  haul'onlonuige  Ansanimlungen.  In 
dieser  thoils  glasigon.  tlioils  felsitischen  Grund- 
inasse  sind  Mikrokrvstallo  von  Sanidin,  Plagio- 
klas.  Ouaiv,  und  schwarzom  Glimmer  ausge- 
sehiodon.  \\elclie  \\iederuni  KinschlUsse  boider 
Alien  dei-  (irundmasse  umfassen.  Nur  in  ver- 
ein/elteii  r'allen  sind  spiirlichc  Fliissigkoilsein- 
seliliisse  mil  Ix-ueglieheii  Blascheu  beobachlot 
\vorden.  In  vielen  -^lasarlig  scheincnden  Peoh- 
steinen  sind,  ausser  mikroskopiscli  kloinon  Kry- 

Slallehon   VOn  QuarZ  Und  Feldspalh.   ZahlloSC  AUS-    FiR.  s.  F.irnwodoiahnUchellornblendegebilda 
•      .  i  i    i  .  i  i  ira  Pechstein  von  Arran. 

scheidungsprodukte  \on  kreuz-,  stern-  und  na- 

GesUlt    yMikrolilhe)    in    dichtem  Oeuirre    eingestrcut.     Die    farblose 
Gruudniasse  gewisser  Varieliiten  der   Pechsteine   von   Arran   ist  stellen- 


.".  I  II.    l'etn>.urM|iliisdic 

\vcisc   angefulli    Mm    mikroskopischen,    farntvedelahnlichen   Hornblendegebilden 

Fig.  Si.  Die  GcsleinMiias.M'  der  I'edisleine  iiiinint  nichl  sellcn  sparolilhi^-he 
Slnirhii-  .in  mill  enlhall  il.inii  fclsilische  Kugeln  \on  Linien-  inul  Fnssgrcivse, 
\\cldie  oil  diclil  ;iii  einandcr  gedr;ingl  sind  inul  cine  durrh  rasche  Krslarrung 
dcs  (irsleins  bedinglc  Millelslufe  in  dcr  Knl\\  icklung  des  knsiallinisdien  Zu- 
slandes  reprascntircn  Spechlshauscn  hci  Tharand  .  1st  die  Individnalisirung 
ein/.clner  Gemengtheile  dcr  Pechtsteinmasse  in  l''(il;-'c  elwas  langgamerer  Abktlh- 
lung  m&gfich  geweh&Ja,  so  slclll  sidi  cine  porph\  rischc  Slrncliir  cin.  DCI-- 
jirlitic  (icstcinc  Pec  h  s  I  c  i  n  po  r  p  h  \  re  nmr;isseii  in  der  h;ill>i;l;isiL:cii  I'edi- 
sleinunindniiisse  Krxsl.ille  nnd  Kiirner  \un  Orthokhis,  IM;ii;iokl;ts.  Oiuiiv.  nnd 

selien  (dimmer  odor  Hornblende  (Meissen).  Auch  losgorissene  hrudisliieke 
des  Nelieiiu'esleines  nmsehliessl  der  PochslHn,  so  soldie  \(in  (ineiss  nnd  (ilim- 
mersdiieler  l»ei  Mohorn  nnvveil  Kix'iherg,  solcho  von  Sandslcin  ;ml'  der  lixsel 

\i  i;in. 

In  Denlsdiland  isl  der  Pechstcin  fast  aussehliesslich  auf  die  Porpli\  r-Terri- 
lorien  Mm  Meissen  hesdiriinkt.  llier  bildel  derselbe  Gauge  in  eeht<Mi  Felsil- 
porplnren,  h;ii  sidi  ;il»er  auch  deckenarlig  Uber  denselben  ausgehreitet.  Fer- 
ner  sind  isolirte  ganglormigo  Vorkommen  dieses  Gesleines  in  den  Dislrikten 
zvvischen  Tharand  nnd  Freiberg,  sowie  bei  Zwickau  bekannl.  Beruhml  sind 
die  Pechsleineinlagerungen  und  -Gange  auf  der  schollischen  Insel  Arran. 

b)   Q  u  a  r  z  f  r  c  i  c  0  r  t  h  o  k  I  a  s  u  c  s  I  c  i  n  c  . 

wesentlich  Gemenge  von  Orthoklas  (nebsl  Oligoklas),   Hornblende  und  zum  Theil 
Glimmer.     Kornig:   Syenit,   porphyrisch :   (juarzfreier  Orthoklas-Porphyr. 
:?:}    Syenit. 

Der  Syenit  1st  ein  krystalliniseh  kbrniges  Gemenge  \on  Orllioklas  und  Horn- 
blende, /n  denen  sich  sehr  haufig  Oligoklas  und  nianchmal  Glimmei-  gesdli. 
Der  Orthoklas  isl  der  vorv\allende  (ieiiKMigtheil,  bildet  die  kornige  Grund- 
masse,  in  \\elcher  die  Hornblende-lndividnen  richlungslos  /ersireul  li(>gen,  nnd 
besitzt  cine  rothliehe  oder  vveissliche  Farbe.  Der  Oligoklas  trill  nur  unter- 
geordnet  auf  und  /.cidinel  sich  durch  die  Zuillingsstreifung  auf  seinen  Spal- 
lungslljichen  aus.  Die  Hornblende  bildet  kurze  Siiulen  von  duokelgittner 
oder  schwarzer  Farbe.  Der  Glimmer  isl  stcts  Magnesiaglinuncr  von  dunklei, 
.sdiujir/grunei1  Farbe.  Zuweilcn  kann  er  die  Hornblende  giin/.lidi  oder  fast 
vollkominen  \crdriingen.  Solche  aus  Orllioklas,  Glimmer  und  fasl  \ersdnvin- 
dender  Hornblende  beslehende  Gesleine  hat  man  (i  I  i  m  m  e  rs\  e  n  i  I  gcnamil. 

Als  l\pisches  Millel  der  dicmisdieii  /usammcnsel/ung  der  Sxcnilc  ergiebl 
sidi  :  Kicselsiiure  "iK,:n,  —  Thoncrde  19,81,  --  Kisem. \\.lul  S, 27,  --  Kalkerde 
0,66,  --  Magnesia  '2,91,  --  Kali  3,20,  -  Nalron  2,42  und  gcringer  Wasser- 

gehmt 

Von  den  zahlreichen  /ul'iilligen  Gcmenglheilen  des  Sycnilc.s  sind  Ivpidot, 
Orlliil,  MagneleistMislein,  Sehwefelkies.  luiinentlidi  aber  Tilanil  an/ufiihren.  Als 
ebensnldie  muss  man  dii1  Ouaiykorncr,  \\eldie  selbst  mandien  l\pisdien  S\e- 
nilen  niehl  IVemd  sind,  belrachlen.  Der  Ma^neteisenslein  Irill  nichl  nur  slrich- 
\\cise  in  Geslall  feinkurnigcr  Impriiuiialioiien  ,l;allli,indei"  als  zufalligcr  (iemeng- 


II.   Petrographische  (icolo.mr  .">,"> 

Iheil,  sondern  .meli  in  m.irhliuen  mid  \\eit  BUSgedehoten  unreuelm.i^iizen  Storken 
oder  ,inh;illenden  rei:elm;issii:en  Flbt/en  innerhalb  dcr  Syenite  auf.  (Die  Kruxe 
bei  Suhl  iin  Thilrinuer  \\,ilde,  New  .lerse\,  Ne\\  York.  Canada).  Ausserdem 
belheilip-n  sicli  i;e\\i.sse  Mineralien  SM  ennslanl  und  in  so  zahlreiehen  Indix  iduen 
als  zufallige  Gemenglheile  .in  d«-r  /iisammenset/.uiii:  des  S\eniles  und  z\var  /.inn 
Theil  a  iil'  kosten  i:e\\i.vsrr  \\esentlieher  Gemengtheilc  dieses  Gcsteines,  dass 
die  M>  ('iilstcliciidcii  Sxcnilvant'liilt'M  mil  iM^cncii  Niinicn  lielegt  worden  sind  : 

F i)  \iiit,  cin  suMtilischcs  (icint-n.m1  \nn  Orthokliis  und  Hornblende,  zu 
\\cli-licn  .sii-h  >(,irk  Irll^lJiii/.rmlrr  Klaeolith  i-esellt  :Keri;  Foya  in  Portugal). 

Miiiscil,  cin  sxenilischcs  (Jeinenge  von  Orlhoklas  und  Hornblende,  in 
\\clclinn  die  lel/.lere  zuin  Theil  \on  seli\v;ir/.eni  (jliininer  \erli-elen  ist  und  \vo- 
/u  >i,-h  F.liiroliili  und  iiuch  \vohl  Sodulilli  p'srllrn  illinenuebirge  bei  Miask  . 

Ditroit,  ein  grob-  bis  feinkorniizes  Gemenge  von  Sodalilh  und  Orthokl.is, 
Oligoklas,  (i.mrriiiit.  Fllaeolith  nebsl  Hornblende,  Glimmer,  sowie  Magneteiscn 
und  TitaoileiDeprengiiogeQ.  (Ditro  in  SicbenbUnzen.) 

Zirkonsyenit ,  ein  iirosskorniges  Aggregal  von  vor\\allendem,  durch 
sehillerndc  FarbensNandlung  ausgezeiclinetem  Orlhoklas,  vvcnig  schwarzer  Horn- 
blende, neltsi  zahlrcichen,  silulenfb'niii^en  Xirkonkryslallen,  sowie  Elaeolilh.  Er 
isl  reieh  an  zufalligen  (Jemenglheilen  (Laurvig  in  Norwegen). 

Die  Korngrbsse  der  syenitischen  Gesleinselemente  schwankt  zwischen  grob- 
und  miltelkiiriiii:.  Dadurch  dass  grbssere  Feldspathc  aus  der  Syenitrnasse  her- 
\nriieien.  niinint  das  Gestein  einc  porphyrarligc  Structur  an  (Mehlis  iin  Thti- 
rinuer  \\iilde.  bei  Predazzo  in  Sildtyrol,  iin  Triebischthale  bei  Meissen). 

Der  Syenit  ist  vvie  der  Granil  ein  massiges  Gestein  und  besitzt  cine  echt 
granttische  Struclur,  doch  zeigen  sieh  nicht  selten  Andeutungen  von  Schich- 
luni:.  \\elche  dureh  parallele  Lagerung  der  tafelfb'rmigen  Orthoklas-Individucn, 
der  Hornblendes  iulen  oder  Glimnicrbliitlchen ,  namentlieh  aber  dureh  lagen- 
\\ei>es  AbvNeeliseln  feldspalhreicher  und  hornblendereicher  Syenitzoncn  und 
durch  sirichu ei.se  Imprijiiiiationen  von  Maizneleisensteinkb'rneru  hervorgcrufen 
\\ei-den.  Man  uennt  diese  Gesteine  Sy cnitgneisse  (oder  gneissige  Syenite). 
Aueh  die  Lagcrungsfonncn  und  das  Alter  des  Syenites  slimmen  mil  dcnen  des 
Granites  ilberein.  Man  kcnnt  den  Syenit  als  machtiges  Glied  der  laurentischen 
(ineisslnnnalion  in  Weehsellagerung  mil  Glimmer-  und  Hornblendegneisscn, 
re^eliuiissiijen  Flbtzen  von  Magneteisenstein,  kryslallinisehem  Kalkstcin  und  llorn- 
lilendeschiefcrn.  Mil  diesei-  LageruDgafbnn  des  Syenites  geht  die  Neigung  dcs- 
>elben  zur  Annahme  der  oben  bcsehriebencn  Parallelstruclur  Hand  in  Hand. 
New  Jersey,  Canada,  Skandinavien,  Bayeriseh-Bbhmisches  Grenzgcbirge,  Scholt- 
land.)  Auf  der  anderen  Seite  kann  der  Syenit  seine  Nebengesteine  auch  gang- 
uder  S(IM  kloiiiiig  durehsclzen  und  isl  in  diesem  Faile  eruptiven  Ursprunges 
(Syenilstock  des  Monzoni  in  Tyrol,  Syenitgange  bei  Antrim  in  Irland,  bei  Chri- 
sliania  in  Norwegen.) 
34.  Quarzfreier  Orthoklasporphyr. 

Wiihrend  der  Felsilporphyr  (Jranilmalerial  in  porphyrischem  Habitus  repra- 
sentirl,  liisst  sich  der  quarzfreie  Orlhoklasporphyr  als  eine  porphyrische  Ausbil- 
dung  der  syenitischeu  Gesteinselemenle  auffassen,  worauf  auch  seine  chemische 


56  II.  Petrographisehe 


hiimeisl.    Kr  beslelil  ,uis  finer  hraimliehen  oder  diuikc  Igraue  n, 

feldspathigeo,  dichteii  odec  erdig6n  Grundmasse,   \\flrlif  kcinc  freie  Kieselsaure 

enlliall  mid  zahlreiche  gliinzende,  grosse  Orllioklaskr\stalle  ,  matte,  kleinere  und 
spiirlielie  Oliuoklii.s-lndisidufii,  sch\\ar/c  llornblendesaulen  und  dunkle  Alag- 
aesiaglimineriafeki,  ;il»cr  kfinc  Quaraktfraer  unogchHess.1.  AJs  wifaHige  (iemeng- 
Ilicilc  erselieinen  Magneleisenerz,  Granal,  Kisenglan/,,  Kpidol,  Tilanil,  Ouar/.. 
Dif  <|ii;ir/IVfifii  (  JrlhoklasporpliN  re  diirehhreclien  nirlil  nur  in  colossalen  (Jiingen 
ilirc  Nebengesle  inc,  snndern  hahcn  sich  aueh  iihnlich  vvic  die  Kelsitporphv  ro 
liiuei-lorniiL;  /,\\  ischen  dieselhen  uedrJin.^l  oder  iiherlaiiern  sie  deeken.irlii:.  Hire 
ILiii|ilerii|>liiinen  l';illen  in  die  /,\\eile  Iliill'le  des  piiliteo/oisclien  Xeiliilters.  In 
Deulscliliind  (retell  sie  iiiiinenllicli  in  der  rniiielnini;  des  Sclineekoples  in  Thil- 
iin  dei'  Siidseile  des  lliiiv.es,  hei  I'olseluippel  hoi  Dresden,  in  der  l'in- 
von  Meissen  ;iuf. 

Ge\\isse  (|u;ii7freie  Orlhokl.isporpliN  re  der  (Jeizend  von  I'reda/./o  in  Siidlyrol 
enlli;ilten  L  i  e  he  ne  r  il  ,  einen  xerstM/len  Klaeolith.  In  deni  soenlslelienden  <|  n  ;i  rz- 
I  re  ien  Ort  hok  I  a  s-  L  i  e  It  e  n  e  r  i  I-  Porph  v  r  linden  wir  deinnach  das  (ieslein.s- 
nialerial  des  Foyailcs  in  porphyriseher  Anshildnnii  \\ieder. 

Als  uliinniei'reielie  Vai'ieliil  des  <piar/fi'eien  ()rllioklaspor|tli\  res  ist  an  ilieser 
Slolle  die  M  i  n  e  1  1  e  an/ululiren,  \\elehe  in  einer  reldsp;i(liii:en  (irniidni.isse  sehr 
viel  Glimmerlafcln  umschliesst  und  gangforinit;  iui  Canlon  Wallis,  in  den  Vo.-esen. 
iin  Odenwald,  im  Erzgebirge  auftritt. 

c)   P  1  agio  k  1  n  s  LM-S  (<•  i  ne. 

35.  Diorit. 

Der  Diorit  ist  ein  krystallinisch  korniges  Gemenge  von  Oligoklas  untl  llorn- 
hlende,  zu  welchen  sich  manchmal  Quarz  geselll.  Der  trikline  Oligoklas  zeicli- 
net  sich  durch  die  Zwillingsstreifung  auf  seinen  Spallungsnachcn  aus,  isl  gc- 
\\dhnlich  \\eiss,  gelhlich  oder  griinlich  gefarbt  und  enlweder  glanzeiul  oder 
mall.  Die  Hornblende  ist  moist  schwarzlich  griln  mil  starkem  Glasulanz  aul 
den  Spallungsflachen.  Sie  bildet  enlweder  Korner  oder  kurze,  fast  tafelfOrraige 
hliitlerige  Sa'ulcn  oder  auch  zaiie  Nadeln,  wallel  in  den  meislen  Diorilen  vor 
und  bedingl  dercn  dunkele  Farbe.  Quarz  trill  nur  in  manchen  Dioriten  /..  H. 
denen  von  Arran  auf,  welche  man  dann'ini  Gegcnsalze  zu  den  quarzlreien  als 
quar/.fUhrende  bezeichnel.  Gewisse  Diorile  entlialtcn  nehen  der  Hornblende 
schwa  rze  oder  braune  <i  I  i  in  merlaf  eln  ,  welche  selhsl  vor  der  ersten  \nr- 
\\iegen  kiinnen  ((i  1  i  in  m  e  rd  i  or  ile).  Audi  lauchgriine  Sehilppehen  \on  (1  h  I  o- 
ril  tr««len  in  ge\\issen  lioriiltlende.irinen  Diorilen  in  niclil  iinl>edeulendei'  Mengc 
auf  und  \erleihen  denselben  ihre  grilnliehe  I'arhung.  Solelie  ehlorillialliue  Dio- 
rite  \\erden  durch  Salzsaure  enlfarbt. 

Als  Miltel  der  cheniischcn  Zusammenset/.img  dei'  Diorile  ergiebl  sich:  Kiesel- 
siinre  51,00    --  Thoncrdc    18,50  —  Kisenoxydul    11,00,   --  Kalkerde    7,50,   - 
Majjiifsia   0,00   -      Kali  2,50,    -     \alron  :i,00,    Spurcn    von  Manganoxydul    und 
ein   gcringer    Wassei'gehall. 

Die  hiiuligslen  der  zufa'lligen  (JeTiienglheile  des  Dioriles  sind  (iranal,  Pista- 
zil,  Tilanil,  Sch\\efelkies  und  .Mauneteisencrz.  >'ach  den  \  ei'seliiodenen  Sli'iiclur- 


II.     IVtro.unipliiM'ln1   (It'olo^ir.  57 

\r|-|i;illiiisscii    de.s   dioritisehen    MineralgemengeS    \\erden    I'olp-nde    Yarietalen   (Ics 

Dioriles  untersohiedeo  : 

N  or  HIM  I  er   Diorit,    mil    deullieli   grob-   his   feinkorniuem   Geflige. 

I)  iori  t  a  ph  a  n  il  .  mil  so  ausserordenllieh  I'einkornigem  Gel'Uge  ,  <l;iss  die 
ein/elnen  He.standtlieile  nielit  mehr  /.u  unlerseheiden  sinil. 

Diori  I  porph  \  r.  cine  sehr  feinkornige  oder  aphanilisehe  DMTttgrUndmftGKfi 
son  grilnlieli.m-auer  Farhe  mil  AusschtidllBgen  von  hcllon  Oligoklas-lndividuen 
und  scli\\iir/lich  grilnen  llornhlendesaulen.  Der  Dioritpnrphyr  verkndpfl  die 
knnii-cn  Dioritc  mil  dj'ii  I'oi'phx rilt-n,  VM  wclchcn  cr  mil  ulcicliom  Hochtc  gc- 
slclll  \\rrdrn  kiiiui. 

I)  iori  I  sch  ic  IV  r.  drullirli  diorilischo  oder  jipluuiilischr  (Icstcinc  mil 
durcli  piirallclr  Ariordiumi:  dcr  llonihlcudcsiiiilcn  und  ('l\\a  ynrliandriicr  (iliin- 
mfi-hliillclicn  Ix-diniilcr,  unvollkommcn  schirforiiior  Struclur. 

Schr  liiiulii;  linden  /,\\ isclicn  dirsen  Variolaton  Uebcrgangc  stall,  indem 
/.  I?,  dt-r  kni-niuc  Diorit  allmiihlich  riiu1  sclii(>forigc  Slructur  anniimnt.  dn-  diMitlich 
Diorit  /um  sclicinhar  dichlcn  Aphanit  und  dioscr  durcli  Ausscheidung 
r  Individucn  /um  DiorilporpliN  i-  \vird. 

Die  Dioritr  durclisci/.cn  cnhvcdcr  als  Giingo  und  Stockc  ihre  Nebengest«iae 
odci1  Irclcn  als  aus^cdclmlc  iMiilajicruniicn  /wischen  den  Scliiehlenreihen  andrrcr 
(ii'sicinc  a nl'.  Im  crstci-cu  l-'allc  /.ci^cu  sic  schr  hitufig  in  ihrcr  miUlcren  Zone 
ciu  grohkoniiiirs,  nadi  ihrcn  hcidersiMtigen  BegnMi/.uu^sllachcn  hin  ein  aphani- 
odcr  schidVi-i-s  (M-filge.  Die  Diorile  linden  sich  hauptsachlich  im  (ic- 
dcr  (iranile,  Gneisse ,  kryslallinischcn  Schiefer  und  dcr  alten-n  palaco- 
I'lii'inationen  und  trctcn  in  Deutschland  auf  z.  B.  an  der  Rosslrappe, 
aiil  dci- HollitMilmru  am  K\ ll'liiiusser,  im  ThUringenvaldo  bci  Ruhla,  Liehenslein, 
Hrollcrodc  u.  s.  \\..  im  I'lr/gcbirge  bei  Freiberg,  in  Nassau  bei  Wissenbach. 

Als  Abarirn  des  Dioriles  k5nncn  liier  anhangsweise  angeflihrl  vvcrden : 

Op  hi  I,  ein  quarzfreies  Geraengc  von  bei  Weitem  tlberwiegcnder  dunkcl 
i;ninlich  schwarzer  Hornblende  und  elwas  Oligoklas  mil  kleinen  Kpidotkorm  lien 
und  Bisettglaozschttppchen.  (Pyrenacn.) 

Noril,  ein  Genienge  von  vorvvallendem  Feldspalh  und  elwas  Hornblende, 
zu  denen  sich  Quar/  und  (Jlinuner  gesellen  (Norvvegen).  Andere  Norite  sind  dem 
(labbro  /.u/.urrclinen. 

Tonalil,  fin  korniges-  Gemenge  von  Individuen  einer  Iriklinen  Feldspalh- 
spccics  \on  \\eisser  Tarbe  mil  graulich  weisscn  Quar/kornern  oder  -Dihexardern, 
scli\\ar/.licli  i:rilnen  llornblcndcsiiulcn  und  dunkelen  sechssciligen  Tafeln  von 
Magnesiaglimmer.  iMi.  Adamcllo  in  den  ostlichen  Alpcn. 

Kcrsanton  und  Kersantil,  kOrnige  oder  porphyrische  Gesleinsvarie- 
i.ilrn.  \\rldie  mil  dcm  (ilininid'diorilr  nali  \d'\vandl  sind  und  \or\vallend  a  us 
nliunklas.  erslerer  aiisserdem  mil  Glimmer,  lel/tcrer  mil  Glimmer  und  el\\as 
Hornblende,  bestehen.  In  Giiiiiien  in  dcr  Brclagne  und  in  den  Vogesen. 

:*<>.     Corsit  und  Kugeldiorit. 

Der  Corsil  isl  ein  Anorlhil-Hornblendc-Geslein,  ein  Anorlhit-Dioril,  und  zwar 
ein  granilisrh  korniges  Gemenge  von  vorwallendem  graulieh  vveissem ,  durch 
Sauren  /ersei/barem  Anorthit,  seli\\iir/Jich  grtlner  Hornblende  und  vvenig 


."»s  II.     IVtioi:nt|)lii>rlic    (i 

Ouar/..  Diese  Bestandthette fpupptren  sicb  steHenweise  JCH  I  Ms  :{ /oil 
Kniieln,  \\elehe  ans  concentrischen  Lagen  bestehen,  in  denen  abwerhselnd  der 
cine  oder  andere  Gemenglheil  \or\\allel,  \\obei  /iigleich  cine  naeli  dem  Mitlel- 
punkte  geriehlele  radialstrahiige  Anordmmi:  dec  nadelfiirmigen  Mineralindividucn 
y.n  beobaehten  isl.  Diese  Varietal  d<\s  (lorsites  ist  unler  dein  Nanicn  K  u  gel- 
dim1  i  I  bekannl  und  trill  nnr  unlrrgeordnel  in  der  granitisch  kb'rnigen  Haupl- 
nia.Nxr  |>ci  Sarlcne  anf  Corsica  auf. 
•M.  Porphyrit. 

Dei-  I'nrpliNril  beslelil  aus  einer  brauncn  odcr  dunkolizi'auen.  dichl  erscheinen- 
den  r.rundmasse  mil  Ausscfaeidungen  von  hollcm,  weissliehem,  rolhlielieni  oder 
lirilnlieliein  Oliijoklas  und  dunkelor  Hornblende  oder  slat!  deren  von  dunkelcni 
(iliininer,  so\\  ie  in  nianelien  FiUlen  von  Quarzkornchcn  oder  -Aederchcn.  I)<>r 
Forphyril  isl  demnach  dioritisches  Gesleinmalerial  mil  porphyrischem  Habilus 
und  schliessl  sich  auf  das  engste  an  die  beschriebenen  Dioritporphyrc  an.  Die 
Grundnmsse  der  Porphyrile  ist  zuin  Theil ,  wenn  auch  selten ,  und  dann  deni 
(juar/luhrenden  Diorite  entsprechend,  felsitisch,  also  ein  inniges  Magma  von  Oli- 
goklas  und  Quarz  (life Id  am  Kara)  zum  Theil  und  zwar  gewb'hnlich  ein  ausser- 
ordentlich  feinkorniges  Gemenge  von  Oligoklas  und  Hornblende  oder  Glimmer 
und  correspondirt  dann  mil  den  quarzfreien  Diorileu.  Je  nachdem  somit  die 
Porphyrite  freie  Kieselsaure  in  Form  von  Quarzausscheidungen  und  als  Gemeng- 
theil  der  Grundmasse  enthalten  oder  nicht,  unterscheidel  man  quarzhallige  und 
quarzfreie  Porphyrite  nnd  ausserdem  je  nach  der  Art  der  porphyrischen  Aus- 
scheidungen  Oligoklasporph  yrit,  fast  nur  Oligoklaskrystalle  enthaltend  (II- 
feld;  Hohenelbe  in  Bb'hmen)  ;  Hornblendeporphyrit,  Oligoklas  und  Horn- 
blendekrystalle  enthaltend  (Potschappel,  Reichenslein  in  Schlesien,  porfido  rosso 
antico  aus  Aegypten)  und  Glimmerporphyrit,  Oligoklas  und  Glimmer  ent- 
haltend (Wilsdruff  bei  Dresden,  Triebischthal  bei  Meissen,  Troslburg  in  Tyrol). 
Mil  dein  Glimmerporphyril  isl  das  vorher  erwahnte  von  den  franzosischen  Geo- 
logen  Kersanlon  genannte  Gestein  der  Bretagne  wohl  idenlisch.  In  kleinen 
llohlraumen  des  Porphy riles  der  Nahegegend  kommen  Tafelchen  von  Tridy- 
mit  vor. 

Der  Porphyrit  bildet  Gange,  Slb'cke  und  Lager,  deren  Eruplionszeit  in  die 
zweile  Halflc  der  palaeozoischen  Pcriode  fallt. 
38.    Melaphyr. 

DerMelaphyr  isl  ein  vorwaltend  feinkorniges  bis  diehtes,  bisweilen  porpln  ri- 
sches,  sehr  hiiufig  aber  mandelsleinarlig  ausgebildeles,  vollkommen  <|uarzfreies  (ie- 
menge  von  Plagioklas  und  Augit  oder  Hornblende  nebst  titanhalligem  Maiineteisen- 
slein  und  iieringen  Mengen  von  Apalil.  Die  Melaphyrmasse  isl  in  frisehem  Zustande 
dicht,  zah  und  hart,  sic  ist  schvvara,  grUnlich,  rolhlich,  braunlich  oder  blau- 
s«-h\v;ii7.  iiel'iirbi.  ihr  Bruch  ist  uneben,  schvvach  muschelig,  ilire  Hiirle  die  des 
Feldspnthes  oder  .ueriniier,  ihr  speriliselies  Gewichl  diiirhschiiiltlieh  2,69  —  bei 
einlrelender  V«-r\\illerung  nimint  sie  erdigcs  GefUge  und  ihre  Oberllarhe  eine 
anfiinglii-h  grUne,  spa'ler  ockerbraune  Fiirbung  an,  riecht  thonig  und  braust  mil 
Siiuren,  enlliall  also  dnreh  Xerset/.uiii;  von  Silicalen  enlstandene  Carbonate.  Als 
t\pisehc>  Miltel  der  cheinischen  Zusaniniensetzun,u  der  llfelder,  schlesischeii  und 


II.    Petrographische  Geologic.  •>'' 

tliurini:iM-hen  Mclaplnre  ergab  sich:  Kioelsimre  .'id. SO.  --  Thonerde  I7.SI  — 
Kiseiio\\dul  fi.60,  --  Kalkerde  7.01.  Magnesia  :t.<>|  Kiili  :>.!?,  -  N.ilnm 
;'. ')'.»  Wasser  I. '.»;'.  Kohlen.sjiure.  Plmsphor.saiire  und  Tilaiisiiure  1,00. 

Hei  shirker  mikrosknpiM-her  Yergrossermig  ergiebt  cs  sich ,  d.iss  die  He- 
slandlh«"ile  dt's  Melaplm-  niir  xiiin  Thcil  knstallinisch  aiisgebildet  sind .  /.inn 
Theil  alter  cine  nidii  individtialisirte,  glasariige  Grundmasse  bilden,  \\elche  sich 
/\\ischcn  die  ein/elnen  i:rns>rivn  Krxsialle  dranul.  Sie  iM  lichlbraun  und  /inn 
Tlieil  \on  br.miisclwar/en  Koriiclien  mid  Niidelclu'M  diircliseli\\iirint .  j;i  ;ini;e- 
I'illll.  Aus  ihr  Ireleu  klnre  li'ikline  Feldspath-Individuen,  i^rilne  ;IM  ihren  Endon 
/.lekeiiformii:  izelVan/ti'  Siiulen  und  Nadeln  von  llornhlende  odcr  Atigil,  sch\\ar/.e 
Knrner  \on  .MaLiiieleisener/, .  so\\  ie  farMose  Apatilniideleheii  mil  sechsseitigetD 
Onersehnilte  herxor.  Als  /ufiilliue  (leinen^Uieile  der  Melaphyre  sind  Ruhellaii, 
Selnvefelkies.  Kisenulan/ ,  namonllicli  aber  i:edieuen  Kupfer  und  Silber  zn  er- 
\\idiiieii  Lake  Superior). 

I'j'ne  selir  eliai'aklerisliselie  l'jjj;enthUmlielikeil  der  Melaphyre  is!  ihre  i;rnsse 
Neiiiiini:  zur  .Mandelsteinslnietiir.  Die  Grundmasse  der  Me  la  p  h  yrinande  I- 
-leiui-  belindel  sich  ue\\olinlich  in  eineni  mehr  odor  wcniger  /(Tsel/lrn  Zu- 
slande.  i.si  mcist  lii-ilnlich  schwar/,  rolhlich  braun  oder  blaulich  schwarz  izeliirbl 
nnil  unischliesst  mehr  oder  \\enii:er  /.ahlreiche  Mandeln.  Dieselbcn  bosilzon 
eine  niandel-  otler  birnfonnigo,  kugcligc  oder  auch  langgezogen  wurniform iue 
(ieslall.  /.  h.  am  Lake  Superior  und  schxvanken  in  ihren  Dimcnsionon  /Avisehen 
Ilirsekorn-  und  Kopfgrosse.  Die  ursprilnglichen  Hohlungen  verdanken  (Jas- 
11  nd  Dampfblasen,  vvelche  sich  in  der  zahfliissigen  Gesteinsmasse  bildeten,  ihre 
Kiitsh'himu  und  \\urden  spiiter  durch  Absalze  aus  infiltrirlen  Mineralsolulionen 
L:an/.  dder  (heiUxeise  ausgefilllt.  Die  ersle  Auskleidung  der  Hohlniume  bildet 
List  iiiuiirr  Delessit,  der  kleine  Mandeln  vollsliindig  ausfilllen  kann ,  wahrend 
dies  bei  griisseren  durch  Kalkspath,  Braunspath,  Achat,  .laspis,  Chalcedon,  Ame- 
ili\M  und  Mergki'N stall ,  sn\\ie  gediegen  Kupl'er  und  Silber  (am  Lake  Superior) 
gesehieht  und  \\iilirend  endlich  nichl  vollkomnicn  ausgefilllte,  sondern  nach 
I nnen  oll'ene  Hohlungen  von  Kalkspalh,  Quara,  Datolith,  Prehnit  und  Epidotkry- 
slallen  ausLiekleidel  werden. 

Die  Melaplm-e  sind  massige,  ungeschichtete  Gesteine,  treten  aber  nichl  sel- 
len  in  Lagern  auf,  \velche  in  Folge  sich  wiederholender ,  deckenartiger  Aus- 
breilungeii  der  erupiivcn  Masse  in  miichlige  Plallen  und  Banke  abgesonderl 
sind.  So  am  Nelzberge  bei  llfeld,  bei  Tholei  am  UundsrUck,  am  grossartigslen 
aber  in  der  Kupl'erregion  am  Lake  Superior  (Nordainerika) . 

Die  l.a^eriingsfdrmen  der  .Melaplnre  sind  Ga'nge  und  Kuppen ,  namenllich 
alter  plaltenlormige  Lager,  von  oft  colossalen  Dimensioned,  xuischen  den  Schicliten 
der  S((Mnkohlenformatioii,  \orxugs\Ncise  aber  der  Djas,  in  deren  Ablagerungsx.eil  die 
lM'U[)tionen  des  .M<>laph\r  fallen.  In  Deulschland  besitx.en  die  Melaplnre  in 
Schlesieu  bei  Lo  wen  berg  und  [.andshut,  in  Thllringen  b(>i  llmedau.  am  slld- 
licheii  llarxe  bei  llfeld.  iin  Z  \\ickauer  Kohlenbassin  bei  I'lanilz ,  in  der  Nahe- 
gegend  bri  Oberslein,  ferner  in  Siidl\rol  eim-  grosse  Verbrcitung,  jedoch  muss 
bei  sehr  \ielen  als  .Melaphjr  angefilhrten  Gesteinen  noch  eine  genauc  chemische 


(ill  II.    Petrographische  (i 

mid    mineralogischo    Vnlrrsurhuni;  feslstellrn ,    ol)    sir    in    d<-r    That    hierhrr    /.u 
ivrhnen  sind. 
:{<).     Diabas.     (frilher  Grtlnstein.) 

Drr  Diabas  isl  ein  groh-  his  feinkbrniges,  fcstcs,  zlihes,  grilnes  oder  grUn- 
licli  Cranes  (lenience  \nn  Labrador  und  Augit,  \\<>/u  sicli  Chloril  und  Magnct- 
eisenslein  liesellen.  Dcr  La b r a d o r  bildet  kryslallinische  Individuen  mil  deut- 
lieher  Spaltbarkeil  und  in  frischein  Zuslande  mil  dcr  filr  ihre  polysynlhrlische 
/iisaiiimriisetzung  charakteristischeo  ZwiUiogsstreifung  auf  den  basischen  Spal- 
limi:sll;i<-hen.  Er  besitzt  wcisse,  graulich  weisse,  odcr  grilnlich  \\cissc  I;;H-|KMI 
und  bildet  das  vorwaltendc  (icstcinselcmcnt  des  Diabases.  Dor  Augit  trill  in 
dieksaulenloniiiiicn ,  selten  langnadellonnigen  Kr\stallcn  oder  kr\stalliiiisrlirii 
Kornern  auf,  deren  Spallungsdaehen,  nehnilich  die  Saulenflachen  und  ziini  Thcil 
aueh  das  Orlliopinakoid ,  lebhaften  (Jlasglanz  zeigen.  Seine  Farbe  ist  sch\var/, 
braunlich  oder  grilnlich.  Der  Chlorit  durchdringt  meist  in  ausserordentlieh 
fcincn  Theilchen  die  Gesteinsmasse  und  ist  nur  selten  in  deutlichen  Schiippclicn 
ai^sgeschieden,  durfte  als  ein  Zersetzungsprodukt  des  augilischen  Gemengtheiles 
belraehlel  vverden  und  })edingt  die  grtlne  Farbe  des  Diabases,  besonders  seiner 
dichlen  Varieliiten.  Magnetciscnstei  n  ist  in  der  Diabasniasse  in  runden  Kor- 
nern oder  in  kleinen  octaedrischen  Krystallchen  von  schwarzer  Farbe  zum  Theil 
ausserordentlieh  feinvertheilt.  Eine  sehrhaufigeErscheinung besonders  bei  denfein- 
kb'rnigen  und  dichlen  Diabasen  ist  cin  geringer  Gehalt  an  kohlensaureni  Kalkc. 

Als  typisches  Mittel  der  chemischen  Zusanunensetzung  der  normalen  kor- 
nigen  Diabase  ergiebt  sich:  Kieselsaure  47,56  —  Thonerde  16,34  —  Eisen- 
ox\diiloxyd  12,54,  -  -  Kalk  11,22,  -  -  Magnesia  6,47,  —Kali  0,91,  --Natron 
3,10,  -  -  \Vasser  1,80.  Das  specifische  Gewicht  betriigt  etvva  2,9. 

Als  zufiillige  Gemengtheile  enthalten  die  hierher  gehbrigen  Gesteine  Ein- 
sprenglinge  von  Schwefe Ikies,  Magnetkies  undPistazit.  Benierkensuerlh 
und  frcindarlig  ist  der  Quarzgehalt  der  Diabastrappe  auf  der  Insel  Arran  und 
des  Diabasganges  bei  Ehrenbreitstein.  Nach  der  Verschiedenartigkeit  ihrer 
Slructur  unterscheidet  man  folgende  Diabas- Varietaten : 

kbrniger  Diabas,  ein  granitisches  Gemenge  von  deutlich  erkennbaren 
Individu'en  ibei  Ilmenau  im  ThUringer  Walde,  bei  Clausthal  im  Harze,  bei  Dillen- 
burg  in  Nassau). 

Diabasaphanit,  das  Korn  der  Gemenglheile  ist  zur  aussersten  Fcinheit 
herabgesunken,  so  dass  das  Geslein  dicht  erscheinl.  Seine  Farbe  ist  grlin  und 
\\ird  dureh  hohen  Chloritgehalt  bedingl.  Ebenso  \\ic  von  Chlorit  isl  der  Dia- 
basaphanit stark  von  Carbonaten  impragnirt,  beide  werden  dureh  Salzsiiure 
/n.scl/.l  'Kiibeland,  l^lbingerodc  im  Harze,  Lichtenberg  im  Fiehlelgebirge). 

Diabaschiefer,  eine  feinkbrnige  bis  aphanitisehe  Diabasniasse  mil  be- 
deutender  zum  Theil  vorwaltender  Chloritbeimengung  und  mehr  oder  \\eniger 
vollkonunen  sehieferiger  Slructur.  1m  Voigllande,  in  Oberfranken,  bei  Kupfei- 
berg  in  Schlesien. 

Diabas  porphyr,  in  feinkiiniigcr  bis  aphanitischer,  unrein  grauuriiner 
Diabasgrundmasse  lieucn  rin/dne  grbsserc  Individuen  der  den  Diabas  zusmimicn- 
M-l/cnden  Mineralien  aiisgeschieden.  Sind  dies  neben  vereinzellen  Augiten  vor- 


II.  Pfetrographische 


til 


\\icLH-nd  Labradorkrystalle.  so  be/eichnet  man  das  (iestein  als  1.  a  It  ra  dor  p<>  r- 
ph\r  (porfido  \erde  antieo.  lindel  das  umgekehrle  Verlialtniss  stall,  sind  also 
\or/ii::s\\('is('  Augitc  ausgcschieden.  als  A  u  u  i  I  po  r  ph  \  r. 

Yariolit.  in  cincr  dunkekriinen,  meisl  aphanilisehen  Diahasgrundmassc 
und  mil  ihr  innig  \er\\aehscn  liegcn  hirsckorn-  bis  nussgrosse  Conerelionen  von 
\\cisslieh  grauer  Farbe  und  von  radial-faseriger  oder  coneenlrisch-schaliger  Strue- 
lur  mchr  oder  \\eniuer  dicht  an  einander.  Sic  bestehen  aus  einem  labrador- 
ahnliehcn  Kcldspath  oder  Kpidol  oder  endlieli  aueh  aus  heiden  Mincralicn  .  die 
dann  in  conecntrisehen  l.aiien  mil  cinandcr  ab\\  eehseln.  (In  ObeiTrankcn,  Voiiil- 
land.  Nassau,  im  Fichtekebirge.) 

Ka  I  k  aphan  it.  cine  aphanitisehe  ,  chlorilrcichc  Diabasmassc  mil  runden 
KalksjiallikUiiclchen .  \\clche  oft  so  dicht  ncben  einander  auflrclcn ,  class  das 
diahasischr  Ocmcnl  fast  \erseh\vindcl  und  Ku^c-l  an  Kugel  gedrangt  liegt.  Dieses 
licsicin  nimmt  xum  Theil  schieferige  Structur  an  und  \vird  dann  als  Kalkapha- 
n  i  I  se  li  iefer  be/eichnel. 

Diabasma  ndelstein,  cine  aphanitisehe  Diabasgrundmasse,  \\elche  Man- 
dcln  von  Kalkspalh,  also  durch  Infiltration  ausgefilllle  Blasenraunie  enthiill. 
Nassau,  (ieiiend  von  Hof.) 

Die  Trenmmg  dc-r  feinkornigen  und  dichten  Diabase  von  den  enlsprechen- 
den  Dioriluesteinen  isl  in  dcr  Regcl  cine  schwierige.  Zu\\t'ilcn  machen  Ueber- 
iziingc  dei-  feinkornigen  in  grobkornige  Yarietaien  die  Entscheidung  inoglich,  in 
anderen  Fallen  beruht  dicst-lbe  auf  dcr  Anvsendung  folgender  Mcrkmalc : 

Die  Varietaten  des 
Diabases  Diorites 


fiilliiilliMi  ui'\\(ilinlich  unler  50,  nie  iiber 
.':  |n-t.  Kii'si-Uiiure. 

cidhallcn  his  iiher  60  pel.  Kiost'lsaiirc. 

•    •  '  • 

fiilliallcii  fast  nic  (Juarz. 

enthalten  niclil  selten  Quarz. 

ciitlinKcn  kcinen  Gliminci  . 

enlhalten  nicht  seltt-n  (iliiumcr,  \\clcher 
die  Hornblende  (lit>il\veis(>  oder  fianz 
vertritl. 

I'litliiillcn  I'incii  durch  Sjilxsaiirc  xorsclz- 
hiiiTiiKt'ldsiiatli,  fine  lirstimmtcOuan- 
lilal  (l('S(i('slciiis|)iil\ci--  M-rlicrl  dr-s- 
halli  (lurch  Holiaiidluug  mil  Sliuivn  an 
Gewioht. 

entlinlten  eiucn    in  Siiuivii    uiilosliclicn 
1  ddspath. 

IIIMII-MMI  mil  Sain-fh  uud  sind  /inn  Theil 
scln-  rri.-h  an  kalkcarbonat. 

brausi'ii  nichl  mil  Saiiccu. 

S|)iitl«-i-  M-hmclxfii  vor  dem  Lotlimln- 
xifiidich  Icichl  xu  (ilas. 

srliiiiclx.cn  \icl  vli\\icrii!i'r. 

liahen  grosse 

hahcn  keiiif. 

Neigung  zur  Mandelsleinbilduog. 

Die  siimmtliehen,   oben  charaklerisirten   Varietiilen    sind  durch  Uebergange 

cut:  \erknilpft.  Durch  Vcriindcninu  der  Koniiifissc  .  durch  das  Auftrelen  por- 
phxi'ischer  AusscheiduiiLieii  oder  mandclstcinarliL'ci1  Scerctioncn,  (lurch  Annahme 
schiclViizer  Stnuiur  \\cchsell  dcr  <ieslein>charakter  dcs  diahasischcii  Mineral- 


62  II.   Petrogruphische  Geologic. 

gi-nieiiges  in  kurzen  Z\\  isdienriinmen  vollkommen  (so  nanuMitlich  in  Na>.x,m  . 
Die  Diabase  treten  sellen  gangfftrmig,  vielmehr  fast  anssdiliesslidi  lagerarlig 
/\\i:sdien  palaeo/.oi.sdien  Tlionsdiieleni .  Grauwacken,  kalksteinrii  niui  Kiesel- 
sdiiel'ern  auf.  Sic  haben  sich  deekenarlig  auf  dem  einstigen  Meeresboden  aus- 
gebivitet  uiul  sind  darauf  sdhsl  \on  sediinenlarem  Maleriale  bedeck!  \\onlen, 
mil  \\ddieiii  cine  pelrographi.selie  Ycrkniipfung  dmvh  mil  den  Diabasei •iiplioiien 
\erbundene  Tufibikiungeo  hergesldll  \\urde.  In  Deiilsdiland  sind  die  Diabase 
\omigs\\eise  in  d«-n  LabagegmdeO  Nassaus.  in  \\fslplialfii.  iin  Ilar/.c.  in  del 
Niihe  \on  FreilxTi;,  iin  s;idisisdien  Vi»ii:llaiide  uiul  im  I- idilekd»iri:e  enl\\  iekelt. 
Aiisuiirls  erreidien  sie  iin  Siliirlteeken  von  Clii'istiania .  in  dein  Inii^niiselien 
SeliiefiTi:el»iete  Nordainerikas  urosse  Ausdeliimiii:. 

40  Gabbro. 

I)er  Gabhro  isl  ein  granitisch  kiirniiies  Aiiiirpiint  von  Labrador  oder  stall 
dessen  Saussuril  und  enl\\(Mlor  Diallaii  oder  Stfiaragdit.  Der  feldspatlii^e  (Je- 
inentitlieil,  \\elclier  in  fasl  alien  Varieliiten  sehr  vorwaltel,  ersdieinl  alsSans- 
surit  die-lit,  matt  weiss,  oder  ^rtlnlidi  oder  blaulich  weiss,  als  Labrador  in 
inelir  oder  minder  grossen ,  gliinzenden  Individuen  von  \veisslieh  izrauer,  bliiu- 
lidi  \ioleller  Farbe,  wird  von  concenlrirler  Salzsaiure  oder  Schwefelsaure  zer- 
setzt  und  ist  vor  dem  Lblhrohr  leicht  schmelzbar.  Der  Diallau  isl  Lrran  bis 
sclunutzig  olgriin  oder  braunlich,  nach  der  Richtunji  des  Orthopinakoides  luidisl 
vollkoininen  spallbar,  auf  welchen  Spaltungsflachen  er  inetallartiiien.  sdiillern- 
den  Porlmutterslanz  l)esit/l.  Seine  Individuen  sind  oft  mehrere  Zoll  gross  und 
\\enlen  nicht  selten  an  ihren  Randern  von  einer  dunkelirefarblen  Hornblende- 
riiule  dergestalt  umfasst,  dass  die  Hauptaxen  und  Spaltunizsflachen  beider  Mine- 
ralien  parallele  Lagen  besitzen.  Der  Smar a gd it  ersdieinl  in  iirasiirilnen,  perl- 
nnitteri;lanzenden  Individuen.  Die  den  grauen  Diallag  und  den  grasgrilnen 
Sinaraizdil  filhrenden  Gabbros  lassen  sich  nicht  nur  petrographisch  auseinander 
halten,  sondern  treten  auch  rauinlich  getrennt  auf,  so  am  Monte  Rosa  fast  nur 
die  ersteren,  in  Oberitalien  fast  ausschliesslich  die  lelzteren. 

Ein  ganz  charakteristischer  accossorischer  Gemengtheil  des  Gabbros  ist  der 
Olivin.  Derselbe  l)ildet  schmutzig  dunkelgrQne  Kornehen,  ilberwiegl  bei 
mandien  Gabbros  an  Menge  selbst  die  Diallage,  trill  aber  erst  im  Diimisehlille 
deullich  hervor.  Ganz  eigenthiimlich  fiir  die  Ga1)bro-Olivine  iin  Gegensat/e  /ii 
den  Basalt-Olivinen  scheint  ihr  ausserordenllicher  Reichlhum  an  Mikrolithen  xu 
sein,  welche  hakenformig  gebogen  und  dann  zu  Sternen  angeordnet  sind.  Die 
olivinreichen  Gabbros  werden  wohl  als  Olivingabbros  bezeichnel  'Volpersdorf, 
Veltlin,  sehollische  Inseln  Mull  und  Skye). 

Die  Gemengtheile  des  Gabbro  sind  zu  einem  granitisch  kiirnigen  Aggregate 
regellos  \er\\adisen  :  auch  bei  mikroskopischcn  rntersndiungen  zcigt  sich  keine 
amorphe  Glasmasse  zwischen  den  Mineralindividuen .  \ielinehr  isl  auch  die 
Mikrostructur  cine  granilische. 

Als  typisches  Beispiel  filr  die  chemisdie  Zusanimenset/.ung  nonnaler  (iab- 
brogesleine  m.ig  die  Anahse  eines  soldieii  ans  dem  Hadaulhale  im  llar/e  an- 
gefilhrt  \\erden:  Kieselsiiure  .'ii.liii,  — Thonerde  ^0,77,  —  Ki^eno\\d  n.'.ts.  - 


Petrographische  Geologic.  63 

Eisenoxydul  7,61    -  -  Kalk  9.  Id.  —  Magnesia   l.-'iT  —  K;ili  1. 01.  --  Natron  :1.:13. 
-    GlUhverlusl    1,3:1. 

Von  zulalligen  (Jemenglheileu  sind  nebon  ()li\in  benierkons\\  erlli  :  Talk, 
Glimmer.  Hornblende,  (iranal.  Sorpentin.  .Magnolkies,  Schuefelkies.  Maunelcisen. 
Der  (iabbro  isl  moistens  oin  massiges.  pohedriseh  abgesonderlos  (ieslein.  \\el 
dies  in  miichligcn  Slocken  /\\i>clirii  (iranitcn,  Gneisson  und  Glimmcrschicfcrn, 
so\\io  in  palaeo/oisehen  (iraimaeken  und  Thonschiefcrn ,  in  Oberilalicn  jodorh 
und  aid'  dor  Insel  Mull  aurli  x\\isclicn  tcrliiircn  St-liichlcn  aid'scl/.t.  Schr  hiiulii; 
isl  dfi-  (ialihro  mil  St-rpcntin  Ncriicscllsclial'lcl.  d«>r  in  dicscin  1'allc  diifch  l"in- 
\\andliinu  aus  dcin  (ial>l>ro  bervOTgegabgen  ist.  Bekannlc  (iahl»ro\  orkoinnifii 
sind  die  d«'s  Xohlcn,  die  \ on  Nt'tirode  und  Khcrsdoi-f  in  Scldt-sicn,  des  Hadau- 
thalcs  mi  llar/c,  IKM  Dillcuhui'i:  in  Nassau,  hci  HOSSNMMII  ini  siiclisischcn  Gra- 
nulitiit'ltictc  u.  s.  \\ . 
'» I .  Hypersthenit. 

Der  Hyperstbenif  isl  cin  foin-  l>is  ^robkOrniges  Gemenge  von  Labrador uini 
H \pri-stluMi.  Dcr  I.  a  In- a  dor  licrrscht  Li('\\i»hnlich  vor  und  ist  in  dor  Kr^'l 
\\risslirh  jzrau .  l)is\\cilen  auch  grUnlich,  gelblich  oder  bliiulich  yrau  "olurbt. 
Dt-r  II  \  perstli  en  ist  8chw9rzlicb  braun  oder  ^rilnlicli  schwarz  und  brsil/t 
nrieistentheils  auf  don  Hauptspallun^slliiclien  soiner  oft  grossbUltterigeD  Indi\i- 
ducn  t'inen  kupferrothen  Schiller  und  inetallarligen  Glanz.  Bisweilen  \\erden 
die  lndi\iduen  desselben  von  grUnlich  sch\var/tir  Hornblende  eingefassl  oder 
sind  mil  solelier  \er\vachsen. 

(llieiniselie  Zusainniensel/unij;  eines  typischen  Ihperstheniles  von  Penig  in 
Sac 'lisen  :  Kieselsiiure  49,90,  -  -  Thonerde  16,04,--  Eisenoxyd  7,81,  •-  Kalk- 
eide  li,48,  —  Magnesia  10,08,  — Kali  0,5;i,  —Natron  1,68,  --  Wasser  1,46. 

Als  /ulallige  Gemengtheile  sind  zu  nennen  :  Schwefelkies,  Magneteisener/, 
Tilaneisener/  in  zahlreichen  Einsprenglingen ,  Granat,  Glimmer  und  Apatil  in 
ein/.elnen  Krystallen.  Die  Ilyperstlicnite' sind  granitisch-kornige ,  massige.  slels 
iingeseliielilele  (Jesicine,  welcho  gang-,  lager-  oder  stockformig  auflrelen,  al>er 
niir  an  \venigen  Punklen  bekannt  sind.  Hire  Eruplionen  gehoren  namentlich 
den  iilleren  palaeozoischen  Perioden  und  nur  ausnahmsweise  jUngeren  Zeilallern 
an.  Die  hauptsiichliehslen  Fundorle  des  Hyperstheniles  sind:  Penig  in  Sachsen. 
\Vol])ersdorf  in  der  (irafsehal'l  (ilatz,  Dillenburg  und  XVeilhurg  in  Nassau,  oberes 
Muhrlhal.  l»ei  lls«-l>iirg  und  llar/liurg,  bei  Friedrichsroda  in  ThUringen ,  Elfdalen 
in  Srh\\eden.  KUsle  von  Labrador. 

Der  sieh  an  die  Gabbro-Hypersthenil-(iesteine  anschliessende  (iahhro- 
Norit  ist  ein  Gemenge  von  vorualtendem  Labrador,  nalronhalliizein  Orthoklas, 
Diallag  oder  Ihpeivslhen  und  ineislens  et\\as  Quarz  und  tritt  auf  Hitlerite,  einer 
nor\N'egi>ehen  Insel,  auf. 

\->.   Schillerfels. 

Der  Schillerfels  isl  urspriindieh  /usaiiiniengesetzl  aus  Anorthit  und  eineni 
augitisehen  Minerale,  deni  Protoltaslil  IVofohastillels  ,  zu  \\elehen  sich  als  Pro- 
<luete  der  fortsclireitenden  Unnvaiideliin.-  des  letzleren  noch  Schillerspalh ,  Ser- 
penlin  und  Chrom-  oder  Ma^jielcist-nriv.  uest-M.-n.  Der  A  north  it  ist  gran, 
diehl.  saiissiiritarlig,  dor  Prolohaslit  durelischoineiid.  liellhriiunlich  his  grUn- 


(J4  II.    Petroi,T.i|>lii-di«> 

lidi  i:elb  mil  starkem  IVrlinulterdan/e  auf  den  Spallmii:sll,idien  .  \\iihrend  dor 
Sc  li  i  1  1  erspalli  ,  \\  ie  p-saut  ein  Umwandfehingsprodofcl  des  IVotobastils.  stark 
nietalliselien  I'erlmulterdan/.  besil/t.  uiiln.  niessiiiLi^elb  oder  braun  gelarbl.  und, 
\\eil  ilberall  \oii  der  GesleinsiM'undinasse  durdiset/.t  ,  ;iuf  den  r'liielien  seines 
Bltftieniarcfaganges  mil  dunkelen.  matlen  l-'leekdien  ijesprenkell  1st.  l>as 
.MisdiiiniiSNerlialtniss  dieser  Genienizllieile  selmankl  selir  bedeutend  .  so  d.iss 
Anoi'tliit  und  I'nitdliaslit  almrdisclnd  sicli  iirurnsoiliii  N'ollsliindiii 
koniii-n.  \\ndurch  sich  das  (u-stcin  ciiicin  cinraclicn  niilicrl. 

(iliniiisclit'  Zusammensetmog  ciiu's  t\|)isclicn  I'rolahaslilfcls   \<nn 
lici    llar/.liuriz  :    Kicsclsiiurt'   49,23,    -       Tlionci'dc   -;-">.l-).  l.i~-ciio\\d    l.:{n. 

Clinniioxyd  0,03,   --  Eisenoxydul  3,2«.».    -     .Man^am.  \\dul  0,34,  -     Kalk    l^. 
-  Magnesia   8,92^  --   Kali   und  Natron  0,99,    -      \\asscr  0,64. 

Vorkoinincn  :   am  Kadaulit-r^e  l)ei   Har/hui'L',    IMM  Scliriesheiin   an  der 


J  iingcre  Feldspathgesleine. 

Aus  der  auf  pag.  48  gegebenon  tabellanscben  Uebersidit  di-r 
PeldSpathgesteine  und  deren  Krlauterung  gehl  hervor,  dass  sich  in  den  jUngcirn. 
also  terliaren  und  poslterliaren  Eruptionsprodukten  die  Mincraleonihinationen  der 
iiltci'en  Gesteinsarten  \\iederholen,  nur  \vird  l)ei  denselben  der  eigentlidic  <)r- 
ihoklas  durchvveg  durch  die  Varietal  San  id  in  verlreten.  \\\r  linden  deshalb 
in  der  unteren  Golonne  des  Sdiernas,  ebenso  wie  in  der  oberen  bereits  erlau- 
terten,  zuerstdie.  sauersten  SQicatgesteine,  die  quar/filhrenden,  an  \\vldio  sidi  die 
<|uaiv.freien  Sanidingesteine,  sowie  die  nodi  kieselsiiureiinneren  Plagioklasgesteine 
ansdiliessen.  Nur  filr  eine  neu  aul'lrelende  Gesteinsgruppe  entbeliren  \\ir  des 
Analogous  in  den  alteren  geologischen  Zeitaltern;  es  sind  dies  die  juniieruptiven 
Gesleine.  deren  feldspatbiger  Geineni-theil  ganz  oder  zuni  griisslen  Theile  durdi 
Nephelin  und  Leucit  verli-eten  \vird. 

a)    quarzhal  tigo   San  id  i  n  gt-Nl  «•  i  no. 
43.     Quarztrachyt   (Liparit,   felsilischer  Rhyolith). 

Die  typisch  ausgebildeten  Quarztradixte  sind  })orphyrisdie  (Jesteine  und 
beslehen  aus  einer  fast  diehten  (ii-undmasse,  in  welcher  Krystalle  MHI  l-'eld- 
spalli,  Quar/,,  Glimmer  und  Hornblende  ausgesdn'eden  lieuen. 

Die  GrunJinasse  ist  felsitisdi,  enthiilt  also  m-ben  Alkali  und  Tlmnerde- 
silicalen  freie  Kieselsa'ure;  sie  ist  zum  Tlieil  (|uai*zharl,  sehr  feinkiirniu  bis  sdiein- 
bar  didit,  zutn  Theil  hornslein-,  pedistein-  oder  tlionsleinarlii;.  \\eisslidi,  izelb- 
lidi.  liellgrau  oder  liehtrolhlidi  gefiirbt  und  besilzl  nidil  selten  ein  zellii:es, 
poroses  oder  rauhes  Aussehen.  Selbst  in  ihren  didilen  Varietiilen  vei-mai:  man 
unter  dem  Mikroskope  den  Quar/  in  Gestalt  kleiner  \\assei-klaiv<-i-  Kiirndien 
meist  deullidi  7Ai  erkennen.  In  \ielen  Fallen  ist  die  Grundmasse  nidit  solid 
ausiiebildet.  sondern  enthiill  Zellen,  Hlasen  und  unreueliniissi^e  Holilriiuine. 
In  let/.terem  Falle  ist  das  Gestein  reidi  an  Nestern  ,  Trilmern  und  Mandeln 
\<in  Hornstein,  Jaspis,  Ouar/  und  Ainethysl.  Die  Blasen  sind  y.\\;\r  i;e\V(.)linlich 
nindlidi.  oft  aber  audi  sainintlidi  nadi  einei  parallelen  Hiditmii:  in  die  Liinge 


IF.    Petrogfaphische 

i:e/oi:en.    y.n\\eilen   aurli   yauy.   reuello.s  uestaltel    uiul  sehr   hiiulii:   \on  oiner  ehal- 
eedonartiiien   Sul>stan/.   ineruslirt. 

In  dieser  Gruudmasse  lieizen  ausgeschieden  :  Quary.    in  rauchgrauen   oder 

wasserliellen.  SGharfbegreniteD  Koniern  oder  Knslallen.  lol/lere  als  Dihexa.'der 
uiul  IVisma  ,  mil  muselieliiiom  Bruelio  uiul  mil  Glasdany..  Sanidin,  ri.-..sii:e 
Knslalle  von  milunter  \\assorheller  UosHiallenlioil  ,  oft  uls  kleine  tafollormiiro 
Indisiduon.  moist  in  Zuillin^cn  nach  dem  Carlsbader  Goset/e.  Oligoklas 
mi  \Vrlultnissr  y.u  dcni  Sanidin  stark  /nrUrktivtriid.  /inn  Theil  au  seiner  /\\  il 
liiiiissii'firuni:.  nit-ist  aber  an  seiner  stark  vorgeschiittenen  Zersetzuug  ketintlidi. 
Srh  w  jir/fr  (i  I  i  miner  in  kleinen  hlaltdien  .  namentlicli  in  sanidinrciclicii. 
xNi-niiier  in  quaiv.reiclien  Ouar/.traehyten.  Hornblende  in  vereinzelten  sclwaivcn 
Siiulclifii. 

Niclit  iinmer  ist  der  (lliarnkter  des  Quarxtrachytes  ein  porphyrischer.  \  id- 
nifln-  isl  dcrselbe  in  mam-hen  Fallen  so  ausp'l>ildet,  class  er  nur  noeli  aus 
finer  Grundmasse  heslelil,  \\alireml  die  Ausscheidungen  \erst-h\Ninden.  Das 
(let'Uue  dieser  TraeliN  t\  arieliilen  ist  ent\\e<ler  ein  feiukornii;  telsitisches  ,  oder 
ein  Thonstein  iihnliclies  oder  alier  ein  poreellanarliiies  .  als  lithoidisch  bezeich- 
neles.  Die  I'elsitiselie  Gniiidmasse  umschliesst  hisweilen  nehen  vereinzelten  Sani- 
dinausscheidungen  kleine  radial-HStrahlige  (tugelo,  \Nodmvh  das  Gestein  spha'ro- 
lithische  Slrnctur  erliiilt. 

Audi  der  enti^egengesetzte  Fall,  nehmlich  der  der  Individualisirung  der 
iiesammlen  (leslcinselemenle  des  ^uar/traeliN  tes  anf  Koslen  der  Grundmasse  kann 
eintrelen,  \Nodureh  derselhe  einen  iiranitiseh  kornit;en  Habitus  erlani;t.  (Neu- 
Seelatid.) 

Als  dnreliselmittliche  Xiisammenselzuni;  d^f  OuaPttrachyte  hat  sich  ergeben  : 

Kieselsiiure  75  —  77,  —  Thonerde  12  —  12,5,  —  Risenoxydnl  imd  Kisenoxyd  1,52, 

-  Kalk  1—1,5,  —  Magnesia  0,3—0,5,  —  Kali  und  Natron  7  —  tt.   Dieselbe  slimmt 

mil    der   der   Granite    und    Felsitporphx  re    in    auffallender  Weise    Uberein,     nur 

sind   die   Ouar/traeh)  le  et\\as  sauerer. 

Die  mosse  Aelmlieheil  der  (juar/fdhrenden  iilteren  Ortlioklasgesleine  und 
der  quarzflihrenden  jiiniieren  Sanidingeateine  zeigt  sich  nicht  nur  in  dieser 
auffallenden  lTel»ereinsliiiminnii  der  elu'inischen  Zusarnmensel/uni;  und  der  mine- 
ralisehen  Gemeniillieile  .  somh-rn  isl  aueh  in  dor  vollkommen  analoi;<'n  petro- 
graphisdien  AusbildungSWeiae  der  lel/.teren  ausj;«'j)ragl:  dem  krxstallinisch  kiir- 
niiren  (Juar/lraehUe  entsprieht  der  (Jranil,  dem  porpliN  rarliiien  Ouarxtraehx  te 
der  Pelsitporpbyr,  dem  felsitisehen  Onar/.traehvte  der  Felsitl'els  und  endlieh  dem 
sphiirolithischen  Quar/tracli\te  cine  i^ewisse  Varietal  des  Felsilpeehsteines,  kurz 
jeder  pelroiiraphische  Habitus  der  einen  Gesteinsreihe  lindel  ebonfalls  in  der 
andei-n  seine  Reprasentanten. 

Der  Ouar/lracliU  isl  /.war  ein  massiges  Gestein,  zuweilen  slelll  sich  jedoch 
in  Foli;e  paralleler  La^erung  der  dUnnen  Sanidintiifolchen  oder  durch 


aiti^e  Abwechsehing  in  der  Besehaflenheil  und  Farbe  der  Grundmasse.  eine 
seliielerigo  Struetur  ein.  Krstoros  isl  namentlieh  bei  den  Quar/.traehxlen  ties 
liaula  Meriies  auf  Island,  lel/leres  am  \or/ili:liehslen  bei  den  <pjar/.traeh\  tisehen 
l.iiM-n  NOIII  Tanpo  See  aid'  Nord  Neu-Seeland  der  Fall.  Audi  siiulenlormige 

Credner,  Elemeute  d.  Qeologie. 


Absonderung    isi    l>ci    \idcn   Quarxtraohyten    in    Drossier   Rcgelmiissigkcii    cnt- 

\\ickcll,    so   .in    tier   llohenburg   bei    Bonn,    ,mi    Itaiila    Bergc,    ;iuf  I'almarola. 

Die  Ouar/lraeli\lc  bcsilzen  cine  niclit  iinbcdcutendc  Verbrcilung .  sind  je- 
docli  als  I. .INCH  unserer  jel/igen  Vulkanc  gar  iiiclil  bckannl.  In  Kuropa  sind 
sic  namentlich  in  Ungarn  ,  Siehenlu'irgen  und  auf  Island,  in  klcincrcm  Maass- 
slabe  auf  den  I.iparischen  und  Pon/a  Inseln  und  nur  sehr  spiirlich  ini  Sieben- 
gebirge  Hoscnau  und  Hohenburg)  verlrelen. 

Untcr  dcni  Naiuon  Doinil  xvordrn  iit»\visse  Quarztrachyte  dcr  Vulkancn- 
kciicl  in  dcr  AiiNcr^no  (nanicnllich  dcr  l'u\  dc  Dome)  aiiiicfillirl .  \\clclic  cine 
iiusscrst  fcinkiirni^',  matte,  iiraulich  \\cisse,  spriidc  (inindinassc  hcsit/cn,  in 
\\clchcr  klcinc  ulasi;l;in/.cndc  Olii^oklasc  und  Sanidinc,  S(»\\ic  hrannc  (Jlinnncr- 
blHUchen,  /u\\cilcn  auch  einxclnc  IIoi-nl)k'ndcsiiulclicn  atisgeschieden  lichen. 

b)    quarzfreic    Sn  n  id  in  L'CS  t  c  i  n  c. 

44.  Tracliyt. 

Her  Trachyt  isl  cine  dcni  Syenit  und  dern  quarzfreien  Porpliyr  analoi;c  Minc- 
iali  t)inl)ination,  nolunlich  ein  (juarzfreies,  \vesenllicH  aus  Sanidin  l>cslclicndcs 
(u'sicin,  zu  wclcheni  Minorale  sich  elwas  Hornblende  und  Glimmer,  in  iicuisscn 
Yarieliiten  auch  Oligoklas  gesellt.  Nach  der  Abwesenheit  oder  (ici:cn\vait  dcs 
Icl/.leren  hat  man  bis  jelzt  unterschieden  a)  Sanidin-Tracliyt,  b;  Sanidin-Oli- 
iioklas-Trachyt. 

Sanidin-Trach'yt,  eine  bald  dichte,  bald  porose ,  graue  Grundmasse 
enthalt  porphyrartig  eingewachsen  rissigen  Sanidin  in  saulenformigen,  ineisl  ahcr 
lafi'llnrmigen  Kryslallen,  daneben  schwarze,  starkgliinzende  Hornblendek  r  \ - 
si  a  lie  in  Sa'ulen-  oder  Nadelform ,  zuweilen  auch  kleine  hexagonale  Glim- 
nierbliillchen.  Die  chemische  Zusanunenselzung  des  SanidintrachUcs  isl 
Iblgende:  Kieselsaure  62 — 63,  —  Thonerde  19,50,  Eisenoxydul  ;>,-^)>  - 

Kalkerde   1,85,    --  Magnesia  0,75,   --  Kali  5,35,   --  Natron  4,83.      Scin  spcci- 
lisdics  Gewicht  schvvankt  urn  2,6. 

Als  zufallige  Gemengtheile  sind  Magneteisenei-z ,  Sodalith  und  Tilanit  zu 
cr\\;ihnen.  Durch  Aufnahnie  von  Quarz  kann  der  SanidintrachU  in  Quarz- 
IrachU  iibcrgchcn.  Die  Verbreitung  der  hierher  gehorigen  Gesteine  ist  cine 
sehr  bcschriinkle.  Sie  setzen  am  Alsberg  in  der  Rhon,  bei  Rahcrtsliauscn  ini 
Grossherzogthum  Hessen,  am  Ml.  Olibano  in  Silditalien  auf  und  sind  als  Ira- 
ch\iisehe  Laven  z.  B.  auf  Ischia  und  als*"vulkanische  Auswiirflingc  (Lesestcinc 
in  dcr  I'limcltung  des  Laacher  Sees  bekannt.  Letztere  sind  ausscnirdcnllich 
rcich  an  zufalligen  Mincralcinschltissen  z.  B.  Hauyn,  Nosean,  Nephelin,  Lcu- 
cit,  Olivin,  Tilanit,  Zirkon,  Korund,  Sapphir,  Spinell  u.  s.  NY. 

Die  Sanidin-OI  igoklas-Trachy  te  bestehen  aus  cincr  lichtgrauen  oder 
rolhlich  grauen  /um  Theil  auch  braunrothcn,  rauhen,  auch  NNohl  poroscn  (Irund- 
niasse  \on  \or\\allcndcm  Oligoklas  und  Sanidin,  soNYic  ctwas  Hornblende,  Mag- 
nesiagliinmer  und  Magneleisenslcinkiirnchcn ,  in  \\clchcr  Kryslallc  NOH  Sanidin 
und  Oligoklas,  auch  (ilinmicrtiifclchcn  und  Hornblcndcsiiulcn  porphyrisch  aus- 
gcschicdcn  siml.  Der  Sanidin  bildcl  zuin  Theil  tafeUtfrmige,  zuin  Theil  siiulcn- 
lormige  Kr\slallc.  Lcl/lci'c  Irclcn  slets  als  cinfachc  lndi\  iducn  auf.  crslcrc 


II.    Petrographische  (ieolo^ie.  07 

I'iisl  durchweg  nach  dem  darlsbader  Gesel/.e  /.u  7\\  illingen  verwaehsen  und  er- 
reichen,  so  am  Draehenl'els.  an  dt-r  IVrlenhardt  im  Siebengebirge  5  bis  10  dm. 
Sic  liegen  /.uweilen  /.crbrnchcn  im  Gesteine,  \\aivn  also  bereils  ausgebildcl. 
als  sich  die  Ilauptmasse  desselben  nocli  in  plaslischem  Zustande  befand. 
Kbendarauf  \\eist  aneh  die  Krsclieinung  Inn,  dass  die  Sanidintafeln  an  manchen 
Loealitiilen  eine  vollkommen  parallele  Anordnung  \\alirnelunen  lassen.  Der 
Oligoklas  hildet  /.\var  meist  kleinere  Krystalle  als  der  Sanidin,  fiber!  ri  111  die- 
sen  aber  an  Menge.  Sehr  hiiufig  ist  dersellie  an  seiner  Z\\  illingsslrcifung  x.n 
erkennen.  \\o  diese  aber  durch  die  rissige  Bcsehall'enheil ,  \\elehe  aneli  den 
Sanidin  aiis/.eiclinet.  \erdeckl  \\ird.  dienen  Farbe ,  Glanz  und  Iliirte  als  nnlei- 
sclieidende  Merkmale :  aueli  die  leiclite  Ver\\  illerharkeil  ist  fdr  den  Oliuoklas 
eliaraklerisliseli.  Kleine  Siiulen  und  /arte  Nadeln  von  sch \\aiver  11  o  rnl)l  e  n  d  e  . 
Scliuppen  oder  Tiilelchen  \on  seli\\ar/.em  oder  braunem  Glimmer  treten  in  der 
Gmndmasse  dor  Mehr/ahl  der  Oligoklas-Sanidin-Trachyle,  \venn  aueh  spiirlich, 
her\or.  In  vielen  der  let/.leren  ist  Tridymil  nicht  allein  als  Ausscheidung 
in  Dnisenriiumen,  sondern  auch  als  Gemengtheil  der  Grundmasse  nachgowiesen. 
Das  l\pische  Miltel  der  ehemisclien  Zusammenset/.niiL'  der  hierherizehorigen  Go- 
steine  is( .  Kieselsiiure  03 — 64,  --  Thoncrde  16 — .18,  —  Eisenoxyd  und  Riscno\\ 
dul  •;.  -  Kalk  2,50,  —  Magnesia  0,85,-  -  -  Kali  3,60,  --  Natron  5,  -  -  Wasser 
'». •"><>  —  -1.  Ihr  specifisches  Gewicht  betrUgt  2,6 — 2,7,  also  elwas  niehr  als  das 
der  SanidintraeliUe.  Als  /ufiilliize  Gemengtlieile  kennt  man  \orxugs\N eis«-  Tita- 
nil,  Apatit,  in  sellenen  1'allen  auch  Granat  und  Augit.  Sanidin-Oligoklas-Tra- 
eli\le  sind  in  dem  Siebengebiriie  (l)rachenfels,  Lohrberg,  KtlhlsbrunncMi),  im 
\\Csler\\alde  .rmgcgend  von  Sellers),  in  Siebenbtirgen  u.  s.  w.  nachgewiesen. 
45.  Phonolith  (Klingstein). 

Der  Phonolilh  ist  cine  dichte,  meist  vb'llig  compacte,  in  frischem  Zustande 
dunkel  griinlich  graue,  vb'llig  quar/freie  Gesleinsmasse,  auf  deren  unebenem,  ins 
SplilleriLie  verlaufendein  Hrnche  jzliin/.ende  Sj)altungsflachen  von  Sanidin  orschei- 
nen.  Das  (ieslein  besit/.t  eine  grosse  Neigung  /u  dUnnplaltenformiger  Absonde- 
runi;  und  iziebl  beim  Schlagen  einen  hellen  Klang  von  sich.  Die  Grundmasse 
der  I'honolillie  ist  ein  lio'ehsl  innigos  (Jemenge  aus  einem  in  Sal/saure  unlos- 
lidien  Feldspatbminerale  Sanidin  und  einer  in  Salzsiiure  xerset/.baren  Subslanx, 
\\elclie  \or\\iegend  aus  Nej)helin ,  sowie  aus  einer  geringen  Menge  eines  /eo- 
lilharligen .  \ielleiclil  aus  Zeiset/nni:  des  Nephelin  hervorgeganirenen  Minerales 
liesiehi.  Das  Mischungsverhaltniss  dieser  Gemengtheile  ist  ein  so  unbestimm- 
les,  dass  die  Ouanlitiil  der  in  Sa'ui'e  loslichen  Mineralelemenle  /\\iseh(Mi  15  und 
•')•")  I'l-oi-ent  der  Gesleinsmasse  sch\\ankl.  In  der  dielilen  (irimdmasse  liegen 
seln-  /ahlrei<-lie  lafelige  Sanidinkrystalle .  hexagonale  I'rismen  \(»n  Ne|)helin, 
sch\\ar/e  Nadeln  \on  Hornblende  ausgeschieden ,  /u  \\elelien  sich  als  /nfallige 
(ienienizllieile  noch  braune,  sechsseiligc*  Glimmerlafelchen,  Magneleisenkiirnelien, 
I'Ni-ileiusprenglinge ,  gelbliche  Tilanilkrxstalle,  in  sehr  sellenen  Fallen  Anuil, 
Hau\n  und  Oligoklas  gesellen  konnen.  Auf  Kliil'len,  in  Hlasen  und  unregel- 
miissig  geslallelen  llohlriiumen  enlliallen  nameiillieh  die  hellfai-big.in  N'ariel.ilcn 
des  Phonolilhes  maneherlei  /eolilliisehe  Mineralien .  /.  B.  dhabasil  .  Xalrolith. 
An.ili-im.  A|)nph\  Mil.  I'erner  Kalkspalli  und  Ihalilh. 

5* 


t,v  II.    |Vtrot;i-;i|>liisclie    (i 

Als  i\|iisches  .Mind  ilcf  chemisehen  ZusammensetziiQg  dor  Phonolithe  hat 
sich  crgeben  :  Kieselsiiuiv  •">'.>.  i<».  -  Thonerde  l(.l. •"><>.  Kisem>\\  d  ii.^iO.  — 

Mangann\\dnl  <>,|.-).  Kalkerde   .',25,  Magnesia  0,70,    -       Kali  <i,oo.    - 

Natron  7.00,  -  \Vasser  I. til),  lln-  miltleres  specilischcs  (ieuiclil  belriigt  :>.">: 
iin  Allgemcincn  niininl  dasselbe  mil  dem  \\achsenden  Anlheil  an  un/ersetxbarer 
Siihstan/  /u.  Vor  dent  Lnlhrohr  schinil/.l  die  Phonolithmasse  y.n  einem  grlln- 
licli  grancn  Glase.  iin  Glaskolbchen  y.eigt  sich  ein  \Vassergelialt.  der  inn  >.» 

grosser  isi.  jc  bedeutender  di»*  ouantiiiii  dcs  /.fdliiliisclicn  Gemengtheiles  1st. 

her  I'lioiiolitli  ht'sit/i  cine  izrossc  Nciiiinii:  /u  dttnnplaUeDfbrmiger,  ja  sdiie- 
loriiit'r  Slniclnr.  uclclu-  naincntlic-li  (lurch  die  parallclc  Anordnunu  der  Sani- 
dinlal'cln  l»cdini:t  scin  dilrflc.  In  dicscr  AushildiniLisNscisc  \sird  cr  als  ritiriil- 
lichcr  odcr  p  1  a  1 1  c  n  fii  r  in  i  izc  r  IMionolith  hc/cichnct.  PorpliNrarlim1  Yarie- 
tiitcn  cnlsU'hcn  aus  dcni  massigen ,  rei-cllos  /crklul'U'tcn  (JcsU-ine,  sohald  in 
dc.sscn  (Iriuidinassc  cin/clnc  irnissrre  Kryslallindis iduen  hervorlrctcn.  TracliNt- 
iihnlich  ncnnl  man  die  licliliiraucn  Phonolilhc  mil  rauher,  elvvas  porOser  Grnnd- 
tiuissc.  \\clcher  dciillich  crkcnnltarc  /.colithischc  Hcstandlhcilc  hciiicmcniit  sind. 
die  sich  aus.sL'rdem  in  Nestern  ndcr  Di'iiscn  ansiicscliieden  hahcn.  -  Die  Pho- 
nolithe  bildcn  mcistens  dom-  odcr  idockenloriniiie  Kuppcn  (homogene  Vulkane), 
sd\\ic  Giinge  von  durclischniltlieli  izerinutM-  Miiehliukcit  nnd  sind  in  dicscr  La- 
L'crnngsform  in  Europa  besonders  iin  ndrdlichcn  Bohmcn  (Marienbei^  l>ci  Aussif:, 
Teplilzer  Schlossbei-g,  Milleschauer),  in  der  Lausitz  Lauschc.  Umbcrii  l»ci  Zittan  . 
iin  Rhdogebirge  (Milsebui^),  im  Hcgau  am  Bodensee  Slaidcn  .  in  der  Auvergne 
ausiicltildcl.  Die  Hanplcruplion  der  Plionolithe  fiillt  in  die  y.\\eile  Ha'lfle  der  Ter- 
liiir/cil.  <ie\visse  La\en  des  Monte  nuovo  und  der  plileizriiischen  Felder  sind 
naeli  ihrer  petFOgraphischen  Ausbildnng  und  chemist-hen  Zusammensetzung  als 
PhonolithlaNcn  /u  he/eichnen. 

Der  N  os  e  a  np  h  o  nol  i  t  h  schliesst  sich  eng  an  die  eigentlichen  Pfaonolithe 
an.  Dersclbc  enlhiilt  in  einer  tlichl  erschcinenden,  tlunkelen,  (lurch  Vei'\\ille- 
ninii  bleichcndcn  phonolithischen  Grundmasse  Krxslalle  von  Sanidin,  Nosean 
und  Leucit.  Der  Nosean  isl  blaugrau  gefiirbt,  l>ildet  mehrciv  Millimeter  i:n>ssc 
Kryslalle,  vselche  auf  dem  Bruche  (lurch  ihre  dodekaedrischen  Unirisse  dcut- 
lich  hervortretcn.  Dei1  Leucil  erschcint  in  Gesiall  /alilloser.  sehr  kleiner,  durch- 
sichtiger,  in  /crset/.lem  Zuslandc  sclincc\\eisser  Kornchen.  Aus  Noseanphonolith 
hestchl  /..  \\.  der  \ulkanischc  Kegel  von  Olbriiek.  der  Burgbcrg  bei  Hicdeii  in 
der  Laacher  (legend,  der  IlohenlNviel  im  liegau. 

c)    IM  a  i:  ink  1  ii  s  LI-  s  1  c  i  n  c. 

46.    Hornbleiide-AmlesH . 

Hornl)lende-Andesite  sind  Gesleine .  \\clche  \or\\  iegend  aus  Oligoklas  und 
llnrnblende  bestehen ,  /u  denen  sich  als  driller  (ienienglheil  (Juar/.  gesellen 
kann.  — cine  den  Diorilen  und  Porp  \riten  analnge  Mineralcombinalioii.  Nach 
der  Ab\\esenlieil  dder  Gcgcn\\arl  des  Ouarxes  unterscheidet  man  t|  u  a  rxfti  li- 
re n  de  und  q  u  a  r/.  I  're  i  e  IIornblcnde-Andesile. 

Una  r/fiihrcndc  II  o  r  n  b  I  e  n  d  e-  A  nd  e  si  t  e  sind  schwiirxliche,  griinlich- 
graue.  braune  oder  dunkclgriine  (iesleine  mil  dichlem  bis  denllich  feinkornigem 


II.     iVlniur.ipliisfhr   (icnl.i-ic  li!» 


Gefiiue.  be.xtehend  aus  Oliuoklas.  Ouarz  mid  Hornblende.  meisl  .uirli  aus  Uimnicr. 
/nvNcilen  isl  der  Onar/  nidi!  sichlbar,  doch  \\eist  der  liohe  Kiesels8uregeha!t 
der  belrefl'enden  Gesleine.  \\elcher  den  des  Oligoklas  iibersteii:!  ,  d;ir;iuf  liin, 
dass  freie  Kieselsanre.  also  Onar/  \orliand(Mi  isl.  AIs  |  \pisehe  miUlcre  Zusain- 
mensei/uni:  crgield  sich  :  Kicsclsiiiire  66,10,  Thonerde  14,80,  -  -  Eisen- 

•  •\\dul   r.,30,    -      Kalk  :>,30,    •       Magnesia   :',tO,   --   Kali    uiul   Natron    i,70,   - 
YVassrr  l>.  .")();  das    niililcrc    spccilisclu-  (ic\\idii    lu-triigt   2,60.     Man   kennt 

dirsrs  (icstciu  aus  SicluMibilriirn     sou.   andrsitisclic  odcr  "ilinslcinarliiic  Ouar/.- 
li-acli\lc  .   L.   B.   b<M   Naizyaii.    fcrnor  aus  Transkaukasicn  und  aus  den 
'Oligoklaslrachyte  \om  Rath's). 

Die  quarzfrcien  H  ornblcnde.-Andesitr  sind  jjraur  his  scli 
dunkelgrUnliche  oder  dunkelbrttunliche  (lasicinc  von  porphyrischem  llahiins. 
In  cincr  fcinkiirniiien,  deutlich  kr\stallinischen,  biswcilen  auch  scheinbar  tlicli- 
Icn.  /inn  Tlicil  fast  glasartiucn  (irnndinassc  lichen  lafclai'lit^c,  incisl  scliiu>r\\«iissc 
odcr  uriinlicli  \\cissc,  iwilliDgSStareifigC!  Oligoklaskrystallo  und  sclmar/o  Siinlcn 
von  llornbU'iult'  al)cr  weder  Sanidin,  noch  Quarz)  ausgeschicden.  Dancbcn 
tiTtcn  MagiioteisenkorncluMi  .  Magncsiagliminerblatlchen,  auch  vvohl  etnas  Angit 
nnd  Titanil,  noch  scltcncr  Olivin  und  Ilauyn  auf.  Mitllcrc  cheinischc  Xnsain- 
incnscl/nni:  :  Kii-sclsiiurc  59,75,  —  Thonerde  17,25,  —  Eisenoxjd  und  Kisonoxydul 
7,57,  —  Kalk  6,00,  -  -  Magnesia  1,30,  --  Kali  3,10,  —  Natron  4,00,  —  Wassci 
1,00.  Spccilischcs  (Ic\\iclit  =2,7  —  2,8.  AIs  Typus  der  quarzfreien  Hornblcndc- 
Andcsiic  konnen  die  Gesteine  der  \Volkenburg  iin  Siebejigebirge  gellen  (Wol- 
kcnl)urg-'Prach\ic  .  Ausserdem  treten  sie  iin  Siebengebirgc  noch  am  Bohci-s- 
halin.  an  den  Scheerkopfon  ,  den  Breibergen  und  mehreren  anderen  Punklcn 
aid:  ei)enso  bei  Kehlberg  in  der  Eifel,  bei  Bannow  in  Mahren,  in  Ungaru  und 
Sicbcnbiirgen  (die  GrUnsleintrachyle  und  grauen  Trachyte  von  Richlhofeirs)  ,  das 
Mullcrgestcin  der  dortigen  edlen  Erzgange. 
1  7  .  Augit-Andesit. 

Dc.1  Aniiit-Andesit  ist  eine  Mineralcombination  von  Augil  und  Oligoklas, 
/ii  dcncn  sich  in  seltenen  Fallen  Quarz  gesellt,  wahrend  die  meistcn  Augil- 
Andcsiic  (|uar/frei  sind. 

Die  quarzfreicn  Augit-  Andc  s  ilc  hcstchcn  aus  ciner  deutlich  fein  kr\- 
slallinischcn  (irundmasse  von  graulich  weisser  oder  rblhlieher  Farbe,  in  uclclicr 
Kr\slallc  odcr  krvslallinische  Korner  von  Oligoklas  und  Augit,  ersterer  in  dllnnen, 
linker  an  cinander  geftlglen  Blaltchen,  lelzercr  in  scharf.  ausgcbildctcn,  gliin/en- 
dcn.  /.inn  I'licil  siiulenfb'rrnigen  Kr\slallindi\iduen,  daneben  vereinzelt  auch  solclu- 
\on  Hornblende  eingewachsen  sind.  Ausserdem  stellen  sich  Magnclciscnci'/.  Mai;- 
nesiaglimmer  nndOlisin  als  zufallige  (Jemengtheilc  ein.  Mittlere  cheinischc  Zn- 
sammcnsct/mit::  Kieselsiiure  57,15,  --  Thonerde  16,10,  —  Kisenoxxdiil  I-'J.OO,— 
Kalk  '),7.'),  —  Magnesia  2.-M,  —  Kali  1,81.  —  Natron  3,88,  —  miltleres  specifischcs 
CK>\\  icht  =  2,8i.  Die  Augit-Andcsilc  besit/.en  dcnmacli  einen  cl\\as  geringeren 
Kicscl.sauregclialt  nnd  ein  elwas  grb'sseres  specilisches  (ic\\ichl  als  die  llorn- 
blend(¥-Andosite.  Sie  sind  namcnllich  unler  den  Laven  des  siid\\cslliclicn  Island 
verbreitet,  auch  vom  Chimbora/zo.  \on  Ti-ncrilla,  Ischia,  Noi'd  \en-Seeland  sind 
\nlkanische  Gesleine  bekannl,  die  hierher  zu  rechnen  sein  diirl'len. 


70  II. 

Al.s  i|iiar/.  l'ii  h  re  nde  A  ug  i  I  -  A  nd  e  s  i  I  e  uenlen  geNN  is.se  Andesile  .nis 
den  sudamerikanischen  Andes  belrachlel  .  deren  KieselsUure-Gehall  'ini  Dureh- 
scliiiitt  (').')  —  (>(')  I'roeenli  den  des  Oligoklases  Ubei \sieigl,  und  domnach  der  Ge- 
geiiNNarl  \(in  Oiiiiiv.  /u/usehreibon  1st. 

Was  die  Ligorungsl'orm  dcr  Aiigit-  and  Ilornblende-Andesile  belrill'l  .  so 
bildon  diese  Gosleinc  in  dcr  Hegel  isolirlr,  kc^rlloi 'iniiic  odcr  douifdniiige  Kii|i- 
pcn  lidiiiKui-iif  Viilkiinc;,  \\clclic  m'Nvohnlicli  rcilicidonnii:  i;rordncl  sind.  Dicsc 
l.,ii;rniiii;s\\cis('  scl/t  u.inizjirli^t1  JhiiTliln-ilclir  Nonius,  N\rlrhr  ;iuc|i  liiiuliL;  /u 
iM-oltiichlcn  sind.  Die  Andesil-Laven  luilKMi  sicli  slronmrtitj  ciyosscn  und  /uin 
Thoil  deokenaiiig  juisgebreitet. 

48.  Trachytpechstein. 

Dor  Trachylpochstein  ist  von  doin  suh  32  hrsrlirichcncn  h-lsilpcclistrm 
NNcdcr  in  srineni  aussoron  Ansehon,  noch  in  seiner  chemist-lien  Xusammen- 
set/unij  /u  unlerseheiden,  desson  pctrographische  Beschreibiini;  deshall*  auch 
fiuf  ihn  aiiN\endl)ar  ist.  Unler  dem  Mikroskopo  jedoch  unlerseheitlen  sieh  heide 
I'et  lisleine  d.idurch,  dass  die  Felsitpechsteinc  felsitische  Ausscheidungen  ,  ahcr 
keine  Heloniic.  -  die  TraeliN Ipechsleine  jedoch  zahllose  Mengcn  von  Boloniten, 
aber  koine  folsilische  .Malerie  in  ihror  glasigcn  Grundmasso  uinschliossen  und 
endlich  keine  Fliissitikoitseinschlilsse  onlhallon.  Neben  den  oft  stroinartitu  an- 
geordneten  Bolonilen  kommen  in  der  lichtgrilnlichen  Glasmasse  vor :  mil  blossom 
Aujio  erkennbaro  Foldspatho  mil  Glaseinschlilssen  und  mil  Glasadern.  NNelche 
von  der  Grundmasse  ausgehen,  --  mikroskopischc  Feldspatho  in  bedetitender 
Menge  mil  sohr  viol  Glaseinschltlssen,  --  mikroskopische  Hornblende-  odor  Au- 
gitsaulen,  -  schwarze  Magneteisenkdrner,  --  zahllose  Dampfporon. 

Island,  Neu-Seeland  und  Centralfrankreich  bergen  die  Bauptvorkpmmnisse 
des  Trachylpechsleines. 

49.  Obsidian. 

Der  Obsidian  ist  ein  vulkanisches  Glas,  eine  glasige  Modification  der  ira- 
cli\ii.schen ,  und  z\var  namentlich  der  kieselsaurereichen  Laven,  eiilsianden 
durch  rasehe  Al)kiihlunu  tier  gluthflttSSigeD  T radix tmasse.  Die  Obsidiaue  bilden 
cine  glasarlige.  slark  glanzentle  Masse  mil .  ausge/eichnel  ipuscheligemBniche,  daher 
mil  scliarlkanligen.  sehneideiitlen  Bmchstttcken.  Hire  Farbe  ist  moist  scli\\.ii7.. 
braun  txler  griinlich.  Nach  ihrom  verschiedenartigen  Geluize  untorschoidon  sich 
lolueiido  Varietiilen  : 

reiner  Obsidian,  vollkommonos  Glas,  anscheinoud  homogon,  jedoch  an- 
geltilll  NOII  mikroskopischen  Kr\slallclieii .  \\elche  parallel  ango«»rdnel  sind  und 
Mikrolliiftiialionsstructur  /oigen:  aussertlem  mil  zahlloson  mikrt)sko[)isclien. 
spil/eilurmigen  Gas-  und  Dampfporen ; 

porpliN  rarl  igor  Obsidian,  in  glasiger  Gruntlmasso  sind  ein/.elne  Sa- 
nidinkorner  odor  -Knstalle  ausgoschieden : 

spha  roli  Ih  is  oho  r  O  bsi  tl  i  a  n,  in  glasiger  (irnnd  masse  liegeii  radial-lase- 
rigo  SpharolithkUgelchen ; 

blasiger  Obsidian,  Obsitlianmasse  mil  /.urn  Thoil  langgeMrocklon  und 
parallel  gelagorlon  Ulaseiiraumen. 


II.    Petrographtscbe  (imln^ir  71 

\ucli  unlei  dein  Mikroskope  crueisl  sieh  der  Ohsiilian  als  cin  echles  Glas, 
inci.sl  schr  reich  an  durchsichligcn  oder  seli\\ar/en,  haaiibriuigen  niikroskopi.selien 
Kfystallausscheidungen  Itelonilen  und  Trielulen  .  \\clclie  nichi  selten  die  pradii- 
vollsle  gewundene  FlurtuatitDtttniOltir  siehe  JKig.  (>;  /cigen.  Namenllidi  h.uiliu 
sind  iii  manchen  Ohsidiancn  seh\\ar/e  Trichile,  \\elche  dann  gebogen,  scharf 
tickzackartig  geknickt,  sohleifenartig  gekrttminl  und  mil  sclmar/en.  solidcn  Kiii-n- 
rlicn  luvsi'l/l  sind.  ndrr  y.u  spinncniihidicluMi  AggTOgaten  /usainincnlrclcn.  IXrhrn 
ilincn  kniniiicn  xahlrciclic  cclilc  Hclonilc  und  niincuartii;  aiisiic/.ackic  larhlosc 
.Mikn>kr\sl,illt>,  so\\i(>  MagneteiseDSteinkOrner  und  (Iliinmor-  odor  Kiscni;lan/- 
l.dclclion  vor.  Dampfporon  sind  im  (ian/cn  in  dcr  Oksidianmassr  nur  scllr-n 
vorhanden,  \\o  sic  abcr  auflrctcn  ,  in  cnoi'inor  An/.alil  aus^cliildcl.  Mcist  sind 
sic  rundlich.  citorini"  odor  an  cinor  Seile  in  cine  Spil/c  aiisi»c/.oi;cn.  In  cincm 
()l>sidiaiic  von  Island  lichen  in  oiner  Ebenc  von  cincm  Quadralmillimctcr 
suit, 000  Poivn. 

Da  die  Ohsidianc  (1  laser  aller  (iliedcr  dor  Trachytfamilie  von  dcm  kicsel- 
s.micrcichslen  his  /uin  kicsclsaurcariustcn  darstcllcn,  so  bowcgl  sich  der 
kicsclsaurciichall  dcrsclhcn  xwisclicn  wcitcn  Grcnzcn  und  schwaiikt  /\vischcn 
(>0  und  70  IVoccnl,  und  ahliau^ii;  davon  das  specifische  Govicht  /\\isclicn  2,5 
und  ;'.:{.  Die  Obsidianc  sind  mil  den  iibrigen  glas-  und  schauniartigen  Alodi- 
licaiioucn  dcr  Tracfaytgesteinfi  durch  Obcrgitnge  cng  verbuinden;  namentlich 
gelirn  kr\slallinisch  kb'rnigc  Lavcn  an  ihrcr  Oberllilche  in  Obsidian  und  dicsci- 
luich  seiner  iiusscrcn  (Ircn/c1  /u  in  Bimsslein  ilber.  Hire  llauptverbrcituni;  lin- 
den die  Oltsidianc  in  den  vulkanischen  Gebieten  dcr  liparischen  Inseln ,  auf 
Island,  ill  Transkaukasien,  Tencrilla,  Neu-Sccland. 
in.  Perlit,  PcrLstein. 

Der  IVrlit  ist  cine  glas-  odcr  cinailarlige  Masse  von  nieist  graublaucr  Kar- 
IHHI-.  \\elehe  aus  laulcr  liirsc-  bis  crbsengrossen,  concenlrisch-schaligen  Kbrnern 
/iisaniiiKMiucsct/.l  isl.  Die  ausserslen  Lamcllcn  der  (Miiander  /unachsl  liciicuden 
korner  sind  mil  einander  verwoben  und  verflossen.  Bei  gewissen  Variclalcn 
der  Perlsteine,  den  spha  roli  ihischen  Perlilen,  Irelen  in  dieser  Grundinasse 
\on  diircliaus  kbrniii-selialiiicni  (Jeftlge  Spharolilhe ,  also  radial-faserige ,  kugelige 
<»dcr  kuolliue  Ausscheidungen  mil  scharfbegnMixlen  Handern  auf.  Andere  Per- 
liUarielalen,  die  Perl  ilporph  y re,  umschliessen  in  einer  echl  perlilischen, 
kuciiiL;  selialigen  (Jj'iindmasse  ki'\stalle  von  Sanidin  und  Glimincr. 

Hci  dcr  mikroskopisehen  rnlcrsucliuiiii  der  eehlen  Perlile  Irelen  naturlieli 
die  DUK  lisehiiiltc  der  concenlrisch-schaligen  Korner  als  eoncenlrischc  Cur\cn 
und  /.war  Krcissc^mente  hcrvor.  Die  ein/.clnen  Sclialen  sind  ge\viilinlicli  gaii/ 
gfeichfarbig.  In  dcr  Perlilmasse  haben  sieli  nun  iihnlich  wie  im  Obsidian  die 
selben  niikrosk(ij)iselu'ii  Kr\slallchen ,  bald  geradc  und  einfaeli  uelnnnle ,  bald 
gabelige,  gekrilmmlc  odcr  ruinenarliu  -c/.aekle  Hclonile ,  bald  scli\var/e  Trichilc 
ausucscliiedcn.  Xuueilen  /iclien  sich  Slrb'mc  dieser  zusainmcniieliiiuflcn  mikro- 
skopiselicn  ki-\sliillehen  in  geradem  odcr  ^ekninuntcin  Verlaufe  (juer  durch  inch 
re  re  bcnachbarle  I'crlilkorncr  hindiirch,  so  dass  augcnscheinlicli  Ausscheidung 
dcr  Mikrolithe  und  sehalenlormige ,  perlilischc  Absonderung  ganz  unabhiingig 
von  einander  vor  sich  gegangen  sind. 


7"2  II.     iVtmui.ipliiM  lie    li 


Dor  kie.selsamvgehall  dor  IVrlilo  schwankl  zwisehen  7(1,  •")'.»  und  K^NO, 
dies  inacht  i>s  \\ahrselioiiilicli,  dass  nur  quarzlracbytisches  Material  y.u  porli- 
tiselier  Ausbildung  i:eeignet  isl.  Das  Ivpiselu-  Miltel  dor  elieiniselion  /usammen- 
sot/.ung  der  IVrlile  isl:  kieselsaure  7:J,  IY.\,  -  Thonerde  U,23,  -  Kisenoxyd 
und  Kiseno\\dul  :>,  i  I  ,  -  Kalk  1,70,  --  Magnesia  0,SO,  --  Kali  mid  Natron 
(>,i:{,  \\asser  1,90.  Speciliselies  Gewiolil  =  2,:J6  l»is  2,'i-'). 

Dcr   I'crlit   hildcl  Slriinic   und   (i.inuc   bci   Sclicinnil/.   und  Tclkchanxa   in  Un- 
iiiirn,    in  den   I'iiiiiancon,   auf  den   I'on/a   Inseln,    in  Mexico. 
5  1  .  Bimsstein. 

Dor  Bimsslrin  isl  cin  scli\vaininiges  oder  schauini^cs  (ilasiicslcin  \on  iiH-isl 
licbtgelblicher  odor  Uqhtgraulicher  Farlto,  o\m>.  (lurch  das  Durchstronu-n  von 
(iascn  oder  Diimpfrn  cnlstandenc  hhisigi'  Obsidian  -Modificalion  und  dcsslialh 
\on  durclisclinialk-h  dcrsolhen  chemise-hen  Xusammenset/uni:  \vie  xum  Theil 
die  kieselsiiurereichen  ,  zum  Theil  die  kicselsiiurearmen  Trachyte,  indem  ihr 
Kieselsaureuchall  zwischen  58  und  74  Procent  schwankt.  Auch  die  eiiienlliche 
Glasmasse  dcr  Bimssleine  ist  angeftlllt  von  Mikrolithcn.  Das  Vorkommcn  des 
Bimssleins  ist  an  die  Vulkanc  gebunden  ,  wo  er  sich  theils  in  Form  loser 
theils  in  Verbindung  mil  Obsidian-  und  Perlitslromcn  lindcl. 


Die  oben  beschriebenen  juugerupliven  Gesteine,  deren  Hauptgemenjilheil 
Sanidin  und  Oligoklas  ist,  pflegte  man  als  Trachyte  zusammen  zu  lasscn 
und  ihncn  die  Basalte  als  zwar  gleichallerige  aber  labradorfiihrende  Gesleins- 
gruppe  gegenilber  zu  slellen.  Es  hat  sich  jedoch  aus  Zirkel's  rnlersuchungen 
iiber  die  Basaltgesteine  herausgestellt,  1)  dass  der  Feldspath  dieser  Gesteine.  wo 
soli  her  Uberbaupt  vorhanden,  kaum  Labrador,  sondern  wahrscheinlich  ein  kicsel- 
siiui'creicherer  Kalknatronfeldspath  (also  Oligoklas)  sein  diirfte;  2)  dass  zahl- 
reiche  Basalte  gar  keinen  Feldspalhgemengtheil,  sondern  an  (lessen  Stelle  Le licit 
oder  Nephelin  aufzuweisen  habeu;  3)  dass  die  Basalte  aphanitische  J-lrslar- 
ninusmodincalioiien  der  grobkornigen  und  feinkbrnigen  Dolerile .  Leucitophyre 
und  Anamesile  sind.  zu  welchen  sie  sich  verhalten  wie  die  Diabas-Aphanite 
zu  dem  kornigen  Diabas,  also  ebenso  wenig  wie  diese  eine  selbstandig«-  Gc- 
steinsspecies  repriisentiren.  Da  ihuen  jedoch  eine  gewisse  geologische  Zusammen- 
geliorigkeil,  eine  fast  vollkommcne  Idenlat  in  ihrem  ausseren  Ansehen,  eine. 
grosse  Aehnlichkeit  in  ihrer  clicniisclicn  Constitution  und  eine  cnge  zeitliche 
Verkniipi'ung  niclit  .abgesprochen  \\erdei\  kann,  lernei-  das  Acusserc  der  hier- 
hergchorigen  (Jesleine  dieselben  leicht  als  Hasalle  serrath,  aber  erst  eingeliende 
mikroskopisehe  I'nlersucliungen  enlscheiden  konnen,  ob  ein  Plagioklas-,  l.eucil- 
oder  Ne|)helin-Basall  \orliegl.  so  \\ird  der  CollecliMiame  Basalt  I'Ur  die  apha- 
iiilisclirii  riagioklas-Dolerilr.  l.euciloph\  re  und  Nephelin-Dolerile  nielil  zu  enl- 
behren  sen. 

K'.  Plagioklu8-l)olerit;  nebsi  Aiiainesit  uiul  Flagioklas-Knsalt. 

Der  I'la^ioklas  -  Doleril  isl  ein  grob-  oder  mitlelkorniges  (iemenge 
son  Iriklinem  Ichlspalhe  und  Augit,  nebsl  \\enigem  Apalil  und  litanhalligem 


II.  iviio^r.ipiiiM'iif  (•(•(.  icuit-  7:'. 


.MagneU'isonerz,  /,ii  woli-hom  sieh  et\\as  kohlensaiires  Kiseno\\dul  und  kohlen 
saurer  K;ilk  y.u  uesellen  pllcucn.  Der  IMauioklas  v\  allot  moist  \or  den  iibrii:on 
Bestandthcileo  stiirk  \or  und  Irill  in  \\eissen  odor  liehtiirauen  ulan/endon  Tafel- 
elien,  dci-  Auuit  in  kuryen  Saulehon  \ou  >eh\\ar/er  odcr  diinkelunlnor  l-'arbe 
iiul'.  Da>  .Maizneleisenery.  erselieint  mrist  staubtormit;  iin  (Jorneuije  \erlheill,  sol- 
lenor  in  siehlbaren  Oetaederii  und  Kbrnern.  Anf  die  (ie^eimarl  von  innig 
n  (];irl»on;itcii  I'mduclcn  dor  ItciiiiUHMiden  ZiM'si't/unui  l;iss(  d;is 
scn  dcs  pulverisirlen  (iesteines  hei  Heh;indlunu  mil  Siiuren  seliliessen. 

Ifikroskopisehe  Untersuohungen  von  Dolei-it-DilnnselililVen  \\iesen  lichtltriinn- 
lielie  AiiLiite,  in  pohirisirtcin  Lichto  praehtvoll  I'jirbii:  ^esli-eit'te  Irikliuc  Feld- 
sp.ilhe,  ferner  hl;isse  Olivin-  und  sehw;irzo  .Ma^iieleiseiier/konuT  und  tMidlieli 
l';irMnse.  diinne,  hexjiuoiude  Niideln  von  Apatit  nach.  Ainorpho  ZNvischensuhsl.in/, 
i>l  niii-  ;iiisn;ilinis\\eise  und  dann  solir  spiirlich  vorhanden. 

Der  I'l.iuiokliis-  Dolerit  niniinl  y.u\\eilen  duivh  das  llervortreten  ein/elner  urb's- 
serei  Kr\si;ille  von"  Augil  odor  Foldspath  aus  deni  sonsl  gietchm^lssigeD  Minc- 
r;ikeineni:e  po  rj>  h  v  rischen,  durch  das  Auftreten  von  Blasenriiunien  mil 
/eolidien  und  Carbonatcn  in  a  ndelstci  narti  gen  Habitus'  an  ;  Doleritlavcn 
uelmren  y.u  den  I^riiptionsproduclen  dcs  Aetna,  Stromboli  und  anderer  Vulkane. 

Mitllere  eliemisehe  Zusamnienselzung  :  Kieselsiiure  50,59,  —  Thonerde  14,  10, 
-  Kixriinxyd  16,02,--  Kalk  --  9,20,  --Magnesia  5,09,   --Kali   1,05   -     .Na- 
iion   .',  H».          \V;isser  1,78,   --  Specifisches  Gewicht:   2,75  —  2,96. 

Die  Kniplionen  der  I'lngioklas-Dolerile  haben  in  dor  Terlia'rzeil  bcgon- 
nen  und  dauern  jetzt  nocli  fort  ;  sic  haben  die  Nebengesteine  gaiiiilonnig 
durehset/.t  und  sieh  entvveder  an  ihrem  Ausbruchsorte  kuppenformig  aul'iiestaul. 
oiler  deeken-  und  stroinartig  ausiiebreitet.  Zu  den  ausgezeichneteslen  Doleril- 
vorkomnien  sind  die  des  Meissners  in  Hessen,  der  Lowenburg  im  Siebenge- 
birue,  des  Hnnkenkiipfehens  in  der  Eifel  zu  ziihlcn.  In  Island  und  Scholtland, 
so\\ie  auf  den  Farber  ist  der  Dolorit  \veit  verbreitel. 

Der  A  H  a  me  si  i  ist  ein  Aggregat  von  tiesteinselementen  des  Plagioklas- 
Doleriles  MID  so  t'einkbrniger  Zusainmenset/.ung,  dass  das  unbe\xa(l'nele  Auue 
z\\ar  ein  krxslalliniseli  kbrniges  Aggregal  von  Mineralindividuen  erkennt,  ohne 
jedoeh  ini  Slande  zu  sein,  die  verschiedenen  Bestandlheile  zu  unlerschnden. 
Die  l-'arbe  der  Anamesite  ist  graulich  oder  braunlieh  sch\varz.  Hire  Besland- 
theile  sind.  \\  ie  p-sagl  .  die  des  Dolerites  ,  also  Plagioklas,  Auiiit,  Magnelei>en- 
erz,  so\Nie  et\\as  Apalil  ,  zu  \\elehen  sieh  melir  oder  minder  haulig  Olivin  ge- 
selll.  /ANisehen  den  kr\stallinisehen  Beslandllieilen  des  Anamesites  liissl  sich 
unter  dem  Mikroskope  einc  amorphe  (irundmasse  und  in  dieser  die  (ietzen\\ar( 
y.alilloser  Trichile  nach\\eisen.  Das  speciliselie  (ie\\iehl  des  (Jesleines  seliuankl 
y.uiseheii  :'.  ~  und  i,S  und  ist  im  Allgeiueinen  et\\as  geringer  als  das  der 
Plagioklas-Basalte.  Die  Anamesile  sind  namenllieli  in  Inland,  Sehollland  und 
Island  \erbreitet.  In  Deulsehland  trill  or  z.  B.  boi  Sleinheim  un\v<'il  llanau 
und  auf  der  Wilhelmshbhe  bei  Cassel  auf. 

Der  IMagioklas-Basal  I  ist  oin  seli\\ary.es.  seln'inbar  diehles  (iestein  mil 
inaltem,  splitteiigem,  iiu  (Irossen  llacli  inuseheliijein  Bruelie.  Ansehoinend  voll- 
konuuen  homogcn,  erucist  es  sieh,  ganz  ab^eselnji  \on  mil  uidteuallnelein 


74  II. 


Mcliibarcu  porplm'ischen  Ausscheidungen  ,  bei  starker  raikfoskopischer 
ycrgrb>seruni:  dcr  Dunnschlille  aus  z\\cil'aclicm  Maleriale  ziisanimengeselzt,  einer- 
sells  iius  iiiikroskopischen  Mineralindividucn  von  Plagioklas,  Augit  uiul  titan- 
haltigcm  oder  reinem  Magneteisenen  iicl)st  Olivin,  s<>\\ie  clwas  .N'ephelm.  anderseils 
iius  eineiii  amorphen  Omeiitc,  welches  die  Zwischenraurne  zwischen  den  indi\i- 
dualisirten  Gemengtheilen  ausfUlll.  Diese  glasarlige  Substanz  der  Basalle  1st  tins 
lU'sidiuiin  dt-s  ui'spriin^liclMMi  BasattmagmaSj  welches  in  amorpheni  Zusl;indr 
zurilckl>liol),  n.ichdcm  sidi  die  iiiif^c/iihlUui  Geinengtheile  kryslallinisch  ansur- 
scliicdcn  li;itt(Mi.  Sit1  ist  enlwedcr  rein  glasi",  halhiilasiu,  odor  cnlszlast.  Die 
i;lasiiic  (irundiuasso  1st  vollkonimen  homogen  ,  besitzt  gelblich  braune  Farbc 
und  \crli;ill  sich  in  polarisirtem  Lichte  \vic  cine  einfach  brechende  Substan/.  : 
in  ha  1  b  g  las  i  gem  Zuslande  erwcist  sic  sich  angcfiillt  von  massenhafteo, 
>ch\\,  iiv.cn  .  mikroskopischen  ,  nadel-  oder  haarfbrmigen  Knstallchen  (Trichilen) 
odcr  scli\\arzen,  scharfbegrenzten  Kornchen.  Die  Trichite  sind  bald  geradc,  bald 
gekriimmt  oder  ge\vunden,  zu\veilen  kculenformig  verdickt  und  biischelig  odcr 
in-l/arlig  angcordnet  oder  baumarlig  verzweigt.  In  entglaslem  Zustandc  be- 
slclit  die  Grundmassc  aus  einem  entvveder  ver\vorrcnen  oder  parallel  faserigcn 
Aui:rcL:alc  inikroskopischer  Kornchen,  Niidelchen,  Ilarchen  und  Krystiillchcn, 
trill  jedoch  den  eigenllichen  Basaltgcnicngtheilen  gegcnilber  als  ganz  abweichende, 
lorrnlich  frenide  Substanz  auf.  Die  Menge  der  amorphen  Grundmasse  sclnvankt 
in  ihrein  Verhallnisse  zu  den  kryslallinischcn  Ausscheidungen  sehr  bedculmd. 
ZiiNveilen  trill  sic  so  zurtlck,  dass  Diinnschlifle  dcs  Basallgcsleines  als  krystallinischc 
Minoralaggregale  erscheinen,  zwischcn  deren  Slrahlcn,  Saulchen  und  Kbrnclicn 
nur  ein  Ilauch  von  (irundmassc  eingcschlossen  isl,  —  odcr  sic  ninnnt  z\\ar 
,ni  .Mcngc  zu,  bleibl  aber  unlergeordnet  und  isl  zwischen  die  Mincralausschei- 
diingcn  zwischengedrangl  ,  endlich  kann  sic  zum  vorwaltcndcn  Bcstandthcile 
der  Basalte  werden;  dann  liegen  die  Krystallausscheidungen  isolirt  in  dersclbcn 
t-inucltcttcl  und  zeigen  dann  nichl  scllen  Fluidalslruclur,  in  Folge  deren  die 
Icislcnforinigen  Feldspathdurchschnille,  die,  langlichen  Augilsaulchcn,  und  schma- 
len  Ncphelinrechlecke  slrcckenweise  parallel  neben  einander  hcrlaufcn  und  sich 
/u  Stiiimen  anordnen,  \\elche  sich  zwischen  grossercn  Kbrnern  von  Augit,  Oli- 
\in  und  .Magneleisenerz  hin  und  herwinden.  (siehe  fig.  7  pag.  29.) 

Das  krsstallinisch  ausgeschiedene  Gesleinsmalerial  dcr  Feldspath-Bas.ilic 
beslchl  aus  vorwaltcnden  triklincn  Feldspalh-  (\vahrschcinlich  Oligoklas-'j 
ki'vslallcn,  wclchc  in  polarisirtem  Lichle  prachlvoll  bunt  gcslrcifl  erscheinen. 
Augiten,  von  welchen  die  grbsseren  gewbhnlich  (lurch  (ilaseinschlUsse  und 
.Magneleisenkiirncr  vcrunreinigl  sind,  --  Olivin  von  griinlich  graucr  Fa'rbung, 
in  sehr  diinnen  SchlilVen  ganz  farblos,  —  Magnet-  und  Tilaneisen  in  schwai- 
zen  Kbrnern,  —  zuweilen  auch  Nephelin  in  farblosen,  ungestreiften  Becht- 
ecken,  --  Apalil  in  langcn.  farblosen  Nadeln,  sehr  sellcn  Leucit  undGlini- 
mer,  nie  aber  Ilauyn  und  Melililh. 

An<  dcr  licschricbenen,  gleicharlig  scheincndcn  Grundinasse  Ircten  bis- 
\\cilcn  pnrph\risch  einges|>rengte  grbssere  Kbrner  und  Krxstalle  von  Plagioklas, 
Audi.  Olivin  und  Magneteiscnerz  her\nr.  I'nter  diesen  ist  der  Olivin  ein  hbchst 
charaktei'islischei-  zufalliger  Gcinenglheil,  er  bildel  glasghin/cinlc.  olgrUne,  mcist 


II        IVIlMiliapllix'llC     (ir.iltPUir  7,"> 


Iroplcnalmliche  konier  und  his  iiber  knpl-ni.sse  rimdliehe,  konu-c  Au 
Der  Oli\in  kommt  /uueilen  in  soldier  .Menuc  im  I'VIdspalhhasalle  \<»r,  d;iss  er 
die  eiuenlliche  Hasallmassc  stiirk  /urilekdriini;!.  Hornblende,  /urn  Theil  in  y.oll- 
-I-OSMMI  Kr\>|,illen  mid  kennllich  ;in  ihren  .sliirk  ulan/enden  Spallun^sll.idien, 
ist  ,ils  /iilalli^cr  (lemcniitheil  nichl  selten. 

Inncrhalh    dcs    dichlen    r'eldspathhasalles   linden    sirh    nichl    scllcn   uiirei;el- 
miissiue   iidcr   hlasenarlii;c   llohlriiumo,    \velche  xuin   Thoil    von   den    \rrschirdcn 
.irliuslcn    Mincr;ilirn  ,    Silicalcn  s(t\\ic    (liirhonalcn  ,    ausi;r!'Ulll    odcr    ans^cklridcl 
siml,   so  \oi7.uus\\cisc  \on   Dcsniin,   Slilhit,   Nalrolitli,    Analciin,   (lhahasil,    Apu 
|ih\llii.    llannoloni,    Kalkspalh,    Arai;onil,    mdlicli   Ouar/.    (ihalccdon,    Ihalith. 

Als    Stnicliir\arict;ilcn     dcs    I'l.i.uioklas-liasallcs    kanu    man    untcrschcidcn 
uc\\dlinlichcn  odcr  dichlon,    |)orph\  rarlii^rn   mil  Ausschciduni;cn   son  Aui;il,    IMa- 
i;ioklas.    llonihlcndc.    niandclslcinartii;cn  mil  Mandeln  und  Neslcrn  von  den  chcn 
.inr-c/alillcn   Mincralicn. 

Als    milllcrc    chcinischc    Xiisainincnscl/.niii;    dcs    IMaiiioklas-Hasallcs    cri;icl»l 
sicli  :  Kicsclsiiurc  i,'),  00,  —  Thoncnlc  14,00,  —  Eiscno\\d  und  Kiscno\\tlul  I5,:{0, 
-   Kalkcnlc  I-',  10,   -     M.c'iicsia  9,10,   --  Kali   1,30,   --  Natron  3,87,  =  =  Wasscr 
1.  30.      Spccilischcs  (Icuichl  =  2,9-3,1. 

Die  meislcn  Pla^ioklas-Basaltc  hrauscn,  \\cnn  man  sic  in  gepuiVertaH]  7>u- 
siandc  mil  Saurc  hciiicssl,  t-nlhaltcn  also  Carbonate.  In  dicsem  Zuslandc  rc- 
|>i-,iscnlircn  sic  das  crslc  Sladium  ilircr  cintrclcndcn  /crscl/.unL:  (lurch  die  At- 
iiKispliiirilicii.  Schrcil<>l  dicsclhc  \\cilcr  fort,  so  resultircn  (lurch  forlfilhrunt; 
eincs  Thcilcs  dcs  Kalkcs,  der  Magnesia,  dcr  Alkalien,  dcs  Kiscno\\duls  und 
dcr  Kicsclsiiurc  \un  Seilcn  im  (Jcslcino  circulinMuler  kohlcnsaurchaltijj;or  VVassei- 
y.uersi  die  |{;isall\\aekcn  und  als  Icl/los  Stadium  dieses  Vorganges,  t;c\\  isscr- 
massen  als  Hesiduum  dieses  Auslaii-eprocesscs,  die  hasaltischen  Thono 
oder  \Vaek  e  n  ih  one,  wclchc  sich  dcr  Ilauplsache  nach  als  \\asserhalliiie  Thon- 
ei-dcsilicale  er\\eiscn.  Diesc  Itasallwarken  sind  schcinhar  cinfaehe,  diehle  oder 
ridi-e  .Masscn  \un  unrein  uriinlieh  t-raucr  bis  briiunlich  sch\var/,er  FiirlMinjjf. 
Sic  sind  mildc  und  \\eich,  ^elien  beim  Anhauchen  eincn  llioni^cn  (ienirh  und 
iinisehliesscn  einerseils  (iliininerblaUchen,  Aui;it  und  llornblendciki'sslalle.  souie 
MajAneleisensleiiikonier,  aiidcrcrscils  Ilohlriiume,  \\elelic  (lurch  nianehcrlci  /eo- 
lilhe  und  (larhnnate  au.s^dnlll  sind. 

In  enusler  Verbinduni;  mil  den  bcsehriebenen  I'lajiioklas-Basalten  slehen 
/.ihlreiche  hasallisch<-  |.a\cn.  In  pelniuraphischcr  Kc/.iehuni;  stimmcn  beide 
/.urn  Theil  so  \ollkiMiimen  ilbcrcin,  dass  nur  der  cr\\eisliehc  /usaiimienhaiiL; 
mil  einem  Stralo\  ulkanc  als  enlschcidcnd  filr  die  ciicenlliche  l,a\anatur  licllcn 
kann.  Die  Hasaltla\cn  besil/.cn  an  der  Ohei'lliiche  dcr  Slrome  fast  durcliLiiin.uii; 
cine  sehl;iekii:e.  piirn>e  Aiisbildnni:s\\cise,  \\iihrend  die  inncren  Theile  der 
Slruine  cine  \olli-  coni|)aele,  sli-iiuirliue  Ueseliall'enheil  /.eii;en. 

Die  Uageruogjrformen  des  I'hmioklas-Hasallcs  sind  dieselbeii.  \\ie  die  der 
bercils  besprocbenei)  juniicrupliNen  <iesleine.  Kr  trill  in  Kup|)en  (homouenen 
Vulkanen  ,  (liin^cn,  Slromen  und  Decken  auf.  Lel/.lcre  sind  x.uweilen  in  viel- 
facher  WiederholuDg  Uber  einander  i;elai;ert  und  bilden  dann  formliehc  hori- 
/onlale  Sehichlcn-Sxslcme.  Ks  isl  dies  namenllich  in  Island  und  aid  den  sehol- 


7(i  II.   Petrbgraphische 

tiseheii   luseln   dcr    Fall.      An   sehr    \ielen    Punklen    seines    yorkonimens    besitzt 
der   Basalt  cine  aiisgc/eiclmet   regelmassige,   saulcnfbrmigc  oder  kugcligc  Abson- 

derung. 

Die  Kruptionen  dcr  Plagioklas-Basalle  fallen  ihrcr  Mehrzahl  nach  in  die 
Terliarzeit,  daucrn  aber  and)  in  dcr  Jet/lzeit  noch  fort.  Sic  haben  die  \\ei- 
Icslc  ycrbreilung  von  alien  basallischen  Gesteinen.  Zu  ihnen  gehbren  die  mei- 
slcn  BasaltduivlibrUclie  dec  Rlicinlande  (z.  B.  Wcilberg,  Oelberg  im  Siebcniie- 
birge,  (lasscler  Ley,  Unkel ,  Leiberg,  Minderberg,  —  Landskron ,  Ntlrnberg  in 
der  Eifel) ,  so\vic  1  lessens  (Stillberg,  Bausberg  im  Habichlswalde),  ferner  \icle 
bbhniische  (z.  B.  bohmisch  Leipa,  Walsch),  endlich  alle  Basalte  ^Scholllands 
und  der  llebriden.  Von  hierher  gehorigen  Laven  sind  die  des  Aetna  and  die 
Basalt  la  ven  der  Auvergne  zu  erwahnen. 
53.  Nephelindolerit  und  Nephelinbasalt. 

Der  Nephelindolerit  ist  ein  krystallinisch  korniges  Aggregat  von  Ne- 
phelin.  Augit  und  etwas  Magneteisenerz.  Der  grilnliche,  graue  oder  gelbliche 
Nephelin  ist  meist  in  krystallinischen  Kornern,  bisweilen  in  deutlich  hexa- 
gonalen  Siiulcn  ausgebildet  und  an  seinem  muscheligen  Bruche,  seinem  Felt- 
glanze  und  seiner  Zerselzbarkeit  in  Salzsaure  zu  erkennen.  Der  Augit  ist 
sch\varz  und  gewohnlich  in  Krystallen  ausgebildet.  Das  Magneteisenerz  er- 
scheint  in  sehr  feinen  bis  erbsengrossen  Kornern  oder  Octaedern.  Das  Gestein  ist 
theils  grobkornig,  theils  feinkornig  und  zeigt  bald  den  Nephelin,  bald  den  Augil 
als  vonvaltenden  Bestandtheil.  Von  zufalligen  Gemengtheilen  kennt  man  Apatil 
in  \\eissen,  dilnnen  Saulen  und  Nadeln,  Olivin,  Titanit,  Nosean  und  in  s(  1- 
lenen  Fallen  Sanidin.  Der  typische  Nephelindolerit  ist  in  Deutschland  an  /.wei 
Localitaten  aufgeschlossen ,  am  Katzenbuckel  im  Odenwalde  und  am  Lb'bauer 
Berge  in  der  Oberlausitz.  Am  Katzenbuckel  treten  sowohl  fb'rmlich  granitarlige. 
wie  porphyrartige  Varietaten  des  Nephelindolerites  auf.  In  letzterem  Falle 
\vird  das  Gestein  hochst  feinkornig.  zeigt  bei  mikroskopischer  Untersuchung 
ausgezeichnete  Mikrofluidalstructur  und  umschliesst  grossere  Nephelin-  und  No- 
seankrystalle.  Der  Nephelindolerit  von  Lbbau  ist  zum  Theil  gleichmassig  kbrnig 
a  us  Nephelin  und  Augit  gebildet  und  enthalt  zwischen  diesen  Kornern  eine 
amorphe,  graugrilne  Substanz,  welche  bei  starker  Vergrbsserung  Mikrofluidal- 
structur aufweist.  An  diese  Gesteine  reiht  sich  das  venvandte,  aber  neben 
Nephelin  und  Augit  Leucit,  Feldspath  und  Sodalith  fiihrende  Geslein  von  Mei- 
ches  in  Hessen  und  endlich  die  Nephelindoleritvarictat  von  Oberbergeti  am 
Kaiserstuhl  an,  welche  ein  kbrniges  Aggregat  von  Nephelin.  Augit,  Nosean. 
Magneleisenerz,  Plagioklas ,  Sanidin,  Melanit  und  Apalit  ist  und  hier  und  da 
kleinc  Parlien  von  glasiger  Zwischensul)slanz  umschliesst. 

Der  Nephelinbasalt  ist  eine  schwarze ,  dichte ,  zahe  Gesleinsmasse. 
\velchc  sich  in  ihrem  Ausseren  (lurch  Nichts  von  dem  Plagioklas-Basalte  unler- 
scheiden  liisst.  Unter  dem  Mikroskope  zcrfallt  die  anseheinend  homoucne  Ba- 
saltmasse  in  ein  feinkbrniges  Aggregat  von  Nephelin,  Augit.  Olivin  und  Magnel- 
(Mscncrx.  neben  \\elchen  sich  auch  elvvas  Plagioklas  und  Lcueil.  endlieh  kleine 
Blattehen  \on  Magncsiaglimmer  und  Saulchen  \on  Apatit  eiiislellen  kbnnen. 
(llasartigc  X\\  isehensubstanz,  welche  einen  so  \vesenlliehcn  Anlheil  an  dcr  Zu- 


II.  Petrographische  (ifolo^ic.  77 

samiiirnsrt/ung  des   PlagioUas-Basalte   nimml,    spielt   bei  den   NVplielin-Basallen 
iiur  eine  hiielisi  untergeordnete  Rolle,  olme  dass  ihr  Vorfcomraeo  innerhalb  der 

Irl/leren   giin/lieh    ausgfschlosscii    1st. 

Als  miltlerc  ehemischc  ZusammensetXUDg  der  Xephelinbasalle  ergiebt  sich  : 
Kieselsaure    'i'-\. '•'>•>.         Thonerde    Ml. .'in.      -   Kisenoxyd   und    Kisenoxydul    11,20, 
-  Kalk  10,62,  --  Magnesia  4,:{">.         Kali  1,95,  —  Natron  5,40,  —  Wasser2,f>8, 
Specilischrs  (i.-ui.-ht    e,9 — 3,1. 

Porph\risch  \\ird  der  Nephelin-Basalt,  \\CIHI  aus  dem  dichten  (ICIIUMI^C 
cin/cliu1  Lii'iis.sfi-f  Nepfaelinkrystalle  lu'i-Nortivlon.  Audi  Idasiiic  und  mandcl- 
sU'inar(ii!c  VaritMatrn,  SO\N  it'  Ncphclin  -  Hasalt-  La\  t'li  koinincn  vor,  lei/err  na- 
nuMitlicli  in  der  Um^clmni;  dcs  Laac-lici'  Sees  und  in  drr  Kifrl.  Sit'  zoiclinen 
sich  dmvli  ilin-n  Mcii-lilliuin  an  Melilitli  und  die  helfiichtliclu'  Ht'ini(Mi!;un^  \  on 
MaiiNii  aus  l.a\aslroiu  Mini  Nicdeniicndiii.  des  JJellerluM-jj;,  llochsiinmer.) 

Die  Nephelin-Hasalte  ei'reiehen  /\var  nicht  die  VeVbreitung  der  Plaiiioklas- 
Basalte.  sind  jedoeli  noeh  hiiufiger  als  die  Keueil-Hasalte  und  naehiiesviescn  an 
der  IMlastrrkaule  ini  Thiirini-er  \\ahle  ,  Kohlbacli  Jiei  Bayreulli' ,  .loaeliiins- 
tlial,  Speelilshausen,  Seheiheidierg  (Erzgebirge) ,  Kosakovv,  Tichhmil/  lioliini.sche.s 
MillrL'eliirirc'  .  Kaltennordlieiin  (HhOn) ,  Sinsheini  Baden)  ,  Auerbach  (Beri:- 
slrasse  u.  a.  0.  Hire  Eruption  ftillt  in  die  Terliar-  und  Posttertiar-Periode : 
sit>  hilden  I,a\aslriinit'.  (i.inuc  und  isolirte  Kuppen. 
ii.  Leiicifophyr  und  Leucitbasalt. 

Der  l.cuciloph\r  oder  Leueilporplixr  ist  ein  krystalliniseh  kb'rniges  Aiigivgat 
von  I. eucit,  Auirit  und  Majineleisen,  zu  welehen  siclj  Neplielin,  Olivin  und  (iliin- 
nier  in  ijerinijen  Mengen  iieselien.  Diese  Mineralien  bilden  eine  aiiseheineml 
diclile.  mil  dein  noch  /.u  besehreibenden  Leucitbasalle  identische,  aseligrnue  bis 
riidilich  iirauo  Grundinasse,  in  \velcher  rinjis  ausgebildete  erbsen-  l>is  liasel- 
nnssurosse  I.eucilki-xstalle  von  izraulich-weisser  Fai-be,  sowie  seli\var/e  oder 
dunkelgrUne  Auuilkr\slalle.  lu«ir  und  da  auch  weisse,  gla'nzende  Nephelinsaulelien 
einiie\\aehsen  sind.  Die  Leueilkrystalle  des  Leucitophyres  umschliessen  in  ihrer 
Masse  kleine  Sclilackenkorner  oder  siiidenforinige  Augitkrystiiliehen,  so  die  von 
Ci\ita  an  der  Tiber  und  von  Rieden  bei  Laach.  An  lel/,tgenannter  Localitiil 
[rill  auch  Nosean  als  svesentlieher  Gemengtheil  der  Leucitoph\re  auf.  Kr  er- 
sclieini  in  schwiiry.licli-iirauen,  durch  Verwitterung  hellgrauen  Granatoydern  von 
I — 5  Mm.  Grb'sse  neben  Angil-  und  I.eucitkrystallen  in  einer  feinkbniigen  (iruntl- 
massc  BUSgeschieden.  Die  Leucitophyre  sind  lianplsaehlieh  an  die  neueren  Vul- 
kane  llaliens  gfbnnden  und  nanientlieh  im  Albaner  (Jebirge  und  am  Vesus 
\eilireitct.  Doeli  erseheiiien  dieselben  auch  als  lose  Blocke  irn  Tuff,  sowie  au- 
steheiid  in  der  rmgegend  des  Laacher  See's.  Auf  das  Vorkomnien  von  Leu- 
ciUiphsreu  im  Kr/tzebirtie,  \velehe  augenselieinlich  in  naher  Be/iehung  '/.u  den 
dorligen  l.i-ucitliasallen  slehen  miissen,  \\t-isen  die  2 — S  Cm.  grossen  P.sciidonior- 
phosen  naeli  I. eucitki  \stallen  hin,  als  deren  Fundort  Bb'limisch-  Wiesenlhal  l»e- 
kanul  ist. 

Als  mitllere  chcinisfhe  Xusaminensel/.ung  der  Leueitophx  re  ergiebt  sich: 
Kieselsiiuiv  iH,88,  —  Thonerde  19,50,  --  Kisenoxyd  und  -oxydul  9,24,  —  Kalk 
S.SC..  Magnesia  1.90,  —  Kali  f>,:>2,  Natron  4,36,  —Spec.  Gewicht  2,5—2,9. 


Der  I. cu  ci  I  basa  It  ist  ein  schwa  rzes,  scheinbar  dichtcs  Geslein.  welches 
in  seinem  Ausseren  \nn  dem  1'lagioklas-  und  Nephefinbasalt  niclit  y.u  unler- 
seheiden  ist.  Krsl  aus  der  mikrnskopischen  lTnlersuchung  gehl  ihre  Versehie- 
denarligkeit  hervor.  tTntcr  dem  Mikroskope  erueisen  sich  die  Leucitbasalte 
f.isl  dureliweg  ;ils  gleiehmHssig  feinkornig  atlSgebiMet,  die  amnrphe  glasige  Grund- 
m.iNM'.  \\clchc  bei  den  I'lagioklasbasallen  cine  so  wichtigc  Rolle  spit-It,  ist  bei- 
nahe  Nollkoiiiinen  yersrli\Miiulen.  Das  l.riicithasalliiiaizina  ist  dciunarh  in  \oll- 
StShdigerer  NVcise  als  |>ci  den  l;eldspalhhasalten  und  x\\ar  anf  Kosten  der  anior- 
plien  Suhstany.  y.ur  ki'Nslallinischen  Atisbildung  izelan^l.  Die  niikroknslallini- 
schen  (Jeineiii'theile  des  (\pisclien  l.ciicilliasaltes  sind  Leucit,  Augit,  Olixin  mid 
MagneteiseneTZ,  \vo/u  sich  eine  L:ei:eii  den  \or\\allenden  I.eiicit  stets  /uriiek- 
tretende  Menge  von  Nephelin  gesellt.  Die  Leucilhasalle  sind  pe\\i)lmlirli  \oll- 
koininen  feldsj)athfrei,  Glimmer  tritt  in  niikroskopischen  Bliittchen  ein.  ebenso 
hior  und  da  Melililh. 

In  mikroskopisch  untersuchten  DilnnschlifTen  trill  der  Leucit  durch  die 
chai-aktcM'istische  aehtseilige  Umgi*en/ung  seiner  Krystalldurchschnitte  und  die 
einfache  Strahlenhrecliung  seiner  fnrl)losen  Subslan/  hervor,  y.eiclmet  sich  alte-r 
ausserdem  nocli  durcli  die  Eigenthilniliclikeit  aus,  freindartiiie  (Ani;it-'  Niidel- 
ehen  und  (Schlacken-)  Kornchen  in  grosser  Menge  zu  umhiillen  und  sic  x.n 
zwingen,  sich  innerhall)  seiner  Masse  zu  einem  centralen  Haufchen  oder  in  Zo- 
nen  zu  gruppiren,  deren  Durchschnitt  ebenfalls  achtseitiiz  oder  rundlicli  isl 
(siehe  Fig.  1  pag.  26). 

Uber  die  Strnctur  und  Lagerungsverliiillnisse  des  Leucitbasaltes  gill  das- 
selbe,  was  in  dieser  Beziehung  iilier  die  Feldspathbasidte  gesagt  worden  ist. 
Illtenso  \vie  diese  konnen  auch  die  Leucilbasalte  durch  Annahme  cines  grolie- 
ren  Kornes  doleritiihnliches  Aussehen  (z.  B.  bei  Gross-Priesen  umveit  Aussig  . 
sd\\ie  durch  das  Auftreten  grosserer,  krystallinischer  Ausscheidungen,  porph\r- 
arlim-n  Habitus  erlangen.  Verliert  der  Leucit  seine  mikroskopische  Kleinlieit 
und  erscheint  er  in  grosseren  Krystallen  innerhall)  der  dichlcn  Basallgrund- 
masse,  so  entsteht  Leucitophyr. 

Die  Verbreilung  der  echlen  Leucitbasalte  ist,  soweit  bis  jelzl  ermittell. 
eine  sehr  beschriinkte.  Dieselben  sind  nacligewiesen  bei  Schackau  Hliiin  .  bei 
Sidlpen,  an  der  Geisinger  Kuppe,  am  Pohlberg  (Erzgebirge),  bei  Tichlo\\  it/,, 
am  (isllichen  Abhange  des  Milleschauer.  bei  Boltueil  (Kaiserstuhl)  ,  an  der 
Stopl'elskuppe  (Thiiringer  Wald). 

Xu  den  Leucitbasalten  gehiiren  auch  die  basaltischen  Laven  der  rmgegend 
des  Laacher  Sees  und  zuin  Theil  auch  diejenigen  der  benachbarten  \ulkani- 
schen  Kilel.  Hire  llauplgemengtheile  sind  unzweifelhafl  Augit  und  Leucit,  einige 
derselben  zeiclmen  sich  durch  einen  grosseren  (iehall  an  Melililh.  andere  durch 
Beimengungen  von  Ilauyn  aus.  Krslerer  bildel  niclit  nur  einen  Reslandlheil 
der  Grundmasse  selbsl,  sondern  ist  auch  in  den  I'oren  und  an  den  \\andun- 
gen  dei-  Blaseni'iiume  auskryslallisirl  'llercheidierg.  Mannebacher  l.e\  am  l.aacher 
See,  (]apo  di  Bn\e  bei  Bom  . 

...  Tacliylyt. 

Tach\l\l    isl    cine   sch\\ai/e.  daMge.    obsidianai  li^e  Modilication   der  Ba- 


II.   Petrographische  ticolo-ii-.  1\) 

saltgesteine,  \\elche  sicli  namenllich  nalie  an  den  BegrenzUDgsflttcheil  gangarliger 
Vorkoiimirn  MID  t'einkiirnigen  Hasallen  aui' Island  uiul  Arran,  ferner  als  (ilas- 
krusle  an  den  Innenwiinden  \on  Blasenraumcn  so\\ie  in  Gestalt  ncslarliger 
Kinschlilsse  iin  Basalle  /.  H.  des  Vogelsgehirgcs  und  von  Dransfcld  lindet.  Bei 
mikroskopischer  rnlersuchung  /eigen  DiinnschlilVe  dcs  Taeh\  l\  les  in  der  dunkel- 
hrauiUMi,  glasigen  Grundmasse  ausserordentlich  /.ierliehe,  sdiwar/c,  farnwcdel- 
iihnliclif  Anhiinfunizcn  von  srliwar/hraimcn,  nindlichcn  Kornclicn  und  spil/.cn 
Kcilclicn,  so\vio  Massizriliu1,  ladcnfiinniizt',  au^itisclic  Mikrolithc,  aucli  \\ohl  \rr- 
cin/.t'llc  .MaLiiiclfist'nkiinicr,  Ncphclin-  und  Auiiitkr\slallo. 

Feldspattlfreie,   massive.   jj;cincngtt'   krxslallinisclic  (icslcinc. 

(ireiseu. 

DI-I-  (JrcisiMi  ist  fin  kornigos  Aiztircuat  von  vorwallcndcin  heligrauero  Onar/.c 
und  \\rissnn.  lii'aucin,  lielhlicluMU  odor  turiiulirlu'in  (JliinnuM*  (moist  Lilhion- 
gliinincr  .  -  cine  feldspatblreia  Modification  des  Granites,  in  \vclchcn  or  duiich 
Aufnalnnc  von  Fcldspatli  slellenweise  wirklicl)  ill)er^ehl.  Als  wichliiislcr  seiner 
y.ufiilliuen  Geroengtheile  tritt  Zinnstein  zuweilen  feineingesprongt  auf,  welcher 
ausseideni  den  Greisen  in  GiJngen  und  Schntlren  durchsetzt  (ZinuwaM  ini  Kr/- 
izeltii^e,  Schlarkt  n\\ald  in  Bohinen,  Cornwall,  Banka).  Der  Greisen  l)ildet Slb'eke 
iin  (Iranil.  ist  ein  inassiges  (leslein  ohne  Spur  von  Schiclitunii,  dahingeg9D  mil 
unregelmftssig  poly^drisoher  Zerkluflung. 

Mil  dem  Greisen  nalie  verwandt  und  vvie  dieser  durch  rehergiinge  eni: 
init  dem  (Iranite  verhunden  isl  das  Z w i tie rge stein  (StockNvei'ksporphyr), 
\\elclies  aus  einer  feinkornigen  his  dichlen,  eisenschQssigen,  (|iiar/igen  Grund- 
iiiass«i  l»esicli(,  aus  welcher  Clilorilschuppen  und  ein/elne  Quar/.korner  hervor- 
ireicn  und  die  von  Arsenkies  und  Zinnsleinkornchen  impriignirl  ist.  (Alten- 
Ix-rii  iin  Jiiv.i:el»iri:e. 

Turinaliiifels  (Schorlfels). 

Dec  Tiinnalinfels  ist  ein  Aggregal  von  graulieli  weissen  Quar/kornern  und 
scli\\ar/en  Tunnalinkiirnern  oder-Nadeln  mil  schieferigem,  dichlem  oder  kornigein 
Gefllge.  Unter  seinen  /nfalligen  GemengtkeHen  sind  Zinnerz,  Arsenkies,  Topas 
und  Glimmer  hervor/uliehen.  Mil  dem  Granite  ist  der  Tiinnalinfels  durch 
Iin  inalintiilirende  GranitvarieUilen  und  durch  orlhoklasfilhrenden  Turmalinfels 
eogverknttpft  und  hildel  gewohnlich  die  a'usserste  Umgren/unt;  der  lurmaliii- 
nihrenden  Granite,  kann  aber  au(;h  selhslaiiilig,  slock-  und  ganglormig  andere 
Gesleine  dnrchset/.en.  iConnvall,  Kibensloek  iin  l-lr/gebirge.) 
tt  Eklogit.  (Omphacilfels.) 

Der  l'<klogil  isl  ein  kiirniges  oder  porpli\  risches  Aggregal  von  grasgrilnein 
Smaragdit  oder  von  Omphacit  und  rolhem  Granal,  /u  welehem  sicli  als 
/ufallige  Gemengtheile  blauer  Cyanil,  \\eisser  dimmer,  Hornblende,  Magnet- 
eiseneiv.  u.  a.  gesellen  konnen.  V.r  bildel  slockarlige  I'arlien  in  (ineiss  und 
GKmmerscbiefer  und  isl  sehr  geuolmlieli  mil  Serpentin  N^ergesellsehal'lel.  bei 
.Milnehberg  im  Fichtelgebirge.  an  der  Saualp  in  Steiermark,  bei  Waldheini  irn 
GFaouHtgekiffge. 


SO  II.    IVlrni<r;i|>liisrlii' 

5!).   (JraiiatfVK. 

DIM-    Gamaliels    isl    ein     kryslalliniseh    kiirniges    Gemenge    \on     meist     vor- 

herrseliendem.  braunem  oder  gelblichem  Granal  and  dunkeler.  Hornblende, 

/.u    \\elehen   sich   gevNolinlirli    nodi   .Magin-lrisenslein    iieselll.      Kr    Iritl    nur    selir 
unlergeordnel   in   unregelmiissigen    Kinlagerungen    und   Giingen   mil'.       /.     II.     bei 

Schwanenberg,   Berggieshiibei,   Bhrenfriedersdorf  in  Sadism;   bei  Joachimsthal  . 

Hires  ausserordeatlich  beSOfalUnkten  Vorkoinincns  NNCLTII  kiimifn  liicr  nur 
kur/  crwiihiit  \\«'i-(lfii  : 

Kinzii>it,  ein  krystaUinisehes  Aggregal  \<in  srlmawm  GlinnntT,  (iranat 
und  Oligoklas  (Schwarxwald,  OdcnNMild. 

Cordicri  tl'ols  (Dicbroitfels),  A^iviMt  \dii  hVldspatti,  Conlierit,  Granat 
iiinl  ft\\as  <Jliiiinit'r  Krifhsifin  im  Granulitgebifge  . 

Du  nil,  ein  knstalliniscli  kiirui^cs  ALiiin^al  von  lielhttrUniMi  Ulivinkornern 
mil  (iliroiiKMscnslt'in-OctatMlcrn  (Neu-Seeland). 

Lhcr/ol  i  t  li ,  ein  kornigos  bis  dichtes  Aggregdl  von  vorwaltendem  grunena 
Olisin,  und  graulich  brauncm  Knslalit.  EMnvie smaragdglHoem  Diopsid  Pxivnaen, 
Nassau). 

Kulysil,  ein  Ai^grecat  von  vorwaltendem  Olivin,  so\vie  »rQnein  Auait  und 
hraunrotlifin  (iranat  (Tunabera;  in  Sch^eden). 

-2.  Alithfilung  (der  gemeneten  krystallinisohen  Gesteine).     Geschichtete  Gesteine. 

60.  Gneiss. 

Der  (ineiss  ist  ein  (laseriges  bis  schieferiges  Aggregat  von  Orthoklas  und 
zuin  Theil  Oligoklas),  Quarz  und  Glimmer.  Ks  sind  dies  die'  Gemengtheile  des 
(iraniles,  so  dass  sicli  beide  Gesteine  nur  durch  ihre  Structur  unlerscheiden. 
1'eber  die  Gemenglheile  des  Gneisses  gilt  daher  dasselbe.  was  ilber  die  des 
Granites  sub  28  gesagt  wurde. 

Die  Structur  des  normalen  (ineisses  ist  zwar  MHV.ugsNNeise  eine  (laseriue. 
ist  jedocli  je  naeh  der  Menge  des  in  ihm  enthaltenen,  die  Schieferiukeit  und  die 
gesammte  Farallelstructur  bedingenden  Glimmers  Niellaehen  Modilic-ationen  unter- 
\\orlen.  Naeh  diesen  unterscheidet  man: 

Gemeinen  oder  ge\\  ii  li  n  I  iehe  n  Gneiss,  der  Glimmer  bildel  ein/elne 
Schappige  I.amellen,  welclie  /.iemlieli  parallel  /wisehen  den  l.agen  son  kiiniip'iii 
I'eldspalh-Ouarx-Gemenge  liegen . 

Flaserigen  Gneiss,  das  kornige  (iemenge  von  Feldspalh  und  Quaiv. 
hildet  lauler  einzelne,  unregelmiissig  linsenfiirmige  Parlien.  an  \\elehe  sieli 
dUnne  Lamellen  von  Glimmer  anschmiegen.  so  dass  sie  aul'  dem  Qnerfaruoiw 
als  wellig  gebogene  Linien  erseheinen ,  deren  Undiilationen  rtellenweise  /.u 
gegenseitiger  Bertlhrung  geiangen.  \\iilirend  man  auf  den  Spaltunizslliielien  nur 
die  (ilimmerlagen  gewahrt. 

Schiel'erigen  Gneiss,  der  Glimmer  bildet  /.usaininenliiiiiueiide.  diinne 
parallele.  elxMilliirhliehe  Lamellen,  \\cldie  die  ein/.elnen  Lagen  \on  korniger 
Pekispath-Quarzinasse  trennen. 

(i  ranit-G  neiss.    mil  nur  iindeullich  flasei-iuer  oder  schieferieer  Slrudur. 


II.    IVlru-iMpliischi-    tu-uldiiie.  81 

I.. i  .u  c  ni;  no  iss,  aus  aim  ediselndeii  ijinimrnvidien  und  ulimmerarmon 
Liiit'ii  Itestehend. 

Cor  nubia  nit,  ein  diehtes.  korniu  sdmppiues  (iemenire  tier  (ineisshesland- 
Iheile,  (lessen  I'arallelslruelur  iiur  noch  an  der  lai;en\\eise  ah\\  echselnden  Farlie 
mid  G rosso  des  Korncs  /.ii  erkennon  ist. 

Sta  nueluneiss,  die  Gemeni:tlieilo  sind  in  dor  Sdiicferun^sebone  n.icli 
eincr  Hichluni:  sl;ini:eliiz  aniioordnel  (izeslreckl) . 

PorphyrartigeD   Gneiss,    aus  dem  sdiioforiuen  Gemeniio  trelon  ciny.einc 
i:rosse  Oi-llioklas-lndividucn    jxii'pliN  I'iscli    hcrvoi1.      /ii\Ncilcn    iifhnicn    sic    cincn 
linseDlbrmigeD    I'mriss    an.     \\ahrcnd    sic'h  die  GlinHnci-hliiltclifii   NNcllii:  an   die 
sclhcn   anscbmiegen  j    man   ncnnl   dicsc   Vai'icliil   A  n  ^c  n  ii  n  c  i  ss. 

An  /ul'iilli^cn  Gemengtheile^  ist  der  Gneiss  selu1  n-irli ;  unler  ihnen  sind 
hervorzuhebcn :  (iraphit,  (iranat,  Tunnalin,  Epidot,  Zirkon.  Ilornl)lende,  (ihlorit. 
Apalit.  Eisenglimmer,  Mauneloisenerz  und  Schwefelkies.  Die  heiden  lel/ii:e- 
nannlen  l;.r/e  Irelen  liiiulii;  jils  Impriiiinationen,  ^o\\issennaassen  als  Wolken 
M>n  Kivpartikelchon  auf,  \velelie  hestinnnten  Zonen  quer  duivh  die  (Ineiss- 
schiehtenreihe  ioluen;  man  he/.eichnel  derarliijo  Vorkoiniiien  als  Fallbu  nd  e  r. 
Innerlialh  dieser  kiinnen  sich  die  Kr/lheilcheii  /u  Had)  Icnliculiircn. ,  floly.ahnlit'lien 
oder  slocklunniiien  I.aiierstiiilen  conccntriren.  Gan/  iihnlich  \vie  dies  beim  (Ji'anile 
der  Fall  ist,  konnen  einige  der  oben  auf^e/ahltcn  accessorischen  Geinenii- 
tlieile.  neliiiilich  lloridtlende,  Chlorit,  (iraphil  und  l-'-isenulininier  (lurch  ihr 
H8u6gerWerden  \\csenlliclie  Heslandlheile  des  noi'inalen  Gneisses  vollkoininen 
\erdraiiiien.  so  dass  man  folgcnde  Gneissvarietiiten  unlerscheiden  kann  : 

Glininnne  ri^ne  i  ss,  bcslchl  aus  Feldspalh,  Quarz  und  Glimmer,  i;ehl  durch 
Verlusl  der  scliieferiiien  Slructur  in  (iranit,  durch  Ueberhandnehmon  des  (ilim- 
mers  nnd  dadurch  seiner  Parallelstruclur  in  Glimmerscliielcr  ilber. 

Hor  n  1>I  e  n  d  et:  n  e  i  ss  (s\enilisrlier  Gneiss),  der  Glimmer  isl  durch  Horn- 
blende \ordrangt,  kann  auf  der  eineu  Seite  in  Syenitiiranil,  auf  der  anderen 
in  llnnililendescliicl'cr  ilhergehcn. 

GrapbitgneiSS,  (iraphit  \erdriingl  den  Glimmer  lian/.  oder  /um  Theil, 
mil  GraphHgranit  und  Graphilschiefer  in  derselhen  ver\Nandtscliaftlichen  he- 
/ieliuni:  slehend.  \\if  der  normale  Gneiss  und  Granit  /um  Glimmcrschiefor. 

Ch  lori  tiiii  e  iss,    filr  den   (Jinimer   isl  Chloril  einiielrelcn. 

I'll  se  IIL:  I  i  m  meru  n  e  iss  ,    stall  des  Glimmers    Kisoiiiilimmer  enthalleiid. 

ProtOglDgneiss,  cine  llaserii:  sehieferiire  .Modilicalion  des  ProlOgingranitea, 
\\elehe  ndicii  duiikel^riiiieni  Glimmer  helluriine  Talksrliiippelien  entliall.  ^Alpi-n  . 

In  inanelien  Gnoissdistrieleii,  namenllidi  ini  l-'.r/.uebirtre.  hat  man  bei  den 
eclilen  (iliimneruneissen  y.\\ei  llaiipl\ariel;ilen  unterschieden,  den  izrauen  und 
den  roth  en  Gneiss,  deren  ersterer  durehsi-li  nil  Mich  (Hi  IVoreiil  Kiesrlsaiire.  \\eissen 
oder  iirauen  l-'eldspalli  nnd  /iemlieh  \  iel  Liraiien  (ilimmer,  deren  lel/.terer 
7.')  —  7(i  I'i'ocenI  Kieselsiinre.  \  id  rothcn  Feldspalh  und  \\enii:  \\ eissen  (ilimmer  ent 
hiilt.  Itiesr  V.irirlalen  sind  (lurch  MiUelgUeder  en^  mil  einander  serkniipll.  so 
dass  man  sic  nur  als  hasisdiles  und  sauersles  Glied  einer  iirossen  lU'ihe 
\i>n  in  ihreni  KiesdsiinreL:dialle  sdiuankenden  (ineiss\arieliilen  helradilen 
darf.  Die  diemisdie  /usammensct/iniL:  der  (iliminerizneisse  helriiiit  im  Durch- 

Ciedner.  Elements  d.  tieologio.  (j 


s2  II     Pet rographische  Geologic. 

selmillc:    Kicsclsiimv  TO.XO.       Tlmncrdr  11.20,  -     Kiseno\\  (lii!  «>.  I  (I.  -     Kalk  ;'.  MI. 

-  Kali  3,00,— Natron  :MO.  \\asser  I ,  ;>0,  -  ihr  speeilisrlies  <ie\\  irlil  i.«i-  2,7. 
Dcr  Gneiss  isl  ein  geschichtetes  Geslein.  (lessen  Sehielilnn^  mil  der  Sehiele - 
runu  parallel  liiul'i :  cr  \\eehsellauert  liiinlii:  in  regelmftssigster  Weise  mil  (dim 
iin'i1-.  Boroblende-,  (ililoril-  uml  Graph itschiefern,  mil  Kisener/en.  Kalksteinen. 
Serpenlin.  Ouar/ilen,  llallellinta  und  tiranilisehen  Gesleinen  und  bildd  mil 
ilinen  abwechsllingsreiche  Sdiiehlenreilien.  Diese  ivpriiseiilircn  ill  den  meisten 
Fallen  die  laurentisehe  oder  primilive  (Jnci.sslonnalinn :  mil'  ausnaliinsxNrisr 
kuinmcii  Gneissbilduogen  jiinLit-n-n  Alters  \<>r.  \\clchr  versleinernngsfiibfende 
Scliirlilt'iii'iim|ilf\c  iiltcrlaiicrii  im  Tanniis.  in  den  Alpen.  in  Scliollland  .  (irits 
sciv  Terrilorien  laui-cntisclit-r  (incissc  linden  sieh  im  Kr/izehirue,  Hohmen.  Miihren. 
in  den  Sudden,  im  Ix'iltmiseli-baverisrhen  Waldgebirge,  in  den  Onlralalpen. 
in  Sclinlllaiid  nnd  aid'  den  llehriden.  in  Skandina\  ien.  Canada,  den  allanliselien 
Staalen  von  Nordamei'ika,  Brnsilion. 

<>l.  Urannlil     \\Cisssiein    und  Trappgraiiulit. 

Der  (Irannlit  isl  oin  schid'eritzes  (J(Mneni:e  \on  l;elds|ialh  und  Ouar/  mil 
einueslreulen  kleinen  rotlien  (Jranalen.  Der  Feldspalh  und  /\var  Orlhoklas 

sdlener  IMauiftklas)  isl  der  IIaupl1)eslandlheil  des  (iramdiles  und  l>ediiiL:l  durcli 
seine  liehlrolldiche.  licl)li;ell)lielie  und  \\eisse  l;arlte  die  (idle  l;iirl»unu  dieses 
(lesleines.  Kr  hildd  eine  feinkorniize  bis  diclile  (irundmasse .  in  \\elrlier 
plalle  KuriKT  oder  diinne.  oft  nur  papierdieke  Lamellen  von  Ouar/.  in  paralleler 
\.niH'  \ertheill  sind,  so  dass  auf  dem  Ouerbruehe  des  (iesleines  eine  deulliehe 
Seliiefersli nclur  herxorlrilt.  Die  Granateii  sind  ineisl  in  liirseiirossen  Kiirnclien 
in  den  heiden  anderen  Heslandtheilen  des  Granuliles  riniicspreiii:!.  Nehen  ilinen 
ersclieinen  nichl  selten  liellblauc  C\anilkr\sl;dlclien.  Selir  hiiuliii  iieselll  sidi 
zu  diosen  noch  (iliinmer,  (lessen  [larallde  Anordnunu  die  Scliiererslruclur  sleii:erl  : 
dann  Irdrn  die  (iranaten  zurtlck  und  es  enlstehen  Z\\  iseheniilieder  /.\\  ischen 
GiK-iss  und  Granulil.  die  (i  n  e  issgra  nuli  lc. 

Als  (\piselies   Milld   der  dieinisc-lien   Zusammensdxunu  erizieht  sieli      Kies(  I 
siiure    ^4,50,    -       Thonerde     10,70,    —    Eiseno\\d    uml  Kiseno\\dul    o.(>0. 
Kalk  2,20,  —Kali   4,00  —  Natron  2,50;    --   speeilisehes  (ie\\ieht  =  i.«i. 

Neben    der   aiisue/eidmdeii    Schid'tTlini:   /.ciul    der   (iranulil    eine   sdir   re^el 
massive  SeliidituiiL: :   ei-  \\echsdlai:erl  an  mandien  Aufseldusspunklen  mil  Serpen 
lin-Hiinken    (Waldhoim,    Budvveis),    an   anderen   bildd   er  reiidmiissiije  S«  liidilen 
/.uiselien  dem  Gneiss  (AsdiafVenburiJ:,  Bodenl»adi  im  ostba\  erisehen   (iren/izebirue 
und   tiehiirl   an   den    meislen    Punklen   seines  Aul'ti-dens  der  a/.oisclien  Formalions- 
reihe    an.      In    Saehsen     bildd    er    am    nonKveslliehen    Abfalle    des     Kr/uebirues 
eine    •'•    Meilen  laitiie  und  2V-2   Meilen    breite    Kllipse     siiehsisclies  Graniditgebirge), 
in    Holmieii    (rill   ei1  bei    Budweis  und    im    Kiierlhali1,    am   Main   bei  AschalVenburi: 
ebenso   \\ie   in    Nieder-Osterreieh   x.\\isclien   Gneissen    und   Graiiiten   auf. 

In  sidi  \ielfach  \\iederholender  Weelisdlai'enniii  mil  diesen  normalen. 
hdlen  Gi'anulilen  Sadiseiis  ersclieinen  nameiillidi  /uiselien  I'enii:  uml  Hochsliuru 
in  sdi\\aehen  oder  bis  fiber  Meter  slarken.  sdiarl  bciiren/.leii  I'lallen  und 
Banken  uriinsdi\\  ar/e  T  ra  ppjira  nu  I  i  I  r.  Hestelien  erslere  fast  nur  aus 
Onar/.  und  Orlhoklas.  s,,  hjssi  die  mikroskopiselie  Untersuchung  dcr  Trapp- 


II.    lVtroi:r:i|»lii>rlie  (.icolojjio.  V, 

i:iMiinlite  erki  -mien,  tlass  deivn  Bauptgemeoglheile  Ouar/,  plagioklastischer  Fdd- 
spaih.  .Maiuieteisener/.  fin  prunes,  glimmerartiges  Mineral und  tnehr  oder  weniger 

reichlichcr  (iranal  sind.  Die  nranathallii;cn  TrappgranolUe  /.ciijcn  /.inn  Tlieil 
inleressanlc  (Jruppirunuen  ilnvr  Klemente.  In  ein/elnen  Dilnnsehlillcn  siehl 
man  jedes  (iranalknrnchcn  von  einer  liehlen  Quarz-Feldspath-ZoDf  niniieheii. 
in  andcrcn  sind  (dimmer  mid  MaLMieleisener/  radial  inn  den  (iranal  ani;cordnet. 
DIM-  l-'eldspath  nnd  Ouar/.  slrol/l  \mi  Mikrolilhen  so\\  ie  \on  (Mas-  nnd  Slein- 
einschlilssen.  Das  (\pisclic  Millcl  dt-i'  clifinisclicn  /nsaininrnsi'l/niii:  dcr  Triipp- 
izi-annlilf  isl  :  Kicsclsiiinv  :>:>.:{l>.  Tlioncrdf  r.{,(><',  -  Kis»'no\\d  nnd  Kisrn- 
o\\iliil  li. !»»'>.  -  Kalk.-rd.'  I(».IM).  .Magnesia  T,l  3,  -  \\ass.T  1.7(1.  Die  Trapp- 
Ijr.innlilt1  .sind  drslialh  \\i-it  hasisclicr  als  die  normalen  (iranidilr  .  cnthallcn 
stall  «lcr  Alkalirn  lit-lriichtliclic  Menken  \on  Kalk  und  Magnesia  und  sind  srhr 
ividi  an  Magoeteisenerx. 
62.  II ill  I. -Hi nt a. 

Die  llallcllinla  ist  cin  dichlcs.  anschcint'iul  hoinoi;t'nt's  (icstcin  von  fclsit- 
arliLTt'in  Anst-hcn.  \\cldics  ans  inniu  mil  cinandiT  verschmoj^enen,  DQikroskopisch 
klfini'ii  1-Vldspatli-  und  Ouar/koi'iirlicn,  zuin  Tlieil  mil  trincn  (iliinmer-  und 
Chlontschtippchen,  Ix'siclil.  Ivs  ist  in  abwecbselndeia  Laizcn  uran.  ^clhlicli,  liriinn- 
lich  odrr  i:riinlich  bis  scli\\iii7.lich  yrlarhl,  wodurch  os  anl'  dcm  Oncrhi  iichc 
handarliu  ut'.slrcill  ••rsclicint.  Scin  Hruc-li  ist  splilh'i'ii;  his  iniiscliclii:,  schiin- 

end    IMS    mall,    sfint-     Fcsli^kcil    si-lir    hcdcntt'iid.     \or     dcm    Liithrohr    ist  es 

in  dilnncn  Splittcrn  schmcl/.har.  Die  llallcllinta  ist  als  cin  (jfticiss  /u  bclraclilcn. 
dcsM'ii  hcstamllhcilc  /u  miki'oskopisclicr  Klcinhcit  herabgesunken  nnd  IcIsilartiL; 
innii:  \crschmol/cn  sind.  so  dass  das  (icslcin  apliiinitische  Structur  angenommcn 
hat  Daranl  \\ciscn  ancli  die  l.aiicnmizsvcrliiillnissc  dcr  Iliillcflinta  liin,  indem 
sic  mil  den  lanrenlisclieii  (Incissen  /.  15.  Skandinax  iens  \\ee|isella^crl  und  reher- 
iliiiiiic  in  diese  hildcl. 

»ii    Torpliyroide  (Flaserporpliyre). 

Die   I'orphyroidc   lieslelien   aus  cincr  splillerigen,    feinkdrnigeo    bis    dicliten. 
felsitahnlielien    (Inindmasse.     \\elrlie    dureli    dilnnc    l.a^cn.     IliiuleliiMi    oder    I  .a 
melleii   von   Glimmer  oder  cincin    Lilimmeriilmlichcn    Mincrale    cin    llascriiics    bis 
ausLic/eiclinct   scliiclci'iiics  (uTilyc  crhiill.    nnd    in   \\clelier  kr\slallinisehc   Koi'ncr 
oder   Krystall-Icfdividueil    \on    l-'cldspalh    und    Unaiv.    ans^eselucdcn    lichen.      Die 
l'orpl»\roide  /.eielnicn  sieli  deinnacli  im  All^cmcincn  dnrcli  ihre  eombinirl  sehieferii: 
porpl)\risehe  Slruclur  aus.    iiclicn  jedoeli  local  (lurch  Xuriieklrelen  dcs  die  Sehiel'e 
IUIIL:   bedin.-endcn   (Ilimmcrminei'ah's  in  (iestcine   \om   Aiissehen   eines  massi^cn 
Onar/poi-plnrcs.    an   andercn    Slcllen   (lurch   (iroherwerden    dcs  Kornes,    \\oneben 

die  porphyriscli  ausgescbiedenen  [ridividoen  \ersch\\indcn.  in  gneissartige  (le- 
stcinc,  /..  H.  Scricilizncissc';  ilber.  Der  l;cldspalh  ist  cnl\\cdcr  Orlhokla.s 
Orthoklasporpbyroide  dcs  llar/cs  und  MiehiL'an.s  oder  Albil  (die  Scricil  -Adinol- 
Schicrcr  dcs  Taunus  und  der  Ardcnncn)  und  bcsil/.l  \\eisse,  Lrelblichc.  riilh- 
lichc,  lleisch-,  rosa-  bis  corallrolhe.  y.u\\cilen  auch  uranblauc  Kai'bc.  Die  |">i 
phyrisch  ausizcschiedcncn  Indixiducn  sind  cnt\\cdcr  rccianiinliiiv  I'rismen  oder 
iL-e'  Krxslalle:  die  frisehcn  Albilc  /.cii:cn  meisl  deulliche  /\\illini:s- 
Dcr  Quar/  M  ^e\\i»lmlicli  i-auchi:rau  bis  dunkclblauiirau  L'clarhl. 


^  I  II.   Petrograpbische 

l>esii/i  .starkeu  Fetlglanx.  imiseheligcn  Hruch  und  nicht  sclten  dihexa&drische 
I-'nnn.  Das  G  I  i  in  in  c  rni  i  ncra  I  ist  cnl\\cder  I'aragonit  Michigan,  oder.  und 
z\var  gc\\ ohnlich.  i:elblich  griiner,  fetlgliinxcnder.  talkiihnlicher  Sericit  Srricilpor- 
plm-oide  do  llar/es  und  des  Taunus). 

Die    l'orph\roidc  siml   nainenllich   in   der  Taunusketlc.     in   dcr   Lennciiegcnd 
in    VA'eslphalen.    ini    Seh\\arxalhalc    ini    Thuringer   Walde,     UN    Oslharxc.     ;inl'    der 
Olicrcn    lliilliinscl    \«m    MicliiiiJtn    als    untcriiconliictc    (ilicdci-   dcr    dc\onisclicn. 
silurisrlicn   und   huronisclicn   Scliidilcnrcilic  (Milu ickelt. 
i.i.  (lliinniorseliiefcr. 

Dei1  (iliimiicrsrliicfcr  isl  cin  sdiicl'criLics  AIILMVIM!  \nn  <Iliinincr  und  Uu;irx. 
dcrcn  HeDgUDgSverh9ltni8S  x\\isclicn  xsvci  cxlrcincn  EndgHedern  scli\\;inkt,  \on 
dcncn  d;is  cine  f;ist  iiur  aus  Gliinincr,  das  andcrc  fast  nur  aus  Ouarx  Ix-stchl. 
(Jiiiir/schict'cr  .  Der  Glimmer  isl  in  dcr  Rcizel  bellfarbiger  Kalitiliimncr,  xu- 
\\tMlcn  dunkclcr  Maiiiicsiaiilinuncr  und  noch  scllcncr  NatTODgli miner.  Die  fllim- 
iiicrschiip])cn  und  -Hliitlclicn  liegen  parallel  und  hildcn  xuin  Thoil  xusammcii- 
b^ngende Merobranen  und  Lamellen,  wodurch  die  ausgezeichutet  schieferige Stnictw 
dcs  GJimmerschiefers  bervorgerufen  \\ird.  Auf  den  Schicbtungsflachen  gewisser 
Varicliitcn  dcs  Ictxteren,  welche  man  Faltenglininicrschiefer  nennt,  trill  nicht 
scllcn  cine  xarlc  parallele  Faltelung  der  Glimmernicinbranen  hervor.  Der  Quarz 
lici:t  in  Gestalt  kleiner  Korner,  flacher  Linsen  und  diinner  parallelcr  Lagcn 
xNvischen  tlem  Glimmer,  so  dass  er  nur  auf  dem  Querbruche  des  Gesteincs 
crsdicinl.  Glimmer  und  Quarz  haben  sich  zuweilen  in  cinxclne  Lagen  L:C- 
sonderl,  so  dass  dilnngeschieferte  Glimmerlagen  mil  solchen  von  Quar/  ;d>- 
\\ecliseln  (Lagenglimmerschiefer) .  Die  Farbe  des  Glimmerschiefers  ist  durch 
den  Glimmer  bedingt,  demnach  bei  vorwaltendem  Kali-  und  NatroDgUmmer 
lu'Mgrau  oder  gelblich  grau,  bei  vorwaltendem  Magnesiaglimmer  dunkelhraun 
l)is  schvvarz.  Der  Kieselsauregehalt  des  Glimmerschiefers  scliwankl  jc  nadi 
dcr  Menge  des  Quarzes  zwischen  40  und  82  Procent. 

Von  scincn  xalilrcichen  zufallicen  l^cslandtlicilen  sind  hervdrxuliclien  :  vor 
Allcm  rolhcr  odcr  brainier  Gi'anat,  der  cin  liochsl  cliai-aktcrislischer  zufalliiier 
Gcnu'iiglheil  fast  allcr  (ilimmcrschiefer  ist,  Turmalin,  Feldspath,  Hornblende. 
Staurolitli,  Cyanit,  Kpidot,  Chlorit,  Talk,  Gra])hil,  Eisenglimmer,  Magnciciscn 
crx.  Schwefelkics.  Gold.  Durch  das  Ueberhandnclmien  ciniizcr  dcr  genannten 
/ufiilligen  (icnicnullicile  des  Glimmerschiefers  gchl  dicscr.  indcin  jene  den 
Glimmer  vcrdriiniicn.  in  andere  (ieslcine  (ihcr.  So  durch  i:eslcigerte  Aiifn.ihiiic 
von  Chlorit  in  Chlorilschicfer.  von  Talk  in  Talkschicl'cr.  von  Turmalin  in  Tur- 
malinschicfcr,  von  Eiaenglimmer  in  EiseDgliminerschiefer ,  MID  Kcldspaih  in 
Gneiss,  \<m  Hornblende  in  Hornblendcschiefcr.  \on  Gra|)hil  in  Graphitsehiefer. 
\\odurcli  /uglcich  cine  ciiiic  Verkniipfung  mil  ge  \\  i  ssc  n  Graniten.  s\cnilischcn 
Granitcn  und  (iraphitgranilcn  lier^cslclll  \\ird.  \Nelche  den  sedinienliircn.  niclil- 
cruptiven  rrsprunu  dicscr  Iclxtcrcn  be\\cisi. 

Den   eigcntlichen    Glimmcrschicfcrii    reihcn   sich   an: 

die  Paragonitschiefer,   NatroBglimmerschtefer  \on   licbtgriinlicher  odcr 
hcllL'clMichci    l-'iirbiniL;     Si.    (iolthiirdt.    Michiii.in  . 


II.    Petrographische  (icoloine.  s,"> 

die  A  mph  i  In-  ilx-li  ic  ler,  /.arlschuppiucr.  Iclligcr.  urunlich  \\ci.N.scr  Glim- 
mersehiclcr  dcs  Xillerthales  mi!  iiur  i<>  IVoeent  kieselsaurc. 

die  Sericilglinimers.ohiefer,    parallele    Lagon    mid  llaehe  l.insen  \mi 
dichlcm.    honisteinahnliehcm.  seltener  knslallinisohem  Oiiar/.c  \\cchseln  mil  uelb- 
lich  LuMinen  bis  dunkellauch^nineii.   tallUihnlicben  Sericitrnembraoen,  dcncn  x.u 
\\eilcn   silberueissc  Glimmerblallehcn   und  dunkele  ChloriCschUppcheb   eini;c\Ncbl 
Mini.    MI   d.iss  fin  gebiinderlor  Owrhnirh   cnlslcht.      Tauiiuskcllc.    Ohrrslcxcr. 

die  K  ;i  I  kj:  I  i  in  iiMM'sch  ii-l'c  r,  cin/cliu1  l.jiiucllcMi,  La^on  odcr  llarh  linscn- 
I'urini^c  I'arlicn  \on  koniip'in,  xuni  Thcil  doloiuilisclicin  Kalkc  wcrdcn  \un 
parallel  lic-nidcn  Scliuppcn  ,  Hasrrn.  Mciiilti-aniMi  mid  Laiicn  \on  (iliiiinirr 
durchzogen,  \M>durch  cine  schr  vollkoninicii  dick-  odcr  dttnoachieferige  Siruciui- 
licr\or^clirarlil  \\ird  (siclic  auch  sul>  ;i?  a).  Dcr  (iliinincr  kaiui  ancli  hicr  /.inn 
Thcil  odcr  ^iiii/.lich  diii'ch  Talk,  Chlorit  odcn1  Soricit,  sovvic  durch  diinnc  i;lan- 
/.cndc  .Mciiihrancn  von  hlauui'aucni  Thonschicrcr  scrtrctcn  \\crddi  ^KalkUilk-, 
Kalkcblorit-,  Kalkscricil-  und  Kalklhonschiofer). 

die  (jn  a  r/.  i  tsch  icfcr;    es  1st  hcreits    ohcn    hciniM'kl   \voi-dcn,     class    dcr 
(Jiiar/.izchall   dcs  (lliniincM'sc'hicic'rs  so  t'ltcrliand   nchincn   kann,    class  cin   vorhcri1 
scln-nd  ans  Onar/  hcsichendcs  (u-slcin,  dor  Quarzilschiofcr  ^childc'l  wird,    (lessen 
Unai7.lai;en    durch  dilnne    Membranen    von  Glimmer   t;clrciin(    \\erden   uud   dor 
M'lion   frilhcr    sub  S)   als  sohiclci'ii;cr  Onar/.il   angofiihrt  \\ordon   1st. 

Dcr  (Jliiiiincrseliicrcr  y.eii;!  aiisscr  dcr  Schieforuni;  cine  schr  aus;j;cpriii;lo 
Schichluiii;,  \\clehe  (lurch  \\ 'cchsclla^ci'iini;  seiner  Vnriolalcn  unlor  sich  so\\ohl, 
\\ic  mil  Ouar/ilen.  kr\  slallinischem  Kalksloin,  Graphit-,  Hornblende-,  Talk-,  (llilo- 
ril-  und  Tlionseliiclern  so\\ic  mil  Kr/la!iorslallen  noeli  stiirkcr  licrvorlritl.  l-lr 
bildct  das  llaiipliiesleinsinaterial  der  untcrcn  huronisehen  (priinilivcn  odcr  kr\- 
si.illinischeni  Schieferformation  im  bolunisch-bayorischen  \Vald^cbii'i;e.  in  den 
Sal/burger  und  ()berk;inillieii(>r  Alpen  ,  am  Abl'allc  dcs  l-lr/^cl tiroes ,  dor  Su- 
deten, in  Skandinaxien,  Nordamerika.  Hrasilicn. 

c> •").  Thoiigliniiiiersehiefer1,  Urthonschicl'er,  Pliyllit. 

Der  Thonglimmerschiefer  isi  cin  aiisgezeichnel  Bcbieforiges  Gestein  \on  meisi 
ki •\plokr\slallinischor,  niilunlcr  auch  deutlieh  roinkornijjior  Slrucliir  und  \or- 
\Nicuciid  duukcluraucr,  ^rUnlichci1  oder  seli\\ary.bliuier  l;arhc;  seine  Spallun^s- 
M.ichcn  bcsil/,cn  scidenarliiicn  odcr  halbniclallischcn  (llanz.  Seiner  inincralisclien 
/us.mimonsoty.mii:  n.ich  bcslchl  dcr  Thonuliniinerscliierer  aus  last  durchi;;inuiu 
niikroskopiseh  klcinen  Glimmer-,  (Ihlorit-,  Quara-,  und  Foldspalh|)arlikelclien  : 
er  isl  also  cin  in  scinem  korne  y.ii  ausserslcr  Foinhcil  horaliLicsiinkener.  ue\\  is- 
scrmaasson  aphaiiitisoher  Glimmerscliierci-,  in  \Nclchcn  er  auch  die  deutlichslen 
rboruaiiLic  bildct.  Seine  chcniisehc  /usammensct/.iini;  x.ciiit  die  uriisste  t"nrei;el- 
m.issiLikcil.  su  das>  sein  Kiesrlsiiurcuchalt  y,\\  ischen  45  und  7 'i  lYoeenl  sch\\ankcn 
kann.  Die  Thondiniincrseliiefcr  sind  ausgozoichnet  schiofcrii^.  spallbar  und  aid' 
den  SpalluiiLzsllachcn  schr  hiiuliu  |iarallcl  ^claltolt.  Sic  sind  reieh  an  y.ulalli^en 
Gcmcniithoilon.  \\oloho  sich  in  so  conslanter  Wciso  \\iedeiliolen.  dass  sic  t;anx 
beslimmto  Gcslcinsmodilieationcn  horxorbringen  : 

Chiastolithscli  i  e  I'e  r.  cin  iiraulioh  bis  bliiulich  sch\\ar/cr.  dichler  Schio- 
I'cr.  in  \\elehem  viele  saulonformige  Chiastolithkrystalle  eingewachsen  sind,  die 


.ml    ilnvm    Ouerhruehc   das   charakleristische    sch\\ar/e    Kreu/    erkcnncn 
.  Hrela.LMic.    I'srenaen,    siichsisclics   Voiglland). 

Sta  urolilhsch  ic  Icr,     ein     glimmeriger    Thmisehirl'cr     mil    Slaiirolithkr\- 
fallen      I'xivn.  ifii,    Tennessee  . 

Oltrelitschiefer,    ein   grauer   Thonschiefer,     in  \\elchcm    kleine    sechs- 
seilige.  griinliehe  Oltrelithliitlchcn  eingewachseu   sind    Ardcnncn,    Ha\crn,    .M.i—  ,, 


Knolcn-,  F  rue  hi-,  (iar  hen-  und  F  leek  sell  iefer.  In  den  diclilcn. 
/ti\\eilen  glimmerigen  mid  I'einsehuppigen  Thonschiefeni  slcllcn  sicli  klcinc  (lon- 
crctioncn  von  ci^cnlliiimliclicr  Hc.scli;ill'cnhcit,  l;;n-l»c  und  lliirlc  cin.  Sic  bildcn 
liirsckornurossc  Knotchcn  Knotcnschicl'cr),  liclrcidckorniilndiclic  (loncrclioncn 
Pruchtsehiefer),  bUschelformige  Ai:L:rci;;iic  (iiirhcnscliicfci'  .  imhcsiiinmt  hc- 
i;rciixlc  l;lcckc  I'lcckM-liicfer).  Sic  findcn  sicli  niiincnllicli  im  Contii<-lc  mil 
(Inmit  und  Syenit  in  den  Pyreniicn  und  am  NO.  und  N\V.  Al»t';dl(!  dcs  VM- 
iicbiri^os  (\SYcscn.stcm,  Wechselhurg)  . 

Die  Thont:limmcrschicfcr  scl/.cn  im  Verein  mil  kr\sl;illinisclicn  K;ilkslcin(>n. 
Di.-ibasen,  Quar/ilcn  und  Enlagerst^ten  die  oltcrcn  Nivcaus  dcr  Imronischen 
(primilivcnj  Schicferformalion  zusammen  .Nordabfall  des  Erzgebirges,  Bolmien, 
Mahrcn,  Alpen,  Pyreniien,  Skandinavien,  allanlischc  Slaalen  von  Norilamcrika  . 

AnhangsweLse  isl  hior  anzuftlhren  : 

dor  Sericitschiefer  (SericilphyllLl),  eine  dichlc  oder  iiusserst  feinkor- 
niuc  Modification  des  Sericitglirnmerschiefers  (sub  64),  in  welcher  der  Glim- 
mcr  dcs  Thonglimmerschiefers  durch  Scricit  \crtrctcn  isl;  xu  ihm  iicsclll  sicli 
Quarx,  ein  chlorilisches  Mineral,  Magneleiscnkornchen  und  in  gewissen  Fallen 
auch  Alhit.  Man  unlcrscheidct: 

a)  griine  Sericitschi  c  I'cr  \on    lebhaft  dunkelgrttaer,    scllcn    ucllccklcr 
Farlie,  schinimcrnd  scidcngliinxcnd  his  lialhmctallisch   glanxcnd,    schr  ucuiilmlich 
gefallclt.    mclir  dick-  als  diimiplatlig,   xiemlich  hart  und  fest.      Durch  Ycrwiltc- 
nuii:    anlanglidi    gelh    gelleckl  ,    dann    ganz    gclhlich    hraun    \\crdcnd:    mil    \icl 
Ouar/.sclmiircn   und  -Triimern.      Sie  xcichncn  sicli  durch   ihrcn  AlhitgchaU   ,ms. 
(Ihcmischc  Zusammcnselxung  :  Kieselsiiurc  (iO.i^i,  —  Tilansaure  l.'iS'.l.     -  Thon- 
crdc    I"),  958,   —  Kiscno\\d    l.ll:{,    —   Kiscnox\dul    i-,939,    •  -   .Magnesia    :'J'Tn. 

-  Kalkcrdc  i,  196,   --  Kali  2,585,   --  Naln.u  6,708,    --  Wasscr  und   Fluorkicsd 
:'.  Ii7,       -    Phosphorsiiurc    0,039,  Kupfcro\\d   0,051:        -    Specifi^chcs   <;«•- 

\\ichl    i.TSS. 

b)  rothe    Serici  tsch  i  cfcr    von    violcllcr,    rolhhrauner    his    kirschrolhcr 
Fai-hc.    \\cich,   seidenailii;  glanxend,   sicli   Icllig  anlulilcml.   Mil  den  uriincn   siud 
>ic   durch   gcflcckle    Varicliilcn    cu-    \crhnndcn.      Sic    cnlhaltcn    kcincn    Alhil. 
ChemischeZusammeosetamg:  Kicsclsaure  •')."),  842,  --  Titansiiurc  (>,-">  I  M.        Thou 
crdc  l-").*i.M.    -      Kiscno\\d  i.S-">T.          l;.iscuo\\dul   S.:'i7.   -     M;ii:ncsia    I.:{H7  - 
Kalkcrdc   n.  i98,   --   Kali   (».  I  :{.">.    --    Natron    U'.'.tS.        -    Wasscr    und   Fluorkics.-l 
5.192,    --    Specili-M-l.cs    (icuiclH    i'.S,S;>. 

Die  Scricit|)h\llitc  sind  in  der  Tauniiskcltc.  im  Oslhaiv.e.  in  den  Salxhur- 
I:<T  Alpen  \crhrcilct.  /.ililrcichc  Schiefer.  \\clchc  hishcr  al>  talkhallig  hc/cich- 
uet  \\urdcn.  \\ertlcn  sicli  uoch  als  Sc!-icili:cs|ciiie  aus\\eiscn. 


II     Petrographische  (irnlumr  S7 

'•'•.    haniliiinit. 
Der  Itaeolumit   1st    cii\  schieleriges  (iemenge  \on    kleinen   QuarzkOrnchen 

mid  Schiippchen  MIII  (dimmer.  Talk,  (Ililorit  und  Sericil.  Lcl/lere  y.iehen  sicli 
in  paralleled  AoordnuDg  /.\\isclicn  den  Quarxkttrncben  liindurdi  mid  brdingen 
dadurch  die  feinschieferige  Structur  dcr  Grundmasse;  in  einigen  Varietttleo  deg 

llacolumiles  sclimiegen  sic  sich  gelenkartig  tun  die  ein/elnen  Ouar/kornclien, 
\\odnivlidiese  eine  gewisse  Verschicbbarkeit,  nml  nichi  &u  dicke  GesteinsplatteD 

eine  ge\\isse  Hiegsamkeil  crhallen  (ielenkipiar/.  elasliselier  Sandslein  .  Diese 
Eigentbttmlichkeil  ist  jedoch  nielil  ;illen  llacolumilen  iiemeinsaiii,  inaiu-he  sind, 
\\enn  .inch  /inn  Tlieil  sehieferiii ,  docli  nichl  hiei^sain ,  sondern  inilrhe  und 
lnMckelit;.  noch  andere  con^loincralarliij:.  Die  Farhe  des  llacoluiniles  isl  \ur- 
lici-rsclicnd  lielluellt  odi-r  liclilrotlilich.  Als  /.ulalli^e  (ieiiicnullieile  sind  xti  er- 
\\alineii:  (inld  siidliclie  atlanliselie  Staaten  von  Nordainc'rika,  Brasilicn),  I'liscn 
dimmer.  Marl  it  elicndort  .  La/,nlitli  und  Until  ((leorina) ;  eudlich  isl  der  Ita- 
culiiniil  in  Mrasilien  und  in  den  Slaalen  (jcoriiia  und  SUd-Carolina  das  Multer- 
uestein  der  Diamauten.  In  den  ebon  \\iedcrholt  yenannlen  Laudslrichcn  trill 
der  llacolumil  als  ein  Glicd  der  huronischen  Schieferformalion  auf. 

2.  Classe.     Klastische  (Trummer-)  Gesteine. 

Die  klasiischen    Tiesteine    sind   aus   der    Wicderablagerung    von   Trilmmern 
und  Tlieilen  meelianisch  zcrklcincrlcr  iiltercr  Gesteine  hervorgegangen. 

l.  l-ainilic.     Lose  Acciuuiilntc. 

a)  I'nul  u  c  I  c  mocha  n  isc  lie  r  7.  c-  rk  I  r  i  n  c  r  11  n^  (lurch  das  Wasscr. 

<>7    Ssind,  Kies,  Scifeii,  Grus,  Geroll,  Gescjiiebc. 

Der  Sa  nd  hcstchl  aus  losen,  unverbtindenon  Kdrnern,  meisleus  von  Ouar/, 
.iber  aueh  von  Feldspalh,  llornhleiide  und  Kalkspalh,  sowie  Glimmerschiippchen. 
Manclie  Saude.  die  Ma  ii  n  e  1 1>  i  se  n  sa  n  d  e  ,  bestehen  vorwallend  aus  kleinen 
Kornclien  von  litanhaltii;em  Mai;neleisenslein,  \\elclie  mil  Fragiuenlen  \on  Ouai1/, 
(Jliminer,  Augit,  Olivin  geinengl  sind.  Am  Attsilusse  des  Si.  Lorenzslromes 
uud  auf  Nord  Nen-Seeland  bildct  er  niachliiie.  al)l»an\\iirdiL;e,  an  \ielen  andereu 
Flussulei-?!  und  Meereskiisten  hesclii-iinklerc  Ahlauerungen.  Zuweilen  sind  die 
S.indkoruei-  in  Folgc  thoniger  oder  kalki^er  Heimengungen  locker  /usammen- 
gehacken.  Frreichen  dieselhen  die  Grdsse  ciner  kleinen  Erbse,  so  cntslehl  der 
Kies.  KnthaUen  die  Sand-  oder  kiesahlagerungen  Melall-.  Frx-  oder  Kdel- 
steinkorner.  so  nennt  man  sie  Seifcn,  so  die  Goldseilen  (laliforniens  und  der 
Midlidien  ill.nilis.-lHMi  Slaaten  von  Nordamei'ika,  die  I'lalinseiren  des  lYal,  die 
Zinnseiren  in  (loi'iiuall  nml  anf  Hanka,  die  Diamantseiten  Hrasiliens  und  Sdd- 
al'rikas  n.  s.  \v.  ( i  r  u  s  nennl  man  Anhiinrnn^en  \on  erhsen-  bis  haselnuss- 
grosSBD,  abgerundeleii  oder  seliarleekigen  (iesleinshrnclistiicken  Ouar/grus.  (Jra- 
nilgrus  .  Gerolle  sind  abgerundele.  regellos  ill»er  einander  gehiiufle  (iesteins 
lnMiehsliieke.  \.  r  r  a  I  i  sc  li  e  Ulocke  oder  (iescliiehe  sind  /u\\eilen  nur  \\e- 
nig  ahgernndele,  kopf-  bis  hausgrosve  l;ragmenie  der  \erschiedenartigsten  Ge- 
sleiii(>,  und  durch  Gletschcr  und  Mislterge  von  ihrem  Ursprungsorte  in  ihrc  jctzige 


ss  II.  Pet  rographischc  Geologic 

Lage  transportirl  \\onlen.    Werdcn  die  SandkOrner  oder  (iemllr  dmvh  em  (le- 

nient \erkiltel,  so  enlstehcn  Sandsleine  uiul  Conglomerate.  Die  Ablageningen 
der  Sarnie,  Kiese  mid  (Jerolle  gehoren  xor/ugsvNeise  dm  jiingslen  Formalionen, 
namenllich  di'in  |,  Th.  ii\  Dilu\  nun  mid  \lln\iiiin  ,m. 


h)   Lose   \  u  I  k  ;i  n  i  sc  he    \  u  s  \\  MI  I  I  i  n  -c    i  V  n  I  k;i  n  i  sc  lie  r  Sc  h  n  I  (,  . 

».s    Vnlkiiitisc.hr  Asche,  Sand,  Lupilli,  Bonihen,  Blocke,  Bimssteiiisand 
mid  Bimssteingeroll. 

\  u  lk;i  nische  Asche,  Irinc  .sl.nih.irliuc  Krysliillchcn  mid  Krys|;ilHV.iL;- 
niciilt1  von  I;clds|Kitli  .  Auuit.  Miiunclciscii  und  Kcucil.  souic  riuciilhilinliclir 
lo.-krrc  odcr  IVslcn-  Flockclicn  und  lliiufchcn  EUSMnoaeBgehalHer  Mikrolilho, 
inshrsondrro  von  Augit  und  Magneteisen  ,  endlich  hdi'iicliilichc  Alciiiirn  von 
(liiisM-litM'licn  mid  -S|)littorchen. 

Vulkanischer  Sand,  hirsekorn-  bis  erbseogrosse  LavabfOckchen,  (ihis- 
Scherhcn  und  -Splitterchen,  gemengl  rnit  ZUITI  Theil  schr  scharfkantiucn  Krysiallcn 
von  Augit,  Leucit,  Glimmer,  Melanit,  Sanidin,  Olivin  u.  s.  \N.  Sie  /.cichnon 
sich  durch  die  erstaunliche  Menge  \on  (ilaseinschlussen.  Mikrolilhcn  und  Iccrm 
(I,  is-  und  Darnpfporen  aus.  Aschen  und  Sande  unterscheiden  sich  nnr  durch 
die  Dimension  dcr  zusammenselzenden  Theilchcn. 

Lapilli  iRapilli),  haselnuss-  his  \\allnussgrosse  Schlackenhrocken  von  po- 
nisci  oder  hlasiger  Beschaffenheil  und  brauner  oder  schwar/er  Farhr. 

Vulkanische  Bornben,  rundliche,  keulenformige  oder  ellipsoidisch  ge- 
slaltete,  fa  list-  his  ilber  kopfgrosse  Lavamassen,  welche  in  noch  halhflQssigcm 
Xuslande  durch  die  Luft  geschleuderl  ,  in  Folge  rasch  rotirender  Be\\<!gung  solche 
(ieslalt  erlangten. 

Vulkanische  Blocke,  mehrere  Fuss  im  Durchmesser  haltende  L,I\,I- 
hlocke.  welche  in  ihrem  Inneren  eine  compact  slcinartige.  n.ich  Ansscn  /.u  eine 
schlackig  blasige  Beschaffenheit  besitzen. 

Him  ssteinsa  nd  und  Bimssteingerbl  le,  lose  Anhiiuhmgen  \  on  gro'ssr- 
ren  und  kleineren  liimsslcinstiickcn  in  dcr  rmgebung  \on  Vulkancn.  In  Deulsch- 
land  \erbrcilen  sie  sich  von  den  erloschenen  Kralercn  des  Laadicr  Sees  bis 
n.idi  Nassau,  j.i  bis  nach  Marburg  und  (liessen. 

i..  Familic    Saiidsteine,  Conglomerate,  Breccien. 
t.'.i    Sitndsteiii. 

Dcr  Sandslein  beslehl  aus  Ko'rnern  von  Ouar/,  seiche  durch  cin  mincra- 
lisches  Bindeinillel  \crkillet  sind.  Die  (Iriisse  dieser  Kiirner  \ariirl  schr  und 
erreichl  die  eiucr  klcinen  l;,rbse;  iibersleigt  sie  diese,  so  enlslchen  Cooglonaeratft. 
.le  nadi  del-  (iro'sse  del-  Kiirner  nnterscheidel  man  grob-  und  1'einko'rnige  Sand- 
sleine.  His\\eil(>n  besil/en  die  (Jnar/kiirner  Kr\slallgcslall  und  trelen  dann  zu 
kr\slallinisehein  Ouar/sandstcin  zusammen  sielie  sub  '.•  .  Das  Cement  des 
Sandsleines  isl  sehr  \erschiedenailii:  mid  bedingl  Farbe  und  Iliirte  des  gau/.en 
(lesleines:  bci  kieseligem,  kalkigem  und  thonigeiu  Mindemillel  sind  (Iran  und 
YVriss  die  llaupirarben,  eisenschiissige  Ccmenlc  fiirben  gelb,  braun  und  rolh. 
bilnminose  diinkelgrau  bis  sch\var/,  glankonilisdic  griln.  Auf  Sch\\anknngen 


II.    Petrographische  (imln-ir  s!i 

del  Meni;e  (It-s  Hindcmillels  licruht  dec  I  IKTLMIII:  dcr  Sandsleinc  in  andere 
(iesteine:  dnrch  /uuahino  desselhcn  uehen  sic  in  Thon,  k;ilk  nnd  Mcrucl  niter, 
dureh  sein  /urileklrelcn  \\crden  die  Sandsteino  /n  loscu  Sandcn.  /.ulaHi^e 
(icmcuiMheile  sind  nelx-n  (iliinmerMaltchen  nnd  FeldspathkOrncheD  namcnllich 
Hlei-  nnd  Kupfercr/.e  Commern  .  Sani:erhauscn  .  (ilicssO.  Die  incision  Sand- 
slrinc  sind  sclir  dcutlich  ucsrhiclilcl,  sclir  hiinfii;  iinch  \<ni  scnki'cclilcn  Kliiflcn 
dmvhsH/.l.  \\odnrcli  On.idci--  nnd  Siinlt-nltildnni;  hcirilnslii;!  \\ii'd  nii;idcrs;ind- 
stcin  dcr  s.u-lisisclirn  Scli\\t'i/.  .  \(tn  Adci'sltiicli ,  'h-ulVlsiiuuicr  ,un  ll;iry.i-;nidc  . 
Die  Siindslcinc  \M'cliscll,i-crn  mil  Srliirl'crlhonrn.  'riionschiclri'ii.  Mci^cln.  K;ilk 

Sicinknlilcnlldt/.cn  n.  s.  \\ .  nnd  sind  das Bauptraaterial  vieler Fonnationen. 

.Ic    n.icli   dcr   Niilnr  dcs    Hindcinillcls   unlcrsclicidcl    man: 

llioniiicn    Sandslcin,    hriin  Anhauchen    charakteristiscb    Ihonin    i'ic- 


Sandslcin    mil    \  id    Ilioni^   kdJkjgen)    Hindcinillcl  : 

kalki.ucn   Sandslcin,    das  (Icnicnl    isl    kohlcnsanrcr   Kalk ,    llirils    als 
Kalk.    llicils    als    Kalks|>alh.      Isl     nchcn    kulilciisaiirciii    Kalk     anch    Mi 
gnesia-Carbonal    voi-handcn.    so  cnlslclil   d  olom  it  ischcr  Sandslcin; 

(I  kicvcliurii  Sandslcin  <ilas\\ackc)  mil  hornslcinai'li^cin,  sclir  fcsh  in 
(Icincnic.  die  nnaivkiii'iici-  hcsil/cn  dann  sclir  hiinlii;  Kr\slalM'onn  (sul>  9). 
Knmmt  in  Hankcn  und  in  loscn  Blockcn  inncrhalli  dcr  Sandalda^cninucn  dcr 
Braunkohlenformation  M>I-: 

0)  c  i  sc  nscliiiss  iuc  n   Sandslcin.    das    Hindcmillcl    hcslcht    ans   l^iscn-- 
ii\\d    ndcr   I'.iscnoxNdhvli'at    in    inni^cr   NCfhindtinii    mil    Thou    odor    Kalk     nnd 
I'arhl   den   Sandstcin   dnnkcli;cll».    roll)   odcr   hrann ; 

fj  bnuminosen  Sandslcin,  das  hindcmittcl  bostehl  ans  hidiinonrcichcin 
Tlionc  odcr  Kalko  odcr  ans  Asphalt. 

'l.\\  den  Onar/.korntTti,  \\clchc  das  llanplmalcrial  dcs  Onar/.sandslcincs  hil- 
dcn.  Lcscllcii  sidi  niclil  scllcn  Kiirncr  odcr  Hlallchon  andcrcr  .Minci-alsul»stan/cn 
in  s()  roichliehcr  Mcn^c,  dass  auch  dadnirh  eharaklcrislische  Variolfitcn  cnlstohon; 

ii]  (J I  i  m  me  i  sa  ndsl  ci  n  (Micopsammil)  ,  glimnierrcichor  und  dadurch 
etu.is  scliiclcriuci-  Sandslcin; 

h)  (Jrllnsandsl  ei  n  daiikoniliseher  Sandsloia),  nchon  don  Onar/koi'iiern 
eisrlirinen  hirsei: : rosso ,  schics.spulNcrahnliclK'  Kornchcn  von  spangritnem  In's 
dnnkcl  lauchiii-ilncin  (ilankonil  .  durch  \\clehc  das  (ioslein  jc  nach  dci-  Mcn^c 
dersell»en  melir  odcr  \\cniucr  inlensi\  i;r(ln  iidarbl  \\ird.  Nach  Mhrenlx-rii's 
UntersuchungeD  heslehen  dicsclhcn  meisl  ans  I •'oraininircrcn-Slcinkcrncn.  Das 
('.eineiil  isl  kalkii:.  mei^clii;  nnd  ihoniL:.  Die  Ilanplcnl\\  iokluni;  dcr  (Jrilnsand- 
slciiie  lalll  in  die  Kreiderormalion. 

1)  Arkose    (Foldspallipsammil  .    cin    l;clds|)alh  -  Onarx-  (Ilimmcr-Sandslcin. 
Koi-ncr    \on   ui'ancm   Oiuuv. .     \on    rolhliehcm ,    y.nweilcn    kaolinar(it:cni   Orlhoklas 
nnd   (ilimmci-|>l;iUclicn.    sind   durch   cin   (lionises,     kjudini^-s   odcr   kicscliues   (Ic 
incnl    \erlinndcn.      Die    Arkose    trill   als  (ilicd    dcr  Slcinkolilcn-,    dcr   Hunlsand- 
stein-.    dcr  Tertiarformation   auf. 

Kndlich  l>c/eiehnet  man  die  \erseliiedencn  Sandslcine  jc  nach  ihrer  Stcl- 
luiii:  in  dcr  hirmalionsrcihc.  /,.  B.  als  Oldrcdsandslone.  Cnlmsandslein,  K(^upcr- 


1)11  II 

>,md.steiu,   Liassandstein,   Ililssandstein,   Bralinkohlensandstein,   Molassesandstein, 

-   nach    ihrcr    yerslciuerungsfuhruug    /..    H.    als  Spiriferensandslein .    \Valchieii 

sandslein,    Scliilfsamlsleiu,    Niiiniiiiilileiisaiidstein.  Cerilliiensandslein,  Hlallersand- 

slein,    •   -   nach    aiisge/.eielmelen   Aufschlussptinktef)     und     Vorkommen.    /.    H.    als 

Polsdamsandstein,    Calskillsandslein,    Yogesensandslein,    Deistersandslein   u.  s.  \\ . 

70.     Conglomerate. 

Die  Conglomerate  beslchen  aus  a'bg  e  r  u  n  d  e  t  e  n  Stiieken  (Kollslueken. 
(ie.seliieben  irgend  cines  .Minerales  oder  Geslcines,  \\clche  (lurch  ein  liindc- 
mittel  lest  \creini;:!  sind.  Die  .Mannigfalligkcit  der  Conglomerate  isl  schr  i;ro>s 
und  beruhl : 

•I)  auf  der  pet  rogra  ph  ischcn  N"  e  rsc  h  ie  d  e  n  h  e  i  t  der  /um  Congln- 
meral  \erbiindenen  15  o  1 1  s  til  ckc  ,  \\onaeh  man  Ouarx.itconglomerat ,  Kalkslcin- 
oonglomeral .  Granitcongleraeral,  Gaeisscongloineratj  Grttnsteinconglomerat,  Tra- 
chytconglomerat,  Masallconglomeral  und  endlich  gemengte  (polygenc)  Conglo- 
mcrale  unlcrscheidel ,  welche  lelzlere  Fragmented  der  vcrschiedensleii  Gesleins- 
artcn  umfassen  : 

2)  auf    dcr    Verschicdenarligkeil    des     die    Hollsliickc    verkiltemlen 
Cemcnles,   welches  cine  kalkigc,   tlionigc.    kieseligc,   sandige.    eisensehussige 
HesehaU'enheit    bcsitzcn    oder   aus   cincin    sehr   feincn ;    gcschliimmtcn    Gesleins- 
schutl(>  beslehcn  kann; 

3)  auf  der  Grossc  der  Hollsliickc,    wonach   man    mchr   oder    \\cniger 
-grobe  Conglornerale  unlcrscheidel: 

4)  auf  der  grosseren    oder   geringcren  Menge  des  Bindemitlels ,    \\el- 
ehes  \or  den   Hollsliieken  voru alien,   auf  der  andern  Scilc  aber  auch    von  die- 
scm   fast  \ollkomm<Mi   Ncrdrangl  wcrdcn  kann: 

•">  auf  dem  Grade  der  Festigkeil,  mil  wclchcr  die  Rollsliicke  und  das 
Cemcnl  zn  cincin  Gcslcinc  vereinigl  sind. 

Aus  den  x.ahllosen  Modificalioncn  dcr  Conglomerate  verdiencn  als  besonders 
wichfigc  Yarielalen  luM-vorgchoben  /u  wcrdcn  : 

a  das  Conglomcral  des  Ho  t  hi  i  cgc  ndc  n  ikurz  Rothliegendes  genannt), 
ein  Conglomerat  von  wallnuss-  bis  iibcr  kopfgrosscn ,  zum  Theil  vollkommen 
kugelninden  Geschicbcn  von  Quarz,  Hornstcin  ,  Kieselsdiieifer ,  Granil .  Cneiss. 
Glunmerschiefer,  Fclsilporphyr,  nebsl  scheibenloi'migen  IMaltcn  von  Thonsehieler. 
Test  zusammcngchallen  von  cinem  slark  eiscnschilssigcn ,  sandigcn,  zum  Theil 
kieseligen  HindemitteL  welches  dem  Gan/cu  cine  rothbraune  Farbt1  \crlcihl. 
Dicse  Conglomerate  bilden  in  Deiitsehland  die  llanptniasse  der  unlcrcu  d\assi- 
schcn  oder  permisehen  Formation; 

h)  das  Grauwaekcnconglomerat  oder  die  Grauwackc,  ist  x.usam- 
menuesel/t  aus  abgeriindeten  l;ragmcutcn  son  Ouarx.,  Thonsehieler.  Kicselschie 
fer.  l-'eldspalhkornern  .  zum  Theil  auch  (ilimmerblattehen .  sehr  fcsl  cemenlirl 
(lurch  ein  x.iihes,  kicscligcs  oder  kieselig  Ihonigcs  Hindemitlcl  .  \\clchcs  let/- 
lere  oft  (lurch  I'ein  \erllieille  Aiilhi-aeilsliiubehen  dunkelgclai-bl  \\ird  und 
dadureh  die  dunkelgraue  Farbc  des  (lesammluesteines  bcdingl.  Die  Varielalen. 
\\elehe  reicli  an  sich  parallel  lagennlen  (llimmerblallchen  sind.  bcsitzcn  cine 
mehr  oder  \\enii:er  deiitliche  dickschieferige  Slruclur.  Die  cigeutliclic  (irauuackc 


.  (ieoldjjr.  01 

(lurch  h>iner\\erden  Hires  Kornes  in  die  aiisserordentlich  leinkorniuen 
(i  rau\vaekenschiefer  Ubcr.  GclaniU  l»ci  diesen  d;is  Ihoniue  Bindcmittel 
/inn  U»er\\iepMi.  sn  enlslchl  die  dichlc  (Jrauuacke.  ein  homoizen  erschci- 
nendes.  verliiirleleni  Tlmne  ahnliehes.  meist  urau  ueliirbles  Geslcin.  Die  C.r.in 
xNackengcslcinc  spielen  in  der  silurisehcn ,  desonischen  uiul  uuteren  Kolilen- 
Ciilin  Formation  cine  ^iclitiize  Nolle  Boltmen  .  Voiijtland,  liar/.  Thilringen, 
We>l|>lialen  : 

c  Nil-fill  u  c  .  cin  licmengles  (louizlonierat,  bostoheiul  aus  stark  ahjieriin- 
drlen  Hdllsliickcn  \<>n  nicisl  jurassisclicn  Kalksteincn  und  Sandslciiicn.  /\\  isclicn 
siilchcn  \<>M  (irau\\ackc.  Kiesclscliicfi'r,  Quarz,  Grauil,  (Inoiss,  Scrpcnlin, 
(iahliro  u.  s.  \\..  KusammengehaHen  durcli  cin  Cement  von  \\eisslicliem,  izellt- 
licliein  oder  rnlhlicliein .  meriicliiicni  Kalkstcino.  Die  Nairellluc  ist  cin  stcllen- 
\\ei.se  sclir  machines  (ilied  der  Tcrliiiri'onnalion ,  wolcho  die  luirdliclicn  und 
nurduestlichen  AlpeiiNorher^e  /usannncnscl/.l :  . 

d)  Pudd  inysle  i  n  Flintcongloinoral).  abizcrundelc.  nuss-  bis  faustgrosse 
(Icrbllc  von  iiclbcin,  brauncin  oder  schvvarzeni  Keuerslein  licgcn  ansserordcnt- 
lich  fesl  verkiltet  in  cinein  fcucrslcin-  oder  hornsteiniilinlielicn  Ccincntc  \on 
^("Iber  oder  iiraucr  Karbc.  In  der  Silurforniation  Englands; 

e  goldfUbrendes,  sog.  blaucs  Conglonierat,  ein  festes,  sc%li\\ci- 
/i  rs|)n  uuli.ucs  Conglomerat  von  blaugrauer,  unler  dem  Einflusse  der  Alnio- 
spjirilicn  braun  \\  erdcnder  Farbe  aus  bis  cenlncrschweren  Geschieben  und 
Hlockcn  von  Ouar/,  Kalkstein ,  (iranit,  Oriinslein,  Serpenlin;  Gliinmersehiefcr, 
Tlionschiefer  u.  a.,  \vclchc  durch  ein  schr  festes,  kieseliges,  von  Schwefclkies 
iinprai:nirtcs  Hindcmiltcl  von  blaulich  grauer  Farbe  zusainniengekiltct  werdcn. 
Nebeii  deii  aufiie/.ahllen  (leseliicben  trill  Gold  in  bcdtmtender  Menge  auf;  das 
Hindcmitlcl  unifusst  nichl  nur  kleine  Korner,  Blatter  und  Bleche  des  edlen 
Melalles,  sondern  /.alilre.iche ,  erbscn-  bis  nuss-,  ja  laubeneigrossc  RollslUckc 
de.sselbcn,  so  (la>s  sielleiuvcisc  ein  fbnnlichcs  Goldcongloinerat  entstcht.  Diesc 
i — 6  M.  ni.iclilige  Coniilomerallajze  findet  sieh  in  einein  terliaren  Flusslictlc  am 
\\  estaldianiic  der  Sierra  Nevada  in  Californien. 

Die  Geschiebe  inanclier  flonglomerate,  nainenllich  solche  von  Kalkstein, 
/ci-en  x.nweilen  die  merkwUrdige  Erscheinung  gegenscitiger  Eindriicke.  Sn 
sind  /..  B.  fast  allt>  Kalkuesi-liicbe  In  der  Nagelflue  von  Bappeis\\  \  I  mil  oft  so 
Helen  l-'.indrilckcn  an  enlgcgeniicsel/len  Seilen  verselien ,  dass  hiinlig  nur  cine 
sclir  dilnm*  Seheide\vand  Ubrig  blcibt.  Diesc  Geschiebe  haben  bisvvcilcu  \\jr- 
deruin  in  denjenigen  (icsclueben  Kindriicke  verursacht,  voii  welchen  sic  selb.st 

solelie    erliallen    haben. 

'  I .    Hrccciou. 

Breceien  bcstchcn  ans  cckii:en.  schai'fkanli^cn  Bruchslilcken  von  Mincralien 
oder  (iesleinen.  welche  (lurch  ii'gend  ein  Bindeinitlel  fesl  mil  einander  \cr- 
einiut  sind. 

Hirer  Enlslcliungsu ei.se  nach  nniss  man  die  Breceien  in  Zusammcn- 
sc  h  \\  e  m  m  u  ngs-  und  B  e  i  b  u  n  g  s  b  reeci  e  n  liennen.  Mi'stere  beslelien  aus 
/:usaimnenuesch\\enimten  Gcslcinsfrai:meiilcn .  \\elclie  durch  chemisdie  oder 
meclianische  Absiil/c  des  Wassers  /u  einem  neueii  Ge>leinc  \erkiltel  \\orden 


Ill*  II. 

sind.  Die  Breceien  ,smd  mil  den  CongloiQ6rat6D  aul  das  en-sir  \er\\. mdt 
mid  gchen  dnreli  Abrundung  dcr  Keken  und  Kanten  ihrci1  (Jcslcinsbrnclislnckc 
m  Cnn-lnmer.ite  liber,  .lene  v\ic  dicsc  besil/en  cine  ansserordcnlliche  .Mannig- 
lalligkeil.  \Nclchc  \  or/.ugs\\  eise  aid  dcr  pell  (tgrapliisclicn  Vcrschiedcnarligkcit 
dcr  Brnclisliickc  und  dcr  Beschaffcnheil  des  BindemiUels  beruhi.  Man  unier- 
schcidcl  ilcmnach  Onary.ilbreccicn,  Kalksleinbreccicn.  (iriinsleinbreccien.  Tr,icli\l- 
brcccicn,  (Ineissbrecien  n.  s.  v\ .  mil  tlionigem.  kieseligem.  kalkigem.  eisen- 
schiis.sjgcm  Bindcmillcl,  welches  lel/terc  endlich  auch  noeh  aus  reineni  (ies|,-iiis- 
schntl  bcslchcn  kann. 

Als   bcsondcrs  eigenlhiimliche    Varicliilen   sind    her\  nr/.nlicbcn  : 

a)  Ouarzbrocken  le  Is.     Ouar/it-   und   llornslcinl'ragiuenle    ucrden    (lurch 
•  Jii.ii/   oder  Kiscnkicscl    Icsl   \crbiindcn.      Die  Spalten   /\\ischcn  den  Bruchsliickcn 
sind   haulig   dureli  Ouar/.-,     \melh\sl-  mid  Kiscnglanxnielalle   inerusiiri  :    Selmar- 
/.enbcrg   im    Kr/gebirg,e : 

b)  Tapan  hoa  nca  nga,    /oil-   bis   fuss-rosse.    eckigc   Bruchsliicke    von   M.i 
gneteisener/.,    Kisenglanx,    Braimcisenstcin   \\crdcn   dnrch    ein   Cement    von    Bolh- 
eiscnslcin.   Brauneisenstein   oder  Kisenncker  zusammengekillel.     Als  xuialli^c  Kin- 
sehliissr   \\erden   Gold,   Topas,    Diamant ,    Bulil   gclnnden.      Dieses  (iesicin    bildct 
in   dcr   IVosinz   Minas  (Jeraes    in   Brasilicn    cine   \\eil    .insgedelmle  obcrll.ichlielic 
Dcckc: 

c)  llaselgebirge,   Thone,   \\elche  mil   Fragmcnlen  der  benachbarh-n  ' 
sleinc  angefulll    sind    und    die  Sleinsalxbildungen    in    den    nordlichcn  Alpen    xu 
bcgleiicn   pllcgen  ; 

d)  Knochenbreecie ,   Kalksteinbruchstiickc -und  Fragmcnle   von  Conch\- 
licn.    natncntlich    abcr    son    Knochcn    und    Ziihnen    von    Wirbelthicrcn    \\crdcn 
(lurch    ein    ciscnsclnissigcs .     sandig    thoniges    und    sandig    kalkiges    Bindemillcl 
mchr  oder  \\eniger  lesl   verbunden.     Solche   Breceien    \on   Bhinoccros-.    Ilirsch- 
und    IMerdeknochcn   linden   sich    /.    B.    in   den  Spalten   des   Kalkslcingebirges    am 
miUcllandiselicn  Mccrc .    solche    von  Knoehen    des  Ursus   spelaeus ,    dei1  Jhacna 
spclaca   namcnllieh   in   Iliihlcn.   so    in    der  von  Muggendorf.     in    der  Baumanns- 
hbhle,   in  der  Adelsbcrgcr  (Ji-otte    und  \iclcn  anderen,   —   und   endlich    solche 
von  Replilien-  und  Fischrestcn,   das  Bonebcd,   als  eine  nur  einige  Centimeter 
miichtige   Lage  in  der  Grenxbildung  xwischcn   Kcupcr  und  Lias. 

Beibiingsltrcceicn  nenut  man  scharl'cckige  (Jesieinsfragmentc .  \\clclie 
dnrch  crnplixcs.  kr\stallinisclics  <'ieslciiisiiiatcrial  schr  lesl  \crkittet  sind.  7\\ci 
Fiillc  des  Abstamniens  der  Bnichsliicke  sind  mnglidi:  cnl\\cder  \\iirdcn  sic 
durch  die  aufsleigcndc  Krupti\ masse  \on  dem  Nebengesteine  losgerissen .  sind 

frcmdarlige  (Jesteinseinschliissc  in  dem  lcstgc\\  ordencn  Kruptixgestein.  - 
sic  (Mitslandcn  durch  Zerlriiinmerung  dcr  bcreils  1'estgew ordencn  Ober- 
Iliichc  durch  nachdringendc.  noeh  ililssige  (ieslcinsmasse.  Dann  isl  das  Material 
dcr  BruchslUckc  und  des  Ccmcntes  idcnlisch  oder  hoehstens  (lurch  die  Cmss,. 
des  Kornes  verschieden;  Breceien  erslcrer  Art  linden  sich  hiiulig  an  dendren- 
y.en  \nn  (Iranilcn  z.  B.  bei  Rcixenstcin  im  Fiehtelgebii -ge  .  F»'lsitpnr|)li\r  (z.  B. 
bei  Wcndisheim  in  Sachscn;,  Sxenit  (z.  B.  bei  .Mar«|iieUc  am  Lake  Superior. 
7.  B.  bei  Sales!  in  Bohmcn  .  Brcreien  \  mi  idcntischer  Zusammcns(>txung 


II.    iVtrourapliische   Geologic.  93 

der  Hnichsliieke  und  des  (lementes  sinil  namentlich  bei  den  Pelsitporphyfen 
('/..  H.  bei  Priedrichsroda  und  Oberhol'  iin  Thiiringer  \Yalde.  Niedeck  in  den 
VuLirsen  iiml  den  Diabaseu  (Voiijlland.  Thiiringen,  liar/  bekannl. 

Die    Hreccien.     souohl     die    Zusammenseh\\emmungs-     \\ie     die    Reibunu.N 
breecien.    neliiiien  nur  gerinuen  Anllieil    ;in    der  /usammeusel/ung  der  Krdknisle. 

:i.   Fnmilif.     ThoilgcstciilC. 

Die  Sehlamm-  und  Them-    (oder  limalischen)  Gesteine  bositzen  ein  ei'diizes 
limiio^enes    Ansselien  ,     heslehen     ;uis    I'einen  ,  Sliiuhkiirnclien    nnd    Seliiippelien, 
den   lliiek.sliinden  der  Verwitterunii,   naincnllk-h  folds])alhreiclieii  (iesteine. 
'•>.    Kaolin. 

Der  Kaolin  ist  cine  aus  sohr  feinon,  slauhartigen  ,  ecdiiKMi  Theilehen  be- 
steliende,  /.eiTeililiehe,  ineisl  iiltl'iirhonde  Masse  von  vorhoiTschend  \veissei'.  i;ell>- 
lielier  odei'  riithlieher  1'arhe.  In  seiner  reinsten  Form  isl  der  Kaolin  /ueii'aeli 
kieselsanre  Tlumerde  mil  2  Atomen  Wasser  und  dem  entsprechend  47,0")  Kiesel- 
siini-e,  --  39,21  Thonerde,  —  13,74  Wasser,  einc  Zusammenset7Ainc;,  welche 
jedoch  p-osseren  Seh\vankun^(>n  unlervvorfen  ist.  Gewohnlich  ist  der  Kaolin 
•  lurch  lieiLieinenute  Glimnierbla'ttchon  und  Quarxkorner  verunreinigt. 

Der  Kaolin  ist  das  Residuum  der  Feldspathzersetzung,  so  dass  namenllich 
Granile.  (ineisse  nnd  I'orphxi'e  das  Material  zur  Kaolinbildung  geiielten  h.ilien 
und  delude  dieser  Gesleinsarleu  die  Ileimalh  der  Kaolinlagerslalten  sind  ,  so 
l»ei  (lai-lsh.id  in  Itohmen  ,  bei  Schneeberg  in  Sachsen,  in  tier  Umgegend  von 
Halle  und  Allenburg. 
7:5.  Thon,  Lrlini,  Loss. 

Der  Thon  ist  eine  in  trockenem  Zustande  erdige,  milde  und  zerreibliche, 
an  der  Zunge  klebende,  in  feuchtem  Zustande  plastische  Masse  von  weissei1, 
-i.uier.  iielMich  izriinliclier,  bi'auner  oder  blauer  Farbc.  Die  Thone  sind  wasser- 
haliiiie  Thonerdesilicale,  \\elchen  Spuren  von  Kalk-,  Magnesia-  und  Kisenearbo- 
iialen  beiiz»'meni;l  sind,  ein  geschlemmtes,  zusammengeschwemmtes  Zersel/ungs- 
product  feldspallireiclier  Gesteine.  Von  zufalligen  Besl.mdllieilen  sind  Knslalle 
und  Kr\stalliii-uppen  von  Schvvefclkies,  Slrahlkies  und  Gyps  zu  er\viilmen  ; 
I'erncr  nniLisst  er  niclit  selten  Concretionen  von  Spharosiderit  ,  Thoneisensiciii 
nnd  Kalkmergel  und  sehr  hiiuliu  \\ohlerliallene  organische  Reste.  Aus  deu 
nrspriinglichen  Ablageruni:en  von  Tlionen  wurden  iin  Laufe  der  Zeit  (lui'ch  den 
Di'uck  der  auf  ilmen  laslenden  Gesleinsscliiclilen  lesle  sleinarlige  nnd  s<'hiele- 
Masse  n  ;Schieferthone)  .  Als  die  \\ichligslen  Varielaten  des  Thones  sind 


a)  Topl'ert  lion  ,   die  reinste  Vaneliit,   \\ciss,    hellgraublau   und  sehr  pla- 
slisch,    brennt  sich  roth  : 

b)  eisenschtissiger    und    gl  i  minerreicher   Thon    mil    liedeulendem 
EisenoxydgebaH,    deshalb    gell)    oder  rothbraun  ,    oder  mil    sehr    \  iel    Glimmer 
Itliittehen  : 

<•     I)  i  t  nni  i  nnsei    Thon.    dunkelgrau   bis  sch\\;ir/:     bleichl    beim   (iliiheii: 


',( 1  II.   Petrographischc 

•  I  Sn  I/I  lion  .  hiluminoser.  mil  Kochsalx.  impriii:mrler  Tlion.  Mcdcilcr  der 
Steinsalzlagersttttten ; 

c      A  l;i  n  n  t  li  mi  .    hiliiiiiiimxer.   mil  Sch\\  cl'clkicsllieilclicn    impr;ii:iiirlcr  Thon  : 

I  Sc  |>  I  a  r  i  e  n  I  h  on.  cin  an  kalkig  thonigen  und  mcrgcligcn  Nicrcn  ivichcr 
Tlion  : 

•j.  Uasa  I  I  1  lion  \\ackenlhon  ,  sichc  snl>  •">:>.  paii.  7-i,  <l;is  Kn<l|>roiiuct 
tier  /ersel/uni;  des  Fcldspath- Hasallcs ,  heslehl  \\esenllich  ;ius  \Nasserhallii:eni 
Tbonerde -Stiicat  und  1st  ,-ils  Residuum  der  Basaltc  /.u  belrachten .  uelchcn 
durch  koblensSurehalUge  \\asser  K;ili,  Nalron,  Kalkerdc  und  cin  Theil  des 
l''.ist'iio\\duls  und  dcr  Kicsclsiiurc  rnU'illirl  \\ordrn  sind  : 

li)  \Vjil_kci-dc  riillcrsciirdi),  cine  crdiiic ,  llioniilinliclic ,  cl\\.is  fclliiic. 
mi  Strichc  i:l;in/cndc ,  durchiiiis  nil-lit  pljistisclic ,  sondcrn  ini  \\asscr  /.crhro- 
ckclndc  .Masse  \on  ^cIMirli  Brunei'  his  oUvengrOper  h'iirhc.  Sic  isl  ehcnfalls 
cin  \vass<'rhalliiics  Thonerdesiliral ,  \\clchcin  conslanl  cl\\as  .Magnesia,  und  last 
slcls  cl\\as  Kalk  und  Kiscno\\d  hciiicmciii;!  isl.  Sic  Liclil  aus  dcr  Xci'scl/.unu 
\nn  hiahascn  und  Gahhro  hcrxor  und  isl  namcnllicli  hci  l{oss\vcin  in  Sacliscn. 
in  Slcxcriiiark,  in  Kiii>hind  (luillci'scarlli,  cin  (Jlicd  dcr  dorliizcn  .luralonnationi 
eotwickeU. 

Die  Tlionc  sind  nainentlich  in  den  jiingeren  Forniationen  voin  Jura  an  cnt- 
\\ickcll  und  wcrdcn  nach  ilii'cr  Stellung  iin  Scliiclilcnsxslcnic  so\\ic  nacli  ilnvr 
VersteineniDgsfUhrung  z.  B."als  Wealdenthon ,  Hilsthon,  -  Amattheentboae 
und  Ornatcnlhonc  Itc/eichnet. 

Isl  dcr  Tlion  durcli  I'cinon  Quor/sand  und  (Jlinunci'hliiltchcn  so\vic  cl\\as 
Kiscn  \cninrciniiit,  so  verliert  er  seine  Plastieitat ,  fQlilt  sich  rauh  und  inaucr 
an  und  \\ird  /urn  Lehin.  Besit/t  dieser  einen  Gelialt  von  kohlensaurcin  Kalkc, 
hrausi  cr  also  mil  Siiuren,  so  nennt  man  ihn  Loss.  Sehr  izc\\ohnlicli  uml'asst 
dicscr  ciiicntliiiiulich  t;c.slallclc  (lonrrelionen  von  Kalkmergel  (Lossina'nnrlicn. 
l.o.sskindclj  sowic  xahli'eiche  Resle  von  Land-  und  Siiss\\  assert  I  lieren.  Lelim 
und  Loss  hilden  inachtiiic  oluM-flachlichc  A*biagerangen  an  Bergabha*ngen  und 
in  Thalorn,  -  -  der  Loss  nainentlich  iui  Rhcin-  und  Donaulhalc. 

An  manohen  Localitiitcu  sind  die  Thone  in  Folge  der  Einwirkung  von 
Kohlcnhriinden  oder  hasaltischen  Eruptionen  iiehrannl  und  licfrillet  und  y.u  uan/ 

eiirenlliilinlichen  Gcsteinen  umuewandell  \\orden.   \velche  man  Porcel  la  n-  und 

% 

Basaltjaspis  nennl.     Diese  besitzen  eine  zieiuliche  lliirlc.    muscheligen  Bruch, 

scliNNachen  l-'eltulan/   und   graue  oder  rolhe,   /uni  Theil   gellanuntc  oder  ucstrcifte 
Kiirhung.      l)utt\\cilcr  hci  Saarhillcken,  Sichcngehirizc,  Zwickau,  Teplil/.  Bilin). 

Anljaii;_'s\\eise  mag  hier  des  Tschernoseni  gedacht  \\erdcu.  l'"s  isl  dies 
cine  Arl  sclmar/er.  Tciner  Rasenerde  mil  G  bis  10  IVocent  oriianischer  Sul>- 
slan/,  \\elche  eine  ausscrordcntlichc  Verhreitunj;  im  eenlralen  und  siidlichcn 
Hussland,  in  Sihirien.  so\\ic  in  den  Pi-acrieu  dcs  sildlichen  Noi'daiucrika  hat, 
\\o  sic  stcllen\\cise  c-ine  Miiehligkeil  von  7  Meier  crreichl. 

'  i .  Schieferthon. 

her  Schicrcrllion  isl  ein  inildcs.  /.ieinlicli  wcirlics.  scliiclViiies  (icslcin.  \\elchcs 
aus  \erhiirtclcni  Thone.  inikrosko])ischcn  (iliiiinici-hlallchcn  und  Uuar/.sliiuhclicn 
hcsleht.  Mr  isl  uc\\ohnlicli  gran  his  sch\\ar/.  ucfiirhl  und  nielil  selten  rcich  an 


II.    Petrographteche 

|)|];ni/liclit'ii  mid  Ihicrischen  Hcslen.  Schsx  ddkies  isl  cin  sehr  ucxxolmlichcr 
y.ulalliiier  Gemoniitheil  desselhen.  Als  S  c  h  i  c  fc  r  I  el  I  e  n  Ix'/eiclmct  m.in  die 

roihen  iind  Imnieii,  als  Bran  dschiefer  von  liiimncn  imprSgnirto  Schiefertfione. 

Die  Srhicfcrlhonc  sind  aiisuc/eiclmel  iicscliichlct.   sic  \scehscllaiicrn  mil  Kalk- 
sieinen .   Sandsleinen,    .Mcrueln   und   KohlenfiOtzen   iind  iicxsinnen   namcnllich   in 
dcr   kohlen-.    I  i,is   .    \\caldcn      und   Tcrliarformalion   cine   l>edeutcnde   Knlssick 
limi:.    sxahrend  Schieferletteti  namenilich    im  Kothliegenden    und  Bunlsandsteio 

\  ci'lft'tcn   sind. 

7'i.  TlioiisdiiH'er. 

Dt-r  TlKiiiscliicfcr  ist  cin  ausgezeichnet  schieferiges,  luirlcs  Thonticslcin  \on 
UK  is|  -i;uicr  odcr  scli\N;ir/cr,  (lurch  cincu  iici'iuucn  (icluill  ;in  koliliucr  Suhshiny. 
hcr\nri:chr;iclitcr  I-'jirlic.  y.u\\cilcn  durch  Kiscno\\d  ucll>.  i^riin,  roll)  ^cnirbl.  Ant' 
dcin  Mruchc  niiill  .  hoiuoiicn  und  ;inschcincnd  niclil  kr\st;illiniscli.  Schr  iic- 
\\iihnlirli  mil ScbwetelkieskrystaJIei)  iinti -Concrelionen,  fcrnci'  mil  Ou;ir/-Ncsicni, 
Triiiucru  und  Sdiiiiircn .  sonic  K.ilkslcin  -Knollcn  und  cudlicli  oriiiinisclicn 
Itcsicn.  Die  mikroskopische  Uritersuchung  silurischcr  und  devonischer  Thou- 
schicl'cr  hiil  cri:c!)cii.  d;iss  .sic  uichl.  \\  ic  iniiu  bishcr  ul;iuhlc.  hlos  ;ius  kl.islischcn 
und  |)clilischcu  (Icslcinsclcnicnlcn  bcslchcu.  nicht  Icdii^lich  dcu  crhiirlclcn.  I'ciu 
/.crricliciicn  Schl;iiiiiu  praeexlstirender  l;cls;irlcn  diii-slcllcu .  sondcrn  dass  sic 
inikroskopischc  kr\slallinischc  und  kr\stallisirlc  (icincniilhcilc  in  sich  cnlhaltcn, 
\\clchc  tifl  soiiiii-  die  haii|)Ls;ichlichstc  Hollc  bci  dcr  /usainnicusct/.uiii:  jcncr 
Schicl'cr  .spiclcn.  Dicsc  inikrokrNslallinischcn  Ucslandlheilc  sind  :  i^clMich  hraunc 
Niidclchcn  augenscheinlicb  \on  Hornblende,  nlle  dcr  iirsprtinglichen  Srhieferuni;s- 
cltcuc  parallel  Liela^crl.  un'inliche  odcr  irelNirhe  (Jliiniuerliifelehcn,  -  o\alc 

odcr  rundlichc  Ouary.kiirncheu  mil  xahlreii -hen  PlftssigkeitseinschlUssen.  Die 
Hiinder  dcr  Ouar/.ausscheidunpMi  verflicssen  fonnlich  in  die  uniuclicudi>  Ge- 
stcinsmassc:  um  sic  slelicn  /uucilcn  radial  a  uncord  note  /arte  (lliiniucrhliitlchen 
allscilii;  heruin. 

Die  eheniisehc  Xiisaininenselxunii  des  Thonsehicfers  isl  (Mne  seh\\ankcnde, 
doeh  eriiicltl  cine  Liriisscre  An/aid  von  Anahsen  foL-cndcn  Diirehschnitl  :  Kicscl- 
siiure  .'i'JjOO,  Thoncrde  :JI),00,  Kiscnoxyd  und  Kiscnoxxdul  7,40  - 

Magnesia  2,80,  --  kalkerdc,    t.JiO,   —  Kali  3,50,  —  Nalron  1,10,  —  Glilhserlusl 
Hiluincn   und    \\asser)    4,00.    - 

Nchen  dciu  uciucincn ,  an  acccssorischen  (icnicnulhcilen  reiehcn .  \\eni;: 
clicnschicrcriiicn  ThonschicfiT  unlcrsehcidcl  man: 

a)  Darh-  und  Ta  fc  I  s  c  h  ic  i'c  r.  die  reinslen,  sclii1  chcnschiereriuen  Varic- 
talcn  tl<-s  Tlmn.schicl'crs,  die  sich  Icichl  in  diinnc  Tafeln  s|)altcn  lasscn.  ei'slere 
son  urauer,  lel/.lere  \on  sehssarxer  Farl>e.  (St.  Goar  am  Hhcin,  l.chstcn  im 
Tliiirintici1  \Valdc,  (loslar  am  llar/e); 

l>)  G  ri  fIV  I  sch  icl'cr.  rcinc.  fcsle  Thonschierer.  \\clchc  .sich  in  l;oli:e 
des  Xusammcntretens  son  i:c\s  iihnlichci-  und  I'alseher  Schieferun^  in  izrill'clfiirmiizc 
Sliiniicl  spallen  lasscn.  Sininelicr^  in  Thdriiiiicn)  : 

c)  NVcl /sell  i  cl'cr.  cine  iiclhliehc  odcr  uriinlich  iiraiic .  jzan/  lioinoticnc. 
son  Kiesclsaurc  ilurclidriiniicnc  ThoiiM-hiclcrniasse.  (Ardcniicn 


II.      IVtl-dlMMIllliM-llC    <M'<l|<»»ic. 


il  /c  i  cli  urn-  Kdilen-  Schiefer.  feinerdigc,  \veidic.  milde,  sdmarxc, 
sehr  kolilcnstolVrcidie  Thonsdiieler.  (llaselbaeh  ini  Thiiringcr  \\al<l< 

e)  Alan  nsch  iefe  r.    \<m   knhligen  Snbstanxen    mid   \on   Sdi\\d'clkics  ini- 
pr.ignirte   Schider   son    srh\\;irx.lidier  Farbe.      Dcr  Kohlcnsloll'  ersdieint    xuucilen 
als   Anlhracil    in    bunt    angdaufenen    Iliinldicn    und   Sdmppen    ;iuf   den   Klilflen 
uiid   Spalten    dcs  (Jcsteincs.      Aus    dcr  Ycr\\  iUerung    dcs    Sdmefdkicscs    gdicn 
Kiseimtriol,  sowie  Alnun  hervor.       Mrit  lirul»;icli  ini  Voigllando)  ; 

f)  Granwaokenscbieier    und    dirhtr   (ir;m  \\  nckc.      siclic    sub.    70, 
1)),   cine  ausseronlrntlirli   I'cinkiirnitic  l>is  dichlr.    scliit-rcriiic.   /inn  Thoil  liliniincr- 
rcic-lic,   /inn  Tlicil   vollkommcn  thoDsdiieferarUge  Varictiit  dcr  Gr;niN\;ickc. 

Dor  Thonschiefer  ist  ausgczeichnct  iiescln'clitct  .  \vecliscllai:crl  mil  Kicsd- 
scliicfcrn,  KalkstciiHMi  .  Sandsteinen  ,  Grauwacken  ,  und  ist  naincnllidi  in  d<-r 
silurisduMi,  devonischen,  zuin  Theil  auch  noch  in  der  carbon  isc)u>n  ,  nur  aus- 
nalnnsNvcist1  in  jiiniicren  Fonnationen  enhvickdl.  Seine  Scln'eferuni:  fiillt  nidi! 
iminor  mil  tier  Schichtung  zusammen,  sondi-rn  durclisd/l  die  Tlionsdiicfcr- 
inassc  gan/  unal>liiin^ig  von  diesor,  CMIIC  Erschoinung  ,  \vdchc  als  falsdic  mlcr 
transMM-sale  Schieferung  be/.ciduid  \vird  (siehe  sub  Archileclonische  Goolouic,. 

Thon,  Schit'ferlhon,  Thonschiefer  und  Thonglimmerechiefer  iiehen  in  dn~ 
ander  iiber  und  lassen  sich  nur  in  ihren  *Exlremen  unterscheiden.  Der  echte 
Thongiiminerschiefer  besitzt  ein  enlschieden  kryslallinisdies  Gefiige,  umschliessl 
x.ahlrcidie  xufiillige  Gemengtheile  und  gehdrt  uamenllich  der  huronischen  .  pri- 
iniiiven  SchieferformatioD  an.  Der  Thonschiefer  ist  im  Bruche  matt,  fest,  aus- 
uc/.ddind  sehiefrig,  besitzt  sehr  ge\volmlieh  falsche  Schieferung,  ist  oft  \cr- 
stfint'runizsreidi,  filhrt  aber  nur  \venig  zufalligc  Gemengtheile  und  udio'rt 
naincnllidi  der  iilteren,  der  weiche  milde  Schieferthon  endlidi  dcr  mitileivn 
und  jilngeren  Formationsgruppe  an. 

4.  Familie.   Tuffe. 

Die  Tuffe  sind  zum  Tlicil  crliiirtdc,  xcrsclxte  vulkanisdie  Selilainmmasscn. 
/um  Theil  vulkanisdie  Zusammenschivemmungsgebilde,  d.  h.  Trtlmmergesleine, 

dcicn   M.ilcri.il    in  Form    von    vnlkanisdicn  Aschen,    Sanden    und   I>apilli  durdi 
uilkanisdic    Kruptionen    geliefert    und    spiiter    dureh    Mil\\  irkmiL;    dcs    \V;is>crs 
/.IIS.HIIIIICII   i:csdi\\cmml,    gesdiiditel  und  zum  Theil  stark  zerselxt   \\urde. 
7(i.    1'orpliyrtnlf.    (Thonstein.) 

Ucr  Porphyrlulf  isl  ein  didiles.  im  IJiiielie  crdiizcs.  hiintcs.  in  scincn  l;arben 
unizcniciii  \\cdisdndcs  (icstein,  aus  sdilainmartigcni  1'orpliNr-  oder  Felsilsdiull 
licr\ori:cL:;ini:cn.  Kr  mnsdilicsst  nidil  scllcn  krysl.illinisdie  (J^iaiv.kiirncr.  Kcld- 
sp;illikr\st;illc  odcr  Glimmcrbliittdicn  .  xu\\cilcn  audi  Hrocken  von  l'nrph\r 
tliidnrdi  in  Porphv  rbrecde  iibergehcnd)  und  endlich  PflanzenversteinerungeD, 
bcsondcrs  \crkicsdtc  Haiimstiimme.  Die  din-disclinilllidie.  dieinische  /usaminen- 
sclxniiii  dcr  PorphNrlufle  ist  der  der  Felsilporph\re  ausserordcntlidi  iilmlidi 
und  Iwiriigt  :  Kieselsiiure  77,00,  •  Thonerde  12,00,  Kiseii(.\\d  :>.<•>(). 
Kali  4  —  '^,00,  -  Niitron  1,00,  —  Kalk,  Magnesia  und  Spuren  \<»n  \Vassei-. 
Die  I'oi'itliNrtiilte  sind  xuni  Theil  sehr  dcutlidi  dilnn  g(  sdiiditct  und  trctcn 
/.  H.  im  erzgebirgisdbeo  Hassin  als  dlicilci  dc>  uniercn  Rothliegendeo,  l»ci 


Urdnit/    in    Miilmirn    nnil    bei    Do'Mcn    unsveil    Dresden    in    Wrbindun^    mil    Por- 
plnren   auf. 

77,  <<riiiis1nii1iift'. 

Der  (iriinstein-  oder  DiabastutV  isl  em  didiles.  ini  Brudie  entires  A^reual 
\iui  feinem.  sand-  odcr  staubartigeiYi  Grttnsteinschutt  von  meist  sdimnty.ii:  primer 
l;arbe.  weldies  \on  kohleiisaurem  Kalke  inniii  imprii^nirl  isl  Die  (IrUnslein- 
lufle  sind  liiiulii:  sdiieferk  und  filhren .  abueselien  von  iM'osseren  (iriln- 
steinbrocken ,  nichi  selien  oruanisdic  Hcsic  s<>  suldic  drr  Devon  formation 
l»«-i  Planschwiti  in  Sadism'.  Sclir  ^cwiilinlidi  iiclu'n  sic  durdi  das  Aullrclt'ii 
und  die  Ueberhandnahme  (lioni^cr,  edit  sedimepUirer  Beimengungungep  in  <ir.ui 
\\,K  krnsdiicl'cr  Ubcr  und  liildcn  ini  siidisischon  Voiiillandc ,  in  OboiTrankci), 
in  l)i»\onsliiiv  /wisdicn  silurisdicn  und  dcNonischcn  (icslcincn  inaditiiic  Ah- 
laizrninucn,  \\cldic  mil  cdilcn  Diahascn  in  cnizsU'in  Zusaninicnlian^c  sldicn. 
In  Siidlsrol  bildcl  rcinkiinii^cs.  ^csdilnnnilcs  Aiiizilporpliyriiialcrial  cine  rei:d- 
niassiirc  Fokc  von  diinncn 'rulVsdiidilcn,  \vcldic  das  Aussclicn  von  bald  lorkcren, 
li.ilil  fcstcn  korniiicn,  sdiwar/.cn  SandslciiHMi  l»csil/.cn  und  /wischon  den  Schich- 
(en  der  olteren  Trias  einLjesdiallel  sind. 

78.  Schalslein. 

Der  Sdialslein  isl  der  llauplsadie  nadi  ein  sdiieferiiier,  von  kolilensaurem 
Kalke  iin|)i-ii;4nirler  DiabasluH',  ^einenut  mil  Kalk-  und  Thonsdilamm.  Die  (Irnnd- 
masse  dessellten  ist  i'einerdi^.  sdiieferii;,  itrUn,  i;rau,  iU'llilidi  oder  rotlilidi  ue- 
I'.irlit  odcr  luinlirelleckl  und  durdi  und  durdi  von  kolilensaurem  Kalke  und 
xum  Tlieil  von  ChlorilsdiUppdien  iinpriiu;nirt.  Dieselbo  unusdiliesst  platlc  Hrudi- 
stilcke  \on  'riionsdiieler,  spiirlidie  Krjslallc  und  Korner  von  Fcldspalh,  und 
Korner,  l.aicen,  Nesler  und  Triimer  von  Kalkspalh.  Witlern  diese  Ictzteren  aus, 
so  enlslelien  lodiei'iize,  sdiwammii;e  (iesleine,  die  Bl  a  tterstei  nsch  iefer. 
Die  miltlcre  diemisdie  Xusaiiiineiisel/un;:  der  Sdialsleine  bclriii'l:  Kieselsaure 
:{'..  10,  Tlionerdc  13,  10,  -  Kisenoxyd  5,  SI),  —  Eisrmi\\dul  2,40,  —  Mag- 
iii  >i, i  I.<i0,  --  Kali  2,40,  — Natron  2,  HO,  Carbonate  von  Kalk,  Magnesia, 
Kiseno\\dul.  Man^anoxjdul  33 — 34,00,  -  NVasser  -5,10,  Phospliorsiiurc 

Spur,  —  spedlisdies  (iexviclit  2,0  -  2,8.  -  Man  kann  foli;cndc.  Varicliileu 
iles  Sdialsleines  unlersdieidcn  : 

a     norm  al  e  i-   Sdialslein  ; 

b  ma  ndelslei  na  I'l.iuer  Sdialslein,  mil\iel  kornern,  Knollen  und  Linsen 
von  Kalkspalh; 

c)  Sehalstei  nbreccie,     von    netzlormii;cn    Kalkspalhadern    durchzogeo, 
\\odurdi   die  (irundmasse    in   eekiiie  Sliicke   /.erllicilt    \\ird; 

d)  Se  ha  I  slei  ncongloine  rat; 

r     porj)  h  ^  rarli  |j;er  Scha  Isle  i  n  ,    mil  eingespreogton  Labradorkrvslallen. 

Die  Sdialsleine  slchcn  auf  der  einen  Seilc  mil  den  Diabasen.  auf  der 
anderen  mil  devonisdien  edilen  Sedimenlargesteinen  in  enj:sler  he/ieluing  und 
\ermitleln  den  I CberLiani:  y.\\  isrhen  beiden.  .Mandie  Sdialsleine,  so  ini  Nas- 
sauisdien,  fuliren  dexonisdie  Versleinerunuen.  Die  Sdialsleine  sind  namentlieh 
De\one  \.is>.nis.  dcs  llaiv.es  und  dem  Silure  liiilimens  eiiiiiesdiallet. 

i'ir  Jner,  Elemented.  Geologie.  7 


'.is  II.   Petrograpitische  Geelogie. 

Tii.  Tutte  <ler  trachytischen  uml  basalt  isclum  (icsteine. 

.1  Trach  \  Uuf  f ,  ein  l)iild  loekerer.  It.ild  dichter  und  fester  Tuff  von 
zerkleinertem,  /utn  Theil  zerselzlem  traehylischern  .Materiale.  welches  bald  eine 
kreideartige,  erdige,  bald  eine  kornige  sandsteinartige,  bald  cine  feinbreccien- 
arlige  Beschaffenheit  und  vorherrsehend  lichtgraue  oder  lichtgelbliche  Farben 
boii/i.  Die  Masse  umschliesst  nicht  selten  Kryslalle  von  Sanidin,  Hornblende 
und  Magiieteiseiierz,  sowie  fremdartige  Gesleinsbrocken,  enthalt  auch  zuweilen 
pllanzliche  Rcste.  ferner  Schnilre,  Nester  und  Triimer  von  Opal  (edler  Opal 
unvu'il  Kascliau  in  Ungarn)  und  geht  durch  Aul'nahme  von  Trachytgerollen  in 
Trachytcooglomeraf  ul)er. 

Die  Hauptlagerorte  des  Trachytluffes  sind  das  Siebengebirge,  Centralfrank- 
reich,  die  Mii^ancen,  die  I'mgegend  \on  Schemnitz  in  Ungarn. 

b)  Fhonolithtnff.  ein  weisserbis  briiunlich  grauer  Tuff  von  zerkleincrtein. 
phonolilhisehein  Material?,    welches   eine  nitirbe,    erdige    Beschaffenheit   besitzt, 
iiewohnlich  \er\\ilterte  Bruchstiiche  von  Phonolith,    sowie   Krystalle    von  Augit, 
Hornblende,   Sanidin,    (rlinnner   und   endlich   fremdartige   Gesteinsbrocken    um- 
schliesst   und    durch  Aufnahme  von  abgerundeten  Phonolithfragmenten  in  Pho- 
nolithconglomerat  Ubergeht.     Im  Hegau,   bei  Teplitz. 

c)  Bims stein  tuff  und  Trass,  ein  weisses,  gelbes,    graiies,   erdiges  bis 
diehtes,   sieh  rauh  anfiihlendes  Aggregat  von  zerriebenen  Bimssteintheilchen,   oft 
Brocken    von   Trachyt   und  Birnsstein,    ferner  Glirnmerblattehen ,    Sanidin-   und 
(iranatkrystalle  uinschliessend    und    mil   Bimssteinconlonierateii    eng    verkniipft. 
Am  Laacher  See,  bei  Schenmilz  in  rngarn,  in  der  Auv(>rgne,  in  der  Umgegend  von 
Neapel  dorl  Puzzolan  und  Pausilipptuff-genannl  ,  aufTenerifTa  (dorlTosca  genannt  . 
Eine  locale  Varietal  des  BiinssleintuH'es,  \\elche  in    den  Thalern  der  I'mgebung 
des  Laacher  Sees    (Brohlthal    und  Nettetlial     machlige  AblagerungtMi  bildel .    isl 
der  Trass   (Ducksteii^ .     Er  ist  eine  unrein  gelblich  graue.   erdige  Masse,  welche 
Fraginente  von  Bimsslein,   (Irauv\aeke,   Thonschiefer,   Basalt,   Lava,  und  Krystalle 
von    Sanidin,    Augit,     Hornblende,     Glimmer,    Hauyn,    endlich    auch    verkohlte 
Baumstiiinme    und    Aste    umschliessl  -und    /ur    Darstellung    des    hxdraulischen 
Mbrtels  verwandt  wird. 

d)  Alaunstein,  ein  weisser  oder  gelblicher,  erdiger  Trachyt-  oder  Bims- 
steintuff,    welcher  von   Alunit  in  feinen  Kb'rnchen  und  KrystiJ lichen  impra'gnirt 
oder  in  Giingen  und  Trilmeru   durclisclivviirmt   wird.     Bei  Tokai  in  Ungarn.    in 
der  Amergne,  bei  Tolfa  in  Italien. 

e  Basal tluff,  ein  diehtes  oder  erdiges,  schmutzig  graubraunes  Aggregat 
von  fein  zerriebenem,  ziemh'ch  zersetztem  Basaltmatei'iale,  \\elches  Brocken  von 
theil\\eise  zerselzlem  Basalte,  lenier  Krystalle  \on  Olivin,  Augit.  Hornblende. 
Glimmer  und  Magneteisenerz ,  sowie  Adern  und  Nester  von  Kalkspath,  Ara- 
gonit  und  Xeolithen,  endlich  organische  Resle  umschliesst  und  mil  Basaltconglo- 
merat  eng  verkniipft  ist.  Vergesellschal'tel  mil  diesen  und  \\ecliselliii:eiii(l  mil 
Basalldecken,  zum  Theil  als  Glied  der  Braunkohlenlonnalion.  lindet  er  sirli  am 
Vogelsgcbirge,  im  nordlichen  Bohmen,  am  llahiclits\\ald  bei  (lassel. 

I  I'eperin,  ein  schmut/ig  graubrauner.  feinerdiger.  \\eirher  Tuff,  in 
\\elchem  /ahlreiche  Kr\stalle  \»m  Glimmer.  Augil.  I.eiicil.  Magneteisenstein  \er- 


II.    Pelrographische 

theilt  liegen.  \\elcltcr  aiisserdem  cekiize  Bniclisliicke  \ou  \\eissem.  kornigem 
Kalkstein,  Basalt  mid  Leucitophyr  umschliesst.  Der  Peperin  bildet  cine  inai-liiige 
ueschiditete  Ablagerung  ini  Albaner  (ichiruc. 

g)  Piilagonit  tuff,  fin  izrscliichlclrr,  hrauncr  KasalttufT,  welcher  zalilrcidic 
klt-inc  hirtikt'lclicn.  cckiuc  Kiirncr  mid  Brocken  des  in  seinein  Ausscrcn  an 
KolnphoMimn  (M'iiiiuM'iidcn.  lioniuLiclhcii  his  hrauiKMi  I'ala^onitcs  umschlicssl,  dcr 
xu\\filcn  /.inn  \or\\,ilt»'mli'ii.  ja  so^ar  zum  einzigen  Bestandihrilc  des  Geslcincs 
\\cnlt-n  kann  Pa  I  ago  u  i  t  f  c  Is) .  Diesc  Varictiit  des  Basalltuftes  1st  \vahr- 
schcinlicli  durch  Umwandeiung  dieses  letzteivn  \\ahrcnd  cincr  liingci'cn  Sub- 
mersion miter  den  Meeresspiegel  enlstanden.  Ausserordentliche  Verltreilnnt: 
liat  der  PalagoniltufT  auf  Island,  ferner  auf  Sicilien,  den  cannrischen  Inseln, 
den  (ialapagos.  Derselbe  ist  jedoch  auch  in  der  Eifel ,  am  Habichlsvvalde. 
in  Nassau  naehge\\iesen. 

h  I.e  ueit  tuff,  ein  dunkel  gelblich  grauer  Tuff,  dessen  feinerdige  Grund- 
massc  \ci\\itterte  schneevveisse  Leucile  und  neben  diesen  Krystalle  von  Augit, 
(Jliiiiiner.  Sanidin.  sowie  BruchstUcke  von  Noseanphonolith  und  devoniselien 
Scliielern  mnsehliessi.  In  der  Unigebung  des  Laacher  Sees. 


Dritter  Absclmitt. 

Dynamische   Geologie. 


Die  dynamische  Geologie  ist  die  Lehre  von  den  Kriiften,  unter  deren  Mit- 
wirkung  das  Gesleinsmalerial  und  die  Oberftachenverhallnisse  der  Erde  eni- 
slanden  sind  und  noch  entstehen ,  sie  ist  die  Lehre  von  den  Agentien  in  dcrn 
Ent\\  iekelungsproeesse  der  Erde.  Als  solche  mllssen  nnincntlich  der  Vulka- 
nisnius,  die  inechanische  und  chemische  Thiitigkeil  des  Wassers  und 
die  Thiiligkeit  des  organischen  Lebens  gelten.  Filr  die  grossartige 
\Yirksamkeit  aller  aber  ist  die  Liinge  der  geologischen  Zeilriiumc  ein 
Rauptfactor. 

Der   Yiilkaiiisimis. 

Begriff  (les  Vulkailismus.  Unler  Vulkanisinus  verstehen  wir  den  Inbe- 
grill' aller  aus  dein  gluthfltissigen  Erdinneren  auf  die  Krdkrusle  wirkenden  Thiitig- 
kcilen  und  Kral'tjiusserungen,  -  -  den  Inbegrill'  aller  Koactionen  des  Iniifren 
unseres  1'la'nelen  gegen  seine  Rinde  und  Oberfla'che. 

Es  l)elliiitigt  sich  der  Vulkanisinus  nichl  nur  durch  Eruptionen  ge- 
schin  ol/ener  Geste  ins  masse  n  und  durch  Dampf-,  Gas-  und  lieissc  \\asser- 
ausslriimungen  und  AusbrUche  aus  Alofetlen,  Funiarolen,  Solfalai'en 
und  Gey  sirs,  sondern  aueh  und  /war  in  viel  haufigerer  und  einflussreicherer 
Weise  dureh  Erdbeben  und  /uni  Theil  mil  diesen  verkniipl'U-  Ni  \eau- 
verii  n  der  un  gen  \\eiler  Gebiele  ,  ja  gftttxer'C  online  nte,  so\\  ic  cndlich 
duri-h  iiirlir  odcr  \veniger  langsame  llebungen  einxelner  l.andslrichc  /  ti  (ic- 
l)irgs-  und  II  ii  hen  /  Ugen. 

1.  Vulkane  und  ihre  Thatigkeit. 
Hegriff  eines  Vulkanes.     Ein  Vulkan  ist  cm  llach--  oder  steilkegelfbrmiger 

Berg  odd-  Iliigcl,  der  durch  eincn  (lanal  mil  dcm  I'lrdimicrcn  in  Vcrltindung 
slclil  odcr  gcslanden  hat  mid  mancherlci  gaslormigcn ,  I'cslen  ,  bcsonders  aber 
glutbflUssigen  Malerialien  /mn  Ausgangc  <licnl  ndcr  gcdient  hut. 


III.    Bynamische  (Jeoiouir  KM 

N, ich  ilnvr  Haiiarl  und  Knt>ldmnus\\  eise  unterseheidet  iii;in  mil  K.  v.  See- 
bach  g  e  sr  h  i  fill  c  t  c  und  h  om  out'  n  e  Vulkane. 

i    Die  geschichteten    oder  Strato      Vulkane. 

§.  1.  Charakter  derselben.  Die  Straio\ulkane  hestehen  aus  mehr  od«-i 
\venii:er  regdm.i.vMgen  l.agen  oder  Sehichten  von  ausgeworfenem  oder  aus- 
gdlossenem  yulkanischem  Materiale,  wdche  von  einer  durch  den  Vcrbin- 
duniiscanal  mil  dern  Krdinnorn  reprasentirten  Axe  aus  nach  Ausseri  /n  ge- 
neigt  sind. 

l»i<-  Form  der  ineislen  Stratovulkane  ist  die  eines  mehr  oder  \\eniger 
si, irk  abgestumpflen  ,  tlachen  oder  steilen  und  auf  seinem  Gipfel 
kf^i-ls.  N.icli  ihrcr  l-'-nlstclHiti^sweise  ist  diese  Gestalt  der  Stratovulkane 
Scli\\.iiikiiiiui'ii  iinttMAvorfen ,  jeder  vulkanische  Ausbruch  vennag  eine  voll- 
Verandenmg  der  Conturen  hervorxubringen.  Eine  ganz  eigenthilm- 

l-orinaushildunt;  sind  die  Rippen  und  Furchen,  vvelche  von  dent  (lipfel 
in.iiii'liei'  /.  R.  javanisrlier  Vulkane  allseitig  ausstrahlen ,  die  Abhange  hinab 
laufen  und  nach  dena  Fusse  des  Berges  immer  tiefer  und  grosser  werden.  Ihre 
l<'.ni>telmng  ist  die  \\irkung  des  sich  gerade  auf  Java  oft  in  wolkenbruchartigen 
Massen  eiuiesscntlen  Regenw«ssers.  Ebensowenig  vvie  die  Conturformen  sind 
die  Di  men  si  on  en  der  \  ulkanenkegel  constant;  eine  fortgesetzte ,  gema'ssigte 
Tliatigkeil  erhohl  im  Allgemeim-n  den  Berg  durch  die  ausge\vorl'tMien  IVodncie, 
hel'tiue  \n>liiiiclic  hingegen  pflegen  ihn  theilweise  zu  zerstoren.  So  ist  der  Vesuv 
in  den  let/ten  iO  Jahren  um  etwa  150  Meter  gewachsen ,  -  -  die  Hekla  im 
.lahre  IS  Hi  um  150  Meter  niedriger  gevvorden.  Ueberhaupt  aber  schwanken 
die  Mohen  der  verscliiedenen  Vulkane  in  eben  den  weiten  Grenzen  wie  die 
der  nicht  vulkanischen  Berge.  Es  gehoren  einige  Vulkane  zu  den  hbch- 
sien  Gipfeln  der  Erde ,  der  Aconcagua  erreicht  22,434  Fuss,  der  Cotopaxi 
17,742,  «ler  Aetna  I0,ioo,  der  Pic  von  Tenerifla  11,408  Fuss  Hohe,  - 
andere  erheben  sich  kaum  :{()  Meter  ilber  das  Territorium ,  auf  das  sie  aufge- 
sel/t  sind. 

Als  der  \\icliiigste  Theil  der  Stratovulkane  ist  der  Canal  anzusehen, 
\vddier  durch  die  I'este  Krdkrusle  bis  auf  das  gluthtlltssige  Erdinnere  reicht, 
\\o  tier  Ansgangspunkt  der  \ulkanischen  Thaligkeil  7.\\  suclien  ist:  er  bildet 
den  Wei:,  auf  \velchem  liasformige  oder  glulhllilssige  Knijilionsmaterialien  aus 
der  Tiefi-  bis  /.ur  I'lnloberllache  gdangen.  V.r  isl  Ubrigens  nur  bei  im  /n 
stanch1  der  Thatigkc-il  hdindlidien  Vulkanen  ollen.  d.  h.  flir  vulkanische  Pi-o- 
ducfe  passirbar,  bei  erlosehenen  oder  im  /ustande  dc-r  Huhe  bc'lindlichen 
Vnlk.inen  hingc-gc-ii  isl  er  durch  erstarrle  l.a\cn  \erstopft.  Seine  obere,  meist 
trichler-.  kc'ssc-l-  oder  Idlcrformig  er\\c'ilei-le  Miindung  heisst  der  Kraler,  an 
\\eldieni  man  \\iedennii  den  Kralerrand ,  die  Kralerwiinde  und  den  kraler- 
boden  miterscheidel.  Vic-lc1  Vulkane  besil/.c-n  ausser  dem  meist  cM-niralc-n, 
/.u\\cilen  alter  aucli  auf  dcm  Abhange  geleuenen  nodi  einen  /\\cilen  llaupl- 
kralc-r  oder  x.ahlreiche  radial  angeordnele  Nehenkratere  mil  da/.u  izc-liorigc'n 
pai'iisitischen  Kc-gdn.  So  hat  der  Pic  von  Tenerifla  und  der  Mauna  l,oa  z\\ei 
Hauplkraterc' .  so  sind  ferner  am  Aetna  700,  am  Vesuv  30  kleinere  Eruptions- 


G  cologne, 

schlilnde   ge/iilill    \\urden.     Kinigcn   dcr   hoehsten  Slralox  nlk.ine   lehll   ein   eigent 
licher   Kraler.      Hire   Krnptiimsersdieimmgen    crfnlgen    ans  Spallen.    die    sidi   an 
den    Abliiingen   dcs   Kegcls   bildcn,    so  am   grosscn    Ararat,    am  Anlisana   in  Sild 
Amerika    u.    a.      Die  Diinensinnen    dcr  kralere    sind    ansserordeiillich   imgleich: 
\on   ciner  sclmachcn   Vcrlicfnng  anf  deni  Gipfel   dcs  Vulkancs   bis  zn   schrollen. 
kesscllormigen    Reeken    \on   3000,    .'iOOO   nnd   (5000   Meter   Durclnncsser  sind   alle 
(irosscn    \erlrclcn.      Dcr  Kraler  des   Slromboli    inisst  gegen   (570,    dcr  des   \Vsn\ 
t'n'O  .     des    I'opocalepell     1700,     dcs    Kilanea    auf    lla\\aii    cl\\a    -V|00     Meier    im 
Durchincsscr. 

§.   2.    Material   dcr  Vulkaneukegel   und   daraiil*  basirtc  Kiiillieiliini: 

der  Stratovillkane.  Die  Malerialicn  dcr  slralovnlkaniselien  Kegel  sind  Knip 
lionsproducle,  \vclchc  sich  inn  den  Ausbruchscanal  anhiinftcn  nnd  inchr  mler 
\\enigcr  schncll  zu  cinein  Merge  anwuchsen.  .Ic  naehdcin  nun  enl\\eder  inn 
Lava,  Tuff  oder  \iilkanisclier  Sclnitl  nnd  Sand,  jcdcs  fur  sich  allcin.  mler  alle 
drci  genicinsam  an  deni  Aufbau  dcr  Vulkaneiikegel  Theil  genoininen  habcn. 
sind  die  Charaklerc  dersclben  \ersdiicden,  so  dass  man  diesclbcn  gclrcnnl. 
a  Is  Lava-,  Tuff-,  Schutt-  und  gemisehte  Vulkaneiikegel  bclrachlen  muss. 

Die  Lavakegel  \erdanken  aus  dem  Kraler  fliessenden  geschinolzenen  (ic- 
slcinsmasscn  ihreu  fi'sprung.  welchc  sich  bci  dcr  ihnen  eigcncn  LeichlHiissigkeil 
uni  den  Eruplinnscanal  hcruin  ausbreitelen  und  sich  seJbsl  auf  wenig  genciglen 
Kbenen  fortbewegten.  Die  Folge  davon  \var  die  Bildung  ausserordcntlich  flacher 
Kegel,  deren  Bbschung  gewohnlich  nur  3  bis  10  Grade  betragl  und  die  ans 
lauler  einzelnen,  \venig  geneigten,  fasl  horizontal  liegenden  Lavaba'nkcn  bcsichen. 
Die  grossen  Vulkane  auf  den  Sandwich -Inseln.  der  Mauna  Loa  und  dcr  Manna 
Kca.  bcide  gcgcn  i3ol.l  Meier  hoch,  sind  solche  La\akegel  mil  cinein  durchschnitl- 

j.  lichen  Abfall  von  H  bis  <s 

Graden,  sodassdci'Durch 
inesser  des  Mauna  Loa  (500 
Meter   miter  scinem  (ii|t 
felilber  i  dculselicMeilen 

Kig.  !i.  Frolil  der  beiden  Latakegel  M.  Loa  uud  M.  Kea  uuf  Hawaii.  betlVigt  .    DicNN  iillde  seiner 

bciden  Kralcrc,  \on  deuen  der  seitliche  (der  Kilauea  dcr  /.\\cilgrossle  dcr 
Krde  isl  .  stiir/cn  in  /\\ci  Terrassen  senki-cchl  ab  und  sind  aus  horizonlalen 
Lavabanken  aufgebaul. 

Die  Tuffkegel    cut 
slehcndiidurch.  das^brci 
artigcTnlVmasscn  ddcrmil 
licissem  \\asser  gcmenglc 


,  Ki_-.    |(i.   1'rolil   il''-    Kr;iti'i~   Kilanea   l^lo. 

i;ri.st-tfr  I>iirclini''ss<T  Mini   Mrtcr.   Tii-fi'  'JlKt  bis  li.SO  M^tcr.  Lapilli.   Sallde   Ullll  AsellCII 

ans  dem  I'j'iiplionseanalc  Irclen.  sich  anfanglich  zu  eiiieiu  \\alle  rings  inn  den- 
sclbcn  anhaufen  nnd  sich  spaler  slromarlig  ilbcr  den  so  gebildeten  kralerrand 
crgiesscn.  Hires  breiarligen  /uslandes  ucgen  <  rl'orderl  ihre  l;orlbc\\egung  cine 
veignng  dcr  I'lilerlage  als  diejcnigc  der  Lavakegel.  Sic  bildcn  dem- 
Sdiidiien,  die  unter  15  bis  30  (iradcn  uach  Aussen  fallen.  Audi  das 
Innere  des  ge\M>lmlich  tcllerforniigcn  Kralerbassins  \\ird  \un  soldicn  Tunsdiidilen 


au.Nurkloidol,  \\olrho  dann  llach  iiach  dom  Kniptinnscaiialc  xu  gonoigl  sind. 
Dorarligo  TnlVkogol  rcsiilliron  namenllich  in  Foliar  soillichcr  Kruplion  grosser,  in 
der  Nalie  dos  Moeres  gologener  Yulkano. 


Fig.  11.  Profit  eine-i  Tuffkegels. 


Fig.  12.  Profil  Pines  Scliuttkegel*. 
(Assumption  -  Island.) 


Die  Sell  ut  I  keg  el  \\erdon  (lurch  Aiihaufung  dor  mis  dem  Kruptions- 
eanalo  in  fast  senkrechter  Richlung  und  zuwoilon  bis  xu  erslaunlichcr  llohe 
emporgegctteuctartea ,  daun  in  unmitielbaror  Umgebunu  dcs  Schliindcs  zurilek- 
fallendon  losen  Milkanischcn  AuswOffKbge  ^childol  und  bcslohen  dcinticnuiss 
.ins  HlookiMi  \<MI  I.a\a,  schlackiiicn  Lavaklmnpon,  vulkanischon  BoinlxMi,  l.apilli, 
vulkanisclicn  Sandcn  und  Aschcn.  l)i(>S(\s  Malrrial  isl  schirhlen\\cisc  m>sondcrt, 
so  dass  l.aia'ii  von  grohoin  und  fcinein  Haufwerko  mil  cinandcr  al)\vccliscln. 
Die  /urilekfallenden  Auswtirflrage  liaulcn  sich  mil  dcr  Zcil  zu  Kegeln  an,  derm 
Seiten  und  sehiehtenartit:e  Lai^en  35  — 15  Grad  Ncigunti  nach  Aussen  hcsil/cn 
und  deren  Kratere  ili<>  Form  rngrr,  sloilor  und  schlotahnlielior  Schlilndo  baben 
liu.  12).  Die  Seluillkeiicl  sind  in  dor  erslcn  Zoil  naeh  ihrcr  Enlstchung  sclnNaiv. 
neliinen  aber  allinahlich  in  Folt:e  \\eiterer  Oxydation  ihrcs  Gehaltcs  an  Kisen- 
<>\\dul  cine  rothbraune  Farbung  an. 

Die  Kogol  von  gcmischlcm  vulkanischcin  iMalorialc  bestehen 
aus  abwechselnden.  inehr  oder  \\cniijer  iiiachtigen,  schichtenartij:  aiis^ebreiteteii 
Lavaslrninon  und  l.a^en  von  losen  Ausvvilrflingen,  \\olchr  \\iederuin  von  Lava- 
uaiiuen  durehsel/i  \\crden  kbnnen.  Diese  stMikreehlen  Lavagangc  sind  ztmi 
Thoil  Ausfilllungen  \on  radial  voin  Kraler  ausstrahlonden  Spaltcn ,  vvclche-  bis- 
\vrilrn  inehrcrc  Hundort  Meier  I  Jingo  orroichon.  In  dcr  Aufeinanderfolgc  des 
\erscliiedenartit:en  Maleriales  Jierrsehl  keinc  Gesetzmassigkeit.  Bald  vvird  dor 
uiilcre.  llacliero  Thoil  des  Vulkanonkcgols  von  Lava  und  soinc  obero,  sleile 
I'arlie  \on  llauf\\erk  uebildel  'so  bciin  Aetna  :  bald  bostohl  dor  Kralorrand 
aus  solider  l.a\a  und  dio  Basis  dos  Borgcs  aus  loscn  Auswilrfliniron.  Xur 
<llasse  dor  uoinisohton  Keuel  t;ehoron  dio  incislen  Vulkano ,  so  doi1  Vesu\  ,  der 
Aetna,  dio  Vulkane  dor  l.aaehor  Gogond. 

§.  :t.  Untergrund  der  Vulkano.  Die  Gestoinc,  durch  welchc  sioh  die 
\ulkanisehe  Thatigkoil  Halm  brach.  und  auf  \\elehon  die  Vnlkanonkogol  para- 
silisch  aufgesettt  sind.  golioron  don  inannigfaohslon  Arlen  und  don  vorseliieden -- 
slcn  goolniziselien  l-'ormationen  an.  Sic  sind  thoils  selbsl  erupli\or  Natur  und 
selbst  bereits  friilier  aus  der  Tiefc  emporgodrunucn.  llieils  sind  sic  sodimen- 
tiiren  rrsprungs  und  Glieder  der  ijcschieliteten  (iesteinsreiho.  Auf  (iranilen 
ruhon  dio  Vulkane  dec  Au\ergne  und  <-iii  Thoil  doror  son  Quito,  auf  Diabas, 
Diorit  und  Porphyrit  die  Vulkano  dor  Canarischon  Inseln.  auf  (inciN>.  (iliminei 
und  Talkschieforn  die  Vulkane  des  Vivarais,  Volay,  so\\ie  des  l^lbrus,  auf  pa- 
laeo/oischeu  Sehiofern  und  Grauwacken  die  Vulkano  dor  Kifol  und  des  Laaehor 
Sees,  auf  tortiiiren  Sehichlen  der  Aetna  und  dio  Nou- Seolandisohen  Vulkane. 


III.     l)\  ii.miiM-lii'    li 


Hesonders  \\idiiigc  Sdiliisslnlueninuen  gcstatien  die  LageniDgsverhsHnissc! 
der  gesdiidilelen  (iesleinc.  \\o  diese  \<>n  \ulkanisdicn  MJISSCH  dnrdisctyl  mid 
nlirrdci-kl  \\cnlrii.  Mini  n.ihin  1'riilicr  mil  I..  von  lindi  mid  A.  \un  HIIMI|MI|(|| 
in  den  iiicislt-M  Fallen  ;ui.  diiss  die  vulkanisdie  Thiiligkeil  cine  centrale  Kr- 
liebiinu  dcr  rings  inn  den  Kruptionslierd  bclindlichen  (ieslcinc  /.nr  l-'ol;je  ge - 
haltl  halte.  in  dcr  \\Visr .  diiss  die  ;nil' den  benadibarlen  sedimcnliircn  Sdiidi- 
ten  gelagerlen  TuhV,  Aselien  und  Sdmlllagen  Hire  ufiu-i^te,  von  dcr  Ansbnidis- 
c.ssc  abfaUeode  LILIC  durdi  die  licl)cndc  kriill  ciiiLiccn^lcr.  \(ir/iii:licli  |i;isl'(ir- 
nii^cr  l'j'iipli()iis|ir(idiiclc  crluillcn  hiittcn.  An  cincr  dcr.ii'lii:cii  AiilVidiliini; 
h.itlcii  unlicdingt  ;mch  die  die  Grundliiuc  do  \  iilk.iiiisdirn  M.ih  ri;ils  liildcndcn 
-cdinicntiircn  (Icstcinc  'I'hcil  ticlmien  mtissen.  Mil  diosein  Krlnnlcrniss  stimuli 
die  Beobjichlimu  nicht  iiberein ;  viclmclir  ci'uicbl  sidi  ,nis  dcrsclltcn.  d.iss 
die  Lagernniisvcrluiltnissc  dcs  Untergrundcs  dcr  Vnlkiincnkcucl  \on  den  l^rnp- 
lionscrscheinungen  nidil  in,  (ici'ingstcn  Itccinflussl  \\ordcn  sind.  Rcispidc  d.i 
filr  liefern  die  trotz  zablreidicr  vulknnisdicr  Durrlihiiidic  vollkoniincn  iniLzcsinri 
(d.  h.  in  ihrer  friiheren  Stellung)  gebliebenen  Ldgerungsverbdllnisse  dcr  Sdiic- 
Iri  und  Quarzile  der  Laacher  Gegend ,  sowie  der  Kalkstcinc  und  Sdiicl'cr  dcs 
Kli.isberges  auf  -Sanlorin.  Damil  l';illt  audi  die  Theoric  son  dcr  KiiistdiniiL' 
IZCNN  isser  Kratere  und  der  steilgeneigten  Stellung  vulkanisdier  Sdiiditcn  dni'di 
Mrhebung  (Theoric  dcr  Krhebungskratere  . 

Ans  Obigem  ergeben  sich  /.\vei  \\ichtige  geologische  Resnltate :  I)  Die  \ul- 
kiinisdic  Tliatigkeil  ist  unabhangig  von  der  geognostischen  BdsebaffenheH  cincr 
(legend,  i lire  Ursa che  muss  deshalb  eine  von  jener  nnabha'ngige,  liclcr  liegende 
scin.  2)  Die  I.agcrungsverhaltnisse  des  Untergrundcs  \  ulkanisdier  (iebictc  sind 
durch  \ulkanisdie  Eruptioncn  niclit  gestort  vvorden ,  namentlidi  ;ibcr  ist  mil 
diesen  lelzteren  keine  centrale  Aufrichtung  der  die  Vulkaneukrgel  bildcnden 
Lavii-  und  SchuUschichteo  verbunden  gewesen. 

§.  i.  Kingformige  Umwallungen,  Einsturzkratere.  Kine  ansdieinend 
zosammengesetztere  Form  als  die  bisher  beschriebenc  ndimen  die  Vulkane  .m. 
\venn  ihrc  eigentlichen  Eruptionskegel  in  grosserer  oder  geringei'cr  Mnll'ci -nung 
von  einer  ringformigen  Urnvvallung  umgeben  sind.  Dieser  Ring\\all  besleht 
aus  Lavabanken .  \veldie  mil  Tutt'-,  Sand-  und  Sdintlsdiiditcn  \\echsellagern 
iiinl  \\  ic  diese  n;idi  Aussen  gcneigt  sind,  naeh  Innen  /u  abcr  sleil  ;il>sliir/.en. 
so  dass  sic  einen  weiten  Kcssel  iinisdilicsscn.  innerhalb  (lessen  sidi  dcr  l-j-up- 
tionskegel  aufgebaut  hat.  Der  Monte  Somma  ist  cine  soldie.  Ireilich  nur  Ilieil- 


Fiu.   i:».     Pr,.til  eines  »lt«rcii  Stratovnlkanf  s  I.MIIPS  KiiiRwullcs)  un<l  oinrs  jiinRprpn  Kruptionskegels 
in  <lr,n   Kinsturzkrater  de«  ertiterrn.     a.   VrrsHir^tn   alt-r  -iiAlnvulkan.     l>.   Ausfnlluiiu'  and   AoscbanD 
kratcrs  .lfi.-srlli.-n    durch   Schull    \<>ii   d.-n    k  r;it.TW»iid.>ii.      C.    N''ii'T   B«ptlWI8k«g«l. 
,/.  Spiliiii.'Mlar-Scliicliti'ii  di's  Uiitorj;ninclos. 


\\eise 


erliiillenc    riniiforinige     rin\\allniig    des     cigetitlidien     Vcsu\kegels.       M,m 
frilher.     \\ie    im    voriuen    I'arjiizraplien    i-r\\;ilint,    die    Knlsteliimg    dieses 


Ill        l»\n;ilili>dli'     (i 

an»i  ren    kratcr\\allcs    .ml    ccnlrale    lle|iuni:cii    \iui    la  >l     liori/nnlal    ahuelauerlen 
Sehiditen     \ulkanisdien     l'rs|n  unues    y.unick     und     nannle     die    anueblidi     durcli 
Hcrslun:-1    der    Sehiehlen      in    der    AM-     der    Krliebuni;     enlstandene    KinsenkmiL; 
'•Krliebuni:skraler         M.III    hal   jedodi    diese    iius.srreu    DmwallungeD    .ils    niclits   an 
deres    aur/ul'assen  ,    diMiii    ills     Kesle    eincs    alleren    und    /.inn    Theil    \ersliiryteu 

Stnatovulkanenkratersj    in  dcs>cu  Mine  sidi  die  Eruptionsproduete  cinen  ncuon 
\\  cu  balmien  mill  ciiicn  ncuen  ErupUooskraler  iiiiHtiuih-n. 

(j.  '•'>.  Waart'.  \\  <ilnvnd  die  eiuenlliclien  Slr;ilo\  ulkiiiu>  ails  einein  Seliult- 
odei-  l.;i\.ikem'l  heslelieii.  ill  \\elehein  dcr  Kr;ilcr  cin.ueseiikl  isl,  Irclen  in  \  ic- 
Icn  Milkiiiii.M-licn  deuendi'ii  kcsscliirliuc  kr.ili'i-eiiisenkun^en  iilll'.  \\elchc  cnl- 
\\edei  iiur  \<MI  einein  u.in/.  nicdrijicn  \\iille  \on  Tull'  mid  Honihcn  iniii:cl»cii 
Mini,  ndcr  sclhst  dieses  cnlhehren  und  nur  dnreli  einen  Kr;in/.  von  Hruelisliicken 
ihrc>  Nclicnuesiciiics  nniuiirlel  \\erden.  nic  alter  Lii\cn  zun»  Ausllusspunktc 
uedient  lialx-n.  Sie  hcsil/cn  moist  o\alo  oder  \ollkoniincn  kreisriinde  I'mrisse, 
sind  liiiuliu.  ;ilier  nielil  imnier  mil  NViisscr  iiiiiictullt  und  hildon  dann  reiiel 
in.i.sM.-e.  nur  sellen  mil  ciucm  /.u-  oder  Ablluss  \crsehene  Sceheeken.  M,m 
lie/ciclinet  sie  ills  k  e  s  s  e  i  k  r  a  t  o  re  oder  Mil  arc.  liber  Hire  Entslelinniisucisc 
lierrschen  \erschiedene,  noch  nieht  eodgttHig  cnschiodcne  Ansichlcn,  indem 
sie  /nm  Theil  als  dureli  |-!\|ilosion  unterirdiseher .  lioeli;j:es|i;mnler  (iiis-  und 
Dampl'  Ansainmlnnuen  liersoi'izelnvieliU*  ».Minenlrielilen<  l^xplosionsknitere  .  /.nm 
Tlicil  .ils  EinsturzvertiefungeD ,  \er;iidasst  dnreli  Ahselimcl/cn  dcr  tict'cren  (ie- 
sleins|tartieu  und  dadurch  hedintilc  l.oekernnii  des  SeliiehU^xerbandcs  hcli-iieli- 
lel  \\erden.  \\  ie  m, MI  aueli  uher  iliren  ITrspruns;  dcnkcn  iniiijc ,  so  seheinen 
sie  doeli  das  crslo  Stadium  in  dcm  hildunL;s|)roeesse  dcr  Slr.ilo\  ulkiinc  /n  re 
|tr,i>entiren.  indem  /\\  iselienlormen  y.uiselien  den  liohen  \ulkiinenkeiieln  und 
den  dcr  rm\\alluni:  cnllielircndcn  Kcsselkr;ileren  den  i;enetischcn  Xusamnien- 
liiini:  liridei  lu-knnden.  M.i.nr  uud  Slr;ito\  ulkanc  sind  dcmuach  (lurch  ,ill 
m.diliche  llieruanue  \crlnmdcnc  Ausltildnnusslul'cu  cin  und  derselltcn  ICnt\vickluuizs- 
reihe.  dcr  in  dcm  Maaiv  (lurch  l.ockci'iuiii  dcs  Cesteines  gedffnete  \\Cii  iiah 
\  er.inliissniiu  /.u  \\iederliollcn  I'lruplionen  \ou  (iascn  und  Lavon  uud  somit  dureh 
iillniiiliehc  Anhaufuni;  dcr  \ulkiiniselicn  I'rodnele  y.um  Aiifhau  cincs  Slrato- 
\iilk. ine^.  Audi  Peutsehland  hesil/l  in  den  \ulkaiiischcn  (ichiclcn  dcr  1'lil'el 
und  der  I  mueuond  \oii  Laach  cine  An/.ahl  soldier  Maarc.  Die  Itckiiimleslen 
sind  d;is  I'lilxcrmaar  hci  (lillciileld,  das  NN'eiiil'clder  und  d;is  (icmiindener  Miiar 
hci  Daun  .  \vcldic  in  de\onisehe  <irau\\aeke  uud  Thonsdiicrer  ciniicscnkl 
sind.  Audi  dcr  l.aadicr  Sec  sclhsi  \\ird  \on  .Manchcn  I'iir  cin  Maar  ge- 
hiillen.  Hirer  Schniihcit  \\ei;cii  beriihml  siud  y.\vci  mil  Wasser  ucliillte  Kr;i- 
Icrkcssd  mi  Alkmer  (iehirge.  del1  See  son  Alkino  nnd  der  \on  N'emi  : 
HUQSerordenllicb  reidi  isl  ferner  .lava  an  a'linlidien  .  den  Maaren  analoiicn 
Mlduogen. 

§.  (i.  I  nters«'i'isrlu'  Vulkane  und  Viilkancniiisolii.  Hei  dem  ul»er- 
\\ieucud  iirossen  Ai'calc.  \\cldics  das  \\asser  iiul  l-lrdeii  eiunimml,  isl  y.u  ci'- 
\\iirlcu,  dass,  so  \\  ic  auf  dcm  Iroekenen  l.andc,  audi  aid'  dem  .Mccresi;rnndc 
\ulkaniselic  Kni|tlioiien  sliilllindcn .  in  l-'olge  deren  VulkancnkcLiel  enlslehen. 
Di(>  iirosse  Mchr/ahl  dcrsclbcn  mai:  die  Ohci'lliidic  des  Meeres  j^ar  nidil  errei- 


Illli  III.     iKn.imi.M'lio    (n-olo-ic. 

chen.  \\alirend  andore  dioselbe  liocli  iiborragon  Vulcaiio.  rino  dor  liparischcn 
Inseln.  H!»  M.  .  der  Kosiniii.  /wisohon  Nipon  und  .leso.  232  .M.  ,  und  ondlieh 
noch  andore  sich  nur  mil  ilirem  Kraleirande  fiber  den  Meero&apiegel  erhoben. 
In  lot/torem  Falle  \\orden  \ollkommon  gesohlossene.  moisl  abcr  ;in  einor  Stollo 
untorbroelione .  ringforinige  Vulkaneninseln  gebildet.  Dieselbon  uinschliessen 
fin  kreislormigos  odor  elliptisehes  Seebeeken.  in  (lessen  Milte  niclil  selton  oin- 
zolne  kleinere  Inscln  erschoinen  .  \\clohr  oinen  jUngeren.  eenlralen  Krnptions- 
knilor  ropriisciUiron.  Solcho  Kratorinseln  sind  /icnilich  /ahlroich.  jodoch  in 
Foljio  der  loichten  Zerstorbarkoit  ihres  loson  Malcrialt  s  /.nin  Thoil  so  vcriiant:- 
lichor  Natiir.  dass  si<-  liiiuliu  dor  xorsliirondcn  Goualt  dor  Wouon  nidi!  /,ii  \\idor- 
>l(ihon  xonniiiion  und  dann  nach  kurzoin  Dasoin  \\iodor  \orsoh\vinflon.  Nnr 
\\onn  ilinon  duroh  solido  I.a\aniasson  Halt  gegeben  \vird.  uowinnon  diosollion 
an  HosUind.  Santorin  ini  i-i-ioohisohon  Arohipol,  Deoeplion  Island  Slid  \Valos  . 
Amslordain  Island  sind  ausgozoichnoto  Bcispiclo  solcher  Kralerinsoln .  \\ahronrl 
dio  iin  Jahro  IS.'H  ini  niiltollandischen  Meere  zwischen  Sicilicn  und  Panlollaria 
onlslandono  vulkanisrho  Insel  Fordinandoa.  dio  unler  fort\vahrondor  Kruption 
bis  /u  7^  M.  Hoho  gowachson  war.  nach  halbjahrigoin  Besk'hon  \viodor  \or- 
schuand. 

§.  7.    Kiiiiniliclio  Verkniipfuiig   cler  Yulkane.    Vulkanenreihen    und 

Vlllkanengrupp^ll.  Dio  Vulkano  Irolon  onlwedtr  isolirt  als  Einzoh  ulkano  odor 
in  oiucr  grossoron  Anzahl  vergcsollsohaftet  auf.  Die  Gruppirung  dor  lolzloron 
scheint  oinor  gowissou  (ioselzmassigkeit  zu  unlerliegen ,  \volohe  sioh  ent\\oder 
in  oinor  reih  (;  n  form  ige  n  Anordnuug  oder  einer  haufenformigo  n  7.  li- 
sa in  mo  u  d  rii in  gang  dor  oinzolnon  Individuon  kimd  giebl.  Nach  der  raum- 
liohon  Ko/iohiing  <lor  Vulkano  /,u  oinander  untorscheidot  man  doninaoh  Vul- 
kanonroihon  und  Vulka  u  en  g  ruppo  n. 

\iilkanenreihen  sind  dor  Inbegriff  einor  gross*'^1!!  An/ahl  von  Vul 
kanon.  seiche  in  oiner  Linie  an  einander  gereiht  sind.  Die  Reihenvulkano 
erheben  sich  entwoder  als  vulkanische  Inseln  Uber  den  Meeresspiegel  Ktirilen. 
Alouton,  Antillcn),  oder  sio  stehen  auf  deni  Riicken  oinos  (iebirges  oder  Pla- 
loaus  und  bildon  dossen  Gipfel  so  die  Vulkanenreihen  \on  Quito,  Bolivia  und 
.Mexico  .  Dio  Zahl  der  zu  einer  Reihe  zusanunenlretonden  Vulkane  schwankl 
lu-lrai  lillich.  Die  Vulkanonroilio  von  Chili  bcsteht  aus  33,  die  von  Kanischatka 
aus  :{S,  dio  dor  Aleuton  aus  48  Vulkanen.  EbensoNsonig  horrscht  eine  Rogol- 
massigkoil  in  dor  (Irosso  dos  Abslandes  z\\isoh(Mi  don  einzelnon  Individuen  der 
Vulkanonroiho.  In  manchen  Fallen  sk^hen  die  Kegel  so  dicht  "neben  einandor. 
dass  sio  sich  mil  ihrer  Basis  borilhren,  in  anderen  betriigt  ihr  niilllerer  Abstain! 
•  i  Mrilcn  so  in  der  Vulkanonroilio  \  on  Chili  ,  in  nooh  anderon  \i  so  in  dor  von 
Mexico  .  Anch  die  Liinge  dor  Vulkanenreihen  schwankt  zwischen  \veiten  (iron- 
/on.  Die  chilenische  dehnl  sicli  £iO,  dio  poruanische  105,  die  der  Aloulon 
170  Moilen  aus;  fasst  man  dio  Vulkano  an  dor  Westkilste  Mittol-  und  Siid- 
Amorikas  als  eino  oin/igo  Reiho  auf.  so  orroicht  dieselbe  oine  Ausdolmuni:  \<>n 
fas!  I  (MM)  Moilen.  Die  Linio .  auf  wolohor  die  Vulkano  /.u  einor  Reihe  ange- 
ordnoi  sind,  hat  onl\\oder  auf  ihrer  ganzen.  ol'l  seltr  bodeutondon  Ausdohnung 
einen  geraden  Verlauf,  oder  sie  ist  ot\\as  uebo^en.  Die  sclion  melirmals  or- 


III.    byitainisciic  (ii'do^ie.  107 

\\almle  Vulk; menreihe  \iiii  (ihili  isl  Irol/  Hirer  Lirossen  l..mue  lasl  Millkoinmen 
iieradlinii::  elienso  die  \oii  .Mexico.  Als  ansue/.eidinele  Beispiele  btgenfbrmig 
uekrumniter  Heihen  komieii  die  Aleulen,  Kurilen  uiul  <lie  kleiuen  Antillen  uel- 
tcn.  Kine  itutliilliue  KiuenthUniliehkeil  dieser  \ulkiii\isclien  liiselscliimreii  isl  es. 
il.iw  sic  slels  die  eon\exe  Seile  ihres  Hourus  dein  otVenen  Meere.  die  Ollnunu 
des  Hoizens  deiu  r'esllande  /uwenden.  /u\\eilen  lauleii  /.\\ei  soldier  Ynlkanen- 
rrihrn  parallel  nelien  rinandrr  her  so  in  der  Anserine,  ini  lloclil;inde  MIII 
Ouito.  mi  \\eslliclien  Theile  \on  .la\a  . 

Das  deset/.  der  reihenforiniuen  Anordnm«n  der  Vulk;ine  Irill  nichl  nur  ini 
drnsseii.  \\  ie  .111  ol»ii;en  heispielen  erliiulerl  .  lier\or,  sondern  innchl  sich  ;uicl) 
ini  Kleinen  ;in  der  (inippirnnu  der  p;inisiliscli  deiu  HauplN  ulkiiiicnkeuel  iiul 
Nil/eiiden  Nelienkeiiel  uellend,  \\elche  el)enf;ills  liiinfii:  in  ueriidliniiier  Kiclilnni; 
iiiieiiiiinder  uereihl  sind.  Klu-nso  \\ie  diese  .ml  Hissen  des  llaupl\  iilkiiues  x.iir 
Aiisluldiini:  ueliinut  sind.  so  isl  ;nicl)  die  iiesely.iniissisie  Anordiuini;  der  urossen 
Heilien\iilk;me  diirdi  Spjilten  in  der  Krdkrusle  Itedinut.  deren  oll'ene  Stellen 
di<>  <Mj;enllichen  Krupli(tiKSc;iiKile  der  Vulk;ine  hilden.  Mil  dieser  Deiilunti  mid 
drin  rnisliinde.  diiss  die  Vulk;moiireilien  x.mn  liriisslrn  Thrile  auf  die  Kiislen 
4lrr  (loiiliiirnle  ln-schriinkl  sind  mid  diesen  ini  All^emeinen  panillel  liinlen. 
sliininen  ;nicli  unsere  Ansiclilen  (liter  die  l<;nlsl(>liiuii:s\\rise  drr  (Iniilinriile 
ulterein.  \\elchr  ;ils  ^eliol»ene  l';irlirn  drr  iiehorsleiien  Krdknistr  aiir/iifcisson 
sind.  mid  deren  Ahlrennmiu;  \on  dein  sulniuirinen  Arr;ilr  cine  Sp.illenltildmii; 
Miriiiisueu.uiuen  sehi  muss.  An  einer  frUlierrn  Stelle  'pnt:.  10)  isl  hereils  her- 
\oruehohen  \\orden,  diiss  die  heiden  urossen  (loiitineiiliilniiissen .  \\elche  das 
l;e^tl,ind  der  h'.rde  miiliissen  ,  in  I'iisl  rechleni  \\inkrl  auf  ihrr  l.an^srichtllliu 
dun  h  liefe  hiichlen  mid  \Yas.srrstrassen  in  eine  nordlirlir  mid  cine  sildlichr 
Haltle  ueiheill  vvordoii.  Dass  diese  Trennung  keine  oherflarhliche  ist,  sondern 
,ml  Sp.iltenliildnnuen  in  der  Krdkrusle  heruhl  .  darauf  deutet  der  Rrirhlhuni 
jener  Dislricle  an  Vnlkanen  Inn  :  die  Hnchl  /.uischen  \ord-  mid  Sild-Ainrrika 
mil  den  kleinen  Anlillen.  das  Millellandisclie  Meer  mil  den  Vulkanen-(ie- 

hielen   der   liparischen    Inseln.    Siciliens.    der  apenninischen    Hallmisel,    der  i:rie 
chisclien    Inseln   mid    Kleinasiens.      -  das   Holhe   Merr   mil   seinen  VnlkaiH-ninseln 
mid   KiisleiiMilkunen,      -   die  (Iren/.klufl   /.\\ischen  dein  asialisehrn    mid  austra- 
lischen   (ionlinenle    mil    .lava,    (lelehes   u.    s.    \\ . 

V  n  I  ka  n  en^rup  pen  sind  Veri;esellscliidlmiuen  melirerer  Vulkane  ,  cnt- 
\\eder  dime  dass  denselben  iri;end  eine  erkennliare  Iteuel  /u  (irnnde  lietil. 
oder  so.  dass  eine  An/.alil  \on  Viilkanrn  radial  mil  einrii  ^rosserrn  (lenlral- 
\nlkan  ^eordnel  isl.  \\elcher  sich  (lurch  seine  llohe  mid  die  Xahl  seiner 
l-j-nplioneii  \or  den  iil>rii;en.  /.urn  Theil  erloscheiKMi .  kleineren  Vulkaneuke»elu 
.nis/richiiel.  I'iin  solches  Verhallniss  isl  xieinlich  sellen  mid  naiiKMillich  am 
\lna  mid  in  der  (irnppe  der  canarischen  Inseln  ausiiepriigt,  in  v\ richer  Irl/.- 
leren  drr  I'ic  \on  Tenrrilla  die  Molle  des  llauplvulkanes  spiell.  Heispieie  mi- 
reuelmassii;  liaufriiloriniiirr  (iruppiruni;  liefern  die  (lalapaizos.  so\\i-  die  lipa- 
rischrn-  Inseln. 

§.  N.  Lage  der  Yulkane  init  Bexug  auf  Land   mid  Meer.     Kinc  }>e- 

deulsaini'   I'.ixeheinmiii  ist  die  Abhaiiiiiiikeil   der  tlialijzon   Vulkane  von  der  Nalie 


Ills  HI.    DviiiiiiiiM-lio    (i 


\\  .iv-erllachen.      Die    bei    \\eitem    rneislen    der  existirenden    Ynlkane    lie 
,uil     Ins.  'In.      die    anderen     fas!     alle     langs     der    Meereskilste     mid   einige 
in     der     Nahe     i:russer    Hinriengewjisser.      Nur     seheinbare     Ausnahmen 
machen  die  iin   Inneren  em/elner  Continente    gelegenen  ,    crloschenen    Ynlkane. 
inir  scheinbar.     \veil    ihre   Thatigkeil    in   /eilen   I'iillt  .    \vo   sich   das   Men1   liis 
in    ihiv    N.irlilt.ii  sch,  ill    erstreckte     oder    Seen     sich    in    Hirer    Nahe     ansdelmten, 
deren   Gren/en   (lurch    spatere   i;e<»|oi;isehp   Vorga'nge    verrilckt    \vurdon.   Sn   lie-en 
die   Viilkane   des   l.aacher  Sees   and   der  Eifol    heute   W   Meilen   von   der  Meeres- 
kiKie.    \\elche   sich   vor   verhallnisjpinassifi  noch"  kuiven  Zeitriiumen   nur  in   \\eiii- 
uen   Meilen   KnU'ei-nnni:   \on  derselben  hin/op.    Ahnliches  u;ilt   von  den  erlosche- 
ncii    Nnlkanen    der    Rocky    Mountains  und  der    ihnen  parallelen  westlichen  Ge- 
l>ii-i:s/iii:e.   an    deren  Fuss    sich    gleichfalls    \vahrend    der  Tertiar-    und   Dilnvial- 
/eil    .Meeresbuchten    und    weite    Sils.s\va.sserllachen    ausbreiteten.      Auch    in    der 
Nahe  der  Vulkane  des  cenlralen  Frankreichs   isl   die  einstige  Existenz    inehrerer 
Seebecken  nachgewiesen.  Wahre  Binnenlandvulkane  beh'nden  sich  nur  im  Inneren 
Asiens  in  der  noi'dwestliehen  Mandschurei    und    auf  deni  Thian-Schan  Gebiriie 
sd\\('ii   vom  Meere  entfernt,   als  dies  bei  der  jetzigen  Vertheilung  von  Land  nnd 
\\a->er    iimulieli    isl.      Doch    auch    hier  hat    man  Grilnde,   ein  postterliiires  ,isi,i- 
lisches  Binnenmeer  annehmen  zu  dilrfen.     Trotz  einiger  Ausnahinefalle    ist  die 
He^el.  dass  die  ihiiligen  Vulkane  an  die  Nahe  grosserer  Wasseransammlungen  ue- 
Imnden  sind,   cine  wohlbegriindete.  Von  den  225  Vulkanen,  welche  sei!  der  .Milie 
des  \origen  .lahrhunderts  Eruplionen  gehabt  haben,  liegen  I  •")•")  auf  Inseln  und  nur 
70  auf  Continenten  und   von  diesen  die  Mehrzahl  direct  an  der  NeereskUste. 
§.  9.     Geographische  Vertheilung  der  Stratovulkane. 
I.   In  Europa. 

a.  in  Den  tsch  land. 

1)  Vulkanengebiete  der  Eifel  und  des  Laacher  Sees,    letzteres   allein    mil    »o 

Vulkanenkegehi  und  zum  Theil  ziemlich  bedeutenden  Lavastromen.  Sie 
sind,   soweit  menschliche  Nachrichten  reichen,   nicht  thatig  gewesen  ; 

2)  der  Roderberg  bei  Rolandseck  am  Rhein  mil  einem  flachen,   800  M.    hal- 

tenden  Krater; 

3)  der  Ka  in  tnerbil  hi  bei  Eger,  ein  25  M.  hoher  Schlacken-  und  Schultke::el  : 
i     ein  kleiner  Vulkan  im  SUdosten  von  Ma'hren  an  der  Bistrizka  : 

5)  drei  Vulkane  an  der  Gren/.e   \on  nste.rreichisch  Schlesie'n  ; 

6)  Resle  eines  Vulkanes  im  Ries  bei  Nbrdlingen  in  der  rauhen  Alp. 

b.  in  Siebenbtiryen. 

Mehrere  Kralere  und  Maare  bei   \V  a  s  c  h  a  r  h  e  \  . 

c.  in   Frunkri'icli. 

\)   Das  Vulkanengebie  Uler  Auvergne  mil  43,  bis  235  M.  hohen,    erlosehenen 

Vulkanen; 
2)   das    Vnlkanengebiet  des    Velay    und    Vivarais,    ersieres    mil  iiber    li>(> 

Kraleren.    lel/.teres  mil  (i   Vulkanenkegehi  : 
:t     Vulkane    mil    l.avaslnimen  ,    so\\  ie    ausuedehiilen   TnlVbildungen    l>ei    Agre, 

VaUos  und  Montpellier. 


^  lit.     l)\ll,lllliscllf    (ieoliiLiie.  11)11 

d.    in   S/iunicn. 

I     YulkaneiiLjeliiet    \on    Cal  .1  In  n  i  en    mil     II   ausge/eiehnelen    Sehultkeizeln  ; 
2)   die  Colunibretes   I  use  In   y.\Nisehen   Yaleneia    mid   der   Insel   Majorea. 

«'.    in    / la Ht'ii. 

I      Die   K  uiz  ,MI  e  t-ii,    t-inc   kleine   Yulkanenreihe   bei    Padua: 
2)    die  r'nmarolen  von  I,  a  rd  «•  1 1  o  in  Toseana.  namentlieh  Borsiiure  enl\N  iekelnd  ; 
;l     d;is  Cimini   Gebirge    bei   Yilerbo   mil   einem   Kraler   inul    von   SrhhrktMi 

mill    l..i|)illi    lii-ili-ckt: 
i     d. is  AlhiiinT  (Jcltiriic  bei  Rom,    Iliiuptkcud  Monic  (lavo,    1000  M.  liodi. 

Ks  \\ird   uin^chcn   \<m  der 
!i)   (lain  pa  j;  n;i    mil    /ahlivirlirn    Krateron,     Laviistoincn  ,    Schull-    und    Tiill- 

bildnnpMi : 

6)  Rocca   in  u  n  fi  n  a  .   mil  ^rossein  Kraler,   in  diesem    IIOIIIO^MUM*  lu'uptions- 

kegei; 

7)  die  phlciirai.se  hen   KeUler  mil  27   Kraleren; 

S)   der  Yulkan  Vullur  und  der  Kniler  l>ago  diAnsanlu  in  ostlicher  Ricli- 

lun-    \on    Neapel  : 
9)   Vesuv,   3720  F.  holier,  kegeli'bnniger,  noeh  thiiliger  Vulk;m  mil  llieiKveiser 

riniiformiiitM-  Umwiillung   (Monle  Soinina) ; 

10)  Inst-l   Is cliia    mil    dem   l^poineo   und   noch  12  kleineren  Vulkanenkegeln ; 

11)  Sici  I  i.i  n  is  dies  V  ulkan  e  ngebiel  mil  dem  Atna    (10,200  F.) ; 

I;'     l.ip  a  i  ische    I  use  In    mil    den    llauplvulkanen    Slromboli,    Vulciino    und 

Lipari. 

f.   an/  den  (/ricchischen  Inseln. 
(Santorin,   Milos,   Kimolos,   Polinos  und  Nisyros.) 

II.  In  Afrika. 

a.  auf  dem   Conliiicnlc. 

<)   am   Huscn  \un  (iuinca  die  Cameron  Berge; 
2)   an  dei-  \\YstkUsle  unler  10°  s.   Br.   der  thalige  Vulkan  Zambi; 
'•\    an    dei-  Oslktlsle,    einige   Grade   sddlich    vom  Aqualor,    ein    ausgedelmles 
(u-biel  erloschener  Vulkane. 

b.  auf  den   Iiisclii. 

1)  Madeir.i  mil  mehreren  Kraleren; 

2)  <lie  ca  n  a  ri  sc  h  en   Inseln   mil  7   vulkiinischen  Inseln,   unler  dieseu  Te- 

neriir;i,    I'alma   und   (Iran   (liiiiitriii ; 

3)  die  capverdischen  Inseln,   14  vulkanische  Inseln; 

4)  die   isolirlen   Yulkiineninseln   Fernando  Po,    Aseension,    Si.    Helena; 

5)  Mad ai:as kar  mil  mehreren  Vulkanen; 

6)  die   Inseln   Bourbon   und    Mauritius. 

7)  die  Yulkaneninseln  des  Rolhen  Meeres,  so  namentlieh  I'erim  und  Sebair. 

III.  In  Asien. 

a.   auf  dem   Conliin'iilc. 

1)   Kleinasien;   grosses  vulkanisches  Gebiel  mil  30  erloschenen  Vulkanen; 

•2     tier  Taurus   mil  dem    ArsJii  |);ii:h: 


I  1  0  III.     DyiUMiiisrlir    ( i 

3  /NNisrhen  sc  h  \\  ;i  r/ c  in  mid  kaspisrhrm  Mr  err  drr  S;iil>;ui  l)agh  mid 
drr  Ararat  Armenien  ,  sowie  drr  Klbrus  i'Kaukasu>  : 

4)  siidlich   \oiii   kiispisrlirin   Mrrrr   drr   Demawend: 

5)  Vulkanengehiet  der  Ostkiisle   \on   Arabien.    so\\  ie  die   rmgegend    \on   Me- 

dina  und  das  Yoriiebirge  Aden    mi!  zahlreichen  Ki'atrren   und  Kruplions- 
ke£eln : 
II     die  Vulkanengebirlr  der  Mandsehurei   mid  Turans  in  Cenlralasien. 

b.  auf  den  Inscln. 

\     Harren  Island  im  Meerbusen   \on  Bengalen  mil  einem  thiiligen  Vulkanr: 

2)  Sunda-lnseln;  Java,    das   grossartigste  Vulkanenland    tier  Erde.    mil 

liber   100  zum  Theil  noch  thatigen  Vulkanon.     Sumatra  mit    ID   Vul- 

kanen,   darunter  7  thatigen; 

•'!     Molukken;   Celebes  mil    II   Vnlkaneii :   Gil  olo  und  Terna  te  mit  thii- 

liizrn  Vulkanen. 

An  die  Molukken  schliesst  sich  von  Stid-Osten  koniniende  westaustra- 
lische  Reihe  von  Vulkaneninseln  an.  Zu  dieser  gehbren  naiiienllicli 
Neu-Seeland.  Vorztiglirh  grossartig  sind  die  vulkanischen  Krsclieiiumuen 
auf  der  Nord-Insel  mit  deni  an  kochenden  Quellen .  dampfenden  Fu- 
marolen  und  Solfataren  reichen  Seedislricte.  In  der  rmgegend  \<m 
Auckland  sind  61  Vulkane  vorhanden.  Ferner 

die  n  e  u  e  n  H  e  b  r  i  d  e  n  .  Santa  Cruz,  die  Salomons  Inseln  und  N  e  u  - 
Guinea  mit  zahlreichen  erloschenen  und  einigen  bestandig  tliiitigen 
Vulkanen. 

i  Philippine!!.  Die  Hauptinsel  Luzon  selbst  mit  3,  die  Halbinsel  Cama- 
rines  mit  10  zum  Theil  stets  thatigen  Vulkanen; 

•i  Formosa  mit  4  Vulkanen;  3  von  ihnen  bestandig  in  Thaligkeil.  nahr 
der  Ktiste  einige  submarine  Vulkane; 

<>    Japan;   Nipon  mit  6,  Jeso  mit  17  Vulkanen: 

7  die  Kurilen.  eine  vulkanische  Inselreihe,  welche  neben  sehr  /ahlreirlien 
erloschenen  10  tha'tige  Vulkane  besitzen  soil.  Sie  sind  die  Forfset/ung 
einer  Vulkanenreihe  auf 

H    Kamschatka  an  der  Ostkiiste  mit  38  oder  mehr  Vulkanen.    unter  diesen 
12  thalige,   --   im   Inneren  eine  /\\eite.    noeh    \\rnig    bekannte  Vulka- 
nenreihe. 
IV.    In  Amerika. 

I)  Die  Aleuten,  eine  bogenfonnige  Reihe  von  zum  grossen  Theile  dinvhaus 
Milkanischen  Inseln  mil  i?<  thiiligen  Vnlkanen  : 

•2    die  Halbinsel  Alia  ska  mit  5  Vulkanen; 

3  die  Vnlkanengebiete  der  pacifist-hen  Kiiste  \  nn  Nordamerika  mil 
grossartigen  l.a\aderken  und  -Slronien  und  /ahlreichen .  nodi  \\enig 
hekannlen  Vulkanen.  welt-he  namcntlich  im  ndrdlirhen  Californien ,  in 
Nrsada  und  Arizona  eine  \\irlitigr  Rolle .  spielen ,  so  der  l^liasberg 
Hi. 7:18  F.j,  Ml.  Fairweath.'i-  li.<>03  F.},  Ml.  Urignirr  \\.1W  V. 
Masla  I'eA  I'..'.'.;'  F.  .  I  ;is.srn.s  |»,.;ik  Hi..",:  7  F.  : 


III.     l>\  nami-rlir    Cn'oloLiir.  I  1  | 

4)  die  Vulkanenreihe  \<m  Mexico,  crstrrcki  sit-h  in  Mt-westtichoe  ftiehtang 

I  ill  Mrilrn  laiii:  mil  II  un'issrrrn  Vulkanrn.  1'ir  \on  Ori/aba  I  <>. ('>();>  F.), 
Popocatepetl  (10,702  F.),  Xorullo: 

•">  die  Volkanenreihe  \on  Out  r;i  lamrrika,  190  Mcilrn  laiiij;,  mil  Uber 
•')<>  Vulkanrn; 

6)  die  Vulkanrnrrihrn  \<>n  N cu-Gra nada  und  Qui to ,  die  b'stliche  mil  dem 
Antisaiui  I7,«;>6  F.),  Cotopaxi  IT. 712  F.)  und  Sangay  ^16,080  F.),  die 
\\rstliclir  init  drm  Pinchincha  (14, 940  F.:  im  Ganzen  20,  meist  thiitige 
Vulkanr : 

7  dir  Vnlkanrnrrilir  von  Bolisia  und  Obrr-Peru,  mil  15  sehr  holim 
Vulkanrn.  drr  (llinquibamba  und  Saliama  sind  Uber  6600  M.  hoch ; 

X  dir  Vulkanrnrrihr  von  Chile  enthalt  bri  einer  Ausdehnung  von  iibrr 
.Mrilrn  M  grftssere  Vulkanr.  deren  hochster  der  Aconcagua  (22,434 
ist.  Kinr  sildlirhr  Fortset/unii  dirsrr  Vulkanrnrriho  crstreckl 
sii  li  bis  nach  Pataizonien.  (Jeberhaupt  schrinl  /.\\ischrn  den  aufizr/alilten 
slid-  und  crntralamerikanischen  Vulkanrnreilirn  durch  zum  Theil  mas- 
scnhaltrs  Aul'trrlen  \ulkanisrlirr  Kruplionsprotlukte  eine  Verbindunu 
hei*gestellt  zu  sein ,  so  dass  man  sir  in  Hirer  Gesammlheil  als  eine 
rinziiie  Vulkanrnrrihr  von  gegen  1000  Meilen  Liinge  auffassen  darf. 
An  der  Oslktlste  des  ainri'ikanischen  Conlinenles  bilden 

'.'    <lir  klriurn  Antillen  eine  bogenfbrmige  Inselreihe  mil  zahlreichen  Vul- 
kanen ,    so   namenllich   die   durchaus    vulkanischen    Inseln   Martinique, 
St.   Vincent  und  Dominique. 
V.  auf  drn  oceanischen  Inseln. 

a.  im  (itldinlischen  Oceanc. 

1)  die  Azoren,  eine  Doppelreihe  von  9  Vulkaneninseln ; 

2)  Island,  neben  Java  und  Neu-Seeland  der  grossartigste  Schauplatz  vulka- 

nischer  Erscheinungen.  Fast  vollsUindig  aus  vulkanischen  Gesteinen 
brstehend,  mil  26  theilvveise  slark  thaligen,  grossen  Vulkanen,  so  der 
llrkla  (4961  F.),  dem  Oroefa  (6000  F.  ,  sowie  mil  heissen  Spring- 
<|ucllen  (z.  B.  dem  Geysir). 

b.  im  wdischen  Oceaiu'. 

1)  Neu-Amslr  rdam  und  St.  Paul,  ringfb'rmige  Kraterinsrln  im  sildlirh- 
slrn  Theile  des  indischen  Oceanes. 

c.  im  fft-ossen  Oceune. 

1)  die  Sandwich  Inseln,    vor/Uglich  Hawaii  mil  dem  Mauna  Loa.    Mauna 
Kra  mill  drmKilauea,   ausgezeichnet  durch  die  Grossartigkeit  und  lid 
tigkeit  Hirer  Eruptionen ; 

•2    dir  .Ma rian en  mil  9  Vulkanen,  davon  3  thiitig; 

M     dir   I- rr  udsrhaftsin  seln,   einige  dieser  200   Inseln  mil  Vulkanen; 

i  die  Ge  sell  sch  a  ft  si  use  In,  11  Inseln.  unter  diesen  Tahiti  mil  rinrm 
Iibrr  3000  M.  hoheii  Vulkane; 

•">     dir   (iala  pagos,    rinr  Vulkaiirnin.s«'li:nippr    mil    inchr    ills    -.'(inii    Kratrrnt. 


1  1  2  III.      Ihliaillischc    (ieiiliii-it'. 

(I.  im  sildHchen  Polarmecre. 

1)  die  Nen-Shc!  l;i  nds  Inseln  in  dcr  \iihe  des  Polarkroises  in  der  Fort- 
selxung  der  chilenischeD  Yulkanenreihc.  Deception  Island,  cine  Kra- 
lerinscl  \on  ausgexeiehnet  rtagfftnniger  (it-stall; 

L*  Krcbus  mid  Terror,  x\\ei  liber  3000  M.  hohe  Vulkane  anfdem  polarcn 
I'Vstlandr  ;  ersterer  Ihiilig. 

§.    10.     Rrloscliene  und  tliiitige  Siraioviilkane.     Nichl   !m-i\\;iliivnd   und 

bcstiindig  ent\\oichen  aus  dem  Canalo,  inn  (lesson  Munching  sidi  die  Strato- 
vulkane  aul'gohaul  habon,  aus  dcr  Tide  jteraufsteigende  glulhflttssige  odcr  uas- 
lonniiic  Malcrialicn,  \iclniclir  sind  die  derarliiien  Eniptionserschefnungen  dun-h 
iii'ossei-e  odcr  ueriii^crc  I'aiisen  uiiterln'odien  ,  Nviihrcnd  dei'en  dcr  Ki'alciranal 
\nllsliindii:  Ncrslopl'l  isl  ,  ja  bei  vielcn  ,  selbst  den  ineisUm  der  SlraloMilkane 
hilt,  so  laiii^e  inensdilidie  Niichriditen  /.uriickreichen,  (tin  Ausbrudi  nichl  statl- 
jjjefunden.  Man  be/eidinel  dieselben  ills  erloschcn  ini  llei^ensatx  xu  denen, 
von  deren  Eruptionsthiili|j;keil  wir  Kiinde  besil/en,  den  Ihiiti^en.  Diese  I'n- 
tei'sclicidunii  isl  deshiilb  eine  sehr  unsidiere,  \veil  die  Zoilmasse,  \\elehe  man 
hierbei  in  Anwendimg  brin^en  kiinn,  in  versehiedenen  (lejjendcn  sehr  \er- 
sehieden  i^ross  sind,  in  manchen  Fallen  nur  \\enige  Jahnehnte  oder  .lahrliun- 
derte  /uriickreichen,  -und  selbsl  dorl,  wo  sie  belrachllidi  sind,  doch  innner 
noch  versehwinden  ini  Vers^leidie  mil  den  Zeilriiiiinen  ,  von  deren  Heizinn  die 
Bildunij;  der  ersten  Slralovulkiine  datirt.  Man  hat  denn  auch  vide  Vulkanen- 


als  erloschen  belr;ichlel  ,  -his  inn  so  furchlbarere  Kruplionen  den  Nanicn 
y.u  Schanden  machlen.  So  erfolgle  dcr  Ausbrudi  des  VOSUNS  ,79  n.  Chi.  . 
(lurch  \\elchen  Hercuhinuin  und  Pornpeji  vernidilel  \vurden,  nach  dcr  liiihc 
\icler  .lahi'hunderle,  \viihrend  deren  jener  Vulkan  als  la'ngsl  erloschen  i-all. 

Dodi  audi  ein  thiitigor  Vulkan  befindel  sidi  nidil  forUviihrond  im  Xiistande 
der  AufregUDg,  vielmehr  slelll  sieh  dieser  nur  von  Zeil  zu  /oil,  nach  liingeren 
oder  kiir/ercn  Perioden  der  Ruhe,  gewissermaassen  als  cine  i:e\\altsaine  I'nler- 
breehung  del1  normalen  ,  sleligen  und  ruhigen  vulkanischeo  Thiiligkeil  ein. 
Auf  der  iinderen  Seile  erslirbl  auch  in  als  erloschen  belrachleten  Vulkiinen- 
dislriclen  die  vulkiinisdie  Thaligkeil  nichl  giin/lich.  Ilcisse  oder  kohlensiiurc- 
reichc  Wasscrquellen  und  (lasausslriiinnnijjen  sind  die  lelzlen  ,  unsdieinharen 
Niieh\\irkungen  der  grossarligen  FM'ciiinisse  I'riihcrer  /eilen.  So  trill  in  der 
I'niiielmnji  des  Laachcr  Sees  die  Kohlensiiure  an  un/iihligen  Punkten  ,  bald  ills 
freies  Gas,  bald  an  Wasser  gebunden  als  Siiuerling  /u  Tiige  ;  besonders  reidi- 
lich  sind  solche  Kxhiihilionen  in  dem  lief  eingeschnittenen  Brohllhale  Norhandcn. 
Eine  einxiize  Sauerquelle  bei  Hurirbrohl  fiihrl  der  Atmosphiirc  in  jedein  .lalire 
jjc-eii  120,000  CM.  Kohlensiiure  xu.  Ganx  Ahnlidics  isl  in  dem  Yulkanen- 
dislricle  dcr  l^ifel  und  des  nordlichen  Bohmcns  Bilincr  Saucruasscr  der  Fall, 
-  iiuch  das  (Hebiel  erloschener  Vulkane  in  dcr  Au\eri;ne  isl  reich  an  Kohlen- 
siiure-l'Ahalalionen,  \\clche  somil  ue\\  issernuiiissen  dcr  Icl/.lc  Act  \ulkanisdier 
Thiitigkeit  sind. 

§.  11.    Die  nor  in  ale  Thiitigkeit  der  Stratovulkane  hesichi  in  don  Aul- 

und    Abslei^en,     in    der    \viillenden    BCVSCIMIIIU    der    gluthfllissigen    La\;i     inner- 
hall)   des  Kralerschlundes.    in   dem  rulii^en,    y.um  Thcil   cnnlinuirlidien 


III.    DyiKimisrhc   <iroln-ic.  I  I  3 

der  Lav. i.  in  clt'iu  Aussthiim-M  \mi  (iason  and  Diimpfen  <ius  Spalten  des  Vul- 
kanes  odor  aas  doui  mil  llii.ssigor  Lava  gel'illlten  (lanale,  and  in  let/terem 
Fitllo  aas  Sehlaekenauswiirfen.  Dio  ue\\olinliehsten  Merkmale  .stetigor  \alka- 
niseher  Thiitigkoit  innorhalh  dor  Valkano  sind  die  Kxlialalionon  gasl'iininger 
IVudurte.  Das  lioi  \Voiloni  \nrwaltondste  dor  lel/.leren  isl  \Yassordampl'.  dor 
ot'l  y.isohond  and  brausend  aas  allon  Kliifton  and  Spalton  dos  Valkanos  hervor- 
brielit  and  dann  die  aas  dem  lol/.toroii  aalsleigende  Danipfsiialo  hildot.  \\elrln- 
il,i>  \\eilhin  siehtbaro  Konn/.oiclion  oiaos  thiiligon  Valkanos  ist  and  sioh  /..  H. 
Itoiin  \'esa\  IS:':'  :jaoo  uiid  mohr  Motor  hoch  orliohon  kann.  Soli\\ol'«'l\\ass»'r- 
>tofV.  soli\\ofrlii:o  Siiuro.  Scliuct'cldainpr.  ChlorxvassorstolV.  Kolilonsiinro .  \Vas- 
vrr>toIVi:as  and  Hursiiaro  sind  die  i:o\\olailiohsten  Bogleiter  oiler  Stoll\'ortrolor 
dfs  \\'ass«-rdain|)l'os.  Aas  dor  Zorsoi/uiiii  des  Sch'AotoKNasserstoffes  und  aus 
dcr  Saltlimation  dos  Sch\vofols  gohon  die  gfeD&rbigea  Incrnstato  \ua  Sdiud'cl 
lior\or.  \\clclio  die  Wiiado  dor  Kraloro  und  Spalton  \ioior  Sli-alo\nlkane  be- 
dookoa.  In  iilinlioher  \\'cisc  koannon  Sahliaiations-  und  Xorsct/.aiiusprodiu-lc 
\nii  ^hloi'Noi'liindunurn  Kochsalx.  Salaiiak,  EisenohlOfid  u.  ;i.  als  rindcnartiizo 
Inrrastationon  vor.  Der  Eisengkmz ,  welcher  in  gliinzendon  Sclmppen  und 
Krxstallca  dio  Lava  der  erloschonon  und  lliiitiuon  Valkano  bodeckt.  1st  das 
Zdrsetningsprodoct  dos  Kisonohloridos  na't  AVasserdampf,  wobei  sioh  Sal/siiaiv 
bildot.  Huliondo  Vulkane ,  doron  Thiiligkeit  auf  die  Exhalation  von  Sclmol'cl- 

i->tcill,  Sch\N('tVId;iinpfon  und  sch\\ cfoliuor  Saure  beschrankt  ist,  nonnt 
man  Sol  fa  ta  ren  .  Kuiilonsiiure  producirende  Kratere  und  Valkanonsoliluohlon 
Mott'tlou,  AusstromaiiLissU'llrn  von  vorwaltendem,  mil  Gasen  gemischloni  \Vas- 
-t'l-dainpf  Fu  marolon. 

Steigen  die  genannten  Gase  und  Daiapfo  innerhalb  der  guthflilssigen  Lava- 

M.  \\flohe  den  Canal  und  einen  Theil  des  Kraters  ausfilllen,  empor,  so 
werdon  sich  die  Erscheinungen  des  kochenden  Wasser  einstellen,  (il)er  dessen 
Oborflaoho  Dampfblasen  Wassertheilchen  niehi-ere  Fuss  hoch  emporreissen.  Nur 
ist  die  (n-\\alt,  mil  welcher  die  durch  die  Lava  sich  drangenden  (Jas-  und 
Kampl'lilason  oxplodiron .  \veit  grosser,  so  dass  z.  B.  die  diinnfliissige  Lava, 
welclio  im  Kilauea-Krater  zuweilen  einen  See  von  i  englichen  Quadrat-Mcilon 
(in'issc  bildot,  in  10  bis  12  M.  hohen  Slrahlen  ernporspritzt.  Bei  ziihfliis>ii:i'r 
l.a\a.  \\d  dom  Ent\\oioho!i  dor  Diimpfe  und  Gase  ein  noch  grosserer  Wider- 
stand  eatgogrniiosct/t  \\ird,  \\o  sie  sich  demnach  zu  enormen  Blasen  ansam- 
moln  miissoa,  am  lol/.toron  /.a  iibor\\  indi-n,  ist  die  (iowalt  der  zur  Oberlliidic 
uolangenden  oxpludirenden  Gase  so  bedoaU'nd,  dass  die  ScMacfcenfragmeote 
r.iuscndo  \on  Fuss  hoch  in  die  Luft  geworfen  \\crdca,  auf  ihrom  \Vogc  in 
1  nkc  raschor  Dotation  kagelige  Geslalt  annolnaon  and  als  \alkaaische  Bom  ben 
riiiLis  uin  don  Krater  /uriiokfallen. 

Mil  der  Entwicklung  und  dem  Emporsleigon  von  Gasen  und  Dampfon  in- 
nerhalb des  Kratercanales  und  der  damit  Hand  in  Hand  gohondon  Aasdchniing 
dor  Blasen,  je  niohr  sie  sich  dor  Oborlliiolie  niiheni ,  sleht  das  jilnf/licho  Auf- 
\vallon  und  das  darauf  folgende  Zuriicksinken  der  Lava  im  Kralorselilande  im 
Zasammenhang,  eine  Erscheinung,  ftir  welche  in  einem  Probirrbhrchen  sieden- 
dos  Wasser  ein  orliiulorndos  Analogon  bietet.  Wioderum  ein  Resultat  des  Em- 

Credner,  Elemented.  Geologic.  >  *5 


Ill  III.    Dyiiamix'he 

porwallens  der  L;iv,i  1st  ihr  I'lierknehen.  in  Foke  dessen  sic  sich  an  den  nie- 
driizen  Stellen  des  Kralerrandes  liber  denselben  ergiesst,  wodurch  sehichten- 
artige  Systeme  von  La\alaLfern  gebildet  \\erden. 

§.  12.  Zustand  der  Eruption  der  Stratovulkane.  Student  sich  die 
besehriebene  normale  Thatigkeit  der  Vulkane  zu  einem  ungewbhnlichen  Grade. 
ist  naiiMMitlich  die  Gas-  und  Dampfentwicklung  iin  Kratercanale  erne  besonders 
enerui.sdie.  so  tritt  der  Vulkan  in  den  Zustand  der  Eruption.  Dann  werden 
aus  den  von  den  emporsteigenden  I)anipfl)lasen  in  die  Hfthe  geworfenen  Aus- 
wttrflingen  den  Himmel  verdunkelnde  Aschen- und  Sandregen,  die  sonst  ruhig 
liber  den  Kraterrand  rieselnde  Lava  bricht  sich  jetzt  in  verheerenden  Slrbmen 
Bahn.  Besonders  furchtbar  sind  die  Eruptionserscheinungen  bei  Vulkaneu. 
deren  Canal  in  Folge  langer  Ruhepausen  von  erkaltender  Lava  verstopft  ist 
(z.  B.  AusbrUche  des  Vesuv  i.  J.  79  und  1631).  Dann  mtlssen  sich  Lava  und 
Darnpfe  neue  Bahnen  aufreissen  und  gelangen  zugleich  auf  ihrem  Wege  'zur 
Oherlliiehe  in  Regionen,  welche  das  Wasser  als  Schauplatz  seiner  Thatigkeit  in 
Anspruch  genommen  hat,  wo  es  in  Tausend  Adern  und  Hohlriiunien  circulirt. 
alle  Gesteinsporen  erfullt  und  mil  grb'sseren  Ansammlungen  in  unterirdischen 
Spallen  und  Hbhlen  und  durch  diese  augenscheinlich  mil  den  benachbarten 
Meeren  in  Communication  steht.  Bei  der  Bertlhrung  mit  der  gluthfliissigen 
Gesteinsmasse  wird  das  Wasser  plbtzlich  in  Dampf  umgesetzt,  Explosion  erfolgt 
auf  Explosion,  die  Lava  wird  in  Atome  zerstaubt,  zischend  dringt  der  Dampf 
aus  dem  Krater,  und  Wolken  von  vulkanischen  Aschen  und  Sanden  werden 
hoch  in  die  Luft  geschleudert.  Unter  dem  Ringkampfe  erzittert  die  Gegi-nd. 
rollender  Donner  dringt  aus  den  unterirdischen  Regionen  empor.  Endlicli  ist 
der  Widerstand  des  Wassers  tlberwunden,  in  Dampfform  ist  es  entwichen  und 
das  benachbarte  Erdreich  vollstandig  ausgetrocknet :  da  offnet  sich  eine  Spalte 
an  der  Seile  des  Vulkanes,  hellleuchtend  bricht  die  flilssige  Lava  hervor  und 
stilivt  sich,  zuweilen  mit  der  Schnelligkeit  eines  Sturmwindes,  die  Bergal)hiinge 
hinab,  in  die  Gefilde  und  nach  den  Wohnstatten  der  Menschen! 

Als  eigentljche  Bedingung  der  Furchtbarkeit  der  Eruptionserscheinun^fn 
t'ino  Vulkanes  ist  demnach  eine  aussergewohnlich  starke  Gas-  und  Dampfent- 
uicklung  zu  belrachten. 

Anfiinglich  schwache,  immer  heftiger  werdende  Erhebungen  des  Boden>. 
dumpfes  untei'irdisches  Rollen  und  Donnern,  das  Austrocknen  der  benachbarten 
Brunnen.  das  Vei>iegen  der  Quellen,  das  Schmelzen  des  Schnees.  welrhrr 
inanche  Vulkanengipfel  bedeckt,  sie  sind  die  Vorlaufer  einer  Eruption,  deren 
Schreeken  sie  den  Bewohnern  der  rmgegend  ankiindigen.  Das  Ziltern  der 
I'.nle  >teigert  sich  zum  heftigen  Sehwanken.  das  Rollen  wird  zum  furchtbaren 
(.el.riill  und  Getbse,  krachend  zerberstet  der  Kraterboden.  glUhende  Lavabroeken 
\\erden  umher  geschleudert  (Boml)en,  Lapilli  ,  blitzschnell  erhebt  sich  eine 
schwarze  Rauchsiiule  gen  Himmel,  die  sich  an  ihrem  oberen  Ende  ausbreitet 
^Pinie  und  im  Dunkel  der  Nacht  die  Gluth  der  Lavamassen  im  Grunde  des 
Kraters  \\iederspiegelt,  so  dass  sie  wie  eine  Feuersaule  erscheint.  Diese  Pinie 
besteht  aus  Gasen,  Wasserdampf  und  feinen  Theilehen  vulkanischen  Staub«-s 
un<l  verdankt  ihren  t'rsprung  den  mit  enormer  Gewalt  sich  empordriingenden 


III.    Dyuamisolie  (Jeolo-ic.  1  15 

und  die  Lava  emporpressendon  Gason  mid  Hampton.  Bei  dm  ausserordonllioh 
rasi-h  aufoinander  folgeiidon  stiinnisehen  Gas-  und  Dampl'oxplosionen.  welehe  sirh 
Slossweise  duivh  die  gluthlliissigen  Lavamassen  Halm  brerhon.  v\  onion  let/tore  in 
almliehor  \\Yise.  wie  das  aus  einem  Ge\\ehiv  abgeschossene  Wasser,  in  ausser- 
ordentlich  /.ahlivi,  he  TniptVhen  /erstiebt  und  orstarren  zu  einem  Sleinslaub,  den 
vulkanisehen  .When  und  Sanden.  Daher  rtlhrt  der  Heiehlhum  dor  letzleron 
an  selbstandigor  odor  von  don  Krxstallen  eingeschlossener  Glassubstanz ,  die 
aim  erhselungsN  olio  gegensoitigo  rmhUllung  dor  oinzolnen  Krystalle,  dit>  Un/.ahl 
dor  (iasj)oron  innorliall)  dorsolbon:  ziigloioh  abor  deuten  diese  Erscheinun^cn 
darauf  hin,  dass  dioso  Krystallo  schon  als  feste  Korper  aus  dom  Krater  ausuo- 
\vorfen  soin  inilsson .  so  dass  dio  Lavamasse,  welche  der  ZersUlul)un;j!  anhoini 
(iol.  oinon  Soliinol/lluss  darstollto.  in  welchem  die  Krystallausscheidung  l)oroits 
l»oi:onnon  hatte.  Bei  ununtorl)rochener  Aufeiuanderfolge  der  Explosionen  stei- 
iiou  die  dadurch  producirten  Asclion  und  Sande  zu  einer  senkrechten  Saule 
2  bis  tlber  3000  M.  hoch  in  die  Luft,  wo  sie  sich  gewb'hnlich  zu  einer  aus- 
godohnten  Wolkonscliicht  ausbroiton  und  von  den  "Winden  viele  Meilen  \veit 
\\  euizofulirt  wordon.  uin  zuni  Theil  in  entfernten  LUndern  als  verheerendo 
Aselieni-egon  niodorzufallen.  Vom  Vesuv  im  Jahre  512  ausgevvorfone  Ascho 
fiel  in  Constantinopel  und  Tripolis;  die  Asche  des  Atna  wird  oft  bis  nach  Afrika 
gotragon.  Hesonders  abor  liiiufen  sich  die  Aschen  und  Sande  in  der  Unige- 
Imnu  des  sit>  producironden  Vulkanes  selbst  zu  erstaunlichen  Massen  an  (Ver- 
soliiiHung  von  llereiilanuin  und  Pompeji).  Fallen  die  ausgoworfenen  Lapilli, 
Sande  und  Asehon  in  das  benachbarte  Meer,  so  werden  sie  zu  horizontalen 
Sehiehlen  ausgebreitet,  welche  weit  ausgedehnle  und  mMchtige  Complexe  bildon 
kiinnon  und  nioht  solton  die  Uberrosto  von  Meeresbewohncrn  umfassen.  Die 
\Yassordampfe,  welche  in  so  enonnor  Menge  von  den  Vulkanen  ausgestossen 
werdon.  v«'rdiolilon  sich,  sobald  sie  in  hohere,  kiiltere  Niveaus  der  Atmosphiire 
golangen,  zu  Wolkon.  die  sehr  liautig  stark  elektrisch  sind  und  sich  untor  Blitz 
und  Donnor  als  gewaltige  Platzrogen  auf  den  Vulkan  und  (lessen  Abha'ngo  er- 
giosson.  \vo  sie  die  dort  angoliauften  Aschen  und  Lavablbcke  in  Form  von 
Schlaininllulhon  mil  sich  fortftlhren.  Zu  ihnen  gesellen  sich  niclit  selten 
NVassorstriiino.  \\elelie  von  der  Entleerung  von  Kraterseen  und  unterirdisclien 
\\"asscrbohiiltorn  horrilhren. 

Dio  niiohsto  Folgo  der  Thatigkoil  der  Vulkane  ist  die  Vergrdsserung  ihror 
Kegol.  dadureli  dass  sich  ihre  Aus\\urfs])roducto  rings  urn  den  Krater  anhiiufon 
und  so  zuni  Waohson  dos  Vulkanenberges  beitragon.  Dadurch  dass  Grosso 
und  HesohalVonheit  der  Auswllrflinge  inconstant  sind,  dass  also  grobos  mil  lei- 
neni  Materialo,  Bomben ,  Lapilli,  Sande  und  Aschen  in  stetem  \Vechsol  zur 
A!)lagorung  golangton .  wurde  der  schichlonarligo  Aul'bau  dor  Stratovulkano 
orzougl.  rntorinoorisohe  Eruptionon  und  daduroh  bodinglo  locale  Anhaufunuen 
von  Vulkanensehult.  \\oloho  sieh  allniiililich  Uber  den  Sj)iogol  dor  See  erhebon. 
sind  die  IV.saoho  der  Entslohung  dor  vulkanischen  Inseln. 

Das  vulkanische  Getb'se,  die  Erdboben,  die  Aschenregen  und  Boinbon- 
auswiirfe  erreichon  ihron  Iliiliepunkt  kurz  vor  dem  Augenblicke,  in  welchem 
onlsvoder  aus  detn  Krater  selbst,  oder  aus  Spalten,  welche  sich  am  Abhange 


116 


III.    I)\n;iii)i<c!iL' 


dt-s  Vulk, iiifs  bilden,  die  Lava  hervorbridil,  tun  als  I.a\astrom  dm  Beru  hinab 
in  die  rniiiebuui:  xu  Iliessen  und  dorl  nicht  sclten  \\eit  au.sgedehnle  l.a\al'dder 
x.u  bilden.  Die  Geschwindigkeit,  mil  welcher  sidi  cin  soldier  Strom  bewei:!. 
ist  von  dcm  Fliissiiikeilsgrade  dcr  l,a\a.  NOII  dcr  Meui:r  dcr  nadidraii^enden 
Lasamasse  und  \on  der  Nei^iing  und  Besdiall'enheil  des  Unterurundes  abhaugii;. 
Manehe  besonders  dunnllussiize  Sln'ime  sdiossen  stcile  Abhiinge  mil  dcr  Sdincl- 
liukeit  dcs  \Vindcs  hinab,  bei  anderen  ist  derm  Hcucunnu  kaum  mcrklidi  und 
U'ti.iid  nur  \veniiie  Fuss  iimerhalb  eincr  Stundc.  Kbmso  \crsdiicdcn  ist  die 
Xcitdaucr,  \viilircnd  dcrcn  sich  cin  Lava^trom  iilicrliaupt  iui  Zustaudc  der  Fort- 
lie  wc'uuni.;  iH'linden  kanu,  und  tlie  in  ein/elnen  Fallen  x\sei  Jahre  iibcrti'iflt. 
Uahinueui'ii  sind  Lavastroine  selir  hiJufii;  nocli  -20.  ;iO.  ja  40  Jahre  nacli  ilirem 
Aiisljruehe  iin  Inneren  noch  vollkominen  uliihcnd  oder  xeitien  \\eiiiLislens  eine 
selir  bedeutende  Wurme,  \viiJirend  ilire  Oberflache  liinusl  die  Temperatur  d.-r 
Atinusphiire  angenoininen  hat  und  mil  Flechteu  bewachsen  sein  inaii.  Ms  lie- 
ruht  dies  auf  der  ausserordentlich  geriniren  \\iinueleituni;sfahii:keit  der  erstarr- 
ten  Lava,  weldie  liereits  die  uoch  fliessenden  Lavastrome,  wie  mil  einem  Pan- 
zer bedeckt,  inuerhalb  dessen  die  Fortbe\veuuny  der  gluthflUssigeD  .Masse  statt- 
liiulet,  und  der  sich  in  gleichem  Schrilte  mil  dem  Fortsdireiten  dcs  Stromes 
\erliinuert.  Daher  sind  auch  die  Erscheinungen,  welche  sich  in's  Meer  ergiessende 
Laven  l)ielen,  nicht  so  furchtbar,  \\ie  man  erwarten  sollte,  und  daher  ist  es 
luiiglich,  dass  sich  Lavastrome  ilber  Schneefelder  ergiessen,  ohne  diesen  ihreu 
Uniergrund  vollkominen  wegzuschmelzen.  Die  Quantitat  der  Gesteinsmassen, 
\velche  durch  Lavastrome  der  Erdoberfliiche  zugefilhrt  werden,  ist  zum  Theil 
ganz  enorm.  Auf  Island  z.  B.  sind  Lavastro'me  von  8  bis  10  deutschen  .Meilen 
Lange.  2  bis  3  Meilen  Breite  und  30  bis  iO,  an  manchen  Stellen  bis  230  M. 
Dieke,  ferner  eiu  Lavafeld  von  100  DMeilen  Grbsse,  auf  Hawaii  ein  Lavastrom 
von  14  deutschen  Meilen  Lange  bekannt. 

b)  Die  homogenen  Vulkane. 


g.  14.  Trofil  des  Scheidsberges  bei 

Be  magen. 
a.  prismatisch  abzesonderer  Basalt; 

.iltgruss  nnd  -haufwerV; 
c.  Jevonischer  Thonschiefer. 


Fig.  lo.  Profil  der  Basaltkuppe  des  Ziegenberges 

am  Habichtswalde. 

a.  Basalt:  b.  Basaltconglomerat; 

c.  loser  Sand;  d.  plastischer  Thou: 

e.  Braunkohlenflotz,  4-5  Met.    machtig;  ira  Contact  mit  dem 
Ka-;ilte  verkokt. 


§.  13.  Charakter  der  liomogeneu  Yulkane.  I  nter  soldu  n  \ersteht  man 
ulockenfiiriuige  Kegel,  kuppenformige  Hiigel  oder  domformiiie  Ties,  .sov\ie  deeken- 
lonnig  ausgelyeitete  Kuppen  eruptiven  rrspniugs,  deren  Gesteinsniaterial  cine 
gleieharlige  pelrograj)hische  BeschalVenheit  besitzt .  denen  ein  Krater  fehlt  und 
deren  ursprllnglicher  Eruptionscanal  durch  eiue  solide  Gesleinsmasse  vollkommen 
.nisuel'ullt  und  goschlossen  ist.  Hierher  gehun>n  die  Basalt-,  TradiU-,  Pliono- 
lith-  und  Andesit-Ke-el,  -Kuppen  und  -Dome  aller  Vulkaneugegenden  der  Hrde 


111.    IKiumix'lie    Geologic.  1  17 

und  somit  aucli  die  des  zu  lertiiirer  Zeit  vulkanisehen  Deutsehlands  and  des 
nordliehen  Bohmens.  Als  besonders  charakteristiseh  und  allgemein  bekannt 
sind  beispie!sv\eise  /u  nennen  :  anter  den  t ra ch  yt  isehe n  und  a  tides  i  - 
tischen  Vulkanen  die  Kappen  des  Lohrberges.  D.'achenl'els.  KUhlsbnmnen  iiu 
Siebengebirp-.  der  Kegel  des  Pay  do  Dome,  der  gloekenformige  Pay  de  Sar- 
eoai  in  der  AaNergne.  der  isolirt  aas  der  Ebene  hervorragende.  domformige 
Kelemenhegx  and  die  Kappen  von  Deda  .  Nag)-.MihaK  in  t'ngarn  and  zahl- 
reiehe  andere  Kegel  and  Kappen  der  Trarhyt-  und  Andesitgebiete  I'ngarns. 
Siebenbiiruens.  der  Eaganeen.  des  \Vester\valdes.  der  Eifol.  der  Andes:  anter 
den  phonolit  hischen  Vulkanen  dt>r  glockenfonniiie  Millesehaaer.  der  spitx- 
keLieHunuiiie  Kletsehenberiz.  der  xackige  Felsen  des  Borzen  l>ei  Bilin.  siiinmtlieli 
ini  nordlichen  Biihmen.  der  Heldburger  Schlossberg  bei  Coburg.  die  Milseliarg 
in  der  Bliiin.  die  Kegcl  des  Hegau  in  Baden,  der  steile  und  spitxe  Hartent'elser 
Kopf  in  der  Kifel  and  xahlreiehe  Pics  iin  Velay.  so  der  zuckerhutformige  Gerbier 
des  joncs:  anter  den  basaltischen  Vulkanen  eine  grosse  Anzahl  Kuppen 
d»xr  Eifel.  so  der  Hohen  Aeht.  tier  Niirburg.  des  Hohen  Kelberges;  der  schbne 
Keuel  des  Karpfenhiihl  bei  Dettingen  in  der  schwa'bischen  Alp;  die  Slopfels- 
kappe.  die  kappenformigen  Kegel  des  Gebaberges  bei  Meiningen,  der  Gleieh- 
berge  hei  Boinhild.  der  blauen  Kuppe  bei  Eschwege,  des  Dolmar  in  Thllringen. 
der  Sehlossberg  von  Stolpen  in  Sachsen  u.  v.  a.  Bei  nur  \venigen  homogenen 
Vulkanen  ist  die  gangartige  AusfUlluug  ihres  urspriinglichen  Eruptionscanales 
oder  Schlandes  siehtbar  oder  naehgewiesen,  so  der  der  Basaltkuppen  des  Drui- 
tlensteines  bei  Kirchen  unweit  Siegen,  des  Schlossberges  von  Stolpen  und  der 
sich  naeh  unten  Irichterformig  zusammenziehenden  Dolerilkuppe  der  Pllasler- 
kaate  iin  Thilringer  XN'alde. 

Nieht  selten  hat  sich  das  zu  solchen  homogenen  Vulkanen  aufgethUnnte 
eruptive  (iesleinsmaterial  an  seinen  Bandern  strom-oder  deckenartig  ill)er 
die  naelisie  I'mgebung  ausgebreitet,  so  dass  mil  den  Vulkanenkegeln  lavastrom- 
ahnliche  Ablagerungen  verknUpi't  sind  (Phonolithausbreitungen  an  der  Milse- 
liari:  in  der  Rhb'n,  bei  BrUx  in  Bo'hmen).  Diese  Erscheinung  vennittell  zu- 
gieich  den  t'bergang  der  typisch  kegelfb'rmigen  homogenen  Vulkane  zu  der 
(I  eekenart  ige  n  Mod  ificat  ion  derselben.  d.  h.  zu  den  oft  Uber  Tausend  Meter 
iniiehtigen  and  sich  Uber  Hunderte  von  Quadratmeilen  ausdehnenden,  ziemlieh 
horizontal  ausgebreileten  und  zurn  Theil  zu  gewaltigen  Complexen  tlbereinander 
gelagerlen  Deeken  von  vulkanischem  Gesteinsmateriale.  Dieselbea  slehen  in 
engslor  genelischer  Verkndpfung  na't  zahlreiclien,  den  Untergrund  durchset/.enden 
(iiini:eii.  \\elche  -als  ausgefiillle  Eruptionscaniile  oder  -spalten  /a  betraehten 
sind.  aas  \\elrhen  sieli  die  ulathfliissiuen  (i<-sleiiisinassen  ergossen  und  in  ihrer 
N.ieldiarsehal't  aasbi eiteten.  Augenscheinlich  \var  es  demnach  der  FlUssigkeits- 
grad  des  EraptiMiiagmas.  \\elcher  es  bedingte,  dass  sich  lelzlerer  entwedcr 
zu  eineia  Kegel  aufstaute.  oder  naeh  den  Seilea  aasweieliend  aasbreitete.  I);is 
hedeulendste  Vorkniiinieii  letxterer  Art  ist  in  Deklian  in  Vorderindien  bekannl. 
\vo  iibereinander  gelagerte  Basalldeeken  ein  Plateau  von  1000  bis  1300  M. 
M'ereshiihe  and  etxva  \->. 000  DMeilen  Gro'sse  bilden.  Auch  die  Ktiste  der 
Kerguelens  Insel  \vird  von  Uber  3'iO  M.  iniiehtigen  Basaltlagern  zusaiiiinenge- 


III.    |)\  iiiiiiiischf   (i 


set/I;  ganz  Ahnliclu'S  1st  auf  dem  FaenVr  and  auf  Island  der  Fall.  Das  cm 
Arral  \on  40  DMeilen  bedeckende  Yogelsgehii^e  1st  das  bedeutendsle  dcr- 
arligo  deulschc  Vorkominen,  uuter  denen  ilbrigens  die  Uher  llundcrl  Meter 
marhtigen  Hasalldecken  des  llabiehtswaldes  und  des  Meis^ners  besonders  in- 
structiv  siiul. 

Bei  dor  Eruption  der  Gestein.smasse  der  honiogenen  Vulkane  \\urdc  das 
duthlliissige  Material  zugleich  in  sich  neu  bildende  oder  bcreits  vorhandene 
Spalten  gepresst.  Auf  diese  Weise  ausgeflillt,  wurdcn  dieselben  zu  den  Basalt-. 
Phonolith-  und  Trachytgangen,  welche  in  der  Umgebung  von  Basalt-,  Phonolith- 
und  Traclntkegeln  das  Xebengestein  zu  durchschwiirmen  pflegen  'z.  B.  in  den 
vulkanischen  Districten  von  Nordbb'hmen  und  des  Siebengebirges)  . 

§.   14.    Structur  der  honiogenen  Vulkane.    Hbchst  charakterisiisch  fur 
die  kegelfb'rmigen,   sowie  filr  die  ausgebreiteten  »homogenen  Vulkanea  sind  deren 
Struciurverhaltnisse,    welche   aus   der   Zusammenziehung   des    erkaltenden,    bis 
dahin  uluthflUssigen  Magmas  resultirten,  und  in  Folge  davon,  dass  diese  Erkal- 
tung  von  den  Grenzflachen  der  Gesteinsmasse  ausging,  sehr  oft  in  einem  ganz 
bestiminten    Zusammenhange    mil   deren  Lagerungsform  stehen.     Die    Volumen- 
verringerung  des  erstarrenden  Eruptivmagmas  bedingte  nehmlich  zweierlei  Ab- 
sonderungsformen,  einerseits^eine  bank-,  platten-  oder  schichtartige,  andererscits 
eine  prismatische  oder  saulenformige.     In  der  Anordnung  dieser  Schichten  und 
Saulen    lasst    sich    sehr    haufig    ein    bestimmtes    Gesetz    nachweisen  ,     indein 
die  Lage  der  Platten    und  Ba'nke    der  kouischen    oder   glockenformigen  Gestalt 
des  honiogenen  Vulkanes   entspricht,    die   Saulen    hingegen   meist  rechlwinkelig 
auf  den  Grenzflachen  der  betreffenden  Gesteinsmasse  stehen.    In  ersterem  Falle 
zerfallen   die  Bergkegel    in   lauter   tutenartig   oder  glockenfbrmig  ilber  einander 
liegende   Schalen,     welche   allseitig   steil   abfallen,     auf   dem   Gipfel   aber  sich 
zicmlich  flach   legen.     Diese   der   ausseren   Form   entsprechende    Structur  zeiut 
sich  namentlich  bei  Phonolithkegeln,  so  besonders  ausgezeichnet  am  Heldburger 
Schlossberge,  am  Hohentwiel  und  Hohenkriihen,  am  Milleschauer,  am  Teplitzer 
Schlossberge  und  an  vielen  anderen  Kuppeu  Xordbbhmens,    sowie  solchen   des 
Velay.    tritt   aber   auch  bei  Andesilkegeln,    z.   B.    dem  Puy   de  Sarcoui   in  der 
Auvergne  auf.     Andere  homogene  Vulkane   sind  zwar   plattenfbrmig,    bankartig 
und  schichtcnahnlich  abgesondert,   doch  aussert  sich  in  der  Richtung  der  Kluft- 
flachen  keine  bestimrnte  Gesetzmassigkeit,   vielmehr  verlaufen  sie  bald  horizon- 
tal, bald  wellig,   bald  ganz  ordnungslos,    wie  es  bei  vielen   Trachyt-,    Andesit- 
und  Liparitkegeln  der  Euganeen,  Centralfrankreichs,  der  Ponza-Inseln  und  Islands 
der   Fall    ist.     Stellt   sich   bei  kegelfbrmigen    honiogenen  Vulkanen    prismatische 
Adsonderung  ein,    so  zeigt  sich  nicht  selten  eine  gesetemftssige  Anordnung  der 
Gesteinssiiulen,   d(;r  zu  Folge  die  letzteren  cnlweder  l)iischelfbrinii:  nach  Aussen 
di\eiviren.   also  \om   Innern  aus  nach  alien  Punkten  der  Oberflache  hinlaul'en. 
oder  kegelfiirmii:.    nach   dem  Gipfel  zu  convergirend.    i:estellt  sind.      Bei    vulka- 
nischen Decken  treten  die  diekplattige  und  die  jirisniatisehe  Al)sonderung.sfi)rm  sehr 
i:e\\Ghnlich   vergesellschaftet  auf,    die  Plallen  sind  dann  horizontal    gelagert.     so 
dass  die  Trennungskltlfte  ]>arallel  der  Oberlliiehe  laufen,   und  beslehen  aus  lau- 
ler    dicht    aneinander    und    rochtwinkelig    auf   den    Ablosunuslliichen    stehenden 


III.    1>\  nainisclio   tiiM>|o_:ii>.  1  19 

Siiulen.  Es  isl  dies  hoi  fast  alien  Hasaltdecken,  al>er  aiieh  l>ei  snlchcii  \on 
Andesit,  Tracliyt  und  Liparit  dor  Fall. 

§.    t').    Yerkuiipfuiig  der  lioinogeneu    und  geschichteteu    Yulkane. 

Im  Gt'iionsat/  /u  don  aus  Schicliten  dor  \erseliiedenartiusten  \nlkanisolion  Pro- 
ducto  allmahlieh  und  mil  /ahlroiohon  I'lUerlnvrhiiniien  aulueluuton  Stratus  ulkanon 
lie/eiclinet  man  das  GeMoinsmaterial  dor  in  diesem  Absehnitte  botraehtclon 
\ulkanisohon  Ho  rue  und  Deekeii  als  homogen,  um  dadurch  auszudriicken,  dass 

\\is.sormaasson  aus  oineni  Guss  durch  eine  Masseneruption  ontslanden  ist. 
Kino  vollkominene  und  duivhiiiingige  Gleichformigkcit  hesitzl  dassolbe  jedoch 
nicht,  \ieliuelir  \\ird  dioso  duroli  Abanderungen  in  dor  Structur  unterbrochon, 
welche  auf  den  innigen  Zusammenhang  zwischen  homogenen  und  Stratovul- 
kanen  hin\\oison.  Es  sind  dies  Breccienbildungen  irn  Contacte  der  vulkanischen 
mil  doin  Nebengesteine ,  von  welchem  erstere  BruchstUcke  losgerissen 
und  unischlossen  ha  ben,  —  es  sind  Tuff-  und  vulkanische  Schuttablagerungen, 
doren  Auswurf  der  Eruption  der  gluthfliissigen  Masse  voraus  odor  mil  ihr  Hand 
in  Hand  iiin;.1,  deron  Menge  jedoch  im  Vergleiche  mil  ahnlichen  Producten  der 
Stratovulkaue  verschwindend  klein  ist,  und  endlich  siud  es  Mandelsteinbildungen, 
welche  eine  ursprtinglich  porose,  schlackige  Beschaffenheit  des  Gesteines  voraus- 
sot/.on,  \vodurch  sich  dasselbe  gewissen  Laven  der  Stratovulkane  naherte. 
Tulle  und  Conglomerate ,  welche  augenscheinlich  nach  Art  der  Aschen,  Sande 
und  Boinbeu  der  Stratovulkane  durch  Gas-  und  Dampfexplosionen  innorhalb 
des  vulkanischen  Schlundes  entstanden,  sind  sehr  gevvohnliche  Begleiter  der 
homogeneu  Trachyt-,  Andesit-,  Basalt  -  Vulkane.  Mandelsteinstructur  zeigen 
namontlich  viele  Basalte.  Noch  scharfer  wird  der  enge  genetische  Zusamnion- 
hang  zwischen  geschichteten  und  homogenen  Vulkanen  dadurch  hervorgehoben, 
dass  Vulkane  im  Verlaufe  ihrer  Thatigkeit  mil  dem  einen  ursprilnglichen  Typus 
allmiihlich  den  zweiten  combiniren  konnen.  Santorin  war  aufanglich  oin  uo- 
schichteter  Vulkan,  desseu  Kraterrand  die  Inseln  Thera,  Therasia  und  Aspro- 
nisi  luldoto.  orst  spiiter  tauchten  in  dem  Centrum  des  von  der  See  eingenom- 
menen  Kraters  die  homogenen  V:ulkane  ernpor,  deren  Spitzen  die  Kaimono 
Inseln  bilden.  Ganz  ahnlich  erhebt  sich  im  Vulkaue  von  Astroni  bei  Noapol 
innerhalb  eines  aus  Schichten  von  Bimssteintuff  bestehenden  Kraters  ein  iiber 
fi»>  M.  hoher  Trachytkegel.  Ein  drittes,  ganz  analoges  Beispiel  liefert  die  Rocca 
monlina.  Derartigo  Vulkane  sind  als  combinirte  bezeiohnol  worden. 

£.   16.  Eutstehung  der  homogenen  Vulkane.    Es  ist  fruher  gezeigt  wor- 

don.  dass  die  cliarakteristische  architeklonische  und  petrouraphische  Besohall'on- 
hoit  dor  Stratovulkane  wesentlich  durch  den  Conflict  zwischen  sich  aus  dem 
Vulkanenschlunde  draniiondon  (iasen  und  Diimpfen  einerseits  und  der  dilnu- 
tliissiiion  l.a\a  andororsoits  botlingt  war,  dass  die  Hauplmeiiiio  des  .Malcrialos 
dor  Stratovulkanenkegel  ihre  eigentliche  lose,  schutlartige  BeschafFenhoit  don 
sich  im  Zustando  dor  Thatiiikeit  des  Vulkanes  continuirlich  wiodorholondou 
Gas-  und  Dampfexplosionen  verdankl.  Sind  domnach  Gas-  und  Dampfroioh- 
thum,  sowio  DiinndUssiiikeit  und  verhaltnissin,i»ii:r  Armuth  an  f.a\a  die  Be- 
diiiuung  zur  Entstehunt:  eines  Stratovulkanes  um  einen  die  Communication  rnit 
doin  Enlinnoron  vcnnittelnden  Canal,  —  so  entstohon  homoiione  Vulkano  l>oi 


120  III.      l>\li;imiselie    (Icnln-io. 

armliclier  GaseniNNieklung  ;ms  ziihlliissiger.  ausserordentlich  reichKch  strOmender 

La\a.  \\clchc  di'iu  Dmvhbruel)  der  i:eriiigeii  (ias-  iiiul  Dampfmengen  eincn 
solehen  Widerstand  entgegensel/t.  d;iss  die  Miigliehkeit  der  Bildung  betriieht- 
licher  .Ma.ssen  M.II  Ausvuirfliiigen  nichl  gegeben  \\ar.  War  die  l.a\a  dcr  gas- 
arinen  Eraptionscaottk  bereits  ihrem  Erstarrungspunkte  nalie.  wemi  sic  die 
Krdol>erllache  erreirhte.  so  stautc  sic  sich.  conlinuirlich  und  inasscidiatt  empor- 
dringend.  zu  Iltigeln  und  Koi-clii,  den  SOL;.  Do  m  vulka  nen  aut .  \\ai-  sic 
leichtfltissiger,  so  hreitete  sie  sich  zu  vulkanisclicn  Decken  aus.  l).i» 
die  eintMi  so\vohl.  \vie  die  anderen  das  Product  einer  einzigen.  ununlei'broche- 
nen  Eruption  sind,  wird.  ausser  durch  die  Gleichartigkeit  des  Gesteinsmate- 
I'iales.  durcli  die  Cieselxiiiassiiikeit  hewiesen,  welche  die  AbsonderunL'sl'onnen 
dei-  izan/en  Hei-irinasse  Ix'horrselit  und  welche  nur  durch  die  Gleichzeitiukeit 
der  l^rstarruni:  der  letzeren  erkla'rl)ar  ist. 

Dadurch,  dass  man  die  Basalt-,  Trachyt-  und  Phonolithkegel  als  Vulkane 
erkannt  und  in  Folge  davon  den  frtiheren,  nur  die  Stratovulkane  umfassenden 
Begriil'  eines  Vulkanes  erweitert  hat,  ist  eine  enge  Verkniipfung  ZNviselien  den 
vor  unseren  Augen  aus  dem  Erdinneren  emporgedbttngten  vulkanischen  Pro- 
dneten  der  Jetztzeit  uud  den  Eruptivgebilden  la'ngst  verflossener  Perioden  her- 
gestellt;  eine  Porphyrkuppe  des  carbonischen.  eine  Melaphyrdecke  des  dyassi- 
schen  Zeitalters,  eine  palaeozoische  Granitdecke  ist  mil  Bezug  auf  die  Art  ihrer 
Kntstehung  nichts  anderes  als  ein  Trachylkt^el  oder  eine  Basaltdecke.  sie  sainmt- 
lich  gingen  aus  vulkanischen  MassenergUssen  hervor,  welche  entweder  von 
gar  keinen  oder  unhedeutenden  Tuff-  und  Schuttauswtlrfen  begleitet  waren. 

2.  Heisse  Quellen. 

Es  isl  bereits  bei  frllherer  Gelegenheit  (pag.  7  u.  8  gezeigt  worden,  dass  aus 
der  Teufe  aufsteigende  Quellen  eine  urn  so  ho'here  Temperatur  besilzen.  je  tie- 
I'eren  Hcgionen  sie  entstammen,  eine  Erscheinung,  welche  auf  der  Zunahnu1 
dei  Krdwanne  in  der  Richtung  nach  dem  gluthfliissigen  Erdinneren  zu  beruht. 
Da  diesc  Teiiiperaturzunahme  auf  durchschnittlich  je  33  M.  einen  Grad  Celsius  be- 
trii^t.  so  muss  demnach  im  Allgemeinen  Quellen,  welche  ihren  Zufluss  aus 
einer  Tiel'e  \  on  mehr  als  3300  M.  erhalten,  Siedehitze  innewohnen.  Diese 
hohe  Temperatur  ist  dem  zu  Folge  als  eine  Ausserung  des  Vulkanismus  auf- 
zufassen.  In  der  That  ist  das  Hervorbrechen  heisser  Quellen  vorztlglich  auf 
\iilkanische  Gegenden  beschriinkt,  wo  ja  filr  die  Communication  zwischen  I;.nl- 
oherfliiehe  und  Erdteufe  gentlgende  Bahnen  gebffnet  sind.  Fast  sammtliche 
liekannte  Vulkane  werden  von  heissen  Quellen  begleitet,  deren  Xahl  ofl  stau- 
neneri-egend  ist,  -—  doch  brechen  solche  auch  xu\\eilen  weit  enlfernl  von  irgend 
einein  andei'en  Zeichen  \ulkanischer  Thiitigkeil  hervor. 

l>a  he'isse  Wasser  eine  griissere  LOsungsf^ihigkeit  besit/en.  als  kalle .  s«» 
liescli\\ci-cn  sirli  die  meisleii  heissen  Quellen  durch  AoslaugUDg  ihres  \eben- 
gesleines  mil  mineralischen  Substanzen  und  sind  dann  zugleich  Mineralquellen. 
\\eldie  sich  nidit  selten  ihrer  Last  beim  Erreiehen  der  Erdoberfliiche  entle- 
digen.  Die  gewiihnlichsten  ihrer  Heslandtheile  sind  Carbonate.  Sulfate.  oder 


III.    l>\r.,imi-rhc    t'ii>o|.ii;ii'.  121 

Chlorverbindungen  von  Calcium.  Magnesium  oder  Natrium.  so\\ie  Kieselsiimv 
and  Kiseno\ydiri.  von  wdchcu  sidi  aamentlich  koblensaure  Kalkerde,  Kiesd- 
siiure  mid  Kis.'m>\\dh\dral  am  Austrittspunkte  dor  Quellen  ausscheiden  und 
zu  oft  ziemlich  miiehtigen  und  ausgedelmlen  AblagefQngen  Veranlassung  geben. 
Die  Hilduug  \<>n  KieseltntV  geht  am  grossarligsten  an  den  heissen  Quellen  1>- 
lands  und  Neu-Seelands  vni-  sicli.  Auf  Island  stannnt  der  Kieselsiiuregchalt  tier 
dortigen  Ge\sir\\asser  aus  der  /ersd/uMg  des  weit  \erbreiteten  Palagonittutl'es. 
In  Kolge  der  Vfrdunstiint;  ties  hcissen  OupHNV;|SS|>i's  l»leil)t  die  bis  dahin  in 
kolilt-nsain-en  Alkalien  und  als  Ihdrat  iieloste  Kiesclsiiure  als  Kiesellufl'  und 
Opal  /.uiiick  nnd  liildrt  uin  die  Quellen  herum  Rintlen  und  Stalaktiten,  aus 
\\elcheu  >ich  )>ald  kleiue  Kratei'c  aufhauen,  bald  grosse  Becken  hilden ,  odi-i- 
\\t-lcln1  sicli  endlich  x.u  rundcn  Schiicliten  von  grosser  RegelinassiizktMt  gestalten. 
Vit>l  raseher  als  dei'gleifhen  Kieselabsa'tze  gehen  die  Niederschla'ge  vou  kolil<Mi- 
.sauivni  Kalke  und  vou  Kisenoxydul  aus  kalk-  und  eiseucarbonatlialti^cn  hcissen 
Out-Urn  \or  sich.  \\i(>  /..  B.  die  Ablagerungen  von  Sprudelsteiu  und  Pisolilh  der 
Carlsbader  Thennen  und  die  sclmelleu  Incrustationeu  der  in  diese  Quellen 
izclc^ten  Gegenstande  beweisen.  Das  Carlsbader  Wasser  enthiilt  ausser  kolilcn- 
sanicni  Kalkc  unter  anderen  auch  etwas  Fluorcalcium  und  zwar  \  Theil  in 
300.000  Theilen  Wasser  aufgelo'sl :  diese  anscheinend  verschwindend  kleine 
MiMii:f  sunimirt  sicli  iin  F.aul'e  cincs  .lahres  /u  etwa  12,500  Kilogr.,  \velche  den 
dortigeii  (iesteineu  rnl/ngeu  und  in  gelostem  Zustande  an  die  Eroberfliichc 
gcst-lialVl  \verdfii. 

Ganz  besonderes  Interesse  erregen  die  Dampfquellen  und  die  intennil- 
tircndcn  heissen  Quellen  oder  Geysirs.  Erstere  beslehen,  \\it-  dcr  Name  sagt. 
in  Darapfstrahlen .  \\clchc  /inn  Theil  mil  brausendem  oder  brilllendein  Ge- 
riiusche  aus  einer  trichterformigen  Offnung  hervorbrechen  und  namentlich  auf 
Island.  .la\a  und  Ncu-Sceland  ha'uligr  Mrschcinungen  sind,  \vo  sie  mil  Geysirs 
Ncrucscllscliaftct  aiil'trelen,  wahrend  kochend  heisse  Quellen  an  ausserortlcnllich 
zalilrciclicn  Orten  Uber  die  gauze  l^rtloberflache  verbreitet  sind.  Die  berUhni- 
(esle  und  am  genauesten  untersuchte  interniitlirende  Springquelle  Islands  ist 
der  <ie\sir.  Er  liegt  sUdvvesllich  von  der  hochsteu  Spitze  der  Hekla  in  Mitten 
einer  Kbene  am  Fusse  des  Harnafell.  Durch  allmahlichen  Absatz  der  in  seinem 
Wasser  anlgelbsten  Kieselsaure  hat  sich  derselbe  rings  um  seine  Ausiniindnnu 
eineii  llaclien  Kegel  \on  el\\a  10  Meter  Iliihe  uutl  gegen  70  Meier  Durclimesscr 
aulgebaut,  in  (lessen  Gipfel  ein  (laches  Mecken  von  2,3  Meter  Tiefe  und  18 
liis  20  Meter  Durchtnesser  eingesenkt  ist.  An  der  tiefsten  Stelle  des  letzleren 
miindet  ein  3  .Meter  \\eiler  cylindrischer  Canal,  dessen  Wiinde  aus  Kieseltufl' 
bestehen  und  \\  ie  [tolirt  erscheinen..  Das  Wasser.  welches  das  Hecken  ausfilllt. 
i.st  -e\\uhnlich  ruhig  und  zeigt  76  bis  89  Grad  C.,  wiihrend  es  innerhalb  des 
Canales  in  32  Meier  Tide  iiber  120  (irad  C.  besil/l.  Allein  von  Xeil  /.u  Zeit. 
gewohnlich  alle  24  bis  30  Stunden  trill  cine  iiussrrsl  lieflige  und  grossarlige 
Wassereruption  ein.  welcher  mehrere  kleiuere  Kruptioneu  \orausgehcn.  Lcl/- 
tere  beginnen  mil  starkem  unterii'dischein  Donner  und  ErschUtlerungen  dcs 
Bodens,  worauf  das  Wasser  bis  /.um  Hande  des  Beckens  auCsteigt,  aufkocht 
nnd  hoch  empoi-\\allt,  bis  endlich  cine  niiichtige  Wassersiiule,  von  Dampfwolken 


122  III.     iKii.iiiiix'li,- 

eingehiillt  pfeilsclmell  l»is  30,  ja  4<>  Meter  llohe  emporschiesst, -urn  nach 
.Minulcn  zurilckzusinken.  Die  Ursache  dieser  Kruptionen  1st  darin  zu  suchen, 
(lass  das  Wasser  am  Rodcn  der  Rohre  unter  dt'in  Drucke  dcr  aut'  ilun  lastendrn 
\Vassersiinle  iiber  100  Grad  C.  erliit/.l  \\erden  kann.  \\iihrcnd  sicli  dassclbe 
,111  ihrer  Miindung  bedeutend  abkuhlt.  Sobald  nun  in  Folge  der  Dampfan- 
haufimg  in  dcr  Tide  Wasser  \<>n  liohcrcr  Temperatur  rasch  in  obere  Tlicilc 
der  Rohre  gedriingt  \vird,  tritt  eine  der  Abnahme  des  Druckes  entspivrhende 
Temperaturerniedrigung  desselben  auf  100  Grad  C.  ein,  \viihrend  der  Ueber- 
schuss  der  Wa'rme  xur  Bildiing  von  Dainpf  verbraucht  \vird,  \vodurch  die  al>- 
^ekiihlten  Wasser  der  ObtTfla'che  zum  plotzlichen  Kochen  gebracht  und  zugleii-1) 
das  ilber  dem  Kxplosionspunkte  beiindliche  Wasser  der  Rohre  in  die  Luft 
ueworfen  \vird.  Naeli  einiger  Zeit  hat  sich  das  Wasser  an  der  Oberflache 
\\ieder  abgekuhlt,  bis  eine  zweite  Danipfexplosion  eine  ueue  Wassermasse  in 
ein  hoheres  Niveau  des  Canales  treibt,  wodurch  sich  die  Eruptionserscheinunuen 
\viederholen. 

Eine  zweite  grosse  intermittirende  Springquelle  Islands  ist  der  Strokr, 
\\elcher  kaum  100  Schritte  vom  Geysir  entfernt  gewb'hnlich  alle  2  bis  3  Taize 
eine,  dann  aber  gewaltige  Eruption  zeigt. 

Noch  viel  grossartiger  wie  die  Island's  sind  die  heissen  Quellen  Neu-See- 
lands.  In  eineui  einzigen  und  zwar  kleineren  der  dortigen  Quellengebiete,  dem 
bei  Tokanu,  sind  auf  dem  Raume  von  2  englischen  Quadrat-Meilen  ilber  500 
Dampf-  und  heisse  Quellen,  mehrere  gewaltige  Sprudel,  mil  kocheudem  Wasscr 
i:efiillte  Kessel,  Kieselsinterkratere,  welche  sich  periodisch  fallen  und  leeren,  be- 
kannt.  An  den  Ufern  des  Waikato  sind  auf  eine  Entfernung  von  etwa  I  Meile 
76  intermittirende  und  constinuirliche  Spring-  und  Dampfquelleu  vertheilt  und 
\verden  von  zahlreichen  kochenden  Schlammpfiltzen  begleitet. 

Als  Folgerung  aus  den  letzten  Abschnitten  ergiebt  es  sich,  dass  die 
Verbreitung  der  Vulkane  und  heissen  Quellen  auf  der  Erdoberflache  eine  all- 
gemeine,  von  den  physikalischen  Verhaltnissen  und  der  geognostischen  Zu- 
sammensetzung  der  Erdoberflache  vollkommen  unabhiingige  ist.  Wir  sehen  Vul- 
kane auf  alien  Continenten  und  in  jedein  Oceane,  unter  alien  geographischt-n 
Hreiten ,  nahe  den  Polen  und  unter  dem  Aequator,  wir  sehen  sie  auf  Hoch- 
plateaus  und  Gebirgsrilcken  und  unter  dem  Niveau  des  Meeres  und  entllich  in 
ihrem  Auftreten  an  keine  Gesteinsformation  gebundeu ,  bald  auf  dem  iiltesteii 
llni]»livgesteine,  bald  auf  dem  jtlngsten  Schwemmlande  aufsitzend.  Aus  diescr 
vollkommenen  Unabhiingigkeit  des  Auftrelens  der  Vulkane  von  den  VerhaltnissrM 
dcr  Krdoberflache  ergiebt  sich,  dass  die  Ursache  ihrer  Thatigkeil  ausserlialb 
d-'s  licreiches  dieser  letzteren,  also  in  tieferen  Regiouen  des  Krdbalies 
/.u  snclicii  ist.  Ferner  l>e\veisst  ihre  allgemeinc  Vcrbreilung  iibcr  allc  Thcilc 
der  Krdc  das  Uc  h  c  ra  1 1  v  or  handen  s  c  i  n  ihrer  materiellcn  Ursache  und  cnd- 
lic-h  lassen  die  Uebereinstimmuni:  dcr  Auswurfsproducte  auch  dcr  \<>n  cinandcr 
cntl'criitcii  Vulkane,  die  klentititt  des  Banes  dicscr  ielzteren  sowie  ihrer  Eriij)- 
tiiinscrsfheiiiungcii  auf  eine  (icmeinsamkeit  ihres  Ursprunges  schliessen.  (ianz 
ahnliches  lasst  sich  von  den  heissen  Quellen  sagcn.  Unter  alien  Zoneti .  auf 
Inseln  und  inmitten  der  Continenle  dringen  sic  aus  dcr  Ticl'c.  Alle  diesc  Um- 


III.    DyiKimisrlie 

stando   ueisen  darauf  hin,  dass  die  orssahnlon  \  ulkiini.schen  Krscheinungen  nichts 
andoivs  sind,   als  K  ra  K  ii  usseru  i»  1:0  n    des  g  I  u  t  hf  I  iiss  i  go.  n  E  rd  i  n  nero  n. 

3.    Vulkanische  Erdbeben. 

§.  I.  Begriff  derselbeil.  Dor  Monsch  1st  gewb'hiit  die  Erdkrusle  als 
elwas  Slanvs,  Vnbeuediohos  zu  botraditon  und  nennt  den  Boden,  auf  dem 
CM'  \\;mdelt.  Knheste.  Allein  fast  von  Tag  zu  T;IL:  \\iederholen  sieh  Erscheinungen, 
\velche.  olmohl  sich  nur  sclten  zu  enlsetzlicher  Furehtl)arkeit  steigernd,  den 
Irrthum.  dor  in  jener  Bezeichnung  iiegt,  vor  ihm  aul'dookon  sollten.  Es  sind 
ilios  dio  Erdsto'sse.  Nit-lit  als  ob  sie  ausiiahmsweise  Paroxymen  dor  vulka- 
nischen  Kiimirkung  auf  die  Erdkruste  wiiren,  es  sind  vielmehr  Erscheinuiiiion. 
\\ok-lio  sich  zweifelsohno  fort\\iihrond  an  irgend  einem  Punkte  der  Erdo.  bald 
liior.  l»ald  durt  iroltond  mat-hen,  fast  la'glich  beobachlet  \verden  und  auch  Deutsoh- 
lattd  nirlit  fivind  sind.  Glilcklichenveise  uur  sellen  steigern  sie  sich  zu  den 
furchtbarsteu  der  irdischeu  Schret-kuisse,  den  Erdbeben. 

Die  als  Erdstosse  und  Erdbeben  bezeichneten  Erschiltterungen  verdanken 
zuoiorlei  ganz  vorschiedenartigen  Kriiflen  ihreu  Ursprung;  auf  der  einen  Seite 
dein  von  unten  herauf  wirkenden  Vulkanisnms,  auf  der  anderen  der  Einvvir- 
kuni;  dor  Atinospharilien  auf  gewisse  den  Untergrund  einer  Gegend  bildende 
(iostfiue.  Nur  die  Betrachtung  der  vulkanischen  Erdbeben  gehort  an  diese 
Stollo.  L'nter  solchen  versteht  man  Kraftausserungen  des  gluthflilssigen  Erd- 
inneren ,  \\olche  sich  in  Erschiltterungen  und  Schwankungen  grosserer  oder 
kleinorer  Theile  der  Erdkruste  und  mil  ihr  der  Meere  kund  giebt.  Mil  diesen 
Howeuungen  konnen  Spaltungen  und  Niveauveranderungen  des  Bodens  ver- 
bunden  sein. 

§.  2.  Intensitiit  iind  Art  und  Weise  der  Bewegung  des  Bodens.  Die 
howogung,  welche  durch  ein  Erdbeben  dem  Boden  mitgetheilt  vvird,  aussert 
sich  an  dosson  Oberflache  sowohl  in  sehr  verschiedener  Starke  wie  auf  sehr 
\«-rs«'hirdene  Art  und  Weise.  Die  haufigsten  und  ungefahrlichsten  der  hierher 
i:oh(irigfn  Krsdioinungen  sind  die  Erzilterungen  des  Erdbodens,  wie  sie  sich 
u.  A.  auch  in  Zusammenhang  mil  den  Eruptionen  der  Vulkane  filhlbar  machen, 
iilior  t  rst  bei  den  heftigeren  Erdbeben  tritt  die  Art  der  Bewegung  in  der  Knl- 
inasst-  doutlicher  hervor.  Dieselbe  kann  entweder  eine  vvellenformig  sch wan- 
ken  do  ;undulatorische)  oder  eine  stossforiuige  (succussorische)  sein.  In 
ersterem  Fallo  \vird  die  Erdoberflache  in  abwechselnden  Zonen  einer  Ilebuni: 
und  einer  Senkung  unterworfen  und  dadurch  in  eine  wellenfdnnii:  \\ogende  Be- 
\\ogung  verselzt,  welche  so  stark  sein  kann,  dass  sie  dem  Auge  wahrnehmbar 
\\ird  nnd  dieselbe  Empfindung  wie  die  unruhige  See  hervorruft.  Solche  undu- 
l.ilorisclio  Knlboboii  vt-rbroiton  sich  Uber  sehr  grosse  Haume,  besitzen  aber 
nur  dann.  woim  sie  besondere  Grade  von  Heftigkeil  on-oicln-n,  grossere  Gefahr- 
lichko.it.  Am  verliccj'ondstoii  wirkon  \\ollciifiinnige  Beben  beim  Ziisaiiiiiioii- 
trcHon  mehrerer  sich  krou/cndon  undulatorischen  Bowegungen.  in  FoLo  (lessen 
sich  der  Boden  in  wirbelndem  Zustando  /u  bolindon  sclioint.  Diese  Modili- 

oation  dor   wollenformiuen  Erdbeben    hat    man    als    rolatorisch   bezeichnet.     Die 

\ 

succussorischen  Erdbeben  machen  sich  in  von  uuten  nach  oben  senkrecht  \\ir- 


I  2  I  III.    I>\ii;imisrlit>   (ieolo-k1. 

kcndcn  Stussen  flihlbar.  sn  diiss  dcr  hoden  in  cine  hefliiie.  .nil'-  und  nieder- 
sl..s>ende  Be\Negung  geriilh.  Sic  \\irken  ausserordenllich  zerstr.rend.  sclileudern 
lliiuscr  ;ius  ilircn  l;und;uiiciilcn  cni])or.  maelien  Felsblocke  auf-  und  nicdi-i- 
springen  und  haben  Mcnschcn  inehrere  Inindert  Fuss  hod)  in  die  Hbhe  uc- 
\\orfcn. 

§.  3.  Fortpflanzungsweise  der  Erdbeben.  Die  von  cincm  Pnnkt.  ;ms- 
gehende  F.rsehutterung  des  Bodens  dnrdi  Erdbeben  kann  sich  in  dcr  Wci^- 
iilicr  \\eile  Landslriehe  ausbreiten,  dass  sie  sich  entweder  allseilig  odrr  nach 
cincr  Birhtung  hin  fortpflanzt.  In  crstcrem  Falle  nennl  man  die  Krdbeben 
cent  rale,  in  let/terein  line  a  re.  Bei  centralen  Erdbebcn  breiten  sich  die 
Krsrlmtlenmgen  in  radialen  Richtungen.  also  nach  Art  dureh  einen  in'.s  \Va>ser 
i:e\\iirrenen  Stein  enstandener  Wellen  in  sich  er\\eiternden  concentrischcn 
Linien  aus .  in  \velchen  die  Intensitiit  der  Heweizung  mil  der  Enlfennuii:  voni 
Mittelpunkle  abnimrnt.  Ebenso  \vird  der  erschutterte  Landstrich  innerhalb  an- 
niihernd  kreisformiger  Conturen  fallen  und  deshalb  Ireffend  als  E  rschii  tie- 
run  gskreis  bezeichnet.  Bei  sich  ofters  vviexlerholenden  Stdssen  veriinderl 
das  Erschiitlerungscentruin  nicht  sellen  seine  ursprdugliche  Slellung  und  rilckl 
in  einer  bestiminten  Bichtung  fort.  Derartige  centrale  Erdl)eben  waren  dit' 
\<m  Lissabon  im  Jahre  1755,  von  Calabrien  1783,  in  den  Bheinlanden  18 IS 
und  1846.  Die  linearen  Erdbeben  pflanzen  sich  nur  nach  einer  Bichtung 
innerhalb  eines  langen  schmalen  Landstriches  fort,  den  man  Erschtille- 
rungszone  nennt  und  welcher  meist  durch  den  Verlauf  eines  Gebirgszuges 
oder  einer  Meereskilste  bestimmt  wird.  Die  Erdbeben  Sild-Amerikas  besohva'n- 
ken  sich  gewohnlich  auf  die  Zone  zwischen  der  westlichen  Ktlste  des  Conti- 
nenles  und  den  Andes,  sowie  auf  die  Nordseite  der  Ktlstenketlen  von  Vene- 
zuela und  Neu-Granada.  Innerhalb  dieser  Striche  tlbten  die  bekannlen  Erd- 
heben  von  Quito,  Lima  und  Caracas  ihre  furchtbarste  Wirkung  aus.  Erd- 
beben endlich.  deren  Erschdlterungen  nicht  von  einem  Punkle.  sondern  von 
einer  ganzen  Zone  (der  ErschUtterungsaxe)  ausgehen  und  sich  von  dieser  aus 
gleichrniissig  nach  einer  Bichtung  wie  geradlinige  Wellen  fortpflanzen .  nennt 
man  tra  ns\  ersale. 

Die  Krkenntniss  der  Nalur  eines  Erdbebens  und  dessen  Zugehiirigkeil  zu 
einer  der  drei  genannlen  Classen  beruht  auf  Beol)achlung  ihrer  Forlpflanzunus- 
richlung  und  des  Zeilpunktes  ihres  Eintriltes  an  thunlichst  zahlreichen  Pnnkten. 
wodurch  cine  graphische  Darstellung  des  Foi'lschreilens  ihrer  Bewegung  IIHIL:- 
lich  geinachl  \vird.  Es  geschieht  dies  durch  Seismographen  genannte  In- 
strniiHMUe. 

§.  i.    Abhiingigkeit  der  Erdbeben  von  den  geogiiostischen  Verhiilt- 

Ilissen.  Die  Fiihigkeil  des  Bodens,  die  lokalen  l^rschiillerungen  \\eiter  foil- 
zupllan/en.  bei'uht  sowohl  auf  der  petrographischen  BeschaH'enheil  desselben.  \\ic 
auf  seineni  geologischen  Han.  Ks  ist  oll'enbar,  dass  in  der  Intensilat  und  dcr 
Ausdchnung  der  Erschtillerungen  auffallige  Unterschiede  hervorlrelen.  je  nach- 
dem  dcr  I'lilei-grunil  aus  lockeren  oder  feslen .  massigen  oder  geschichleten. 
/erkliiftelen  oder  stetiu  ansgedehnten  Gesleinsmasscn  beslelit .  je  nachdem  er 
('infurmig  \on  ein  und  demselben  Gesteine  oder  von  verschiedenartigen,  \\cch- 


HI.    l)\n;mitsrhe   (ieulo^ie.  12") 

solndeii  Felsarlen  uebildet  \\ird.  In  Gebielen  \on  zusammonliangendcn.  feslen 
und  gleichartigen  ("leslemsm.issen  werden  sich  die  Erscliiittorungen  des  Bodens 
iileichl'iirmiu  and  weithin  forlpllan/en .  wiihrend  sic  sii'h  da,  \vo  dor  Boden 
aus  lose iu  Sande  uiul  Gehille  oder  aus  y.erkliil'leten  (iesleinen  beMeht ,  in  un- 
deiehmiissiger.  \er\\orrener  und  des  losen  Zusaininenhanges  und  der  i:rn>- 
seren  I5e\\eglielikeit  allor  Tlieile  \\euen  in  furchtbarer  \\eise  kundgeben.  Be- 
sondtTS  zeigl  sifh  dies  .111  solrlicii  Slelien,  wo  Decken  von  lockeren  (iesleinen 
aul'  einem  feslen  Felsgrunde  aul'lauern.  Selbsl  hci  uerin^cu  Kr/ittcnmi:cii  dcs 
Ift/tei't'ii  uerallien  die  losen  Massen  ulierhalb  dessolbe.n  in  fonnlich  sprini:eiide 
lie\\euiuiL;.  deren  l.el>hal'tii;keil  mil  dec  l.oekerheit  des  Zusaininenliaiiues  \\iichsl. 
Fast  jedes  Krdbeben  liel'eil  lieleue  1'iii-  die  Abhiinuiijkeil  dor  Intensilat  der  1-j- 
M-liutterunuon  \nn  tier  Sti'uctur  dos  Unteriirundos.  Hire  \Virkuni;  \\ar  viberall 
da  .mi  /.orstinvndslen,  wo  lose  Seliulluesieine  aul' solidem,  niassigen  Fels  Jauern. 
da  alter.  \\o  letzterer  y.u  Taue  trill,  uniileieh  iioriiiiier.  Daiie^en  \\erden  lesle 
(ieltirj-'sulieder  die  Sch\\  ini;uniien  und  Kr/ilteruiiiion  ,  dureh  welelie  sie  in  Be- 
\\euiuii;  ueset/.l  werden,  unuleieli  \\eiler  l'ort}>ilan/.en  als  lose  Sand-  oder  Schutt- 
inasM'ii.  Doeh  auch  die  AusdehnuiiL;  und  somit  die  Conluren  des  Erscliutte- 
nuiLisareales  der  Erdbelien  sind  vom  geologischen  Uau  der  Unterizrnndes  ab- 
h.iiiLiiu.  So  uiiissen  vorzugsweise  Spallen  und  Risse  in  der  Gesleinsinasse  die 
Fortpllan/inii:  iler  Bodeuerscliiittenini:  seli\\;iehen  oder  vollslJindig  luMiiinen.  Eiuen 
iilmliclien  Einlluss  muss  der  rasehe  \\frlisel  der  Gesleinsarlen ,  gestb'rte  Schieh- 
tnni:  und  diseordante  I  lierlaueruni;  ansiiben,  Frscheinungen,  vvolehe  namentlieli 
duivh  Geblrgsbildungen  bedingt  sind.  In  Folge  dessen  beslinnnen  Gebirgs- 
ketten  uewijlinlich  aueh  die  Greuzen  fur  die'  auf  einer  ihrer  Seilen  enlslan- 
denen  Erdbeben ,  welehe  sich  daun  liings  derselben  hinziehen,  ohne  sie  zu 
ilbersehi-eiien,  wodurch  sie  zu  liuearen  Erdbeben  werden. 

§.  >.  Fortpflaiizuiigsgeschwmdigkeit,  Dauer,  Hiiufigkeit,  and  Ausdeh- 
llUUg  der  Erdbeben.  Die  mitllere  F o r I p fl a n z u n g s g e s c h w i u d i g k e i t  der- 
Krdbeben  \vird  naeli  der  Zeitdauer  geschiitzt,  welehe  zwischen  dein  Eintrille 
der  Me\se^ung  an  zwei  enlfernten  Punklen  vertloss.  Auf  diese  Weise  be- 
>tiiiinit»'  man  die  Geschwindiukeit  der  Erschiitterungswellen  des  Erdbebens  in 
Nurdaiuerika  im  Jahre  1843  in  ihrer  Hiehtung  gegen  West  auf  005  Meter, 
in  der  nach  Ost  hingegen  auf  908  Meter,  des  Rheinisehen  Erdbebens  von 
IN  it!  auf  470  .Meier,  des  Ussaboner  Erdbebens  von  1755  auf  ooO  Meter  in 
der  Secunde. 

Die  hauer  der  Erdbelten  liiingt  von  der  llauligkeit  der  raseh  aufein- 
ander  folgenden  Stosse  ab ,  von  denen  jeder  einzelne  nur  eine  einzige  oder 
iianz  weni^e  Seeunden  in  Anspnieh  niinml.  Die  verheerendsten  Erdbeben 
\\aren  das  \Verk  einrs  Augenbliekes.  (laracas  \\ard  ISU>  innerhall>  30  Se- 
kunden,  Oppido  und  rmgebung  I7N3  in  2  Minuten,  Eissabon  binnen  5  Minuten 
\nii  driuid  aus  zerstb'rl :  am  It).  August  I80N  kamen  in  Ecuador  durch  ein  I'j'd- 
beben  innerlialb  I  •>  Minuten  40,000  Meiisclien  urn.  I{ei  anderen  liin^ei1  andauern- 
den  Enlbeben  hal>en  sicli  mehrere  llnnderl  Stosse  in  kurzen  Zwischenraumen 
\\iederholt.  15ei  dem  Erdbeben  von  Honduras  1856  zalilte  man  in  einer  Woclie 
|t>S.  bei  dem  von  Lima  im  Jahre  IT'Hi  innerhall)  o  Monaten  451  Stosse.  Auf 


r2»i  111.    DyiiamisHie 

die  eigeniliohen  hefligen  uiid  \erhcerenden  Paro\\smon  pllegen  sich  in  liin- 
geren  odor  kiirzeren  Pausen  Naehschwingafigeil  oin/.uslcllen  .  vxelche  sich  oft 
Worhon.  ja  Monato  lang  NN  iedorholen,  allmahlich  iniiner  schwacher  \\crden  und 
allniiililich  ganz  aufhbren.  Nach  dem  calabnschen  Erdbeben  I  rat  <>rsl  nacli  last 
einem  .lahrzehnt  cine  giin/.lieho  Beruhtgung  des  Erdbodens  ein.  Das  Knlbebon. 
\\elehes  1766  (luniana  zerstorte.  set/to  die  Erde  14  Monale  lang  und  zv\ar  an- 
fiinglicli  (lurch  stiindliche  Slb'sse  in  Bewegung. 

Die  Hiiufigkeit  der  Erdbeben  isl  eine  tiberraschend  grosse,  bositzen  wir 
doch  allein  aus  den  Jahren  von  1850  bis  57  Nachrichl  Uher  4620  Knl- 
Itehen.  von  diesen  kommen  'L.  B.  auf  Unteritalien  und  Sicilien  509,  auf  Miltel- 
italien  196,  auf  die  pyreniiische  Halbinsel  77.  auf  Frankreich  105.  auf  die 
sch\\ei/.er.  savojer  und  piemonteser  Alpen  1005  (darunter  freilich  /ahlreiclie 
nicht  vulkanische).  auf  die  Ostalpen  81.  Aus  der  Zeit  j;om  Anfang  des  neunten 
.lahrhunderts  bis  1845  ist  uns  Kunde  von  559  Erdbeben  Uberliefert  \vonlen. 
welche  sich  im  Rhein))ecken  ausserten.  Am  reichsten  an  Erdbeben  ist  jedocli 
Stldamerika.  Dort  sind  sie  so  hiiufig.  dass  man  annehmen  darf,  dass  sich 
jener  Continent  besliuulii:  an  irirend  einem  Punkle  in  Bewegung  belinde : 
wurde  doch  die  Stadt  Lima  seit  ihrer  GrUnduug  zehnmal  l)is  /u  ihrer  giinzlichen 
Zerstb'rung  von  Erdl)eben  heimgosucht. 

Die  Gr5ss e  des  Areales,  tiber  welches  sich  Erdbeben  auszudehnen  im 
Stande  sind.  ist  zum  Theil  eine  ausserordentliche.  So  zerstb'rte  das  Erd.J>eben 
von  Lissabon  nicht  nur  viele  Sta'dte  in  Marokko,  sondern  reichte  bis  nach 
Skandinavien.  Massachusetts  und  den  kleinen  Antillen.  Liueare  Erdbeben.  >•> 
eine  Anzahl  der  chilenischen,  dehnten  sich  auf  eine  Erstreckung  von  I'io 
Meilen  aus. 

§.  6.  Seebeben.  Wenn  Erdbeben  auf  dem  Grunde  des  Meeres  statlfinden. 
so  pflanzen  sich  dieselben  durch  die  ganze  Tiefe  des  Oceanes  fort ,  so.  dass 
dieseiben  als  mehr  oder  \\'eniger  heftige  und  gefiihrliche  Stosse  an  seiner  (31)er- 
tlaehe  empfunden  \verden.  Dabei  l)leibt  letztere  auf  offener  See  vollkominen 
ruhig,  man  sieht  koine  wellenfbrmigen  Bewegungen:  am  Strando  hingt^en 
trill  oin  plb'lzliches  Zui*ilck\veichen  und  dann  oin  slilrmischos  Sleigon  des  Meeres 
ein.  welches  grosse  SchiH'e  \\oil  in's'  Land  werfen  (Si.  Thomas)  und  Stiidte 
uborllulhon  kann  (Callao,  Conceplion).  Gewbhnlich  boginnl  die  Boxvogung  mil 
einem  RUckzuge  des  Meeres,  in  Folge  dessen  die  Unliefen  hervorlroten.  Schiffe 
auf  den  Grund  geralhen,  Hiifen  und  ganze  Moeresbuson  irocken  gelegt  \\rnlen. 
Die  Dauer  des  Rllckzugos  sohwankt  im  Millol  zwischon  5  und  35  Minulen: 
boi  dem  Erdbeben  von  Santa  dagegon  (18.  Juni  1678)  zog  sich  das  Moor  so 
\\eit  man  sehen  konnle  zurtlck  und  brach  erst  nach  24  Slunden  Alles  ver- 
heerend  wieder  herein.  Bei  dem  Erdbeben  von  Pisco  (1690)  zog  sich  das 
Moor  -1  Meilen  weil  zurtick  und  kehrte  erst  nach  3  Slunden  wicdor.  Wie  ein 
\Yasserberg  stUrmt  das  Meer  gogen  die  Ufer  an.  stoigt  10.  20  ja  in  oinzolnon 
Fallen  bis  70  Meter  liber  seinen  normalen  Stand,  wirft  SchiH'e  iiber  den  Ilafcn 
\\-eg  und  reisst  sic  \\eit  landeinwiirts.  Krdbeben  von  Kustcnlandern  pllanzi1!! 
sich  auf  dem  Moore  nit  auf  ausserordentliche  Enlfornungen  fort.  So  orzouglo 
ein  Knlbeben  dor  chilenischen  Ktlste  oino  Welle,  welche  don  Ocean  bis  zu 


III.   Dynamische  Geologic.  127 

don  Sandwich  Inseln.   eine   Entfernung  von  1200  deutschen  Meilen.    diirchmaass 
und   auf  Hawaii   das   Dorf  llilo   iibertluthete. 

§.  T.  Wirkung  der  Enlbebeil.  Heftige  Erdbeben  gehbren  zu  den  zer- 
stiirendsten  Naturereignissen.  YSYnige  Sto'sse  geniigen.  uiu  Tausende  von  <ie- 
biiuden  in  Trtlmmerhaufen  zu  \er\\andeln  und  Tausende  von  MenscluMi  zu 
vernichten.  Die  Zerstb'rimg  A  on  Mendoza  durch  das  Erdbehen  von  1861,  das 
furchtbarste  dor  Neuzeit.  war  innerhall)  einer  einzigen  Minute  vollendel.  — 
in  wenig  Augenblieken  kamen  9 — 10.000  Menschen  durch  das  Erdbeben  von 
Caracas  inn.  —  ein  einziger.  der  erste  Stoss  des  calabrisehen  Erdbebens  17^:5 
verwandelte  den  grb'ssten  Theil  der  Ha'user  aller  Stadte  und  Dorfer  seines  Er- 
selultteruNi:skrcis«'s  in  Srlmtlhaufen.  Sehr  verderblich  a'ussern  sich  auch  die 
Wirkunuen  der  Erdbeben  dadurch,  dass  sich  Erd-  und  Felsmassen  von  den 
Ht-rufii  losliisen.  in  die  Thaler  stilr/en  und  dadurch  FlUsse  in  ihrem  Lauie 
heininen  und  /.u  rebersehwennnungen  zwingen.  Spaltenbildungen  sind  hiiuiiLrc 
Foliien  der  \\ellenformigen  Bewegung  der  Erdoberflache.  Die  Spalten  haben 
bald  einen  geradlinigen.  bisweilen  einen /iekzackformigen.  selten  einen  krumni- 
liniuen  Verlauf.  entstehen  oft  in  sehr  grosser  Anzahl,  schliessen  sich  jedoch 
zuin  Theil  direct  wieder.  indem  sie  Alles.  was  sie  in  ihrem  Schlunde  ver- 
schlunuen.  zerquetschen.  Die  geb'ffnet  bleibenden  Spalten  zeigen  sehr  hiiufig 
ciiu-n  autlallenden  Parallelismus,  in  anderen  Fallen  laufen  sie  strahlenformig 
von  eineni  gemrinsaiuen  Mittelpunkte  aus,  in  noch  anderen  trat  zugleich  eine 
Vei'^ei-fung  der  Gesteinslagen  ein,  so  dass  die  eine  Seite  der  Spalte  gehoben. 
die  andere  gesenkt  \vurde.  So  zerbarst  bei  dem  F>dbeben  von  Galabrien  ein 
dickinaueriger  Thurni  durch  cine  verticale  Spalle  in  zwei  Hiilften,  von  welchen 
die  eine  an  der  anderen  5  Meter  hoch  aufwiirts  geschoben  wurde.  Mil  diesen 
Spaltenbikluniien  slehen  gewaltsame  Ausbrtlche  von  Wasser  und  Schlainni  in 
Yerbindung.  was  offenbar  darin  begrUndet  ist,  dass  unterirdische  wasserreiche 
Schichten  und  \Yasseransaminlungen  durch  die  Erschtltterungen  der  Erdkniste 
eine  starke  Compression  und  Spannung  erleiden,  in  Folge  deren  sie  beim  Hersien 
der  dariiber  befindlichen  Erdschieht  mil  Gewall  zu  Tage  dringen.  Zu  den 
einflussreichsten  \Yirkungen  der  l'>rdbeben  gehiiren  die  Niveauveriinderungen. 
denen  grb'ssere  oder  klcinere  Areale  unterworfen  werdeu,  und  die  im  niiclisten 
Capitel  ill  re  Besprerhung  linden  sollen. 

§.  8.  Beziehiingeu  zwisclien  Erdbeben  uud  vulkauischen  Ernptioneii 
uiid  zwisclien  Erdbeben  und  Gestim-Constellation.  Zweifellos  stehen  \  iele 
vulkanische  Ausbrllehe  mil  ErderschUUei-ungen  in  Yerbindung,  welche  die 
eigenllieln1  Eruption  einzuleiten  und  vorzubereiten  pdegen,  sich  zum  Theil  liber 
Uundert  Myilen  \veit  forlpilanzen  und  in  vielen  Fallen  einen  ausserordentlich 
lieftigen  Charakter  annehmen,  bis  sie  durch  die  erfolgende  vulkanische  Eruption 
unterbrnchen  werden.  Hier  ist  also  der  Ziisaminenhang  z\\i.schen  Erdbeben 
und  Yulkanenthiitigkeit  so  klar.  dass  er  die  Yeranlassung  \\iirde  L';m/.  im  AII- 
gemeinen  die  Yulkane  als  Sicherheitsventile  der  Erde  aufzufassen.  deren  (ie- 
bflnetsein.  also  deren  Eruption  einen  sicheren  Schutz  gcgen  \erheerende  Erd- 
beben gewahre.  Die  heftigsten  und  furchtbarsten  Erdbeben  sowohl  Europas 
wie  Amerikas  fallen  jedoch  mit  Eruptiouen  nicht  zusammen,  oder  gehiiren 


12s  111.    iKii.iinisrlic    i: 

uerade  selii-  vulkanenreichen  Bczirken  an.  \\elchenachjenerAnsielii\uiid. 
\almvreignisse  geseliilt/t  sein  sollten.  Aul'  der  anderen  Seile  eiinlgten  die  enl- 
selzliehen  Erdbeben  \on  l.issabnn  uiid  Calabrien  in  nicht  \ulkanisehen  (iegenden 
mid  oliiu'  Ausbrueh  benarlibarter  Yulkane.  Aus  alle  dem  geht  her\<>r.  dass 
fine  bestimnile  (ieselzmiissigkeil  in  den  Beziehungen  x\\  isclicn  \ulkanisehen 
Krnptionen  und  Erdbeben  nicht  stattlindet.  Die  (iesammtivsnltale  der  an!'  die.se 
Yerhaltnisse  beziidiehen  neueren  Benbachlungen  IS.'id  — oT.  lassen  sic-li  in  fol- 
m'lidf  Siitze  znsaninKMil'asst'n  : 

I  Die  uritsslc  Xalil  \on  I'>i%dl)('l>en  und  die  hel'tiL'stcn  faiiden  in  dicsei-  Zcit 
in  Liiiulcrn  stall,  in  \vfk-lu'ii  sicli  llialiiic  Vulkane  hclindcn. 

;'  Vulkanisrlic  AusbrUchc  cr»'ii:ncteii  sich  inehrnials.  ohne  class  dainil  in 
Xusaimncnhani;  slchcndc  Krdltt'ltcn  ln'inerkl  \\urden. 

:i  Vulkanisclu'  Ansltnirlu'  schiitxcn  hiswcilcn  die  nahc  L-clegenen  Gc^cndcn 
vor  Erdbeben,,  oft  aber  sincl  sie  auch  gerade  die  Veranlassuni;  zu  solcht-n. 

Xicinlich  \\ahrscheinlich  hingogc-n  dilrfte  der  Einiluss  der  (lonslellationcn 
•  l«'s  MoiuU's  /Air  Sonne  und  Krde  auf  die  Erdbeben  sein,  so  dass  die  Urs.iche 
der  U't/leren  in  Springflullien  des  gluthlliissigtMi  Erdkernes  d.  h.  in  <! 
Boslivb_en  zu  suclien  sein  \viirde,  der  Anziehung  der  Sonne  uud  der  des  Mondcs 
zu  folgeu.  In  diesein  Streben  \vird  er  von  der  festen  Erdkruste  gehennnl, 
Ubt  also  auf  diese  stellemveise  einen  Druck  aus  und  sucht  sie  zu  heben.  1st 
der  Andrang  des  Erdkernes  starker  al§  die  Festigkeil  der  Kruste,  so  \vird  letzl- 
tere  stoss-  oder  \vellenforniig  gehoban.  Xachdies  er  Theorie  wiirde  der  Strich 
der  Erdoberflache,  der  den  Gipfeln  der  Fluth\velle  entspriclit,  also  die  lieisse 
Zone,  der  vorzilglichste  Schauplatz  der  Erdbeben  sein,  wiihrend  die  lleftigkeit 
und  Ha'ufigkeit  derselben  nach  den  Polen  zu  abnehnien  muss,  eine  Forderung, 
\\elclie  ini  Allgeineinen  durch  die  Erfahrung  besliiligt  \vird. 

4.  Permanente  Hebungen  und  Senkungen  des  Bodens. 
§.   I .    Instantane  oder  saeculare  Hebungen  und   Seukungen.    Au- 

haltspnukte  fur  Constatiruug  (lerselbeil.  In  engstem  geneUschein  Zusaininen- 
hange  mil  den  Erdbeben,  zum  Theil  als  deren  Ursache,  zum  Tlieil  als  deren 
Wirkung  stehen  die  permanenten  Xiveauveranderungeii  des  Bodens,  Erschei- 
nungen,  welchen  der  grcisste  Eintluss  auf  die  Entwickelungsgeschichte  der  Erd- 
ol>ertl;ichengesiallung  zukomint.  Niveauveranderungen  konnen  sich  als  He  bun- 
gen  und  als  Senkungen  und  z\var  grosserei1  oder  kleinerer  Theile  der  l.rd- 
kruste  geltend  rnachen  und  sich  entwi-der  riu-k\veise  oder  unmerklich  lang- 
».MII  vollziehen,  also  instant  an  oder  saecular  sein. 

In  Folge  der  Allgemeinheit  dieser  Schwankungen,  aus  Mangel  an  einem 
an  der  Bewegung  des  Festlandes  unbrtlieiliglen  Beobachlungspunkh-  gehen  diese 
stetigen  Oscillationen  an  dem  Bewohner  des  Binnenlandes  unvermerkt  voriil)er 
uiul  warden  iiberhaupt  selixvei1  naehxveisbai'  sein,  \venn  nicht  der  Meeresspiegel 
ein  unveriinderliches  Niveau  einniihme,  an  \\elchem  sich  die  Hebungen  und 
Senkungen  der  Conlinente  \valirnehmbar  maelieu  und  inessen  lassen.  Fels- 
ritle,  \\elclie  tViihor  von  Wasser  bedeckt  \varen,  tauehen  empor,  Kilstenstriche 
\\aclisen  an  Breite  in  der  Richtung  nach  dem  .Meere  zu.  einstige  Hafenpliilze 


III.  Dyoarntsche  Geologie.  I'J!<) 

werden  landeim\iirts  geschoben ,  llache  Meeresanne  vollsla'ndig  unfahrbar  ge- 
macht,  Korallen-  uiul  Ansterbiinke  Irocken  gelegt.  Andere  t'fer  mid  mil  ilnuMi 
llucli\\,il(ler  mill  menschliche  Bantcn  senken  sicli  allmiihlich  miter  den  Spiegel 
dt's  benachbarlei)  Oceans,  bis  sicli  die  \Yasser  fiber  ihiHMi  schliessen. 

Soli-lit-  llebungen  und  Senkungen  aussern  sicli  der  Nairn1  der  Saehe  nac-li 
durcli  rmgestaltuiig  der  Kiislenlinien .  ebenso  \\  ie  dies  bei  Kbbe  uiul  Flulh 
der  Fall  isl,  am  BuffeMigSten  an  llachen  I  Tern  und  wiirden  an  sleilen,  felsiizen 
<iestaden  s|uii-los  Tbrtibergefaen,  wcnn  das  Mrer  niclit  scllisl  daraul'  hcdachl 
\\iiiv,  unverkennbafe  Mcrk/.t'iclicti  iibcrall  da  zui-iU-k/ulasscMi ,  \vo  (\s  cinsl 
uciicn  die  I  Icr  ucbi'andot  lial.  Durcli  d(Mi  Anpi'all  dcr  Woiiou  hat  cs  die  b'ols- 
\\iinde  nntcruasclicn  und  die  Klippen  dallirHtvkl,  es  hat  HaufNNerkf1  \«m  runden 
Kieseln  aiil'iz-'lliiinnl  und  Muschel-  und  KorallenbruclisUioke,  so\\ie  Seelanize  /u- 
sainineni:escli\\eiiiinl,  km1/.,  jene  eiiienthiiinlichon  Sirandlnlduniien,  \\elch(>  den 
Ocean  \\  ie  ein  Sauin  umijiirU'n,  (M'/tMi^t.  Ilebl  sich  dor  (loiilinenl,  so  enl/.ielit  rr 
diese  S  I  r a  n  d  I  i  n  i  e n  dein  Uereiclie  des  Meeres  ,  rtlckt  sic  landein\\arts  und 
\erse(/.l  sic  in  die  Holio  von  Hundei-ten  son  Motern.  Unlerdessen  vvirft  das 
Mcrr  neue  SliMudhildun^en  auf,  urn  diesplhon  oine  nach  d«r  andfren  einein 
^Schicksale  anlieiinfallen  /u  sehen.  Als  anscheinend  liorixonlalc  Ter- 
imisaumen  sie  dann  die  Abhan^e  der  sleilen  Meeresktislen,  -  l»ei  der 
I  11  \eriinderlichkeit  des  Seespiegels  ein  sicherer  Massslal),  um  \\ie  viel  sich  die 
kiisle  in  junusler  Xeil  iiehoben  hat.  Der  Kinwurf,  dass  dioselben  nicht  auf  die 
llebuiiii  des  Festlaudcs ,  sondern  auf  das  Sinken  des  MeeresspiegHs  zurilck- 
/ufiihren  seien,  \\ird  durch  die  z.  B.  an  der  KUste  von  Norvvegen  heobachtete 
Thalsache  enlkriiftigt,  dass  die  Slrandlinien  nicht  innner  unter  sich  und  init 
dei-  Oberlliiche  des  Meeres  parallel  laufen,  sondern  zuweilen  eonvergiren,  was 
nur  (lurch  cine  undeichtnassiue  llebung  der  Kiisle  erkliirlich  ist. 

§.   2.   Beispiele  YOU  Helmngen.    In  gfossarligster  Weise  haben   sicli    in- 
stantano  Hebungen    an    der  Weslkiiste    von    SUdamerika    bethiitigt.     So   erlitten 
die  Kiisiensliiche  Chiles    im  Jahre  1750    eine    von  Erdbeben   begleilele  llebung 
von  H  Meter,   der  alte  Ilafen  von  Conception  \vurde  unbrauchbar,  ja  die  Schille 
kiinnen  sich  ihni  seitdein  nur  bis  auf  1  '/.2  Meilen  niihern,  Sandsleinfelsen,  welche 
bis    dahin    3  bis  4  Faden    unter  dem  Meeresspiel    gelegen,    erhoben    sich    (iber 
diescn.     Im  .lahre    IS2^    hob  sich    die  KQste  von  Chile  und  Peru  auf  eine  Kr- 
slreckung    von  240  Meilen    um    etwa   \    Meter,   so  dass  eine  Reihe  von  Auster- 
biinken   blos^elegt  vvurde.     . \linliches    wiederholle   sich   1S:}.'i  in  migefahr  den- 
selben  (iciienden,   am  aiifl'allcndslen  aber  auf  der  Insel  St.  Maria.    Diese  wurde 
bei    I1  _,  Meilen  Liinge  an  ihrem  SUdende  ?,G,   in  der  Mitte  3  und  an  der  \ord- 
spit/.e  :<,.'{  Meter  gehoben.     Schon    in  frUheren  Zeilen    haben  Hebungen  an  der 
\Yesikuste  Siidamerikas  stallgefunden,    Uber   welche  wir  /war  keine  geschichl- 
lichen   Nachrichten   besit/en,    welche  aber    in  alien  Slrandlinien  sicherere  Xeuii- 
nisse    als    in    mensrhlichen    Ueberlieferungen    hinlerlassen    haben.      In    manchen 
Theilen   von  Chile    und  Peru    wicderholen    sich    diese    Xeichen    eheinaliger  Kin- 
wirkung  des  Meeres  4,  .">,  ja  0  oder  7  mal  ilbereinander,  entsprechen  also  ebcn 
su\iel    pliit/lichen  Hebtiniisperioden    und    darauffolgenden    Slillsliinden  und    ei- 
slrecken  sich  an  ein/elnen  Stellen   7  Meilen   well   in  das  Feslland.    Die  obersten 

C  re  ilner,  Elemente  d.  Oeologie.  <J 


I3i>  IH.    DytiamisclTe  Geotogte. 

dieser  Strandlinien  ziehen  sieh  in  100  bis  ino,  ja  slellemveise  /..  B.  bei  Valparaiso 
in  400  his  fast  i.">0  Meter  Hohe  iiber  dem  heutigen  MeereSOTVeatl  liin  :  -  um  eben- 
so\irl  haben  sich  jene  Kiistenstriche  im  l.aufe  der  let/leu  wenigen  Jahrhunderte 
gehoben.  Von  htiehslem  Inleresse  isl  die  Auffindung  ernes  Maiskolbens  und 
baumvNollener  Faden  innerhalb  einer  auf  der  Insel  S;m  Lorenzo  \<>r  Callao 
2K  Meter  tiher  den  jetzigen  Meeresspiegel  geliobeiien  Muschelbank,  cin  Kund. 
\\flclici1  bt'SNcist,  dass  diose  hcdciilcndc  llchiini:  in  /citon  slandfand,  \\iilirtiul 
dcren  die  BcNMihncr  ji'iu-i1  Kiislon  licrcits  Ackci'ltau  und  Industrie  trieben. 

(Ian/  iihnliclie  EfSCheiBangen  hat  man  in  Europa  beoharhtet.  So  sind  auf 
Sit-ilion  bis  7.11  00  Meter  Mecivshohe  Strandlinien  mil  Aus\vasohuni;(Mi  und  Poli- 
nmi:rn  der  Felsen,  Muschelanhiiufuniion.  GerOUablagerangen  and  Bohrmusclicl- 
loVhcrn  Ix'kannt  und  ehen  solche  Bilduniien  an  dor  \\Cstkiislc  von  (irossbri- 
tannien  in  10,  ?•>  und  gegen  lioMrterHohe  nachiiewiesen.  Letztore  izeuinnen 
dadurch  an  Interesse ,  dass  sie  nichl  horizontal  laufen ,  sondern  landeiinviii  ts 
ansteigen,  so  dass  sie  dort  alhnahlich  iiber  430  Meter  Iliihe  erreichen.  Die 
grosste  Beriihmtheit  aber  als  Beweismiltel  fiii-  abwechselttde  Senkungen  und 
Hebungen  des  Bodens  hat  der  Serapis-Tempel  bei  Puzzuoli  un\veit  NVapel  1-1 
lanct.  In  den  dichl  an  der  Meereskiisle  gelegenen  Huinen  desselben^beliiulen 
sich  noch  drei  13, 3  Meter  hohe,  aus  je  einem  Sliicke  gearbeilete  .Marniorsiinlen. 
welche  nach  Wegraumung  des  sie  uingebenden  vulkanischen  Sandes  jetzt  1'rei 
dastehen.  Die  Oberflache  ihres  untersten  Theiles  isl  bis  zu  \  Meter  Hohe  glatl 
und  unverlelzl  .  dann  aher  innerhalb  einer  3  Meter 
hohen  Zone  von  zahlreichen  Liichern  von  Modiola  litho- 
phaga  durchbohrl,  in  welchen  die  Sehalen  diesei-  Bohr- 
muschel  liaufig  noch  erhalten  sind.  Die  obere  Partie 
der  Saule  ist  \\iederurn  vb'llig  unverlet/.t.  Die  (ie- 
sainmtheit  'der  hier  vorliegenden  Krscheinungen  be- 
ueist,  dass  sich  der  Landstrich  mil  dem  Serapis  Tempel 
in  Kolge  einer  mil  Krdbeben  und  Aschenregen  \er- 
l)undenen  vulkanischen  Eruption  um  wenigstcns  7  Mett>r 
gesenkl  hat.  In  diesem  Niseau  \erl.)lieb  der  Tempel 
langere  Zeit,  \\iihrend  weloher  die  Bohrmusrheln  ihren 
Wohnsil/  in  dem  Theile  der  Marmorsaulen  aufschlugen. 

Kig.  10.    Rui^d^  Serapis      wpk>h,T     /AN  is,.,1(in     |lrr     ;    M(.1(>r     hohon    J)ock(>     von    v,,|- 

kanischem  Sande  und  dem  Wasserspiegel  lag.  Erst  spiiter  erfolgle  \\iedei-um 
eine  Ilebung,  in  l;olge  deren  der  Tempel  si-m  heuliges  Niveau  erhiell. 

Am  genaueslen  von  alien  sind  die  durch  Niveauveriindernngen  bedingten 
l;.rs( -lieinungen  in  Skandinavien  untersuchl  worden.  Die  Kilsten  dieses  Landes 
belinden  sich  /um  Theil  noeh  gegen\>iirtig  im  Zuslande  <ler  saecularen  Ilebung. 
nachdem  dieser  in  vorhislorischen  Zeiten  mehrere  inslantane  Ilebungen. 
unterbrochen  von  liingeren  Slillsliinden,  vorausgegangen  \\aren.  Behufs  (ion- 
slatirung  dieser  Oscillationen  hat  man  an  vielen  l-'elsen  der  Kiiste  und  der 
Inseln  \\'a>sermarken  eingehaucn,  dieselben  in  mehrjahrigen  Zwischenriiumen 
untersuchl,  \virklich  Niveauveriinderungen,  nehmlich  Ilebungen  \\ahrgenommen 
und  dieselben  auf  I  Meter  im  .lahrhundert  feststellen  /u  kiinnen  geglanbt. 


III.    [Kiiamisclic  (ieolo^ie.  1  ',i  | 


rntersliii/.uni:  I'anden  diese  Heobadilungen  in  dem  Kmporlaudien  von  klippen 
.111  Slellen.  v\o  man  IViilirr  die  See  nidil  brandon  sail.  Auf  viel  grossarligere 
llebunuen  in  dor  Vor/cil  weisen  die  /.ahlreichen  alien  Slrandlinien  nnd  lerrasson- 
alinlichen  Tlionablaiierunuen  liin.  \\elclie  von  Sdialen  nodi  jel/t  in  der  Osl- 
see  oder  an  der  norwegisdieii  Kiisk'  lebender  Muscheln  angefiilll  sincl  (Meeres- 
lerrassen  .  Dieselben  \\iederholen  sieh  in  meluvren  \i\eaus  ubereinander 
und  ko'nnen  bis  200  Meier  Moeresliolie  orreidien.  Dass  dicsclhcn  wcdcr  ganz 
parallel  nodi  \oll.sliindii:  liori/.milal  laufcn,  sondcrn  landcinwiirls  anslciiion  und 
/uulfidi  divri'LiiivM.  isl  IxTiMls  <»bcn  cr\\iilint  wordon.  Diosc  llcbunii  Skandi 
navifiis  *>•(/(  >idi  unlcr  dcr  OslstM-  bis  y.ur  Kiistc  Itnsslands  fort. 

Von    den    Inscln    dos    Slillcn    und    dos  IndisduMi  Occancs    miiucn   hicr  nur 
Ni'U-St't'land   und  (icxlon   als   Xcu^nisso   sacculai'cr  Hcbunizcn   an^cfidirl 


Kir  Terrassenbildungen  dor  Oslkiisle  crsliJionanuUMi  I'^ilandcs  \\eison  auf  oin  Aul- 


inn  .'ioil  bis  l-'iOO  Meter  in  postlertiiirer  Z(Mt  liin,  \\iihrend  die  \\Ysl- 
kiiste  in  Senkuiii:  beiirill'eii  isl.  Mbenso  sind  Korallenbiinko  der  Ktlslo  Gey- 
Ions  bereils  /u  beti'aehllicher  Mohc  ilbor  den  Meeresspieuel  i^ehoben  ^'orden 
und  \\erden  bei  foilschreitender  Heue^uiiL;  bald  die  Insel  mil  dem  Fesllande 
verkniipfen. 

§.  :J.  Beispiele  YOU  Seilkuilgeil.  Die  Mehrzahl  der  iin  (ianzen  nicht 
selienen  Senkuiii^en  kleinerer  Theile  des  Erdbodens  slelil  mil  dem  Vulkanismus 
niehl  iin  /usaininenhange,  sie  sind  vielmehr  die  l-'olije  des  /usamniensturzes 
unlerirdiseher  llohlriiuine,  des  sieh  Sel/ens  lockerer  Gesleinsmalerialien,  des 
Eintroekenens  friilier  \\asserreidier  Schlammschichlen  ,  des  Rutschens  einer 
(iebirizsmasse  ant  Abl(isuiii;sll;ielien  und  anderer  iihnlidier  Vorgiinsj;e,  \\elche, 
iin  enizslen  Zusanunenliauge  mil  den  nidil  \  ulkanisehen  Krdbeben  slehend, 
bei  (ielejieiilieit  dieser  besprochen  \\erden  sollen.  Die  neuere  Xeit  lieferl  in- 
dessen  y.iemlieh  \iele  Heispiele  von  plolzliclien  Bodensenkungen,  als  deren 
(irunduisadie  nur  der  Vulkanisinus  i^edaehl,  vverden  kann.  Uei  dem  grossen 
l-irdbebeii  Mm  l.issabon  sank  der  ij;rosse  marmorne  llnl'endamm  plol/lieh  in  die 
I'ii-l'e.  -  auf  Jamaica  \\urde  iin  .lalire  i69i  rin  grosserer  Landslrich  mil  den 
darauf  Itelindlidien  (Jebiiuden  iiber  I  ){  Meter  lief  in  das  Meer  versenkl,  -  bei 
dem  Krdbeben  im  Mis.sisippi  Thale  18!:}  fanden  bedeutende  Jiodensenkunyen 
slall.  An  /.-dilreidien  I'unkleii  der  Kilste  Knglands,  der  Normandie,  der  Bre- 
taiiiie,  \e\s-.leise\s  und  Nordcarolinas  sind  submarine,  also  unler  die  Ober- 
Iliidie  des  Meeres  iiesunkeiie  Wiilder  bekannl,  welche  fill'  Senkungen  jener  Land 
slriehe  spre<-lien,  die  vor  \erliiiltnissmiissii;  ersl  kur/.er  Zeit  stattfanden.  Audi  die 
Kiisle  der  Nordsee  belindel  sieh  im  Xnslande  saeeularer  Senkuni.',  ein  Theil 
Hollands  lieul  bereils  unler  dem  Niveau  de>  Meeres,  (lessen  Kindriniien  nur  dnrch 
kiinsllidie  liaiilen  abjiehallen  \\ird;  das  A  real  des  /uider-Sees  \\urde  ersl  vor 
fiinf  .lalirlmnderlen  von  den  Kliilhen  bedeck),  und  eine  grosse  Znhl  der  Kilslen- 
inseln  /.\\iselien  Texel  und  Kibe  nnd  an  der  \\Cstkiisle  Sddes\\ii:s  sind  vviihrend 
unseivr  Zejtrechnung  versdi  \vunden  odei-  liaben  bedeulend  an  (iriisse  verloren. 
Kbenso  sinkl  die  \\Vstku.ste  (Ininlands  langsam  unler  di<^  (Ie\\;isser  derDa\is 
slras.se,  so  dass  die  1'fiihle.  an  \velche  die  eiiiL;e\\anderlen  Knropiier  ilire  Kiiline 
/u  befesligen  pflejilen,  bereils  unler  dem  \Vasse-r  \erveli\Mindcn  sind.  Weiler  im 

9* 


i;V2  III.    l)yn;iini>clic 

Norden   trill  jedoch  cine  enlgegeniifSflzlf  BfWegung  fin,   die  sicli  in  zahlreichen 
alien  Slrandlinien  kundgiebl. 

Gerade    so    vsie    das    massenhafle  Vorkonuncn    von  Seethienvslen    in    be- 
dfiitcnd    huh  ere n    Niveaus,    ;ils   jene    gelebl    haben    koniu-n,    cin    nntrilgliches 
Be\\eismitiel  fiir  Ilcbungcn  von  Landstrjchan  abgiebi,  go  wird  auf  der  anderen 
Seile    durch    das    inassenhafle  Aul'lrelen    von    1'roducten    organiseher    Thiiligkeil 
ii  11  It-  r  ha  1  b  dcr  I.ebeiissphiire   ilir<-r  Krzeuger  oino  Senkung  dos  Bodcns  be- 
\\ifsfii.      So    dculfl    das  Material    und    dor    Ban    der  Korallcninseln    des    slillen 
Oceanos  darauf  bin,   dass  sich  dor  Grund  dieses  Mecres  soil  langen  Zoilriiuinen 
iin  Zuslande  saecularer  Sonkung  befindel.    Difsc  Tbeoric  la'ssl  sicli  nuf  folgfiidi" 
\\fisc  bcLjriindfn.     Die  Korallenlhiert'licn,    die    bei    doin  Aufbau    dor  Korallfn- 
insfln  lliiilii^  iicwcscn  sind,  'ko'nncn  nur  bis  zu  einer  Tiefc  von  40  Meier  unler 
doin  Wasserspiegel    lobcn.     Trotzdein   besleht  das  Material  dieser  Inseln  bis  zn 
so  ausscrordenllicli  grosser  Tiefc,  dass  ilir  das  Loth  nicht  mebr  zu  folgen  vor- 
inair,   ausschliesslich  aus  abgeslorbenen  Korallen.    Diese  mtlssen  demnaeli  durcli 
Senkung  aus  dcr  ihnen  zuin  Leben  angewiesenen  oberslen  Meereszone  allniiihlieli 
in  jene  Tiefe  gelangl  sein.    Ein  solchcr  Vorgang  zwang  die  sich  ncu  cnl\vickeln- 
dfn  Generationcn  von  Korallenlhierchen,  um  nicht  aus  ihrer  Lebenssphiire  ge- 
rissen.   also  ihrer  Existenzbedingungen  beraubt    zu  vverden,    zur  fortvviihrendcn 
Ansiedelung   auf  den   oberen  Randern   des  sinkenden  Korallenrifles,    zwang  sie 
also  dazu,    ihre   Banten   stall  in    die  Brcite   nach    oben    zu   richten.     Die  Folge 
dieser  Senkung  und  der   dadurch   bedinglen  und  geleilelen  Thatigkeit   der  Ko- 
rallenthierchen  war  die  Enlstehung  der  nach  Uunderlen  ziihlendcn  ringforniigen 
Koralleninseln   (Alolls).    Jede  derselben  enlsprichl  einer  versunkenen  Insel,    um 
welche   sich   die   Korallenthierchen    angesiedell   und   ursprilnglich    ein   Saumrifl' 
aufgebanl   hatten,    welches   sich    direct  an   das   Ufer    anlehnle.       (fig.    17,     1. 
1.  und    fig.    18,   a.)      Es   begann    die    saeculare   Senkung    des   Meeresgrundcs 
und  mil   ihm    der  Insel  und  ihres  Rifles,    wrelches  sich  dadurch  allmahlich   zu 

einem  BarriererifT  umge- 
staltele.  (figr'IT,  2.  2  und 
fig.  18,  b  c).  Die  Insel 
verschwand  bei  forlgesel/.- 
ter  Senkung  unler  dein 
Meerosspiegcl,  die  Koral- 
lenlhierchen hingegen  er- 
hiellen  ihre  Baulen  slels 

tig.  17.     Pronl  durch  cine  Koralloninsel    in  den  einzclnon  Htadien  ihrer 

dnrch  Senknng  bedingtcn  Entwickelung.  in       deinselben      Mef  IVSlli- 

vean,  so  dass  dieselben,  mag  auch  ihr  Unlergrund  in  sleler  Senkung  begrill'en 
sein.  noch  immer  die  Oberfliiche  des  Meercs  crrciclien  und  hier  die  Alolls 
biltien  (fig.  17,  3.  3.)  Das  Senkungsfeld  auf  dem  pacifischeu  Meeresgrunde 
seheinl  g(>gcn  1200  Meilen  Liinge  und  100  Meilen  Breile  zu  besilx.en. 

Durch  saeculares  Versinkcn  ganzer  Conlincnle  unler  den  Meeresspiegel 
erkliirl  sich  auch  die  ilberraschende  \Viederholung  cliarakleristischer  I;aunen 
line  I'loren  auf  weil  von  einander  enlfernlen  Inseln.  Lelzlere  miissen  als  die 
durch  ihre  Hohe  von  dem  Unlerlauchen  gercltelen  Teberresie  eines  ehemaligen, 


111. 


Etisammenhftngcnden  Fesllandes  aul^efassl  \\crden,  aui'  \\elche  sich  eiu  Theil 
der  h.'\\ohner  des  untergegangenen  Areales  /airuckge/ogeu  und  sicli  dadurch 
erhallen  haben.  So  \\cisl  /.  II.  das  gcmein- 
same  und  ausschliessliche  Yorkomiiien  \  on  Fuchs 
alVen  und  FaulalVen  auf  Madaga.skar,  den  Sey- 
chellen,  den  Malediven  und  CON  Ion  aid  eineii 
\erseli\\undenen  (lonlinent  Inn ,  (lessen  let/.le 
S|Hiren  sicb  in  jenen  Inseln  und  ihrer  Fauna 

..     ,  .,    -.  i  i..  •    i        I-  Kii;.  IS.    Feejeo  KorullPiiiiisplu  ,   ;il  (ioro  mit 

linden.     Aui    der   anderen  Seite   erklarl   sicli    die  Banmriff,  b)  Avgau  mit  Barriereriff,  c)  Explo- 

...  .-    i     •.     i       i-i  it-  ring  Isles   mit  sehr   ontferntein  lt;irrii'ivntV, 

lolille  \erschiedeiiarllgkeil    dcrHoretl   Umlraimcn  ,n  N,lmuku,  eine  Lagune  mit  c-iin-r  cin/.i^-n 

benachbarler  Inseln  aus  ihrer  bereits  frlihzdtig 

eil'oliMeii  Seiikung,  Treiinung  und  dadurch  bedinglen  gegenseilig  unabhiingigen 
Knl\\ickelung  ilirer  Be\\ohner.  Wo  sich  durch  Senkungen  Thoile  des  Fesi- 
landes als  Inseln  von  diesem  Irermten  und  dadurch  ihre  Bewohner  vor  der 
Yerdriingung  durch  einwandernde  Thiere  und  Pflanzcn  schUtzlen  ,  vermocliten 
sich  allerlhiimliehe  Formen,  die  auf  dem  Festlande  la'ngst  versch\\  unden  sind, 
/.u  erlialten.  Solclu;  Frinnerungcn  an  die  geolouische  Vergangenbdit  sind  namenl- 
lich  in  Auslralien  und  Neu-Sceland  bewahrl  \vorden. 

§.  I.  Hebungen  und  Senkungen  in  friiheren  geologischeiiZeitriiiimen. 
Die  Oberlliiche  siimmllicher  Conlinente  bildete  in  friiheren  geologischen  Zeil- 
riiumen  eineii  Theil  des  .Mccresizrundes  und  ist  erst  allmiihlich  zum  Fesllande 
emporizehoben  \\orden.  Noch  kurz  vor,  vielleicht  sogar  l)ei  dem  ersten  Auf- 
Irelen  dcs  Menschen  war  der  griissle  Theil  des  nordlichcn  Kuropa  und  Ame- 
rika  vom  Mcere  iihci  llulhct,  welches  durch  Ilebung  des  dadurch  auch  an  Aus- 
dehnung  in  horizonlaler  Hichlung  p'winnenden  Festlandes  nach  und  nach  in 
seine  jelzigen  C.ren/.en  /urilcki;cdriingt  wurde.  In  den  weiten  Sandllachcn  der 
norddcutschen  Kbene,  den  auf  ihnen  zerstreut  liegenden  erratischen  Blocken 
und  \\enn  auch  seltenen  Beslen  seiner  einstigen  Bewohner  hat  jenes  Meer 
iinvei  kennbare  Spuren  seiner  friiheren  Herrschaft  zurQckgelassen.  In  Gesleins- 
formationen,  die  aus  noch  iilleren  geologischen  Zeilriinmen  herriihrcn,  mchren  sich 
die  An/cichen  ciner  frUlieren  allgemcinen  Wasserbedeckung ;  ganze  Gebirgs- 
y.iluc  sind  grossenlheils  aus  Beslem  einstiger  Meeresbcwohncr  odor  aus  Gesleinen, 
\\elche  x.ahlreiche  solchc  umschliessen ,  zusammengesetzt,  weilo  Plateaus  und 
llochebenen  im  Inneren  der  Continente  bestehen  aus  urallen,  jetzt  in  Stein  um- 
gewandelten  Korallenbauten ,  Muschel-  und  Crinoidenbiinken;  sclbst  die  Uicher 
von  Holiriniischeln ,  wenn  auch  bereits  wieder  durch  jllngeres  Gesleinsmalcrial 
ausizcfiilll,  die  Gerollanhiiufungen  an  der  cinsliuen  l;lutligrenze,  heute  zu  Gon- 
glomeralen  verkittet ,  fchlcn  nicht  inmilten  des  Festlandes.  Noch  vor  verhiilt- 
nissnusslL:  km/en  Xeitriiumen  waren  manche  und  /war  gerade  die  hochsten 
Gebirge  der  Krde  noch  Mecresboden,  waren  ihre  G«>sieine  noch  schlammiger, 
mil  den  Thicren  des  Mceres  gemenglcr  Bodensalz.  Krst  (lurch  langandanernde 
Hebungen  wurde  der  einslige  oceanisclu?  Grund  /.um  Festland  und  zum  Hoch- 
gebirge.  Diese  Ilebung  ging  aber  nicht  gleichfbrmig  und  constant,  sondern  mit 
Unterbrechungen  durch  Stillstande,  ja  durch  neu  eintretcnde  Senkungen  vor 
sich.  An  zahlreichen  FrscheinuiiL'en  liisst  sich  diescr  Process  der  Niveauver- 


I :!  I  III.    |)\ii;imisrhc  (reoloijif. 

iindcrunu  dcr  alien  Continents  verfolgen.  An  kcinem  I'unktc  dcr  i:co|oi:isch  be- 
kanntcn  Erde  ist  die  Heihc  dcr  unler  Mithiilfe  dcs  Mecrcs  .  also  aus  Niedcr- 
schlagcn  aus  dcmsclbcn  entStandenen  gefcchichteten  l-'ormationcn  cine  \<>llsl;indiiic, 
ubcrall  IVhlcn  ciii/clnc  \\ichligc  (lliedcr  dcrsclhcn  ,  an  den  ineistcn  Slcllon 
sogar  dcrcn  Mchr/ahl,  ;in  \iclen  sind  iiur  cin  odor  zwei-  Fonnatinncn  nnd 
nodi  d;i/u  inn-  llicil\\cise  /ur  Ablagcrung  gckommen,  oft  Insert  die  jiingsle 
direct  ;iuf  der  iillcsicn  Formation,  \\iihrcnd  alle  X\\  ischenglieder  fchlcn.  Solchc 
l.iicken  in  der  Schichlenrcihe  cnlspreehen  periodischcn  Emersinncn  grosscrcr 
odcr  klcinci'cr  Tlicilc  des  diiinaliizcn  Mecres^riindcs  iiher  den  W;issei\spicL'c], 
in  Foliic  dercn  /.\\;ir  rings  um  den  iicliohcncn  Landslrich  conlinuirliclic  .\icdci-- 
des  Mccrcs  ciTol^len  ,  auf  ilun  sclbsl  jcdwh  nicht  slallfindcn  koiuitcn. 
ueniiiLZcn  dieses  cinslii:cn  Fcstlandcs  durch  jiin^crc  Schichtcnreilicn 
hcN\ciscn  spiilcrcs  /nriicksinkcn  dcs  in  das  Trockene  izchohcncn  MeereSgrundes  in 
soin  friihercs  Niveau,  und  cndlich  seine  jelzii^e  Lage  oherhalb  des  Mecres- 
spicgels  eine  none  Ilelumi:. 

Fernere  Beweisniittel  stctiiici-.  \\cnn  auch  lanizsamcr  NiNcaiiveriindcrungen 
dcr  Erdoberfltlcbe  \\alircnd  verflossener  geologischcr  Perioden  Ireten  uns  in 
dcr  WecbseilagemBg  rein  mariner  Schichtenreihen  mil  Land-,  Surnpf-  und 
Siisswasserbildnngen  enlircucn.  Sandsleine  mil  Resten  von  Landpllan/cn  und 
Flotzen  von  Steinkohle,  vvelche  aus  der  Vervvesung  von  Farnen,  Calamitcn 
und  Sigillarien  oder  von  Conifercn,  (lycadeen  und  Equisetaceen  hervorgegangen 
sind,  Schichten  ,  auf  welchen  sich  noch  die  Fussabdriicke  der  Thiere  erhalten 
haben,  die  am  Meeresstrandc  ihre  Xahrung  suchlen,  Schichten,  anf  welchen 
man  noch  die  Wellenfurchen  der  Ufer  uralter  Oceane,  die  Eindrticke  von\elt- 
lichcr  Hegentropfen  erkennl,  sie  werden  iiberlagert  von  machtigen  Formationcn, 
dcren  Ueichlhum  an  Hcstcn  von  Bewohnern  der  Ticfscc  auf  einen  occanischcn 
Trsprung  dcrselben,  also  auf  bedeutende  und  \\icderholleSenkunucn  dcs  vor- 
rnaligen  Fesllandes  und  auf  eine  spatere  neuo  Hebung  desselben  in  sein  jct/.i- 
i;cs  Niveau  schliesscn  lassen. 

Mil  diesen  zum  Thcil  schr  ausgedehnlen  llcbungen  und  Senkungcn,  mil 
dieser  sich  forlwiihrend  gellend  inachcnden  Umgeslallung  der  Conturcn  dcr 
Erdoberfliichc  gingen  stele  Veriindcningen  der  I.ocall'auna  und  -Flora,  das  Vcr- 
drangtwei'den  der  iiltercn  und  di(>  Eimvanderung  eirier  bcnachl)ar(en  Hand  in 
Hand.  Bei  cintretenden  Scnkungen  slcllten  sich  stall  der  bisherigen  contincn- 
taJen  Thier-  nnd  IMlanzenwell  zuersl  die  Bewohner  der  Siimpfc  cin  ;  \  or  dcni 
hcrcindrin^ciuhMi  Mecrc  vcrsclm  andcn  auch  dicse;  die  Organisincn  dcs  Brak- 
\\.isscrs.  dann  die  dcr  scichlcn  Sec  und  noch  s[>iiler  die  d('s  oll'encn  Oceancs 
\\andcrtcn  cin.  Bei  Hcbunucii  dcr  von  YVasser  bcdcckten  l.andslriche  zti  I'Vsl- 
land  fand  die  imiuckdirlc  fteihenfolge  in  dcm  Wcchsel  dcs  or^anischen  I.clxMis 
stall.  Dcr  Thier-  und  IMlan/encharaklcr  cin  nnd  dersclben  Slellc  der  Erdoltcr- 
Iliichc  \\ar  dcinnach  ,  ganz  abgcschen  von  den  mil  dcr  Xcil  rortscfircilcndcii 
Ver&nderungen  dcs  organischcn  (lesaminthabitus  dcr  I-'-rdc,  roi'ldaucrndeji  und 
darofagreifendei)  \Vandcluni:cn  und  -c-cnscitit:cn  Ablosungen  unlcruorl'cn. 

Die  gegcimarligc  Vcrlhcilnng  von  Land  und  Wasscr  so\\  i<-  dcr  Thier-  und 
IMlan/.cnwell  isl  als  d;\s  Hcsultal  dcr  Icl/lcn  Ereignissc  dcr  bcscliriclicncn 


III.    !)\iKimiM'|ie  (ieolo-ic.  1  :>."> 

Art  auf/.ufassen.  Sell  Jahrlausendcn  mag  dieses  Itild  cine  ge\\issc  Stahililiil 
behauptet  haben  und  mag  sic  I'ilr  uoch  ehen  so  lange  Zeitriiunic  bcuahren: 
cs  \\ird  jcdoch  die  Xeil  konmicii.  \M>  die  (lonturformcn  dcr  (iontinente  andore 
gc\\ordon  >ind ,  wo  die  Yerlhcilung  von  Festland  und  Ocean  mil  der  jet/.igeu 
koine  I  bcrcinslimmung  mehr  zeigen  \\ird. 

§.  o.  Elltsl cluing  dcr  Conlineilte.  Es  ist  eheu  ge/.eigt  worden,  dass 
sicli  die  Krdkrusle  in  fhiheren  gcologischon  1'erioden  fast  stels  im  Zustaiule 
grossartiiier  Ilchunizen  und  Scnkun^eii  hefunden  hat.  Diese  Bewogliclikeit  des 
anscheinend  Stan-en  und  eincn  I'esten  Widersland  Entgegensetzcnden  mtlsste 
unei-kliirlich  srheinen .  \\enn  nichl  die  geringe  Dicke  der  Erdrinde  N\iihrond 
IVillierer  Zcilalter,  nainenllicli  a  her  Spaltenhildungon  in  BerUcksichliizung  ue- 
/.oiien  \\iiidcn,  \\elclic  die  Krdkruste  durchsctzen,  die  einzelnen  Hebungs-  und 
Scnkungsfelder  \on  einandcr  trennen  und  dadurch  Niveauveriinderungen  dei- 
selhen  erleiehlern.  Man  lial  (Irund  an/unehinen ,  dass  die  ErstaiTunizskruste 
der  Krde  anfiinglicli  glfichiniissig  von  den  Gewiissern  des  iiltesten  Meeres  be- 
dcekt  ge\\es(>n  sei.  Die  Ahkiihlung  der  Erde  hatte  eine  Verrinizerung  des  Vo- 
Ininens  /ur  Folge,  mil  \\elehcr  Spaltenbildungcn  in  der  Erdkrusle  und  Sen- 
kunucn  einzelner  Parlicn  der  let/.teren  in  Verhindung  standen.  Das  Nicder- 
sinken  iler  Hinde  auf  dem  griisslen  Theile  der  Oheriliiehe  des  gluthfliissigen 
kernes  veranlasste  eine,  wenn  auch  verhiiltnissiuiissig  sehr  unbedeutende  He- 
hniii:  der  ilbrigen  Schollen.  Durch  den  gleichzeitigen  Einlluss  beider  entgegen- 
L:eset/ler  Ilewegungen  in  versehiedenen  Regionen  wurde  der  erste  Anstoss  /.ur 
Sclieidung  V(jn  Land  und  Wasser,  zur  Bildung  der  Mcere  und  des  Fesllandes 
uc-.  hen.  Die  horizontalcn  Conluren  der  heuligen  Continente,  von  denen  jc- 
doch die  llaehen  Kilstcnzonen  als  ihre  vom  Meere  bedecklen  Rander  nicht  ge- 
trcnnt  \verden  dtirfen,  waren  also  bereits  im  Beginne  dcr  Geschichle  des  Erd- 
halles  im  Allgenu-inen  \orge/eichnet  und  erlilten  nur  dadurch  Modificalionen, 
dass  die  forldauerndon  llebungen  nicht  gleichrnassig  in  den  ganzen  Hebungs- 
feldern  vor  sich  gingen  und  ebenso  durcli  zahlreiche  giinzliche  oder  theilweise 
Siihinersionen  dcrselben  unterbrochen  \\nirden.  In  lelzterein  Falle  boNNeuicn 
sich  ha'ufig  submarine  Schollen  der  Krdkruste  in  entgegengesetzleni  Sinne,  \\o- 
diirch  gleichzeitig  grosse  Begionen  des  Meeresgrundes  in  Land  verwandcll  \vur- 
den.  \\iilirend  sicli  das  frilhere  Kestland  unler  den  Meeresspiegel  senkle.  Hier 
helud  es  sich  mil  den  oceanischcn  Sedimenten ,  Nvelche  naeh  \vieder  einge- 
tretener  llchiing  die  hori/.ontalen  und  \crlicalen  Conluren  der  tlber  dem  Me(>re 
helindlichen  Thcilc  der  (lontinentalmassen  in  so  ausgedehnlcr  NVcisc  heeinllussen 
mid  so  \\esenllichen  Antheil  an  der  Xusainmcnsel/.ung  der  ausseren  l^rdkruste 
nchmen  solltcn. 

\\iihrcnd  heim  Auftauchen  ganzer  Continenle  griissei-e  Theile  der  Erdki  iistc 
eiiier  llebung  unlei'lagen ,  \\urdcii  hei  l-lntsteluing  der  (icbirge  kleinerc,  bc- 
schriinklere  Zonen  von  einer  beschlenniglen  Erhebung  hclrollen.  \\clch(>r  Spal- 
lungeu  del-  Erdkrusle  voraiisiiegangen  scin  musslen,  um  eine  derartigf!  Be\\ci:- 
lichkeil  zu  ermoglichcn.  Aus  der  Abhangigkeit  der  Gebirgsrichlung  von  dem 
Yerlaulc  der  kiistcn,  souic  dcr  Gehirgshohe  \on  der  Grosse  des  angrenzenden 
Oceans,  ferner  aus  der  Anlagerung  von  llochland  an  die  conlinentalen  Al)hiinge 


der  Gefoirge  uehi  her\ur.  d.i>s  die  meislen  und  hOchslen  Gebirge  cr.st,  nachdem 
il;is  Festland  bereits  seine  hciiligen  I'mrisse  angcnnmmcn  hallo  ,  entstandet) 
sind,  d;iss  mil  andereii  \Yorlen  die  Cmilineiile  alter  sind  a  Is  diese  Gebirge. 
Die  mil  der  Knlstehung  der  Continenle  und  Gebirge  verkniipflen  Sliirungen 
der  LdgeniDgSVertmltniSse  der  Gcstoino,  so\\ie  die  Addition,  \velche  sich  l»ei 
drr  spjitoron  Herausbildiiug  der  GebirgsgliedermiL'  und  iiberhanpt  der  Ober- 
RgehenverhilUllSSe  der  Conlincnlc  bethaliiilon,  sol  Ion  in  einein  anderen  Capitol 
besprochen  \vmlen. 

§.  6.  Auscheineude  (iesetxiiiiissijt'keit  in  den  Conlurformen  der  Con- 
tinente  und  dein  Verlaufe  dor  tJebirge  ini  /iisaniinenliange  mil  deren 
Flltslehmmsweise.  M,\n  i;laul)t  in  don  Conlurl'ormen  der  (!onlinonl(> ,  sn\\ie 
in  dein  Verl.iufe  und  dor  Verlheilnnu  der  (Jobiriio  eine  ^e\\isse  (Jesel/iniissii;- 
keit  /u  cM'hliokon ,  \velehe  sich  in  folgonden  Punkton  jiin  auffiilliyslen  kund/u- 
i:el)on  scheint : 

<)  die  (lonlinonlo  sind  nacli  ihron  Kdslon  zu  uehii'iziLi,  in  ihrein  Inneron 
alter  Nei'liiiltnissmiissiij;  niodrig; 

'2  das  hbchsle  Kilslongobiri:o  liogt  an  dom  grb'sstcn  Oceanc,  d;is  unbodeu- 
lendoro  nacli  dom  kloinoron  Moore  zu ; 

3)  die  Vulkano    sind    moist   auf   die    Moorosktislo    boscliriinkl ,    ini    Innoren 
dor  Continenle  sind  sic  Sellenheiten; 

4)  fast  alle  Vulkane  oines  Continonlos  concenlriren  sich  nacli  tlom  urosslen 
Oceane    zu ;    so    liegen   die    moisten  Vulkane    Asions    und    Aiucrikas    am    slillon 
Oceane.   don  sie  vollstandig  umgurten; 

5)  die  Lagerunysvorhiiltnisse  der  Schichten  haben  an  den  Continontalktislen 
grossailigo,   in  Inneren  der  Conlinente  fast  keine  oder  verhaltnissniassiii  goringe 
Sldrungen  erlitlen; 

6)  die  KUslenlinien,  Gobirgskelten  und  Inselroihen  besitzen  in  don  moisten 
Fallen  eine  nordb'stliohe  oder  eine  nordweslliclio  Richtung; 

7)  die  Conlinentalmasscn  der  Erdc  sind  durch  Meeresarme  odor  liofo  Mee- 
resbuchton    in  je    eine  nbrdliehe    und  eine   sildliche  Iliilfle  gelheilt;   diese  tron- 
nonden   (iowassor   sind   reioh    an   Vulkanoninseln   (Ostindien,   Rothes  Moor,    Mil- 
lollandisches  Meer,   Kleine  Antillon,   siehc  pag.   10). 

Auf  dieson  niohl  ab/.uslroilendon  LIbereinstirnmungen  oder  (Jescl/niiissig- 
koiton  in  don  Conturlbrmon  der  Erdoberflache  fuss^n  Dana's  Ansichton  iibor 
die  EolsfefauDgsweise  dei-  Continenle  und  Gobirgo.  Naoh  ihm  ist  dleSpalliinu 
der  Erdkrusto  nacli  bostimmlon  Richlungon  dcs  geringslon  Zusammenhanizos 
P'schehen.  Diese  Riebtungeo  laufon  nacli  N\V.  und  NO.:  \vo  sie  collidiron. 
kiinnon  die  sonst  geradon  Union  zu  Curven  svorden.  Durch  Ilobung  oin/.elnor 
dioser  von  Spallen  gotronnlon  Folder  und  Senkung  der  anderon  enlstanden 
gloich  anfangs  die  Oceane,  Conlinonto  und  grbssoron  Insoln  ungofiihr  in  ihren 
lieiitiizen  hori/.diilalen  rmrissen.  Die  Conlinenle  orsclieinen  dahor  moist  als 
Dreiecke  mil  nacli  Sudon  izeridileler  Spit/.e.  Dor  durch  das  Niedersinken  di  s 
-i.^slen  Theilos  der  Krdrindo  auf  die  gohobenen  Schollen  ausuoiiblo  Druck 
hiil  sich  namentlich  auf  doren  Riinder ,  auf  die  Kiislon  goiiussert  und  hal  die 
hier  anstohondon  Gestoinssdiichten  aufgeriohlol ,  geknickt  und  gefiiltelt,  die 


III.     Dvnaiiii-rlir    ( ii-oln-jp.  l'>7 

kustenreuionen    selbst    aber    gehoben,     \\eshalb    diese    meist    holier   MIK!   als   tl;is 

Innere  der  (loniiiienie.  Wo  sich  au&gedehole  Partien  seokten,  \\  urde  ein  grosse- 
ier  Druek  mil'  die  y.unaehsi  lie^eiulen  Kilsten  ausgeiibl,  als  wo  kleiuere  dies 
Ihalen.  Deshalb  lichen  mi  dem  gnisstcn  Oeeane  die  lioelisten  Gebirge,  und 
dcshalb  ist  /..  M.  diis  Slillc  Met  r  von  lioheren  und  sleileren  Gebirgen  hcurcn/.t 
ills  this  iitlmilisdir.  In  Kol^c  dieses  sUirkeivn  Seiteiidruckes  sind  h(>i  dec  forl- 
diiiu'nideii  llelmii-  tier  Kiisleniiehiri-e  und  Knickung  dor  dort  anstehenden 
Sehirhten  neue  Spalti-n  und  somil  neue  VQFbiodUD^WjBge  mil  dent  Krdinneren 
enlslanden,  dureli  wolclu1  sieh  \iilkanische  Kriifte  einen  Ausweg  suchlcn.  Da- 
lier  \\ii-tl  last  tier  giui/.e  Stille  Oce;in  von  einein  Ki'iin/e  von  Vulkancn  nin- 
gehon.  /eihveilii;  \vnrde  ein  bosonders  starker  Druck  auf  die  Klislenliinder 
tier  Conlinente  iuisgclibl,  \\odiircli  elwas  Nveiter  von  der  KUste  enlfcrnlc,  ihr 
;d)ei-  parallele  (iel'irue  einporuehtiben  \\urden.  KiiKMii  solchen  aussoriiowohnlicli 
staiken  Diutke  \crdanktcn  im  teitjiircn  Zeitaller  die  Rocky  Mountains,  die 
Andes,  die  1'yreniien.  Alpen  u.  a.  ihre  h'-rliehuntz.  Die  Hauptmomcnle  in  Dana's 
Theoi-ie  sind  somit: 

a.   Spa  I  Icnbildung  in  gcselzniiissiger  Richlung; 

I),  lleliuni;  tier  einen,  Senkung  dor  anderen  Schollen  der  Erdkrustc  und 
dadurcli  Seheidung  von  Land  und  Mcer,  --  Entslehung  der  Con- 
tin  e  n  t  e ; 

c.  in  lolize  des  von  Sciten  der  im  Sinken  bcgriffenen  Theile  der  Krdrinde 
und  der  sie  bedeekemlen  Oceane  ausgeUblen  Seilendruckes  auf  die 
Miinder  der  Continente :  Erhebung  der  Gebirge,  dcren  Hb'he  in 
einern  bestimmlen  Verhallnisse  zur  Grb'sse  des  angrenzenden  Oceanes 
steht, 

Mogen  die  GesetzmUssigkeilen,  auf  \\elchen  diese  Ansichten  beruhen,  auch 
n ur  stheinbare  sein,  so  sleht  doch  nach  allcm  friiher  Gesagten  fest,  dass  es 
die  von  dein  i;lutlilliissii:en  Krdkern  her;uif\virkende  vulkanische  Kraft  ist,  wel- 
elier  die  Krde  die  Seheidung  von  Land  und  Wasser  und  dadurcli  auch  ihr 
hiiehsl  organisirler  Hewohner,  der  Mensch,  die  Moglichkeit  seiner  Existenz  ver- 
diinkt,  -  -  cs  ist  der  Vulkanisniu's,  welcher  die  Einfbrmigkeit  der  ursprllnglieh 
fast  vollkommen  ebencn  Continente  unterbrach,  einzelne  Theile  zu  Gebirgcn 
(Miiptirdriinule  und  die  stagnirendcn  Wasser  zwang,  sich  Wege  nach  deni  Meere 
y.u  bahnen,  \velehe  y.u  Adorn  des  Verkehrs,  ja  zu  Bedingungen  menschlicher 
Civilisation  \\erden  sollten,  --  es  sind  endlich  die  Niveauveriindcrungen  vul- 
kanisehen  Ursprunges,  \\elehe  ganze  Faunen  und  Floren  zum  Wandern  zwan- 
iien  und  deshalb  den  grossten  Einfluss  auf  die  Verbreitung  der  Organismcn 
ausgetlbt  ha  ben. 

Die  geologische  Thatigkeit  des  Wassers. 

1st  auch  der  Kinlluss  des  Vulkanismus  auf  die  GesUiltung  der  I-lrdobcr- 
Iliielie  und  dadurch  auf  die  Organisation  der  Erdbewohner  kauni  zu  iibcr- 
sehiilzcn,  so  ging  doch  die  Geologic,  begeisterl  fUr  das  gcwallige  Agens,  darin 
7.11  well.  In  der  geheimnissvollen  Thiitigkeit  der  unterirdischen  Krafte  glaubte 


]'.\^  III.     iKiiainisrlie    Geologic. 

man  die  alleinige  I'rsaelif  <lrs  ausseren  Habitus  dor  Erde  orkannt  zu  habon: 
man  selirieb  die  Mannigfalligkeil  in  den  Tnirisscn  dor  Continente,  dor  Insolrcihon, 
\\elchc  dioso  lol/loron  umgiirlen,  die  (iliederung  dor  Gebirge  in  Tliiilcr  und 
Iliihon  \ulkanisrhen  P;m>\\  smeii  /u  und  nialte  sicli  Ho\ohitionon  aus,  \velehe 
die  Erdo  in  ihron  Gnmdveslon  rrscliiitterl  und  umgeslallel  liiitton.  In  dor  Yor- 
liebe  fUr  das  Wundcrbare  eitirte  man  iilicrall  das  Gosponst  drs  Yulkanismus, 
indcin  man  os  verschmiihlo,  an  dor  Hand  niiolilornor  Beobachkmgeo  oino  don 
natilrlichon  yorgiingen  entsproehrnde  Lbsung  dor  geologischon  Hiilhsel  /.u  lindon. 
Man  glaubte  ;uis  grnssarligeu  \yirkungen  auf  grossartigo  Krafliiussorungen 
scliliosscn  zu  iniisson.  und  \\ar  ondlich  iihorraschl,  in  dom  Allos  durchdrin- 
gondon  Was  sort  ropfen  das  Element  /u  erblicken,  dessen  stille,  abor  nim- 
mer  still  stehondo  Tliiiligkoil  die  Ilauptursache  dor  houligen  Oberfliiohengoslal- 
tung  der  Erde  ist. 

An  der  einon  Stclle  zerstorond  und  furtfiihrend,  an  der  anderen  absotzond 
und  noubildend,  ist  dem  \Vasser  die  Aufgabe  gestellt,  dem  Vulkanismus  onl- 
gegen  zn  arboiten,  unmireissen ,  was  vulkanische  Kraft  aufcoUiiirmt.  aus- 
zuebenen.  \\as  sie  .emporgedrangl  hat.  Das  Endziel  seiner  Thiitigkeit  ist  es, 
die  urspriingliche,  regelmassige,  von  Berg  und  Thai  nicht  unterbrochene  Gestall 
der  Erde  \viodorhorzustellon.  Die  Annahine,  (lass  das  Wasser  nur  in  fliissigoin 
Zustande  eine  Rolle  in  diesem  Kreislaufe  spiele,  ist  eine  Tauschung.  Derselbe 
Drang  nach  der  Tiefe,  \volcher  das  Wasser  zum  wichsligen  geologischen  Werk- 
zeuge  geslaltct,  wohnt  auch  dernEise  inne.  Wir  haben  demnach  das  Wasser 
so \vohl  in  fllissigem,  als  im  feslein  Zustande  mil  Beziehung  auf  seine  geo- 
logische  Thatigkeit  zu  betrachlen. 

1.    Das  fliissige  Wasser  als  geoiogisches  Werkzeug. 

Das  ganze  Kreislauf  des  Wassers  ist,  abgesehen  von  seinen  Ptlichten  gegeu 
die  organische  Natur,  ein  geoiogisches  Werkzeug,  dessen  einschneidende  Wii- 
kung  auf  seinem  Streben  beruht,  von  der  Hb'he  nach  der  Tiefe  zu  gelangen. 
Als  Hegentropfen  auf  den  Schauplatz  seiner  irdischen  Thatigkeil  gefallen,  begin n I 
cs  sogleich  mil  Uberwindung  aller  Hindernisse  sich  einen  Weg  nach  dom  ticf- 
>ten  Punkle  der  Erdoberflache,  dem  Meere,  zu  bahnen.  Der  Grosse  und  Schwie- 
i-igkoit  der  Aufgabe  des  Wassers  entspricht  die  Viollaltigkeit  der  Mittel,  \velche 
ihm  /ur  Erfiillung  derselben  zu  Gebote  geslellt  sind.  Reichl  seine  mecha- 
nise he  Kraft  zur  Zerlrtiinmorunii  und  zur  Transporlirung  dor  Gesteinsmassen. 
welche  sich  ihm  in  den  Weg  stellen,  nicht  aus.  dann  kommt  ihm  seine  Fiihig- 
keit  zu  IlUlfe,  gewisse  Bestandtheile  der  Gesteine  chemise h  aufzulbsen,  zu 
/ersetzen  und  aus/.ulaugen  und  daduroh  den  Fols  in  seinem  innerslen  (iettiue 
zu  lockeru,  und  sind  beide  vereint  zur  Bcwultigung  der  Hindernissse  zu  schuaoh, 
sti  gcsellt  sich  ihnen  der  Frost  zu.  Dann  nimmt  das  Wasser  seine  festo  Form 
an  und  dehnt  sich  bei  dieser  Gestaltsveriindorung  mil  so  unwiderslohlieher 
(ii-\\alt  aus,  dass  es.  in  Felsspallen  eingeschlossen,  die  -(iesteino  zerlrummerl. 

D.T  XVoi:,  wolohen  das  \Va>ser  oinsehliigl,  um  aus  den  Bergen  in  die 
Kbenc  und  von  da  zum  .Mooi'o  y.u  gelangen.  isl  ein  dnppeller.  Ein  Theil  sucht 
sich  unlerirdische  Bahnen,  ein  anderer  folgt  dor  Oberlla'che  dcs  Bodons. 


III.    iHiiainisrlie   (u'ologie.  I  '->9 


Aus  dcr  llebung  eines  l.andslrichcs  zu  einem  Cebirge  ging  niclil  umnit- 
telbar  (I.  -is  hcr\or.  \\;is  licutc  als  ;ib\M'chslmigsrciclies  (ian/cs  \<>r  mis  liegl, 
-  der  Vulkaiiisnnis  licferle  \iclmehr  nur  cine  rolic,  ordmmgslos  von  Spaltcn 
durchsetzie  GesieinMiiasse  :  dicse  in  ein  gegjiiedertes  Gebirgssystem  uftimgestalten, 
liegl  dmi  NYas-er  ub.  Her  ersle  Megenguss  leitele  die  Arbeit  ein.  Die  gel'al- 
lencii  Tropfen  streben  nacli  dcr  nachslen  Bodoneinscnkung.  /arle  Hillcn  liiutcr 
sich  zuriieklasscnd  :  /inn  Kirsclbacli  \ereinl.  schncidcn  sie  sicli  \Yasscrisse  in 
das  (lesfein:  als  (irlurgsbach  sllirzen  sich  die  gcsamniolton  (l<nviisser  in  vor- 
handcnc  Spalton,  enlfalten  hicr  die  i^an/e  Kraft  Hirer  Falllha'tkkeil  und  Nxilhlcn 
sieh  liefe  Srlilurlilen  in  die  l-'elsen.  Die  Biielie  \ereinen  .sicli  y.nin  BeriiStroine, 
\\clclier  di(>  Schluclil  /inn  (iebirusllial  ersM-itcrt,  die  Bergslriiine  y.\\  Fliissen, 
deren  Helt  sich  /inn  Tliale  ansdehnl,  aus  welcheni  sie  in  die  Niederung  trelen, 
inn  duivli  diose,  indein  sie  anderc  (ieNviisser  in  sieli  aufnclnnen,  dein  Meere 
als  Strum  x.nxiilliessen  :  ein  knnstreiches  S\slem  von  Wasscrcanalen,  dessen 
y.arlesle  Aste  sich  im  lloeliiiebirge  vemveigen,  urn  jed<'ii  Wasserlropfen  anf/u- 
l'aiii:en,  nut/bar  /u  machen  und  dein  Mecre  xuxufilhren.  In  den.  ursprling- 
liehen  ('iel>ii'L'sabfall  schneidcn  sich  die  Wasser  ein  solehes  System  ncbcn  dein 
anderen  ein;  Schluchten  und  Thaler  unterbrechen  jetzt  in  mannigfachster  Ge- 
stallmiiz  die  frliher  gleichtonnig  ausgedelmlen  Abliiinge,  als  deren  Uberbleibsel 
nur  nodi  di(>  Felsrdcken  und  Felsgrate  stehcn  geblieben  sind,  welche  die  ein- 
/elnen  Tliider  trennen.  Hire  oberen  Begren/mi|zslinien  deuten  das  vordeni  all- 
i:enieine.  miunterbroclit'iie  Niveau  des  Bergabfalles  an. 

I>i(  Bildung  dw  Thaler  durch  lliesscnde  Gewiisser  ist  nicht  das  Endziel 
Hirer  Thiitigkeit,  sondern  nur  das  Miltel  xur  Erreichung  eines  Zweckes.  Soil 
das  Meer  dureh  Absiitze  fortwiihrend  neue  Schichten  und  durch  Anschwem- 
inmiLieii  neues  Feslland  schaflen,  so  bedarf  es  eines  Ersatzes  dcr  Him  dureh 
vulkanische  llebunjien  enlzogeiuMi  Sul)stan/.en,  —  dem"  Bache,  deui  Flussc  isl 
die  Aul'^abe  /u  Theil  ge^orden,  diese  Zufuhr  nnd  Neuversorgung  zu  be\\erk- 
slelligen.  In  dcr  Erfilllung  derselben  spielen  Thalltildlingen  eine  doppelle 
Mdlle,  einerseits  sind  sie  die  AnuritVspiinkte,  welche  sich  das  Wasser  zur  Zer- 
stiirung  der  (iebirge  gevviihll  hat,  also  die  Liefcrungspltitze  des  Gesteinsmatcria- 
les,  andrrerseifs  zugleieh  die  Caniile,  in  welchen  die  gewonnenen  Gesteins- 
Irilnuner  dem  IVstlando  enlluhrl  und  dem  Meere  zugefUhrt  werden.  .Icder 
Beuenguss,  jeder  (  ie\\  illerschauer  komml  den  Gebirgswassern  zu  Htllfe,  indcm 
er  von  den  absehUssigen  BergabhiingtMi  I'clsblOckc  loslbst  und  dein  Bache  zu- 
fiihri,  dcr  sic  entweder  direei.  oder  nachdcm  sie  der  Frost  in  klcine  Sllieke 
gesprengl  hal.  mil  sich  fortschiebt.  Durch  ge^enseitige  Keibung  runden  sieli 
die  Fragmente  alt  und  \crliercn  zugleieh  immer  melir  an  Griisse,  bis  sie,  am 
I  n»c  dcr  (iebirge  aiigeki>mmen,  zu  Kies,  Sand  mid  zuin  Theil  zu  den  feinen 
Schlammllieilchen  /erinalml  \Minlen  sind,  \\clchc  die  Triibung  der  Flilssc  be- 
\\irken.  Selbsl  an  schr  saiiften  Thalgehiingen  sind  die  Begenuasser  unabliissig 
Ihatig,  sandigcs  mid  (>rdiges  .Material  /u  rauben  und  den  Striimen  zuzufUhrcn. 
In  Folge  der  allgemeinen  Verbreilung  der  IJcgcn  mid  der  dadurch  bedinglen 
Bildung  \nn  Iliessenden  \\asscrn  ist  dcr  gnisstc  Theil  der  Oberlliiche  des  Fesl- 
landes  in  einer  Be\\egung  naeh  dem  Oceane  bcgrill'cn.  in  \velchem  sich  die 


I   10  III       iKiiiimi.M-hr 


Sukslan/en  /u  feinom  Sehlamme  niedrrselilatieii,  inn  .illniiihlich 
zu  Geslein  xu  orhiirlon  mid  itn  Laufe  dor  /oilriiiiino  von  Nonem  iiber  dm  Spie- 
gel (It's  Moeres,  x.uin  Theil  y.u  liolien  Gebirgen  gehoben  zu  \verden.  l);is  Ma- 
lorial,  aus  \\elehern  dio  Krdkrusle  aiifgcbaut  1st,  bolindet  sich  soinit  in  eiiiein 
ilDUBterbrochenen  Kreislaufe,  —  einem  Kroislaufo,  den  iliiu  dio  Halm  dos  Was- 
sors  \orschroibt,  wolrhos,  iiu  Mooro  angelangt,  in  Dunstform  zum  Gebirge  zu- 
i  -ufkkehrl,  uiii  dort  von  Neuoni  seine  Wamlerung  in  die  Tiefe  anzutivim. 
Daboi  stehl  ihm  aber  ausser  dem  Wege  auf  dcr  Oberfluchc  der  Krde  noch 
oin  zweiter  oH'on.  Durch  feinc  Spallen,  durch  Poren  des  Gesteines  dringl  us 
in  das  Innere  dor-  Gebirge,  um  an  dercm  Fusse  oder  in  der  Ebene  als  Ouelle 
wiedor  an  das  Tageslicht  zu  trelen.  Auch  aut  diesor  seiner  unterirdischen 
Hahn  liogl  das  Wassor  eri'olgreich  seiner  Aufgabe  der  Zerstbrung  ob  und  vcr- 
sioht  sich  /u  dicsem  Zvvecke  mil  ciner  neuen  Wafle,  indcm  es  begicrig  die 
Kohlensauro,  mil  der  es  in  Contact  gelangl,  aufsaugt.  So  ausgerilstot,  ont- 
faltel  das  Wasser  ini  Verborgenen  eine  so  grossartige  Thaligkeit,  dass  uns  da- 
liir  jeder  Maassstab  fehlt,  und  vervvandelt  das  Innere  der  starren  Erdkruslo  in 
rine  Woikstalt,  aus  vvelcher  die  wichtigsten  geologischen  Erscheinungen  hor- 
vorgohen.  Zuorst  dra'ngt  es  sich  in  die  Poren  der  Gesteine,  -  -  sclbst  die 
dichtesle  Felsart  kann  ihm  den  Zutrilt  nicht  wehren,  —  und  dann  beginnt  os 
den  Process  der  Auflbsung  und  Zerselzung,  welchem  ini  Laufe  der  Zeit  fast 
alle  Mineralsubstanzen  verfallen. 

Beladen  mit  fremdarligen  Stoffen,  setzt  das  Wasser  seinen  Weg  vveiter  fort, 
um  frischen  Kraften,  nehmlich  neu  eindringenden  Gewassern  Platz  zu  machen, 
\\clche  das  begonnene  Werk  der  Auflbsung  und  Zerselzuug  aufnehnicn.  Voi- 
der andauernden  Thaligkeit  der  mikroskopisch  kleinen  Wasserlrbpfchen  ver- 
scliwinden  ausgedehnte  Gesteinsmassen,  an  ihrer  Slelle  enlslchen  untcrirdischc 
Jlohlraunie,  an  deren  Erweilerung  die  Wasser  so  lange  arbeiten,  bis  ihre  Docko 
die  auf  ihnen  ruhende  Last  nicht  mehr  zu  tragen  vermag.  Dann  brichl  die 
Hbhle  in  sich  zusammen,  Stbsse  erschUltern  die  Erdoberflache,  der  Boden  \vird 
von  Spalten  durchsetzt  und  beginnt  sich  unter  erdbebenartigen  Erscheinungen 
zu  senken. 

Die  Minerahvasser  selbst  sammcln  sich  in  der  Tiefe  in  Spalten  und  llohl- 
riiumen  an  und  brechen  von  diesen  unterirdischen  Reservoirs  aus  als  Quollon 
hcrvor.  Dann  ist  ein  Theil  ihrer  Aufgabe  gelbst,  sie  haben  den  Gebirgen  oine 
bfdcuionde  Mengc  ihres  Materials  entzogen  und  in-  ihreni  Inneren  ebenso  zcr- 
slorend  gewii'kl,  \vie  di<^  Biiche  und  Strbnie  auf  deren  Oberflache.  Hire  Ar- 
beitsfahigkeil  als  chcmisch  lhatiges  Agens  erlischt,  sobald  sie  mit  atmosphariseher 
Luft  in  Berilhrung  kommen,  dann  entweicht  ein  Theil  der  Kohlensauro,  die 
onti'Uhrten  Substanzen  scheiden  sich  aus  und  lagern  sich  am  Fussc  der  Gebir^c 
odor  ilberhaupt  an  der  Quellonmiindung,  fern  von  ihrer  ursprUnglichcn  Hei- 
inatli,  ab.  Doch  am  Ziele  ihrer  Wanderung  sind  sie  noch  nicht  angelani:!. 
Die  unlerirdisehon  Wasser  haben  sie  nur  dem  Schoosse  der  Erde  cntftlhrt,  um 
sio  dor  zerstiirenden  l-'.in  wirkung  von  Seiton  dor  Iliossenden  Tage\vasser  zu 
uberliefern.  Binnen  Kurzem  mbiien  sie  diosom  Schicksale  verfallen,  begcben 


III.    l)ynaini<clie   lii-olo^ie.  1  \  I 


sich  von   IS'euem  auf  die  \Yanderung  uiul  treten  als  Schlainm,   Sand  und  Kies 
ihren  Weg  nach  dem  Meere  an. 

Die  Gebirgsquelien  entledi^en  sieli  jedoeh  ihrer  mineralisclien  Last  l»ei 
ilircin  Auslrille  ;tn  die  Taiiesoberfliiclit'  nieht  volislfindig  ,  eine  geringe  Men^e 
von  foemdarUger  Subsian/  und  /.war  n&mentlich  von  kohlensaurem  Kalke  bleibt 
\ielniehr  gelost  zurik-k  und  \\ird  von  ihnen  dem  izemeinsamen  Ziele  aller  (ir 
\\iisser  zugefiihrl.  Da  dies  in  Tausenden  von  Slrbinen  geschieht  ,  so  iniissic 
di-r  Oc-ciiii  inncrhall)  kurzi-r  Zcilriiunic  /u  oincr  »i!\valligen  Solution  von  doppell 
kohU'nsaurcni  Kalkc  \\erdon.  Dies  /.u  vorhindorn,  \virkcn  Milliardon  von  Mo«>- 
resfoe  wobnern  ,  deren  Lebensaiifgabe  es  isl,  den  kohlensaurcn  Kalk  ,  \velcluT 
aus  dem  Inneren  cler  Conlinente,  vielleichl  aus  den  ho'chsten  Berggipfeln  stanunl, 
nai-lidfiu  (>r  in  grlostom  Zuslande  \veile  Strecken  durchwanilert  ,  vvicdci1  dem 
\\'.-i-scr  /u  onl/iflu'ii  ,  als  fcste  Substanz  auszuscheiden  und  als  Material  ftir 
Gesteinsbildttngen  aufzuspeiohcrn.  Diese  iin  llaushalte  der  anorganischen  Na- 
tur  so  wichtige  Pllichl  liegl  namentlich  den  Mollusken,  Echinodennen,  Korallen- 
lliiercn  und  Fora  min  iferen  ob.  Die  Auslerbanke  der  atJantischen  Kliste  sind 
aus  Kalk  aufgebaul,  wclcher  zum  grossen  Theile  aus  dea  Alpen  und  anderen 
Boohgebtrgen  slainmen  mag  ,  —  die  Korallenriffe  des  Stillen  Oceanes  iniigen 
ihr  Material  xuiu  Tlieil  der  Andeskette  verdanken;  auf  der  anderen  Seite  sind 
diese  Gebirge  zum  Theil  wiederutn  nichts  anderes,  als  ilber  den  Meeresspiegel 
uehobenc  Baulen  von  Seethieren  ,  —  kurz  ,  diese  wie  jene  reprasenliren  nur 
Sladien  in  dem  Kreislaufe  des  Stoftes. 

Aus  dieser  Skizze  der  Belheiligung  des  Wassers  bei  dem  Enlwicklungs- 
processe  der  Erdoberflache  und  der  Wege,  auf  denen  es  seine  Aufgabe  ver- 
I'olpt,  uehl  hervor,  dass  die  Thaligkeil  des  Wassers  einerseits  eine  chemische, 
andererseits  eine  mechanische  ist  und  in  jedem  dieser  beiden  Falle  wiederum 
(iestein  zcrslbrend,  Mineralsubstanzen  fortftlhrend  und  Gesleins- 
malerial  absetzend  sein  kann. 

a)  Die  chemische  Thatigkeit  des  Wassers. 

§.  1.  Das  Wasser.  Die  Wasserdllnste,  welche  den  Luftkreis  unseres  Pla- 
nolon  erfullen,  schlagen  sich  auf  die  Oberflache  der  Erde  als  Regen,  Thau  und 
Schnce  nieder.  Diese  enthalten  elvvas  Kohlensaure,  namentlich  aber  Sauerstofl" 
und  StickstofT,  welche  sie  aus  der  Atmosphiire  absorbirt  haben  ,  und  ihnen, 
wenigslcns  den  beiden  erstgenanntcn.  verdanken  die  Wasser  einen  grossen  Tlieil 
Hirer  Zerselzungs-  und  Auflosungsfahigkeit.  Ihr  Kohlensiiuregohalt  isl  ursprtlnglicli 
ein  ausserordentlicli  geringer,  trotzdem  aber  durch  Kalkwasser,  selbst  im  Schnce 
nac-hweishar.  Kr  wird  jedoch  bedeutend  vermehrt,  sobald  die  Wasser  in  die 
an  vervvesenden  vegelabilischen  Restcn  reiche  obere  Schichl  der  Erde  dringen, 
\vo  sie  die  durch  Faulniss  der  organischen  Subslanz  enlstehende  Kolilensiiure 
aut'nehmen.  Endlieli  siiltigl  sich  das  Wasser  mil  der  Kohlensaure,  \\elehe 
aus  dern  Inneren  der  Erde  euiporsteigl,  und  \\elcher  dasselbe  auf  dem  \Yei:e 
nach  der  Tiefe  begegnet.  Ausser  Sauersloff,  StickstolT  und  Kohlensaure  fuhrt 
das  Sickcrwasser  von  der  Erdoberilache  organische  Subslanzen  mil  sich  in  die 
Erdleufe,  \vo  sie  in  Folge  ihrer  reducirenden  Einvvirkung  auf  die  Oxyde  ein 


I  12  (II.     l)\n;imi«-he 

\\irhtiges  Klement  ill  dem  durch  chcnlirende  Ge\\ii>ser  in's  \Veik  gesolztcn 
Umwandiungsprooesse  der  Gesleine  bihlen.  In  soldier  Geslall.  beladen  mil 
SauersiotV,  kohlensiimv  mid  organist-hen  N 'erbindungen ,  isl  das  Wasser  ein 
goologisches  Werk/eug,  (lessen  zersel/endem  mid  aui'liisendcm  Kintlus.se  keine 
l-'dsarl  irn  La  life  der  /eil  \\iderslehl.  Heitn  Eindringen  in  die  Gesteine  ver- 
liert  das  Sieker\\  as><  r  l>ald  seinen  SauerstolV  und  die  kohlensiinre.  i'alls  in  den 
Ge.xieinen  Kcirpor  vorhanden  sind,  \\elche  Yerbindungen  mil  diesen  Gasen  ein- 
gehen  kiinnen.  Dafiir  aber  niminl  os  solclie  .Mineralsuhstan/en  aul',  \\-cK-lio  in 
ilini  enl\\eder  an  nnd  fiir  sich  ,  odor  mil  Iliill'e  der  Kohlen.siitire  lii>licl)  sind, 
\vodurcl)  es  in  den  Stand  i:esel/,l  \vird,  \\eileiv  Zersel/untien  oder  neuc  liil- 
dunuen  /u  veranlassen ,  \venn  es  \veitor  in  die  Ticl'e  drini:l.  —  Der  von  den 
alnins|)liiiri.selion  Niedersclila^en  absorhirlc  Si  io  k  s  I  o  IT  izolil  mil  den  minern- 
liselien  Korpcrn,  xwischen  denon  or,  \om  \\asser  in  die  Tiel'e  liefulirl .  circu- 
lirl,  kerne  Yorbindmiijen  cin,  sondorn  \vird  bis  /urn  Wiederaustrill  der  (x)uell- 
T  in  Absorplion  gehallen,  macht  sicli  dann  \cm  ilini  Irei  nnd  kelirl  indie 
Atmosphiire  zuriick. 

§.  -2.  Durchdriugliclikeit,  Aufloslichkeit  und  Zersetzbarkeit  aller 
(icsteine  (lurch  AVasser.  Die  Taue\\asser  Irelen  ihren  \\eiz  nach  der  Tiefe 
an:  dabei  folgen  sie  nichl  allein  den  Spallen ,.  Klilften  nnd  Schichlungsfliichen 
der  Gesleine,  sondern  sie  dringen  in  diese  lelzleren  sclbst  ein.  Die  Ma--e 
allcr  (iesteine  isl  von  feinen  mikrosko})ischen  Poren  angefulll  und  \on  einem 
Nel/.e  ieiner  Haarspallen  durchzogen,  in  welche  das  Wasser  um  so  leichler  ein- 
sickerl,  je  grosser  dieselben  sind  und  je  bedeulender  der  Druck  isl ,  den  die 
auf  ilnn  lastcnde  Wassersaule  ansiibt.  Wio.  gross  die  Wassermen^e  isl.  \\elohe 
mi  Inneren  der  Gebirge  circulirl,  zeigl  sieli  in  den  Slollen  und  Seliiiehten  vic- 
ler  Berg\\erke,  von  deren  Wiinden  und  Firsten  das  Wasser  iropfl  und  riesell, 

-  dass  feinkornige  \vie  grobkb'rnige  Gesleine  durchdringlieh  sind,  \\ird  in  der 
vollslandigen  Zerselzung  mancher  Basalle  zu  Wacken ,  in  der  Kaolinisirung 
maiK  her  Granile  offenbar,  und  dass  Fliissigkeilen  iliren  Weg  in  selbsl  anschei- 
neiid  vollkommen  liomogene  Mineralmassen  finden,  ergibl  sich  aus  der  ktinsl- 
liehen  Fiirbung  der  Chalcedone  und  Acliale,  kurz  keine  einzige  Gesieinsart  sel/.l 
dem  einsickernden  Wasser  einen  absolulen  Widerstand  enlgegon. 

KbcnsoNvenig  wie  cine  vollkommene  UndurohdringlichkcMt ,  existirl  eine 
\ollkommene  I'nzerselzbarkeil  und  Unnuflbsliehkeil  irgend  eines  (iesteines  durch 
Wasser.  Wiirde  auch  der  Chemiker  ein  Mineral,  \\elc-hes  er  mil  NVasser  I*.-- 
handell  hat,  von  dem  er  aber  wedcr  durch  Reagent ien,  noch  dnrch  Abd;impt'en 
Spnren  in  lel/.terem  nachweisen  kann,  ein  unlosliches  nennen,  so  ist  doch  d;i- 
mit  der  Beweis  seiner  absoluten  Unloslichkeil  noch  nichl  gefiihrt,  denn  l>ei 
hohen  Graden  der  Verdiinnung  reagiren  Reagenlien  nichl  mehr  und  der  Uilck- 
sland  nach  dem  Abdampfen  kann  so  unbedeulend  sein ,  dass  er  dem  Ange 
enlgehi.  Findet  aber  der  Geologe  ein  Mineral  in  der  diesem  nichl  zukommen- 
den  Kryslallform  eines  anderen ,  nach  unseren  Krfahrungen  unlbslicln-n  Mine- 

r.iles  cjii,-  Pseudomorphose  dieses  lelzleren  .  so  beucist  dies,  irotz  der  an- 
scheinenden  Unloslichkeil  des  lel/.teren,  dass  (ie\viisser  das  verdriingte  Mineral 
im  Laufc  der  .lahrlausendc  aufgelosl  und  \veggefiihrl  halten ,  oder  dass  mil 


III.  n\n;\mi.s<i,t>  (iooloi.-io.  I  1:5 

llull'e  (It-s  Wassers  cine  lanusame  I  nmandlunu  der  .Masse  slatluel'unden  hat. 
Die  Pseudomorphosen  sind  also  UawandhtngSfMrodocie  urspriiiifjieher  Mineral- 
kiirper,  wohei  diese  d.ild  i:e\\isse  lU-Mandlheile  \erloren,  liald  solche  neu  auf- 
L:emimmen  hahen,  odcr  \\obei  ein  Austausrh  ein/.elner  Bestandtheile  oder  end 
lich  fine  iziin/.liche  Yerdranuung  tier  einen  Subslanx  durch  cine  andere  stall 
uefunden  hat.  Ihr  Sludiuiii  hat  /u  den  \\ichliiislen  Uestiltalen  iiber  die  I  in 
WftndltingSprooettC  ini  MtoeraJreicbe  ircl'uhrt  ,  li'it  namcnllich  die  l.oslichkri! 
\idcr  (icstcinscUMiifiilc  dai^fllian ,  dii>  filr  deu  Gheiniker  gewuhnlich  als  un- 
Idslich  ii«'lttMi.  l-'iir  Icl/.lcros  spivchen  vorzugswoise  diejeni|j;on  1'scudotnorphoscn, 
lici  \\«'lcht'ii  das  rinwandliinizsprodiicl  keinci-lci  cluMiiische  Bc/ii'hunii  inolir  xu 
dciii  urspi-iiniilichon  Mineralo  besilxt.  llierhcr  m-horen  die  Pseudomorphism 
\on  RraiMu-i.scnsti'in  nach  Ouar/.;  von  Zinnslein  nach  Fcldspalh ,  Sch\vcfclkics 
nacli  Ouar/.  und  HotliiziiltiutM1/.,  (Jnar/  nach  Flussspalh  u.  s.  \v.  In  hohoin  Maassc 
koinnit  drin  \\assor  l»tvi  dicscn  rni\\aiulliingen  sein  (Ichait  an  Kohlcnsiiun1  /u 
Staltfii.  /u  iian/  ahnlichcn  Itesullalcn ,  \\  ic  die  lloobaclilimi;  der  naliirlichen 
Vori:iini:c.  hat  das  Kxpcrimont  gefiihrt.  Ks  xeigte  sicli  nchinlich,  dass  l;cld 
spiithe,  Epidot,  (Jlimmor,  Turnialin,  Augit,  Hypersthon,  Hornblende,  Olivin, 
(ihlorii.  Talk  u.  s.  \v.,  also  anscheinend  unlb'sliche  Mineralien ,  in  feingepul- 
/usiamlf  und  beini  i'lx-iLiii'sscn  mil  kohlensiiurehaltigem  oder  selbst 
\\asscr  so  srhnrll  \on  jliescin  aniiegi-iffen  wurden,  dass  schon  die  erslen 
Tropfen  dcr  ablillrirten  I'lilssigkeil  Spuren  eincs  jenen  Mineralien  enlstannnen- 
den  Alkalis  odcr  einer  alkalisehen  I'.rde  x.u  erkennen  gaben.  Die  Krtahrung 
Ichrt,  dass  ausser  Gol<I  und  Platin  kauin  irgend  ein  in  kohlensiiurehalliiieiii 
\\'.isser  al)solul  unlosiiclies  oder  un/ersel/bares  Mineral  exislirl,  dass  nanientlich 
alle  die  .Mineralien,  \\elche  einen  \\esentliehen  Anlheil  an  dem  Aufbau  der 
l-'.rdkruste  nelunen,  dem  xersetxenden  und  losenden  Einflusse  der  Sicker\vasser 
nicht  \\iderstehen  kiinnen.  Die  Folge  davon  isl,  dass  sich  lelztere  mil  mine- 
ralisclier  Siibslan/  beladen  und  diese  mil  sich  I'ortluhren ,  dass  also  die  ur- 
spriinulich  reinen  alniosphiirischen  Wasser  von  ill  rein  Laufe  durch  die  Gesteiiie 
als  Mineralquellen  auf  die  Erdoberdache  zui'iickkehren ,  und  dass  endlieh  iin 
I.aufe  der  lancen  geologischen  Xeilriiuine ,  seil  denen  das  Wasser  durch  die 
(iesteine  liltrirl,  gan/  enonne  Ouanlitiiten  von  Substanxen  dem  l'>rdinneren  enl- 
/oiien  und  der  Erdoberllache  xiiizefuhrl  werden.  Die  Mineralien  verlieren  aber 
nichl  nur  durch  die  Wirkuni;  des  Wassers  mehr  oder  weniger  von  ihren  He- 
slandtheileii.  sondern  sic  erleiden  auch,  vvie  uns  die  Pseudomorphosen  be\vei- 
sen ,  vollsliindige  Yeriiiideruniien  in  ihrer  ursprilnulichen  ZusammeDSOtZUBg. 
Diese  Veriindenmiien  und  die  (ieset/.e,  nach  denen  sic  vor  sich  gchcn ,  sollen 
in  dem  Folgenden  betrachtet  \\crden. 

§.   3.     Die  hydro-cliemischen  Processe.     Die  in  die  Gesteinc  der  Erd- 
krusle  einsickernden ,    Kohlensiiure ,    SauerstotV  und  organisehe  Subslan/.en  mil 
sich   filhrenden   Wasser  leilen  folgende  hydro-chcmisclu1  Voriiiitiiie  ein: 
I)   Auflosung. 

(Ian/,  abgesehen  von  einer  Reihe  sehr  leichl  loslicher,    in   der  Nalur  eben 
aus  diesem  Grunde    selten    und    nur    an    besonders  geschUlxlen  Punkten    \or 
kommender  Sal/.e     Eisenvitriol ,   Kupfervilriol ,  Alaun,   Salpeler  u.  s.   w.),    sind 


Ill  III.       D\  IKIIIlisl'llC    (l 

rs   namentlich   vier  Gesleinsarlen,    aul'  \\  elehe  die  almosphiirischen  Wasser 
liisend   uiul   wegfiihivnd   einwirken:    G\ps,    Sleinsal/,    Kalkslein   unil    Dnlomit. 

Dor  Gyps  niinml  oinen  niehl  unbodeulenden  Anlhoil  an  dem  Aufltau  der 
Krdkrusle.  in  welehor  or  miichligc  Stoeke  und  Kiiilagerunijoii  bildot,  and  iiber 
doren  Obei-llarlio  or  sich  ill  Goslalt  gan/or  Iliigolrcihen ,  Bergkupp<Mi  und  an- 
selmlieher  I'elsmasson  erhobt.  Daraus  gehl  hervor,  dass  solbsl  seine  nnr  ihoil- 
\\eise  yerniehlung  und  NVeiil'iihrung  von  dcin  gnisslen  Kinflusse  ant' den  Schicli- 
tenhau  niul  die  (leslalt  der  ErdoberflSche  sein  muss.  Da  Oyps  ein  in  'Hid 
Tlieilen  Wasser  losliches  Sal/  ist,  da  cr  fei'ner  dern  auflosenden  Anurill'e  des 
\\assei\s  niclii  nur  auf  seiner  Oberflacho ,  sondern  aucli  in  znhllosen  Kliil'len 
und  l;iiiicn  ausgesetzt  ist,  wclchc  das  Geslein  in  Folge  seiner  \veiler  unlcn  v.u 
hesprechenden  Enlstehungsweise  nach  alien  lUehtungen  durchziehen,  so  ergiehl 
sich,  \velche  hedeulenden  Massen  dieser  Mineralsubstanz  in  verhaltnissmassig 
kurzen  Zcilraunien  in  Solution  enlfilhrt  werden.  Wenn  man  die  miUlerc  jiihr- 
liche  Rcgenmenge  auf  \  M.  annimmt,  so  stellt  sich  heraus,  dass  das  auf  einen 
(iypshcrg  fallende  atmosphiirische  Wasser,  falls  es  sich  vollstandii;  mil  C.yps 
salligt,  jahrlich  1,10  Mm.  von  demselhen  abnagt.  Nach  dieser  Berechnung  \Aiirde 
ein  33  M.  hoher  Gypsberg  bios  in  Folge  der  Aufldsung  durch  atmosphiirische 
Wasser  on  seiner  Oberflachc  in  30,000  Jahren  vollkornmen  verschwunden  sein, 
ein  Process,  welcher  durch  die  Belheiligung  des  in  den  Kluften  thiitigen  Sicker- 
wassers  noch  bedeutend  beschleunigt  wird.  In  Folge  der  unlerirdischen,  aus- 
laugenden  Thatigkeit  des  Wassers  bilden  sich  nach  und  nach  grosse  Hohlriiume. 
die  Gypsschlolten. 

Bedeutend  leichter  als  der  Gyps  fallt  das  Steinsalz  dem  Wasser  zur 
Beute  und  wiirde  aus  seinen ,  zuni  grossen  Theile  aus  den  palaeozischen  Zeit- 
altern  stamnienden  Lagerstatten  la'ngst  vollstundig  entfiihrt  sein,  falls  es  nicht 
zum  Theil  durch  seine  conslanlen  Begleiter,  nehmlich  wasserdichte  Thonschichten, 
vor  Auflosung  und  Wegfiihrung  geschiitzt  ware.  Sie  sind  die  Bedingungen 
seiner  Existenz  als  Glied  der  sedimenlaren  Schichtenreihe;  deshalb  ist  denn 
auch  wohl  die  Mehrzahl  aller  uns  bekannten  grosseren  Steinsalzablagerungen 
von  Thonen  bedeckt.  In  der  bertihmten  Steinsalzlagerstalte  von  Stassfurt  slel- 
len  diese  den  Abschluss  gegen  das  Wasser  so  hermetisch  her,  dass  die  dor- 
tigen,  aus  dem  permischenZeitaller  stammenden,  also  jedcnfalls  Millionen  von  Jah- 
ren alien  Ablagerungen  von  Chlorcalcium  und  Chlormagnesium,  welchc,  an  die 
Lufl  gebrachl,  durch  Anziehung  der  Feuchtigkeit  derselben  zerlaufen,  vollkommon 
Irocken  geblieben  sind.  In  ahnlicher  Weise  sind  die  Steinsalzc  von  Wieliczka 
(lurch  allseilige  I'inhullung  von  Thon  gegen  den  Zutrilt  des  Wassers  conservirt. 
Urspriinglich  \varen  wohl  fast  alle  Steinsalzlager  in  dieser  Weise  geschiit/t, 
erst  in  Folge  von  Schichtenslorungcn  und  daraus  hervorgehender  Spaltenbil- 
dungen  wurden  sie  den  Wassern  /ugimgig  gemaehl,  —  dahcr  die  Hiiuliukeit 
starker  Soolquellen.  Jedoch  verdankcn  viele  der  lelzteren  ihrcn  Salzgehall 
nicht  Lagcrn  Son  rcinetn  Sleinsalz,  sondern  Salzthonen,  deren  Salzgehall  sie 
('xlrahirpn. 

ruler  den  Gesleinen,  welche  einen  noch  wesentlicheren  Antheil  an  dem 
Auf  ban  von  Gebirgon  nehmen,  ols  Gyps  und  Steinsalz,  ja  solche  oft  ausschliess- 


III.     l>\  ll.mil-dir   (,,•(,!«  |   I.". 

lich  /iixaiiimeiisci/en.  isi  cs  dcr  Kalksiein,  \\eldicr.  ganz  abgesehftn  von  sei- 
ner niedianisdien  /ei-storuui:  uud  Forllnhrnni:.  in  den  l»elr;iditlidisicn  Menken 
vom  \\asser  auc-icliist  \\ird.  I'Yeilich  isl  der  Kalkslcin.  je  nadi  seiner  mehr 
enliven  odor  inclir  krsslallinisehen  Hesdiallcnhoil,  nur  in  900  liis  iJOOO  Theilcn 
kahlensUurehalUgem  und  nodi  \id  unliedculemler  in  reinoni  \Yasser  liislidi, 
docli  \\inl  dicse  i:cri  111:0  Lo'slii hkoil  dnrdi  die  cnorinc  Ouanlitiit  dcr  in  dor 
Tide  Coracle  ;in!'  den  Sehidilniiiis-  und  Kliil'lllac-hen  dcr  Kalksloinc  circiilircndcn 
\\.issci'  crscl/.l.  Die  Hcsnlljilc  sind  dcsh;ill>  iibcrr;isdicn<l :  so  li.il  in;in  ;nis 
dci  .Mcnui-  do  \\.issci-s  dcr  ;ins  dcin  Tculohuriccr  \\;ildc  und  dcr  ll.i.n  cnl- 
>lroiucndcn  I'liissc  und  ilirciu  (iclmllc  .in  kolilcns;iiircin  Kiilkc  hcrcdmel.  d.iss 
dicscllu'n  jcncn  (icl»irucn  jiilirlidi  cino  Quantitiil  Knlkcs  cnt/.iclicn .  \\cldic 
cincin  \\  iirfcl  von  inclir  ;ils  :{:$  M.  Scilcnliin^c  cnts])ridil.  Dcslialh  sind  ;uicli 
llolilcn  und  Krdliille  schr  i;c\\  oltnlidic  MrsdicinuiiLicn  ini  (icl»iclc  \on  Kalk- 
stein  forma  tioneo. 

Audi  Do  loin  ilsp;i  I  li  isl  in  IVcilidi  schr  unhclriidillidicn  Menken  durcli 
\\.i>vcr  liislidi,  so  class  Doloinillaizcr  alliniihlich  der  ZetBtttSUDg  und  NN'ciiriiliruni; 
\on  Scilcn  circulircndcr  (icuiisscr  anhcinirallcn  nuiiicn.  Viol  cinllnssrcidicr 

;ils  dicscr  Icl/lc  Vori;ani:  isl  indcsscn  die  Auslauizuiiii  dcs  kolilcnsanrcn  kalkcs 
ails  doloiiiilisdicn  (ic.slcincn,  \\cldic  anl'  chcn  dicscr  schr  iinl>odcnlciiden  Liis- 
lidikcil  dcs  Dolomilhspallies  licruhl.  und  in  Idolize  dci'cn  cine  relati\  c  Anrcichc- 
rnni:  dcr  ursprUngiicheB  (icslcinsarl  an  kohlcnsaurcr  Magnesia,  die  Doloinili- 
siruns;  derselhcn  \or  sich  iiehl.  Die  Itesliindiize  \Vci-luliruni;  dcs  kolilensanren 
Kalkcs  \crnrsadil  die  ea\crnose  nnd  |)oriise  Slrudur  dcs  /urilekltlcihendcn 
Doloniiliicsteincs  nnd  /uizh'idi  die  Xcrslornnii  dcr  Kalkschalcn  seiner  oi'iianisdieii 
Ucsle.  Hei  \vciter  ^chender  Kinu  irknnu  \on  Scilcn  dor  (io\\iisscr  \\ird  dicse 
|iorii«>e  BeschafTenheil  \\icdcr  \crsch\\indcn,  donn  so\\ic  das  Wasscr  ktMiicn 
knlilriisaiircn  Kalk  inchr  lindel.  ui-eil't  os  die  doloiiiilisdicn  Theile  sclhsl  an 
nnd  sel/.l  dicscllx-n  in  den  I'oren  liol'cr  liclcizeiier  Stcllen  krystalliniseh  \\icder 
ah.  Aid'  dicse  \\eise  izeht  das  poriise  (ieslein  alliniihlieh  in  kr^stallinisehcn 

Dulo mil    iiher.     Die    I'liiuandluiii;  niaiinesiahalliLiei-  Kalkslcine  in  Dol ile  crl'dLlo 

Miinil  anl'  hvdroeheniisdicin  •  \Voiio  in  der  Uidilunu  \on  dor  Ohorlliicho  naeh 
dcr  1'icl'c.  /ri;ji  sich  deshallt  ohen  am  sliirkslcir  und  niininl  nach  nnlcn  .ill 
in. ihlidi  ak  Dnrdi  dicscii  Process  \\urdc  cin  Itis  dahin  deullidi  t:esdiiehlclcs. 
\  er.sleiiieruiiiisroichos.  dichles  (ieslein  x.u  cinein  unticschidilclcn  oder  sohr  uu- 
dciitlidi  LJCM  liichlclcn,  \crsleinernnL:sleercn,  schr  deullidi  kr\slallinisehen :  x.n- 
L'lnrli  alter  |iedin;jli-  diesc  l'ni\\  andluiii:  dnrdi  I  Milliilinin;j  des  Kalkirehallcs 
ilc--  (ie>lcinos  cine  ansdicincnd  schr  hclriichlliehe  Yolunicnverriiiizoruiii;  des- 
>cl|»en.  Dicse  |-'.i  kliii  un^s\\cise  der  Doloinilcnlslchun^  isl  iiliri^ens  nichl  aid 
.illc.  s, m, Inn  nur  .ml  sul<-h<>  l.illi  an\\ (>ndl>ar,  in  dcncn  nainenllidi  die  mil 
dies, 'in  Voriiauiio  Hand  in  Hand  uchcndc  .MasscnNcrniinderuni:  des  urs|)riin;.r- 
lidien  (icslcincs  nadi\\ cish.ir  isl. 

;'     I   MI  \\  a  n  d  I  n  n  u   \\asscrlrcier   in    \\  a  sse  r  h  a  I  I  i  i:  c    M  i  n  c  ra  I  i  e  n. 

Das  \\asxM-  der  Alnios|>harc  \\ird  schr  allijeiiioiii  von  den  ueslcinsluldenden 
Mineralien  ault:ciioiiiiiien.  so  dass  es  anl  die  rniNNandhuiLi  dersclhcn  don  ui'iisslcn 
l.inlluss  iitisserl,  sclhsl  \\enn  andcrc  i:cii|n;jiM-hc  Aiicnlien  nichl  /ur  Mil\\  irknnu 

C'reduer,  Elemeute  d.  Ueologie.  In 


1  Hi  III.     l>\  n  iniisciif  li 

gelangen.  So  iirhmrii  Silieate  und  Melallo\}de.  \\  ie  /.  15.  Orlhokliis,  Sanidin, 
Albit,  Oligoklas.  (ilinmier.  Hornblende,  Audi.  Magneteisenslein ,  Eisenglan/. 
dichler  Iliimalil,  Psrolusit  und  Braunil  ini  Liu.fi'  liingeivr  /eilriiume  Wasser 
eheiniseli  ;iuf,  olme  eines  von  ihren  Elemenlen  x.u  \erlieren.  In  gmssarligem 
Maassstabe  1st  /..  B.  die  riiiwandlung  des  Kiseno\\des  in  Kiseno\\dh\  di  at  ;iuf 
der  Inscl  Elba  vor  sich  gegangen.  \vo  der  Kotheisenstein  von  kilnstlichen  Enl- 
bltfSSlingSStellen  aus  iin  Laufe  \\eniger  .lalirliundcrli'  bis  lief  in  die  fe.slr  .M,i^.- 
liini'in  in  Brauneisenstein  iHBgeWandelt  \\ordcn  isl.  Kiner  dcr  eneri;is<'list»'ii 
und  roliicnscliucrslcn  dcrarti^cn  Vortiiin^-  isl  die  Umwandlun^  des  Anhydrites 
in  (i\|>s.  also  des  \\as.sfi-IViMcii  srhNNcfrlsaiireu  Kalkes  in  wasserfaaltigeD,  \Nobei 
erslei-er  ein  Viertel  seines  (Je\\  iehles  Wasser  aufniininl,  ein  Process,  der,  local 
dureh  p'\\isse  Hediniiuiiiien  begtlnsligt,  so  rasch  vor  sich  ttehen  kaun,  dass 
z.  B.  die  zu  Bex  im  Canton  Wallis  auf  die  Grubenhalde  gestilrzlen  Anhvdiitstiicke 
bereits  nach  8  Tagen  beginnen,  sich  zu  Gyps  umzugestalteu ,  uud  dass  die 
Stollen,  welche  durch  den  Anhydrit  fiihren,  durch  Auflilahuni;  des  an  ihren 
\\  iinden  in  Gyps  Ubergehenden  und  durch  diese  Wasseraufnahme  sein  Volumen 
vennehrenden  Anhydritgesteines  fast  unfahrbar  werden  und  von  Zeit  zu  Zeit 
naeligehauen  werden  milsscn.  Auch  ohne  die  fordernde  Zwischenkunft  des 
Mensehen  erfolgt  diese  Umwandlung  und  zwar  iin  grossartigsten  Maassstabe  an 
den  gewaltigen  Anhydritmassen,  welche  slockformig  zwischen  den  Schichten 
der  Dyas,  Trias  und  Tertia'rformation  eingelagcrt  sind.  Die  atmospharischen 
Sickerwasser  haben  die  Oberflache  dieser  Sto'cke  bis  zu  wechselnder  Tiefe  in 
Gyps  umgewandelt,  der  wie  ein  Mantel  den  noch  unveranderten  Anlivdi  itkeni 
umgiebt.  Die  liierdurch  bedingte  Volunienverinelirung  hat  die  Auflreibung, 
kniekung  und  Uberslllrzung  der  tlberlagernden  und  benachbarlen  Schiclilen 
zur  Folge  gehbt,  eine  Erscheinung,  welche  frUher  Veranlassung  gal),  den  (isps 
fllr  eruptiv  zu  halten. 
3)  Oxydation. 

Die  atmospharischen  Wasser  enthaiten,  wie  bemerkt,  Sauerstoff  in  zieni- 
lich  betrachllicher  Menge;  alle  Substanzen,  welche  eine  Verbindung  mil  diese m 
Gase  eingehen,  werden  deshalb  oxydirt,  wenn  solche  Wasser  mil  ihnen  in 
Contact  komnien.  Doch  spielt  der  Sauerstoff  bei  den  Umiinderungspror 
inneilialb  der  (Jesteinsmassen  der  Erdkruste  eine  Rollc  von  geringerer  BedeatUDg, 
als  man  anzunehmen  geneigt  sein  sollte.  Auf  einem  Oxydationsprocesse  beruhl 
die  Umwandlung  des  Spatheisensteines  (kohlensauren  Eisenoxydules)  in  Braun- 
eisenstein  (Eisenoxydhydrat),  wobei  einerseils  das  Wasser  die  Kohlensaure  aus 
ihi'er  Verbindung  mil  dem  Risen  auslreibt  und  selbst  deren  Slelle  einnimmt, 
wiihrend  /ugleich  das  Eisenoxydul  durch  Aufnahme  von  Sauerstoff  in  Eisen- 
o\\d  Ubergehl.  Es  ist  dies  ein  Vorgang,  welchem  die  oberen  Partien  aller 
(iiinge  und  Lagerstiillen  des  Spatheisensleines  unter\\oi-l'en  sind.  deren  Aus- 
gehendes  oft  bis  zu  bedeutender  Tiefe  in  Hrauneisenstein  umge\\andelt  wurde. 
wiihrend  in  noch  griisserer  Teufe  der  Spatheisenstein  unveriinderl  geblieben 
ist.  Die  ()\\dalion  Iteginnt  an  der  Oberlliiche  der  kr\stallinischen  Aggregale, 
die  liehlgelbe  I'.irbe  wird  briiunlich,  dunkelbraun  und  zulelzl  selbst  sch\\ar/. 
allmiihlii-h  sclireitel  diese  rm\\andlnng  in  die  Masse  selbst  und  in  die  Tiefe 


III.     1>\  n.mii>che    (icolouie.  147 

vor.  Der  ;uis  ilir  herMiruehcnde  Braiineisenslein  isl  poriis,  \\cil  der  Ycrlusl 
dcr  Kohlciisiiurc  den  Belrai:  des  aufccnominenen  \\assers  mid  Sauerslolles  ilber- 
sh-JLil.  so  diiss  d;is  urspriiudiche  Yolumen  des  Kr/cs  inn  unuel'ahr  ein  I'iiiiHel 
M-rininderl  \\ird.  /uweilen  bleibl  die  iiussere  (iestall  des  Spathcisenslcines 
noch  fine  Xcil  lani:  in  dem  Hrauneisenslein  erhallen.  so  d;iss  let/lercr  die  rhom- 
boedrische  (ieslalt  des  Spallieisensteines.  jedoch  die  siimmtlirlicn  iiliriucii  I'liut'ii- 
scluilitMi  dcs  Brautteisensteinea  Ix-sii/t.  Beupiele  I'iir  den  besohriebefneB  Process 
licfcrl  d;is  in  Briiiinciscnslcin  Nci'u^ndclli'  AiiSLiclicndc  der  Sp;illiciscnslcin- 
sloctc  MIII  Kiinitlicn.  dcs  Ihci'^es  ini  Ihir/c,  d.is  Sliihllicr^cs  ini  Thilrinin'r 
\\;ildc  mid  viclcr  ;mdcrer  l-jscncr/lii^crstiillcn.  Auf  dicscr  'rcndcnx,  dcs  Kiscn- 
o\\dnlcs.  diin-li  Aurii.iliinc  MIII  Saucrsfoll  in  liiihcrc  ()\Ml;itionsslufcn  illici/n 
ii»'licn,  licrulil  .inch  die  KI-.SI-IHMIIUIIL;.  d;iss  die  (lurch  Bisenoxydulsalze  bediiiL-le 
(iunkelgrtlne  liis  sch\\;ir/e  h'iirhunu  \ielcr  Steine  .•dliniihlich  in  cine  rolhe  odcr 
In-.iunc  abci-iiehl.  Kbenso  iinlcrlicucn  aiich  die  Carbonate  des  Mani:aiio\ \dulcs 
dcr  hiiheren  ()\\dalion.  sti  dass  sich  dcr  roscnrolhc  Maniranspalh  schon  in  den 
Mineraliensammluntren  alliniihlicli  hriiunt.  Als  Kndprodukte  dieses  Processes  re 
sulliren  Pseuddinorphdscn  MHI  I'xrolusit  nach  Maniianspath. 

I'crncre  ()\  \dalionsproccssc ,  \\  ic  sic  innerhalli  der  Krdkruste  vor  sich 
Lichen,  sind  die  Unnvandluni:  di'r  Schwefelnietalle  in  schwefelsaure  Melallo\\de. 
Da  allc  Sch\\erelnielalle  lieini  Zutrilte  saucrslolVhalli^er  (lc\\iisser  alliniihlicli  dic- 
seni  Schicksale  \erfallcn.  so  \\iirdcn  MelallsulfaU;  sehr  liiiuiii;  vorkoinrnen,  \venn 
nicht  die  nieislcn  dersellien  leiehl  liislich  in  Wasser  \\iircn  und  '  von  dieseni 
lorliiefilhrl  \\ilrden.  So  \vird  l-asenkies  /n  Eisc.nvilriol,  welcher  (lurch  \\cilerc, 
chen  licschriclienc  '  OxMlalionsvoriiiiniic  in  Brauneisenslein  illxM^ehl ,  \\dliei 
SclixNclelsiinre  frci  \\ird:  dicsc  \\ird  von  etwa  in  der  Na'he  liclindlicheni  Kalk- 
stein  aufLzeiioiiiiiien  so  dass  sich  ^;>ps  liildel,  oder  von  kalkhaltiuen  Wiissern  forl- 
Lieriihrl.  Als  ein  Oxydationsproducl  der  Blende  resullirt  Zinkvilriol,  aus  Kiipl'er- 
kies  Kujifcrvilriol  und  Kiscnvilriol,  aus  Bleiiilan/.  Blei\  itriol,  aus  Speisskobalt  Ko- 
hall\ilriol.  Aus  Zrrsei/uni:  der  durch  Oxydation  aus  den  Sclnvefelnietallcn  enl- 
slehcndcn  schwel'clsauren  Melalloxydc  verinitlelst  Wasser,  \velc.he  Carbonate  von 
Alkalien  oder  Mrden  enlhallcn,  izehen  k  oh  1  ensu  u  r  c  Metalloxyde  hervor,  in- 
dcin  die  Alkalien  oder  alkalischen  Krden  die  Sch\\cfelsiiure,  das  Mctalloxyd  hin- 
iiei:cn  die  durch  Zci  sel/uiiL;  der  Carbonate  freiijewordene  Kolilensiiure  er^reifl. 
Aid"  diesc  YYcise  cnlstchen  nanientlich  Weissbleier/,  Malachil,  Kupferlasur  und 
Zinkspalh.  I'Jidlich  lichen  aus  der  Zersel/.uni;  und  Oxvdalion  MIII  Sch\\efclinclallen 
Melallo\\de  hervor.  \\clche  dann  das  Miilterinincral  in  l-'orin  cines  I'einen 
incruslircn,  nach  berijmanmschcr  Ausdrucksucisc  aus  ihin  »hcraus- 
sind.  Auf  dicse  Wcisc  koiiuul  Mol\  lidiinocker  auf  Mol\  bdiini:lan/, 
Antiinonockcr  und  Anliinonbhtlhe  aid  Antinioiiizlan/.  Arsciiikhliillic  aul  Arsenik 
kics  in  iieiiclisch  bediiiLiler  Vei'LiescllschaflunL:  \or. 

Die    VerbreiluiiL;   dcr   durch    elien    licschriebenc    ()\\dalioiisprocesse  belroll'c 
neil   Mineralien    isl    cine    \erhiilliiissiniissiLi   beschriinklc.     mid    deshalb    der   N'or- 
izani;  selbsl    mil    Be/uij;  auf  die  (ieoloiiii-   des   Mrd»an/.en    \<>n    nur   \Neniii    Bcdeu- 
tuiiii.      Ahnliches    i;ill    \on   deu    1'roducU'ii    der   ()x\da(ion     des    Krddles.     aus 
lel/.leren   durch   Aul'nahme    MHI   Sauer^loll   /ucrst   das  y.iihc  ICrdpecli  und 

10* 


I  IS  III.    l>\ii;iiiii>Hic  (i 


il.uiii  del1  t'esle,  inusclicli-  breehende  Aspliiill  wird,  \\iilirend  dorl,  \\o  dicse 
pflanzlichen  und  thierischdn  Zersetzongsproducte  (it-sicine  imprttgoiren,  in  Folge 
liiiiiieren  /utriltes  atmosphiirisclicr  Lull  cine  \  ollkommi-nc  <)\\d,ilion  dcs  Koh- 

IcnsiolVcs  y.u  entweichender   Kohlehsa'nre  siaitlindci.     In  FoLc  d;i\(in   bleidicn 

die  urspriiiiLjIicli  sehwar/en  ,  von  Bitumen  gelriinklen  (lesleine  .in  dcr  Lufl 
xicmlich  rasch,  so  (lie  Asphall-Kalksteine  von  l.iimner  bei  Hannover,  deren 
Oberfliiehe  vollkommcn  \\ciss  \\inl,  \Niilii-ciid  d;is  Innerc  dcr  Gestcinsslilckc 
scli\\;ir/ln'aun  1st. 

4)  Ro  due  lion. 

Ver\vt'si>ndc  or;j;;inische  Sul>st;in/cu  und  ihrc  Zersetzuogsproducte  (nanicnl- 
lich  Koblenwasserstofie)  scheinen  die  oinzigen  Hcductionsmiltel  ininei-aliscln-r 
Stotlc  7.u  scin.  Sic  \\erden,  wie  oben  gezeigt,  von  den  Sickervvassern  in  die 
Krdlii'fe  izefiihrt,  so  dass  ilir  reducirender  Einfluss  nichl  nur  auf  die  Krdobcr- 
Iliiehe  beschrttnkt  ist.  Durch  ihre  weitere  Zersel/jiiiiz.  also  duivh  Hildung  von 
Kolilensaure,  wird  nainentlich  den  Eisenoxydverbindungen  der  zu  dieseni  Pro- 
eesse  nolhige  Bedarf  vou  Sauerstoff  entzogen,  also  z.  B.  Eisenoxydhulral  /u 
Kisem>\\dul  reducirt.  Die  aus  diesern  Zersetzungsprocesse  der  vegelabilischeo 
Masse  entstehende  Kolilensaure  verbindet  sich  mil  dem  Eisenoxydul  zu  kohlen- 
sauivm  Eisenoxydul,  aus  dem  sich  wiederum  beim  Zutrill  der  Luft  Eisenoxyd- 
lijdral  bildel  und  niederl'iilll,  um  spa'ler  eine  neue  Reduction  zu  erleiden. 
Ebenso  wird  auch  Eisenoxydsilicat  durch  faulende  organische  Subslan/en  und 
/\v;ir  zu  Eisenoxydulsilicat  oder  Eisenoxydulcarbonal  desoxydirt.  Die  Reduclion 
dcs  Kisenoxydhydrales  und  des  Eisenoxydsilicales  isl  in  geologischer  Beziehung 
\(in  grosser  Wichligkeil.  Wir  sehen,  wie  die  Eisenoxydulsilicale  in  den  ki\- 
slallinischen  und  klaslischen  Gesleinen  forlwahrend  einer  Oxydalion  unlerwor- 
I'en  sind,  die  zum  Theil  deren  Zerselzung  bedingl.  Wilrde  diesein  Proec^>c 
nichl  eine  Reduclion  enlgegeuwirken,  so  milsslen  nach  und  nach  alle  Eisen- 
oxydulsilicale  aus  dem  Mineralreiche  verschwinden. 

In  ganz  ahnlicher  Weise  wie  Eisenoxyd  zu  Eisenoxydul,  werden  schwefel- 
saure  Melallsalze  durch  Enlziehung  ihres  SauersloiTes  zu  Schwefelnietallcu  re- 
ducirl.  Die  Zink-  und  Bleierzlagerslallen  z.  B.  Oberschlesiens  scheinen  von 
Zink-,  Blei  und  Eisensalze  fQhrenden  Quellen  gebildet  worden  zu  sein,  deren 
Melallsalze  durch  biluminose  Subslanzen  eine  Reduction  erfahren  haben.  Am  h 
die  im  Mineralreiche  vorkommenden  gediegenen  Melalle  scheinen  zum  iin»ssen 
Tlicile  das  Product  analoger  Reduclionsprocesse  zu  sein.  (Siehe  sub:  Das  or- 
uanisrhc  I.eben  als  geelogisches  Agens.) 

5)  (la  rbona  I  l»i  Id  unge  n  (lurch  Zerselzung  von  Silicalen. 
Kohlensiiui'ehalliiic  Wasser  zersetzen    die  Silicale  von   Kalk,    Kali,    Natron, 

Kiseno\\dul  und  Manganoxydul  bei  ge\N(ihnlieher  'reinpcralur,  \vnbei  (lai'bu- 
nal<-  dieser  Basen  gebildel  \\crden  und  Kieselsaure  IVei  wird.  An  dcr  Zusam- 
inensci/.tin-  dcr  llauptmasse  der  Erdkrusle  nehmen  Feldspalh,  Augit,  llnin- 
blende  ciiicn  bedeulenden  Anlheil.  Diese  bcstehen  aber  aus  kicsclsaurer  Thon- 
erde  dder  kicselsaiirer  Magnesia  ncbst  Alkali-.  Kalk-.  Eiseno\\dul-  oder  Man- 
gdDoxydnlsilicaten  und  \\cnlen  deshalb  von  der  Kohlensiiure  der  Sickerwasser 


Ill      I>\  ii.uiUM'ho    (it'ohiuic.  I  1  '.I 

/or>elzt.      Ks   re.xiiltireii  (larhonale   utid   zugleich   \\inl  Kie.xolsaure   ausgesehicdcu, 
\viihrend  die  I'.ist  nnlttslichen  Silicate  \<>n  Thonerde  und  .Magnesia  zurttckWeibeiL 
Das    Krauson    mil   Sauren,     \\elehos    ni.ui    hoi    \ielcn    OTSprttDglich   koine  Carbo- 
nate   enthallonden    Diahascn,    Basalton   mid   Melaplmvn    hoohachlot ,    deulet   ;in. 
diiss    dieso   UrowaudJuilg   hereits  bogonnen    hat.      Die   IVoducle   diesor  lolzloren, 
die   Carbonate ,     \\erden    \on    den   (ieuassern    \ollslandig    ausgelaugt    und   \veg- 
:r|iihrl,    •-  ganx.   /ersel/le  ( M-steine   ItiMiisen  dahcr  niehl   niehr  mil  Siiuren.      Die 
ausgescbiedene    Kieselsiiure    1st    in    10,000    Thcilen    \V;isscr  loslich :     es    ueniiut 
ileshalb  das  die  ZeraetUDg    l>e\\ii-kende  \Vasser,    solmld  es  sehr  kohlon.siim-ei'eicli 
i^l  .    iil.sn  sehr  r.iseh   \\irkl.    nielil  zur  Fortfithrung  der  gcsammtcn,    in  i 
Sehi'ille    mil    dieser  Zei'sel/uiiL:    IVei    wei'denilen    Kiesolsiiuro. •     In    diesem 
lileiltl   der  ^riissh1  Theil  der  lel/leren  /ui'iiek.      Isl  jedoeh   dns  Wiisser  nur  arm 
.in   Kohlensiiure,    so    gohl   die  Xerselx.uni:  langsam    vor  sich,    die  izoringc  Meni;e 
del1  aiisuesehiedenen  Kiesdsiiure   \vird   ^eliist    und   mil   den  kohlensauren  Alkalien 
mid   l-lrden    riirlireluhrt.      In   Fnlge    der  ZcrsclxiniL;    der  /usainmen^-set/ten  Sili- 
eale   dnrcli  k(thlens;iurehallii;e  \Ya.sser  \\erden  denmaeh   die  Carhonale   dor  olten- 
yrn.innlen   Hasen .    sowio    oin  Thoil   der  Kieselsanre   entfernl.      Als  lelzler,    fast 
iiiiaimi-eirharer  ZerseteUDgSTttckstaad  der  ansizelanglon  Ciosloine   l)leil)on  (lie   \\as- 
><  I'liallJLien  Silicate    von  Tlionei'de  und  Magnesia  zuriick ,    deren  ei'sleres  wedcr 
\on   kohlen.s;iiirehaliii;eni   \Vasser.    iinch  von  kohlensauren  Alkalien,    deren  letz- 
teres    nur   sehr  schwer   und   erst,    wenn    alle  Uhrigen    zerselzbaren  Suhstan/en 
ausuelaui;!   sind.    /.ersetzt   \vird.      Die  \\asserhaltigen  Silicate  der  Thonerde  sind 
als  I'hnn   und  Kaolin,   die  der  Magnesia  als  Sei-pentin,   Speckstein,   Talk   hekannt, 
die^e  sind  denmaeh  die  zuniekbleihenden ,   di<^  Carhonale  die  \veggofuhrlcnPro- 
dncie  des  Xerset/.ungsprocesses  vieler  gomonglor  kryslallinischer  Gesleine  dureh 
k(»hlens;iur(>haltige   Sicker\\asser.      (Jesteino,    deren    Hestandtheile   in  diesem  von 
der  Oberflache  naeh  Innen  /u  forlschreitenden  Vorgange  hegritl'en  sind,   helinden 
sich     im    Zuslande    der    Ye  rw  i  t  le  ru  n  g.      Mil    dieser    gehl    cine    Auflockerung 
der  Felsmassen    und    endlich    ein  Zerlallcn  derselben    zu  Grus  Hand  in  Hand. 
F.mige    Heispiele    mogen    zur   iM'Iauterung   des  Zersetzungsprocesses    der  Silicate 
dieiuMi.     Als  die  vveitverhreilelsleii   und  deshalh  auch    in  ihrer  Zersctzung  ein- 
BussreicfasteD  Mineralicn,   welche  dem  oben  bcsehriehenen  Vorgange  untoiANorl'en 
sind,    dilrften    zu    nennen   scin :    Orlhoklas,    Oligoklas,    Labrador,    Hornblende. 
. \ngit   und   Oli\in. 

Der  ()  i-l  hnk  I  as,  dor  hauligste  Verlicter  der  Feldspathfamilie ,  ein  Haupt- 
he>i.indiheil  des  (iranils,  (Jneisses,  (iranulites,  Syenites,  Fclsilporplnros,  be- 
•leht  aus  I  Atom  Thonerde,  1  Atom  Kali  und  f>  Alomen  Kieselsanre.  wobci  jedoch 
l.i>l  immer  ein  kleiner  Theil  des  Kali  dnirh  Nalmn,  Kalk  nder  Kisenoxydul 
\erlrelen  \\ird.  Seine  hereehuele  Zusammensetzung  1st:  Kieselsaure  65,2, 
Thonerde  Is,  I,  Kali  16,7.  Die  als  Kaolinisirung  he/eichnete  Zerselzung  des 
Orlhoklases  is!  eine  sehr  izeuohnliche  Krscheinung.  Sie  beginnt  auf  der  Aussen 
seile  des  orthoklasftihrenden  Gesleines  und  gewohnlieh  auf  der  Oherlliiche  der 
Ki  \-lallindi\idnen.  Diese  verlieren  zuersl  ihren  (ilanz,  \\erden  matt,  ihre  fleisch- 
rothe  Farbe  geht  in  eine  \veisse  iiher,  es  hildel  sieh  eiiu>  mil  dem  Fortschreiten 
des  Processes  an  Dii  ke  zunehmende  Rinde,  Spaltbarkeit,  Ilartc  und  Zusanimen- 


Kill  III.      l»\  MiUIMM-hc     I  iculll^if. 

li.ilt  uelten  \erlnren.  aus  dem  I'esieu  krystallinischen  Feldspath  u'-hi  ein  \\CIN-SCN. 
erdiiies  Tlioni:e>lein  .  der  kaolin,  her\or.  Diese  l'iii\\,iii(lliiiii;  beslehl  darin. 
d.i^s  das  K;ili  nebsl  (Inn  et\\.i  \orh. imlenen  kalk,  Vilrnn  oder  Ki.seno\\dul  durch 
ItoUeosfturehaltige  Wasser  in  (larbonate  ttmgewandett  und  ebenso,  \\ie  ein 
Theil  der  .iiis^eseliiedenen  Kieselsiiurc.  lortueliilu  l  werden,  die  Eurttokgebiiebene 
kieselsaure  Thonerde  hinueuen  -2  Alome  \\  ,isser  auhiimmt.  Die  niclit  -rli.slc 
und  rult'Ulirtc  Kicsclsiiiiro  h.il  /,ur  Mildiin^  \on  Clonci'diniicu  \on  ()p;il,  (lliiil- 
crduii  und  Mnrnstrin  Vci'.iul.isMinL:  uciiclx-u ,  uclclic  sidi  in  dm  Kaolioablage- 
ninizi'ii  vieler  Localitttien  linden.  Xuuciillirli  sind  cs  die  (ii-.initc  und  Porphx  re, 
\\elehe  dureli  /erset/.uni;  ihi'es  l;elds|)iitli-(;enieniillieiles  y.uerst  in  ilirern  iuneren 
uelitckerl  \\vrden,  d.inn  /u  (Ii'iis  /erliillen  und  endlieli  Anliiss  x.ur  Hil- 
von  KaoliaablageruDgeD  liobon.  Aus  (imnil  hervorgegangen ,  linden  sie 
sieli  in  grosaertigstem  M;i;isssliihe  /,.  H.  IHM  Cjirlslnul,  hei  Selineehei'i;  in  Siielisen, 
hei  LiiiKtiics  in  l-"r;inkreieh ,  bei  St.  Auslcll  in  Connvjill;  au§  der  Zersel/unu 
des  Felsilporphyres  resullirten  die  von  Riiscplms  bei  Allenburg,  die  von  Mori 
und  Trotha  bei  H;ille. 

DcrSanidin,  eine  Varieliit  des  Ortlioklas,  verli'itt  diesen  lelzteren  in  den 
jiinueren  BrupUvgesteinen;  er  ist  demnaeli  eiu  llauptliesliintlllieil  der  Ti-aeliNle 
und  rhonolitlie  und  \vird  durch  die  na'mlirlien  /ers»ay.uni:sprocesse,  \\ie  der 
Ortlioklas  der  Porphyre  und  Granite,  in  Kaolin  umgewandeH,  \\ie  es  bei  .ue- 
\\issen  Phonolitlien  in  Bohnien  und  Traclnten  in  Tnuarn  der  Fall  ist. 

Der  Oligoklas  unit  62,8  Kicselsaure,  23,1  Thonerde  und  14,1  Natron, 
von  \veleheiu  lel/leren  ein  Theil  durch  Kalkerde ,  Kali  oder  et\\as  Maune- 
sia  ersetzl  \vird,  bildet  einen  vvesenthchen  Geineniitheil  des  Granites,  l-'el- 
silporph\res,  Gneisses  und  Trachytes,  in  wclchen  er  neben  Ortlioklas,  und  des 
Dioriles,  Melaplmvs,  Andesites  und  Basaltes  ('?),  in  welchen  er  olme  jenen  \nr- 
knniiiit.  Der  Oliiioklas  verfallt  seines  izerin^eren  Kieselsiiure-Gehalles  \\euen  der 
Kaolinisirunu  nocli  sehneller  als  der  Ortlioklas,  deshalb  licgen  oft  in  ein  und  deni- 
selben  llandsliieke  neben  nocli  vollkoinnien  unzersetzlen  und  deshalb  stark 
izlan/.enden  Orthoklasindividuen  solche  von  bereits  niatlen.  enliven,  also  schon 
mi  Zustande  der  YerwesuiiiZ  beurill'enen  Indi \iduen  des  Oliuoklases.  Das  die- 
>ein  entfiilirle  Carbonat  ist  \\esentlieh  kohlensauros  Natron. 

Labrador  mil  i'y'J,(\  Kieselsiiure ,  -2\),H  Thonerde  (zuni  i;erini:en  Theile 
dnn-h  Kiseno\\d  \ertrelen),  12,1  Kalk  und  4,5  Natron,  ist  ein  llaupliiemeni:- 
theil  des  Diabases,  des  Gabbros  und  llypersthenilcs,  sowie  gewisser  Dolerite  und 
T.-isalle  '  .  Seiner  Kieselsiiureanuulli  und  seines  Kalkreichthumes  \\eizen  [si  der 
Labrador  der  am  leirhteslen  /erselzbare  aller  urossere  Verliroitunii  besil/.enden 
I'eldspathe.  Namenllich  ist  es  die  Kalkerde.  welehe  dureli  die  Kohlensatire 

-i<-kei-\\;issers  bis  zuni  izanzlichen  \frsch\\inden  aus  ilirer  Yerbinduni:  mil 
der  Ki«'selsiinre  juisueseliieden  und  \\ euuelulu-l  \\ird,  erst  dann  seheint  die  X«-r- 
set/.ung  des  Nalronsilieates  und  die  Auslaiii:uni:  der  entstelienden  (larbonate  xu 
beginnen. 

DieAuuile  sind  /urn  uriissten  Theile  tlidnerdehaltiij;  und  daruiii  Mi>diun- 
Lien  \on  Hisilieat  und  Bialiuuiiiat  \on  Kalk.  Majjnesiii.  Kisi-no\\dul  und  Li^en- 
n\\d.  Der  Auuit  bildet  einen  \\  esentlielieii  he>tandtheil  des  Diabases.  Mela- 


111    n\ ii.uniM iir  ('icdiu-ic  i.. i 

phvres,    Andesjio    in\(|    Basalles.      Bei    seiner  Xersct/unt;   \er\\amlell    der  /.uue- 
luhrte  Sauerstoff  das  Eisenoxydulstlical  in  EiseBo&ydsilical,  \\elehes  durch  Koh- 

lensiiure  nidil  /crset/.l  \\erden  kiinn,  d,i  diese  mil  Kiseno\\d  keine  Verbindtmg 
eingehl  ,  \\ahreud  sir  die  Kalksilieale  in  Kalkearbonat  und  sehliesslieh  auch  das 
.Magnesiasilieat  /inn  urossten  Theile  in  .Magnesiacarbonal  uimandelt  und  enl- 
liilirl.  Als  Besiduum  des  vollsliindig  /erset/.len  Augites  bleibl  also  etseoschttesiges, 
\\.isNerhaltigcs  Thoncrdesilieat  mil  cl\v;is  Magnesiasilical  /.uriick.  7u  i^nnx  ;ilm- 
HfsnllitiiMi  lilhrl  die  voUstHodige  /rrsrl/.iinu  dcr  II  orn  I)  I cndo ,  nur 
diesr  im  Alkniicincn  scli\\  ici'iucr  /.ll  \rr\\itlcrn  .ils  dcr  . \uuil.  \\;is,  da 
die  YriAvittrrunii  durcb  GartxMMitbHdang  crlblglj,  seincn  (Irimd  darin  liat,  dass 
die  lliirnhlcndc  \veniiier  kalk  cnlliiiil  als  jcnrr. 

Oliviu,  t'in  Magnesiacisenexydulsilicat,  \vorin  die  Magnesia  iiher  das  Kisrn- 
n\\diil  strls  vorwallet,  cin  hiirhsl  eharaklerislisclier  /nlalli^er  Hcsiandlhcil  dcs  H,i- 
s.ilu-s,  IV'i'iuT  arccsMnix'li  im  (lahhro,  zi-i'scl/t  sk'h  x.icmlicli  rasch,  indoni  sirh  zu- 
crst  das  Kiscnoxulul  /u  Kisriunxd  o\\dirl  und  Wasscr  aui'ninunl,  woduirli  die 
h  licliUriinc  l-'arhr  dcs  Olivines  /ucrsl  dunkc'lhraun,  dann  ockeryrll)  \\ird. 
/.crsct/t'ii  die  kohlensiiiirchaltiueu  NVasser  die  kieselsaurc  Magnesia  /u 
Magnesiacarbonat  und  Kieselsaure  und  entl'ilhren  crslcrc  vollstiindig,  lel/,tei-e 
/.inn  Tlieil.  J)as  Vorkominen  von  Pseudoinorphosen  von  Scrponlin  nach  Augil, 
llonililende.  naiuenllich  hiiuliii  aher  nach  Olivin,  beweist  Ubrigcns ,  dass  die 
;:en.iiiiiteii  (iesteinselemento ,  wic  spiitor  gozeigl  werden  \\ird,  nobon  der  er- 
\\iilinlen  \ollstandiiren  Xersc'l/ung  zu  eisenschilssiiieni  Tlion  cine  llin\vandlung 
in  wasaerhalUgea  Magnesiasilicat,  nelnnlicli  in  Serpentin  oder  Speckstcin  crleiden 
kdiuien.  Auf  ahnlichc  Weise  konnen  Chloril  und  Gliinmer  aus  ihncn  liei 
voi^gehen. 

Der  Zersel/ungsprocess  von  Kalk-Nalronfeldspalh,  Augit  und  Olivin  durch  die 
Tage\\asser  i;elil  in  grossartigsleni  Maassstal)c  in  dcm  woscntlich  aus  jenen  drei 
Mineralien  /usaniineni:esel/.len  Hasalte  vor  sich.  Die  kohlensiiurehaltigen  Was- 
MM-  driiii:en  in  die  anscheinend  dichtc  Basallmasse  und  beginnen  die  in  dercn 

•  iesh'inseleineiilen  enlhallenen  Silicate  von  Kalk,   Natron,   Kali  und  Kiseno\\dul 
in  Carbonate   iim/uwandeln.      In  dicsein  Zuslande  braust  der  Basalt  bci  Berilh- 
rung  mil  Siiuren.     Anliallendc  Circulation  dcr  Sickcrvvasser  in  diesern  carbonat- 
lialtiizen  (iesieine    hedingt   die    allniahliche    Auslaugung    der    let/leren ,    /uglcich 
aber  eine  tlieil\\eise  Fortt'ilhrung  der    aus  ihren  Verbindungen  ausgcschiedenen 
Kieselsaure.      Dann  beginnt  auch  die  Zerselzung  der  kieselsauren  Magnesia   und 
die   Fortfiilirung  des  cnlslehenden  Carbonates.     Den  Hackstand  bildet  die  Thoii- 

•  rde,     \\elche    naliirlieh    relativ    an   jMenge    sehr    /ugenonunen    hat,    die    tlbriue 
Kieselsaure  und  das  aus  ()\\dalion  des  I^iseiioxulules    oder  Eisenoxydov \dules 
bervorgegaogene  £iaenoxyd;  sie  repf^aeotiron  mil  Wasscr  vcrbunden  als  eisen- 
.sr|iiissii;es,  \\asser-  und  /.uin  Tlieil  auch   inaunesiahaltiges  Thonerdesilicat  (Basal l- 
\\acke   und  Waekentlmn     das   nnlosliche   Besiduum   des  Xerset/.ungsprocesses  des 
llasaltes,   \\eleher  ursprilnglich  bestand  aus:    43 — 50  Kieselsaure,    \  1  — 16  Thon- 
erde,    II — 15   Kisenoxulul  und  Kiseno\yd,    10 — 12  Kalk,    i  —  9  Magnesia,    1 — 2 
Kali,   3  —  5  Natron,    1  —2   \\ass.-i . 

§.  i.    Hydro-chemisehe  Processe.     Fortsetzung.     Aus  dem  obcn  Ge- 


.s.iiilcn  ut'lil  hcr\or.  d.iss  dnrdi  direcle  Losing  oder  (lurch  \  or.iiis-dicmlc  Zer- 
scl/nn.u  mid  diinn  crlolueiide  Losing  .Mineralsolnlioneii  udiildcl  \\erden.  unlcr 
dencn  (licjcni^cu  \(»n  (Ihloriiiilriiini  ,  schwefelsaiirpni  Kalk  .  sdi\\erd.s;mrer  M,i 

^noi.i.  doppdi  kobleosaurem Kalke,  doppdi  kohleiisaurer  Magnesia,  kolilcns.iurem 
Eisenoxydul,  tohlensaurem  Maogauoxydul,  kcrfitensaurem  N.iiron.  kohleusaiirem 
K.ili.  .sdi\\erds,iiircni  Kiseno\\dul.  scli\\dels.iiirem  Kupler  und  Kiesdsiiure  die 
\\exriillichslen  sind.  Die  Losiingen  \Nenlcn  /inn  Thcil  ohnr  \\citcrc  \fr 
iiiidcniiiuen  y.u  erlridcii  mid  (ilnic  ncuc  VrrlMiidiiML'rn  und  /(•rsci/iiii-icn  cin- 
/ii^t'hcn  ills  .Mim'r.il<|iirlleM  y.u  Tauc  ddcr  in  unlrnrdisrlir  Mdih  .mine  (rclcn 
uiul  dorl  iin  (loiilacic  mil  dcr  ,ilui(»sj)liiirisclK>n  Luft  durcli  Vcrlusl  ciiic>  Thcilcs 
dcr  Kohlcnsiiurc  ndcr  durcli  VerduostUOg  (It's  Wiissois  ihrc  Bestandtbeiie  \\icd<T 
,il>srl/cii.  Andcrc  jcnci'  l.nMinuci)  ;ili<T  Icilcn  ilirccl  uciic  clicinisclir  YoriMiiiic 
ciilNscdcr  ucuciiscilii:  uulcr  sich  odrr  (lurch  Min\\  irkuni;  iiul  Irslc  .Miucnilsul)- 
sliiii/cii  cin,  kur/  ut'l»('ii  Vrr;tnl;issung  zu  nciicn  uiossiirli^cn  (icslcinsxcriin- 
•  Irniu.utMi  iin  Knlinncrn.  Die  \\  ichliiislcn  dcr  ;iuf  dicsc  \\Ci.sc  iu's  l.chcn  •-<  - 
nifciifii  V<iri:iiui:c  .sind  lol^ende : 

1)  Kolilcusiiiiro   Alkitlion   xcrsclxcn   kicsclsiiiircu   K.ilk.      I-j-slcrc   uchcii   /.    \\. 
;ius    /crscly.iiui;    dcs    Orlhokhs    und>  Oligpklas    hcrxoi1:     koiniiicn    sic    ;iul    ihrciu 
Wcuc   durcli   die  (ic.siciuc    in    Heriihniu.u   mil  Kiilksilic;itcn  .    so    hes\irkcii   sic   cine 
/ersel/uni:    (lersell)cn,     HUS    \\elcher    kolilensaurer   Kalk    ciiierseits     und    kiesel- 
s.uire  Alkiilicn  andrersoils  hervorpchen.     Uei  dcr  sonstigcn  Ahnlichkeit   von  K;ilk 
and  M;ij;iiesi;i     dui'fle    in;m    er\\;irlen,     dass   Jilich    kieselsaure    .M;ii;iiesi;i    der   Zer- 
set/uiii;  (lurch   Alk;iliciirl)oii;ite   \erliele.      Dersellte   \Vidersliind    jcdoch  .    \\clchen 
dieses  Silicat  der  Einwirkung  kohlensaureluilliger  Wasser  eiilgegensel/.l  .     inacht 
sich    auch  g<'gen    fine  Zersetzung    dureh  kolileusaiire   Alkiilicn    uclleud.      Darauf 
liernhl   die   Hiiuliukeil  ,     in   \\elcher    \\as.serhal I iizc   Maunesiasilicale   als   Hesiduuiu 
\ielcr  in  Xersei/ung  l»ei:i-illener  Mineralien  auflrelen ,   indent  das  IfagnesiasiKcat 
in  sich  slets  anreicherndcr   Menge  y.uriiekhleil>l ,    \\ahrend    andere   Hesliindlheile 
zerset/t    und   ausgelaugl  \\erden. 

2)  Kohlensaure  Alkalien    zersel/.en    in    der  Siedehil/e .    sou  i(>    liei   ^cuolin- 
lichcr  Teniperatur   Fluorcaloiuin    (Flussspath) .      Ks    cnlstehen   kohlensuirer    Kalk 
und   leichl    idsliche   Fluoralkalien.      (l)aher    die    Pseudoinorpliosen    \on    Kalksp.ilh 
u.ich   Flu.s.sspath).      Rildel  sich   aid'  diese   Wei.se   cine   Liismiu   \on   Fluornatrium, 
so   isl   die.se    \\iederum    ini   Slande ,    Kalksilicat  x.u  zersel/en.     \\ol»ei    kiesels.iures 
N.iiron     nii'l     neiier    riiisvspalh    eiilslehen.      (iehl    ,ius    der   /ersel/uiiLi    di-s    Icl/.t- 
;jeMiiiinlen    Miner, ilcs     diucli    kohlens.uires     Kali     Fluorkalium    hervor,     so    k.inn 
diesi-s    bei    Kiinvirkiing    aiif    kieselsaure   Thonerde  -kieselsaui-es    Kali    und    Fluoi'- 
.ihiiiiiniiim   er/.eiiL'cn.        llaiiliges  Voi-koinnien    von  To|>as   in   zersel/.lem  (ir,nul   . 

3)  Koininen    die   anf  olten     suit    I      angedenlele    \N'eis(>   eiilsl.indcnen    kiesel- 
.s.uiren  Alkalien    auf   ihrein    \\eileren  Wege    mil    sch\Nerels;iui'eni    Kalke.    .schuefel- 
s.iurer    M;ii:ncsi;i.    ( ihloiv.ilciuiii    und   Chlorinauuesiuiii    /.usainiuen .    so   hilden    sjr|| 
kieselsanrer   Kalk    urtd    kieselsaure    M.i.-nesia    cincrseils   und    scliNNerdsaiire    Alk;i- 
lien.    Chloikiiliiini    odcr   (ililorn.ilriuin    andererseils. 

4)  Die   kiesds.-iiiren    Alkalien    sind    ferncr    iin    Slande,     -erinuc   Mengen    von 
Tlioiierde   ,nis   kiesds.iui-er   Thom-rde   /u   exlraliiren. 


III. 

•">  Kie.selsaures  K.ili  y.ersely.l  Chlornatrium,  cs  Itildct  sich  kiocUmivs  Natron 
mill  <:iilnrk,iliiiiii. 

(\  Die  kicselsaiiren  Alkalien  y.erset/en  doppell  kohlensaure  Magnesia :  cs 
enlslehen  kieselsaure  Magnesia  mid  kohlensaure  Alkalien.  Die  kieselsanrcn  Alka  • 
lien  del'  l;eldspalhe  komieu  dcshalk  \\enn  sie  lanijere  /.eilramne  liiiidiiivli  mil 
doppell  kohlensaure  Magnesia  hallii;en  \\';issern  in  Berilhruni:  komnien  ,  dmvli 
kicsels.mre  Magnesia  ersel/.t  \\erden. 

7  Die  kieselsaiireu  Alkiilien  /.ersel/en  doppell  kohh'MSiiuiTS  Kisen(»\\dul  : 
es  i-esnlliren  Kisen<>\\dnlsilie;it  mid  kohlen.siiui'e  Alkalien.  Didier  die  Hdufigkeil 
rsleren  (lei1  (ii  iinenle  in  llolilriimiieil  ver\\  idernder  (lesleine,  MI  des  Mola- 
|>li\r.  Di.dt.is.  Basalt,  SUNN  ie  in  Sandsleinen  ,  ill  \vclelien  dnppell  knlilensam'es 
Eisenoxydul  halliue  \Vassei'  circnlifen  mid  kieselsaure  Alkalien  (lurch  sieli  /ei 
sel/ende  Feldspallilhcilehen  i-cliclVil  \\erdcn. 

s  \\IMIII  cine  I.Msuiiii  von  kieselsaurcin  Natron  mil  doppell  kohleiisaui'ein 
Kalke  in  BerUhrung  i^elanul  ,  so  \\ird  miter  Bildmi^  \on  kolilensaui'ein  Nati'on 
mid  kolilensaiirein  Kalke  Kieselsaure  ausjj;eschieden.  Daher  ilic  Psendiniiin - 

11   \on  Ouarx  uach   Kalks|)ath. 

9)   Kieselsaui'er    Kalk    win!    (lurch    schwelelsaim-    Magnesia    und    Chlonna- 
y.ersct/.t.      Ivs    enlslehl    kicselsamv    Maiiiiesia    und    schwerelsaurer    Kalk 
oder  Cblorcalciurp, 

I 'i     Kieselsaure    Tlmnerde     uird    (lurch    schwerelsaureii    Kalk    oder    (]hlor 
calcium    y,ersel/.t.      Kicselsaurei-    Kalk    und  schwel'elsaure  Thouerde    oder   Chlor- 
.iliiminium   \\erden   i;el)ildct. 

i<)  Kieselsaure  Thoiierde  \\ird  (lurch  schwelblsauro  Magnesia  oder  (llilni- 
m.i^nesimn  /ersel/.t.  Kieselsaure  Magnesia  und  schwcfelsaure  ThoiHM'dc  oder 
Clilor.ilmnininni  hilden  sich ,  --  em  Process,  vvclcher,  wie  die  llauliiikeit  \on 

INeud.n plinscn    l.rueist,    sclir   gowohnlich    hei    Uiuwandluiii:    \<>n   Keldspath. 

Auuil.    Hornblende,    Turmalin    u.   a.   Miueralieu    in  Serjx'ntin ,   Specksjein  oder 
Talk   \ur  sich    izelit.      Die  enlslehende    schwei'olsaurc  Thonerde    mid    das  Chlor- 
aluiiiiniuin    sind   liislich    und   \\ei'den   forli^eliihrt ,    wiihrend    die   kieselsaure   Ma 
unesia   /.uriickhleiht. 

I;'  l.isenii\\dli\diMi  wirkl  /erset/end  auf  kiesolsauro  Thonerde.  Koninien 
(ie\\assi-r.  in  \\elchen  doppell  kohleusaui'cs  Kisenoxvdul  i-eliist  isl,  in  Beriihi  IIIIL; 
mil  kie.M'Isamv  Tlnnierde  eiithalleiiden  Mineralien,  und  wird  jtus  crsleren  (lurch 
Vnlnahme  von  Sauerstnll  mid  Wasser  l'jseiio\\dhydi-al  aus^escliieden  ,  so  isl 
dieses  l»ei  der  urosseu  \ 'crwandlschal'l.  welche  Kieselsaure  und  die  ()\\de  de.s 
I  i^rn-,  /ii  einaiider  hahen ,  mi  Slaude,  der  Thonerde  einen  Theil  der  Kiesel- 
saure x.u  enl/ielien  und  sich  mil  dieser /u  kieselsaurein  Kiseiu»\\d  /.u  verlunden, 
*M»  da^s  Doppelsilicale  \on  'I'honerde  mid  Miseno\\d  enlslehen. 

\ucli  kieselsaurer  Kalk  und  Natron,  sowie  kieselsaure  Magnesia,  let/- 
lei-e  alter  nur  in  hiichst  uei-in-eni  Maasse,  NNerden  (lurch  Kiseno\ulh\diMl 

zerselzt. 

|:$)  Sch\\ere|s,Mire  Alkalien  und  scliwefelsaure  alkalische  Krden  werden 
durch  r.iulende  or^anische  Siil>slan/.en  /,u  Sch\\ere|,ilkalien  und  Sohwefelver- 


I  .">  I  III.      D\  ll.mil-rll''   (  icoloiiif. 

bindungen  der  alkalischen  Erden  /ersel/l.  S»»  \\ird  <i\p.s  (lurch  moorige  Wa»er 
theilueise  in  Schxxefelealcium ,  von  Bilumcn  impra.miirler  schxxelelsaiirer  Barxt 
HI  p.iiii  in  Schwefelbaryum  umgexxandelt. 

I  'i  Difsc  Scfawefelverbindungen  <lrr  Alkalien  uud  alkali.schen  Krden  /er- 
sel/.en  knhlensaures  Eisenoxxdul  sou  ie  Eisenoxydhydral  unler  Bildnng  von 
Schxxefelkies.  Wcim  deshalb  Gexxasser  schwefel^aUFCD  Kalk.  doppell  kohlen- 
saures  Eiseno\\dul  und  organische  Snbslan/en  enlhallen  ,  so  sind  iiiich  den 
Geseizen  l:$  und  15  dir  BedingUDg^p  /.ur  Hilduni:  von  Schucl'dkics  iiciichcn. 

l->  Doppcll  kolilcnsiiurcr  K;ilk,  \vie  t-r  durch  die  Sirkcrujisscr  /.  B.  dcin 
K;ilks(cin  odcr  den  l.iihrador  halliiien  Eruptivgesleuien  cnlfiihrl  \\ird,  bildcl  mil 
Bchwcfelsaurem  Blcio\\d,  Eiseuoxydol,  Kupforoxyd  odcr  Zinkoxxd  cincrscils 
<i\ps.  .indcrcrscils  kohlcnsanrcs  Bleioxyd,  Kiscnox\dnl,  Kupr«M-o\\d  und  Zink- 
n\\d.  Aul'  dicsc  Woisc  cntslohcn  nanientlich  KuplVrlasur,  Malachit,  \Vcissblci- 
erz  und  Zinkspnth  als  ZerseteUQgsproducte  von  Kupfcrkics  und  Zinkhlcndc. 
\\clcho  sich  vorhor  durch  Aufnahmc  von  Saucrslofl'  in  schvvofclsaurc  Metallsalzc 
mngewandelt  hatlon. 

l(>  Kicsclsaurcs  Zink-,  Kupfer-,  Nickel-  und  Silbcroxyd  wcrdcn  durch 
kohlensaurehallige  Wasscr  zu  kohlensaurcn  Mct<illo\yden  /ersei/.l  und  dieso 
iielist  eineni  Theilc  dcr  ausgeschiedcnen  Kieselsaurc  fortiieiiihrl. 

•17)  Kicselsauros  Zink-,  Blei-,  Kupfer-,  Nickel-  und  Silheroxyd,  ferner 
kohlensaures  Kupfer-,  Blei-,  Silber-,  Zink-,  Nickel-  und  Kobaltoxyd  sowie 
Eisenoxydul  und  Manganoxydul  werden  von  Schwefehvasserstoff  zersetzl ,  %\o- 
bei  sich  Schvvefelinetalle  bilden  ,'und  in  ersterem  Fallc  zuuleich  Kieselsaure 

•  k  u 

ausgeschiedeu  \\ird.  Die  sub  16  und  17  ausgesprochcnen  Gesetze  crgeben 
die  Moglichkeil ,  dass  Metalloxyde  aus  dem  Nebenizestein  ,  in  \\elcheni  sie  i'ein 
iinpriiiiiiirl  auflreten ,  ausgelaugt,  in  Spalten  gefUhrt,  hier  als  Schwefelinelalle 
ansgeschiedcn  und  in  Gangform  concenlrirt  \\erden  konnen.  Sobald  sic  je- 
doch  mil  Sickerxvassern  in  BerUhrung  gelangen,  werden  sie  von  Neuein  in 
Ibsliche  Vcrbiiidungen  umgcwandell  und  zum  The! I  forlgefiihrl. 

Aus  dem  Inhalte  der  letzlen  Seilen  gehl  hervor,  dass  das  Wasscr  die  Auf- 
gabe,  dern  Gebirgsinneren  Material  zu  cntziehen ,  in  der  vielfaltigslen  und  er- 
folgreiehslcu  Weise  zu  erfiillen  bestrebl  ist.  Viele  Mineralsubslanzen  lost  es 
direct  Sleinsalz,  Kalkslcin),  andere ,  die  ihm  \vidcrsU?hen ,  wandelt  es  vorher 
in  losliche  urn  Schwefelkies  in  Eisenvilriol,  Kuplerkies  in  Kupfer-  und  Eisen- 
xilriol,  Anhydril  in  Gyps,  inn  sie  dann  zu  entl'Uhren,  noch  andere  unlosliche 
zer.selzt  es  niittclsl  seines  Kohlensa'ure-Gehaltes  und  l)emachligl  sich  allcr,  dann 
Ibslichen  Elenienle  (der  Alkalien ,  des  Kalkes,  des  Eisenoxyduls  und  eines 
Theiles  der  Kieselsaure  der  Feldspiilhe) ,  so  dass  xvenigstens  eine  theiKxcisi1 
Enfuhrung  des  urspriinglich<in  Gesleines  stallfmdet.  Noch  maunigfaltiger  isl 
der  zerselzende  und  losende  Einlluss  der  durch  solche  Processe  enlstehenden 
Solutionen.  So  xvird  das  anscheinend  alien  Zerselzungen  xviderstehende  Thon- 
erdesilicat  nieht  nur  von  kieselsanren  Alkalien,  freilich  nur  in  geringen  Mengen 
gelo.st ,  sondern  auch  von  schwofelsaurem  Kalke  und  Chlorcalcium  zerselzl, 
\\iihrend  Kalksilicat  ausser  durch  kohlensiiurehallige  Wasser  durch  kohlen- 
saure  Alkalien,  und  Flussspath  ebenfalls  durch  letztere  in  die  leicht  Ibslichen 


III.          l>\  II.IIIIIM'lll'      (lIMllllLIIC.  I,"!,") 

l-'luoralkalien  uml  kohlensainen  K;ilk  mni:o\\andclt  werden.  Ktirx.  liberall  trill 
die  Temlen/  <lcs  \\.issers  hers  or.  cnt\\eder  die  Gesteioselemenle  dheci  /n  losen 
oder  narh  Zerset/uni;  nnlosliehcr  Verfoiodungen  \\eiiii;steiis  cinen  Theil  der- 
selben  /u  enlfiihren.  (icwisse  Beaelionen  ue^eiiseilii;  .ml'  einander  ciimir- 
kender  Mtneralltisungeti  \civ.umTii  fivilirh  diesen  Process  der  AuslaiiiMini:  da- 
dureh,  diiss  von  iieueni  sehuer  losliche  Yerbinduni;en  enlslehen.  Diescr  Um- 
st.ind  trill  /..  B.  nil,  v\o  kieselsanrc  Alkiilicn  mi!  srli\\t'IVIs;iiirrr  M;ii:ncsi;i  odcr 
Chlorniagoesium  in  Hcnllirnni;  ^'liins^cn ,  \\olxM  kicsclsiinrc  Magnesia  ^childct 
\\ird.  I'crncr  \\o  dmrli  Scli\\  cfcluassci'slofV  ails  kolilnisanrcn  nnd  kiesclsamrn 
Mflallsal/.cn  ScliNxcfclinclallc  i^'lalll  \vcrdcn.  Solclu;  Voriiiiniit'  liallcn  den  \HS 
bugungsprocess,  NNclchcni  die  l-j-dki-ustr  iinU'rworl'ni  1st,  /\\ar  aul',  hcsclirankcn 
ilni  C|\N,IS.  ulciclitMi  iiin  alter  ht-i  \Vrilem  niclil  ans.  In  den  wasscrlialliiirn 
Silicalcn  der  Tlionerde  mid  Magnesia  selicn  \\ir  die  nur  in  geriiiijem  Maassc 
an.nn'il'harcn ,  nirht  ahi-r  die  "iinzlich  nnloslicln'n  Hilrkslande  dcr  Kxlraclions- 
proccssc  dcr  (icslcinc  \or  uns. 

§.  ;i.  Untcrinlisclui  AbsJitzc  aus  Mincralsoluiioneii.  \Vcnn  die  durch 
AuslaQgUDg  dos  Gefoirgsioneren  von  Scilcn  rcincr  odcr  koldcnsiinrclialli^cr 
\Va-scr  ciilsiaiidcncn  Minoralsolutioncn  mil  alinosphariscluM'  Lull  in  Ucriilininiz 
uclani;cn ,  \crdunslct  cin  Thcil  dcs  \Vasscrs  odcr  dcr  Kohlcnsiuire  und  die 
.inlucliisicn  Mineralsabstaoien  schcideu  sich  griisstcnilicils  ans.  Zu  diosem  Vor- 
u.ni^c  hiclcl  sich  in  Spallcn.  llolilcn  unil  Druscnraimien  iniu'rhall)  dcr  I'lrd- 
k  i  nslc  u  ltd  endlieh  anf  dcr  I'lrdohcrllachc  sclbsl  (lelciionlioil. 

Die  Mincralal»siil/.c  in  Druscn-  und  Bl  asonra  urn  en  hahcn  dcshall)  cine 
l^rossc  Hcdcnlunij:,  \\cil  sic  cin  liild  dor  Zorselzuni^s-  und  Auslaui^ungsproccssc 
^clx'ii.  \\clclic  inncrliall)  des  Gestcincs,  in  deni  sie  auflrelen,  vor  sich  Delicti. 
Am  Ichrrcichslen  si  ml  deshalb  die  MandelslcinlHlduni-iMi  in  y.usainmengcscUtcn 
kr\slallinisclicn  <Jcslcincn  \\  ic  Mclaphyr,  Basalt,  Phonolilh,  Diahas.  Die  Blascn- 
IMIIIMC  dcr  Mclaphyre  siml  von  Grllncrde,  Chalccdou,  Quur/,  Anicthysl,  Zeo- 
lilli(>n,  I'rehnit  und  Kalkspath  ansgefUllt  oder  incruslirl.  (Icwiihulicli  bildel 
die  (iriinenle  cine  leine  Uinde,  welchc  die  Wiinde  des  llohlraumes  auskli'idel. 
Ivs  niiissen  dcshall)  die  Gesleinsgemongtheile ,  vvelche  Eisenoxydul-  und  Ma- 
iiiiesiasilicate  enlhallen,  zuerst  zersetzt,  nebst  Thonerdesilicalen  fortgelilhrt  und 
/in  BilduiiL:  jener  Rinde  verwandt  vvordcn  sein.  In  diesem  Falle  ist  also  dio 
Xcrscl/jiiiii  des  Autjilcs  oder  der  Hornblende,  von  welchen  jene  Silicate  slainincn 
niiissen,  dcr  des  Oliu.iklas  und  Labrador  vorausi;ei:angen.  Dann  wurden  let/.- 
lere  und  die  ilbriucn  Kalksilical  enlhallenden  (iesleinseleinenlc  nnlcr  Bildnni: 
von  Kalkcarbonal  /.erscl/.l ,  \\elches  letzlen^  cnlucder  ini  Gesleine  zurilckblieb 
oder  falls  cine  genUgende  Menge  kohlensiiurelialliiicn  Wassers  vorhandcn  \\ar, 
ausm'lauiil,  in  die  IMaseni'iiniiie  uel'dlirl  und  dorl  abuescl/.l  \\nrde.  so  dass  diese 
nicht  sellen  \ollkoniinen  \on  Kalkspath  ausgeftlllt  siml.  Wurde  jedoch  anch  bei 
frischen  \\  asser/.ullilsscn  die  Kohlensiinre  von  der  Zci'sclxuni:  der  Sicicale  ab- 
sorbirt,  so  filhrlen  die  Ge\viisser  die  durch  lel/.ler\\iihnlen  Process  frei  gcwor- 
dene  Kieselsiiure  \\e|4  nnd  den  Blasenriimnen  zu ,  auf  deren  \Vanden  sich  die 
Solution  ausl)reilele.  Vcrdunslele  das  NVasscr,  so  schied  sich  die  Kieselsanre 
ans  nnd  bildcte  dilnne,  concenlrische  Chalcedon-Lagen  von  verschiedener  Fiir- 


l."»(i  III        l>\  ll.llllix  lie     fi 

bung.  Tral  spaler  cin  sehnellcrer  Zulluss  \on  .sich  lorl\\,ilirend  erneucrnder 
Kie.sekinre- Solution  fin.  \\elclie  den  Hiiuni  inncrhalb  dor  Chalcedon- Kruste 
ganx  ansfiillle,  sit  \\nrde  die  Verdunstung  aiisserordrnllich  beschrankl ,  die 
Aiisscheidnng  der  Kieselsiiui v  \erxiigert.  nnd  die  Moglichkeil  xur  Ausscheidung 
vollkommener  Quarz-  oder  AmetliNst-Knslalle  gegeben  .  \\ie  sic  haufig  (I. is 
Innere  der  Chalcedon  -  Drusen  erfilllen.  Auf  diese  Altsiil/.e  der  kieseligen  Snlt- 
sliin/.en  lolgen  die  der  Zeolithc,  so  des  Natrolilli,  Skolexit,  Desniin,  Slill)il, 
Analeim,  Chabasit.  Sic  verdiinken  ihr  Matcrifil  den  Silieaten  \on  K;ilk,  Natron, 
Kali  uiul  Thoiiordo,  \\elehc  bei  der  Zcrsetzung  der  Silicatgesteine  von  Sci- 
li-n  der  (leuiisser  aus  Mangel  an  Kohlensiiure  nirht  \ollsUindiii  in  (larlmnale 
omg^wandelt,  sondern  /inn  Theil  als  Silieate  forl^el'Qhrl  \\urden  und  l)estehen 
gewissermaasen  aus  regnerirler,  wasserfaalUger  Feldspaihsobslanz.  Deshalh 
linden  sieh  diese  Zeolithe  nnr  in  den  Hohlraumeii  von  Gesteinen,  welche  leicht 
/ cr.se | /I »are  I;eldsp;ilhe  enlhalten,  nieht  aber  in  Orthoklas-Gesleinen  \\ie  Granil 
und  Polsitporphyr.  Aus  diesern  Grunde  kommen  auch  natron-  und  kalkhahi^e 
Zeolithc  hiiufiger  vor  als  kalihallige.  Je  nachdem  die  Gowiisser  in  gewissni 
IVi'ioden  treie  Kohlensaure  entliiellen,  fiihrten  sic  den  Druseni'auinen  kohlen- 
s.nnen  Kalk  xu,  dessen  Absatz  dann  mil  dcni  der  Zeolithe  wechselt. 

In  den  Phono  Ml  hen  widcrsteht  zwar  der  Sanidin  als  Kalileldspath  der 
Zersetxung  harlnackiger,  dahingegen  begilnstigen  zvvei  andere,  natronreiche  und 
sehr  leiehl  zers(>ixbare  Gernengtheile ,  der  Nephelin  und  Nosean ,  die  Bildung 
von  Zeolilhen  und  zwar  namenllich  von  Natrolilh,  \\elcher,  b(>i:leitet  von  Des- 
niin, Apophyllit,  Chabasit,  Analcim,  Kalkspath  und  Hyalith  fast  liberal  I,  u<» 
I'honolithe  aultreten,  die  Drusen-  und  Spaltenriiume  dieses  Gesteines  auskleidet, 
\\ahrend  deren  ringebung  oft  fonnlich  ansgelaugt  erseheint.  Sehr  hiiufig  findet 
eine  forinliehe  gesetxrnassige  Aufeinanderfolge  dieser  Mineralien  statl.  Kalk- 
spalli  ist  dann  gewbhnlich  die  jiingste,  Analcim  die  alteste  Bildung,  z\\isehen 
\\elche  die  Entslehung  von  Natrolilh  und  Apophyllit  falll. 

Ebenfalls  sehr  reich  an  Miueralabsiitxcn,  die  von  der  Zerselzung  und  Aus- 
laugung  des  Nebengesleines  herslaiDtnen.  sind  die  llohlrauine  der  mandolstein- 
arligen  Basalte.  In  ihnen  haben  sich  Chalcedon,  Opal,  Ilyalilh.  Qn^rz,  Ame- 
th\sl,  Kalkspath,  Aragonit,  Sphaerosiderit,  Dolomitspath ,  Grilnerde,  Desinin. 
Slilbil.  N.itrolith,  Analcim,  Chabasit,  Apoplnllil,  llarmotom ,  Laumontil,  Prehnit 
nnd  andere  Silicate  angesiedelt.  Auch  bei  ihnen  liisst  sich  eine  geselxm.issiue 
Heihenlnlgi-  ihrer  Kntsteliung  beobachtcn.  So  folgt  der  Kalkspath  in  den  Basalt- 
mandeln  des  bohmischcn  Willelgebirges  stets  ersl  auf  die  Zeolithe.  ini  Sieben- 
geliii-ge  auf  Chaleedon  und  Sphaerosideril.  An  sehr  vielen  Punklen  jedoeh  ist 
dci-  \ci\vitlernde  Basalt  reich  an  Schniiren  und  Neslern  von  reinem  kohlen- 
saurem  Kalke.  also  Kalkspalh  und  Aragonit,  \\iihrend  Silicate  fehlen :  hier  \\ar 
dtMiinaeh  die  Bildung  und  Fortfiihrunng  \on  Kalkearl>onat  dnrcli  kohlensiinre- 
halligc  NViisser  der  aussclilicssliclie.  bei  dem  Voru alien  der  Zeolithe  jedoeh  die 
Anllosung  der  unxersel/.ten  Silicate  der  \\esenlliclie  Vorgang.  \\.ihrend  dort.  svo 
Chalcedunc  nnd  Huarx  <lie  Hanptausfiillungsinasse  bilden,  sUsse,  also  von  Kohlen- 
s.nire  IVeie  \\.isvcr  die1  dnrch  Zei'setximg  der  Silicate  freigewordene  Kiesels;niic 
fortfUhrlen  und  ausschieden. 


III.    D\  n.lmisclic   llenlo^ie.  ^57 

(Ian/    iihnlich    wie    in   Drusoiiriimnon   koimlen    die  dem   GebirgSlfiDern   eul- 

gtamroenden  Solutionon  ihrcn  Ilineralgehalt  in  Spa  I  ten  abseteen,  Durch  all- 
miihliohe  Ansl'i'llliing  der  lety.tereii'  cjitsldien  M  i  ne  ra  I  gii  n  ge.  Diese  I'iilnvu 
entwcder  nnr  Kalkspath,  Ouary.,  Sclmerspath  odcr  Flussspalh,  odor  aber  nebcn 
dieseu,  j.i  selli.sl  aussehliesslieh  Kr/e,  YOU  \\elchen  die  des  Kiseiis,  Hides,  Kupfers 
mid  Silbers  die  -evNolmlichsten  sind.  Der  Kalkspath  stamml  onlwodor  von 
der  direeleu  Aullosuiii;  der  Kalkslcine  daher  die  Hauliukeit  \on  Kalkspalh  in 
Spaltrn  dor  KalkstcinfonnatioiuMi,  odcir  von  dor  /rrsrt/.unu  dor  Kalksilicalc  dcs 
Nchfiiiiostt'iiu'S.  Dcr  Ouary.  ist  oin  Al>salx.  aus  (Jowiisscrn,  \\olche  sich  bci  dcni 
Id/I  i-i-Nviilinlon  I'roccssc  mil  der  freiwerdenden  Kiost'lsiiiiro  holadcn.  Der 
Srlmrrspalli  schcinl  sirh  aus  (JuclhNasscrn ,  welchc  kohlensauron  liaryl  enl- 
liidtcn  mid  mil  scliNM'Iclsaiirc  Alknlien  fllhronden  Gewassern  /usainnu'iikainon, 
odcr  aus  Clliliu  l»ar\ um-Losung  ln>i  Vennischung  mil  schwefelsauren  Kalk  odcr 
sclisNt'lVlsaurt1  .Magnesia  lialliiicn  Wassern  ausiicscliicdtMi  zu  hahcn.  Der  I-'Inss- 
spalh  iK-lanut  in  die  Gani-spalUMi  dndurch ,  dass  kohlonsaurc  Alknlien  die  zu- 
I'iilliiicn  Flusss[)a(hi;i>inoni:lli('il(>  des  Nebengesteines  zerselzlen,  wodurcli  sich 
l-'limralkalien  bildelen,  \vclche  als  Losung  in  die  Spallrn  ud'iihrt  und  liier,  falls 
sic  mil  Kalksiliraton  in  Berilhrnn^  kainen,  die  Auscheidung  von  Flussspalh  veran- 
lasslfii.  r«>brigens  isl  dieses  Mineral  auch  in  26,923  Theilen  reinen  Wassers  los- 
lich  und  Linn  doshalb  auf  dii'eclem  Weg*'  zuin  Absalze  in  Spallen  gelangen.  Kben- 
so  \\ie  in  Mandcl-  und  Di-iiscnriiuuicn  kiinnen  auch  Silicale  und  zwar  naiut-ul- 
lich  /t'olilhc.  in  (J;ini:en  auflrelen,  wohin  die  Elemente  zu  ihrer  Bilduui:  in 
ijeloslein  Zuslande  iicfiihrl  werden.  So  sind  die  Andreasberger  Silbererzgttnge 
rcich  an  llannoloin,  Apophyllit,  Analciiu,  Slilbil  und  Desmin,  —  die  Kii|»ler- 
uiinuc  am  Lake  Superior  in  Nord-Amerika  an  Apophyllit,  Analcini ,  IVehnil, 
l.aiiinoiilil. 

Das  Auftreten  von  Erzen  in  Gangspallen  isl  dadurch  bedingt,  dass  los- 
lirhr  MeUillsal/.e  durch  Gewa'sser  in  jene  gefUhrt  und  darin ,  falls  sic  mil  ge- 
\\lssen  anderen  Subslany.cn  yAisaminenlrert'en,  als  schwerlosliche  Schwefcliuclallc 
mill  .Mciallu\\dc  abitcschieden  werden.  Geschiehl  lelzleres  nicht,  so  sind  sie 
an  dicscr  Sidle  fUr  die  Krzbildunu  \crloren  und  werden  \on  den  (Je\\iissern 
\\eii.-i  mil  fortgenommcn.  Die  Silicate  von  Zink,  Kupfer,  Nickel  und  Silber 
sind  in  rcincm,  kicsdsaures  Hlei  in  kohlensaure  Alkalien  haltigem  Wasser  liis- 
lieh.  Kniiimcn  dahcr  diese  Silieale  in  den  (iebirtzsizesleinen  vor,  so  kounen 
sic  dureh  (Jeuiisser  in  die  Gangspallon  gefUhrt  werden.  Ganz  ausserordeut- 
lidi  \\ii~d  diese  Auslaugung  dadurch  erleichlerl,  dass  kohlcnsiiurcliallii:e  \\assei 
diest-  Silicate  /.erset/cn  und  die  so  gebildolcn  darbonale  mil  der  aus^cschiedenen 
kiesdsiiure  in  die  Spallenraume  bringen.  Kndlieh  kuuiien  sich  auch  durch 
<)\\d;iiioii  von  mi  Nebengeslein  eingcsprenglcn  SdixNel'dmrtallen  sch\\el'clsaurc 
.Meiallo\\de  ^I'.iscn-,  Kupfer-,  Zink-,  Nickel-,  Kobali\ ilriol)  bilden  und,  well 
nisverordcntlich  leichl  loslich,  den  Spalten  /uslroinen.  Hier  land  also  e-incrscits 
cine  Ansammluiii;  son  Silicaten ,  darbonalcn  und  Sulfalen  von  iMdalloxydeu 
stall,  auf  der  anderen  Seilc  \%ar  die  .Mndidikeil  dcs  Zulrilles  von  ScliNNelel 
NN.is.serstou"  halliizcn  (icNNiissern  geboleu.  seiche  ihren  Geliall  an  dieser  Schwe- 
felverbindung  ineist  der  Zerset/ung  sch \\efelsaurer  Salze  durch  faulende  orga- 


I  ,">*>  III.    Dynamisi-lie   (Jeologie. 

nisrhc  Snbslan/en  \erdanken.  Famlcn  die  gcringslen  Spuren  dieses  (iases 
/ulritl  zn  den  Meiallsal/.solulionen.  so  sdiicdcn  sicli  SchwefeltneCalle  aiis.  l);is 
so  hauligc  Yorkoinincn  znsainmengesclzlcr.  Schuefelmetalle  set/I  \or.in>.  dass 
aut-li  in  den  deuiisscni  mrhiviv  Melallsal/.e  in  gcineinschaftlichcr  Ldsung  \\aivn. 
\\..  rs  in  (iangen  an  Sdi\\elcl\\asserslofV  fehlle  ,  da  schiedcn  sicli  die  Kr/.c 
in.  hi  ills  SchwefelmeiaUe,  sondcrn  als  sdiweHdslidie  iMctallsal/.c.  als  (larbonale 
mill  Phosphate  odcr  in  Ycrbindung  mil  Melallsaurcn  aus,  oder  sic  kainen  gar 
iu>  hi  /inn  Aksal/e,  sondern  \\unlen  in  \\iisscriger  Losung  fortgefiilirt.  So  siiul 
di.-  (liinuf  \<m  Brauneisenslein  und  Spathciscnstcin  enlstandcn.  Kohlcnsaures 
Kisi'in>\\dnl  ;:inii  ans  del1  /crsct/nni:  dcr  Silicate  dieses  Metalles  hcrvor  und 
\Mirdc  in  die  (Janizspallen  L't-fiihrt.  \\o  es  sicli,  je  nachdcin  die  atmnspiinsclic 
I. nit  Xulrilt  hatlc  odcr  nicht,  als  Eisenoxydhxdrat  hraiineiseiislein  odcr  als 
kolilens.inres  lliseno\\dul  (Spatheisonstein)  abset/.tc.  -  Die  liesclirichcnc  I'-nt- 
steliunLjsxvcisc  s-e\visscr  Mr/i;iini:c  durch  Kxtraclion  dcs  NeheiiLrcsteincs  ist  jedoch 
nicht  auf  die  Genesis  siininitlicher  (ian;je  aus/.udclinen.  Viele  dcr  let/tcren 
vcrdankcn  \ielniclir  M  i  n  era  1  que  I  len  ,  welehe  aus  der  T  i  e  f e  cinpor- 
uestieizen.  ihren  Ursprunii. 

In  i^anz  analoser  Wcise  \\  ie  auf  Spa  Hen  konnlen  die  mil  Mincralsubstanzen 
hcladeiien ,  unterirdisch  eirculirenden  (Ie\\iisser  auf  Hohlen  IrelVen  und  hier 
cinen  Theil  ihrer  Last  abselzen.  Am  ge\vohnlichslen  war  dies  mil  LosmiLien 
von  do])pelt  kohlensaurem  Kalke  der  Fall,  aus  \velchem  sic-h  bei  dcr  Vcr- 
dunstuni!  des  Wassers  oder  nach  Verdriingung  der  halb  gebundenen  Jvohlcn- 
siiure  durch  die  atniospharische  Luft  kohlensaurcr  Kalk  ausscheidel.  Diesel 
bildcl  dorl .  \vo  die  Solution  ziemlicli  reichlich  iliesst  und  sich  auf  den  \Van- 
dungen  der  Hohle  ausbreitet,  mehr  odcr  \veniger  dicke  Incrustationcn.  an  Punklen 
al)er,  an  denen  die  Wassertropfen  so  langsatn  fallen,  dass  sie  an  der  Iliililen- 
decke  hiiniieu  bleiben ,  bis  sich  ein  Theil  des  Kalkspathes  ausscheidel,  resul- 
tiren  ciszapfenartigc  Gebilde  von  Kalksinter,  die  Stalaktiten.  An  den  Stellcn. 
\\d  die  fallendcn  Tro])fen  aufschlagen,  findet  der  Absatz  des  let/ten,  bis  dahiu 
noch  in  Losung  befindlichen  Restes  von  kohlensaurem  Kalke  stall,  der  zur 
Rildung  von  Sta  lag  in  it  en  Vcranlassung  giebt.  Diese  \\achsen  alliniihlich  in 
die  lli)he,  also  den  Stalaktilen  entgegen,  bis  sie  sich  zuweilen  mil  diesen  ver- 
eincn  und  dann  Ka  1  ksin tersii u  1  en  (Orgeln)  bilden.  Nichl  immer  ist  e> 
rlioinbn(;drischer  kohlensaurer  Kalk.  Kalkspalh,  welcher  auf  diesem  \Vcge  zuin 
Absal/.e  gelangl,  sondern  zuweilen  auch  und  zwai'  \vahrscheinlich  in  hike  der 
Verunreinigung  der  ursprilnglichen  Losung  durch  frcindartige  Sulistan/.cn.  Ara- 
gdiiit.  Dies  ist  namentlich  in  der  Hohle  von  Antiparos  dcr  Tall.  Ildhlcn  im 
Kaikstein^ebirgc,  in  \velchen  sich  Slalaklilen  linden,  sind  ausscrordentlich 
hiiulig.  .lede  dersell)en  ist  ein  lehrreiches  Hcisjiicl  dafilr,  dass  (ie\\;isscr.  \\elche 
durch  Spalten  und  Klill'tc  dcs  Kalkslcines  sickcrn ,  mil  lliilfe  frcier  Kohlcn- 
sa'iire  kohlcnsanren  Kalk  audosen  und  denselben  in  Hohlriinincn  in  Folge  lang- 
samei-  Verdunslung  dcs  \\'a>>crs  und  dcr  Kohlensiiure  \vicdcr  abset/.en.  S.-l 
tener  sind  die  Falle,  \vo  in  Hohlen  SchwefelmeiaUe  in  iihnlichcr  Wcisc  wie 
in  Spallen  /ur  Abiagerung  gelanglen.  Die  grossartigslen  hicrher  gehdrigcn  Vor- 
kiunmnisse  sind  die  Ulciglan/- .  S4-h\\cfclkics-  und  /inkhlemleabsat/'-  in  den 


III.    l)Nii;mii«-lie   lieulou'ie.  !">'.) 

lldhlen  (Ics  dolomitischen  Silurkalkes  der  Bleiregion  ;mi  obercn  Mississippi,  an 
deren  \\andunuen  sir  nicht  nur  als  I'ussdirke  Kruslen  aul'livten,  sondern  auch 
in  liniendicken  l,auen  nut  Kalksinter  abvvechselnd  die  regelmassigslen  Slala- 
kliten  bilden,  vvelelie  dann  aid  dem  Otierhruclie  lauter  concentrische  Binge 
jener  Kr/e  mid  /vvischen  diesen  solche  von  Kalksinter  /eigen.  Khcid'alls  ver- 
haltnissmiissig  sellene  Erscheinungen  sind  die  von  krystallisirlen  Mineralab- 
siit/en  und  /.war  vor/.Ufdirli  von  Hci^krv stall  ansiickltMilclcn  Holilm  ill)  Granitt', 
die  s..u.'iiannU'ii  Krxstallkeller.  Sic  linden  sicli  /.  B.  ini  (iranite  dcr  Alpcn, 
nanit-ntlich  in  Savoxen  und  der  Schvvoi/.  Ht-sonders  l»«M'iilnnt  sind  die  Kry- 
slallhiililen  des  /inkensloekes  mi  lierner  Olterlande  und  jene  des  \  ieselier 
Thales  und  von  Naters  im  Canton  Ohervvallis,  \velche  let/lere  Ouar/.kiyslalle 
MIII  inehr  als  einein  Meier  Ihnrhmesser  L'eliel'ert  hat. 

§.  (').  Miiieralquellen  und  deren  Absiitze.  Diejoniiien  in  Liisuns;  l>e- 
tindlielien  MineiMlsnlistan/en".  welelie  \veder  in  Blasenriiunien  noch  in  Iliihlen 
oder  Spalten  /urn  Altsal/  p-laniittMi,  fiiliren  die  Ouellen  der  K  rd  oherl'l  ii  c  li  e 
/u,  auf  vvelclie  die  \\asser  urspriinizlicli  als  reines  Heyen\vasser  niederiiefallen 
\\aren,  uiu  jel/l  nacli  erfolureich  zurlickgelegter ,  unleriixlisdier  Laufbahn  als 
Mineral(|uellen  /u  derselben  zurUckxukebren.  Hier  an^olanLit  entledigen 
si«-  sidi  last  alter  ilirer  Bestandtheile.  Am  reichsteu  an  solchen  sind  die  Sauer- 
(|iielleii.  \\elche  in  der  Kohlensiiure  ein  ausserordentlicli  wirksames  LOsuniis- 
iind  Xerset/iniiisinittfl  l>esit/en,  \viilirend  die  "owolinliehen  sUssen  Quellen  viel 
\\eniiier  niineralische  Substan/en  mil  fortfllhren.  Sehr  selten  finden  sich  Quell- 
\\asser,  \\elehe  nicht  weni^stens  Spuren  von  ChlorUren,  in  den  meislen  Fiillen 
von  Chlornatrium,  neben  diesein  von  Chlorkalium  und  Chlonna^nesiuni  /eiuen. 
Ks  ist  dies  selbsl  bei  solcheu  der  Fall,  welche  aus  Granit,  Porphyr,  S\enit? 
Basalt  und  Traehvl  emporbrechen.  Quellen,  welche  einen  so  bedeutenden  I'roeenl- 
sal/.  von  Chlornatrium  aufgelttst  enthalten,  dass  sie  sich  zur  Gewinnung  von 
Kochsal/.  eiiinen ,  bezeichnet  man  als  Soolquellen.  Neben  ChlorUren  sind 
Brom-  und  .lodverbinduiiLren  als  Bestandtheile  vieler  Minerahjuellen  bekannl, 
dasselhe  gilt  von  Fluoralkalien  und  Fluorcalcium.  Von  Sauerslollsal/.en  sind 
do|tpell  kohlensaurer  Kalk ,  doppelt  kohlensaure  Magnesia,  kohlensaures  Kali, 
Natron  und  Eisenoxydul  die  hiiufigslen ;  sie  resulliren  zum  grossen  Theile 
aus  der  Zerset/ung  von  Silicatgesleinen.  Die  Grossartigkeit  dieses  Processes 
lii-lil  aus  Fiilgcndrni  hcrvor :  10,000  Pfund  Wasser  eines  Sauerlinges,  \vclchc 
nur  1,:i  I'l'und  kohlensaures  Natron  (eine  verhiillnissiniissig  sehr  unlu'lriichl- 
lichc  Meii-c)  cnlhallen,  mussten  zur  Erlangung  dieses  letzteren  6,5  Pfund  Na- 
tronlVldspalh  zersetzen.  Eine  derartiize  Mineralquelle,  welche  (wie  z.  B.  eine 
solehc  in  der  rmgrliuiii;  von  Burgbrohl)  in  24  Slunden  76,302  Pfund  Wasser 
liefert ,  verlangt  dahcr  ftlr  diese  Zeit  die  vollsliindige  Zcrsetzung  von  49,6, 
mithin  filr  ein  .lahr  von  18.104  Pfund  Natronfelds|>ath ,  urn  die  in  ilini  enl- 
haltcnc  Menge  von  kohlensaurem'  Natron  ervverben  v.\i  konnen.  Da  nun  die 
Zahl  der  kohlensaure  Alkalien  fUhrendon  Sauerlinge  ausserordentlich  bedeulend 
ist,  so  kann  man  auf  die  cnorinc  Tragvveitt'  des  (lurch  sie  einp-lcileten  Zer- 
scl/ungsproeesses  schliesseii. 

Niiehsl   den  ChlorUren  sind  unter  den   in   rcinem   Wasser  liislichen  Mineral- 


Hill  III.     IK  iKimisdie    (it'o|oi;ic. 

subslati/en  die  BCbweCelsauren  S;il/c  die  hiinligslen  und  \\allen  ill  mandien 
MineraNpiellen  N  or  den  iibrigcn  BesUtndtheileD  \<>r,  MI  das  sdiNvdelsaiirc  N.I 
Iron  in  den  (!;irl.sli;iili'r.  .Marienbader  und  Franzensbader  Quellec  und  derG\ps 
iii  sclir  Nielen  Ge\\asserii.  IMiosphnrsaiire  lindcl  sirh  ,m  Alkalien  odcr  K;ilk 
gebundcn  /iemlidi  liaulig,  Nvenn  .ideich  in  geringeren  .Menken  in  Rboeralwassefn, 
als  pliiisphorsaiire  Tlionerde  niclil  scllen  in  slacken  Saucrlingcn.  Kiesclsaiirc 
Alkalien  koiiuiH'ii  in  Nieleii  OuellNNiissern ,  weldic  ;ius  Gran  it-,  Gnei.ss-  odcr 
PorphyrantergrUDd  licrNorhrcchcn  .  NNCIIII  aucli  incisl  nnr  in  L;crini:cr  .Mcn^c 
vor;  viel  seltcncr  cnlliiiltcn  sic  Silicate  \oii  K;ilk,  Ma^ncsi;i,  Tlinncrdc  odcr 
Kiscno\\dul. 

.Ic  narli   ihrcni    liiiiiicron  odcr   kiir/crcn   VcrNVoilen    in    loslichcii    (icslcincn. 
werden  die  (JcNviisscr  niclir  odcr  weniger  von  diescn   mil   sicli   fiilircn  .    --  i:c- 
siilliulc  Solutioncn  jcdocli  sind  nur   von  Kochsalz  und  <i>ps  hckannt.      Nai-li^-c 
\\icscn    sind    bis  jetzt   in    den    GeNviissern    dor   Krdoberlliichc    folizcndc    Stollc. 
welche  siiinintlich  durch  Extraction  der  Gcslcinc  doiiliin   eclaniil  sind  : 

\)  Snlzbnsen:  Natron,  Kali,  Lilhiou,  Kalkcrdc.  Magnesia,  Sti'onliancrdc. 
BarUerde,  Thonerde,  Eisenoxydul,  Manganoxydul,  Zinkovyd,  Kupforoxvd :  Xinn. 
Blei,  Silber,  Antinion,  Arson,  Nickel,  Kobalt,  wabrscbeinlieb  ancli  als  Oxulc. 

2)  Sa'uren:     Kolilcnsaurc,     Schwefelsaure,    Salj)clcrsiinrc,     Hiospliorsiiurc. 
Borsaure,   Kieselsaure,   Schwefelwassersloffsaure. 

3)  Salzbildner  uud  Metalloide:   Chlor,    Brom,  Jod,   Fluor,   ScliNvcfel. 
Quellabsal/c  von    kohlensaurem  Kalke  gelioren    zu    den    gewtthnlichsten 

Ersclieinuniieii,  von  denen  die  an  Kalkslein  reichen  Gegenden  Deutecblanda 
/ahllose  Bcispiclc  licfern,  unter  welchen  die  Erwa'hmmg  der  KalktulVablage- 
rungen  NOH  Cannsladt,  von  Tonna  bei  Gotha,  von  Weimar,  von  Vlotho  geniigl. 
Kauni  irgend  ein  Land  vermag  indesseu  so  ausgezeiclinete  Kalksintcrahsiit/c 
aufx-UNNcisen  als  Ilalien,  wo  die  kalkreiche  Kelte  der  Apeninen  das  .Material 
diescr  Traveiiinablaiieruiiiien  liefert.  Am  reiclilichsten  und  grossarligslen  gclil  die 
TraNcrlinbildung  an  den  Cascaden  von  Tivoli  vor  sich.  Audi  Absiit/.e  Nun 
KisenoxydliNdrat  bilden  sieli  an  zahlreichen  Punklen,  so  in  der  Umgeluing  des 
Laaelicr  Sees  vor  unseren  Augen  aus  Eisensiiuerlingen.  Man  hat  bci-echnet, 
dass  die  Mincralijuellen  jener  Gegend  in  1000  Jaliren  ein  Kisenockerlaiier  NOII 
ungdahr  f/s  Quadrat-Meile  (Jrb'sse  und  '/3  Meter  Miirliligkeil  abscl/.t-n  kiinnen.  Au^- 
der  bercils  erwiilinlen  Sool<piellc  N  on  Neusalzwerk  in  \\~eslplialen  set/en  sich 
sclir  belraclilliclie  Mengen  \on  Kalksinter  und  Kisenocker  jedoeh  in  sehr  1111- 
deiclien  Verhiiltni.ssen  ab.  In  der  Niihe  der  AusllussoH'nunii  schliigt  sich  I'jsen- 
o\Ndh\dral  nebst  wenigem  kohlensaurem  Kalke  nieder.  N\iilirend  in  gi'osscrer 
EnUernung  von  jenci-  kolilensaurer  Kalk  vorherrsdit.  Dies  ist  die  l;olge  da- 
NOII,  dass  der  Absat/.  des  l'.iscii()\\dliN(li-ates  durdi  doppelte  \Virkung.  neliin- 
li<-h  durdi  Verlliidiligung  der  Kolilensiiure  und  gleidi/.eilige  lioliere  Oxulation 
des  KisrnoxNdules,  -  der  Absat/.  des  kohlcnsauren  Kalkes  alter  nur  durdi 
VerflUchtigeD  der  halb  gebundencn  Kolilensiiure,  also  langsaincr  Nor  sidi  gelil. 
1.^  /.eigt  dieses  Bcispiel  .  \\  ie  sidi  aus  ein  und  dcrselben  Ouelle  Lager  oder 
(i.in-c  bilden  kiinnen  .  Nvddie  tlieils  aus  Eisenocker,  tlieils  aus  Kalkslein  be - 
sldicn.  hie  Soiilipifllc  NIIII  .Nen>al/.\\crk  brinut  jjilirlieli  :{7»i  Kubikineler  koMcn- 


III.    Ihnamisrlie  <ieoloL;ie.  161 

samvn  Kjilk  uml  IT  Knl.ikmctcr  Kiscno\\dh\drat  ;mf  die  Krdoberfliiehe,  kurz 
erfQlll  die  HediniMinuen  /ur  Bildung  der  n.aehtiuslen  Kranneisenstcin-  und  Kalk- 
spalhablan.-rmuicn.  \\.-nn  soldi,-  (ieuiisser  .lal.rtauscnde  Ilicssen.  In  iihnlk'her 
\\eise  uie  kohlensaurer  K.-.lk  l.ilden  sich  /..  B.  in  Obersehlcsicn  und  l>ci  Stoll- 

IMM-  nnlcrn  Aachen  aus  den.  dorliiien  F.  r/la^crstalten  enlqucllenden  Wassern 
[Derustate  von  /inkspalh.  NVben  Carlumaten  sind  Quellahsat/.e  \oi»  Kieselsiiure 
sirl.r  |»;IL-.  I  :M  -  ifpn  F.i.scnkk's  (/.  B.  bei  Burgbrohlj,  naiiH-ntlicli  abcr  von  Gyps 
bekantrt.  Letatere  mtstch.-..  nb.'i-all  da,  wo  gypshaltige  Gewllsser  verdunston ; 
dalu'i  lindfii  sirh  (ixp>kiN>iallr  und  Gypsiucrustate  so  haufig  in  Thonlagern, 
in  Mcrtirln.  in  (i.-riill-  und  Sandal. laucnrngt'ii,  an  den  Wandungen  von  Gruben- 
baiiUMi  und  liiiiiis  dcr  MenvskUste. 

§.  7.  Dem  Meere  zugeftthrte  Mineralsubstanzen.  Die  mineralisch.  n 
Subsian/.-n.  \N,-|(-|M-  sich  aus  ihren  wSsserigen  Losungen  Weder  in  llol.lrau.nrn 
defi  Kidinnrivn.  nodi  lu-i  dein  Austritte  der  Quellen  an  die  Tagesoberflad>«- 
absrl/.rn.  \Nrrdm  di>n  Biichcn  und  Flitssen  und  von  dicst-n  dem  Meere  zuge- 
liil,n.  Aus  der  rntcrsudinnu  /.ahlivi.-l.ci-  StrOme  hat  sich  herausgestellt,  dass 
miter  alh-n  ihren  anoi-anischen  Bestandtheilen  der  kohlensaure  Kalk  in  grosster 
M,,^,.  No.konnnt,  so  dass  z.  B.  der  Rhein  in  100,000  Theilen  seines  Wassers 
'.i .Hi  Tl.iMh-  dieses  Carbonates  oder  bis  75  Procenl  der  Gesaramtheit  seiner  ge- 
lii>i«-n  H.-standtheile  enlhiilt.  Kohlensaure  Magnesia  findet  sich  in  den  FlUsseu 
„„,.  in  dor  "rrinii.'ii  Mrnj:.',  in  welcher  dieses  Carbonat  in  dcr  H.-izcl  den  Kalk- 
steineo  beigemisohl  1st;  .»ur  dort,  wo  die  GewSsser  dolomitische  Gesteine  durch- 
sdbeideo,  wird  ihr  Gehalt  an  kohleusaurer  Magnesia  bedeutender.  Der  Be- 
trag  ilM  s,!iNNt-l.-lsau.vn.  kalkt-  kniiunl  in  vielen  Fliissen  dem  an  kohlensaurem 
Kaik.-  nah.-.  in  .'in/eliH-n  FiilltM.  iilnM-triH't  er  ihn  sogar.  Ahnliches  ist  .nit  der 
srlmHHsau.vn  .Maiin.-sia  der  Fall.  Die  Menge  der  (Chlortlre  jedoch,  welche  dem 
Mr»-iv  /u-Hulul  N\rrd«-n,  ist  eine  seh'r  unbedeutende  und  mehrt  sich  daher  in 
vie!  ii.M-iiiiieivin  Vrrhiiltnissr  als  die  gcnannten  Sauerstoffsal/e ;  noch  viel  unbe- 
n-achtlirhrr  isl  dt-r  Silicatgehalt  der  FlUsse. 

Die  minrralisrhen  Bestandtheile  der  letzteren  sind  grossen  Schwankunuen 
unH.n\orf»M».  In.  Soinnu-r  und  Winter,  also  in  dcr  trockenen  Jahreszeit  und 
j,,  d.-r,  wo  dcr  Bnden  mil  Scl.nci-  und  Kis  l.cdc.-kl  ist,  sind  es  nur  die  Quel- 
Irn.  welche  die  Fliisse  speisen,  dann  ist  der  Mineralgehalt  derselben  am  be- 
denln.dsirn.  /ur  n;,ssen  .lalires/eit  l.in^egen,  wo  die  Regen-  und  Schnee- 
I.ei  Wcilc.n  mehr  als  .lie  OuclluasM-r  betragen,  sinkt  der  Gehalt  an 
Heslandlheilen  I.erab  und  wi.il  xnn  d,-n  merk.nisrh  suspend.rlen 
Tlieilchen  stark  ilbrr\>oi(en. 

Di,.  Ouanlitiil  dcr  NO.I  den  FlUssen  den,  MC.M-C  /u-cfiihrten  mineralischen 
Iteslandll.eile  crsch.Mnt  auf  den  .M'sten  Klick  schr  .,nl,e(l,-utend,  stellt  sich  je- 
,|,,,.|,  in  ih.vr  Nxah.vn  GfOsse  da,  .  .sul.ald  man  die  eiioriiien  Wassermassen  ... 
lvll,K.hl  iieht,  wetehe  sini,  dem  Oceanc  zustromen.  Da  FlUsse  wie  der 
Ulu-in  die  Donan,  die  Hl.une  ,.,,d  di.-  Klb.'  .niiidestous  '/^  minerahsche  Sub- 
stan/e'n  in  au^elttstem  /i.slande  enlhallen ,  so  fuluvi.  sic  den.  Meere  in  8 
.|;,hrcn  sovicl'/.u.  als  das  (lewicht  iluvr  jiil.rlichen  Wassermasse  betragt,  - 

Credner,  Klcmonte  cl.  Oeologie. 


i:enilt:ende  Menuon  IHII  mi  I  .a  ul'e  liini:erei  i:eologischor  /eilriinmo  d;is  Material 
(In-  machligsion  Kalkstoin-  und  QypsformationeD  /u  licfern. 

Iin  Meeres\\asser  selbsl  sind  bis  jelzl  abgesehen  \nu  Saiiersloll'  mid  \\.is- 
Nersloil.  sou  io  organischon  Substanzon  folgonde  Stoll'c  iiadiLieu  iesen  \\orden 
Chlor,  \\elches  niichsl  den  Be$tatodtheilen  des  Wassers  die  L'riissle  .MeiiLie  dor 
mi  Aleero  \orkommenden  Klemenlo  ;iusin;iclil ,  Hnun .  .lod.  Fluor.  Sdi\\  fl'd 
(;ds  Srli\M'l'cls;iinv  und  Schwefelwasserstoff  ,  Phosphor,  KohlciislolV  ;ils  frcif 
oder  .'in  K;dk  und  Ma^ncsui  izfluindcnc  Kolilcnsiiurc  .  Siliciuiii  ;ils  Kirsrlsiimv  . 
Bor  (als  Borsiiuro],  Sill)cr  (;ils  Chlorsilbcr),  Kupl'cr,  /ink,  Blei,  Kol»;ill.  Nickel. 
I;.iscn7  Miin^an,  Aluminium,  Miiiinosiuni  niichsl  Chlor.  Scliucl'clsiiiire  und  N;i- 
triuni  iini  gewiihulichsten},  Calcium  (meist  als  kohlens;nircr  und  phosphorsaurer 
Kalk  odor  als  Fluorcalcium),  Strontium,  Baryum,  Natrium,  Kalium  und  cndlich 
hiichst  wahrscheititich  Arson  und  Lithium.  Von  diesen  29  GrundsloH'on .  also 
fast  dor  Ha'lfte  dor  bis  jotxt  bokannlon  sind  Chlor,  Schvvefelsauro ,  Calcium. 
Kalium,  Magnesium  und  Natrium  die  wosentlichslen  und  Ix-ti-a^cn  /.\\ischon 
3,21  und  3,84  Procent  des  Mooreswassers.  Dor  (lohalt  dos  letztoron  an  I'osti-n  Ito- 
standlhoilon  ist  cin  conslantor  und  schvvankt  nur  local  in  Folge  der  ungh-ichon 
Vordunstung  in  vorschiodenen  Breilongradon,  der  Schmelzung  grosser  Kismasson 
in  den  Polarxonen  und  des  Zuflusses  grosser  Strb'me.  So  ist  die  Ostseo  als  cin 
\t-rdiinntes  Meereswasser  7Ai  betrachten ;  daher  rilhrt  ferner  der  an  dor  Kiisic 
goringori>  Sal/.gohall  dos  Ocoanos ,  auf  der  anderen  Seite  ist  dor  dos  Miltol- 
liindischen  Meeres  etwas  bedeutender  als  der  des  Atlanlisch'en  Oceanos.  Nodi 
viel  grdsser  ist  die  DifTerenz  des  Salzgehaltes  des  Weltmeeres  und  soldier  Bin- 
nonmeere.  welche  zvvar  ZuflUsse ,  aber  keine  Abfllisse  besilzen  und  sich  dor 
/ustromenden  Wasser  bloss  (lurch  Verdunstung  entledigen.  In  Folge  davon  con- 
contriren  sich  nach  und  nach  die  ihnen  in  starker  Verdttnnting  xugfluhrton 
Minoralsubslanxon  wie  dies  namentlich  im  Great  Salt  Lake  in  Nord-Amorika 
und  im  Todton  Meere  der  Fall  ist.  Das  Wasser  des  lolzloren  onthiilt  ct\va 
2-2  I'rocent  Salze  aufgelost,  untor  welchen  Chlormairnosium  boi  \Voitom  vorwallot. 
\viihrond  Chlornalrium,  Chlorkalium,  Chlorcalcium  und  Brommagnesiuro  inohr 
zuriioklroten,  und  ist  augenscheinlich  eine  durch  Vordunslung  von  Meeroswassor 
entstandone  Mutterlauge. 

§.  8.  1 1  oh  Ion  hi  Id  mm  en.  Erdf  iille,  Erderschiitterungen  und  Schicliten- 
storungeii  in  Folge  der  unterirdischen   Thiitigkeit '  des  Wassers.    Wio 

orfolgreidi  die  Gewiissor  ihror  Aufgabe  nachkommen ,  dom  Innoron  dor  Krd- 
kruste  soviel  wie  mo'glioh  mineralische  Substanzen  zu  ont/iohon .  ergiobt  sich 
nidil  allein  aus  der  Quart titiit  ihrer  Absatze  und  des  inineralischen  (lehallos 
des  Fluss-  und  Meeresuassers,  sondorn  in  \iel  augenscheiolicherer  \V(>ise  aus 
dom  Massenverlnsle  des  (ieldrusinneren  selbst,  ferner  aus  dom  Kinllnsso  dioser 
Yolumenvermmderung  auf  die  Lagerungsverhaltnisse  dor  uber  den  boirollenon 
I'unklon  lioiiondon  Sdiichlen,  so\vie  auf  die  Gostaltung  dor  Krdoberllache.  Die 
aulViilligslon  dorarliuen  Krschoinungon  sind  Bildungon  \on  llohleiu  und  in  Folgo 
<lr>  /usaimnenstur/os  derselbon  KrdorschiUteninuen ,  SchichtenstdningeD  und 
Enifalle. 


III.    l)\  inmische 

1'iiter  den  Gesteinen.  sselche  einen  bedeulenden  Anllieil  am  Aufbaue  der 
F.rdkruste  nehmen.  Miid  cs  Kalksleiu .  Dolomil  und  G\ps.  sselche  in  griisslrr 
Menu.-  s,,m  YYasser  auluelost  sscr.len.  sie  sind  deshalb  auch  die  eigenlliehe 
lleimalh  derllohlen.  Die  meislen  der  lel/.teren  beslchen  aus  gessolbiihnlichen 
\\eitiin-en,  s\dche  (lurch  c.mal-  oder  spaltenlnrmige  Sehliinde  mil  einander  in 
Yeibindmig  slehen.  Diese  NYeitungen  Hegeii  eulweder  alle  in  demselben  M- 
\ciiu  oder  in  \crschicdcnen  lloheii  elagen-oder  slul'ensseise  iibereinander.  Die 
\\iinde  der  meislen  Kalksleinhohlen  sind  mil  Snlaklilen,  die  tier  (Is  psschlollen 
mil  (.spskrsslallen  uber/.ogen.  Der  Boden  s  icier  isl  mil  thoniuem  oder  lehmi- 
irem  Sclilammr  bedeck!  .  in  \\elchem  Skelellheile  son  Karen,  llsancn  u.  s.  ss . 
/usseilen  in  soldier  Menge  enlhalten  sind,  dass  man  sie  danaeh  als  Knochen- 
hohlen  be/eiehuel  hat.  Die  berilhmlesten  Hiihlen  im  Kalksleiu  sind  die  Adels- 
herp-r  Grnlle  in  Krain .  die  son  Casllelon  in  Derbyshire,  die  von  Anliparos, 
die '  Baumanns  und  Biels  Iliihle  im  llar/e ,  die  Kluterl  und  Dechenhohle  in 
\\eslphaleii.  -  dem  .luradolomit  uehort  die  Muggendorfer  und  Gailenreulh.-r, 
-  dem  /echsleindolomit  die  l.iebensleiner  liohle  an,  Hiihlen  im  G\ps- 

luhrenden  Gebirge  (is psschollen)  sind  im  grossartigsten  Maassslabe  (lurch  den 
Mansfelder  Ber-baii  aufgeschlnssen ,  wo  sie  den  sich  an  den  liar/  anlegendeu 
li.md  der  /cchsleinl'ormalion  in  \\eilausuedehnlen.  /.nsammenliangenden  und 
/.urn  Theil  mil  Wasser  anuefiillten  Systemen  dureh/iehen. 

reberall  dorl .  wo  die  Wanduugen  der  Hohlen  nicht  (lurch  einen  Panzer 
son  Kalksinler  izeschiit/t  sind,  arbeiten  die  Gewasser,  unterstUl/t  durch  Biielie, 
well-he  nicht  sellen  in  denselben  ihre  unterirdischen  Wego  verfolgen,  an  deren 
VergTttftseruDg.  Namenllich  ist  dies  bei  den  von  Wasser  gefulllen  Gypsschlollen 
dei  Fall,  NNO  lel/leres  unabliissig  losend  auf  alle  Seiten  des  Hohlraumes  wirkl. 
Die  Weiiunv:  und  die  Tiefe  soldier  Hohlen  iiimmt  so  lange  zu,  bis  ihre  Decke 
nichl  mehr  im  Slande  ist,  die  auf  ihr  ruhenden  Gesteinslasten  zu  tragen  und 
mil  diesen  /.usamm.-nl.richt.  Lag  der  Schauplalz  dieses  unterirdischen  Kreig- 
ni>s, •>  n,  I.  so  mag  sich  seine  l'.in\sirkung  nicht  in  sichtbarer  Weise,  sondern 
eiu/ii:  .lurch  stossartige  ErschUtterungen  auf  der  Erdolxjrfliiche  belhiiligen, 
lag  ei  der  lel/leren  naher,  so  bildeten  sich  ausserdem  in  Folge  des  Gesleins- 
na.-hsluiv.es  Spa  lien  oder  trichter-  und  kesselformige  Verliefungen,  Krdfiille, 
unter  alien  I'mstiinden  aber  wird  die  ursprUngliehe  Lagerung  der  Ubor  d.-n 
/.usammenbrechenden  llohlriiumen  belindlichen  Schichten  gestOrt  werden.  /ahl- 
reiche  locale  Krdbeben ,  wie  sie  kalk-  oder  gypsreiche  Gegenden  heimgesucht 
l.,i|, en,  scheinen  dureh  derarli-e  EinslUrae  und  Senkungen  erz.-ugl  svorden  /.u 
sein.  Ilierhrr  diirfte  das  Krdbeben  des  Visp-Thales  in  Wallis  im  Jills  und 
Au-usl  1855  zu  rechnen  sein,  welches  tlber  einen  Monat  andauerle  und  die 
Bildung  MUI  Spalten  in  ansl.-henden  Gesteinen,  in  Kirchen  und  Iliiusern ,  den 
l-iin.sluiv.  snn  M.mern  und  das  llerabrutschcn  von  Felsmassen  /ur  Folge  halt.-. 
Da  in  jener  (legend  nicht  Nsemuer  als  20  gypsfuhrende  Ouelh-n  h.-kanni  sind. 
dcivn  cine  allein  dem  Krdboden  im  Laufe  eines  -lahres  Uber  200  Kubikmeter 
G\ps  enlxiehl.  so  liegl  es  nahe,  in  der  mass.-nhaflen  Knlfuhrun^  dies.-s  (iestein.-s 
und  den  dadureh  bedinglen  unterirdischen  Kinsliirx.en  die  Ursache  dieses  wie 
zahlreicher  anderer  Krdbeben  zu  suchen,  deren  im  Laufe  der  lelzten  V/2.\^r- 

11* 


Mil  III.    Dynamteche  (Ifnin^ic. 

hunderte  (bis  1854)  in  der  Seh\\eiy.  1 010  beobachlel  vvorden  sind.  Nur  muss 
sich  der  Geologe  hiiten .  sole-la-  Ansiehteii  x.u  verailgemeiaeni  und.  \\ie  fs  ge- 
M-hehen,  iinf  die  Entstehung  aller  Erdbeben  ;iii\\t'iidtMi  x.u  \\ollen.  —  die  \ul 
k;i  ni  sch  c  Na  I  iir  der  Me  hrza  h  I  d<>  r  ye  rs  I  o  re  n  d  s  I  e  n  und  grossarlig- 
si  en  Erdbeben  uuterliegl  n  n  r  ge  r  i  n  tic  in  Zweifel  siehe  pag.  \-r>> 
und  127). 

Die  Erdfiille  sind,  \N  ie  durrh  ilirc  Entslehnng  bedingt  \\ird,  ebenfalls 
.ml  <i\ps,  Kalkstein,  Dolomil  ,  und  Steinsal/.  nihrende  Gegenden  besehriinkl. 
innerhalb  soldier  aber  selir  jj;e\\()linliclH'  I'lrscliciiiungen.  So  linden  sidi  in 
dem  Kalksteingebirge  von  Krain,  Illyrieh,  Kroalien  und  Ualnnilien  iin/.iildiue 
Ki'dtalle ,  von  denen  die  griisslen  700  und  mehr  Meier  Duirliniesser  erreirlien. 
l-lbenso  liiiufijj;  sind  sie  iin  Gebiete  des  Teutoburger  Waldes  und  der  lla;n. 
auf  dem  Kalksteinplatenus  des  I)e,])arleinenl  des  Doubs,  der  Haule-Saone  und 
des  Jura  in  Frankreich ,  sowie  in  dem  Kreidek-rrain  des  nordliclien  Jutland, 
iin  Kohlenkalk  Missouris,  sowie  des  Gouvernements  Tula  in  Russland  .  v\o  sie 
Uberall  der  Weglaugung  des  kohlensauren  Kalkes  ihren  Ursprunti  \erdanken. 
\viihrend  die  Krdtalle  am  ymzen  SW.  Rande  des  llar/es  und  bei  Liineburi: 
durdi  Einsturz  von  Gypsschlollen  entstanden  siud.  Viele  sole-he  aus  der  Sen- 
kung  der  Erdoberflache  »hervorgegangenen  Verliefungen  sind  von  Wasser  aus- 
gefilllt  und  in  Teidie  und  Seen  umgewandelt  worden.  So  die  Seen  bei  Speren- 
berg  in  der  Mark  Brandenburg,  bei  Segeberg  in  Holslein,  die  zahlreichen  »Teu- 
felslocher«  und  Pingen  am  siidlidien  Harzrande  und  wahrsclieinlidi  der  Salzige 
und  Siisse  See  bei  Eisleben.  Durch  Auslaugung  eines  machligen  Salzslockes 
soil  das  Becken  des  106  Klafler  tiefen  Konigssees  am  Ostfusse  des  \Vazmann 
enlstanden  sein. 

Wie  zu  erwarten,  sind  Schichtenslorungen,  Spaltenbildungen  und 
\ 'erwerfungen  im  Gebiete  der  (iyps  oder  Stcinsalz  flihi'enden  Formalionen  iiber- 
all  da  selir  gewdhnlich,  wo  Stb'cke  und  Flotze  jener  leichlloslidien  Mineralien 
von  anderen  sedimentaren  Schichten  bedeckt  werden,  welche  beim  Zusammen- 
brechen  der  entslehenden  grossen  unterirdisdien  Holilungeu  borslen.  sich  senken 
und  auf  diese  \Veise  Knickungen  und  Vervverfuntien  erleiden  musslen.  Min 
hochst  lehrreiches  und  nur  diese  cine  Deulung  zulassendes  Beispiel  fiir  den 
erwiilmlen  Vorgang  lieferl  die  Gegeud  von  Eisleben.  Ilier  lagert  auf  dem  Con- 
glomerate des  Rolhliegenden  so  regelmiissig  wie  ein  Teppidi  und  flir  grosse 
Miichen  so  eben  wie  eine  Tischplatte,  weim  audi  hie  und  da  von  Yerwerfungen 
durchselzl,  das  etwa  2  bis  3  Meter  miichlige  Kupferschieferflot/ .  welcho  das 
Object  des  Mansfelder  Bergbaues  ist;  auf  dasselbe  folgl  die  eigenllirhe  /t-di- 
slein-  und  auf  diese  die  Bunlsandsteinformation.  Man  kann  sicJi  kaum  \er- 
\\ocrenere  Lagerungsverhiillnisse  ausmalen ,  als  es  die  der  lelzt  genannlen 
Si  hiclitenreihe  an  derem ,  auf  dem  Ausgehenden  der  Zedisleingruppe  ruhenden 
Raode  sind.  Ilier  sind  die  Schiehten  in  Zwischenriiumen  \ou  nur  vvenitien 
Sehriiien  auf  den  Kopf  geslelll,  geknickt,  gebogen,  zerlrUmmerl  und  \er\\orfeu. 
Da  der  elvva  SO  bis  120  Meter  darunter  liegende  Kapferschi^fer ,  abgesehen 
von  einigen  localen  Slorungen,  seine  urspriingliehe  Lage  June  hal,  so  kann 
diese  XerslUckelung  des  Bunlsandsleim-s  keinr  Aussei-iing  des  \on  unlen 


165 


,,,„•!,    ol.cn    \virkenden    Yulkanismus    soin.       Hie    1'rsacho    der    Sohiolilonslonmii 

muss    violmchr    x.\\  isehen   Umilsandslein    und    Kupfersduofer    lioiion    uiul    1st    in 

dm  (i)pscn   der  /\\  isehen   heide 

uela^crten     /eelisleinuruppe     x.u 

suchen.      Wo    dieso    letztere    zu 

Tatjo   ausiiint:.    heiiann   drr  IVo- 

0688    <l<-r  Auflosnni:    und    \Yoi:- 

]•         Fie.  19 
ftthrung     deS    GypSCS    dureh     Oie 


Schiehte  n  storn  ngen  i  m  Bnn  tsandsteine  der 
Huhnebur^  bei  Eisleben. 


. 

,  .  a)  Rothliegendes.  b)  Knpferschiefor  nnd  Zftclisteln.    c)  Asche,  Dolo- 

SchlOtten   reSUJtllten,     mit,  rothe  Menrel  mit  Gypsstocken  und  Schlotten.   d)  Buntsandsteiu. 

e)  Erdfiille. 

von  dt'iu-n  die  mien  in  zusain- 

lu.Miliiinucndcn.  \\cit  ausgodehntcn  Systcmen  noch  hcut  den  Unlcrgrund  joncr 
i;(-(>nd  duivh/icluMi,  \viiluvnd  nndere  zusammenbrachen  und  den  Nachsturz 
dcs  (lariiluT  lii'iiriuhMi  HiinlsjindsttMiics  zur  Folge  batten.  Vielleicht  hiitte  dieser 
nnrh  lan.-.'iv  Xril  \\ie  ein  Gcwdlbe  die  auf  im  ruhende  Last  gelragcn  ,  wcnn 
or  nicht  hereils  dadurch  zorrisson  und  zerborsten  worden  wHre,  dass  derGjps 
hoi  seiner  Kntstohuii"  durch  Umwandlung  aus  Anhydrit  und  der  damil  \or- 
hnndenen  Ausdolinung  seine  Decke  sprengte  und  deren  Zusammenhalt  so  lockerlo, 
dass  ilu-  /usainnionsturz  unbodingt  erfolgen  musste,  sobald  der  Gyps  -wcgge- 
filhrt  \\urde. 

Audi  hoi  der  Enlstchung  des  Dolomites  durch  Auslaugung  des  kolilonsau- 
i-en  Kalkes  aus  sehuarh  dolomitischcm  Kalksteine  geht  der  Natur  tier  Sacho 
nach  oine  solir  helriielitliche  Volunionvorringerung  vor  sich.  Die  auf  ihm  ruhon- 
den  Soliiohton  inusslcn  sich  dcmnach  sonken,  —war  der  Dolomitisirungsprocess 
,-in  localer,  so  ging  diese  Senkung  hochst  ungleichfo'rmig  vor  sich,  die  ursprUng- 
lich  horizonlale  Lage  der  Schichten  machte  einer  gestorten  Platz. 

b)  Die  mcchanischc  Thatigkcit  des  Wassers- 

Dass  die  Oberflache  des  Festlandes  ihre  mannigfaltige  Gliederung  /inn 
.ii  Tlieilo  dor  zorstorend  en  ,  fortftlhrenden  und  wiedcrabselzo  n  - 
ii  mooliaiu'sohon  ThSitiiikeil  des  Wassors  vcrdankl,  ist  bereits  in  doin  oin- 
leiienden  Theile  dieses  Abschnittes  genUgend  hervorgehobcn  worden;  es  hleihi 
deinn.ieh  nur  noch  uhrig,  die  einzelnen  Phasen  des  Erosionsprocesses  und  die 
Grossartiiskoit  der  gesammten  Voruan^e  durch  die  Mitlheilung  einiger  Bcobaoh- 
tunizen  /u  heleiiclilen. 

§.0.  Die  fliessenden  Gewiisser.  Die  Iliessenden  Wasser  slaninion  aus 
,|<-r  Atmosphiiro,  doren  WassordUnsle  sich  als  Tropfon  Qiedereohlagen  ,  \veleli«> 
sicli  dann  sainmeln  und,  doin  (icsd/c  der  Schwere  folgend,  nadi  der  Tide 
Iliosson.  Kei  einer  durchschniltliehon  llflhe  dor  jilhrlichcn  alinosphiirisclien 
Niodorsohliii:!'  \mi  I  M.  fiillt  in  10,000  Jahren  ein  Moor  von  10,000  M.  Tiofo 
auf  die  Krdo  nieder.  urn  doin  Oceane  zu/.uslriinion  uud  sich  von  Nouein  in 
DaniptTonn  /.u  orhohon.  Nainenllieli  sind  os  die  llocht»ol)irgo,  an  \volohon  sich 
das  atinosphJirisolio  Wassor,  el\\a  \\ie  der  llaueli  des  Alhoms  an  kalton  (iogcn- 
jsliindon.  \ordiohtcl.  Ihre  tlhor  die  Sclnn'«>i:ron/o  hinaus  ra-ondon  ,  mil  (llel- 
schorn  und  Firn  bedocklen  Gipfel  bilden  deshalb  Reservoirs  von  gefrorencm 


Hit)  III.    [)\n;imiM-lir  (  I 


\\clchc  lie.xonders  tl.iiin  dcr  Klicne  ihre  Ynrralhc  milthcilen  .  \\enn 
<li»rl  l»ci  dcr  Ilit/e  (lex  Summers  dcr  Vcrbraiirh  ,m  Wa.xser  (lurch  (lit-  \Yrdun- 
xlmiu  mid  (lurch  dfii  Hedarf  dcr  Vegetation  am  grosslen  isl.  In  niedrigen 
(iehirgen  isl  cs  die  IMlanzendcckc,  welche  in  iihnlicher  \Vcisc  condensirend  aid' 
diis  \\";isscr  \\irkl.  d;isscll»c  in  nasser  und  regneriseher  /oil  aufsaugl  nnd  \er- 
Ilicill  nnd  dadurch  cine  hcstiindi^e  Fcnchliiikeil  dcs  Bodens  und  den  Uuellen- 
reichlhnni  desselhen  iinlerlijill.  \\iilircnd  ;uif  dein  n;ickten  l-'elsboden  cine  Milche 
Ansammlung  und  ailmfihliche  Abgabe  nidit  slallfinden  kann,  \iehnelir  strnmen 
hier  die  Re^en\\asser  direct  in's  Thiil  und  \ernrs;ichen  hier  (lurch  ihren  nnue- 
slihnen  Andnin^  tJbersch\veininnni;en. 

.le  naehdein  der  Krdboden  mehr  oder  ueniucr  wasserdurchlassend  ist, 
driniien  urtissei'e  oder  yeriiiizere  Menken  des  alniospliiirisclien  \Vassers  in  den- 
sclbcn  ein,  uni  tin  tiefon  Stellen  der  I'j'doberfliiehe  als  Quellen  \vieder  /,u  Taize 
m  treton.  Die  grdssle  Zahl  der  let/teren  /eiul  sich  dahcr  am  Fnsse  der  (Je- 
birize  nnd  y.\var  dorl,  \\o  \\asserdichlc  Thonscliieliten  das  tiefere  Kindi-inuen 
dcr  Gcwasscr  abhalten.  Andere  steigen  aus  der  Erdticfc  auf.  Diese  Erschei- 
uiini;  isl  dadurch  bedingl,  dass  geneigle  wasserfiihrende  Schichlen,  \velehe  mil 
\\asserdicliten  \vechsellagcrn,  von  Spalten  durchsetzl  sind  ,  auf  denen  die 
(icxsiisser  von  der  auf  ihnen  ruhcndcn  \Vassersiiule  einporgcpresst  \\crden. 
Zapfl  man  solche  \\asserfiihrende  Schichtcn  (sandige  Gesleine,  kliiftige  Kalk- 
sleiiu1),  die  keine  naliirliclicn  Abfliisse  besitzcn,  durch  Bohrlocher  ab,  so  cnl- 
slchcu  arlesischc  Brunncn.  Letzlere  kb'nnen  iiberall  dorl  crbolirl  \verden. 

D 


Fig.  20.  Artesischer  Brunuen. 

A  und  B  wasserdichte  Thonlager.  —  M  wasserfuhrende  Saiidlage. 
D  artesiscbcr  Jtrunneii. 

\\o  cine  mehr  oder  \\eniger  sleil  aufgerichtele  Schiclil  einer  porosen  oder  zer- 
kliiflelen  Gesleinsarl  von  z\vei  \\asscrtlichlen  Schichlen  eingesehlnssen  ist.  \\elche 
das  Knl\\cichen  des  \Vasscrs  naeh  Oben  und  Unlen  \erhindern  l;ig.  :><);.  NVird 
die  obere,  imdurchdringliche  Schiclil  durchbohrl,  so  sleigl  das  Wasser  nach 
dem  (ieselze  der  Ihdraulik  cmpor  und  kann  sich  sin-ingbrnnntMiarlig  iiber  die 
Krdolierfliiche  erheben. 

Dcr  \Vasserreiehlhum  der  Oucllcn  isl  naliirlich  \on  dcr  Menge  der  almo- 
sphJirischen  Niederschliige  auf  dem  Arcale,  aus  \\elehen  jene  geniihrl  \\erden. 
abhiinuii:.  deshall)  weehsell  in  (iegenden  mil  Irockenen  und  Regen-Zeiten  das 
I •'lie-.scn  nnd  Versiegen  der  Ouellen  periodiseh  al>.  Kine  ganz  iihnliche  V.i'- 
scheinnng  /.rigt  sich  bei  den  II  u  nge  rb  run  n  en  .  \\elche  nnr  so  lange  XVasser 


III.  >  f 


IU.I',.,.,,.    (,ls  der   sou   dem  pesrlm.ol/.eueu  Srlmee   slammende   mid   in  Spallen   u.ul 
nnlerirduschen   llohlriiumen  anuestaute   Wrath  anhall. 

Die    Ouell\\asMT    sammeln    sieh    /.u    Biiehcn  .    diese    /...    FliiSM-u    uml    Slrii 
„„.„   an     'inn    sieh    endlich    in  Oeeane  oder  in   Binnenmeere    /...   eruiesseu.      Die 
Wassermenge   eines   Mnsses    uinl    hrdinui     I.    dun-h    die   dross.-  des   A.vales. 
welches  derselbe  entwWat;    i    dun-l,   die  QuatfiMM  de?   H)f..df0Mp  Area!  i:.l- 
InuU'ii    Regen*,    Th,,ur>    ,m«l   Srlnuvs:    :»     iln.vh    .las  Klima    des  FlussurLu-trs, 
im|,.in    heissb    TrmpcraU.r     and     tnu-konr    Alinospliiire    die    VcnlnnsU...-     .u,d 
,lrs|,,,ll.    dm    \\ass.M-NcM-lust    hi-ilnsligen:    i)   durch   den    geoloyis.-hcn    Ifciu    des 
Flussgebietea,    indem    ein    NieJIaeh  gestbrter  Schichtenbau  Spaltc-n    und   Kllilie 
i.n  Gefolge  hal,   duivl.  >Nel«-he  die  NVasser  in  die  Tide  sinken;    ehenso  ent/.i.'l.l 
wndigcr  Untergrunji    den  Siromen  AVasser;    5)   durch  die  01)ernachengestaltunu 
,„„!    VegeteUoDSverhttltoiSw   d.-s   (Jebietes,    indeiu   Gcbirge   un.l   Waldreirhili.m. 
(lit-    Niederaohlage,     ehene     und     waldlose    Gcgenden    die    Yerdunstung    ver- 

nu'hrcii. 

Dir  (iriisse  des  Flnssuehietes  ist  nallirlieh  cine  sehr  verschiedene  ,  c 
,lriil«-ndsl«-n  sind  die  des  Amazonenstromes  und  des  Mississippi  mil  106,000 
m,d  c.l.iOO  geogr.  Quadrat-Meilen,  wahrend  das  des  Rheines  nur  ein  Areal 
Vpn  i080  Quadrat-Meilen  enUMissei-l.  Dcmgemass  isl  auch  die  von  diescn 
1  HisMMi  dc-in  Mcere  zugefilhrte  Wassermcnge  cine  ausserordcntlich  versehiedene, 
iuden.  >u  -I.  /.  H.  aus*"  dem  Mississippi  im  Laufe  eines  Jahres  durchschnilllieh 
7i:{.0no  Millinnen  Klun.  Wasscr  ergiessen,  wahrend  bei  Bonn  jahrlich  nur  cUxa 
63  :i70  Kbni.  Hheimvasser  vorbeislronien. 

Kin  anderer  Hauplfaclor  dcr  mechanischen  Thiitigkeit  dcr  Hiessenden  ( 
svaaeer  ist  ausscr  ihrer  Wasscrnienge  ihr  Gefalle,  durch  dessen  Grosse  die  Ge- 
schwindigkeit,  mil  welcher  sich  das  Wasser  bewegt,  bedinizt  Nvird.  Das  Gefalle 
,|n  Fltisse  ninnnl  von  ihrem  Ursprunge  bis  zu  ihrer  Mundung  ab,  und  da  d.e 
l,ilV,.,vn/.  /uisrl.,,,  dm.  Falle  des  oberen  und  unteren  Theiles  ihrcs  Laufes  urn 
so  grtteer  ist,  jc  hoher  jene  entspringen,  so  ist  sie  bei  den  Alpenslromen 
;,m  'betriiehtlichslen.  Da  nun  sowohl  die  unterwUhlende  und  zerstorende,  als 
am.|,  di,-  transportii^de  Kraft  des  Wassers  von  der  Starkc  seines  Stroraes  ab- 
hiin-t.  da  ferner  die  Quellen  'racist  in  Bergen  und  Jliii:.-lketlen  enlspringen, 
wo  die  Thalsnldi-n  siark  gencigt  sind,  wahrend  in  den  Ebenen  das  Gefalle  nur 
>,.hr  unbrdeulend  ist,  so  folgt  daraus,  dass  die  oinschncidcndc  und  fortfuhrendc 
Thiili-keii  d.-r  (.cxNiisser  namentlich  in  den  gebirgigcn  Gcgenden  /.u  llause  ist, 
NNiihrend  sieh  der  Unterlauf,  wo  die  Gesehwindigkeit  all.uahlicl.abnini.nl,  dnreh 
Absiil/e  des  dem  Gebirge  cnlfUhrten  Geslei.isn.ateriales  auszciehnct. 

§.  JO.  Erosion.  Der  mechaniselien  muss  durch  die  chemisehe  Thiitiiikm 
(|rs  Wassers,  (lurch  die  VerxNillerunj:,  x..rii.-arbeilel  %%.M-den.  Auf  einer  Thal- 
s,,hle  NHU  -lattein,  un/.ersct/tem  Granite  NvUrde  der  schnellst  stroiucudo  Baqh 
M-lbsl  in  tenge^l  /ritr.mmrn  k;ui,n  uirrklirl,,.  Spuivn  hinterlassen.  Krsl  wenn 
das  Geslein  unler  dem  z.-rsct/cndcn  Einllu>M-  der  Knhlensaurc  zu  Grus  und 
Sand  /.erfallt,  wenn  es  miirbe  gewordcn,  zerfresscn  und  angenagt  ist,  wenn 
Gesteinsfrau.urule  durch  die  ffli-ssmden  Gewiissor  in  Bewegung  gesel/A  nud 
als  Schliffmittel  lu-nut/t  wqrden  Mtpnoi,  l'«^i»ni  die  mechanischc  Erosion.  \\c- 


168  III.    I)>iiaiiiisclic    <ii'<>|Mi;ic. 

senllich    \\inl     sic    imlerstiit/t    (lurch    die    Eiuenschal'l    do    \\  >ich     Itcim 

(iefrieren  aus/mU'hnen.  Geschicht  (lies  in  (icsleinsspallen .  sn  -eniii:!  dicscV 
Vorgang,  um  die  Felsen  zu  /.crlriiinincni.  l);i  ;illc  Kliiflc,  Poren  und  llaar- 
s|>;iltcii  dcs  (loslcines  \mi  \\asser  angefullt  sind,  <l;i  sicli  I'crncr  dicscr  Process 
in  gemiissigtcn  Kliinatcii  in  jedem  llerbsl  und  Friihjahr,  auf  llnehgebir^en  alter 
I'asl  in  jcder  Nachl  \\icdcrholt,  so  spielt  or  bei  dcr  incclianisclicn  (icslcins- 
zerkloinerimi:  cine  nicht  zu  unterschalzende  Rolle.  Von  Felswiindon  .  wclehe 
lioch  (liter  das  Belt  des  nahcn  Baches  emporragcn  und  seinen  dirokten  An- 
griffon  enl/ogen  sind,  sltlrzen  hoi  cinlreleiidein  Thau\\eUer  Blocke  und  Schiilt- 
niassen  herab,  deren  sich  jelzt  erst  die  fliessenden  Wasser  bemachtiiien  und 
sic  fortschiel)cn.  Die  Abrundung  der  in  dem  Bottc  des  Baches  oder  l:lusscs 
forthe\veglen  GesteinsfraiinitMile  erfolgt  theils  durch  das  gegenseitiue  Aluvihen. 
indem  die  kleineren  schneller  als  die  grosseren  fortgeschoben  \verden,  theils 
durch  ihre  Reihung  an  deni  felsigen  Belte,  wodurch  zugleich  auch  dieses  em- 
dirt  Nvird.  Sell)st  die  feinsten  aus  dieser  Zerreibung  resultirenden  sch\\elieu- 
den  Theilchen,  wclche  mil  der  ganzen  Gesclmindigkeit  des  betrefTenden  fliessen- 
den Nassers  fortbewegt  \\erden,  vvirken  noch  polirend  auf  das  Flussbell.  Je 
grosser  die  Gesch\\7indigkeit  des  Baches  oder  Stromes,  desto  bedeutender  is! 
sowohl  seine  Transportfahigkeit ,  \vie  die  Erosion  seines  Bettes,  —  daher  die 
grosse  erodirende  und  transportirende  Wirkung  sell)st  unscheinbarer  Gel)iri:s- 
bache  ini  Vergleich  nut  langsain  fliessenden  Strdmen,  und  daher  die  unter- 
\\ilhlende  Thatigkeil  der  Wasserfalle,  durch  welche  nicht  selten  ein  /usamnion- 
brechen  der  Felswimde,  Uber  vvelchc  sie  sich  stiirzen,  und  ihr  allinahliches  Xu- 
rtlckziehen  bedingt  isl.  Auf  diese  \Veisc  schreiten  die  Niagarafalle  jahi'lich 
etvva  */3  Meter  rtlckwarls  und  auf  ahnliche  Vorgange  la'sst  sich  die  Entstehung 
der  Thaler  der  Elbe  und  ihrer  NebenflUsse , •  wie  sie  die  sachsische  Sehweiz 
bilden,  zurllckftihren.  Dieses  Labyrinth  von  grotesken  Felsinassen  \var  ur- 
sprdnglich  eine  monotone  Ebene  von  horizontal  liegenden  Sandsleinen  und 
dehnte  sich  ini  Niveau  des  Konigsteines  und  Liliensteines  gleichformig  aus.  Auf 
diesera  Plateau  stronite  die  Elbe,  dainals  augenscheinlich  noch  der  Abfluss  eines 
bohmischen  Seebeckens,  und  sttirzte  sich  ungefahr  in  der  Gegcnd  \on  Pirna 
idicr  den  steilen  Rand  des  Sandsteinterritoriutns.  \\elches  sich  dort  aus  dem 
Flachlande  erhel)t.  Seine  Wogen  iinterwiihlten  das  Gestein,  es  brach  zusain- 
inen,  der  Wasserfall  rtlckte  stromaufwarts  und  /og  sich  unaufhaltsain  niehr  und 
?nehr  in  das  Sandsteinplaleaii  hinein,  bis  es  dieses  ganz  durchschnitton  hatte. 
bis  oberhalb  Telschen  der  lelzte  Danuu  des  bohmischen  Elbsee's  zusamincii- 
slilrzte  und  der  See  sich  durch  die  tiefe  Schluchl  cnlleerle.  Das  neue  Hell 
der  Elbe  liegl  Uber  270  M.  liefer  als  das  ursprttngliche.  Durch  diese  .\i\eau- 
\ciiinderung  erhicllen  auch  die  NebendUsse  des  Hauptslromes  none  (ielegenheii 
zur  Ausilbung  ihrer  Falllhaligkeit .  -  ihre  filiher  nur  oberlliiclilichen  \\asscr- 
l.iul'e  sclmittcn  sich  lief  in  den  Sandslein  zu  jenon  Srhluchlen  ein,  welche  sich 
heuie  in  labyrintlu'scheni  Gewirre  zwischen  den  unlxM'Uhrt  gebliebenen  Fels- 
Partien.  den  Huinen  eines  zerstorlen  Landslriches.  hindurchwinden. 

Ein   andcres,    noch    grossarliizercs   Beispiel    der    enxlinMiden   Thaliukeil    des 
Wassers  liefert  das  Schluchlens\slem  des  Colorado  in  Arizona.     Die  Oberilache 


III.     iKiiamischr    Cicnlo-io.  M>*> 

dieses  ToiTitorinnis  slfiul  \om  .Meere  iius  in  \\eit  aii^edelmten.  leiTassenarlit;en 
Plateaus  l.is  /.u  iiber  3000  M.  Mooreshohe  jin.  An  dom  Aiifbau  dorsclben  hal 
die  p-sammlo  palaeo/.oischc  mul  /HIM  Theil  iiudi  die  meso/oische  Schichlcn- 
i-eihe  theikenommon.  Sic  nihen  in  hori/.onlalor  Lain-  auf  Granit.  In  eine  dio- 
ser  llochehonen  hat  sioh  dor  Colorado  soiii  boruhintes  Sohluchlonsystoni  cin- 
"ONxuhll.  Der  llanplstrom  fHessl  auf  ohva  <><>  gooi:r.  Moilon  1, Jingo  in  einem 
1000  2000  M.  lit-IVn  Canal,  \vclclicr  sonkn«flit  durcli  dio  Scdiiiu'iiliir-Fonna- 
lioinMi  und  nodi  200—300  M.  lief  in  don  Hranit  eingesclniitlfn  ist  und  in 
\vol.-lioii  x.ahliviclir  Nchensohlui'hlon  von  derselben  Tiefo  und  Ausdelmuni;  oin- 
mttnden. 

In  andoron  (Jouondon  sind  uanzc  bis  400  M.  machtigc  Scliidilcnsvslcnic 
voin  \Vass(>r  /crstbrl  und  \\-oiigofilhrl  worden,  nur  einzelne  Schollon  sind  unlor 
lu-Miiulrrs  i:nnstii:on  Vorliiillnisson  dor  allgemeinon  Zcrstoruni:  onls:ani;«'n  und 
doulon  die  (iriisso  dor  slalliiofundenen  Erosion  an.  Der  Natur  des  Voriiaiii-os 
nacli  \vird  dorsolbo  nainontlich  durcli  loichle  Vor\\iltcrl>arkcil  dos  Gesleinos 
hoiiilnsliizt.  so  dass  ihni  xoiv.iiulich  ilmniiio  oder  kalkige  Sandsteine,  sandigo 
Mcruol  und  siark  thoniize  Kalko  vorfallon.  So  war  frUhei4  der  ganze  Gnoiss- 
nnd  Sohiofordislriol  stidlich  vom  Lake  Superior  auf  100  M.  Hb'he  von  untor- 
siluris.-licn  Sandsteinen  und  sandigen  Dolomiten  bedeckt.  Heute  sind  diese  bis  auf 
rin/rlno  kloin<-  1'artion,  dio  ilber  jene  Gogend  regellos  zerstreut  sind,  versclnvun- 
dcn.  \Vio  sclindl  solclio  Erosionon  vor  sich  gohon  kCnnen,  beweist  eine  durch 
den  Sinioto  in  Sk-ilion  Norursaclitc  Scl)luclitonl)ildunLr.  Dioser  Fluss  wurdc 
im  .lahrc  1603  boi  oiner  Eruption  des  Atna  durch  einen  Lavastrom  abgodanmil. 
.Ict/.t.  nach  2'  2  .lahrhunderton,  hat  or  sich  durch  ,den  harten,  solidon  Basalt  be- 
ivits  oinen  Canal  von  20  bis  35  M.  Tiefe  und  12  bis  18  M.  Breilc  gowUhlt. 
Dass  der  I'rsprung  sehr  vieler  und  die  jotzige  Erscheinungsweise  saniinllichor 
Tliiilor  und  Sclilnditt-n  von  der  Erosion  durch  fliessende  Gewasser  und  nidil 
otxva  von  Spaltenbildungen  in  dor  /rrborstenden  Erdkruste  herzuleiton  isl,  ijohl 
nanioMllioh  aus  der  Abhjingigkeit  des  Vcrlaufs  der  Thiiler  von  der  grossoivn 
ndrr  uoringoron  Widorstandsfahigkeit  des  Gebirgssteinos  hervor,  indera  die  sohr 
ungloicho  clicinisehe  und  niechanisoho  Zorstb'rbarkeit  des  GestoinsmatcM-iales  auf 
dio  UiohliiMg  <les  Flusslaufes  veriindernd  einwirkte;  so  lasson  sich  dcnn  sohr 
hiiutii:  die  pliii/liohon  KrUiMMMiniion  der  FlUsso  'auf  das  Auflreten  besondors 
losler  oder  bcsoiiders  lockcrcr  (losloinsscliichtcn  zurUckftihron. 

Eino  dirocto  1'olge  der  Erosion  von  grosser  Traguoilc  sind  die  Bergsch  I  ipfo. 
doren  iMiiontliolu-r  rrspniMi:  darin  x.u  suohoM  isl,  dass  /.\\  isclion  andeir  Schich- 
tcn  golagerte  Thonlagor /orsolxl  odor  /u  hrci  ervsciohl  \\erdcn ,  so  dass  die  liber 
ihnen  liogoudo  (lobirgsiMasse,  falls  dio  Sohichlon  uacli  dein  Thale  zu  oiid'allen. 
ihren  Hall  \orliori  und  sich  auf  der  izmeiuton,  srhlUpferigen  Balm  in  BO\\OI:MMI: 
set/I,  inn  das  Thai  oft  ftir  urosso  Erslrocknni:  /u  \erschUUen.  Ahnliche  Itnlschun- 
ucn  oreigMcM  sich  aiif  uonoiLilon  Schichlcn  \<»n  loichl  boweglicheni  Sando.  for- 
nor  ebenso  an  der  Mooroskiisle  %\ie  in  den  l-'lusslhiilorn. 

§.  II.  Transport  uiid  Absiitze  voii  Seiten  fliessender  Gewiisser.  l.s 
isl  schon  hor\ orizehoben  wordon  ,  dass  die  TransporllaliiL'koil  des  Wassers  son 
der  Schnolligkoit  der  Bewegung  desselben,  also  von  der  Grosse  seines  Gcfalles 


!7H  III.      l 

abhangii:  isl.  Dem  /u  hilge  ist  aneh  der  (Inn  (iebiri;e  .uiLjelictri^p  ( )|)t-i-|;iul 
der  Klilsse  dci-  Sehauplal/  der  i:rnssarlii:slen  (iesleinssehube.  Namenllieh  wer- 
den snlehe  diirch  aussergewiihnlieh  slarke  \Vasserllnllien  b0rVOTgeforacht^  \\  ie 
sic/.  B.  iin  .lahre  ISIS  das  Banien-Thal  iin  I'nter- \Yallis  heinisiirhlen  mid  dorl 
cine  Tniiiimermasse  von  ilber  100  .M.  Iliihe  und  Granitbliieke  \<m  last  'iO  Khin. 
Inlialt  \or  sicli  her  gesehoben  haben  sullen.  (Jan/  abgesehen  \on  diesem  in 
seiner  Grosse  fast  einzig  daslehcnden ,  almormalen  Ereignisse,  isl  die  Bilduni: 
von  sehr  bedeutenden,  oft  inehrere  Tansend  Meter  breiten  Schuttkegeln  an  sol- 
chen  Slellen  ,  \\o  liefe  Schluchten  in  Invite  Thaler  ausiniinden,  eine  sehr  ge- 
\vohnliehe  Krseheinunii.  tlberhanpt  \\erden  die  WildbHche  oft  durch  hel'tige 
HeiieniiUsse  mid  \Volkenbrilehe  so  gesch\\ellt  und  mil  Gesteinsinassen  iibei'laden. 
dass  sie  \\ie  t:e\valligc  SclilannnstniiiK1  ans  den  Schluchten  hervorbreehen  und 
enorme  Felstrtlminer  mil  sich  fllhren,  im»  sie,  sobald  sie  in  eine  Thalei \\eile- 
runii  gelaugen,  wo  die  Kraft  der  ersteren  abnimmt^  liegen  zu  lassen  und  auf- 
/uhaufen.  Unter  normalen  Verhaltnissen  werden  nur  Sand  und  Schlainni  \on 
den  GebirgsbSchen  schwebend  fortgefiihrt,  die  grosseren  Gesteinsstiicke  hingeizen 
auf  ihreni  Koden  Ibrtgerollt  und  fortgeschoben.  Dabei  komrnt  der  L'nistand  in 
Belracht,  dass  die  ineisten  Gesteinsarten ,  welche  an  dem  Aufljau  der  Gebirge 
einen  izrosser<>n  Antheil  nelimen,  nur  ein  specifischcs  Gewicht  von  2,0  bis  -V.I 
besitzen,  so  dass  sie,  iin  Wasser  liegend,  fast  um  die  Halfte  ihres  Gewichtes 
erleichtert  werden  und  somit  einer  geringeren  Kraft  bediirfen,  um  fortbe\\-egt 
zu  werden.  Durch  andauerndes  Rollen  und  Aneinanderreiben  dieser  anfiing- 
lich  eckigen  Gesteinsbruchslucke  werden  dieselben  allmiihlich  zu  abgerundelen 
Geschiebcn  oder  Gerollen,  wobei  zugleich  feine  im  Flusswasser  schwebende 
und  dasselbe  IrQbende  Theilchen  gebildet  werden.  Schieferfragmenle  nehnien 
keine  kugelige  oder  eiformige  Gestalt  an,  sondern  zerfallen  in  Flatten,  deren 
Keken  sich  allmiihlich  abrunden.  Am  leiehtesten  werden  Geschiebe  von  thoni- 
gem  oder  kalkigem  Sandsteine  bei  ihrem  Transporte  zerkleinert  und  zcrstiirl 
und  zerfallen  bald  durch  Auflosung  ihres  Bindemitlels  in  losen  Quarzsand. 
Daher  fiihren  FItlsse,  welche  Sandsteingebirge  durchschneiden ,  grosse  .Alassen 
dieses  lelzteren  mil  sich.  Je  weiter  Geschiebe  von  einem  Flusse  fortirefiihrt 
werden,  desto  mehr  nehmen  sie  an  Grosse  ab.  Anfanglich,  also  iin  Ilochge- 
birge,  zuni  Theil  bis  20  Gtm.  gross  und  scharfeckig,  runden  si(>  bereits  in  kur- 
zen  Strecken  ihre  Kanten  ab;  in  die  Strome  gelangt,  verlieren  sie  in  demsel- 
ben  Verhiillniss,  wie  ihre  Entfernung  von  dem  Ursprungsorle  zunimmt.  an 
(iriisse,  bis  sie,  falls  der  Lauf  der  FlUsse  nicht  allzu  kurx.  ist,  als  Sand  und 
Sehlamm.  namentlich  aber  als  schwebende  Theilchen  (Silt,  Flusslrilbe  an  dessen 
Mtlndung  gelangen.  Die  Quantitiil  dieses  feinen  Detritus  isl  xuin  Theil  iiber- 
rasehend  gross.  So  flilirl  der  Mississippi  dem  Golf  von  Mexico  jahrlich  eine 
solche  Masse  von  Schlainni  zu,  dass  dieser,  \\enn  er  si  eh  x.u  einer  /usammen- 
hiiiiLrenden  Ablagerung  absetzen  sollte,  eine  englische  Quadrat-Meile  el\\a  90  M. 
hoeh  l)edecken  wtlrdc.  Die  jiihrlichen'Sedimenlc  des  Ganges  werden  auf  235 
Millionen  Kbm.  geschiil/l,  \\elehe  ein  Lager  von  26,600  M.  La'nge  und  Bi'eile 
und  '  ;  .M.  Dieke  geben.  Die  Niederschliige .  \\flehe  die  Donau  bei  ge\\i>hn- 
liehem  \Vasserstiinde  jiihrlieh  dem  sclmarzen  Meere  /.uwiil/.t,  \\iirden  eine  Scliichl 


Ill     1»\  iiainiM'lic   (ifnlo^io.  ••• 


\«jii  I.™  Ouadrat-.Meilen  und  1/3  M.  Dicke  bilden.  der  Ithein  lulirt  bei  Konn 
jiihrlich  lienun  sclmebende  Theilehen  \orbei.  inn  rim-  Scliichl  MHI  1956  M. 
Jin  Ouadral  und  '  :.  M.  Dicke  ab/.ulai;ern. 

\Yo  die  IMS  diiliin  slarke  Neiiiung  der  Hussbellen  und  deshalb  die  Strom- 
-esch\\indiukeil  und  Transporll-ihigkeit  der  (icNNiisser  cine  ^erinuere  \\ird.  sel/en 
sich  die  (icrolle  iih.  Ks  isl  dies  der  Nalur  der  Sadie  nach  nainenllich  dorl 
d,T  hill.  NMI  die  Fliisse  aus  den  Gebirgen  in  die  Kbene  livtrn.  In  Folge  die- 
scr  Al.l.iucrunu.Mi  .M-lmlu-M  die  Slroinr  alliniililieli  ilir  Belt,  versanden,  brechen 
,,us.  siiir/.-n  sii-h  iil'er  ihiv  lifer,  graben  sich  cin  neues  Belt  und  lassen  das 
.illeiv  /iixveilen  Irocken  xuriick.  Urn  dies  xu  verhilten  und  sich  und  ihre  Fluren 
\,.r  derartip-n  I  berschu  emmungcn  zu  sichern  ,  dammen  die  Bewohner  der 
Slrnniihiiler  die  I'ler  der  Fltisse  ein  und  erhohen  diesc  Dainine  in  demselben 
Verbtfltaisse,  in  \\elrhem  si.-h  der  Boden  der  Strbme  erhebt.  So  erei^nel  es 
sich.  dass  niclii  nur  der  Spiegel  der  lel/teren  ,  sondern  sogar  der  Grand 
(fes  riu^bellesallinjihlich  ein  hi.lieres  Ni\eau  crhiill,  \vie  die  beiderseitiiien  Thal- 
ebenen.  Dies  ist  z.  B.  l.ei  dein  Po  der  Fall,  welcher  sich  im  Laufe  der  Xeit 
sn  selir  iib.-r  die  Nicderunji  erhoben  hat,  dass  jetzt  das  Niveau  der  Stadt  IVr- 
rara  unler  dein  des  nahcn  Po-Betles  liegt. 

So  lantie  die  Ufer  der  Strome  durch  Dairunanlagen  noch  nicht  kUnstlich 
ivuulirt  und  eingeeni:!  \\aren,  ergossen  sich  deren  Wasser  bei  jeder  Hochfluth 
in  die  Slruintlialer.  so  dass  dicse  ofl  \veile,  nieilenbreite  Seen  bildeten,  in 
\\clchen  sich,  je  uach  dec  l^ntfernung  derselben  von  dem  Gebirge,  Kies,  Sand 
und  Schlainin  ahsetxten.  Je  niedriger  die  Ufer  sind,  destq  mehr  wird  das 
llache  ITerhind  mil  Detritus  UberschUttet.  Vertieft  sich  im  Laufe  der  Zeit  das 
Hell  des  Stromes  durch  Erosion,  so  werden  auch  die  ursprUnglichen  Alluvial- 
ahlaiieruujzen,  wclche  auf  bciden  Seilen  der  Fltisse  mehr  oder  weniger  breile 
Xonen  bilden,  \vieder  vcrnichlel,  uni  neuen,  liefer  liegeuden  Plalz  zu  machen. 
Bleiben  schinale  Slreifcn  der  alien  Gerollablagerung  an  den  AbhSngen  der  bc- 
uacliharlen  Thaluehanizc  /AirUck,  so  werden  diese  als  Flussterrassen  bezeiclmet. 
So  beweisen  die  Anhaufungen  von  Rheingeroll,  270  M.  tiber  dein  jeteigen 
Kheinspiegcl,  dass  der  Rhein  sein  Belt  seit  ihrer  Ablagerung  uiu  ebensosiel 
\crliel'l  hal. 

Dort,  wo  die  FlUsse  ihre  \\  assennassen  in  Seen  oder  in  das  Mcer  crgiessen, 
bilden  sich  uiitei  uexsissi-n  Bedingungen  durch  den  Absatz  mechanisch  fortiie- 
lahrten  (;esteinsiualenales  Deltas.  Die  Seen,  welche  von  den  aus  dem  Ge- 
birtte  tretendeu  Fliissen  durchslrb'ml  werden,  dienen  deshalb  als  AbklHriiDgfl- 
hccketi,  in  \\elche  die  (iewiisser,  mil  Schult  .,  Schlanun  und  Sand  beladen. 
einlreten  und  \\elche  sie  vollkommen  klar  ui\d  ohne  cine  Spur  mechanisch 
suspendirler  Theilchen  \erlassen.  Diesem  /wecke  dient  beiin  Ulieiu  der  Boden- 
se<\  der  \ier\\  aldstiUter  See  bei  der  Reuss,  der  Brienzer  und  Thuner  See  bei 
dei  Aar.  der  (lenfcr  See  bei  der  Rhdne.  Die  Delias,  welche  die  Slrome  an 
ihr<Mi  KinmUndunusslellen  bilden,  bestehen  aus  al>\M-cliseliideii  Sand-,  Kies-  und 
I.eliiulauen.  uelche  einiiesdwi'inmte  Resle  von  Pflan/en.  Land  und  Siisswasser- 
Ihii'ren  in  iinisserer  oder  ueringerer  Menue  einschliesscn  und  zum  Theil  reizel- 
miissiue.  alUeili-  llach  abfallende,  zum  Theil  aber  auch  und  z\\ar  naiuenllich 


172  III.    iKnamisclii'  (icolo-ir. 

l>ei  iiii  llochlliithen  reichcn  Slromen  lioclist  \cr\\orrcn  gclagerte  Schichlen  bil- 
deii.  Die  sclmcren  (lescliicbe  \\erden  unlcr  noniialen  Ycrhaltnisseii  direct  ;iti 
dcr  Milndung  des  Flusses  abgesetzl  ,  wahrcnd  S;nul  uiul  Schlamm  \\eiter  und 
die  feinen  sclmcbemlen  Theilehen  bis  zu  noch  grnsserer  Entfermmg  I'orlgeftihrl 
werden.  Die  Sonderung  des  Gestcinsinaleriales  nach  der  KorngriKse  \\iirde 
eine  gleiclimassige  und  durehgehende  sein,  wenn  die  Stromschnelligkeit  der  in 
d(Mi  See  tretenden  Geuiisser  sich  stets  gleich  bliebe,  da  sie  aber  in  gewissen 
Xeiten  durch  Anschwellen  dcr  Stroiuc  vcrurosscM't  ,  in  anderen  durch  Abnahnic 
der  \N"asscrniciii:c  verringert  wind,  so  werden  auch  zeit-weilig  grossere  Gescliiclic 
und  grober  Sand  so  \\eil  in  den  See  geschleudert  ,  als  unter  anderen  Bedin- 
uunucn  die  fcinsten  Schlanimtheilchen  gelangen  \verden.  Daher  die  Abwcclis- 


lung  grobor  Kies-  und  feiner  Lehmschichten.  Die  entstehenden  Deltas 
die  Gestalt  sehr  flai-lier  Kegel.  So  erstreckt  sich  das  Delta  der  Aar  bei 
Einlritt  in  den  Brienzer  See  etwa  1100  bis  1200  M.  weit  in  diesen  lotzteron 
hinein  :  die  abgelaeerten  Schuttmassen  bilden  nahe  der  Flussmiinduni:  eine 
Boschung  von  30  Grad,  die  jedoch  mil  der  Entfernung  von  jener  imnier  flacher 
\\ird  und  sich  allmahlich  an  den  fast  horizontalen  Boden  des  Sees  anscluuiegt. 

Die  Bildung-  von  Delias  an  der  Ausmiindung  grosserer  Strdnie  in  das  Meer 
\\  ird  nur  dort  vor  -sich  gehen,  \vo  letztere  durch  vor  ihnen  liegende  Uferwiillc 
oder  Diinen  geschiitzt  sind,  so  dass  hinter  diesen  der  Absatz  der  Flusssedi- 
inenle  in  Ruhe  vor  sich  gehen  kann,  ohne  von  dem  Andringen  und  Ausstro- 
men  der  Fluth  und  Ebbe  gehindert  zu  werden.  Deltabildungen  setzen  mil 
anderen  Worten  einen  flachen,  wenig  geneigten  Meeresgrund  an  den  Flussiniln- 
dtmizcn  N  oraus,  \\elcher  durch  einen  Uferwall  von  dem  offenen  Meere  geschie- 
den  ist.  Dadurch  werden  Lagunen  gebildet,  in  welche  voni  Flusse  Sand, 
Schlainm  und  schwebende  Theilchen  gefiihrt  und  dort  in  ahnlicher  \Veise  \\ic 
in  einem  ruhigen  Binnensee  abgelagert  werden.  Durch  fortgeselzte  Xiederschlage 
werden  die  Lagunen  allmahlich  ganz  oder  theilweise  ausgefullt,  so  dass  sich  der 
neugebildele  Boden  im  Lauf  der  Zeit  ttber  das  Meeresniveau  erhebl  und  ein 
llaches,  von  sich  verzwreigenden  Flussarmen  durchfurchtes  und  seichte  Seen. 
die  Uberreste  der  Lagunen,  umfassendes  Land  bildet,  an  desseu  Meen-sufern 
sich  die  sandigen  Uferwalle  erheben.  Nur  ausnahms\\  <•!><•  und  /.\\ar  liaupl- 
siichlich  in  Folge  von  Menschenhand  aufgefiihrter  Strombauten  Qberschreiteq 
die  Deltaabsatze  diese  Uferwalle  und  treten  in  das  offene  Meer  vor.  Die  be- 
deutendsten  Deltas  sind  die  des  Rheines,  der  Rhone,  des  Po,  der  Donau  ,  des 
Nil,  des  Ganges  und  des  Mississippi.  Als  erlauternde  Beispiele  der  Dellabil- 
duui:  iiuigen  an  dieser  Stelle  kurze  Beschreibungen  des  Delta  des  Nil.  des 
Hheiues  und  des  Mississippi  Plalz  finden. 

Das  Delta  des  Nil  ist  eine  vollkomrnen  horizontale  Ebene  von  22,194  Qua- 
dral-Kilonieler  Grb'sse  und  von  der  Gestalt  eines  Dreieckes.  Die  naeh  dem 
.Miltellandischen  Meere  zuge\Nandle  Basis  desselben  bildet  einen  weiten,  naeh 
die>i-ni  zu  convexen  Bogen  und  ist  gegen  d;i>  .Meer  zu  von  einem  sich  iilx-r 
da>  Delta  crhcbenden.  nur  stellenxNeise  unterbrochenen.  ebenfalls  bogenformigen 
Damm  \nn  DUnensand  und  sandigem  .  /.urn  irmssen  Theile  \on  Fnraminiferen 
gebildeleii  S.md>tcin.  dem  U'erN\all.  der  iiberhaupt  die  Moglichkeit  der  Delta- 


HI.    IK  ii. Unix-he   (uMilouie.  '  ';>> 

bilduim    bedinglf,    begren/t.      Das    Delta    selbsl    isl   \on  den  beiden.    sii-h   wd- 
r;,i-|i    verwtfgenden    Armen    d«-s   Nil     dem    sou    lloselle    mid   dem    NOI.    Damielte 
durchschnitten  und  \un  \ier  grossrn.   sehr  seichlen  l.agunen  unlerl.roehen,  NNelehe 
(.INN(1    r.uO   Ouadral-Kilomeler    einnehmen.     M.MI    Meer    diuvli    den    U.'nxall   gi-- 
t  remit   sin.l.    nur   Nermittelsl   sel.maler   rnlrrbrerliungen   dieses    lel/teren   mil  je- 
,„.,„   omimmiieiren.    ininier  n.el.r  von   San.l    und  Sel.lamm  angel'ilUt  uud   deshalb 
einst    Nollkon unen    N  ersrlm  inden    werden.      Das    ga  .!/,«•   Delta    beslel.l    bis  /.U    U 
o.ler    i:i    M.    Tifle   aus   l.(»ri/.onlalen   Seliieliton  eines    IHM   den   |)eri..disehen    I'ber- 
selnviniHniiuen    dt-s   Nil  al.uesel/.ten  leinen.    brauni'..llien  l.el.ines.    m.ler  NN  ,'lchrii 
si.-li   Ablauen.nu.'i.    \..M   M.-eressand   ansbrcilen.      Die   Absat/e    dcs  NikNassers   ini 
(.ebiete   des   Delias  we.'den    anl    (i  I    Mm.     ini   Liiufo    von   100    Jahren    geschiil/l. 
Aus  alle  den,  uel.t   he.'vor.    dass  der  Nil  ursprUntili^  i"  «''»«  But'ht    mtind.-t,-. 
uel.-he   na.-li   den.  Meere;zu    \on   i-im-in   ri'erwalle   beuren/.t    NMird.-    und    \seMie 
.tllmiihlirli   \nn   Nilsehlannn  juisgefUlll  und  so  zuin  -Nildella  uinii«-\\iind«'ll  \\unU-. 
In  turn/  iilinlieher  Weise  sind   die   Deltas  des  IV)  und  der  Hhone  entstanden. 
.meli  sie  besit/.en  einen    dem  Meere  zuiiouandlen   fferwall.     Auch  die  Al»laue- 
inn-  des  Hheindella   \\urde  durch  einen  solchen  ermOglicht,    nur  wurde  dieser 
i,,   i-oli-,.  der  allniiihliehen  Senkung  der  norddeulschen  und  hollandisc-hen  Kiisle 
,md  daduivli   bedinuter  EinbrUche    des  Meeres    an  vielen  Slellen    durchbroclien 
nnd   ist  deshalbjet/.t  tlieilNNeise  durch  Seen  vom  Fesllande  gelrennt.      Die  Inseln 
in,  Norden  des  Xuider  Sees  und  liiniis  der  friesischen  KUste  bis  zur  EinHrtlnduBf 
der  YVeser  -ehiiivn  diesein  ausuedehnlen  DUnen\\alU-  an.     Zwischen  ihnen  und 
dem    Festlande    dehnten  sieh    ursprUnglich    flache,   langjjezogone  Lagunen    aus, 
deren   »«.deii   \mi  diluvialem,   mil  nordischen  Geschieben  gemengteni  Sande  ge- 
bild.-t  \\anl.  aul  \\eleliensiehdieschlammigenund  sandigen  Anschwemmungen 
des  Hlieines.    der  Maas   und  der  Schelde   abs'el/len    und  alliniihlich   die  Lauune 
iuislullu-n.      Sn  entstand  durch  forlgesel/te  Ablagerung  des  Flusssclilamnies  und 
«|;./.\\i.M-li.-n  fallende  Torfbildung  das  uber   60    M.  machliiie  Hheindelta  und  <lie 
Mar.sehliinder  der   benachbarlen   KUsle. 

D.IS  Ih-lta  des  Mississippi  besitzt  uber  320  Km.  Liinge,  Uber  300  Km.  Breile. 
l.esteht  aus  iiussersl  tlachcm,  niedrigem  Lande,  welches  jedoch  vviihrend  des 
-inssien  Theiles  des  Jahres  von  einer  trUben  Fluth  uberschwenunt  ist.  Das 
Delia  \\ird  ausser  durch  den  Ilauptstrom  des  Mississippi,  welcher  sich  kura 
VOC  seiner  AlUndung  in  den  (iolf  von  Mexico  in  •">  Anne  thrill,  von  einer  be- 
druleuden  An/.ahl  sich  vielfach  verzweigender  Nebenarme  ,Ha\us  durchschnitlen 
und  N.in  Siimpl'en  und  (lachen  l.auunen  unterbroehen.  Die  Miiehli-keil  der 
Della-Abs;il/e  l»eiriigl  gegen  200  M.,  ihre  Anschwennnung  und  Abliigrrung  gehl 
jediM  h  >o  sclmell  vor  sich,  dass  in  kUr/ester  Zeil  die  bedeutendsten  Veriinde- 
nin^en  der  C.mturt'ornien  des  Delta  hersoriiebraeht  \\erdcn,  ja  dass  die  Sand- 
biinke  der  siid\\cstlichen  Haiipliniindiiiig  des  Mississippi  jiihrlich  in  einer  Hreile 
\<>n  l^lii  M.  urn  mehr  alsil2M.  vorrticken  sollen  und  demnaeh  der  urspriing- 
liehe  ri"er\\all  liintzst  \er\\isehl  und  ilberschrilten  ist.  Dies  m;ig  seinen  (irund 
darin  haben,  dass  die  Fluthhohe  ini  niexieanischeii  tioll'e  cine  ausserordenllieli 
geringe  ist  und  nur  elwa  •/:»  ^'-  '"''^'K1- 

(Ian/    anderer  Art    sind    die    Krscheinungen    in    Flu.sMniinduniren .     welehe 


1  7  I  III.     IK  li:iliiisrli(>  <ieoloi,'ie. 

nicht  son  U'eruiilleii  umgiirlet  \\erden.  sondern  frei  mid  olVen  sind  und 
Aeslnarien  genannl  \verden.  In  sie  driingl  sich.  x\as  in  andereii  Fallen  durch 
die  DttnenwttHc  verhmderl  \\ird,  die  Fluthwelle  em,  strbmi  dcm  Fhisswasser 
dfl  :.'<)  oder  inclir  .Meilen  weit  landeiimiirls  enlgegen.  slant  sit-  \\ie  cin  \or 
dringender  Damm  auf  und  \er\\andell  deren  He\\egung  in  rim-  dt-r  unrmaleii 
enlgegengesel/le.  Mil  dcm  Wcchsel  der  (le/.eilen  beginnl  sich  die  Flulh  .•iiieii 

aiis     dein   Slrome    y.uriicky.uy.iehen.     seine     his    dahin   uesl.-iiiten    \V;I.SMT  strii n 

mil  erliulileni  (iel.ille  der  MiindunL!  xu  und  ivissen  die  \\iilirend  der  l-'lulli/eil 
;il»L;esetzten  Selihinuu  und  S;indiu;issen  mil  grosser  <ie\\;ill  n;icli  dein  Meere 
und  \\eit  in  dieses  liinein.  stiill  sic.  \\ie  hei  l;lussiniinduni:e!i.  die  duivh  ri'er- 
\\iille  izeseliiit/l  und  mil  l.aiiiineu  ruhiiien  \Vassers  \ei-selien  sind,  y.u  Delias 
aii/.nliiinl'en.  So  bedinid  es  der  Mangel  eines  rferwalles,  dass  der  Ama/.onen- 
slruin  truly,  der  unueheueren  Menge  von  Schlamm  und  Sand,  mil  \V(»leher  seine 
\\asser  heladen  sind.  kein  Delta  bildel,  sondern  dieselhen  in  das  oll'ene  .Meer 
hinaus  1'iilirt.  Hier  fallen  die  groben  Theilchen  nieder,  der  feinen  Triibe  aber 
bemiielttigt  sich  der  von  Afrika  quer  durch  den  Ocean  kommende  .Meeresslroiu 
und  Iriiiit  sie  in  der  Richlung  nacli  den  Anlillen  zu  fort,  bis  auch  sie  sieli  all- 
miililieh  /u  Boden  senken  und  Schlammal)lagerungen  bilden.  In  anderen  l;all<in 
\verden  die  1'einsten,  meehanisch  ini  Meereswasser  suspendirten  Theilchen  in 
hilize  des  holien  specifischen  Gewichtes  des  lelzteren,  sowie  der  durch  Stiirme. 
dureh  die  Gezeiten  oder  durch  Stroiuungen  hervorgebrachten  Bewi'guniieu  des 
Meeres  zieinlich  weit  in  die  hohe  See  hinausgefilhrt  und  liefern  hier  das  Ma- 
terial des  sich  auf  dem  Grunde  der  Oceane  ablageruden,  ausserordenllich  fei- 
nen, kaum  fiihlbaren  Schlamines.  Durch  die  Wechsehvirkung  /Avischen  der 
Stroniunii  der  Ebbe  und  Fluth  einerseits  und  der  Fliisse  andererseits  kann  je- 
doch  auch  die  Entstehung  von  in  die  See  vorgeschobenen  Uferwiillen  bedinul 
\\erden,  vvie  am  Schlusse  des  niichsten  Paragraplien  gezeigt  werden  soil. 

§.  I?.  Die  mechanische  Tliiitigkeit  des  Meeres.  Nur  der  beweute 
Ocean  Ubt  eine  mechanische  zerstorende  oder  Iransportirende  Thiiligkeil  aus. 
Die  Meereswasser  werden  durch  die  oceanischen  Strom ungen,  die  (ie- 
zeiten,  Sturmesw ogen  und  Wasserbeben  in  den  Zustand  der  Hewe- 
gung  verselzt. 

AVerden  m auch  die  oceanischen  Stro'mungen  durch  die  Geslall  und 
die  Lage  der  Meere,  innerhalb  deren  sie  sich  geltend  machen,  auf  die  mannig- 
faltigste  Weise  modificirt,  so  bleibt  doch  das  allgemeine  Gesetz,  \\clchein  sie 
liberal  1  unlerworfen  sind,  das  nehmliche  und  bethiiti^l  sich  in  alien  Oceanen 
durch  folgende  Erscheinungen  : 

1)  Sowohl  in  den  nordlich  wie  sildlich  vom  Equator  gelegenen  Meeren 
machl  sich  cine  \\irbelahuliche  Meeresslromung  bemerklich.  \\elche  innerhalb 
der  Tropen  von  Ost  naeh  \Vesl  gericlitel  isl,  durch  die  Westkiisle  der  Oceane 
(also  die  Ostkdste  der  Continenle  von  ihrem  urspriiiiglicheu  Laule  abgeleukl 
\\ird  und  sich  auf  der  sildlichen  Halbkugel  naeh  Siiden.  auf  der  niirdlicheii 
Hemisphiire  naeh  Norden  wendet.  uni  von  hier  (lurch  die  gem;issii:le  /one  ynm 
Aecjuator  /uriickxiikehren  und  ihre  alle  Hichlung  son  Ost  naeh  West  wieder 
einzusehlagen. 


III. 


2)  die  sieh  rilckwiirls  \\endende.  also  um  West  naeh  Osl  ^friehtflf  Stro- 
king UieHt  sich  in  zwei  Anne,  deren  einer  sirh.  *fc  el.en  hemerkl,  den.  A.iu;,- 
(oriaistron.f  wieder  /uireselll.  wiihivnd  d.-r  andf.v  den,  Pole  /ulliesst  mul  von 
(lor!  ;ils  Polarstrom  naeh  den  Tropen  zurilekkehrl. 

:i  Der  xrrsrl.if.li-n.-n  Sehwere  d.-s  kalten  Polarslromes  un.l  d.-s  NMirmeren 
\qi.al..n;.l.slrnmf>  wegOT  n.-hmen  difSf  beiden  StriimungeM  in  d.-n  Meeresredo 
,„-...  NNO  si.-  sifl.  tiviifii.  xersehi.-dene.  aratere  tifffiv,  Ift/u-iv  l.nhf.-.-  Nisf.ms 
ein;  .l.-r  A.|iiiitori;»lsln»in  lli.-sst  dfshalb  Uhfr  ilfii  sit-li  in  fnt-fiifnufscl/tfr 
Itichliinu  l>«-  \\fUfnd.Mi.  U.-NN  isM-rmaassfn  untf  rs.-f  isclif  n  Folarslroin  liiimfiz.  l.fl/.- 
ifivr  trill  nur'jin  dfit  Kilslfii  dfs  Ffsthuules  oiler  an  seichlen  1'ntiflVn  an  die 

Ol.crlliiflif. 

S..\\olil  die  Wjisser  des  Allantischen,  wie  des  Stillen  und  Indischen  Offa- 
,,,-s  sind  dfi-arliiii-n  Slroinun-f  n  unlciAvorfcn.  In  drr  niirdlifh  von.  AqualOf 
-flfu.Mifn  Iliilltf  dfs  Atlantischon  Oceanfs  \vird  der  naeli  NV.-sifn  -.-rifhlflr 
Sirnin  duirh  dif  \\fslindisfhc  Inselreihe  nach  Norden  abgelenkt  und  fliesst  iiim 
in  nordostlidifr  Rifhluni^  als  Golfslrom  in  fini-cr  Kntfornung  von  der  Oslkilsle 
N.,rdanifrikas  his  nacli  «len  Neufundlandbiinken,  urn  sieh  von  hier  aus  suif 
l-nropa  x.u  \vfnd.-n.  Unlfrm^s  llu-ilt  er  sieh  in  einen  sUdostlichen  und  ein.-n 
nonlosilifhiMi  Ann.  Erslnvr  slrbml  wieder  nach  den  Tropen  und  schlifsst 
dainit  dif  Slrumungsellipse,  deren  Mittelpunkt  die  rait  zusaininengeschwenunten 
Tan-.-n  hfd.-fkl.-  Saritasso-See  bildel.  Der  zvveile,  nordliche  Arm  des  Golf- 
sirniiif.s  fliesst  z\\isfhfii  GrossbriUinnum  und  Island  der  Kusle  Norwegens  enl- 
lanu  und  kfhrt  an  der  Ostkusle  Gronlands  und  durch  die  Davis  Strasse,  Eisbergf 
mil  sieh  livilw-ml,  nach  der  nordamerikanischen  Ostkuste  zurUek  und  folgt  ihr 
I,  is  nafh  \Vesiindien  und  die  Ktlste  von  SUdaraerika,  wo  er  sieh  alhnahlich  verliert. 
Die  Ost-West-Slroinung  das  Atlantischen  Oceans  slidlich  vom  Aquator 
l.i.-l  sifh  in  der  Niihe  des  sUdamerikanischen  Gontinentes  sttdlich  nach  Rio 
.lan'fin.  /u  und  von  da  sUdosllich  auf  das  Cap  der  guten  Iloffnung,  um  von 
dnrt  ans  in  abiickahllem  Zustande  nach  den  Tropen  zui-uckzukehren. 

Im  paciiisrhen  Oeeane  wiederholt  sicli  dasselbe  Spiel,  die  Kuste  von  Japan 
\\ird  \on  cinein  n5rdlichen,  die  von  Australien  von  einem  sUdlichen  Aqualo- 
rialsirnnif  bespUlt,  vvelcher  letztere  bei  seiner  Ruckkehr  nach  den  Tropen  dif 
NV.-slkiiMf  SUdamerikas  berUhrt  und  bedeulenden  EinOuss  auf  deren  Klima 
ausiil.l.  Mffivsslromungen  vcnniltfln  Uberhaupt  cine  Ausgleichung  der  exlr.-- 
ni.-n  Tfni|)fraluivn  \\.-il  fiillf  rnli-  r  ocfanis.-lifr  Regionen,  indem  die  tn>]>isclien, 
anliin-lirli  \\fsl\siiitsgeFichtetenStr8me  an  die  Meere,  welche  sie  durehfliessfii, 
und  dif  Kiisien,  welche  sie  bespUlen,  Wiirme  abgcben  und  dann  in  ahii.-kilhl- 
UMII  /.ii>iandf  in  dif  a.|iiaiorial.Mi  Zonen  zurQekkehren,  um  dort  die  irnpischf 
Ilit/.f  x.u  mildern.  Die  Hedeulung  dieser  klimalischen  Beeinllussung  von  Seilfii 
d.-i'  .Mffi-f.s.stn.immufii  trill  in  den  grossarligcn  Sterung.-n  des  nonnalen  Ver- 
laufes  d.-r  o.-eanischen  Isothennen  am  ilbfn-aschfndstfn  hervor.  Durch  den 
Golfslrom  \\erden  die  nordallanlischf  n  Isolhermen  \\eit  nach  den  Polen  zu  hin- 
ausiiedriiniil.  wiihivnd  die  Isolh.-rinen  d.-r  gomiissiglen  Zone  an  der  \Vesl- 
kvisif  SUdanifrikas  durch  den  zuruekkfluvnden  und  stark  abgekUhllen  paci- 
tisfhen  Strom  bis  Uber  den  Aquatcr  hinaus  gerUekl  wenlen. 


Die  einfachsle  AusSeTUDg  (Iff  (le/eilen  M  das  periodische  Steigen  des 
Meeres  ,ni  den  Kiislen  das  Kindringen  der  Fltithxxelle  in  die  Fliissc  und  das 
y.eilxxeisc  Aufstaueii  der  lel/.leren  und  endlich  die  regdmiissig  \xiederkehreiide 
Dbeifhllbling  der  llachcn  Meeresufer.  xxdche  d.niii  ;ils  Sal/mars<  -hen  be/eidmet 
xxerden.  Die  Unite  del-  Huth  belriigl  in  der  Mille  des  Ocranc.s  \\eniger  als 
an  den  (lonlinenlen  und  xxird  liier  durch  d;is  Coin  ergiren  /.xxeier  Kiislen 
/\\ischeii  xxelche  sich  die  Fluth  driingt.  nodi  \  erun'issert.  L««tzlere>  i>t  /..  B 
ini  liolf  NOD  Ciililornien  und  nodi  iirnss;irlii.'er  in  def  Kuiulx  B;i\  tier  l;;ill.  \\o 
sie  Hi  bis  :Ji  M.  crreiclit,  \\iilirend  sie  in  der  Mille  des  Allanliselien  Oceanes 
/.  H.  in  St.  Helena,  kaiini  I  M..  an  der  Oslkiisle  Nordainerikas  -2  i  M.  l»e- 
iriiiil.  l)i<-  dnrcli  die  Flulh  er/.eui-le  Stromim^  ist  nanienllich  dorl  cine  heftiije. 
\N(»  sich  die  \\  a»er  dmvli  eine  en^e  (')Hiiuiii:  driinu»Mi  iniissen,  uin  in  ein  \sci- 
le>  liasin  (tdcr  eine  Ha\  7Ai  iiclanizen.  In  d»Mii  TsieTi-taiiiZ  Flus*  in  (lliina  stiir/t 
sich  (lit-  Flulh  \\ie  ein  sich  \or\viirls  l»e\Ne^ender  NVasseiiall  \on  I  Meile  Breile 
und  \<>u  10  M.  Ilohe  16  Meilen  \\eit  mil  finer  Schnellii;kcit  \on  •"•  .Meilen  die 
Stunde  hinaul'.  uni  sich  hei  eintretender  Kl)he  elienso  plot/licli  y.uriickzuy.iehen. 
Ahnlirlie  l-.i>clieinungen  sind  in  der  Fmidx  Ba\  nnd  den  in  diesellie  niiindenden 
Fliissen,  soxvie  in  deni  Aina/.onenstroin  hekannl.  Audi  die  sich  in  Fol^e  del 
einlrelenden  Kbhe  /uriick/.iehenden  \Vasser  bexxirken  oi't  eine  aiisseronlenllich 
reissende  SlriJinung. 

Durch  \Vinde  und  Stilrme  herVorgel>rachte  Wogen  und  Sti'oinunucn  er 
hallen  die  Oberlliiche  des  Oceanes  in  steter  Bewegung  und  hexxirken  dadurch 
die  hramlung  an  der  Kiisle.  (lurch  xxelche  die  /ersliel»len  \Vellen  :}<>  und  inehr 
Meter  hodi  izexvorfen  werden  konnen.  In  \Veslschottland  anuestellte  Versuche 
/eiiileu.  dass  die  von  den  Wogen  ausgeiilde  Kraft  in  Soiuineriniinaten  durch- 
schnittlich  27i8,  in  den  Wintcnuonaten  jedoch  9387  Kgr.  aut'  den  Quadrat- 
Meter  betrug.  Da  sich  die  von  den  Winden  gegen  die  Ufer  gexvorfenen  und 
ln-andenden  Wasser  unterhall)  der  nachsten,  bereits  ansliirnienden  Welle  /uriick- 
/.ielien,  was  auch  bei  den  xon  Winden  hervorgebraditeii.  gegen  das  Land  ge- 
richleten  Striiinungen  der  Fall  ist,  so  enlsleht  eine  rnterstrb'niung  in  entgegen- 
gesel/ler  KidiUing  als  die  der  Oberflache. 

§.  13.    Zerstorende,  transportirende  uud  wiederabsetzende  Thiitig- 

keit  des  MeereS.  Die  niechanische  Thatigkeil  des  Meeres  kann.  xx  ie  die  der 
Iliessenden  (iexxiisser.  cine  /erstoreiide.  transportirende  und  abset/.ende  sein. 
Dei-  /erslbrende  Kfl'ecl  der  See  auf  ihre  Kiislen  beruht  auf  del'  Iliihe  del1  Fluth. 
;uil'  der  Hichlung  und  Schnelligkeil  der  Fluthxxelle.  auf  der  Hichtung  der  xnr 
xxallenden  Winde  und  Stiirme,  auf  der  (Jexvalt  der  NVogen.  auf  dcr  pelrngra- 
phischen  Beschall'eidieit  und  dein  geologischen  Han  der  1'fer,  soxvie  auf  den 
Onnluren  und  der  Sleilheit  derselbon.  (iranil.  (Ineiss.  Sxenit.  Hasalt  xxider- 
slehen  dein  Anprallc  dcr  Wogen  besser,  als  Sandstcin.  Mergel  und  Kalkslein. 
—  an  flachen.  sandigen  Kiislen  trill  niehi1  die  aufbauende  I'liiiligkeit  des  Mee- 
res  herx»»r  und  eine  an  Vorgebirgen  und  Huchlen  rcichc  Kiisle  xvird  durch  die 
Vei'inelirnng  der  Angrill'spunkle  unler  sonst  gleicheii  VcrhiiltnisM-n  eine  v|.irker»- 
Xersliirung  nnd  Veriindei'ung  erleiden .  als  geradlinige  Slrecken.  Die  Wi.gen 
do  ()ce;ine>  xxirken  mil  der  y.crstorenden  Krafl  eines  \\  .is^.-rfalles  auf  die 


III.     Dynainisclie   Cioolo^itv 


Kilsten     uelrhe  unler  diose.n   Kinlh.sse  bestandiuen  Yerandenmgon    nnlerv,o,-!en 
siml      Die    Steilen   IVlswande    dor  lUVr,    die   Schrdffen   1-Vlsklipprn    an    .lor   Sec- 
kilslo   verdanken    ilnv  ConU.ren    der   Krosinn    d.-r    Wogen,    welehe   d.eselben    an 
ih,vr    Basis    i.nlrrwuhlen,    so   dass    die    oberen    I'arlien    derselben   nachstiir/en. 
|)i,ser  Hruehsliieke    bemaehli^en  sich   die  Wellcn,    /.erkleinern  sic,   runden   ihrc 
Bcken   und  kanten   al,    und    sehaiVon   auf   diese  Wrisi-  die  Rollstueko,    den  Kic: 
i,,ul    Sand.    v,ie    sir   die  Kiiste    mnsiiumen,     und    den    feinen  Scl.lanuu    der    an 
manclu'ii    St«.|lrn    al^.-si-Ul    wird.     Dio  (ii-sladr  .Irr  Inscl  Helgoland,    SONY..'    die 
IHsi-rn  Kil^l.-n  von  Norfolk  und  Suffolk    in  England  zeigen,    wie  grossarlij?  die 
.er^frende   Marl,,    dea   MO...VS   1st.    Im   Laufe  dor  Jahro    1S21-1N-..   rtlckten 
,lir  Irt/.l'-enannton  KUsten  niehr  als  1G  M.  landeinwarts,  zuglcich  nalnn  d.o  Vrtu- 
fun-  dos  '  Mooivsuruiulos  so  zu,  dass  Frcgatten  von  ttber  CM.  Tiefgang  Ubor  one 
SU-'llr  scgeln  konnton,    wo  sich  vor  48  Jahrcn  ein  Pels  von  23  M.  Iloho  orhob. 

Was  die  Thaligkoit  des  Ocoanes  als  Transportmitlel  der   in  densell 
-vfiilu'ton  Sand-  und  Schlammmasscn  bctrifft,    so  boschrankt   sich  diesclbo  fast 
alh-in  auf  schinale  und  flnche,   von  don  Wellen  aufgewUhlte  KUstonstnche,   und 
•war    isl    sic    bier    darauf   gorichlet,    die   aus   don  Flussmtlndungen    herausgo- 
s,.hxv.Minnl.Mi  Schutt-  und  Schlammmassen  an  die  Ufer  der  Goutinente  zurUc-k- 
/iiliviU-n  und  dieselben  dort  abzusetzcn.    Weder  Ebbe  und  Flulh,   noch  Slur- 
mrsN>o»on   dienon    zur  Verbrcilung    des  Flussschutles   und  Sandes,    im   Gegen- 
U,,.il..  drtngen   sic  diosolbon  an  die  Kuslen  und  bcfreien  das  Meer  von  jnecha- 
nisrhen  Verunreinigungen.    Deshalb  kbnnen  sich   auf  dem   eigenllichon  MIMMTS 
m-undc  koine  klaslischen  Gestoino,    %vio  Sandsleine  oder  gar  Conglomerate  b,l- 
',len,    dcron  Ablagorung   auf  die  KUstcnzoncn  beschriinkt  bleibt.    Nur   die    von 
den   Wassern    in   Suspension    gohaltencn    feinslcn    Schlammlheilchon    erhalten, 
begUnstigt  durch  die  Strbtnungon  des  Moercs,    eine  weilero  Verbreitung  in  d.o- 
scra,    vortheilen    sich  jedoch   iiber   so   enorme  Areale,    dass   ihre  Anhaufung  zu 
niiU-iitii:.-n  Al.lagerungen   sehr   langsam   vor    sich   geht.     Die   Sand-    und  Kies- 
n.asse.i,   Nvelehe   die  Fliisse    dem  Occane   zufUhren,    verniehrt   um    die  Producle 
dn-  /rrsloivndrn  Meerosvvogcn,    wrrdrn   von    den  Wellen  zu  Ufenvallen  aufge- 
wwfen,    wo  die  Wogen   unabliissig  an  ihrer  Zorkleinerung  arboik^n,    die   femcn 
Sandkornchen  mil  sich  zurUcknehmen  und  an  dem  Fusse  des  aus  don.  zurilck- 
l.lribondcn    grobercn   Materiale    bestehenden  Dammes    wiedor    ablagern.     Auch 
an  dem  Ausgange  flacher  Buchten  thurmen   sie   sich  auf  und  verwandeln  dies,- 
alliniihlirh  zu  Binnensccn  odor  Lagunen.    MUndon  FlUsse  in  diese  let/leren  ein, 
so    win!,    wie    lYiiher   gezt-igi,    «leren   Absaizen   Gclegenheit    zu  Deltabildungen 
und  allmiililielier  vulliger  AusfUllung   der   Lagunen    gegeben.     An   alien    Kiislen, 
,m  d.-nen    sich  uberhaupl   Raum    zu   ihrer  Ausbildung  lindH,    /eii^en  sieh  diesc 
Uforwalle,     In  Dcutschland  zieben  sie  sich    von  Schleswig   die  Nordsce    ontlang 
bis  naoh  Holland,  an  den  Gesladen  der  Oslsee   treten   sie   als  Nehrungon   zwi- 
Khen    den  La-unm    der   FlussmUndungen    (den  Haffcn)    und   der    offenen    See 
auf.     Solbstan  Stollen,   wo  diese  rferwiille  durch  1-lussmUndungen  unlcrbrorhon 
sehoiuen,   sind  die  Ltlckon  nur  oberlliiehliel.,   indom  eine  Sandbank,   die  Bar  IT, 
in  dor  Forlsctzung  des  Ufei-walles    die  MUndun-    der    moisten  grosseren  StrOme 
tinor  durchzieht. 

40 

(  '  i  i-  A  ii  o  r  ,  Elemento  tl.  Geologie. 


178  III.  iHinmi.M-lie 

Niruends  >ind  diese  Mii^oclinbeiien  untl  VOID  Fe^tlande  (lurch  einen  Stricli 
llachen  \Yassers  getrennten  ITcrwidle  so  vollkoiiiiucii  9USg$bild@t,  ^  ie  an  der 
()>tkiisle  Nordamerikas  von  Long  Island  bis  Florida,  und  x.\var  iKimcnllicli  in 
dcr  Nachbarschafl  dcs  Cap  llalteras.  Hire  Hildung  lasst  sicli  hier  ganz  beslimmt 
auf  die  \Yecliscl\\irkuiii:  dcr  (ic/.eilen  und  der  ausseriieublmlich  /alilreichen 
Flilsse  und  Strbme  /.uriickfilhren.  In  lelzlere  dringl  die  Flulh,  staut  sie  an, 
ilbcrsehwemmt  das  benachbarte  Flachland  und  bringl  die  Wasser  eine  Zeit  lang 
z u in  Slehcn.  In  Folge  davon  gelangen  ilire  Sand-  und  Schlaniniinassen  zum 
Absatz.  Bei  einlretender  Ebbc  beginnen  die  Flusswasser  sich  in  Bev\egung 
zu  setzen,  ihre  Niederscblftge  wieder  aufzuwuhlen  und  nach  dem  .Meere  /u 
schallen.  Auf  den  llaelien  Kiisten/onen  angelangt,  breiten  sie  sich  aus,  hnbcn 
den  \Yidersland  der  Meereswogen  zu  bekiimpfen,  verlieren  dadurch  ihre  bis- 
herige  Sehnelligkeit  und  selzen  ihre  Schlamm-  und  Sandlasi  von  Ncueni  ab, 
-  es  entstehen  die  vorgeschobenen  Uferwalle.  Die  Enlfcrnung  dersel- 
ben  von  der  MUndung  der  Flilsse  hangt  von  der  Grosse  und  dem  (iefalle  dieser 
lelzteren,  so\vie  von  der  Hbhe  und  Starke  der  Fluth  ab.  Innerhalb  der  neu- 
gebildelen  Lagunen  (Sounds)  geht  ein  continuirlicher  Ausfiillungsprocess  vor 
sich,  weleheni  die  flachen  Kilstenstriche  am  Atlantischen  Oceane  und  am  Golfe 
von  Mexico  ihre  Entstehung  verdanken.  Bewirkt  jedoch  die  aus  dem  Flusse 
y.uriickkehrende  Ebbe  cine  sehr  starke  Strb'mung  innerhalb  der  Lagune,  so  be- 
nagl  und  zerstbrt  diese  die  Innenseite  des  Uferwalles,  wahrend  die  Anschwem- 
mung,  also  Vergrosserung  desselben  vom  Meere  her  ununlerbrochen  vor  sich 
geht.  Auf  diese  Weise  riicken  die  Uferwa'lle  langsam  in  den  Ocean  vor  und 
werden  gefolgt  von  den  an  Ausdehnung  zunehmenden  Flussmarschen.  So 
wachscn  die  Continente  an  der  einen  Stelle,  wahrend  sie  an  der  andcren  der 
Zerstdrung  durch  die  brandenden  Wogen  ausgesetzt  sind. 

In  manchen  Gegenden  vvird  das  Material  der  Uferwalle  dureh  kalkhaltige 
Ge \\iisser  zu  einem  Conglomerate  verkiltct  und  dadurch  zu  einem  festen  Ge- 
sleine  umge\vandelt,  meist  aber  bleibt  es  eine  so  lose  Anhaufung,  dass  die 
von  der  See  wehenden  Winde  den  feinen  Sand  von  den  groben  Gerbllen  und 
Kiesen  Irenncn,  ihn  zuDiinen  aufhiiufen  und  als  Flugsand  landeinwiirls  Irei- 
ben.  Die  Dilnen  sind  ode,  nackte,  langgezogenc  Hiigel  oder  zu  mehreren  par- 
allel hinter  einander  liegende  Hilgelreihen,  welche  10,  20,  ja  60  M.  Hbhe  er- 
reiehen  und  dadurch  entstehen,  dass  der  Wind  den  wahrend  der  Ebbe  trocken 
geleiilen  Sand  hilgelartig  zusammenfegt  und  vor  sich  her  Ireibt.  In  Folge  da- 
von sind  die  Dtlnen  in  einem  besliindigen  Vorriicken  in  das  Feslland  beg  rill  en 
und  sind  im  Stande,  fruchlbare  Flurcn  in  ode  Sandhtigel  zu  verwandeln,  ja 
allmahlich  ganze  Dbrfer  zu  vergraben,  von  denen  nur  noch  die  Spilzen  der  Kireh- 
thilrme  und  .Kamine  hervorragen. 

I  berall  zeigt  es  sich,  dass  die  augenblickliche  Erscheinungsweise  der  Erd- 
oberlliiehe  nur  ein  vergiingliches  Bild  in  dem  rmgeslallungsprocesse  unseres 
Planelen,  nur  eine  momentane  (Jruppirung  des  ruhelos  wandernden  Stofles  ist, 
weleher  nur  scheinbar  eine  gewisse  Slabilitat  bewahrt. 

Kin  Ereigniss,  welches  sich  im  Laufe  der  Kntwieklunusgeschichle  der  Erde 
oftmals  \\iederholle,  war  das  allmiihliehe  Unlertauchen  eines  Conlinenles  unter 


1IF.     Dynainisrlio  Gooloi^io.  17!) 

den  Spiegel  des  Meercs,  welches  sich  iiber  ilin  ausbreilele  und  sofort  seine 
Thiiligkeit  auf  dessen  cinstmaligor  Oberllache  bogann.  In  demselben  Maasse, 
wio  os  sirh  auf  Kosten  des  Fesilandos  vergmsserte,  riickte  cs  seine  sandigen 
DUiion  inimer  weiler  landeinwiirts.  glich  Thaler  uuU  Yerliefungen  wenigstens 
/inn  Theil  aus  und  stolllo  ebono  Fliichon  her,  .bis  allmiihlich  jede  Stelle  des 
iianzon  Continents  einnial  Kilsto  gewesen  und  als  solche  vorn  Meere  bearboitot 
und  umgestaltot  worden  war.  Gebirgige  und  felsige  Partien  untcrwusch  und 
bonaiito  os  und  sudito  mil  doin  so  hergeslellten  Gerblle  und  Sand  die  Thaler 
iius/ufiillon,  kiir/.  os  arboileto  darauf  hin,  alle  Unebenheiten  mb'glichst  auszu- 
dciohon,  oine  Tendonz,  welche  auch  seine  Niederschlilge  verfolglen,  nachdoiu 
d;is  oijisliao  l-'ostland  hereils  zum  Grunde  des  Oceanes  geworden,  und  welche 
ondlich  von  Neuem  hervortral,  sobald  sich  der  Meeresgrund  \viederuin  langsain 
xuin  l-'estliind  orhob,  vvobei  von  neuem  jeder  Punkt  desselben  eine  Zeit  lang 
Kiisto  und  dor  ausgleichenden  Arbeit  der  Brandung  ausgeselzt  war.  In  alien 
Hiohlungon  \vird  das  Wasser  seiner  Aufgabe  gerechl:  auszugleichon,  was  dor 
Yulkanismus  aufgethilnnt  und  die  Oache,  ursprtlnglich  von  Gebirgen  noch  niohl 
unlorbrochene  GesUilt  der  Erde  wieder  herzustellen. 

2.    Das  Eis  als  geologisches  Werkzeug. 

Die  Mitwirkung  des  Eises  auf  die  Gestaltung  der  Erdoberniichenvorliiilt- 
nisso  lial  sich  dor  Nalur  der  Sache  nach  weniger  durch  VVassereis,  als  dutch 
dit1  grosseren  Ansammlungen  von  Landeis,  welche  man  als  Gletscher  bezeich- 
not,  goltend  mac-hen  konnon. 

§.  1.  Weseil  der  Gletscher.  Glclscher  sind  Eisstrome,  welche  in  don 
Firnschneefeldern  enlspringen  und  sich  in  langsamem  Flusse  thalabwUrts  be- 
woi-cn.  Ilir  Miitoiial  besteht  aus  festen,  harlen  Eiskb'rnern  (siehe  pag.  32), 
\\olche  zu  einer  compaclen  Masse  verschmolzen  sind.  Lelzlere  ist  nach  alien 
Kirht linden  von  ausserordentlich  feinen,  sich  nel/formig  kreuzenden  und  ver- 
/weigondon  Haarspalten  durchzogen.  Das  Gletscher-Eis  entsleht  aus  Zusammon- 
schmelzen  des  Firn-Eises,  dieses  duroh  Abschmelzen  der  Firnschnoekryslallo  /u 
rundon,  losen  oder  durch  Eiscement  verkitleten  Kb'rnern.  Die  Heimalh  des 
Firnschneos  sind  dio  hiichslen  Partien  des  Ilochgebirges,  sowie  das  Innore  des 
polaron  Festlandes,  wo  er  sich  als  Niederschlag  der  almospharischen  Feuchtig- 
k(>it  bildof.  In  geringeren  Hahen  und  in  polaren  Gegenden  in  grb'ssercr  Niiho 
des  Meeres  bildcl  er  sich  zu  Firn-Eis  und  in  noch  lieferen  Niveaus  zu  Glolscher- 
l,is  HIM.  Die  Firnschnecfelder  sind  domnach  die  Eisroservoirs,  aus  denen  die 
Gletscher  enlspringen  und  crniihrl  werden,  so  dass  sich  Gletscher  und  Schnee- 
folder  zu  einander  verhalton.  wie  ein  Fluss  zu  dem  See,  welchem  er  Abfluss 
\orsehalVt.  Ks  bewegt  sich  also  auch  die  Firnmasso  fort  und  fort  thalabwiirls, 
bis  sic  in  oben  angegobenor  Woiso  in  Glelschereis  umgewandelt  wird  und  dann 
als  solches  die  Howegung  forlselzt.  Es  sind  demnach  zwei  Bedingungen,  von 
denon  die  Entslohung  der  Gletscher  abhiingig  isl,  erslcns  die  Existonz  kessel- 
formigor  Erweilerungon  der  Thalenden,  deren  Boden  nur  eine  geringe  Noigung 
bositzt.  und  zwoitens  dio  Lage  diosor  Kessel  obcrhalb  der  Schneelinie,  so  dass 

12  * 


]sn  IFF.    l>M>.iiiiiM-lif   fn-i.l.. 

sich    d.irin  izrosse  M.I»I-I»    des  Kirn    anhiiufcn  kiitmen,    ohne    alljiihrlicli   W< 
schmelzen. 

§.  2.  Bewegllllg  <ler  (Jletsclier.  Die  (ilelschernusse  dcitcl  imaufliallsam 
tint!  besliindii!  lhalalw  in  I-.  Sic  bclindel  sich  in  eincin  plaslischen  Zuslande, 
in  Folge  dessen  ilirr  Be\\( -^iin^en  durdi  Yerengungen  ilnvs  Belles  nder  I'nehen- 
heilcn  drs  Bodcns  nieht  \erhinderl  werden,  viclniohr  schmicL-l  sic  .sich  den 
lel/.teren  an,  quilll  durch  Engpasse  hindurch  und  breilet  sich  l>ci  KrucitcruiiL: 
drs  Thales  wieder  aus.  Trill  ciner  vorrilckonden  GletscheTmasse  cin  Fdscn- 
riff  in  den  Weg,  so  schiobl  sic  sich  an  demselben  in  die  Hohe  und  Uber  das- 
selbe  himveg;  in  iihnlicher  Wcisc  driiiiL't  sie  sich  Felsenabluin^c  liinab  und 
spallcl  sich  dabei  in  verschieden  geslaltHc  Kisblb'ckc.  Mehrere  Glelscherslrome 
konncn  sich  zu  eincm  Haupltiletscher  vereinigen  und  verschmel/cn  dann  zu 
einer  einzigen  Glelschermasse.  Uber  das  Wesen  der  Gletscherbe\\ci:uni:  stchen 
folgcnde  Thalsachen  fest.  Die  von  der  Hohe  nach  der  Tiefo  uciichlctc  I3e\ve- 
gmii;  des  Glelscher-Eises  isl  eine  regelmJissige  und  beslandige,  nie  ruck \\eise  vor 
sich  gehendo,  \\elche  nicht  nur  auf  den  Sommer  beschriinkl  ist,  sondern  sich  auch 
\\iihrcnd  des  Winlers  belhaligt.  aber  in  lieissen  Jahreszeilen  slarker  als  in 
knllcn  isl  und  namenllich  durch  Regen  und  Schneeschmclzen  begiinsligl  wird. 
Kbcnso  Irilt  auf  sleilen  Senkungsllaclion  bei  sonst  gleichen  Vcrhaltnisscn  eine 
Beschleunigung  der  Bewegung  ein.  Die  gesammle  Gletschermasse  belheiligl 
sich  jedoch  an  dieser  steten  Forlbewegung  nicht  in  gleichem  .Grade,  es  verha'll 
sich  vielmehr  der  Glelscher  in  dieser  Beziehung  durchaus  \vie  ein  Slrom,  in- 
dem  seine  inilllere  Zone  schneller  vorriickt,  wie  seine  Hiinder,  seine  Ober- 
fliiche  schneller  als  sein  Boden.  Eine  quer  ilber  einen  Gletscher  gezogenc  u<-- 
r;idc  Linie  bildel  sich  deshalb  nach  einiger  Zeil  zu  einer  erst  flachen,  dann 
sich  immcr  sUirker  krQmmenden  Kurve  aus. 

Die  Griisse  der  Gletscherbewegung  ha'ngt  von  der  Masse  des  Glelscher- 
Eises  und  der  Sla'rke  der  Neigung  seiner  Unterlage  ab,  schwankl  demnach  in 
weilen  Grenzen  und  belragt  zwischen  15  Centimeter  und  1,30  Meier  liiglich. 
Nininit  man  als  gewohnlichsles  Maass  derselben  20  bis  30  Centimeler  pro  Tag 
an,  so  enlsprichl  dies  einer  jahrlichen  Bewegung  von  etwa  75  bis  <10  Melt T. 

Das  Maass  der  Glelscherbewegung  ist  jedoch  nicht  nur  bei  verschiedenen 
Glelschern,  sondern  auch  bei  den  einzelnen  Sectionen  der  Langenerslrekung 
ein  und  desselben  Glelschers  in  Folge  der  wechselnden  Neigung  des  Glelscher- 
beiics  cine  verschiedene.  So  bcwegen  sich  gewisse  Glelscher  in  der  Mille 
bedeutend  rascher  als  an  dem  unleren  Ende,  \\odurch  eine  Zunahme  der  Dich- 
li.^kcit  des  Eises  nach  unlen  zu  bedingl  \vird.  Die  Bewegung  des  inillleron 
Theiles  des  Aargletschers  verhall  sich  zu  dem  seiner  unleren  Endpartic  NNic 
•  !7  7.11  2.};  in  Folge  der  dadurch  stalKindenden  Compression  wiegt  ein  Kubik- 
meter  Eis  vom  Ende  dieses  Glctschers  72  Kilogramm  mehr  als  ein  solcher  aus 
der  Mille  desselben. 

Die  Fiihigkeil  des  Glelschers,    sich   zu  bewegen,    beruht   auf  der  Plasliciliil 

i'-    Eises,    \\elehe  das  Glelsdicr-Kis  in  Folge  der  dasselbe  durchsclisviinnenden, 

i-  enthaltcndcD  Haarspallen  und  in  Folge  seiner  kiirnigen  ZusdmmensetsuQg 

in  i-rhiihlein   Maasse  besilzl,    namenllich  aber  auf  der  Leichligkeit,    mil  weh'her 


I   W   1 

III         It .     . .  I , . ,     j  1 ,  t.  ll  I  I '  •  1 1 1 


dasselbe    ...    Slttcke    brirhl    i.ml    sirl.   .lu.vl.    Zusainin^nfrlefen    dor  Conlao.llarhon 

wieder   /n    einer  gleichformigeii  Masse    voreint.     Efo    in  Bewegung   bounilonor 
Glelscher  befindet  sich  i...  /iiMand.-  des  bestandigon  ZersWckelns  und  Wieder- 

MMviiiiulxN.Td,-!.*.    Am   aullalli^lon   ist   diesef  Vofgang  do,    wo  sich  o,n  Glrlsrh 
iUn-i-  cine  Felswand  siur/i  un.l  an  dereq  Fusse  >u  oinom  HaufWerke  NO, 
slnrkon   /orlrummorU    werig   unlorhalh   die*6S  PttrikteS   ftbef  W&der  als  fflde 

li.lo    EusainmeDhangende  Gteischehnasrt  erscheint.     Kiiic  dcrarlige  BeweglM 
keii  der  einielneti  ThriU-  dos  (ih-isi-hc-r-Eisos  bcPahigl  den  Gletecher,  .Inn  gtf- 
walUgeo  D.-u,  kr.  den  .soi.u-  eigeQe  Mn.ssr  narh  union  ausiihl,   ui  folgen  and  voi 
hoi,,.,-  url.-urncn   I'nnklcn   na.-h  ticfereii  /u  glcitcn. 

§.3.     riilt'iT  (Jreu/c   der  Oletschcr.     Die  Brwrgung  dor  (iU-tsdu-.    , 
Biufelao  aur/nfasseii,   als  oh  oin  llialalmarls  grrichUstes  VorrUi-k.-n  deS  nnl.-i-on 
GleUcborendes   mil  (U-rsrllu-n   Nn-kntlpfl  Wflre.      Kin  solchcs  trill  iiur  .lann  oin, 
wenn    .U-r    Kinlluss    dor  hon-sdu'iulon  Tcmp.M'alur   cin    steles  Forlsc-l.ro 
Gtetecbers   naoh    ,lon.  Tiol'lando    /u    ^slaltet ,    also    nur    in    polaivn   Co^ondon, 
svalnvnd  in  dor   uonu.ssi-ton    un.l  heisscn  Zone    iln-cr  Ausdohnunj-   nach    unte 
(luirl.  dio  NNiirn.oro  Tomperalur  eino  Groiuo  goscl/l  wird.      Diosos  Nivi-an,   die 
S-liiiu-lzlinic    (nichl    zu  verNvechseln    mil   der  Schncelinie),    kann    dor  (il<-lscl.or 
,,i,.|n  ttberschreilen,   indcm  sc«in  Ende  in  dcnisclbcn  Verhallnisse  abgeschraolzeto 
NNir.l.   in   welcbem   (llolsolionnasso  zuslrUmt.    Die  Glelschergren/e  licgt  de.nnaol. 
iu  (|.iu  Nireau,   wo  bcido  Klon.onlo  oinander  das  Glcichgcwicht  hallen,  so  dass 
,lir  Sd.noolinio  dor  Glelscher   oft  liber  Tauscnd  Meter   ausserhalb   der  Schncc- 
linir  y.u  snohenisl.  Do, •rnl.-.-i'rindelwaldglclschcrdriiiglUbcrlSOOM.uiilcr  Ictztero 
sor.     Ganz  constant  ist  die  Schraelzlinic  nicht,  ist  viol.nehr  je  nach   dor  Vor- 
M  l.i.Mlonhoit  der  Tempcraturverhaltnissc    in  den  auf  einander  folgonden  Jahren 
gcringen    SrhxNankungen     unterworfen.       Trelen     ktlhlc ,     fcuchlc    Jahrc     cin, 
wShrend    dorcn    viel   Fimschnee    gebildet    wird    und    wenig   Eis    abschrnilzt, 
M    rU.kl  der  Glctscher    wciler   ins  Thai    hinab,  ist   in    warmcn  Sonnnern 

d-is  Absrhinclzcn  Ubcrwic«cnd,  so  ziehen  sich  die  Glctscher  schcinbar  zurttck, 
uml  es    u.M-don  Theile   des  Thalos  entblosst,    welche    frUher   von  Eis   bedeckl 

\\aron. 

Die  Meereshb-he  dor  Sch.nel/linic  der  Glctscher  wird  vorzugswo.s 
dir  'riMnporalurdinercnzcn  der  vcrschiodonon  Jaliroszeilcn  heslimint.  Sic  licgl 
.h-mnarh  in  Ho-ioiu-n,  wo  /NNar  sohr  kalle  Winter,  abcr  heisse  Sommor  horr- 
s,-l.on,  hiihcr  als  an  Orion  mil  kiihloron  Soinnicrn,  -  -  sic  niihort  sich  mil  an- 
deren  Worton  mil  dcm  Fortschrcilen  nach  den  1'olen  hin  immcr  mohr  dom 
Nivran  «l.-r  Bee,  Feraere  b«-slin.mond.-  r.-saohon  dor  llol.o  dor  Sclm.ol/Jinio 
si,,d  in  dor  hViohlirhkoit  dor  almuspharischcn  NiedcrschlJIgr  innorliall.  dor  rfh- 
/..•Inon  Glolsrhonvdonen  und  deshalb  nnoh  in  der  Richlnn-  dor  dort  herrsohon- 
don  Wind.-  7,u  suehen.  Stroichen  letztere,  ehc  sie  zu  den  Glclscho.  n  ijolaniioii, 
ilbor  woilo  Wasscrfliichen  und  b.-ladon  sich  auf  ihivm  \Vo-o  mil  Fouchligkcil, 
so  brwirkon  sir  oil.  Moral.,  iiokon  dor  Solnnel/lini.-.  Ks  roi.-hon  aus  diesom 
Grundo  am  Siidabhan-o  dos  Ilimalaxa  dio  Glctscher  liefer  hinab,  als  anf 
dor  Nonlseilo,  \\.-loho  nur  von  den  trockencn  Landwinden  Cenlralasiens  be- 
strichen  wird. 


I  V2  III.     |)\  ii.iiniM-lie    (i 


Die  Scliiiit'l/linic  der  Glelseher  des  Irnpisehen  Ameiika  lieiit  iin  AILemeinen 
iti  riner  .Meere.xlmlie  \on  iOOO  —  5000  Meter,  am  Himalaya  rcielit  sit-  bis  iUluil 
Meter  hinab,  in  den  Alpen  isl  sic-,  \venn  man  von  einigen  Ausnalmicfallen 
.ibMehl  so  /.iehl  .sieli  der  I'nlergrindclwaldglelscher  his  zu  einer  Meereslibhe 
von  nntcr  1000  Meier  hinab),  in  I'.MJI)  .Meter  llohc  zu  suchen,  in  Norwe^en 
he.Ml/.l  Me  JTO  Meier  Meereshbhe,  in  Lappland,  Island  und  Grbnland  und  in 
deiii  sildlichsleii  Theile  von  SUdamerika  schicbcn  sich  die  Gletscher  in  die 
See  liincin. 

§.  4.  Yerbreittillg  der  Gletsclier.  Glelscherbildungen  sind  gcbunden  an 
Geizenden,  wo  sich  kalle  Winter  und  kllhle  Sonnncr  irn  Kreislaufe  wieder- 
holen,  wo  zweitens  die  Massen  almospharischer  Niederschliige  bedeutend  und 
endlieh  die  Bedingungen  fUr  cine  Bewegung  auf  geneigtem  Unlergrunde,  durch 
IU)denerhel)ungen  gegeben  sind.  Diesen  Erfordernissen  enlsprechen  die  llocli- 
gebirge  der  heissen  und  gcmassigten  Zonen  ,  die  Gebirge  der  kalteren  Land- 
slriche,  sowie  die  Continentc  der  Polargegenden.  Sie  sind  es,  welche  die  Yer- 
breitungsgebiele  der  Gletscher  uinfassen.  In  Asien  tragen  nur  der  Kaukasns 
und  der  Himalaya,  in  Sildamerika  nur  die  hbchsten  Spitzen  und  das  slldliehe 
Knile  der  Andes  \vahre  Glelscherfelder.  1m  sildlichen  Europa  sind  es  die 
Alpen  und  Pyrenaeen,  ini  Norden  dieses  Continentes  namenllich  die  zuisehen 
60  und  70  Grad  n.  B.  gelegenen  Gegenden  Nor  we  gens,  welche  von  den  weit 
ausgedcbnten  Schneefeldern  ihrer  Gebirgsplateaus  machtige  Gletscherstrome  in 
ihre  Thaler  und  Schluchten  senden.  Die  Gletscher  der  Schweiz,  deren  Zahl 
gcgen  400  betriigl,  nehmen  allein  einen  Flachenraum  von  50  Quadrat-Meilen  ein, 
einige  derselben  erreichen  bei  einer  Machtigkeit  von  270  Meter  eine  La'nge  von 
21  .,  Meile.  Die  Gletscher  der  Pyrenaeen  sind  im  Verhaltniss  zu  denen  der 
Alpen  von  nur  untergeordneter  Bedeutung.  Sie  sind  auf  die  Nordabhani:e  der 
hbchsten  Theile  des  Gebirges  namentlich  zwischen  den  Thalern  der  Garonne 
und  dein  Val  d'Ossone  beschrankt.  Auch  dje  skandiuavischen  Glelscher  er- 
reichen nicht  die  gewaltige  Ausdehnung  vvie  die  der  Alpen.  Der  machtii4ste 
derselben,  der  Lodal  Gletscher,  ist  etwa  eine  Meile  lang  und  650  bis  850  Meter 
breit.  Auch  Island  und  Spitzbergen  besilzen  grosse  Gletscher,  wahrend  das 
ganze  Innere  von  Grbnland  von  einer  machtigen  Eisdecke  Ubcrlagert  ist,  von 
welcher  aus  ,  abgesehen  von  zahlreichen  ,  verhallnissina'ssig  kleineren  ,  haupl- 
sachlich  filnf  niiichtige  Eisstrbme  in's  Meer  ziehen.  Der  grossartigste  derselben 
ist  der  Humboldt-Gletscher,  welcher  an  der  Slelle,  wo  er  in  die  See  tritt, 
eine  Breitc  von  9  deutschen  Meilen  besitzt.  In  ganz  iihnlicher  Wi-ise  drin;-en 
aus  der  schluchten-  und  fjordreichen  Siidspilze  Siidamerikas  ungeheure  Glel- 
sclierniassen  hervor.  Ein  an  hbchst  interessanten  Erscheinungen  reieher  Glel- 
scher befindel  sich  im  Kolzebue-Sund  iui  frUher  russischen  Nordamerika. 
Er  ist  von  einer  Lehmschicht  bedeckt,  auf  deren  Oberllache  Weiden,  Haide, 
Moose  und  Flechten  Uppig  wuchern  ,  wahrend  sie  Skelettheile  VOID  Mammuth, 
Pferd,  Rennthier  und  Bisamochsen  umfasst,  wie  sie  aus  deni  Diluvium  anderer 
Gegenden  bekannt  sind. 

FrUher  und  zwar  in  der  Eisperiodc,  welche  der  Jet/t/eil  vorausging,  be- 
sassen  die  Gletscher  eine  viel  grbssere  Verbreitung.  Aus  den  llaiipllhalern  der 


III. 


183 


cincn     liillten     diis    vvcile 


Yollsliindi"      also    his    /.it 


Alpen  tralen  niiirliliiif  Kissln.nie  in  dir  Kbene 
Thai  y.uischen  .lur;i  und  dein  crsluenannten  C 
|:i;iO  .Meter  llohr  aus,  andere  dran-en  ilbrr  «!.-..  Uodensee  bis  weil  nach 
HaM-rn  uiul  Sclmaben  vor.  Von  den  Siidabhanuen  dcr  Alpen  slirj-.Mi  Eis- 
MKr>srn  bis  in  die  IV^Nicderunu  hinab.  Sclbst  Grossbrilannirn  uiul  Skandi- 
oavidn  ahnelWti  in  der  Kis/eii  in  itr/.uii  auf  ihro  GietecbcirbedecWbg  uiul  «lir 
Ai.sdc'hnuni;  iluvr  Clrlsrht-i-  bis  /.urn  M.'.Mv.sspii'iirl  (Inn  lu-uti^n  Foucrland 
und  (ironland. 

§.  :,     You  den  Bewegungen  dor  (illelsclier  abhiingige  ErscluMiuiiigcu. 

Drr  Vor.s.'l.ub,  NvHcluMi  das  Eis  dor  Aufgabc  ilrs  WasstM-s  Irislel  ,  indcin  rs 
Il,,,1(|  in  i|;uld  mil  ilun  dio  (Irbiruc  ab/ulra^n  bollisscn  ist,  olVcnbarl.  sicl. 
..MI  auiicnlalliiislen  in  doin  Transports  von  Gesleinsmassen  anf  dcin  Hiirki-n  dor 
r.  \«.n  den  l-Vlspartirn,  /wise-hen  \velchon  sich  dicsc  hindurch  driiniicn, 
x.uin  Thoil  in  Folgo  dt-r  (JostiMns/tTspallung  durch  den  Frost,  zum  Thcil 
in  Foluc  dcr  /.(M-stiiivndcn  Ccwalt  dcr  Lawincn  grossorc  oder  kleincre  Trllinincr 
aul  dir  (Molschcrobcrflachc,  wo  sic  sich  zu  vcroinzollon  Ilaufwcrkcn  ansam- 
nu'ln  NvilrdiMK  Nvcnn  d«-r  Gletscher  stillsUlndc,  -  -  dadurch  aber,  dass  er  untcr 
,1,-in  r.sprungsorte  dor  Gestcinsbruchstiickc  langsam  vorbci  zicht,  ordnon  sich 
.lirsc  in  laniio,  dor  Bowegung  und  don  Randern  des  Gletschcrs  parallcle  Rcihon, 
cs  (Milst(>hon"dic  Seitcnmorilncn.  Mil  solchcn  Gcsteinsmassen  bcladcn  sctzl 
dr.-  (ilrtsrhrr  seine  ihalabwiirts  gcrichtete  Wandemng  -fort.  Vereinigen  sich  aul 
ihivin  Wcgo  /\\(M  Risstromc  zu  einom  Hauptglelscher,  so  Irelen  zugleich  dio- 
jciuiicn  ihrer  Seitenrnoranen,  wolcho  auf  den  mil  cinandor  beim  Contacte  vcr- 
schinelzendcn  Randern  der  beiden  Gletscher  lagern,  zusammon  und  bildcn  dann 
auf  doin  Mittclnirkcn  des  neu  entstandenen  Hauptgletschers  cine  Mittclmo- 
rano  Da  jeder  Vereinigung  von  zwci  Gletscherstrb'men  eine  Miltelmoranc 
efllspricht,  so  ist  man  im  Stande  aus  der  Anzahl  diescr  lelzteren  auf  die  Zahl 
dor  nach  und  nach  zu  eincm  Mauplglctschcr  vereinigtcn  Nebengletschcr.  7.u 
schlicsscn.  An  seiner  Grenxlinie  angelangt,  schmilzt  das  Eis  des  Gletschers, 
seine  Hclasluni:  sttirzl  auf  die  Thalsohle 
und  hiiufl  sich  hior  im  Laufc  dcr  Xcii  /u 
eini'in  oft  mehrere  llundert  Fuss  lu.hcn 
Wall,  drr  Knd-  odcr  Stirnnioriino 
auf,  —  cine  Station  auf  dcr  Wandcriing 
dcr  (icstcinshnichstiirkc  von  dcni  Imrh- 
slcn  Hcrucsizipfcl  nach  dciu  Mccrc. 

Die  (lesh-insbruchstucke,  \\clche  die 
Seiten-  und  Mittclmorilnen  zusamincn- 
setxen.  also  mil  der  Gletscherobcrfliiche 

fortbeWegt     WUrden,      habcil    Sldl     dlirdl- 

aus     frischc     Bruchllachen     und     scharle 


Fig.  21.  1  \ind2Seitenmoriincn  d«B  OUtMttert  A.  :'.  uiul 

I  Scit-nmoniiien  dos  Ulotsrhcrs  IS.  :,  Mittflmoranc,  ent- 

Ktandcn  duroK  Veteinigttiig  derGtotaolMl  A  und  K  und 

dcr  BeiUnmo«ia«B  ~i  uml  :;. 


Kauton  und  Ecken  erhalten,  da  sio  auf  ihrcin  Wcge  mil  festen  Gesfeinsmassen 
nicht  in  Contact  kamen.     Urn   so   griissere  Geataltsveranderangefi  erleiden  die- 

jeniizcn  Triiinnicr,    \velcli(>    in    die  S|iallen  /wischen    deni   (ilelscher  und  seinen 
felsiiren  ri'er\Niinden  oder  z\>ischen  ihn  und  die  Thalsohle  geralhen.      Sie  werden 


I  S  I  HI.     |)\  niiini-rli.' 

unter  <i<'in  iMnckc  dcr  imurheiiercn  F.ismasse  ,  \\clelie  ,iuf  ilmen  l.istcnd  sirh 
I'orlltcNM'gl,  cntNNcder  7.U  Sand  /ei  ricben  ,  ndcr  doch  abgerundcl,  i:cglattct  und 
an  Hirer  Obcrlla'chc  mil  Icinen  Slreifen  versclicn.  Sic  bildcn  fine  (iciiill-  und 
Schlammschielil  unlrrhalb  dcs  u,m/cn  Kisslromes  ;G  r  un  d  in  o  rii  n  e)  und  \\crden 
an  der  imtcrcn  Gren/.e  dcs  (ilelschers  yon  diesem  ausgeslossen  odcr  Ihcilueisc 
durcli  ihni  entsti  onicndc  Glelseherbiiche  uls  deren  TrtlFic  fortgefttbrt.  In  crslrrt'iii 
Kallc  liiiulcn  sic  sich  in  Geueioschaft  mil  dein  Milld-  und  Scitrnnioiiiiicn- 
inatcrialr  /u  den  Kmlmorancn  an.  I)ics(^  heslclicn  soinil  aus  cckiiion,  sclmrf- 
kanliiicn  Brucbstticken  und  a  lip  •rundclcn,  iicsircil'tcn  Holl.slilckni  und  sind  An- 
BammUlOgeD  allcr  dcr  Gcstcinsarlen ,  \vclchc  innorhall)  dcs  Berciehrs  dcr  (ilcl- 
schcr  anslclicii.  Die  Quantiliit  dcs  durch  (ilclsclicrbiiclic  \\cui:csc)i\\  cinnilcn 
Matci'ialcs  isl  so  hcdculcnd,  dass  z.  B.  dcm  Aar-(Jlclschcr ,  \\clclior  ini  Monal 
August  cl\va  y  Millionen  Kubikmetor  \Yasscr  pro  Tag  zu  lie  fern  pflcszl,  in  dw- 
selben  Xeit  2Si37i  Kilograinin  Sand  enlflihrl  wcrdcn. 

Durch  densclben  Vorgang,  nus  \\clcheni  die  Grundmoriinen  resullircn, 
\\crdcn  grossc  Fliichen  dcs  Fclscnbcltes.  in  \vclchcin  dcr  Glctscher  dahinulcitct, 
ulalt  gcschcucrl  und  vollslandiu  polirl  (Sch  1  i  f  ff  lachcn).  In  die  Oberfla'clic 
dieser  Schlille  hat  dcr  Glclschcr  die  Richlung  seiner  Bcwogung  vcnnitlclsl 
bcsonders  harlcr,  an  scinein  Boden  cingefrorencr  Gesleinsfragnienle  in  Gesiall 
zablloser,  feincr,  gcradliniger,  mchr  odcr  minder  parallclcr  Ritzen  und  Streifen 
cingegrabcn. 

Die  gcologischcn  Erschcinungcn ,  \velchc  aus  der  Bevvcgung  dcr  Glelscher 
hcrvorgchcn,  sind  nach  alle  dem  so  charaktcristisch,  dass  die  Ausdchnung  und 
Miichligkeil  chcmaligcr,  seit  langer  Zeit  vecscfawimdeiier  Glelscher,  dcr  Weg, 
den  sic  gcnommen,  aus  den  unvcrkcnnbarcn  Spurcn ,  die  sic  zuriickgelassen, 
genau  feslgestcllt  werden  konnen.  Man  seize  den  Fall,  dass  sich  die  mitllere 
Tcnipcralur  cincr  glelschcrreichcn  Gcgend  erhohe  und  zu  gleicher  Zcit  die  Mcncc 
der  den  Firn  liefernden  Niederschlage  sich  vcrringcre,  so  wtlrden  dicsc  ViM1- 
iindcrungen  zur  Folgc  habcn,  dass  einerseils  die  Schmclzlinic  hohcr  hinaufriickl, 
andercrscits  der  Zufluss  von  Gletschermatcrial  vvcgen  einlrcU'iiden  Mangels  an 
Firn-Kis  aufhort,  —  die  Summa  dieser  beiden  Resultatc  %vird  das  vollstandige 
\Yrseh\vindcn  dcs  Glclschcrs  sein.  Das  jetzt  bios  gelcgtc  Thai  \\ird  sich  als 
alles  Gletscherbelt  kcnnllich  machen  durch  SchlifTQuchen  an  den  Thahviinden 
in  der  ganzen  Hohe  dcr  einstigen  Glelschcrmiichtigkcit,  durch  Grundmoiiincn 
und  SchlifHlachen  auf  dcr  Thalsohle  in  der  ganzen  Ausdehming,  durch  F.nd- 
und  Seitcntnoranen  an  den  Grcnzen  und  Riindern  dcs  einstigen  (ilctschcrs, 
und  endlich  wird  die  GcsleinsbeschafTcnhcit  des  Moriinen-Malcriales  ein  Bild 
von  dcr  gcognoslischen  Zusammensctzung  dcs  einstigen  Glctschei^chiclcs  und 
zugleich  Auskunft  Ubcr  die  Herkunft  und  den  Wcg  des  verschwundcncn  Glct- 
scherslroincs  gcbcn.  Auf  dcr  Beobachtung  dieser  Meikmale  bcruht  unscrc  ge- 
naue  Kennlniss  der  im  vorigen  Paraizraphen  erwahnlen  ausgedehnlcn  Glelschcr 
dcr  Vorzeit. 

§.  6.  Eisberge.  In  polaren  Gcgcndcn  ist  die  Sonimer\va'rme  cine  so  ge- 
ringe,  und  ilussern  die  Sonnenstrahlcn  so  \venig  Kiniluss  auf  die  Eisniasse  der 
Gletscbcr,  dass  diese  nicht  nur  bis  zur  See  hinabsleigcn ,  sondern  sich  sogar 


HI.    DMiaiuiscliL-    <;.'til.ii;.t'  185 


,„„•!,    ueil    ...    diese    l.inaussehieben.      Die  Glelseher.sln.me    ru.-ken    anlaniili.'h   tiuf 
drill    Mee.vsiM.ii.de   der  Fjords   in   derselben   NYeise   NN  if   aid'  dem  .Festlande   vor, 
his   die   m.ler   \\asser  belindliehe  Kisnusse   in   Fnlge   ihres   i:eringen   spceilisehen 
(ieuirl.les   von   dt-in   Glelseher  abbrirhl   «»der  dureh   die  \Yo-en    los-erissen   \\ird 
und    iin    .lie    Oherll.iehe    des    Meeres     emporsleiizt.      Dies.-    (ilelscherbnichsliieke 
si. H!    .lir  Bisherge,      Dicselben    ragen    /uwcilen    70    his    100    Meier   hoch    uber 
den     Wasserspieuel    empor:     des     ^erini:en     speeilisehen    Gewichtes     des     K.srs 
wegeo   IM-IIM-I  jedocb    ilirsr    /.Jtlil   nur   ',  s  i»»ir  (lesaiumlholio  (ler  Kisbcip-.      D;« 
nun   in.   Ni.rden    des  iiilanlisclien   (KrJins    solche    ;tn-clrollen    hat  ,     ^elrhe    hri 
I    hi>   J   M.-ilen    Limtfe    und   Hivile    7.:»   MeU-r    l.ocli    einp«»rraglon ,    so    liissl    sich 
(llll   di.-  i:.-\\alli.ue(;n.ss(!  v icier  Kisberire  sehliessen.      Tolare  Slron.un-cn   tiviben 
diesrlben  \\eil  in  den  ollenen  Ocean   humus,   so  dass  sic  noch  auf  dem  36.  und 
M.   Cn.de   imi-dlirlier  Hreile  aniielroffcn  \verden.     Die   schNviininendcn   Eishn-e 
des  allanliseheii  Meeres  stranden  schr  gcwiilnilich    auf   dor  Neufundland-Bank, 
NX,,    sie    unter    dem   Kinlluss    des  Golfslromes    und    der    Luflwiinnc    selnnel/eii. 
NVie  die  Clelsel.er  der  Ilochgobirgo,   sind  die  der  Polargcgonden  oft  mil  Sdiull- 
massen    heladen ,    xvolche  von    den  Eisbergen    in    enlfernte  (leyenden    gelragen 
\\i-rden  und  beim  Si-hmelzcn  derselben  auf  den  Mecresgrand  sinken.     Man  hat 
aid  den.  arktisehen  Tlieilc  des  Atlanlischen  Oceanes  Kisbcrge  beobachtct,   wclchc 
i:,oii  M.-ie.    iin    Tinfange    maasscn,    30  bis  70  Meter    uber    den   Meeresftptegt) 
raulen    und    mil    Ablaiicrungcn    von    Lchra    und    Felsblockcn    bcdeckt    waieu, 
,lrivn  (iesan.nil^eNNiehl  auf  1  —  2  Millioncn  Centner  gcschiil/l  wurdo.      Slranden 
solel.e  Eisberge  auf  Felsklippen    oder   streifen  dieselben  auf  ihivm  Wege  iiber 
seiehle  felsigQ  Slellen  des  Meeresbodens,   so  sind  sie  im  Slande  dieseiben  ver- 
niillelsl  des  auf  ihrcr  Unterscite  eingcfrorcnen  Sandes  in  iihnlicher  Weise,   \\  .e 
di,-    (ilelschcr,     ihr    Belt    glatt    ssu    poliren,     sowic    mil    grosseren    Geslcins- 
frauiiM-ntcn    in    der    Richtung    ihrer    Bcwcgung    Ritzen ,     selbst    liefe    Furchen 
uud  Hinnen  in  die  Gesteinc  auszuscheucrn.     Derartige  Kisbergscliliire  sind  auf 
d,M    nordlicluMi    llemisphiire   auf    die    nOrdlichcn    Abhiingc    und    die    Gipfel    der 
llii-el  und   Kiippen,   also  auf  die  dem  Anprall    der  Eisberge    ausgesolztc  Stoss- 
seiie  .lersclben,    hesehriinkt,   sviilirend  ihro  sUdlichen  Abfalle    rauh    und    /.aeki^ 
urbli.-b.-n    sind.     In    grossartigster  Weise    treten   dicsc   Erscheinungen    in  dem 
Distriele  slidlich  vom  Lake  Superior   in  Nordamerika    auf.     Dort    sind    jje\\isse 
^allp«»lirl«'  I'elsklippen  mil  lauter  parallelcn,    mehrerc  Fuss    tiefen  und  breilen 
I MMrl.en  hedeekt,    \velchc  augenscheinlich   durch   eincn   dort  gestrandflten   Eis- 
!„.,-  .'in-jesii.it  worden   sind,    auf  (lessen   Hoden  gross,-  ( Mmr/.ithliieke   einuelrnn-n 
ua.vn,    und    der  von   der  Ebbe   und   Fluth  tUglich  mehnnals  urn  eittige  Fuss 
uehobcn  und  gcsenkt,  also  auf  seinem  gcneigtcn  Untergrundc  bin  und  her  ge- 

zouen   \\nrde. 

I'ine  iihnliehe  Rolle  wic  heute  die  Neufundland-Bank  hat  Nvahrend  der 
Eiszeil  die  j.-lxiii.  nordeuro|>Jiischc  Ticfcbcnc  gespiclt,  damals  eine  seiehle  Kiisten- 
zoue,  bcdeckt  von  einem  Mcerc.  auf  welchem  sieh  /ahlreiche,  von  den  skandi- 
navisehen  Glelschcrn  abslamincndc  Eisber-(-  lu-rumlumn.elten.  Mit  Gosleins- 
fraumenlen  befrachlet  strandelen  sie  auf  dem  sandigen,  llael..-..  M.-eresbodcn 
und  hinlerliesscn  als  Denkmale  ihrcr  Fahrtcn  die  zum  Theil  gewaltigen  crra- 


1  S<>  111      l)\  naiiiisi  lie1  Crulo-ic. 

I  i  sell  en    hlncke,    \\ie  sic   in   unziihlbarcr  Menge    auch    in    dcr  norddeut.sclicn 
NicdeniiiL;   zerslreul    licgen. 

Aus  alle  driii  gchl  licrvor,  dass  sich  die  Thiitigkcil  dcr  Glclscher  und 
clicnso  dcr  von  ihnen  ahstanmienden  Kisbergc  in  doppelter  Hichlung  gellcnd 
maeht  :  1 1  in  der  Abrundung  und  Polirung  dor  ursprllnglich  rauhcn  und  zarkigcn 
Feteoberfltichen ,  2)  im  Transports  von  Schultmasscn  und  Felsblocken ,  sowic 
in  dcr  Wiederablagerung  dersclhcn  an  einer  andren  Stcllc.  Man  hat  nanienl- 
lich  die  ersto  dicscr  \Virkungen  liber  die  Bcobachtung  hinaus  tlberschalzt,  in- 
dcin  man  so  \\cit  ging,  den  Glelschcrn  die  Ausfurchung  go\visser  Alpenlhiilcr, 
die  Aiisfeilung  der  I-jorde,  die  Aus\v(ihlung  der  Alpenseen  zuxusclireiben,  - 
Ansieliten  ,  welcho  jetzt  als  \viderlegt  gclten  dtlrfen.  Manchc  Gletscher  huben 
jcdoch  in  der  That,  wenn  auch  auf  ganz  andcrc  Wcise  als  durch  Ausschaufe- 
lung,  zur  Bildung  von  Seen  beigetragen,  in  dem  ihre  Erdmoriinen  \vie  klinsl- 
liche  Damme  Gebirgsthaler  absperrten  und  die  Wasser  hintcr  sich  aufslauten. 
Auf  diesc  Weise  ist  z.  B.  der  Garda-See  entstanden. 

Das  organische  Leben  als  geologisches  Ageiis. 

Eine  drilte  der  Einzehvirkungen ,  als  deren  Gesammtrcsultat  die  augen- 
Mickliche  Beschaffenheit  der  Erdoberflache  aufgefasst  werden  muss,  ist  das 
organische  Leben.  Ahnlich  \vie  das  Wasser  und  meist  in  cngem  Zu- 
sammenhange  mil  diesem,  macht  es  sich  in  bestandiger  aber  stiller  Arbeit  fast 
auf  dem  ganzen  Erdenrund  geltend. 

§.  f.  Mannigfaltigkeit  der  geologisehen,  durch  organische  Thatig- 
kelt  vermittelten  Vorgange.  Die  Pflanze  treibt  ihrc  Wurzelenden  in  die 
fcinen  Gesteinsspalten ,  erweitert  diese  durch  ihr  Wachslhum  mil  der  Gewalt 
eines  Keiles  und  ist  im  Stande,  grosse  Felsblb'cke  aus  ihrer  Stelle  zu  rilcken 
und  diese  ahnlich  wie  das  gefrierende  Wasser  von  dem  Rande  eines  Abgrundes 
oder  eines  steilen  Bergabhanges  in  die  Tiefe  zu  stiirzen,  wo  die  mechanische 
Thatigkeit  des  Wassers  ihren  Zerkleinerungs-  und  Fortschaffungsprocess  be- 
ginnt.  Die  vermodernde  Pflanze  bereichert  die  atmospharischen  Ge\vassci- 
mit  Kohlensaure  und  befahigt  sie  dadurch  zu  der  grossen  Arbeit  der  Ge- 
steinszersetzung  und  -Losung.  Der  Verwesungsprocess  der  Vegetabilien  und  die 
Zersetzung  ihrer  bituminb'sen  Yerwesungsproducte  \virkt  rcducirend  auf 
o\N(lische  Mineralsalze  (siehe  pag.  148),  so  dass  durch  ihre  Venniltelung  aus 
schwefelsauren  Metallsalzen  Eisenkies ,  Blciglanz  und  Zinkblendc  enlslchcn. 
So  findet  sich  Bleiglanz,  zuweilen  auch  Z  i  nkblende  als  Anflug  auf  Stcin- 
kohlen  und  als  AusfUllung  feiner  Risse  und  KlUfte  innerhalb  derselben,  SONMC 
in  bituminosen  Baumstammen,  ja  sinterartig  und  rindenfdrmig  an  altem  Grubcn- 
holze.  Ebenso,  nur  weit  haufiger,  kommt  Sch  we fe  Ikies  vor,  dcr  manche 
Sleinkohlen  und  Braunkohlen  vollstandig  impragnirl  und  cin  sehr  gc^vohnliches 
Versteinerungsmiltel  fossiler  vegctabilischer  Reste  ist.  Auch  Kupferglanz 
isl  bei  Verwesung  von  Pllanzcnresten  ausgeschicdcn  worden,  wic  das  Vorkonnncn 
der  Frankcnhcrgcr  Ahren  Zweigendcn  einer  Conifcrc,  nchmlich  von  Cupres- 
sites  Ullmanni)  beweist. 


111.    l>\n,iiiii>rlie 

Die  XerseUmi-:  MIII  Metallsalzcn  dureli  faulende  oru.miseho  Substan/en 
k.inn  jodoeh  nodi  \\oiter  go  hen  und  y.ur  Rildung  von  ge  d  iege  n  <•  n  Motallen 
liiliron.  C,e\\isso  Coniferenholy.or  dor  d\assisclten  Formation  von  Frankenlier;.: 
in  Hessi-n  heslchen  in  ihrem  joly.igen  1'ossilen  Xnslandc  aus  almoeltselndon  Lagen 
von  Kupfcrglany.  und  einor  kohligon  Masse  und  unifasscn  slellenwoise  kloine 
zaitc  Schiippchen  von  gediegenem  Sillier,  \\elehe  aiigonscheinlich  durch  lle- 
duelion  \on  kieselsamvin  odor  kolilonsaurem  Silhero\\d  duivli  das  \or\\csondo 
llol/  luM-voriit'iianiion  sind.  Lhci'iascliendc  Hcsultak'  oinos  i;an/  ana  lotion  I'ro- 
Oessra  \\urdon  l»ci  DucktoNMi  in  Tennessee1  bcobachtol.  Kin  Theil  dor  dorlition 
Kiipferiinilx'n  \\ar  wiihronil  dos  aniorikanischen  BUrgerkrieges  orsotlon ,  und 
/.\\ar  onlhiolten  die  nicht  gowiilliiiton  Wasser  aus  der  Zersel/ung  von  Kupi'er- 
uiid  Kis«Mikies  horvortioiianiionon  Kupfcr-  und  Kisonvitriol  in  Auflosung.  Nach  dor 
Wiodi-reroH'nuni:  der  Ouln-n  /eitito  es  sich ,  dass  im  Laufc  jonor  wenigen  Jahiv 
an  urvNJssen  Slollcn  dor  unU-r  NVasst-rbedeckunti  verwesenden,  zur  Zimnierunii 
honutxlen  llolzor  fast  zolllangc  Trauben  von  gediegenein  Kupfer  sich  angosel/l 
hatton. 

In  gjin/  iihnlichor  Weise  \vie  pflanzliche  konnen  auch  in  Vervvesung  be- 
tirilVono  tliiorischc  Substanzen  eine  Reduction  von  Metallsalzldsungen  bcvvirken, 
\\nliii  \\ir  in  dem  so  gewohnlichen  Vorkominen  des  Schwefelkieses  als  Ver- 
sloiiifrunt:sinillel  von  Ammonilen,  Gasteropoden,  Brachiopoden  und  Zweischalern, 
in  dem  des  Bleiglanzes  und  der  Zinkblende  in  den  Ilohlraumen  vieler  Mollus- 
ken-Reste  zahlreiche  Beispiele  besitzen.  Eine  hb'cbst  instructive  Illustration 
dieses  Voruanges  liefert  der  Kupferschiefer  des  stldlichen  Harzrandes  (pag.  37 
und  16i,  sowie  histor.  Geolog.  sub  Dyas).  Der  Kupferschiefer  ist  augen- 
seheinlich  als  ein  Susserst  feiner,  unserem  Silte  ahnlicher  Schlamm  innerhalb 
der  liuchten  des  dyassischen  Oceanes  /ur  Ablagerung  gelangt.  Letztere  \\aron 
von  heterocercalen  Ganoidfischen  Palaeoniscus ,  Platysomusj  dicht  bevolkert; 
aus  noeh  nicht  bekannten  Ursachen  wurden  diesen  seichten  Mecresbueliteii 
Solutionen  von  Kupfer-,  Eisen-,  Silber-,  Nickel-  und  Kobalt-Salzen  zutiefilhrt, 
\\olehe  geniigten ,  die  GewSsser  sowie  die  in  ihnen  lebenden  Fische  zu  ver- 
uiflen,  deron  cdnvulsiv  zusammengekrUmmte  Leiber  uns  in  iliren  Urnrissen  er- 
halten  sind  und  auf  eine  derartige  Todesart  hindeuten.  Die  Fischleichname 
sankon  zu  Tausenden  in  den  den  Boden  bedeckenden  Schlamm  und  beganncn 
/.n  \ei\\esen.  Durch  diesen  Process  lieferten  sie  einerseits  das  Bitumen,  mil 
welt-hem  die  Kupferschiefer  slark  impragnirt  sind ,  andersetts  leiteten  sie  die 
Reduction  der  Metallsalze  ein,  welche  sich  als  Sehwefelmetalle  in  kleinen  1'ar- 
likelelien  niodorsclilugen  odor  die  Fischkdrper  selbst  tlberzogen.  Kino  Krsehei- 
iHint:  bedingte  die  andere:  der  Reichthuin  des  Kupferschiefers  an  Fischresten, 
Bitumen  und  Erztheilchen ,  die  drei  eharakteristischen  Eitientliiiiuliclikeiten  dos 
(lesloines,  sie  slehen  in  ontistom,  iirs|)rUnglichem  Zusammenhanue. 

Aher  nicht  inir  die  sdiwel'elsauren  Metalloxyde ,  auch  sch  wefelsa  ure 
Alkalion  und  alkalische  Krden  werden  durch  faulende  organische  Sub- 
stan/en  rcducirl,  so  dass  Schwefclmotalle,  Schwefelalkalien  und  Schwefel- 
verhinduntien  von  alkalischon  Krden  enlsleheiF  (siehe  pag.  154).  Aus  dieser 
Xer>ei/nti^  u(>hl  zugleich  Sch wefel vvasserslof f  hervor.  ein  Gas,  welches 


Iss  III.     |t\n, Unix-he 

den  weitreicbendsten  Kinlluss  aul  die  Umwandlungsprocesse  im  Mineralreiche 
.msiilil.  Mr  \\ird  \on  den  in  der  Tide  eiretilirenden  \Yas.sern  absorbirl  uml 
gelangl  /inn  Thcil  mil  diesen  .m  die  EtTdoberfl&che,  \\<»  sic  dann  als  Seliwel'el- 
qudlen  bezeiehnd  \\crden  und  von  denen  die  v\iehligsien  die  von  Aachen, 
Milson,  Ncnndorf,  Baden  (bci  Wien),  Wcilbach  und  Hurlschcid  sind.  Aus 
iiiiinehei)  dieser  SchwefeJquollen  scheidel  sich  in  Folgc  dcr  Zerselzung  dcs 
Sdi\\efel\\assersiolles  bei  Bcrilhrung  mil  dor  Lufl  Schwcfel  in  Form  eincs 
\\ei.sson  oiler  gelblich  grauen  Sehlammes  tib.  lin  Lnufc  der  Zcil  konnen  diese 
Schwefelablagerungen  bedcutende  Diinensionen  annchincn.  Zu  ihrcr  Mnlslchnng 
sind  iibcrall  dorl  die  Bedingungcn  gegcben ,  \vo  mil  Bilumen  gel  rankle  G\ps- 
lagersliiUen  auflrelon.  Ein  anderer  Tlieil  des  SdiwcfelwassersloIVs  gelangl  mil 
den  nnterirdischen  \Vassei-n  in  Spallen,  in  denen  er  schr  liauflg  Ansammluogen 
son  kieselsanren  and  kolilensaurcn  Melallsalxen  Irill'l  unct  dcron  Ausscheiduog 
als  SeliNNefelmelailc  bewirkl,  also  bci  der  Bildung  von  Erzgangen  lliiiliir  ist 
(siehe  pag.  1  .'i4  und  157). 

Die  Beispiele  filr  die  engcn  Beziehungen  zwischen  organischem  Leben  und 
einzelnen  Vorgiingen  in  dent  Enlvs ickelungsprocessc  dcr  Erde  lassen  sicli  leielil 
vermehron,  ohnc  sic  annahernd  zu  crschopfcn.  Den  slcligcnSlod'auslausch  xNvisdicn 
organiseher  und  unorganischcr  Nalur  zeigl  jcdoch  \voh  1  kaum  irgend  cine  an- 
dere  Subslanz  dcullichcr  als  die  Phosphorsaure.  Aus  dcm  Minci'alreiche  gehl 
sie  in  das  Pflanzenreich,  aus  diescm  in  das  Thierreich  ilber,  um  bei  dcr  Fiiul- 
niss  der  Thierlcil)cj'  dem  Erdboden  zuriickgegcbcn  zu  wcrdcn.  So  liabcn  denn 
die  meislen  phosphorsauren  Mineralicn  ihren  Kreislauf  durch  das  Thier-  und 
Pilanzcnreich  gcnommen.  Die  Landpflanzeu  enlziehen  diese  Saurc  dem  Boden 
und  den  in  ihm  circulirenden  Gevvasscrn ,  die  Fucoiden  und  Korallen  dem 
Meercswasser,  die  \Virbellhiere  cmpfangen  sie  mil  dcr  Nahrung  in  so  hohern 
Grade,  dass  sie  zu  einem  Hauplbestandlheile  der  Knochen  dcr  lelzlcren  \\ird 
und  dass  z.  B.  die  Knochen  eines  Rindcs  elvs:a  13,3  Kgr.  phosphorsaure 
Erden  enlhallcn.  Durch  Faulniss  der  organischen  Subslanzen  und  durch  Aus- 
sdieidung  aus  dcnselben  kehrl  sie  wieder  in  das  Mincralrcich  zuriick,  um  Male- 
rial  zur  Bildung  ncucr  phosphorsaurer  Salze  zu  liefern,  vvie  es  z.  B.  das  Yor- 
kommcn  von  Vivianil  in  den  Knochen  eines  vor  Jahrcn  in  einer  obcrschlcsi- 
schen  Blci-  und  Zinkgrube  verungliicklen  Bergmannes  zcigl. 

Gross  isl  fcrner  der  Einfluss,  welchen  die  Vegelalion  auf  die  Bildung  von 
K  a  1  kablagerungen  ausilbl.  Solchc  Pflanzcn,  wclche  im  Wasser  ^adisen, 
enlziehen  diescm  die  Kohlcnsiiurc ,  welche  an  doppcll  kohlcnsauren  Kalk  nur 
schwach  gcbnnden  ist,  um  sie  zu  SauerslofT,  welcher  cnlvveichl,  und  Kohlen- 
slofT,  welcher  zu  ihrer  Erniihrung  dienl,  zu  zerselzen.  Die  Folgc  davon  isl  die 
Ausscheidung  vom  kohlcnsauren  Kalkc,  welcher  Incruslale  auf  der  Oberllaehe 
dcr  Pflanzen  bildel.  Auf  diese  Weise  und  z\var  namcnllich  durch  Vermitlclung 
von  Sumpfmooscn  und  Charen  enlslehen  vide,  zum  Thcil  schr  miiehlige  Kalk- 
lulTlager.  Ganz  ahnlich  bringt  die  Lebcnslhaligkeii  der  Dialomcen  durch  Ans- 
sdn'idnng  der  in  ausscrordcnllich  geringer  Quantital  im  \Vass er  gelostcn  Kiesel- 
siiure  miiehlige  Sedimenlgebildc-  hcrvor.  Die  zierliehcn  Kieselpanzcr  der  Dia- 
lomeen  setzcn  trolz  ihrer  mikroskopischen  Kleinheil  von  Gallionclla-Schalen 


III.    DvnnmisrliP  Goolopio.  189 

nehon  41,000  Millionen  anf  oinen  Kubik/oll)  dicke  l.aizer  von  Kiosolordo  jjan/ 
ausschliesslich  /usammon  uml  bilden  boi  Bilin  in  Bi.hmon  erne  his  1,5  Motor 
rnHchtige  Schicht  von  Polirschioler ,  I  MM  Oberlohe  im  Ltlno.burgisclien  cine  Ms 
10  Meter  miiehtiuo,  iiber  250  Schritt  langc  und  150  Schrilt  brcile  Ablagermii: 
von  Kieselguhr  mul  nehmon.  wonn  man  von  vielen  iihnlidien  Vorkommen  al>- 
siehl,  an  der  Zusammonscl/imi:  cl.-s  Grund  und  Bodons,  auf  welchem  Berlin 
-.-haul  1st,  einrn  bedoulonden  Anlhoil,  \velcher  4  bis  5  Meter  unter  Tage  aus 
einem  bis  tlber  30  Meter  inilchtigen  schwarzon  Tlion  besleht,  welcher  zu  2/;t 
scin.  i  Mas.M-  aus  Dintomeen  zusnmnicngesetzt  ist.  Man  hat  ferner  berechnet, 
da.vs  sieh  im  Hafen  von  Wismar  jiihrlich  elvva  650  Kubikmotcr  kieseliger  Or- 
iianisinenrestt'  ahset/en. 

Kudlii-h  berulit  auch  die  Bildung  des  Raseneisensteines,  welcher  in  dor 
norddeutsehon  Niederung,  in  Holland  und  Polen  in  weithin  ausgedehnten  Lagen 
aufiriti,  darauf,  dass  cisenschUssigen  Quarzsanden  (pag.  148  sub  4)  durch  ver- 
wesondc  Pflanzen  Kisonoxyd  enlzogen  und  in  Eisenoxydul  reducirt  wird,  desson 
sicl.  Knhlensiiurc  und  QuellsHure  hallige  Wassor  bemachtigen,  urn  es  nach  Nie- 
deniniien  /u  fuhren,  wo  die  eisensalzhaltigen  Wasser  stagniren ,  und  wo  das 
Rteenoxydul,  durch  den  Sauersloff  der  Luft  zu  Eisenoxyd  oxydirt,  niederfallt. 

In  V;»>*  andcrer  Art  bcthiiligt  sich  die  Exislenz  und  Wirksamkeit  der 
Hnhrimisc  licln  auf  die  Gesteine.  Sie  durchldchern  die  felsigen  Meeresufer  und 
boroiten  dein  Ubcrall  zerslorenden  Wasser  und  dem  zerspaltenden  Temperatur- 
wechsel  none  Angrifl'spunktc.  Der  Biber  zieht  seine  Damme  quer  durch  die 
Thiiler,  staut  die  Bache  zu  grossen,  oft  seeahnlichen  Teichen  an,  cntwiissert 
die  SUmpfc  durch  kunstvoll  angelegte  Kanale  und  giebt  dadurch  Anstoss  zu 
\\andclungen  in  der  Vegetation  und  der  Neubildung  von  Wasserlaufen.  Die 
Bedeutung  aller  derartigen  Ausserungen  thierischen  und  pOanzlichen  Lebens 
und  Absterbens  vcrschwindet  jedoch  im  Vergleiche  mil  den  Resultaten  der 
eigentlichcn  Gost  ein  smaterial  liefernden  Lebon  sfu  nctionen  der 
Organism  en.  Dieser  bewunderungswurdige  Einfluss  auf  die  unorganische 
Natur  /eii-l  sich  am  grossartigsten  bei  den  Thieren  in  der  Abscheidu  n  i; 
dcs  Kalkes  aus  dem  Mecre,  —  bei  den  Pflanzen  in  der  Absorption 
der  Kohlensaure  und  der  Assimilation  und  Aufspeicherung  dcs 
K  ohlenstof  fes. 

a)  Kalkabscheidung  aus  dem  Weere  durch  thierische  Thatigkeit. 

Dem  Meore  \\rrden  wie  pag.  161  gezeigl,  durch  die  Strome  fort\viihr(-nd 
gewaltige  Quanliliiten  von  doppelt  kohlensaurem  Kalke  zugefUhrt.  Man  sollte 
doshalb  ervvarlen,  dass  das  Meer  allmiihlich  zu  einer  gesattigten  Kalklosung 
iioNMn-«leii  sei,  aus  welcher  sich  endlich  der  kohlensaurc  Kalk  ausscheide  und 
niedersehla»c.  In  der  That  aber  enthiill  das  Meereswasser  nur  0,0001  kohlen- 
sauren  Kalk,  mithin  kauin  den  zehnlen  Thcil  von  dem  Betrag,  wclchcn  das 
Wasser  in  Auflosung  zu  crhalten  vermOchle  und  kommt  trotz  dor  bestiindigen 
Zufuhr  von  neuer  Solution  dem  Saltigungspunkte  nicht  niiher.  Die  Erlinllunu 
dieses  stolen  Gloichgowichlcs  des  im  Meereswasser  aufgclosten  kohlensauron 
Kalkes  ist  eine  Aufgabo  dor  MooresboNvohner,  vvelche  zur  StUlze  odcr  zum 


P.)l)  III.    l>\n;imisHi(> 

Srhul/.e  iluvr  Wciclilhcilc  cin  kalkiiit's  iiincivs  Gerilsl.  nder  eine  Kalksrhale 
absniidern.  Zu  diesem  Zwerke  ent/.iehen  sio  dem  Meere  den  spars;iin  vor- 
Ilieillen  kohlensaiiren  Kulk  ,  inn  ilin  in  ihrem  Kbrper  almilagcrn  his  er  enl- 
\\eder  fine  y.usammenhiingende  Masse  ndcr  mv/.iihlige  lose  in  dcr  Haul  eini:e- 
lagerle  Kalkstiil>rhen  oder  -Seheibelieii  bildet.  Durcli  derarlige  Lehensfmiclionen 
zeichnen  sichnamentlich  die  Poly  pen  (Korallenthierchen),  die  EC  h  in  ode  r  men, 
die  Mollusken  und  die  F  or  am  in  i  fere  n  aus. 

§.  2.  Die  Bauteii  der  Polypen.  Das  Gedcihen  der  riffbildenden  Korallen- 
lliiere  setzt  eine  niilllere  Temperatur  des  Meereswassers  von  2.">  his  M0°  C. 
voraus,  obvvohl  inanche  derselben  ausnahmsweise  20  ja  16°  C.  erlraiicn  kiinncn. 
Ihre  wahrc  Hciinalh  ist  deshalb  namenllich  die  Zone  zwischen  dem  nordlichcn 
und  siidlichen  28slen  Parallelkreise,  falls  nichl  ortliche  Ursachen  wie  obktlh- 
Irnde  Polarstronie  und  auf  der  anderen  Seile  die  erwanncnden  Atjualorialslrijim' 
die  Grenze  etwas  verrilcken.  Innerhalb  dieser  oceanischen  Striche  siedeln  sic 
sieh  iiberall  da  an  den  Ktlsten  an.  wo  nicht  feinschlarninige  I'fer  oder  die 
Miindun^cn  grosser  Slro'mc  das  Meereswasscr  durch  Trilbung  desselben  fiir 
sie  unbewohnbar  machen.  Am  verbreitetsten  sind  die  Korallenbauten  in  den 
tropischen  Theilen  des  Stillen  Oceanes ,  wo  neben  unziihlbaren  Korallenbanken 
und  Kiistenrid'en  290  wirkliche  Koralleninseln  bekannt  sind.  Ahnlich  isl  die 
Verbreitung  derselben  im  Indischen  Oceane ,  dessen  Inseln  und  Continental- 
kiislen  einen  ausserordentlichen  Reichthum  an  Korallenrifl'en  aufzuweisen  haben. 
Die  Laktdiven  uud  Malediven  sind  die  grb'ssten  Koralleninseln  der  Welt.  Im 
Atlantischen  Oceane  bestehen  die  Bermudas,  die  Bahama-Banke  und  -Inseln, 
sowie  ein  grosser  Theil  Floridas  aus  Korallenbaulen.  Dass  die  Lebenssphare  der 
riflbildenden  Korallenthierchen  auf  eine  Zone  zwischen  dem  Meeresspiegel  und 
elwa  M  bis  40  Meier  Tiefe  beschrankt  ist,  wurde  bereits  pag.  132  erwahnl. 

Die  Polypen  wohnen  nicht  nur  colonienweise  zu  Tausenden  auf  einem 
Stocke  zusammen ,  sondern  es  pflegen  sich  an  giinsligen  Ortlichkeiten  zahllose 
Slbcke  neben  und  aufeinander  anzusiedeln  und  dann  die  Korallenbanke  und 
-Riffe  zu  bilden.  Die  rill'hauenden  Korallen  gehoren  zahlreichen  Arten  und  schr 
verschiedenen  Geschlechtern  an,  namentlich  aber  sind  die  Genera  Madrepora, 
Poriles,  Aslraea,  Maeandrina,  Millepora  und  Fungia  stark  vertrelen.  Porites-Arlen 
konnen  Slbcke  von  7  bis  9  Meter,  Aslraea  und  Maeandrina  solche  von  3  bis 
5  Meter  Durchmesser  aufbauen ,  von  welchen  jedoch  immer  nur  die  aussersle 
5 — .jQ  Mm.  dicke  Schicht  Jebenden  Individuen  zum  Sitze  dient,  vvahrend  die 
inneren  Partien  verlassen  und  abgestorben  sind.  Die  Dimensionen  der  Koral- 
lenbaulen  sind  im  Yerhallniss  zur  Grbsse  der  Baumeister  derselben  ausser- 
ordcnllich.  Die  Breite  vieler  Riffe  belriigl  einige  Slunden  und  ihrc  Hbhe  100, 
300,  ja  mehr  als  GOO  Meter.  Manche  ringfbrmige  Riffe  umschliessen  ein  Was- 
serbecken  von  30,  40  und  mehr  Meilen  Grbsse,  gewisse  Barriererillc  im  Weslen 
der  Feejee-Gruppe  und  an  der  Nordkdste  Auslraliens  sind  100  bis  500  Klafler 
breit  und  40  Meilen  lang. 

Wenn  die  Korallenbaulen  den  Meeresspiegel  erreichen,  so  beginnen  die 
\V(iL:cn.  iilmlich  \\ic  Slui'inxvinde  im  Walde,  ihiv  zersliirendc  Thiiligkeil.  Sie 
hrechen  Zsveige  und  sonst  ausgesel/.le  Parlien  vom  Rande  des  Korallenrill'es 


III.    lKn;mii>rlit'  (u'oln-io.  101 

los,  schleudern  sie  auf  deren  Hiieken  und  zerlrilnunern  und  zerreiben  dureh 
ihr  steles  Spiel  diese  grosseren  Fragmente  /u  Sand.  Diest-n  brciU-n  die  \Vel- 
Icn  drirhmassig  Uber  das  Hill'  aus  oder  lluirmen  ilin  x.u  vereinzelh-n,  diiiifn- 
ahnlichen  Haufcn  an.  lnz\\ischen  hurt  das  Wachslhum  der  Korallen  nichl  auf, 
sie  crsetzen  den  Verlust,  siedeln  sirh  auf  und  ilber  den  TrUuimern  wieder  an 
und  verfestigen  so  den  losen  Bau  zu  einem  \\idcrslandsfahigen  Ganzen,  dessen 
Hilcken  in  Kolge  der  Thiiligkeit  von  Wind  und  Wogen'  eine  flache  Krhebung 
iiber  den  Meeresspiegel,  ein  Kora  llenrif  f  oder  eine  Ko  ra  lie  n  insel  bildet. 
Die  Korallenbauten  sind  1)  Sautn-  (KUslen-)  Riffe,  welche  KUsten  unmitlel- 
bar,  und  ohne  einen  Zwischenraum  zwischen  sich  und  den  Ictzteren  zu  lassen, 
uniLUirlen.  -2  Da  in  in-  (Barriere-)  Riffe,  welche  von  der  nahen  Kilste  dureli 
einen  Streifcn  Meeres  gelrennt  sind  und  sicb  ineist  ringformig  um  aus  ihrer 
Mitte  hervorragende  Inseln  ziehen.  3)  Lagunenriffe  (Atolls),  ovale  oder 
krcistonni^c,  x.uin  Theil  vollkommen  geschlossene  Riffe,  welche  eine  l;lache  ru- 
higen,  stillen  Wassers  unigeben.  Diese  sammtlichen  Formen  der  Koralleninseln 
sind,  \vie  pag.  132  gezeigt,  nur  verschiedene  Phasen  ein  und  desselben  durch 
Senkung  des  Meeresgrundes  bedingten  Vorganges. 

§.  3.  Muschel-  uiid  Foramiuiferen-Biinke.  In  ganz  ahnlicher  Weise  \%ie 
Korallentliiere  sorgen  die  Mollusken  fur  die  Ausscheidung  des  kohlensamvn 
Kalkes  aus  dem  Meere,  den  sie  zur  Herslellung  ihrer  Schalen,  Gehause  und 
Sehulpen  bediirfen.  Der  Effect  ihrer  darauf  gerichtelen  Thiiligkeit  ist  nicht  so 
auffallii:,  \\ie  die  bis  an  den  Meeresspiegel  reichenden  gigantischen  Baulen  der 
Pohpen,  steht  jedoch  hinter  diesen  der  allgeineinen  Vertoreitung  der  Mollusken 
\veuen,  im  Gegensalze  zu  der  beschrankteren  der  riftbauenden  Korallen  wohl 
kauin  zuriick.  Am  augenseheinlichslen  geht  die  Ausscheidung  von  kohlensaurem 
Kalke  durch  Mollusken  dorl  vor  sich  ,  wo  letzlere  in  Menge  vergesellschaftet 
Muschel  ba nke  bildcn.  Ausser  den  sandige  Ufer  licbcnden  Erycinen  und 
(l\ivnen  sind  es  nainentlich  einmuskelige  ungleichklappige  Zweischaler,  also 
Austern,  Kainin-  und  Miessmuscheln  (Oslrea ,  Peclen,  Mylilus),  welche  sich  in 
grosser  Anzahl  neben  einander  ansiedeln,  sich  zuin  Theil  auf  dem  felsigen 
Grunde,  zuin  Theil  an  einander  anheften  und  dicht  gedrangte  Massen  bil- 
den,  in  deren  LUckcn  und  auf  deren  Oberflache  sich  zahlreiche  anderc  Mol- 
lusken, sowie  rohrenbaucnde,  also  ebenfalls  kohlensauren  Kalk  abscheidende 
Annelidcn  nainentlich  Serpula)  einnislen.  Diese  Serpeln  konnen  durch  Uppige 
Wucherung  so  Uberhand  nehmen,  dass  sie  das  Wachsthum  der  Mollusken  be- 
eintrachligen ,  endlich  ganz  erslicken  und  schliesslich  fllr  sich  allcin  machlige 
Biinke  bildeu. 

Die  kalkbildende  Thatigkcit  der  Foraini  nifcren  fallt  um  so  mehr  in's 
Gewicht ,  als  sie  os  vorzugswcisc  sind,  \\elcl\e  enorrne  Areale  des  liefsten 
Meeresbodens,  den  man  bis  vor  kurzem  fUr  lodt  und  unbelebt  hielt,  bevolkern 
und  hier  machlige  Ablagerungen  eines  formlichen  Kreideschlammes  bilden. 
Derartige  Schichlen  werden  z.  B.  auf  dem  Boden  des  nbrdlichcn  Allantischen 
Oit.iiics  an^ehauft,  hestehen  aus  85  Procent  kalkiger  Foraminiferen-Schiilcn, 
und  /.war  vorzilglich  von  Globigerina,  und  dehnen  sich  von  Irland  bis  Neu- 
fundland,  also  mehr  als  350  Meilen  weit,  so  wie  bis  ilber  die  Azoren  aus. 


102  III.     l)\ii.iinisclic    (JiMi|oi;if. 

I'berhaupt  aber  linden  sich  Foraminiferen-Schalcn  ;in  manclien  Kilsten  und  an 
violon  Punklen  des  Meeresgfimdes  in  sulrher  Mcnge  mil  dem  sjindigen  und 
kalkigen  Sclilainiii  geniengt,  dass  ihnen  cine  bcdeutemler  Antheil  an  dor  Zu- 
saminensel/uni:  gewalligcr  MasM-n  \(in  Krdmalerial  zukomml.  In  der  Yor/.eil 
|ic-.isv,.n  sie  dieselbe  gesteinsbildende  Y\  "ichligkeil  wic  jelzl,  vielleirht  noeh  in 
hoherem  (irade,  wie  aus  dgr  Betrachtnog  dcr  zoogenen  Gesteine  Petrogenelischti 
(iculiiizic)  hervorgehen  vvird. 

In  iihnlichor  Weise  wie  Mollusken  und  Foraminifcren  verbrauchen  di<' 
Echinoderincn  xur  Ilcrstollung  der  schildformigen  odor  kngcliiicn  Schalc 
dcr  Kcliinidon,  dcr  Gcrilslc  und  Kalkstiilirlicn  dor  Seoslornc,  dor  feincn  Kalk- 
pliiltchcn  und  Ankcrchen  in  der  Haul  der  llololhunen  grosse  Quantila'ten  von 
kohlensaurern  Kalke,  welcher  ausschliossliclilich  dem  Meore  enlstainmt  und  haben 
auf  dieso  Wcise  das  N'orwallende  Material  ganzcr  Biinke  und  Schichtencomplexe 
geliefert,  auf  deren  Besprechung  im  Abschnitte  iiber  zoogcnc  (Jcstcim-  vci- 
\\icson  werden  muss. 

Fiir  die  Deulung  des  Ursprunges  vieler  Kalkgesloine  ist  feslzuhallcn, 
dass  die  Foraminiferen  namentlich  die  kalkabscheidenden  Organismen  dcr  Ticf- 
see,  die  Korallen  die  der  beschriinkten  Meeresliefen,  und  die  llauplmasse  dcr 
Mollusken  und  Echinodennen  die  der  Kiisten  und  flachen  Meorbuchlcn  sind 
und  frilher  waren. 

b)  Aufspeicherung  von  Kohlenstoff  durch  pflanzliche  Thatigkeit. 

§.  4.    Per  Verkolilimgsprocess  und   die   kohlenbildendeu  Pflanzen. 

Aller  KohlenslofT,  der  auf  der  Erde  in  der  Pflanzenfaser  und  in  den  Kohlen- 
gesteinen  enlhalten  ist,  ist  aus  der  Zerselzung  von  Kohlensiiure  hervorgegangen, 
und  die  Lebensthatigkeit  der  Pflanzen  ist  es,  welche  die  Kohlcnsaure  der  At- 
mosphare  entzogen,  assimilirt  und  das  Product  dieses  Processes,  den  Kohlcn- 
sloll'  geliefert  hat  und  noch  liefert. 

Den  grossten  Theil  des  Pflanzenzellgewebes  bildet  die  Holzfaser,  welche 
aus  Kolilenstoff,  WasserslolT  und  Sauerstoff  beslehl  und  beiin  Ilolx,  abgeschcn 
von  einem  geringen  Gehalte  an  Slickstoff  und  Asche  fast  durchga*ngig  aus  .'id 
I'nu'ciit  KoKlenstofT,  6  WasserslofT  und  41  Sauersloff  besleht.  Bei  ihrer  unter 
besrhranklem  Luftzulrille,  in  Gegenvvarl  von  Wasser  und  in  gewohnlicher 
Teniperatur  vor  sich  gehenden ,  ausserordentlich  langsamen  Zersetzung  \  i  r- 
moderung,  Verkohlung)  verbindet  sich  cin  Theil  des  Kohlenstofles  mil  Sauer- 
sloff /u  Kohlensiiure,  ein  anderer  mil  Wasserstoff  zu  Sumpfgas  und  cl\\as 
olbildendem  Case  (?),  welche  entweichen,  und  endlich  ein  Theil  des  Wasserslolfes 
mil  Sauerstofl' zu  Wasser.  Nun  ist  aber  in  der  entstehenden  Kohlensiiure  I  (ic- 
wichlstheil  Kohlensloff  mil  22/;j  Ge\v.  Sauerstoff,  im  Wasser  \  Gew.  Wasscr- 
slolT  mil  8  Gew.  Sauerstoff,  in  Sumpfgas  3  Gew.  Kohlensloff  mil  1  (ic\v. 
Wasserstoff  verbunden,  so  dass  die  Zerselzung,  deren  Producle  sie  sind, 
namenllirh  auf  Koslen  dcs  Wasserstofles  und  Sauersloffcs  vor  sich  gcht.  Diese  beidcn 
Klemenle  wenlen  dcr  vrnnodernden  Pflan/.enmasse  \  icl  rascher  und  reichlicher  cnl- 
/dgen  als  der  Kohlenslolf,  \viihren<l  xugleich  einc  Anreicberung,  cine  relative  Vcr- 
nn'hrung  des  lel/leren  slalllindel.  Der  Venuudei'ungs-  odor  Vcrkohlungsprocess 


III.     IK  nnmisrlu- 


193 


arbcitct  demgemass  daranl'  hin.  aus  dcr  uewiilmlichen  Pllanzensubstan/.  ini  l.aulr 
dci-  /cit  iviiu'ii  Kohlcnstofl'  hcr/nstellen.  Pllan/.liclic  Masscn  \on  den  Sedi- 
nicnlen  dcr  Meerc  bedcckl  unterliegen  diescr  Zerset/unii  ausscrordentlieli  laiii:- 
*am.  da  ihni'M  (lit-  Hcdinininuei)  /ur  Fiiulniss,  nclmilich  die  Mogliclikcil  dcs 
Zntrittcs  dcr  atmospharisdien  l.ul't  und  dcs  Kiit\vcirhcns  dcr  gaslormiiren  IVo- 
duclc  nur  in  liodist  hcscliriiiiktcin  .Maassc  iicizchcn  sind.  So  hat  dcnn  die  von 
cincr  iiiaclitiizcn  Scliiclitcnrcihc  hcdccklc  Slcinkohlo,  trotxclcin  dass  Milliuncn 
von  .lahrcu  scit  ihrcr  Alila^cnini:  \  cruangen  soin  niogen,  ihre  Zersetxuni:  nodi 
nidit  \ollcndct.  rort\N;ihrcnd  cntucichen  aus  ihr  Kohlenvvassersloffe  (sehlagende 
\\rticr  als  ihrc  Xcrsct/.un^sproductc  uiul  dcuten  an,  dass  dor  Process,  \\cl- 
chcr  auf  Ausschciduni:  allcr  llilditigcn  Bestandtlieile  und  ant  D.n-sirllunii  dcs 
rcincn  KolilcnstotVcs  gcriclitct  ist,  sich  noch  in  vollein  Gauge  befmdet.  Sein  Ziel 
crrcirlit  cr  erst,  \\enn  Anthrncit  und  Grapliit  hervorgebracht  sind;  in  dicsen 
scinen  Kndproducten  liegl  der  Kohlensloft'  brach  und  gefesselt  in  der  Krde. 
bis  ihn  der  Menseh  filr  seine  Zwecke  benut/end  zu  Kohlensiiure  verlircnnt 
und  ilin  so  der  Atmosphare  wiedergie))t,  von  wo  aus  er  seinen  Kreislaul  \on 
Ncucin  beuinnl.  Die  Lange  der  geologischen  Zeitriiume  erselzt  somit  den  freien 
Zutritt  von  I.ufl  oder  den  Einfluss  hbherer  Temperaturgrade,  so  dass  der  Koh- 
IcnstolVrcichthuni  der  Kohlengesteine  in  demselben  Maasse  zunimnit,  je  alter  die 
lel/teren  sind.  Torf,  Braunkohle  und  Steinkohle  sind  einzelne  Stadien  des  be- 
>pr»ichcnen  Vcrkohlvinusprocesses  der  Pflanzenmasse,  Anthraeit  und  Graphil  die 
Kndprodnrtc  dessclbcn,  wie  aus  folgender  talicllarischci-  Zusaiiimensiellunj; 
liervor-geht : 


Ueologisches  Zeitaltor. 

Kohlengesteiii. 

BVMWOMMetemg  in  100 
Theilen  nach  Abzug  der 
Asche. 

C. 

H. 

O.  a.  N. 

.It  txlxcil. 

Holzfaser. 

3i,65 

5,25 

42,10 

Diluvium. 

Torf  aus  Irland. 

60,02 

5,88 

34,10 

TcM'tiar. 

Braunkohle  von  Coin. 

66,96 

5,25 

27,76 

\ 
Braunkolilr  M-III   Mi-is^nci1. 

72,00 

4,93 

23,07 

Erdige  Braunkohle  von  Dax. 

74,20 

5,89 

19,90 

CarbiiiiiM-ln'   I'-Tioilc. 

Mitumiimstt  Steinkohle  von  Saarbriirkm. 

81,62 

3,30 

14,50 

Cannelkohle  von  \Vit.;iii. 

85,81 

5,85 

8,34 

Hartle\kohle  von  Newcastle. 

88,41 

5,61 

5,97 

Bituiuiiiuv  Sirinkolilr   vmi   KsciivM-ili-i-. 

89,16 

•V-1 

6,45 

(ijirlidiii-clif,  (Ji-Noiiisi-lir. 
silurisclic  J'criode. 

Antbraoft. 

94 

8 

3 

Hui-iinisrlic  und   lauriMi- 
tische  Perindr. 

(Jraphit. 

100 

i 

0 

Credner,  Elemente  d.  Geologic. 


101  HI.    1>>  n.'iini^ciio   dt'ii]... 


Lt»cal  winl  dcr  Verkohlungsprooess  bfschleuniut  I  durch  dit'  Bildung  xahl- 
rt'ichcr  Spallrii  in  Folge  \onSpallungen  und  Zenvissungrn  der  kohlent'iihrenden 
l-'nnnatinnt'u  :  *  (lurch  Zersliickelung  ausgedehnter  Kolilent'elder  in  Folge  \on 
Sto'rungeu  do  <;ebirg>l»aues  und  von  Erosion;  in  beiden  Fallen  \\ird  der  Zu- 
irill  tier  aimospharischen  Lul't  und  das  Entweichen  dor  entstehendt-n  (i.ist-  er- 
leichtert  und  drr  Yerkohlungsprocess  dadurch  befbrdert.  Deshalb  sind  die  Koh- 
len,  wo  sie  horizontal  und  ungestbrl  liegen,  meist  bituminb's  und  werden  innner 
inagerer.  jt1  auttallendere  Biegungen  sie  erleiden,  und  endlich  zu  Anthracit. 
wo  dif  sliirkslen  Faltungen  und  Zerreissungen  stattgefunden  haben,  —  daher 
<lif  von  der  bituminb'sen  Steinkohle  des  in  seiner  ursprilnglichen  Lage  befind- 
lit-licn  appalachischen  Bassins  durch  Hebung.  Knickung  und  Erosion  getrennten 
Anthracitbecken  Pennsylvaniens,  sowie  die  kleinen  Anthracitschollen  auf  dem  Er/.- 
gebirge;  3)  durch  Erzeugung  holier  Temperatur  in  Folge  der  Eruption  gluth- 
flilssiger  Gesteine,  welche  die  betrefl'ende  Kohlenforniation  durchsetzeli  :  so  ist 
die  Braunkohle  des  Meissners  im  Coatacte  mil  Dolerit  und  Basalt  in  anthracit- 
ahnliche  Kohle,  die  Steinkohle  von  Waldenburg  in  der  Berdhrung  mil  Melaphyr 
in  Anthracit  umgewandelt.  In  alien  diesen  Fallen  ist  der  Verkohlungsprocess 
in  Folge  localer  Beeinflussung  der  Zeit  vorausgeeilt. 

Aus  dein  durch  die  Lange  der  Zeilraume  begunstigten,  langsamen  Verkoh- 
lungsprocesse  der  Pflanzenrnasse  gehen  demnach  auf  der  einen  Seite  Kohlen- 
gesteine,  auf  der  anderen  entweichende  Gase  (Kohlensiiure,  Sumpfgas  und  ol- 
bildendes  Gas)  hervor.  Ebenso  al)er,  wie  sich  bei  dem  Zersetzungsprocesse 
vegetabilischer  Substanzen  gasformige  Kohlenvvasserstoffe  bilden,  so  entstehen 
auch  flilssige  und  feste  \ferbindungen  von  Kohlenstoff  uud  Wasserstofl'.  \\'w 
Naphtha,  Petroleum  und  Ozokerit.  Diesen  Vorgangen  verdanken  viele  Erdol- 
quellen  ihren  Ursprung,  viele  bituminose  Gesteine  ihren  Bitumengehalt.  \vah- 
rend  andere  Bitumenstoffe  aus  der  Verwesung  von  thierischen  Substanzen  her- 
vorgegangen  zu  sein  scheinen.  Kein  Zweifel  al^er  kann  tiber  die  Abstammung 
solcher  fltissiger  Kohlenwasserstoffe  obwalten,  wo  sie  als  Erdb'l  direct  aus  der 
Steinkohlenmasse  hervorschwitzen  und  sogar  ausfliessen,  wie  in  den  Gruben- 
bauten  von  Dawley  und  The  Dingle  in  der  englischen  Grafschaft  Shro]x  \\n 
das  Erdb'l  fbrmliche  Traufen  bildet,  gegen  welche  sich  die  Berglrute  durch 
\orgcstccktt'  Bretter  schtitzen  mussen. 

Da  die  Ablagerung  und  Anhaufung  von  spiiter  zu  Kohlengesteinen  uniur- 
wantlelten  Pflanzenmassen  sehr  verschiedenen  geologischen  Zeitraumen  aniic- 
hbren,  und  der  Gesaniiuthabitus  der  Pflanzenwelt  in  jeder  Periode  eintM*  vollkom- 
menen  Umgestaltung  unterlag,  so  wai'cn  auch  die  das  Material  der  \erschic- 
dcnarliLicn  und  verschiedeualterigen  Kohlengesteine  liefernden  Floren  jedesmal 
andere, 

Der  Torf  besteht  namentlich  aus  verfilzten  und  zusamniongejMvsstfn  Moo- 
sen,  von  deneu  das  Sumpfmoos  Sphagnum  und  Hypnum  die  wesentlichstefi 
sind.  Beide,  besonders  aber  Sphagnum,  besilzen  die  Eigeuschaft,  weitcr  nach 
ultt'ii  fortzuwachseh  und  neue  \Vurzeln  zu  treiben,  wiilircud  die  unteren  Theile 
der  Pflanzen  absterben.  Da  sie  somit  im  Stande  sind,  die  Torfbildung  be- 
slandig  weiter  fortzusetzen  uud  auf  den  abgestorbenen  Moosschichten  neuc  xu 


III.   Dyoamische  (.ifuln-ic.  \9o 

producircn,  so  bringen  si«>  rim>  sletigf  /unahmo  der  Miichligki-il  dor  Torfinoore 
h.'ruir.  Die  F.xisten/  der  let/teren  1st  ;m  bedeule-ndr  Mrngen  \on  Fourhligkeit 
gebmitliMi.  es  konnte  deshalh  cine  sole-In-  Krhohung  der  Torfmoore  Uber  ihr 
llrsprttngliohes  Ni\eau  nichl  stattlinden.  VNenn  nirht  siiininUiche ,  an  ihrer  Zu- 
sammiMisftznng  bolheiliglon  Moose  ausserordentlieh  hygreskopisch  wiiren  und 
die  Ffurhtiiikoil  der  Luft  in  hohoiu  Grade  an  sich  zo'gen  und  fest  hieltcn.  Bei 
der  l"ii)\\andlmiu  des  Mooses  in  Torf  verliert  es  sein  vorfilztes  Ansehen,  \\ird 
.srhNverer.  brik-kelig,  erdii:  und  schluinmig,  deutlich  erkennbare  Pflanzentlu-il.- 
\crsch\\  indt-ii.  st>inc  Farbi'  ireht  in  oiiu1  anlanglich  braune,  dann  dunkelschwarzo 
iib.M-.  linden  solche  Torfbildungen  in  SttnipftMi .  \velche  hinter  DUneii  lifucn, 
statt  und  \vei-dcn  sie  bei  dem  LandeimviirtsrUcken  der  letzteren  von  Sand  be- 
dc.kl,  so  \\andoll  sich  dor  Torf  unter  dem  Drucke  der  auf  ihm  lastenden  Sand- 
hUiii-l.  \\elche  zugleich  den  Process  der  Vermoderung  verlangsamen ,  in  eine 
braunkohl«Mi;ihnliche  geschichlete  Masse  um. 

Die  Brnunkohle,  das  Kohlengestein  der  Tertiiirzeit,  besteht  wesentlich 
aus  den  unler  Luftal)schluss  verwesenden  Resten  von  Coniferen  (Taxites,  Pi- 
niles.  SiMiunia,  Cupressinoxylum),  Palmen  (Palmacites,  Sabal,  Flabellaria)  und 
Laubhoi/AM-n  Hclula.  .luiilans,  Quercus,  Cinnamomum) .  Siehe  Historische  Geol. 
Terliiirfonnal.  Braunkolilenl)ildung. 

Dir  Steinkohle  dcr  Krc  id e formation  (Wealdenkohle  z.  Th.)  verdankt 
ihr  Malcrial  iippiu  \vuchernden  und  sich  dadurch  schnell  anhiiufenden  Cycadccn, 
Coniferen  und  Baumfarnen.  Siehe  Histor.  Geol.  Kreideform.  Wealden. 

Die  Steinkohle  und  der  Anthracit  der  carbonischen  Formation 
sind  \cr\\ csriidc.  ihrcm  Endziel  bereils  ziemlich  nahe  gerllckte  Massen  von  rie- 
sigen  Gefiisskryptogamen :  SigiHarien  (und  Stigmarien),  Lepidodendron ,  Cala- 
m'ilrn  und  Farnen,  nebst  sparlichen  Araucarien,  Palmen  und  Cycadeen.  Siehe 
llisl.  (ieol.  Carbon.  Formation,  Bildung  der  Steinkohlenflotze. 

Die  Anthracite  desSilur,  z.  B.  der  Isle  of  Man,  kb'nnen  nur  aus  Aluon 
t-nlslandon  sein,  da  sich  in  den  Thongesleinen  der  Silurformation,  \velche  sich 
zur  Consoniruiii:  der  fossilen  Pilanzen  so  trefflich  eigneten,  bisher  noch  kcinc 
Spur  von  Gefiisskryptogamen  oder  noch  holier  stehenden  Pflanzen  uclundcn 
hai.  und  ebenso  haben  die  Graphitschiefer  und  Graphilflotze  der  huronischrn 
Schicfcr-  und  lanrentischen  Gneissformalion  augenscheinlich  denselben  Ursprung. 
Sifhc  Mist.  (ieol.  Laurent.  Formal.  Organisches  Leben-.  ^ 

§.  >  (iasquellen  als  Producte  der  Zersetzuug  vegetabilischer  Sub- 
stanzeu.  Die  Kntwickluug  der,  wic  si»cbci\  gr/rigl.  aus  dem  NYrkohliin.^- 
proci'sst-  lH-r\nriZ«'hiMidrn  Kohlciisiiurc  und  Kohlon\\asscrst(.il'uasc  isi  slcll.-nucisc 
ciii,-  >..  ivi.-hlirh*',  dass  sie  zur  Enlstehuni:  lormlichrr  Gasquellen  die  Vi-ran- 
la>suni:  girbt.  So  sind  denn,  ganz  abgesehen  von  den  Gas-Exhalationen  fast 
aller  Vulkanen-Dislricte.  an  zahllosen  Punkten  der  KrdoberllaYhe  AusslrUmnnucn 
%,,!!  Si-h\Nercl\\a>ser.sloir,  Kohleiisiiuiv.  Sumpl'uas  und  olbildendem  Gase  bekaimt. 
deren  1'rsprunu  ein  organisclu-r  ist.  Am  auflalligslcn  siud  die  Kohlen\\ass<-r- 
slolV(iiu-lU'n.  \\cil  diese,  in  Brand  grsh-rkl.  hohe,  mUchtige  Flammen  von  bald 
g«'nniier.  bald  bedeiitendcr  Leuchtkrait  l.ilden  und  dann  als  Erdfeuer  be- 
kanul  sind.  Die  zahlreichsten  und  bcrUluntesten  derarligen  brennenden  Quellen 

13- 


1  *.)(>  III.    DyimniiscliP   Clcul. 


sind  die  \on  Baku  mid  drr  ganzen  Halbinscl  Abscheron  am  ka>pischen  Mecre. 
t'crner  die  der  Apeninnen  in  Ober-  und  .Mitlelitalicn.  In  den  Olgegenden  Nord- 
amerikas  enlstromen  \iclen  der  x.ur  (lew  innung  des  Petroleum  angdcgten  Hohr- 
li'dier  Kohlenwas.ser.stoH'gase  mil  brauscndcm  .  zischcndein  ,  weithin  Imrbarem 
Geriiusche.  Ziemlich  gewOhnlicfa  sind  ansserdem  K(>lilciiwasserslofVc\li;dalioiien 
,»us  Steinsalx.lagern  ,  welche  zum  Theil  so  bedeulond  sind,  dass  sic  /.  H.  bei 
Szlatina  in  rngarn  x.ur  Ueleuchtung  der  Grube  verwandt  werden:  auch  das 
l»ci  dor  Saline  Gottesgabe  bei  Hhcinc  sich  cnl\\ickclndc  (ias  \\urdc  zu  llciz- 
/.\\cckcn  \cr\\andt:  in  China  versiedel  man  auf  i:c\visscn  Salinen  die  Soole 
\crmitlelst  der  mil  ihr  empordriogeiniee  brennbarcn  (iasc.  Das  Knislcrsalx. 
\on  \Viclicx.ka  cnthiilt  brennbares  Kohlenwasserstoffgas  in  stark  coinpriinirteni 
Zustande. 

Die  Ouantitiit  der  Kohlensiiure,  \velclie  aus  der  Zcrselzunu  \on  1'llan- 
/eninassen  resultirt,  ist  ausserordenllich  J)clrachtlifh.  Fast  alle  \Vassen|uelIen 
bnniien  dieses  Gas  aus  der  Tiefe  mil  sich  hervor,  um  dasselbc  der  .  \lmospliarc 
zuzufUhren.  Auf  der  andern  Seite  produciren  die  an  der  Erdoborlla'clic  \er- 
\vcsciulen  IMlanzen  el)uufalls  Kohlcnsiiurciias  .  \velches  die  Rei:en\vasscr  auf- 
saiiiien  und  mil  sich  in  den  Boden  fiihren.  Durch  ihren  Kohlensiiure-  (Jchalt 
\\crdeii  sie  in  den  Stand  gesetzt  .  zahlreiche  Mineralien  aufzuldsen  und  zu  zcr- 
selzen.  um  sie.  nachdem  sie  grbssere  Gesteiiismassen  durchsickert  haben.  cnl- 
\veder  als  Mineralquellen  an  das  Tageslicht  zu  fdrdern,  oder  sich  ihrer  bercits 
in  Hdhlen  und  Spalten  durch  Absatz  \\ieder  zu  entledigen. 

§.  6.  Sclilaiiinivulkniie  als  Resultate  orgauischer  Zersetzuugen.  Die 
SrldamniMilkane  oder  Salseu  stehen  in  engsteni  Zusammenhangc  mil  (iasquellen 
und  zwar  besonders  solchen  von  Kohlen\vasserstoffgas.  Diese  gehen  ,  \vic  im 
\orii:en  Paragraphen  gezeigt,  aus  der  Zersetzung  von  organischen  Substanx.cn 
hervor,  sind  die  Destillationsproducte  im  Zustande  langsamer  Verbrennung  Vcr- 
kohlung)  begriffener  Pflanzenmassen.  Denmach  sind  die  Schlammvulkauc  .  so 
schr  ihr  Ban  und  ihre  Thatigkeit  denen  echter  Vulkane  ahnelt,  nicht  Reactionen 
dcs  gluthllussigen  Erdinnern,  \vie  diese,  sondern  Producte  dcs  gewaltsamcn 
Hervorbrechens  aus  Organismen  erzeugter  Case.  Mil  deni  Ausslromcn  der  Ictz- 
teivn  ist  sehr  gewdhnlich  das  Ausfliessen  von  flilssigen  Kohlenwasserstoften 
Naphtha  und  Bergbl  vergesellschaftet. 

Die  Schlammvulkane  bilden  kleine  llache,  kegelfbrmige  Hiigel.  \veh-he  mci>t 
nur  l>is  ein  Meter,  zuweilen  30  bis  50,  ja  in  einigen.  wenigen  Fallen  150  und 
niehr  Meter  Hd'he  erreichen.  Sie'bestehen  aus  thonigcm  Schlannn.  der  \\iihrcnd 
ihrcr  Thiitigkcit  in  zahfltissigem  Zustande  sich  befindet,  bei  lang  amlauernder 
Uidie  jedoch  austrocknet  uud  von  unzahligen  Rissen  und  Sprilngen  dureli/o^en 
wird.  Auf  dem  Gipfel  der  Schlammkegel  beh'ndet  sich  eine  trichterlormigc 
Kratervcrtiefung.  auf  deren  Boden  sich  eine  Anzahl  kleiner  OHhungen  .  die  ci- 
gentlichen  Eruptionscanale  ,  befinden.  Wahrend  des  uewdhnlichcn  Xii^l.nides 
gleichmiissigcr.  ruhiger  Thiitigkeit  dieser  Schlamimulkane  entslromt  dicsenOll- 
nungcn  mil  elwas  Kohlenoxydgas  oder  Kohlensiiure  gemischles  Kohlenwa»er- 
vtotlgas,  welches  einen  mehr  oder  minder  starkeii  Strom  bilden  kann.  Haben 
sii-h  in  dem  Kraterbccken  atmosphiirische  Wasser  angesammelt  .  wclehe  einen 


III.    |)\nami-rhr   (ii'olo-io.  '*" 


Theil  des  Thoncs  aiifwvichcn  und  mil  diescm  cine  breiartiuc  Mass.-  bilden.  so 
vxird  diese,  falls  dUnnlliissii:.  .lurch  die  cmpordrinucndcn  Gase  in  einer  wal- 
|,.nden  Bcu.-.mi:  crhaltcn .  falls  xiihtlUssig ,  brim  Zerplal/en  der  sic!,  an  dcr 
Ohcrfliichr  bildendcn  gfwWH)  (iashlascn  ninliorgosdiloiidorl.  In  Geuendcn,  wo 
Nidc  kleinc  Schlanunkep-l  sich  befindcn.  \Ncichldic  ganze  Thonmasse  zu  cin.M.i 
gro^en  SchlammpfilWe  auf.  wddu-r  an  dcr  Stcllc  .  NVO  die  Gase  entstromen, 
sich  in  broddndcr  Hfwrgung  hclindcl.  Im  Zustande  dcr  Aufregung,  welcher 
frcilich  nur  scltcn  cinlritt  nnd  nur  kurze  Zeit  andauert.  zeigon  sic  don  Eruptionen 
dcr  Stratovulkanc  ganz  ahnlichc  !•  rsrlu-inun-cn.  Unterirdischer  Donnor  und  crd- 
|u.|.cnartigc  Krschiitlcrunircn  dcr  r.nuchunir  verktinden  das  Eintrct»-n  fines 
lu-lti-cn  AuslH.ichcs.  Der  Schlamm  im  Kraterbecken  erhitzt  sich,  cine  Dampf- 
siiulc  crh.-bt  sich,  die  mit  Energie  emporgestossenen  Dampfe  und  Gase  schleu- 
,[(.rn  Schlamm  und  Steine  umher  und  liber  30  M.  hoch  in  die  Luft.  und  prcsscn 
cndlich  Strome  \on  \\armcm  odcr  heissem  Thonschlamm  hervor,  vvelche  Koch- 
sal/,  aul^.-li.st  und  Naphtha  in  oft  l)etriichtlicher  Menge  beigemengt  enthaltcn 
nnd  sich  zmveilt-n  auf  l-.ntfcrnungcn  von  »/2  bis  S^gen  1  Meile  weit  ergiessen. 
fl.crhaupl  hdindcn  sich  in  der  Nahe  dcr  Schlammvulkane  fast  regehnassig 
/inn  Tlu-il  s(>hr  l>cdcut«>ndc  Erdblquellen .  Producte  desselben  Processes,  wie 
die  Gase  der  Sclilammvulkane. 

Das  Yorkonuncn  der  Schlammvulkane  ist  auf  Sicilien,  Italien ,  Island,  auf 
die  (icizcndcn  dcs  Kaukasus,  die  dcs  kaspischen  Meeres,  auf  Java  und  Trinidad 
lu'schrankt.  Einer  der  berlihmtestcn  ist  die  Macaluba  unweit  Girgenli ,  cin 
llauptschlainmkfgrl  von  50  M.  Hohe,  auf  dessen  flachcr,  1/2  Mi8lia  im  l'"lf;"^ 
mcsscndcr  (lipfeiflachc  mehr  als  100  kleine,  zum  gr5ssten  Theile  thatige  Schlamm- 
vulkane VNar/.enfbrmig  aufsitzen.  Am  westlichen  und  ostlichen  Ende  des  Kau- 
kasus auf  der  Insel  Tainan  und  an  den  Ufern  des  kaspischen  Meeresl  sind 
dics<>  Salscn  in  soldier  Zahl  und  Grossartigkeit  concentrirt,  dass  jene  District 
darin  mil  kcincr  anderen  Gegend  der  Erde  verglichen  vverden  kannen.  Audi 
an  ihnen  trill  die  Alihiiniiiiikoil  der  Schlammvulkane  von  grossen,  unlcrirdi- 
schrn  llcrdcn  dcr  /ersetzung  von  organischen  Substanzen  in  ihrcr  stetcn  Vcr- 
-..sdlschaftunii  mil  Naphthaquellen  auf  das  deutlichste  hervor. 

Die  Zeit  als  geologischer  Factor. 

Die  \Virksamkcit  der  Kriifte,  welche  sich  als  llauptaLicnlicn  in  dcm  Knt- 
wickluniisprocesse  der  Erde  bcthiili-en,  bedarf  zum  grossen  Thcile  -c  wal  I  iuc  r 
/,-ilraume,  urn  ihren  Einfluss  auf  die  Geslaltung  der  Enloberfliichc  \\ahr- 
ndmiliar  y.u  machcn.  Di<'  Liiniir  dicsrr  Zcilriiumc  isl  cine  so  aiisscrordcntlichr. 
diiss  uns.  die  \vir  nach  .lahren  zu  rcchncn  ^cxvohnt  sind,  jedcr  hcslimmlr 
Maassslab  liir  dit-s«'lbcn  fchlt.  Um  einen  solch.-u  x.u  gr^inm-n,  hat  man  \  cr- 
Slicht.  die  I.aiiiie  dcr  .Id/t/.eil .  also  dcs  Zcitraumcs  ah/.iisrhiitzen ,  seit  dessen 
Hciiinn  das  organisdir  l.eb.-n  auf  Enlcn  srim-n  heutigen  (Jcsainmlcharaklcr  an- 
-cnommcn  und  scildcm  nidit  \vcsenllich  \rriimli-rt  hat,  Derarlige  Berechnun- 
'.;«'n  crgclxMi  so  enorm  grossc  Zahlcn ,  dass  man  zu  zogern  versucht  ist.  ihre 
Wahrhcil  an/.u(>rkcnncn.  \venn  man  berucksiditigl.  dass  sic  sich  allein  auf  die 


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III.    I)\ii;iiiii-clir    (i 


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.Ict/t/cit  Ite/iehen.  und  d.iss  dicsc  nur  eine  i-inzii:e  dcr  ueuiss  naeh  Ilundcricii 
zahlenden  IVriuden  in  dcr  EntwioklungSgeschichte  dcr  Erde  und  ihrer  Bewoh- 
ncr  ist.  Man  schcutc  sieh,  wie  gesagt,  die  cnnnnen  Zahlen,  die  aus  dieseii 
Factoivn  rcsultiren ,  anzuerkennen,  obwohl  man  langst  ge\\iihnt  ist.  einen  an- 
deren  X\\cii:  dei-  Nalurwissenschafl ,  (lie  Astronomic,  \\elche  mil  dcr  (ienlode 
so  zahlrciche  Berllhrungspunkte  hat,  mil  dem  menschlichen  Geiste  vollkommen 
umfassbaren  Grossen  rechuen  zu  sehen,  wenn  sie  den  Durch- 
messer  der  Erdenbahn  als  Maasseinheit  fiir  vide  kdsmisdie 
Entfernungen  benutzt. 

\\cnn  es  gelingen  sollte,  geologische  Vorgange  mil 
berechenbaren  astronomiselien  Anderungen  in  Beziehung 
zu  bringen ,  so  wiirde  es  moglich  sein,  auch  fttr  die  Geo- 
logic ein  absolutes  Zeitmaass  feslzustellen.  Bis  jetzt  aber 
fehlen  uns  derartige  Anhaltepunkle :  wir  konnen  deshalb 
nur  versuchen,  einige  Vorgange  der  Jetztzeit  auf  ihre  Dauer 
abzuschatzen,  und  miissen  uns  fiir  Ereignisse  friiherer  Pe- 
rioden  mil  einer  Bestimmung  ihres  relativen  Alters,  d.  ii. 
mil  der  Beantwortung  der  Frage :  frtiher  oder  spaler,  alter 
oder  jiinger  als  andere  Vorgange  und  Erscheinungen '.'  be- 
gniigen.  Fiir  ersteren  Zweck  hat  man  namenllich  die  im 
Zustande  des  stetigen  Zuriickschreitens  begriffenen  Niagara- 
Falle  benutzt. 

Der  Niagara  ist  der  Ausfluss  des  Erie  Sees,  wendet 
sieh  in  nordlichem  Laufe  nach  dern  Ontario  und  stellt  so 
eine  sechs  Meilen  lange  Verbindung  beider  Seen  her.  Fast 
genau  in  der  Milte  zwischen  diesen  Wasserbecken  bildet 
der  Fluss  die  55  M.  hohen  Niagara -Falle.  Von  diesem 
Punkte  an  schiesst  das  \Vasser,  stall  wie  bisher  auf  einem 
Plateau,  in  eiuer  tiefen,  engen  Schlucht  mil  seukrechten 
Wanden  fiir  I J2  Meilen  dahin,  urn  bei  Queenstown  in  die 
offene  Ebeue  des  Ontario  Sees  zu  treten  uud  sieh  dann 
in  langsamem  Laufe  bis  zu  diesem  zu  bewegen. 

Der  Landslrich   zwischen  Erie-    und  Onlario-See   be- 
steht   aus   den  Schichten    des   oberen    Silur,    welche   sehr 
flach  gegen  Sliden,   also  nach  dem   Erie-See    zu  einfallen, 
so  dass  ihre  Schichtenkople  gegen  den  Ontario  zu  gerieh- 
tet  sind  und  nach  diesem  zu  eine  schrod'  abfallende  Fels= 
wand    bilden.     Sie   bestehen    in    ihrer   oberen    Miichtigkeil 
aus  feslem,   compactem  Kalksteine,   in  ihren   unteren  Lagen 
•21  M.     aus  Schiefern    und    unterhalb  dieser  aus  Mergeln 
und  Sandsleinen.      In  diesen  silurischen  Schichtencomplcx 
^^^  hat  der  Niagara  vom  Falle    bis  nach  Queenstown    eine  70 

bis  80  M.   tiefe  Felsschlucht  eingeschnitlen.     Die  Felswand 

d  I  Fig.    -22),   Uber  welche  sieh  der  Fall  stiirzt .    beslehl    deshalb  in    ihrer  un- 
teren Ha'lfle.  aus    verhaltnissmassii:    wcichen    Schiefern ,    in    ihrer   oberen  Hiilfte 


III.     IKnaim-rlie    (ieolojjir. 

aus  Kalkslcin.  Am  l;u»c  des  Falles  \Na.xelu-n  die  wiihlenden  Wasserniassm 
die  lorkt-ivn  Schiefer  aus  uncl  unterminiren  dadureh  den  Kalkstein ,  \\elcher 
xtilckweise  herunterltrieht,  so  dass  die  \Ya>sertalle  langsam  stromaufwarts  riirken. 
Ahnliehes  siini:  friiher  \«>r  sirli.  Antandieh  hat  sic-l\  dor  Niagara-Fall  iil.cr  die 
IVIsuaiid  Iti-i  Queensto\\n  direct  in  die  Ontario-Ebone  iieslur/.l,  in  Foliie  der 
unterwuhlemlen  Thiitigkeit  seiner  Kluthen  ist  er  jedoch  ini  l.aul'e  der  Zeit  his 
y.u  seinein  jet/iuen  Standorte  zuriU'ki:eN\  ichen,  so  class  jeder  Punkt  dcr  Fels- 
sehlueht  z\\isehen  diesein  and  seinein  ersten  Fallorte  bei  Queenstow  n  zeitweilii; 
die  Wasserfalle  bosass.  Kdnnen  \vir  das  Maass  ihres  jiihrlichen  RUckschreilens 
alisi-hiit/en,  so  sind  wir  ini  Stande,  aus  dieseni  und  der  Distan/,  welche  sic 
zuriickleuten ,  die  Zeitdauer  zu  berechnen,  die  das  gesamnite  ZurUckvveichen 
in  Ansprucli  nalnn.  Man  schiitzt  das  jahrliche  ZurUckschreiten  auf  hochstens 
8^33  M..  so  dass,  da  die  Schlucht  12,000  M.  (•!  i/2  Meilen)  lang  ist,  wenn  nicht 
einzelne  Stillstiiiufe  durch  Auftreten  von  ha'rteren  Schichten  eingetreten  sind, 
\\elche  das  Zeitinaass  noch  um  vielcs  vergrossern  wtlrden,  wenigstens  36,000 
.lahre  verstrichen  sind,  seit  der  Niagara  begann,  seine  Schlucht  durch  RiU-k- 
\\aitsiiu-ken  der  Fiille  auszuwUhlen.  Nun  kennt  man  aber  auf  dem  Plateau, 
in  'Welches  die  Niaizaraschlucht  eingeschnitten  ist,  und  zwar  auf  beiden  Seiten 
der  let/teren,  Geroll-  und  Sandablagerungen  niit  Schalen  von  Unio-,  Melania- 
und  Paludina-Arten,  welche  heute  noch  in  jenen  Seen  leben,  und  die  nur  al»- 
uelauert  \vorden  sein  konnen ,  ehe  die  Fa'lle  so  weit  nach  dem  Erie  zu  hinauf 
iieriiekt  waren  und  ehe  die  Schlucht  ausgewtthlt  war.  Die  Zeitraume,  die  znm 
F:inschneiden  der  Schlucht  noting  waren,  also  36,000  oder  wahrscheinlich  mehr 
.lahre.  uehoren,  wie  aus  der  Identitat  der  subfossilen  und  noch  in  derselben 
Gegend  f»n-Uebenden  Mollusken  geschlossen  werden  muss,  der  Jetztzeit  an. 

Die  Lange  dieser  Zeitraumes  lasst  ahnen,  welche  Zeiten  darUber  hingingen, 
die  der  Colorado-Fluss  (pag.  168)  sein  60  Meilen  langes  und  bis  2000  M.  tie- 
fes  SehluehiensNsiem  zum  Theil  in  dem  hartesten  Granit  auswUhlen  konnte. 

Auf  Zeitriiume  von  iihnlicher  Grosse  lasst  das  Verhaltniss  zwischen  Koral- 
lenhauten  und  Korallenwachsthum  schliessen.  Das  Wachsthum  der  riflbauenden 
.Madreporen  betriigt  etwa  2  Cm.  im  Jahre,  da  jedoch  die  oberen  Enden  der 
K.irallen/.weige  von  den  Wellen  abgebrochen  und  durch  das  Spiel  der  Wogen 
allmiihlieh  zu  Korallensand  zerkleinert,  /.um  AusfUllen  der  Hohlraume  und  somit 
dazu  l>enut/.t  werden,  den  locherigen  und  iistigen  Korallenbau.  in  einen  com- 
paeten  Korallenkalk  umzuwandeln ,  so  wird  das  Wachsthum  der  gesammlen 
Oberfliiche  dos  Korallenbaues  kauin  I  Cm.  bctragi-n  konnen.  Ks  giebt  Ko- 
I'alleninseln  \on  600  bis  700  M.  Ho'he,  welche  unter  den  oben  angenoinmenen 
Verhaltiiissen  70,000  Jahre  gebraucht  haben  wUrden,  um  zu  dieser  Hohe  an- 
zuwaehsen.  Die  Mo'glichkcit  der  let/teren  verdanken  die  Koralleninseln  saecu- 
laren  Senkungen  des  Meereshodens  siehe  pag.  132);  sehen  wir  nun,  dass 
sich  z.  H.  Skandina\ien  I  M.  im  .lahrhundert  emporhebt,  und  wollten  wir  die 
Senkuni;  des  (irundes  des  Stillen  Oeeanes  nach  iihnlichem  Maasse  abschiilzen 
wie  jene  lleltung,  so  resultiren  als  Zeitraum,  innerhalb  dessen  jene  Senkung 
von  600  bis  700  M.  vor  sich  uini: .  etwa  66,000  Jahre,  also  ahnliche  Zahlen, 
wie  die  aus  Berechnuni:  des  Korallenwaehsthuines  erlialtenen. 


200  II.    iKnamisriie   (  ' 


Mine  noch  andere  Zeit.seli.it/un;:  hat  man  mil  Bezug  auf  (lit-  KorallenrilTe 
\erMieht.  \\elche  Florida  jelzt  unii:el>en.  Kin  grosser  Theil  der  Kiisten  dieser 
llalbinsel  ist  von  vier  conccntrisch  aufeinander  folgenden  KorallenriiTen  um- 
giirlet.  \un  denen  fines  nach  Volleudung  des  anderen  vom  Grunde  des  Meeres 
aus  aufgebaut  \\urde,  und  welche  erst  in  Folge  einer  langen  Reihe  von  ahnliehen 
Hani.  -n  enlstanden  zu  sein  scheinen,  deren  Gesammtheit  jetzt  die  flache  Halb- 
insel  Florida  hildet.  Die  Ausbildung  jedes  einzelnen  dieser  jiingsten  Ritte  hat 
\\enigstens  8000,  aller  vier  zusammen  inithin  32,000  Jahre  erfordert,  und 
bestiinde  Florida  auch  nur  bis  zum  See  Ogeechobee,  2  Breitengrade  weiter  nord- 
\\iiiis.  aus  lauter,  wie  jene  vier,  durchschnittlich  1  Meile  \veil  aus  einander 
liegenden  Riffen,  so  wtirden  200.000  Jahre  zu  dessen  Bildung  noting  gevvesen 
sein.  Und  in  dieser  ganzen  Zeit  sind  die  bauenden  Korallen-  und  anderen 
Thierarten,  deren  Reste  in  den  Korallenrift'eu  sleeken,  ini  Golfe  von  Mexico  die 
nehinlichen  gebliel)en. 

Wenn  solche  Begebenheiten  in  Zeitraume  fallen,  wahrend  welcher  die  zoo- 
logischen  Zustande  der  Erde  stationar  und  unverandert  blieben,  welche  Zeit- 
riiuine  ino'gen  wa'hrend  der  zahlreichen  tertiaren  Perioden,  innerhalb  deren 
sieh  Flora  und  Fauna  fast  durchga'ngig  und  vollkonunen  iinderten,  verflossen 
sein.  Und  welch  eine  untergeordnete  Stellung  nehrnen  \viederum  die  tertiaren 
Perioden  in  der  Chronologic  der  Erde  ein  ! 

Eine  Idee  von  der  Grosse  der  geologischen  Perioden  hat  man  sich  auch 
durch  Abschatzung  des  Zeitraumes  zu  verschaffen  gesucht,  welcher  erforderlich 
war,  um  die  gewaltigen  Quantitaten  von  Kohlenstoff  in  der  Steinkohlenformation 
aufzuspeichern.  Die  Vegetation  unserer  \S"a'lder  liefert  in  100  Jahren  eine  ge- 
niiuende  Menge  Kohlenstoff,  um  eine  Schicht  von  16  M.  auf  der  Oberflache 
do  von  ihnen  bedeckten  Bodens  zu  erzeugen.  Die  Gesammtma'chtigkeit  der 
Steiiikohlenflbtze  von  Saarbrtlcken  betragt  113  M.,  so  dass  unter  ahnlichen  Be- 
dingungen  mehrere  Jahrhunderltausende  zur  Ablagerung  des  dortigen  Kohlen- 
materiales  erforderlich  waren.  Yergleichen  wir  ferner  die  Pflanzenwelt  der 
oberen  iproductiven)  mit  der  der  unteren  Steinkohlenformation  ,  so  stellt  sieh 
heraus,  tlass  von  der  letzteren,  aus  104  Arten  bestehenden  Flora  zwar  alle 
(ienera,  aber  nur  yio  der  Species  in  die  productive  Kohlenformation  Ubergehen. 
Dii-ses  fast  vollstandige  Aussterben  einer  Flora  spricht  flir  die  La'nge  der  Zeit. 
xvelche  man  der  Bildung  der  einzelnen  Abtheilungen  der  Kohlenformation  zu- 
schreiben  muss.  Zieht  man  aber  erst  die  tolale  Verschiedenheit  der  carboni- 
sehen  Flora  und  der  jurassischen  und  dieser  und  der  tertiaren  in  Belracht. 
ixler  \ergleichl  ein  von  Thieren  belebtes  Landsehaftsbild  der  Silurperiode  mit 
einem  der  Jura-,  der  Diluvial-  und  der  Jetztzeit  ,  und  abstrahirt  man  von  pe- 
riodischen  SchdpfuiiuseinuriHen  in  die  KnlNNieklungsgescliichte  der  Krde  .  SO 
ullnet  -icli  dem  Blicke  eine  Vergangenheil,  ftir  deren  Abschatzung  uns  die  Kraft 
fehlt.  \Vie  verschwinden  gegen  sie  die  \\enigen  Tausend  Jahre.  l>is  zu  \\elchen 
die  .Nachrieliten  iiber  unser  eigenes  Geschlecht  zurtickreichen  !  --  Alle  geologi- 
schen Zeitberechnungen  kiinnen  desiiall)  \veiter  nights  be/\N«-eken.  als  uns  zu 
uberzt'ui:en,  dass  \vir  in  der  EntwickiungSgeschiehte  der  Krde  mit 
u  neriness  I  ie  li  gmssen  Zeitriiumen  /.  u  reehnen  haben. 


Yierter  Absclmitt 

Petrogenetische  Geologie. 


§.  I .  Aufgabe  der  petrogenetischen  Geologie.  Naehdem  in  den  letzton 
beidon  Absehnitton  dor  pelrographisehe  Charakter  der  Gesteine,  welehe  die 
Krdkrusif  /u>;muuonse%tzen,  sowie  die  Kriifte,  welche  Uherhaupt  einen  bilden- 
den  und  liostaltomlon  Einfluss  auf  die  Erdrinde  austiben .  geschilderl  \vordon 
sind  .  lieirt  die  l-'raue  nahe,  auf  welche  \Veise  jene  Geslomsarten  (lurch  Vor- 
mittoliiii!;  dioser  Krafie  ihren  gegenwiirtigen  Zustand  und  petrographischen  Ha- 
bitus erhaltoii  ha  ben?  Mil  der  Beantworlung  dieser  Frage  beschiiftigt  sicii  die 
petroiioiietisrhe  Geologie,  die  Lehre  von  der  Gesleinsentstehunu. 

Die  Entstehung  irgend  einer  tellurischen  Gesteinsart  ohne  Mitwirkuug  ent- 
\vod.-r  des  Vulkanisnms  oder  des  Wassers  1st  undenkbar,  --  imd  in  der  That 
lasst  sicli  auch  die  Bildung  aller  Gesteine  auf  die  Thatigkoit  cines  -dieser  bei- 
den  Agention  xurUckfiihren.  Je  nachdem  dies  der  Vulkanismus  oder  das  Wassor 
i.st.  werdeii  die  (lesteine  ihrer  Entstehung  nach  in  eruptive  und  sedimen- 
tiire  getrennt. 

A.    Die  Eruptivgesteine. 

§.  2.  Entstehung  der  Eruptivgesteine.  Die  Eruptivgesteine  sind  in 
glulhfliissigem  Zuslamte  aus  der  Tiefe  der  Erde  hervorgetreten  und  an  dor 
Erdi.borllaoho  odor  nahe  derselben  mehr  oder  vyeniger  rasch  erslarrt.  Die  An- 
Nvesenhoit  \on  oluiinisch  gebundenein  oder  von  Uberliit/.loni  Wasser  oder  ond- 
lich  von  Wassordjiinpfcn  isl  boi  diosor  Knt.steliungs\M-iso  niclil  ausgeschlosscn. 
(liirl  iin  C.oiienthcilo  auf  das  beslimmleste  \nrausgesol/.l  NVoi'don.  Auf  eino 
Mit\\irkung  ilo>  \Vassei\s  Itoi  Bildung  der  Eruplivgesleino  aiioh  in  don  IViihoivn 
neologisohon  /.eitallorn  weist  schon  die  Analogic  mil  (l«-n  Kniptionsorsoheiimn- 
uen  dor  hoiiiiucn  Vulkano  hin.  Jede  Eruption  isl  mil  enormen  Dainpl'ausslrii- 
nmngen  und  I'Aplosionen  \orbundon  und  .-l.ouso  onl\\  ickoln  <lio  Laxastriiine 
soll.sl,  bis  sio  erkalten.  aus  ihron  Hissen  und  Spallon  urosse  Mengen  von 
\Vasserdiiinpfen.  Die  fliissige  Lii\aiuasse  muss  deshall)  von  Uberhitztem 
\Va>ser  odor  Wjissordampf  iiiipriignirl  soil),  wenn  sio  sioh  auoh  in  erslarrteiu 


2<!'2  vi.    Pelrbgenetische 

Xu>i;iM(lf  l'a>l  vollkoiniucii  \\asserlVei  erueisl.  Der  WassiTgehall ,  der  duivh 
MaiischanaKsen  in  zahlreichen  EnipUvgesteineD  nariiiieuiesen  isl.  k;inn  mi  uiul 
I'iir  sirh  nichl  ;ils  maassgebender  Be\\eis  t'iir  die  MiUvirkung  des  Wassers  bei 
Hildung  derselben  angesehen  \\enlen,  da  er  rrsl  spiiter  einiiednmgen  sein 
mag.  -  -  in  vielen  Eruptivgesteinen  sind  jedoch  die  Belege  fUr  die  Tlieilnalune 
drs  Wassers  ;m  ihrcin  Bildungsv0rgange  gewissermassen  versieinert  erhalten. 
nelimlieh  in  Geslalt  mikroskopiseli  kleiner  Ilohlriiume ,  welche  wasserige  Solu- 
lionen  z.  B.  von  Chlornatriuin  uinschliessen.  Diese  FlttssigkeitseinschiUsse 
siehe  pag.  27)  sind  in  den  Quarzen  fast  aller  und  in  den  Feldspathen  vidcr 
Granite  und  Syenite  in  unzithliger  Menge  vorhanden  und  enthalten  zum  Tlicil 
klt'iiu>  Luftbljischen ,  welche  sich  beim  Drehen  des  DUnnschliffes  bin  und  her 
hr\\vgen,  und  neben  diesen  nicht  sellen  kleine  WUrfel  von  Kochsalz,  wolche 
lose  in  der  Losung  liegen  (siehe  pag.  27).  Gegen  die  Annahme,  dass  die 
in  den  Poren  befmdliche  FlUssigkeit  erst  im  Laufe  der  Zeit  in  die  Hohlraunie 
eingedrungen  sei,  spricht  namentlich  der  Umstaud,  dass  sie  in  den  Hohl- 
riiuinen  so  hermetisch  abgeschlossen  ist,  dass  sie  selbst  beim  heftigen  Erhitzen 
nicht  entweicht,  was  der  Fall  sein  wilrde,  wenn  sie  durch  Haarspalten  oder 
Caniile  einfiltrirt  worden  ware. 

Die  Annahme  eines  dampfbeladenen  oder  durchwasserten  Zustandes  des 
sehmelzflilssigen  Gesteinsmaterials  findet  eine  weitere  Unterstiltzung  in  dem 
Vorkommen  von  ausgeschiedenem  Quarz  in  vielen  Eruptivgesteinen ,  cinem 
Minerale,  fUr  dessen  Entstehung  durch  Abscheidung  aus  einem  rein  glulli- 
flilssigen  Gemenge  weder  kilnstliche,  noch  natilrliche  Vorkommnisse  sprechen, 
\\iihrend  es  auf  der  andern  Seite  gerade  der  Quarz  ist,  dessen  Reichthum  an 
Wasserporen  auf  eine  Mitwirkung  des  Wassers  bei  seiner  Bildung  hindeutet. 

Auch  eine  Reihe  eigenthtirnlicher  Erscheinungen  im  Contacte  gewisser 
Erupti^  gesteiue  mil  ihrem  Nebengesteine  (die  Contactmetamorphosenj  finden 
ihre  befriedigende  Erklarung  allein  durch  den  Wassergehalt  ersterer.  Man 
kann  nur  annehmen,  dass  das  iiberhitzte  Wasser,  das  sich  bei  der  Abkiihlung  der 
Eruptivmassen  ausschied,  mit  Mineralsubstanzen  beladen  in  das  Nebengest^in 
eindrang  und  zur  petrographischen  Umbildung  desselben  Veranlassung  uali. 
Eine  wesentliche  UnterstUtzung  h'nden  diese  Ansichten  in  den  Untersuchungeg 
Daubree's,  aus  welchen  die  grosse  mineralbildendo  Kraft  des  iiberhitzten  Wassers 
hervorgeht.  Durch  Einwirkung  des  kt/teren  gelang  es  ihm  u.  A.  Quarz  und 
Feldspath  darzustellen ,  und  Obsidian  in  eine  feinkbrnige,  trachytahnliche  ,Ma>st- 
uinzuwandeln. 

Eruptivgesteine,  bei  deren  Entstehung  Wasser  in  uberhilztein  oder  dainpf- 
rnnnigeiii  Zustande  eine  Rolle  gespielt  hat,  bezeichnet  man  wohl  als  h\dato- 
|>  \rogen.  Ehe  sich  die  Ansiclil  eines  solchen  h\datopyrogenen  Ursprnn.-cs 
der  Eruptivgesteine  allgerneine  Anerkennung  verschafll  hatte,  wurde  es  ver- 
sucht,  die  Widersprilche  gegen  eine  rein  uluthllussi-e  Knlstehuni;s\vei>e  der- 
selben,  welche  in  ihrer  mineralischen  Ausbildung  zu  liegen  scliienen,  durch 
die  Aiuiijlinie  zu  beseitigen ,  dass  sie  ursprilnglich  zu  amorphen  oder  dichten 
ii  erstaiTt  seien  und  erst  im  Laufe  der  Zeit  durch  hydro-chemische  Pro- 
•  esse  ihren  heutigen  petrographischeo  llalulns  erlangt  hiitten.  Die  ZurUck- 


IV.  ivir»'-:eiiciiM-iie  Geologic.  203 

des  krxstallinisclien  Charakters  der  Granite,  Porplmv.  Trachyte  und 
iihnlieher  selUst  \m\ii  vulkanischer  Gesteine  der  .lel/lzeit  aut'  einen  derarliizen 
Voicing  \vird  schon  iluivh  die  Thatsache  widerleiit,  dass  vor  unseren  Auuen 
entstandene  l.avi-n  unmittelbar  nacli  ihrer  Krkaltunu  ebenso  \ollkoinniene 
Kr\stallindi\iduen  einschliessen  .  \\ie  \\ir  sit-  in  den  alteren  Eruplivgesteinen 
vorfinden. 

Was  die  Bilduni:  der  \erschiedenartiuen  eruptiven  .Mineralijeinenge  be- 
(rillt.  so  liat  Hun  sen  /.uersfr  mil  hesoiulerem  Bezug  auf  die  vulkanischen  Ge- 
steine  Wands  und  Transkaiikasiens.  spiiter  mil  Anvvenduug  auf  iiltere  Erupliv- 
die  Ansieht  ansuesprodien ,  dass  dieselben  Mischungen  zwcier  ur- 
Nonnalniassen  seien ,  welche  aus  getrennten  vulkanischeu  Herden 
.ilotainmten  und  sich  ill  verschiedenen  Verhaltnissen  mengen  konnten.  Die 
z\v«'i  t-xtreinen  und  x.ugleich  ursprUnglichert  Glieder  der  auf  diese  Weise  ent- 
standenen  und  i:enetisch  verknlipften  Gesteinsreihe  \\erden  als  noriual- 
t  raeh\  tiseli  und  norm al-p yro \euisch  bezeichnet.  Ihr  Unterschied  be- 
I'uiit  iin  Wesentlichen  auf  ihrem  Kieselsaureizehalte ;  das  normal -trachytische 
Misehuni:sinaterial  ist  sehr  kieselsaurereich  ^76 — 67  Proceut),  das  normal- 
(»\ni\enisehe  sehr  basisch  und  somit  armer  an  Kieselsiiure  (48 — 47)  Procent), 
so  dass  das  Sauerstoffverhaltniss  der  Sa'ure  und  der  Basen  bei  den  ersteren 
:',(>. .»<)T  also  "> :  1 1  bei  letzteren  3:  1,998  (also  3:2)  ist,  wahreud  es  bei  alien 
ultrii^en  vulkanisehen  Gesteineu  z^ischen  3:0,579  und  3:1,948  sehwankt,  so 

-ie  als  Mischungen  jeuer  beiden  extremen  Glieder  zu  betrachten  sind. 
Line  anspreehendere  Ansieht,  welche  durch  Sartorius  von  Walters- 
h  an  sen  vertreten  wird ,  geht  davon  aus,  dass  in  der  Tiefe  der  Erde  eine 
allinahliche  Diehtiiikeitszunahrne  und  durch  diese  bedingt  eine  allmahliche  Aende- 
i  uni;  der  materiellen  Beschaffenheit  des  guthflilssigen  Inneren  stattfinde.  Nach 
jenem  Geologen  stammen  die  beiden  von  Bunsen  beanspruchten  ursprilnglichen 
Mischuniisinateriale  nicht  aus  gesonderten  Herden,  sondern  repriisentiren  sehr 
\\eit  von  einander  liegende  Glieder  dieser  stetigen  Reihe  von  verschieden- 
artiiien,  sebmelzfltlssigeo  Materialien ,  deren  Charakter  sich  nut  zunehinender 
Tide  iindert.  Je  nach  der  grbsseren  oder  geringeren  Tiefe,  aus  welcher  die 
eruptive  Gesteinsmasse  hervordringt ,  wird  denmach  ihre  Zusammenselzunu; 
cine  verscbiedene  sein. 

§.  3.  Charakteristische  Eigenthiimlichkeiten  der  Eruptivgesteine. 
Die  I'.ntsclieiduni:.  ob  ein  Gestein  eruptiven  Ursprungs  sei,  ist  in  vielen  Fallen 
mit  ScltNvieri^keihMi  \erknUpft,  da  die  alteren  als  Eruptivmassen  angesproche- 
nen  (iesteine  \on  den  jilngeren  edit  vulkanischen,  bei  deren  Entstehungsacle 
der  Mensch  Zeu.ue  \\ar.  in  vielen  Be/ieliunizen  abweichende  Erscheinungen 
darbieten.  (ie\\is>e  Structur-  und  LaL-erungsverhaltnisse  sind  jedoch  so  allue- 
inein  an  eine  eruptive  I'.iilsiehun^su ei-e  Lielmnden,  dass  sie,  \\enn  auch  nicht 
jedes  fUr  sich  allein,  so  doch ,  sobald  sie  ihrer  Mehrzahl  nach  an  eine  in 
Gesteine  auftreten,  als  inassiieliende  Anhaltspunkte  filr  deren  Genesis 
dicnen  kiinnen.  Als  solche  durch  eruptive  Enlstehung  bedingte  Charaktere 
konnen  angefUhrt  vverden  : 

I)   massige    Structur,    al«o    das   Fehlen    eehler  Scliichtuni;   oder   Schie- 


201  IV.     lVtri>:;i'!iftisrlif    <i 


t'enini:.  \\ie  sic  hei  Sedimentgesteinen  ausgobildot  \\inl.  \\emi  aueh  pliitten- 
fiirmige  Ahsondoninuen  uiul  Andeutungen  einor  ParaUelstructor  nicht  vollstiin- 
dig  ansgesehiossen  sind. 

2)  A  I»\N  esen  h  o  i  t  von  orga  niseho  11  Kesten.  wiihrend  let/tore  ;ils 
y.ahlreiche  zufiillige  EinschlUsse,  selbst  als  Geslein  bildendos  Material  den  Se- 
dimeiiiuestcinon  einen  ganz  bezcichnenden  Habitus  verleihen,  ohne  dass  jedoeh 
alle  gesehichteten  Gesteine  reich  an  ihnen  sein  milssten. 

3  Sii  ul  c  n  I'tir  in  iuc  odor  sphac  roidische  Absonderung.  \velcln1 
It't/lcro  Itesonders  bei  Vcnvitteruni:  des  Gesteines  hervortritt. 

i  Glasige  .  l)lasige,  schlackige  oder  mandelsteinartige 
St  ructur. 

•")  Fluctuationsst  ructur.  \vie  sie  sich  in  glasigen  und  halltiilasiizcn 
dcstcinen  (Pechstein.  Obsidian  ,  sovvie  in  der  glasigen  Zwischendr^ngongsmasse 
kdrniger  Gesteine  (Basalt,  Melaphyr)  zeigt. 

ii  (ilaseinschlUsse  in  den  krystallinischen  Mineralelementen  eruptiver 
Gesteine,  welche  nur  als  von  den  sich  ausscheidenden  Mineralindividuen  uin- 
schlossene  Theilchen  des  gluthfliissigen  Magmas  aufgefasst  werden  konnen. 

7  Durchgreifende  Lagerung,  also  das  Durchsetzen  anderer  (ic- 
steine,  welches  in  Form  von  Giingen  oder  Stocken  gescheheu  kann  und 
die  Moglichkeit  weilcrer  ftlr  die  Eruptivgesteine  bezeichnender  AusbilduiiL:>- 
formen  und  damit  der  Entstehung  von  Kuppen,  Decken  und  Strom  en 
und  in  gewissen  Fallen  auch  der  Stratov  ulkane  bietet. 

8)  Zerspaltungen   des   Nebengesteines    und    in    Folge    davon    st-it- 
liche    Inject  ion  en    der   Eruptivmasse    in    let/teres    Apophysen).    sowie    Zer- 
malmung   desselben    durch    die    emporgepra'ngte    Eruptivmasse    und    in    Fobe 
davon    Bildung    von    Reibungsbreccien,     sowio   Umhilllung    einzelner    von 
dem    Erap*fvgestein    oft    aus'  grosser  Tiefe    emporgehobener   Nebeni:*'- 
sleinsbruchstucke  ,    endlich  St  auch  un  gen   und   Win  dun  gen    der  Schichten- 
i-nden,   mil  denen  das  Eruptivgestein  in  Contact  und  Conflict  getreten  ist. 

9)  Reibungsflachen    oder    Frictionsstreifung    an    den    Wiindm 
der  Eruptionsspalten. 

10  Fe  i  ner  \verd  en    des   Kornes    nach    den    beiderseitlgeD    Hc- 
grenzungs-,     also    Abktihlungsflachen    zu.      wo  'sich    in    Folge    s»>lir 
rascher  Abkiihlung  sogar  glasige  Structur  einstellen  kann. 

11  In  seltenen    Fallen    Spa  1  tenbildungen    und    Stbrungen    des 
Schichtenbaues  in  der  Niihe  eincelnep  Braptivgesteihe,  dime  class  sie  jedorli 
imiiier  als  I-'dlgen    der  Eruptionen   aufgefasst    werden    dtlrften  ,    sondern    \iel- 
melir  als  der  Eruption  vorausgega  n  gen  und  diese  tlberhaupt  ennOgtichende 
Hodingungen   /u   betr;icliten   sind. 

12}  Contact  meta  morphosen  ,  welche  sich  y.uweilon  von  Seilen  der 
Kruptionsmasse  ant'  d;is  Nel)eni:esteiti  geiiussert  haben  und  sich  dann  in  Form 
von  FrittuiiL-eii.  Verglasungen  .  Verkdkungen.  rmkr\stallisirunL;  und  Material- 
/.ut'iilirunueii  li\d;ild-(l)erinisclie  lmpragnatif)nen  kmid  geben. 

Teller  den  erupti\en  l"rs|>rung  einer  grossen  Heihe  von  Gesleinen  kann 
nielit  der  i:eriiiLi>te  Xxveifel  oliw;il(en.  <ienn  wir  selien  sie  in  gluthflttssigem 


IV.   Petrogenetische  (ieoiniM.c. 

Ziistande  hemu-breehen  und  zu  kryslailinisi-hen  (iesleineii,  zu  basaltisehen 
oder  iraehUiselien  La\en  erslarren.  Bei  anderen.  deren  Bilduni:  in  die  Zeit 
\iii-  dcin  Aut'lrelen  drs  Mensclien  lallt.  1st  die  Idenlitiit  Hires  pelrographischen 
Charaklers  und  Hirer  l.ai:enini:s\  erliiillnis.se  init  donjenigen  der  \<>r  unseren 
Augen  entslehenden  l.a\en  cine  so  \ollstiindige,  dass  wir  Hmen  dieselbe  Ur- 
sprungs\\eisr  \\ie  diesen  /ugi'slrhen  mUssen.  Ilierher  gehoren  die  Basaltr. 
Trachyte  und  Phonolithe  der  homogeneu  Vulkanc,  sit-  nebst  den  Laven  dcr 
Stiat(i\ulkai>t-  \\crdeii  uacli  den  I'unkten  iluvs  IlcM'vorbrechens  vul kanische 
ndcr  jilnutTf  Kru|>li\i:esleiiie  uenannt.  Durcli  dio  lioinoiienen  Vulkane  sind 
dirsrll.eii  mi:  xerkniipt't  mil  den  iilteren  E  rupti  viiestei  n  e  n,  welche  uan/ 
alinlicli  \\ii-  diese  in  (iiinuen,  Stockon,  Kuppen  und  zuin  Tlioil  \\eit  aus^edehn- 
u-ii  Deeken  /.\\iseiien  nieso/.oisclieii  und  palueo/oischen  Formationen  aul'trelen: 
in. in  pfleute  sie  als  plutonisch  zu  bezeichnen  und  glaubte  anneliinen  zu 
inussen.  dass  sir  die  lief  ini  Inneren  tier  Erdkrusto  unter  hoheiu  I)ruck»-  er- 
Ntarilen  Theile  von  Lnvaei-uiessun^en  seien,  deren  obere  Partien  ini  Laufe 
d«-r  Xi-il  /.erstoi-l  und  weiiizeiulirl  waren,  eine  Ansicht,  welche,  wie  die  de'eken- 
f>rnu>-  Ausbivitunsi  der  Diabase,  Melaphyre  u.  A.  auf  dern  einstmafigen 
Mretvs-i-unde,  ferner  die  Vergesellschaftuiig  der  Diabase  und  Porphyre  mil 
lullen.  endlich  die  Haufigkeit  von  RollstUcken  eruptiver  (sog.  plutoniselier 
(ifsteine  in  nur  \vonig  jUngeren  Gonglomeraten  beweist,  eine  irri^e  isl  und 
iiur  da/.u  diente,  eine  unnaturliche  Scheidewand  zwischen  den  vulkaniseheii 
I'rodueten  der  Jet/tzeit  und  tleneu  vertlossener  geologischer  Perioden  auf/.u- 
lieliten.  Ks  (Miipliehlt  sich  deshalb,  den  Ausdruck  plutonisch  gauzlich  aus/.u- 
merzen  und  dafilr  die  Bezeichnung :  altere  Eruptivgesteine  zu  wahlen. 

Ein  Vergleich  des  petrographischen  Charakters  dieser  beiden  verschieden- 
alteriizen  Ueihen  von  Eruptivgesteinen  ertziebt  das  interessante  Resultal,  dass 
die  jiiiiLieren  ue\\  issennaasseii  nur  spatere  Wiederholungen,  neue  Auflagen  der 
iiHeren  Mineralcoinbinationen  sind.  Dem.  Granit  und  Felsitporphyr  mil  dem 
F.-lsitfels  und  Peehstein  entsprechen  die  kornigen,  porphyrarliizen  und  fel- 
sitischen  Ouaiv.traelix te  mil  dem  Perlit  und  Obsidian  (alle  aus  Orthoklas  ml,  r 
Sanidin,  Oligoklas.  Quarz  und  dimmer  beslehend],  dem  Diabas  die  Plagioklas- 
l.asalte  und  Dolerile  (Plagioklas,  Augit,  Magneteisenstein);  dem  Diorit  und  Por- 
phvrit  der  llornblende-Andesil  (Oligoklas,  Hornblende  und  zum  Theil  Quarz 

Verhiillnisse    \\elche  aus  der  bereits  in  dem  pelrographischen  Theile  dieses 
l.elu-biu-hes  gegebenrn  Tabelle   (pag,   4H;    liervorgehen. 

§.  :\.  Eruptive  Natnr  der  basaltischeii  und  tracliytischen  Gesteine. 
Die  Erupt ionsproduct*-  der  heuligen  Slratovulkane  sind  zum  Theil  gellossene 
und  spiiter  erstanle  Massen,  die  Laven,  zum  Theil  lose  AtewQrflmge,  nehm- 
lich  Selilaekenstueke,  Lapilli,  Aschen.  Die  LJIM-II  erseheinen  an  ihrer  Ober- 
tliiclie  als  seldaekige,  naeh  ihrem  Inneren  zu  aber  als  kornige  oder  |>orpli>r- 
artiue  (iesteine.  deren  kr\  stallinische  Ausbildunusueise  mil  der  Langsamkeit 
der  Abkuhlung  und  Ersijirrung  an  Deulliehkeil  zugenommen  hat.  Die  wcseni- 
lichen  (lemenutlieile  der  Laven  sind  enl\\eder  Augil .  Plagioklas,  Nej)helin. 
Olivin  und  Leucil ,  oder  Sanidin,  Oligoklas  und  Hornblende,  wonach  man  sie 
als  basallische  und  Irachylische  in  zwei  Gruppen  Irennl.  SHiumtliche  Laven 


2(M>  IV 

tier  .lelztzeit  beslehen  z\\ar  aus  Silicaten.  enlhallen  jedoeh  k.'ine  ausp-.sehiedene 
freie  Kieselsiiure,  also  keinen  Ouarz.  llir  Wasser^ehali  ist  trotz  der  grossen 
Rolle.  \\elrhe  d.is  \\~asser  bei  ilnvr  Kruption  spiell.  nur  ein  sehr  ueringer. 
PetrographtSCh  lassen  sich  die  ;ius  den  jetzt  thiiliiien  Stratovulkaiien  ijellosM-iien 
Laven  von  den  versrliiedenen  Ba  >a  I  t  ue  st  e  i  n  e  n.  Andesiten  und  Tra- 
cliyten  der  homogenen  Yulkane  der  Tertiiirzeit  gar  nit-lit  trennen  .  nur  ist  in 
sehr  \ielen  Trachyten  auch  Quarz  als  krystallinischer,  wesenllicher  (ieinent:- 
theil  vorhanden,  was  den  Beweis  liefert,  dass  aus  vulkanischen  Silic;it^cinen- 
uen  unter  i:e\vissen  Umstiinden  wahrend  ihrer  l-j-slarrung  die  Oberscbttssige 
Kieselsaure  in  Form  von  Quarzkrystallen  ausgeschieden  \verden  k;inn.  D;is 
\\enn  auch  sellene  Vorkommen  von  Wasserporen  innerhalb  der  triichytichen 
Quarae  spricht  dafiir.  tliiss  es  tlein  gluthflilssiiien  Magma  heigemengtea  Wasser 
war.  welehes  hei  dessen  Festwerden  die  Quarzausscheidunu  \ermittelle.  Dass 
durch  tlie  wahrend  der  Tertiarzeit  hervordringenden  Basalte  und  Traelnte 
eiiientliche  Krater  und  lose  Auswlirflinge  nicht  gehildet  wurden.  beruht.  \\ie 
pau.  I  ^0  gezeigt.  auf  ihrer  Zahflilssigkeit,  der  zu  Folge  sie  sich  aufstauten  und 
die  Eruptionsspalle  verstopften,  andererseits  auf  der  geringen  Betheiliuunu  \oi, 
(iasen  und  Dampfen  an  der  Eruption,  wodurch  sich  der  Mangel  an  Auswurf- 
lingen  und  somit  einer  Schichtung  jener  Vulkane  erkliirt. 

Kilhlten  sich  die  genannten  vulkanischen  Eruplivmassen  sehr  rasch  ab,  so 
entstanden  glasartige,  homogene.  oder  wenigstens  homogen  erscheinende  Ge- 
steine  wie  Perl  it.  Obsidian  und  an  ihrer  Oberflache  die  schaumig  zelli^en 
\arietiiten  derselben ,  die  Bimssteine.  Der  Wassergehalt  mancher  solcher 
natiirlichen  Gliiser  ist  ebenfalls  als  ein  Resultat  der  raschen  Erstarrung  anzu- 
sehen.  in  Folge  deren  die  Entweichung  der  Wassertla'mpfe  verhmderl  wurtle. 
wahrend  diese  bei  langsamer  AbkUhlung  allmahlich  ausstromen  konnten. 

Ahgeseheu  von  der  Gesteinsalinlichkeit  der  Basalte  und  Trachyte  mil  den 
echten  Laven  sind  es  die  Lagerungsverhaltnisse,  durch  welche  die  eruptive 
Entstehung  der  ersteren  auf  das  untriiglichste  be\viesen  wird.  Diesell»en 
steigen  als  Gange.  welche  sich  zum  Theil  vielfach  verzweigeu,  durch  das 
Nelienizestein  und  bilden  an  dessen  Oberflache  angelangt  ent\\eder  Kuppen 
oder  l>reiten  sich  in  Form  von  horizontalen  Decken  aus.  Die  (iangmasse  um- 
sehliesst  nicht  selten  GesteinsbruchstUcke.  welche  aus  der  Tiel'e  stanunen  und 
durch  die  Gluth.  der  sie  ausueset/.t  \\aren.  verglast  oder  gebrannt  erscheinen. 
Manche  Basaltgiinge  z.  B.  Islands  sind  genau  wie  gewisse  Laxagiinge  untl 
Strome  ties  Vesuvs  nach  ihren  Bejirenzuni:sllachen  zu.  \vo  die  AbkUhlung 
schneller  vor  sich  ging,  als  glasarlige,  oder,  wenn  die  mittleren  (ianiizonen 
grobkornig  sind,  als  dichte  Massen  ausgebildet.  Dasselbe  ist  an  Quarztrachxt- 
uiiiiLien  beobachtet  wortlen .  in  denen  sich  ausserdem  eine  den  Saalhiindern 
parallele.  schieferige  Sti*uctur  enlwickelt  hat.  Reibungsflachen  an  den  Wan- 
dunuen  des  Nelienuesteines  sind  an  manchen  Punkten  hekannt  (so  auf  Island, 
bei  Sieuen'1.  Auch  Umwandlungserscheinun^en  im  (lontacte  der  Traclnte.  na- 
mentlich  aber  der  Basalte  mil  dem  Nebenue.steine.  \velche  der  Einwirkuni: 
holier  (iluth  zugeschrieben  \\erdeu  miissen.  sind  an  sehr  zahlreichen  Punkten 
benbachtet  worden.  An  den  Basalt  angrenzentle  Sandsteine  sind  von  diesem 


IV.    IVtro.UtMietUrh''   ',  M-uluuit'.  207 

\erhiirtet.  uel'rittel  uiul  \eruiasl  i«lrr  iilmlirh  \\ie  (lestellsteine  in  Hoehofen  mil 
prismatischer  Absond.'riuu:  \erschen.  Thorn-  in  Porcellanjaspis  mngewandell 
uiul  Braunkohlen  verkokt  \\orden.  Aehnliehe  Krscheinnnuen  hat  man,  \\enn 
auch  seltener.  iin  Contacte  mil  den  Trach\ten  beobaehtet.  Yerhaltnisse .  wie 
die  «.|,,MI  beschriel.enen.  siml  rbi'iisu  \\rnii:  \\ie  die  pelrographische  Yer- 
kniipfuni:  «ler  Ba>alte  und  T  radix tp-sleine  mil  den  heutigen  Laven  einer 
anderen.  als  einer  eni|»ti\en  Deuluni:  lahii:. 

§.  »>.  Eruptive  Natur  gewisser  Granite,  sowie  der  Felsitporphyre, 
Syenite.  Melaphyre,  Diorite,  Diabase.  Aehnliche  Belege,  wie  die  el>en 
inituetheilten.  stehon  uns  behufs  Beweistulirunij;  des  eruptiven  Ursprunges  der 
Irtilier  als  plutonisch  bezeichneten  Gesteine  zu  Gebote,  deren  Hauptreprasentant 
der  Granit  ist.  Bereits  bei  Gelegenheit  der  petrographischen  Beschreibung 
desselhen  (pag.  49)  ist  hervorgehoben  \vorden,  dass  gewisse  Vorkoniinen 
dieses  (lesteines  als  iniichtige  Glieder  der  altesten  sedimentSren  Schichtenreihe, 
nehmlich  der  laureutischen  oder  Ur-Gneissformation  zu  betrachlcn  sind,  \viih- 
rend  andere  als  erupliv  bezeichnet  \vurden.  Nur  letztere  konnen  an  dieser 
Stelle  in  Betraeht  kommen. 

Petrotiraphisch  ist  dieser  Granit  durch  ge\\isse  (neuseelandische)  krystal- 
linisrh  k5rnige  Quarztrachyte  mil  den  vulkanischen  Gesteinen  in  Zusainmen- 
lunu  geln-iu-ht.  Wie  bei  diesen  erklart  sich  die  Ausbildung  der  Mineralindi- 
\iduen,  sowie  der  Quarzreichthum  des  Granites  durch  die  Mitwirkung  von 
iilierhit/.ten  \\assern  oder  Wasserdiiinpfen  bei  seiner  Eruption  und  allmiihlicben 
(.esteinsuerduni;.  wofUr  die  Wassorporen  der  Quarae  und  F.ldspathe  zahlrei- 
c-her  (iranite  sprechen.  Eine  solche  hydatopyrogene  Enstehungstheorie  lost 
auch  den  Widerspruch  gegen  einen  eruptiven  Ursprung  des  Granites,  \veli-lier 
in  der  Krstai  runusfolge  der  Granitmineralien  zu  liegen  schien.  Davon  ausgehend, 
das  am  sch\vierigsten  schmelzbare  Mineral  bei  eintretender  Al)kUhlung 
auch  zuerst  erstai-re.  lititte  sich  nach  den  verschiedenen  Graden  ihrer  Schmelz- 
harkeit  zurrsi  nuaiv..  \iei  spiiter  Feldspalh  und  endlich  Glimmer  aus  dem  ue- 
ineinsaiiien  Mauina  ausscheiden  mUssen.  Die  Beolmchtung  der  Aggregation  der 
<'iiv/elnen  granitischen  Bestandtheilc  lehrt  jedoch  in  vielen  Fallen  gerade  das 
(ieiientheil.  Diese  Thatsache'  wurde  oft  als  Beweismittel  gegen  eine  Entstelmnij; 
des  Granites  auf  erupli\rm  Weire  angewendet.  Auf  der  einen  Seite  machte 
j,.(|ocli  Hun  sen  ilarauf  ant'merksain ,  dass  der  Erstarrungspunkt  eines  ftlr  sich 
allein  ues<  lini.)l/enen  Korpers  nicht  derselbe  ist,  wie  der,  bei  welchem  er  aus 
seinen  Liisiingen  in  anderen  Korpcrn  fesl  wird.  sondern  in  letzlerem  Falle 
aU88€f  \on  dem  Drucke  hauptsiiehlich  von  dem  relativen  Verhiiltnisse  der  sich 
ueliisi  haltenden  Snhstan/.en  hedinut  \\ird:  auf  der  anderen  Seite  xenn.iuen 
sirh  nai-h  I)aul»i-ee  die  Silicate  miter  dem  KinllusM-  des  mit  granilischer  M.-INSC 
tieinenLzten  Wassers  in  einer  Reilu-nfolge  aiis/uscheiden.  \\»>lche  nl't  ihrein  Schniel/.- 
punkte  /imider  liiuft.  Kndlich  hat  X  irk  el  gezeigt,  dass  in  echten  l.a\en  so- 
wohl  der  Augit  Leucitkrystallchen.  \\ie  der  Leueit  Augilkrystiillchen  umschliesst. 
Danach  hat  sich  bald  der  leicht  sclimel/bare  Augil.  bald  der  schwer  sclimel/.- 
baiv  Keucil  xnerst  ausgeschieden .  es  findet  also  eine  bestimmte  Reihenfolge 
in  der  I;.rstarrung  der  Mineralelemente  der  Lava  nicht  stall.  Die  aus  der  Er- 


Oils  IV.    IVtn^cncliM-hr    (i 


der  Granilgemengtheile  ahgeleiteten  Ucucise.  dass  diodbcn  nicht 

.HIV  gluthlliissii:em  Materialc  anskrxstallisirl  scicn  .  hahcn  demnach  ihre  Stiil/.c 
verloren.  Niclils  alter  ist  mehr  <l;i/.u  angethan.  die  AttSSdbeiduUgsf^higkeit  des 
granitischen  Onar/es  ;iirs  cincr  geschmol/enen  .Masse  x.ii  cr\\ciscn.  als  das  Vor- 
koimiien  /ahlreicher  (ll.iscinsclilUs.se  iin  Quarze  \iclcr  KrupliNgestcine.  /..  H.  dcr 
IVchstcinc  \on  Arran. 

Ronnie  auch  aus  dem  pelrographischen  Cliaraklcr  dcr  (iranitc  nur  so  vicl 
uorlilosscn  \\crdcii,  dass  cr  mil  den  an  cin  EruptivgQStein  zu  slcllcndcn  An- 
fordenin.m'n  nicht  iin  \Yiderspruch  stcht,  so  \sciscn  die  LagerungSverhSllQUM 
i:c\\isser  Granite  denselben  mil  grdssler  Bestiinintlu'it  einen  Plal/  untcr  dcr 
Zahl  iler  cruptiven  Gesteine  an.  Die  Krupti\iu-anite  durclisct/.cn  in  /.inn  Tlicil 
schr  iniichtigen  Giin^en  und  Stocken  das  Xebengestein  und  vei7.\\«'iucn  sich  in 
dicscin  durch  \veitreichende  Apophysen.  Sie  haben  BruchslUcke  des  Nelicn- 
jcstcines  von  oft  eolossalen  Dimensionen  losgerissen,  diese  urnschlossen  und  in 
vielen  Fallen  mil  sich  in  ein  hoheres  Niveau,  ja  inanche  Schollen  ant  ihrcni 
Riicken  hoch  liber  deren  einstmalige  Lagerstatte  gehobcn.  Die  Wandunuen  des 
Ncbcngesteines  dieser  Granitgange  sind  nicht  selten  glatl  i:eschciiert  und  mil 
vielen  geradlinigen  Furchen  versehen,  —  Reibungserscheinuneen  ,  \velchc  dem 
izcwallsainen  Hervordringen  von  granilischem  Materiale  in  einer  Spalte  zuge- 
schrieben  \verden  iniissen.  In  manchen  Fallen  sind  auch  wohl  die  der  ur- 
spriinglichen  Spalle  zugewandten  Schichlenkopfe  verbogeu,  geknickt  odcr  jjc- 
gewunden,  oder  es  ist  der  Granil  zwischen  dieselben  hineingepresst  \vorden. 
Auch  die  petrographische  Ausbildung  der  granitischen  Gangaosfdllungsmasw 
selbst  harmonirt  vollkoininen  mil  gewissen  in  Basaltgangen  beobachleten  Thal- 
sachen.  In  der  Mitte  grobkornige  Granilgange  und  Slocke  werden  im  Conlacle 
mil  dem  Nebengesleine  feinkornig,  ja  felsilisch,  oder  uehmen  eine  scliwach 
flaserige  Slruclur  an,  wahrend  bei  Apophysen,  welche  sich  von  der  Hauplgra- 
nitmasse  aus  in  das  Nebengeslein  verzweigen,  die  Grbsse  des  Kornes  mil  der 
Machligkeit  derselben  abzunehmen  pflegl,  Umsliinde,  welche  von  dcr  Sclmcl- 
ligkeit  der  Abkiihlung  und  Erstarrung  des  glulhflUssigen  Gemenges  abhiingig 
\varen. 

Von  Wichligkeit  fur  die  Deulung  des  Ursprungs  der  besprochenen  Granite 
sind  die  Contactinctamorphosen  derselben.  Kalkstein  wurde  an  ihrer  Grenze 
in  Marmor  umgewaudelt  oder  mil  den  mannigfaltigsten  Mineralien  impriiunirl, 
Thonschiefer  in  Fleckschiefer,  Chiastolithschiefer  u.  a.,  zuweilen  al>er  auch  in 
Hornfels  melamorphosirt,  Alles  Vorgiinuc.  \\clchc  nicht  nur  auf  hohc  Wiirmc- 
i;rade,  sondern  namenllich  auch  auf  die  Zufuhr  granitiseher  Mineralsnlistan/cn 
in  Form  von  Losungen  in  den  uberhit/.ten  Eruplivgewasscrn  tics  Granites 
schliessen  lassen.  —  Aus  der  Gesammtheit  aller  dieser  Beobachtungcn  geht 
als  Resultat  hervor,  dass  an  dem  erupti\en  Ursjirunge  gewisser  Granite  nicht 
•.it  -/.Nvcifelt  werden  darf. 

Die  librigen  alteren  krystallinischen  .Massengesteine  zeigen  in  ihrem  petro- 
gra|)hischen  llabilus,  in  ihren  Lagerungs-  und  Contactvcrhiiltnissen  /.inn  grossen 
Theile  solche  Analogien  mil  dem  Granite,  dass  man  ihnen  dieselbe  Ursprungs- 
\veix-  \\ic  diocin  /nci'kennen  muss. 


IV.    IVtio^cnctiM'lif    (lenitive.  209 

Dcr  Fe  Isi  t  porph  \  r  isl  ein  Aggregat  derselben  Mineralspecies  wie  der 
Granit  mid  untcrscheidcl  sich  \<>n  diesem  nur  in  der  Art  der  petregraphisofaei) 
Ausbildung  derselben.  I'.s  M-heint .  als  \\enn  sich  in  Folge  einer  anfanglich 
sehr  langsamen  Abkiihlung,  viclleielit  \\iilirend  des  Emporsleigens  dcr  gluth- 
Ililssigen  Masse  \\oliii  /crbrochene  Feldpathkr\  stalle  ini  Porphyr  spreehen), 
die  griisseren  Krystallindi\  iducn  ausgeschiedcn  hiitten,  \vlihrcnd  die  dichte  Gruiul- 
inassc  hciin  Ki-rciclicii  dcr  Krdoberllache ,  Uber  welche  sich  der  Felsitporphxr 
hiiulii:  dcckcnartii;  aushrcitctc.  rasclici1  crstarrtc,  das^ciicn  bci  tileichmiissig  fort- 
daucnidcin,  lanusainciii  Fcstwcrden  cin  ijranitisches  Gefiliic  aniicnommen  halicn 
\\iirdc.  I'.s  sicht  soinit  dcr  Fclsitporphyr  in  deinselben  Vorhiiltnisse  /.uni 
(Iranilc.  \\ic  porpli\ risdicr  Quar/trach\t  zu  seinen  krystallinisch  kornigen  Varie- 
tiitcn ,  und  ist  in  Handslilcken  oft  kauin  von  den  echlen  vulkanischen  Quar/- 
(racliUcn  /u  untcrscheiden. 

Die  PelsUporphyrggnge  durchsetzen  in  zurn  Theil  rneilenlangen  und  dann 
schr  machligen  Gangen  oder  gcwaltigcn  Stb'cken  die  Schichten  der  palaeozoisclicn. 
sclicn  der  jttngeren  Formationen,  oder  altere  Eruptivgesteine,  senden  Apophysen 
in  das  Ncbcngestein  und  unifassen  BruchslUcke  desselben  oft  in  solcher  Menge, 
dass  porpliNrischc  llcibungsbreccien  entstehen,  und  nehmen  nach  ihren  Begrcn- 
/un^slliiclicn  zu  nicht  selten  saulenfdrmige  oder  plattenformige  Absonderung  an. 
CoiitaeUeiiiiulcnmgen  von  Seiten  der  Felsilporphyre  sind  weniger  hauh'g  und 
ha  ben  sich  nanientlich  in  Umwandlung  der  angrenzenden  Steinkohle  zu  einer 
koksiihidichen  SubsUinz  bethiitigt  (so  auf  der  Fixsterngrube  bei  Altwasser  in 
Schlesien  .  Eine  andere,  sehr  gewohnliche  Lagerungsform  der  Felsitporplnre 
ist  die  als  Kuppen,  Lagergange  und  Decken.  Dieselben  slehen  an  irgend  einer 
Stelle  init  \\irklichen  gangarligen  Gebirgsgliedern  in  Verbindung  und  haben 
l»is\\eilen  sehr  bedeutende  Ausdehnung  und  Machtigkeit.  Die  Porphyrdecke 
von  Botzen  und  Meran  in  SUdlyrol  bedeckt,  ebenso  wie  die  des  Leipziger  Krei- 
scs,  cin  A  real  von  20  Quadral-Meilen.  Beide  sind  an  ihren  Randern  von  Bruch- 
stiicken  des  Nebengesteines  angefdllt  und  dadurch  breccienartig  ausgel)ildet. 

Als  cigenthUinliche,  durch  rasche  Erstarrung  des  gluthflUssigen  Magmas 
bedingte  Modificationen  des  Felsitporphyres  sind  Felsitfels,  Pechsteinpor- 
l>li\r  und  Pechstein  zu  betrachten.  Die  beiuen  letzteren  sind  naltlrlichc 
(iliiscr.  dcren  Gchalt  an  Wasser  ebenso  wie  der  der  Obsidiane  durch  Verhin- 
derung  dci  Vcrdainpfuiii:  in  Folge  raschen  Erkaltens  enno'glicht  wurde,  und 
\\eli-he  die  ini  Felsilporphyre  l)ereits  krystallinisch  gesonderten  Bestandtheile 
iHK-h  mi  Zustandc  eines  liomogenen  Magmas  enthalten.  Audi  Tuffbil- 
d  nn  gen  haben  die  Kruplionen  der  Felsilporphxre  begleitet  und  das  Material 
der  Thonsteine  (Felsittufle)  geliefert.  * 

Die  Syenite  stehen  mil  den  Graniten  in  so  engem  und  zuin  Theil  durch 
I'bcrgiinge  \crniittcltcin  Zusanunenhange ,  dass  ihnen  dieselbe  Ursprungsweise 
nicht  abgesprochen  \verdcn  kann.  \Vir  linden  sic.  wie  bereits  pag.  55  mit- 

getheilt.  genau  wie  den  Granil  in  Fun iichtiger  Zwischenlagerungen  zwischen 

sNenitischcn  (iiicisscn:  auf  der  anderen  Seite  sind  stock-  und  gangfonnige  Vor- 
koiiunnisse.  sowie  Contaelmetamorphosen ,  z.  B.  Umwandlung  \on  Kalkstein  in 
.MariiKir  auf  Sk\c,  fiir  die  erupli\e  Natiir  dcr  ilbrigen  S\cnile  charaktcrislisch. 

i' re  ilnc  r,   ElementP  il    tii"iln',;ii'  j^ 


210  IV.   PetroiitMietUrho 

Die  Diorito,  Melaphyre  und  Porp  h  \  ri  le  sind  durch  die  Unrnlilonde- 
Andesito  init  den  Traelnlen,  die  Diabase  mil  den  Doleriteu  und  Plagioklas- 
Basalten  petrographisch  ;iuf  das  innigsle  verkntipfl  und  in  einen  genolischcn 
Xusammonhang  gebracht ,  \\elclier  dadurch  einc  noch  grossere  \Vahrschoinlich- 
keit  erhiilt,  dass  sich  die  charaktoristischeu  Lagerungsformon  der  iibrigrn  Krup- 
ti\gesteine  bei  don  Dioriten,  Molaphyren  und  Porplm-iten  \\iederliolen.  Sic 
treten  als  Giinge ,  Sto'cke,  Kuppen  an  die  Erdobordiicho ,  zeigen  haufig  nach 
ihren  Grenzlliichcn  xu  platten-  oder  siiulenformigc  Slruclui1  oder  ein  Foiner- 
\\erdeu  ihres  Kornes,'  sind  zum  Theil  als  .Mandelsleine,  also  urspriinglich  als 
Schlackensteine  ausgebildet.  uniliiillen  hier  und  da  gowaltsam  losi:espren<zi»' 
Hnichsiiicke  der  anuren/.enden  Schichlen  und  haben  diese  let/teren  hisweilen 
durch  Kin\virkun»  hydro-chemischer  Processe  mil  Hlllfe  ihrer  Eruptiv^cv 
metaniorphosirt  (z.  B.  Verkokung  der  Steinkohle  durch  Melaphyr  im  Saar-(ie- 
biete,  Um\vandlung  der  Schieferlhone  durch  Melaphyr  in  dem  Bandjaspis  ahn- 
liche  (lebilde  bei  Ilinenau).  Sie  treten  ebenso.  wie  die  Diabase,  sehr  geuohn- 
lich  als  Lager  auf.  welche  sedimentaren  Schichlensystemen  regelmifssig  einge- 
schaltet  sinci,  mil  ihnen  wechsellagern  und  an  alien  Biegungen  und  Knickun- 
gen  det'sclben  theilnehmen  (so  in  Nassau,  im  Voigllande,  Bohnien,  Xe\\-.lersc\ . 
am  Lake  Superior).  Es  kommt  auch  vor,  dass  Ga'nge  plotzlich  in  Lager  iiber- 
gehen  und  sich  dann  wieder  als  Giinge  emporrichlen.  Solche  Lagerungsfor- 
men  ko'nnen  nicht  befremden,  da  \vir  sie  bereits  bei  den  Basallen  und  Felsit- 
porphyren  kennen  gelernl  haben.  Auch  die  Tuffbildungen  dieser  beiden  (ie- 
steine  finden  \vir  l>ei  den  Eruptionen  der  Augilporphyre ,  Melaplnre.  nament- 
lich  aber  der  Diabase  wieder.  Die  Melaphyre  im  Rolhliegenden  von  Bolnnen 
sind  grosslentheils  echle,  lavaartig  geflossene  Strdme  und  stehen  mil  un/\vei- 
felhaften  gangarligen  Durehbrilchen  in  ersichtlicher  Vei'bindung.  Die  I'mge- 
bungen  der  letzteren  sind  dann  gewb'hnlich  wahre  Aschen-  und  Schlackeu- 
felder. 

Lassen  sich  auch  noch  mancherlei  nicht  leicht  zu  beaiU\\ortende  l-'ragen 
mil  Bezug  auf  die  Theorie  von  der  hydatop\n>geneu  Entslehungs\\eise  der 
Granite,  Syenite.  Griinsteine,  Melaphyre  und  verxvandter  Gesteine  geltend  ina- 
chen,  —  in  der  Ansicht  von  dem  eruptiven  Ursprung  derselben  stimuli  die 
grosse  Mehrzahl  der  Geologen  iiberein.  Ihre  Anschauungen  Uber  die  Modali- 
taten  dieser  Voi'giinge  \\erden  freilich  stels  je  nach  der  Richtung  der  \\issen- 
schaftlichen  Sludien  der  Einzelnen  und  je  nach  der  G rosso  ihres  Beofoachiangs- 
st  hatzes  auseinander  gehen. 

Zu  den  aus  glnlhflussigoni  Zuslande  durch  Abkiihlung  in  den  leslen  ilbor- 
gegangenen,  der  Nalur  ihifs  Ursprunges  nach  aber  nicht  zu  den  eruptiven. 
als  aus  dem  Erdinneren  emporgedrungenen  Gesteincn  gehdrt  die  ersle  Er- 
starrungskruste  der  Erde.  Hal  man  auch  zeitweilig  ge\visse  Gneisse  als 
Repriisentiinten  dersolbon  ansprochen  x.u  diirl'ou  geglaubl,  so  sind  doch  die 
iiltosten  Krstarningsgcslcme  noch  an  keinem  1'unkle  der  Krde  mil  Sicherheil 
nachgewieson.  \iclmelirseheinen  die  als  solehe  beanspruchton  Gneisse  der  iilte- 
sten  Sedimentiirroniiation  anzugehoren .  N«MI  \\dclier  die  Mrstarrungskrusle 
liberal  I  izleichm.issiL!  bedeekt  \\ird. 


IV. 


B      Die  SedimentargesteLne. 
§.  7.     Entstcluiii!:   und  Material  der  Sediment  iinn'steiiie.    Als  Sodi- 

m.-ntiirgesteim-    br/rirhnet     man    Minoralaggregato  .     \velchc    enlNNcder    ;uis    eiuri 

wasserigen  Uteung  ausknsiallisin  oder  aus  rnecfaanisdien  AbrtRMM  des  Wassers 

befvorgegangMl  sind.  Die  Meiston  derselben  sind  Ablagorungon  des  Mrcrrs, 
wjihrond  Srhichlrn.  die  dmvh  Ouellen  und  Flusso.  in  SUmplon  und  Seen  ge- 
bildet  \\nrden,  nur  cine  untergeordneto  Stellung  einnehmen  ,  \vie  sich  dies 
.ins  den.  \Yi-deirhr  der  duivh  das  Meer  und  die  sUssen  Gewiisser  oinuenoinn.enen 
Aiv.ii,'  eruiebt.  M.in  reelinet  luerlier  lediglich  Bodensatze  chemischcn  oder 
m«vh,imsi-hen  rrsprun^os,  schliesst  aher  Gangbildungcn  und  Ilohleninerusta- 

tioneii  aus. 

Das  .Material  aller  Sediinentiiriiesleine  stainmt  von  der  ZerstOrunii  iilterer 
Ix-reils  \<>rhamlener  Gesteinsinassen  durch  die  chemische  oder  mechaniselie 
Tliiitijik.-it  des  \Vassers.  rrspriiniilieh,  also  in  jenen  entlcgencn  Zeitriiunien. 
uiiluvnd  deren  sich  das  erste  Wasser  auf  der  ErdoberflHclio  eomlensirte  ,  \%ar 
dfese  /erstiirende  Thiiliijkeit  auf  die  Krstammgskruste  des  Haneten  beschriinkt. 
l-irst  naehd(>in  ilir  das  Wasser  StolVe  enl/ogen  .  eine  '/oil  lanii  in  Auflosiinu 
udcr  Su>pensinn  orhalton  und  in  einer  veranclerten  Gestalt  wieder  abijosot/l 
halte.  narhilein  terner  oniplivo  Masson  die  Krdkrnste  dmvlibrochen  und  deivn 
Oli.Tlliiehe  n-reicht  hatten  .  inaehte  sich  cheniisehe  Zerset/Ain»  und  Aul'losimj:. 
so\\ie  nieclianische  Wegselnvemmung  auch  auf  sie  geltond,  um  neuhildend 
\\irkon  zu  kbnnen.  Dio  jungen  Gcsteinsproducle  verfallen  demselben  Schick- 
salr.  Das  Matorial  der  ursprOnglichen  Erslarrungskruste  befindel'  sich  doninach, 
\\i«-  aus  der  Schildoninii  der  geologischen  Thatigkeit  des  Wassors  im  vori-en 
Al.sdinitle  horvorgoht.  iin  stoloin  Kreislanl'e  und  ersehoint  unaufhorlich  in  neuem 
i.rvs.md.'  und  in  neuer  Form.  Vermehrt  und  vorviollaltigt  wird  dieses  iilteste 
(u-steinsinaterial  oinerseits  durch  die  zahlreichon  ICruplivgebilde  ,  wio  sie  soil 
d.-i-  I'.nlstehung  der  ersten  Krstarnnigskrusle,  IVeilieli  in  vorhiillnissmiissiL;  s.-lir 
uoringor  riiuinlichor  Ausih'hnung,  liorv(irgi-ti-rton  sind,  anderei-seits  durch  die  Koh- 
Icnsiiure.  \velche  jilliniihlich  dor  Atinosphiiro  enlxogon  \vurde,  und  dann  als 
M.lchc  oder  als  KohlonstofV  und  Kohlenwasserstoff  einen  wichligon  Anthoil  an 
drui  Aufbau  dei-  sediinentiiren  Seliiclitenivilie  naluu.  Ahnliches  gilt  votn  Wasser, 
wrlrlio  sirli  in  glrirhoni  Selirilte  mil  der  AbkUhlung  der  Krdr  aid'  dieser  ron- 
drnsirtr  und  \.-nnrhrle.  Auf  dieser  sioh  slols  \\iederholenden  Heproduclion 
drs  minrralisrhcn  Sloll'os  beruhl  (lie  \  ••rhiillnissmiissigo  Kinformigkeil  des  prlro- 
graphisclu-n  Habitus  der  scdinientiiren  Scliichtenreilie.  so%vie  die  riiniiiL-lirhkeit. 
im  Allgomoinon  das  Alter  einrs  Srdimenlargesteinos  an  soinom  petrograpliisdien 
Charaktrr  /u  rrkrnnen. 

Dio  1'r.M-osse  drr  clirmisi-ln'n  und  moohanischon  /erslonmg.  des  Transposes 
und  Wiederabsat/.es  des  (Irsteinsmaterialrs  durch  das  Wasser  sind  in  \orhor- 
grh.-mlon  Ahsrhnitlon.  nainenllirh  pag.  138  und  fnlgrndr.  l.rs.-hrieben  \v(»rdon. 
Aus  jenei'  S.-hildoning  gohl  /.ugleicli  horvor.  dass  die  (  irstrinsbildunu  ontxNedrr 
in  dom  einlachen  Wirdrral)sal/r  goliislor  odor  lurlgH'nhrlrr  Substan/.en  bostrhrn 
kann  odrr  abrr,  dass  sir  der  V.-rmillrliing  \«.n  Orgaiiismni  bedarf.  In  ersterem 

14* 


212  IV.    IVtrom'iu'tisrhi-    (Jcolouir. 

Falle  erscheint  d;is  Gestein  ;ils  cine  Host-  Anhiinfung  von  .Mincralstofl'en  untl 
vvird  mincrogcn  gcnannl,  in  lelzlerem  isl  es  \\esentlieli  oder  ausschliessli^h 
aus  den  Ueberresten  organischer  Kb'rper  zusaininengr.seizl  nnd  \\ird,  je  nach 
dfin  diese  soleho  von  Thieren  oder  von  Pflanzen  sind,  ills  zoogen  oder  ph}- 
togt'ii  bezeichnet. 

§.  8.  Charakteristische Kennzeichender Sediinentiirgesteine. 
satze  zu  den  Eruptivgcstcinen  niachen  sich  die  Gesteine  sedimenUiren 
als  solche    dadurch  kcnnllich,    dass   folgcndc  Kennzeichen    Hirer  Mehrzahl   naeli 
\fn'int  an  ihnen  vorkommen: 

1)  Schichtung,  also  der  Aufbau  einer  grb'sseren  Gesteinsinasse  aus  lauter 
einxelnen  zuin  Theil  vollkoinmen  verschiedenarligen ,  durcli  parallcle  Fliiclicn 
lu'iii-enzten  Lagen,  Schichten,  Banken,  wodurch  sich  eine  successive  Ablagerung 
und  Bildung  des  Gesteines  kundgiebt.  Hand  in  Hand  mil  ihr  pflegt  ciiit-  den 
Schichtungsfliichen  parallele  schieferige  Structur  der  Gesteinsrnasse  /u  gclu-n. 
Schichtung  vereint  mil  Schieferung  sind  untriigliche  EigenthUinlichkeilen  der 
Sedimentttrgesteipe. 

2).  Das    zum    Theil    den   Rest    des   Gesteinsinatcrialcs    Uberwiegende    Vor- 
koininen  von  Rol  Is  ttickeu,    deren  Entstehungsweise  ohne  Beihillle  dc.s   \\  ;is 
sers  nicht  gedacht  \verden  kann. 

3)  Das  Auftreten  der  Reste  von  Thieren  und  Pflanzen,    welche  von 
Schlamin  umhiillt  entweder  als  Abdruck  erhalten    oder  in  Mineralsubslanz  um- 
iit-wandelt  wurden. 

4)  Durch  das  Auftreteu  von  Wellenfurchen,  ferner  der  Eindriicke  von 
Regentropfen  und  der  Pseudomorphosen  von  Kochsalz  auf  der  Ober- 
tliiche  der  Schichten. 

§.  9.  Minerogene  Sedimentargesteine  mechanischen  Ursprunges  l'i-- 
trographische  Geologic  sub  67,  69,  70,  71,. 72,  73).  Sie  beslehen  giinzlich  odei- 
doch  voi'vvaltend  aus  den  mineralischen  ohne  Mitwirkung  organischer  Kiiipci 
zum  Absatz  gelangten  Fragmenten ,  Gemengtheilen ,  Auslaugungsproducten  und 
Verwitterungsrlickstiinden  alterer  Gesteine,  ohne  dass  jedoch  Einschlilsse  \on 
organischen  Ueberresten  vollkoinmen  ausgeschlossen  waren.  Sie  werden  dein- 
nach  von  durch  das  Wasser  zerkleinerten,  zerriebenen,  nach  ihrer  Grosse  ge- 
sonderten  und  geschlaminten  Bruchstilcken  alterer  Gesteine  gebildet,  welche  dei 
Mehrzahl  nach  durch  ein  weit  jilngeres  Cement  verkittet  sind. 

Die  hauptsachlichsten ,  die  Ubrigen  bei  Weitem  Ubervviegenden  Glieder 
der  sediinenla'rcn  Schichtenreihe,  die  thonigen  und  sandigen  Gesteine  und  nt-lx-n 
ihnen  die  Conglomerate  und  Breccien  gehb'ren  dieser  Abtheilung  an. 

Mil  Bezug  auf  Entstehung,  Transport  und  Absatz  des  sie  bildenden  Ge- 
steinsschultes  rnuss  auf  den  Abschnilt  ilber  »meehanische  Thiitigkcit  dt-s  \Vas- 
sers«  pag.  165  ver\\iesrn  werden.  Aus  der  ZertrQminerung  der  Gesteine  durch 
den  Frost  und  durch  Bergstiirze  gehen  Haufwerke  von  eckigen  (lesteins- 
bruchstdcken.  durch  Forlschwemmung  und  dadurch  bedingte  Abrundung 
der  lelzteren  RollstUcke,  durch  forlgeset/len  Wei  tor  I  ran  sport  und  damil  Hand 
in  Hand  gehende  Zerkleinernng  kiesartige  Korner,  endlich  noch  kleinere 
S;i  nd  kiiriii- r  ln-i-\or.  \\  iihivnd  die  leinsten  Sell  I  a  in  in  I  li  e  i  leh  e  n  in  noch 


IV.    IVImp'iii'liM'lir    (iculrt-ic. 


K  iitf.-numu  ii.-liM.mMi  uml  als  Srl,lanm,s.-l..rl,l.Mi  abgesettt  urrd.Mi.  Dir 
Gfttsse  der  Grslrinsfranmrntr  nimint  drmnaoli  mil  drr  Entferoung  von  ihrrm 
r.-spnu^sorlr  ah.  ihrr  Abrundung  hin^rn  in  iih-ichom  Sohrillr  zu.  Durch  die 
M>lagerung  drr  Hollslil.-kr  und  Kornrr  rnlslrhrn  lose  Accumulate.  Warden 
dir  Zwischenraume  z*isrhrn  ihivn  rin/.clnm  Grrbllrn  uml  Kbrncrn  durch  cm- 
geschwemiates  frim-s,  thoniges  oiler  sandi^rs  Material  oder  durch  den  Absatz 
rinrs  kalkinrn.  kirsrligrn  oder  eisenschUssi^-n  Cementes  aus  eifadringendeo 
Ilineralaolutionen  ausgetellt,  so  dass  die  sonst  losen  Fragmente  zu  einem  mrhr 
od.-r  ^eniger  l.-strn  (u-strim-  xcrkittrt  wcrden ,  so  cntstchcn  aus  dem  llmif- 
xxrrke  vonedugwi  Fragmenten  Breccien,  aus  dcncn  von  RollstUcken  grblxMv 
O,|,T  I.MII.MV  Conglomerate,  aus  den  Ablagerungen  von  Sand  Sandsteine, 
uahrcnd  dir  Schia.n.nscliichlon  zu  Lchm  und  Thon  verhartcM!  odor  duivli 
rrlM-rla-rrum:  andoivr  (u-stcinsmasscn  und  den  dadurch  auf  sic  aiisgcublni 
Dn.ck  /u  fcs'trm  Thon  und  Schiofcrlhon  und,  falls  sie  kalkhaltig  vvaren,  zu 
M  cm. -In  und  Mergelschiefern  zusammengepresst  wcrdcn. 

/u  den  St-dir.icnt.Mi  morhiinischcn  Ursprunges  gehb'ren  auch  gevvisse  Tuffe, 
(.rstrin.-  /.u iU.M-haH.M-  Entstchung,  indcm  ihr  Gesteinsmaterial  in  Form  von 
\s,-li(-n.  l.apilli,  Sanden,  Bomben  uud  TrUmmcnverk  aus  Vulkanen  oder  Spal- 
tni  d.M-  Krdkrustc  ausiievvorfen  vvurde,  also  direct  dem  gluthflUssigen  Erd- 
inm-iTn  .Milstannnl .  NvahiTiul  sie  ihre  Ausbreitung  zu  ausgedehnten ,  gleich- 
lormiu.Mi  Schichten,  also  ihre  Lagerungsform,  ihre  nicht  seltene  Versleinerungs- 
fUhruog,  Urn-  iheilwnse  Zersetzung  dem  Meere  oder  Seen  verdanken,  in  vvclche 
sir  nicd.M-ti.'lon. 

§.   10.    Minerogene  Sedimentargesteine  chemischen  Ui-sprnnges. 

sirher  als  solche  erkannlen  Gesteine  spielen  von  der  Silurperiode  ab  bis  auf 
uns.MT  Xoil  mil  Bezug  auf  ihre  Miichtigkeit  eine  verhaltnissmassig  untergeord- 
,u,lr  Uullr  ii.  drm  Aufbau  der  sedimentaTen  Schichtcnreihe.  Chemischen  Nieder- 
s.hla-.Mi  dmvh  lo.-al.-  Vrrdunslung  von  Solutionen  oder  durch  eingctretene 
Kcartion  MM'dank.M. .  st.-ls  ab-.-sehen  von  Mineralbildungen  in  Drusen  und 
SpallrnraunHM.  Kalktuff,  Travntin,  Erhsenstein,  Rogenstein  sowie  mancho  kor- 
ni-r  Kalksli-im-  und  Dolomite,  ferner  Kiesrlsinter,  kryslallinischcr  Quarzsand- 
siri.i.  gewisse  als  normalo  Kml^mm^Mi  auftretende  Spalhelscnsteine  und 
Brattneiaensteine,  Anhydrit,  Gyps  und  Steinsalz  zvveifellos  ihren  Ursprung.  Von 
,|i«-s.Mi  isi  dir  Bildung  NOU  Kalktuff,  Travertin  und  Brauneisenstein  ben-its 
,ui!  S.-ile  160,  die  von  Kii-srlsinler  und  l-j-bsc-nslrin  |>au.  161,  die  Entstehunu 
,1,-r  Minrrallosunurn  aber,  aus  d<Mi«-n  si.'h  di<>  sJimmtli.-hen  gcnanntcn  Gesteins- 
arten  ausgeschieden  hab,-n,  pag.  U3  u.  f.  besprochen  vvorden.  Es  blcibt  des- 
halb  nur  norli  ubriji,  den  Bildungsproces.s  rtuas  (-inuehrnd«-r  /.u  betrachtrn, 
(1,is  NN.-lrh.Mii  dir  l.au.M-statt.Mi  von  St.-insal/.  (Jxps,  Anhvdrit,  und  krystalli 
nisclicm  Ouar/sandsl.Mii  h<M-\oi-.^anu.Mi  sind. 

Dir  l.a-rrstatten  von  Sleinsalz  sind  dmvh  unmittrlbaren  Absalz  aus  dem 
Mr<M-<\s\\assrr  oder  den  Grv\;is>rrn  NOII  Binnensccn  hrrxorurjiaiigrn,  von  deron 
in  Lbsunu  vorliandenen  Bestandlhrilrn  Clilornatrium  das  hauplsachlichste  war. 
durcbschniUttche  Sal/grhall  drs  MC.MV,  brlriJgt  3,527  Procent,  welcher 
wie  loLt  Nrrtheill:  Cldornalrium  75,786,  --  Chlormagnesium  9,159,  - 


211  l\  .    I'l'I 

Chlorkalium   3,<)o7,    —    Bromnatrium     1.1*1.  sch\\elclsaurer   k.ilk    i.(il7. 

sch\\cfelsaure   Magnesia   .">..">!>7. 

In  ruhig  slcliciidcn  Sal/.losungen  sinkl  die  durch'  Yerdunslung  des  Wasscrs 
,tn  Hirer  Oberlliichc  entslehcnde  starkere  Soolc  zu  Bodcn  uiul  saiimiell  und  rei- 
ehcrl  sich  hicr  an,  so  dass  cine  /unalinic  des  Salzgehalles  von  dcr  Obcrflache 
nach  der  Tide  staltfindet.  In  ollcncn  an  Strbnmngcn  reichen  Meeren  kann 
cine  soldie  Concentration  nichl  \or  sirli  gehcn.  da  einerscits  in  Fokc  dcr  Slro- 
mungen  cine  slctc  .M  engung  dcr'/^iitrciclicii  und  sal/anucn  (icwiisscr  slattlindcl. 
andcrcrscits  die  Flilsse  das  \<'rduii>lcndc  \Vasscr  \\icdcr  crscl/cn.  In  Binncn- 
niccrcn  jcdoch,  besondcrs  in  solchcn ,  wo  wenig  und  z%\ar  scllist  Kochsal/ 
halliiics  FlussxNasscr  xuslronit ,  findol  dcrsclhe  Vor^anj:  \\ic  in  cincm  (il;isi:c- 
fa'.ssc  stall,  \Nic  hior  scnkt  sich  tiuch  in  ihncn  cine  ucsiitti-lc  Sleinsalzlosuni? 
auf  den  Boden,  aus  \veleher  Sleinsal/  auskr\slallisirl  und  durch  allinaliliclic 
Anhiiul'iuiiz  cin  Salzlaiier  bildet.  Im  Friihjahr,  wenn  die  Zuflilssr  durcli  sus- 
pendirle  Kalk-  und  Thonlheilchcn  uelriihl  sind ,  schlagen  sich  auf  dcr  Slein- 
salzablagerung  Schichlen  von  Kalk-  und  Thonsedimenlcn  nicdcr,  \viihrend  zu- 
ulcich  des  durch  die  Frilhlinuswasser  verslarklen  iirosseren  Zuflusscs  \NCUCII 
kein  Steinsdx  aus»eschieden  \vird.  Ini  Soinnier  hiiiL'cuen.  \\u  inehr  \\ 
verdunslel  als  zugefiihrl  \\ird,  cntstchen  ausschliesslich  SteinsalzablagcruiiLzen. 
im  Laufc  der  Jahre  somit  Schichleniolucn  von  al»\\eehselnden  Sleinsal/-.  Thon- 
und  Kalkschichlen.  Enlhall  das  Wasser  cincs  Beckons,  in  wclcheni  ein  soldier 
Verdunslungs-  und  Ablagerungsprocess  vor  sich  geht,  schwct'clsaurcn  Kalk.  so 
mussle  sich  dieser,  da  der  Salligungspunkl  dcs  Wasscrs  durch  sch\vcfels,uircn 
Kalk  frilher  eintritt,  als  der  durch  Chlornali'iuin.  ausscheidcn.  ehe  der  Absalz 
der  Kochsalze  beginnt,  der  erst  dann  anhob,  als  das  Meeres\\asser  zu  einer  uc- 
saUigleren  Koehsalzlosung  eingedunslel  war.  Daraus  erklarl  sich  ciiu-rsciis. 
dass  die  t'nlerlage  der  Steinsalzlagerslatten  sehr  gewohnlich  (i\ps  oder  Anh\- 
drit  ist,  sowie  dass  entsprechend  dem  Beginnc  des  zeitweise  unterbi-ochencn 
Verdunstungsprocesses,  (»yps  und  Anhydrit  in  Zwischenlagen  zwischen  den 
einzelnen  Salzschichten  auftrelen  wie  in  Stassfurt).  Absalze  von  schwefel- 
saurem  Kalke  Uber  solchen  von  Steinsalz  rtlhren  deshalb  slels  \on  ncucn 
WasserzuflUssen  her.  Finden  sich  G\ps-  oder  Anhydrillager  als  alleiuige.  niclil 
von  Steinsalz  beuleitele  Ablauerungen ,  so  isl  entweder  die  Verdunstung  nicht 
bis  zum  Satligungspunkte  des  Chlomatrium  vorgeschritten,  oder  das  abgesetzle 
Sleinsalz  ist  durch  zufliessendo  Wasser  wieder  in  den  aufgeloslen  Zustand  zu- 
rilckgefUhrt  worden.  Ftlr  die  Erscheinung,  dass  sich  schwefelsaurer  Kalk  bald 
wasserfrei  als  Anlmlrit.  bald  mil  Kr\slallwasser  als  Gyps  absented,  bieien 
dit>  Krfahrungen  der  Chemic  genilgende  Analoga.  Die  das  cine  oder  andere 
bedingende  Ursachc  diirfte  in  dcr  Grdsse  des  Druckes  zu  suehen  sein  .  indein 
ein  solcher  von  10  Alinospharcn  hinreichl,  den  schwefelsauren  Kalk  aus  seiner 
Losung  als  Anhydrit  auskryslallisiren  zu  lassen.  Dicse  Verhaltnisse  sind  auf 
dcni  Boden  eines  107  Meter  tiefen  Sees  gegeben. 

Enthaltcn  eudlich  die  Wasser  des  Binnenincercs,  auf  dessen  Boden  die 
Slcinsalzablagerung  vor  sich  geht.  ausser  Kochsalz  und  sclmefelsaurem  K.ilke 
noch  leiehler  losliclie  Salze ,  wie  Chlormaguesium .  Chlorkaliuin,  ChloiTalciuni. 


|\  .     IVIiouiMirliM-lir    licolouir.  215 

xt.|,NNclrls,,urcs  Kali.    solmolrkamvs  Nalmn   unil   sohuofolsaiiro  Magnesia    in  Solu- 
Uon      SO   xxmlrn   Sich   di,-.so   in   den   dmvl,  Yenlunslnnu  an  Menue   almohinendon 
GMVlfwn  concenlriwn  uiul  bei  **»  Ansselieidnnu  des  nrsprunuhrhen  un.l  duroh 
f,,ridanrrnd..  /iillusso   einueluhrlen  Chlornatrinm-Cehalles   allmahlioh  aim  Mullor- 
,all,M,   |,j|d,.,,.    aus  welohoc  sir   sirl,   ersl   bei  deren   vollslamliuer  Vordunslung  als 
IrsiV   Masse  auvsrheiden    and    /.u   Bod.-n    sinken.      Aus    dom   Kinirookenen    omos 
m-spnin-'lich    saJzige   H.-stamltl.ciir    rnlhall.Mulcn    Hi.nuMnn.MMVS  ,    (lessen  Zuihlssc 
,li,'s..||...|i   norli    s.-Vn.rh.vn.    wUnl,-    nacli    .li-in   rlu-n   (icsa^lrn   lim-orp-hrn  :    /.u- 
un.rrs.   cmc   Ahla.rn,,^    von  tiMKS,    .lariib,-r    rin   S.-hirht.MK-.m.pl.x    VM   Sl,,n 
^    ,,,il    .lunn,-n    l.aurn    von   Th»n,    Mor^l    odor    (lM>s    uiul    endlu-h    /n    IteH 
cine    M.laarrunu    <lrr    an.    U-i.-hlrsh-n    loslichcn  Schwefelsauron  und   llal«.l(lsal-/.(-. 
Kin     aj,,,/'    analouor    Voruanji    isl    dor    Siiulcpnurss    dcr    Salincn.      Kr    lu'iiinnl 
mi,    (',ilUM-   An.virh.M-un-    der    Soolo    dmvli  Ahdunslunii,    vvolxji   sich  Gyps    als 
IManiH-nsh-in  ahsrl/.t  :     lu-i    iurlucscl/tein   Kiukc.-htMi   lalll  n-incs  Kochsalz  n.eder, 
^aluviul  <lir  I.M.-IU  liislit-lion  Salzf.  in  der  Multcrlaugo  hlcibon  und  bcini  \MMUM-- 
r(l,-ls,-|u-(MU-nd.-n  Ahda.nptcn  sich  clu-nlaUs  ausscheidcii  wUrdon. 

Kin  horhsl   instruc-liNcs  Bcispiel   auf  die   beschriebenc  Weise   entslaudcner 
s^l/la-crsliittcn  isl  die  vonStassfurt  (siehe  historische  Geologic,  sub  Dyas,  Zechsloin- 
,,,-upp',-  .      (.an/   almliclH-   Salzlaiior    Nvilrden  heutigen  Tai^es  daduivh    enlst.-h(Mi, 
,'|;,ss  das  Koihr  Me.T   durch  Sandbankc  oder  KorallonriJVc  gegen   den  Ocean   zu 
^....Mlaiiiint    «  ilrdo.     Faelisch    aber    jjrlil    ein    solcfeer    Abla^run^sprocess    im 
To'.llcn  Meere    vw  sich.     Die  Gewasser   dcs  Ictztcron  hefinden    sich    mi  Z\i 
sl;lnd(-  ei»er  in  Folpo  lang  andaucrndcr  Verdunstung   salzigcr  Wasscr   enlslan- 
dcncn     Multerlauqe,    deren  grosser    Brommaiinesiuin-Gehalt   daraui    huidculet, 
dass  sich  aus  ihr   Leivits    viel  Ghlornatriuin    abgeschiedcn    hat.     Da   dieser  See 
n,,r    /ullussc,    abcr   koine    AbflUsse   bat,    so   kann   das   zu^lilhrlc  Wasser    nur 
din-ch    Vcrdunslnnu    riilNM-irhou    und    lasst   dcmiiach    seincn   Salzgehall   in    ihm 
/uru.-k       Dor  -Inr.lan.    d.-r  HaupUHiss  dor  sich   in  das  Todle  Moor  (M-u,csscndcn 
(irxxasscr    isl  unvorhalliiissiiiassij!  rcich  an  aiil«oloston  Hoslaiidtlioilon  und  zwar 
vorzugsweise  an  Chlornalriuin  und  Chlormagnesiuui  ,   von  denon  er  in    »00,0( 
Tlu-ilcn  von  dm,  oinon  52,  von  dom  andcrcn  25  Theile  enlhiill,   und  mil  Nvolclu-n 
,-,-  ,|ic  den  See  bildondo  Laujio  lurlNNahrcnd  anrcichert.    Aus  dicscr  l.al  s.ch  zuon 
srhNx.-ri^anrrrKalkiindSlrinsal/  ausucschiedcn,  vvahrendChlonna^n.-sunn  zurUck- 
|,lit.|,     >,,„  Ncrlicrtabcr  das  Wassor  sc-inc  I'ahi-keit  Kochsalz  .u  Ittscn  in  doinsHbrn 
(iradc    inxN.-lrhc.nscmChlonnauncsiu.n-lM-halt/uninnnl,  die  Abla^-rnnu  vonSt 
sal/,  -olil  .loshall.  bri  dor  jol/ijr.-n  IVschallcnhcit  dos  Wassors  dos  Todlon  Meeres 
mmi;((,|.|)1,),|1(-n    VQF    si,-h,    da    ihn.    dicsrs  Sal/,    .linrh    don  -Ionian    und    seme 
nbri-on   Xi.llu.ssr    immerfnrl    /uu<-lilhrl    Nxinl.    Irol/dc.n    dcr  K.u-hsal/^-hall    de; 
srlbcn    nur  S.  H    bis    15,^  I'm.-cnt   botriiizt.      NVir  sehen   son.it  in.  Todlen  Mccrr 
Hm-    d.nrh    V.-nliinslui^    ^    ^W*M    bodinjllo    rontinuirlirlio.  Sh-insal/b.ldunu 
und  /.u-loich    die    Kntslehnnu    .-iner  MullrrlauKc    xor    tins,    aus    deren    srhhess- 
|K.lu,m   Kintrnrkr.,...,   b,-i  Huai.r.n  Abschlnss  allcr  Zullllsso  cine  wcsentl.ch  aus 
danohon    aus   Chlornatriun,  ,   Chlorcalciuni  ,    Chlorkabupi    und 


Broinmaiinesinin   bcstchcndr   Sal/.abla^n.nu   resultim. 

(iiin/.    \hnlichcs  uir    in,  Tndtrn   Mooro  uohl   in  d.-m  Ellon  und  den.  Bogdc 


2 Hi  IV.   Petrogenetisohe  (icnin^ir. 

Sec  vor  sich,  \\elche  /,\\  ischen  \Volga  und  Ural  in  einer  \\eilen  Steppe  liciren. 
in  dcr  sich  ein  Sal/^ebirue.  der  Tschaplschalschi,  erhcbl.  Aus  diesein  Iliessen 
cine  Anzahl  von  Salzbaehen  den  genannlen  Seen  zu.  Da  sic  keincn  Ablluss 
hal)en  und  das  aufgenonmiene  Wasser  durch  Verdunslurig  cntfernl  \\ird,  so 
scl/t  sich  das  Kochsalz  /n  einer  leslen  Bank  ah.  Die  Biiehc  filhrcn  den  Seen 
ausser  Chlornatrium  auch  Chlorkalium,  Chlormagnesium  und  sehwefclsaurc  Mag- 
nesia, sowie  zur  Frtlhjahrszcit  Schlamm  zu.  Lclzler  bildel  jdcmnach  diinne  Lagcn 
zwischen  den  Kochsalzausscheidungen  des  Sommers,  wjihrend  die  Icichllbsliehen 
Salze  das  Seewasser  bis  zur  concentrirlen  Mutterlauge  angcreichert  haben ,  \\elchc 
enthitlt:  schwefelsaure  Magnesia  5,32,  —  Chlornatrium  3,83,  --  Chlorkalium 
0,23,  --  Chlormagnesium  19,75,  -  -  Wasser  70,87.  - 

Die  der  geologisehen  Vergangcnheit  angehbrigen  Steinsalzlagcr  milssen  auf 
ganz  ahnliche  Weise  cntstanden  sein,  reprasentiren  also  einstmalige  Binnen- 
meere  oder  durch  Hebungen  oder  Sandbanke  von  dem  Oceane  abgeschniUene 
Mceresbuchten ,  deren  Zuflusse  Salz  in  Lbsung  enlhielten ,  jedoch  geringer 
waren  als  die  Verdunstung  in  dem  Wasserbecken.  Daraus  gcht  hervor,  dass 
die  Bedingungen  zur  Bildung  von  Steinsalzlagern  gegeben  waren,  so  lauge 
ein  Meer  die  Erde  bedeckte  und  Continente  existirten.  In  der  That  vcrtheilt 
sich  das  Vorkommen  des  Steinsalzes  auf  die  gesammte  Formationsreihc,  wie  in 
der  pag.  33  gegebenen  Tabelle  gezeigl  worden  ist. 

Die    hier   mil  Bezug  auf  ihre   Entstehung   zu   belrachtenden   Kalksteine 
sind  kbrnig,  dicht  oder  oolithisch.     Der  Unlerschied   zwischen   den   beidcn   er- 
steren  ist  nur  ein  relativer   und   liegt   nur  in  der  Grbsse   der  das  Gestein  zu- 
sammenselzenden    Kalkspath-Individuen ,       -    unter   dem  Mikroskopc   Ibsen   sich 
auch  die  anscheinend  vollkommen  dichten  Kalksleine  in  ein  Aggregal  von  Kalk- 
'spathrhomboedern  auf.     Sowohl  die  sogenannten  dichten,  wie  die  kornigen  Kalk- 
steine cnlhalten  stets  kohlensaure  Magnesia   entweder  nur  in  Spuren,    oder    in 
reichlicherer  Menge,    so  dass  sich  eine  Gesleinsreihe  derselben  aufstellen  la'sst, 
in  welcher   der  Magnesiagehalt  sich   allmahlich  von   weniger  als    1   Procenl   bis 
zurn  Maximum  von  21,75  Procent  steigert.    Zwischen  den  echten  Dolomiten  und 
den  Magnesiahaltigen  Kalksteinen  und  reinen  Kalken    lassen  sich   somil   scharle 
Grenzen  nichl  ziehen.    Daraus,  sowie  aus  der  engen  Verkntlpfung  und  der  Aim- 
lichkeit  ihrer  Vorkommnisse  geht  denn  hervor,  dass  normale  und  magnesiahalligc 
Kalksteine  keine  wesentlich  verschiedene  Entstehungsweise  gehabt  haben  kbnnen. 
V  Durch   Vermittelung    thierischer    und   pflanzlicher  Thatigkeit  allein   kbnnen   die 
Kalksteine  schon  deshalb  nicht  entstanden  sein,    weil   vvir  solche  Gesteine   und 
zwar  Ablagerungen  von  enormer  Machtigkeil  und  Ausdehnung  kennen,  wahrcnd 
deren   Bildung    eine  Existenz    organischer   Wesen    selbst    im    gtinstigsten   Falle 
von    geringer   Bedeutung    war.     Ftlr    solche    Kalkstein-    und    Dolomilbildungcn 
ist    die   Annahme    cines    ausschliesslich    chemischen    Niederschlages    die    allein 
zulassige.     War   solches  wShrend   der  iiltcsten   geologischen  Perioden    dcr  Fall, 
so   konnte    nach    alien   jetzt   herrschenden    Ansichten    und   Erfahrungen    dieser 
Praecipitationsprocess  nicht  plbtzlich  aufhbren ,    sondern  selzte  sich ,   w  enn  auch 
vielleicht   in  abnchmendem  Grade ,    durch   die  folgenden  geologischen  Perioden 
bis  zur  Jelztzeit  fort.     Wa'hrend  aber  die  Kalksteine  uud  Dolomite  der  allcslcn 


IV. 


/eitalter  reme  oder  fast  rcme  chemischc  Praccipitale  ware...  menii.M.  sich  ill 
die  cntsprechenden  Product.-  der  n.-uereu  Zeiten  mehr  und  mehr  kalkige  Ursle 
orniinis.-l.rr  (lescl.uple  eiu.  sn  .lass  sic  in  manchcn  Kalksteinen  bei  Weitem  NO.' 
den  ch.-mischcn  Niederschliiuen  dominiivn. 

Filr  .lit'   Ansehauuni:.    dass    die   Mehr/ahl  aller  Kalkstcinschiehlen    und  der 
grtteste  Theil    der  grsammli-n    als  (dieder  dor  sedimentaren  Schichlenreihe   auf- 
tretendcu   kalkstemmassen  als  cluMuischor    Nicdrrsrhlai;    aus    den.    Mcero,    nicht 
,,|,n-    atis.M-hli.-sslich    als    orijanischcs  Ansscheidungsproduct,    wio    niaiichr    (leo- 
lo-n.  fur  modirli  halirn,    m   bolrachtcn   sci,    sprichl   auch   die    mikroskopische 
Untersachung  d.-rsclhcn,   wclclu'  lolu-t,   (lass  unseiv  ^cwbhnlichcn  dichlcn  Kalk- 
SI.MIU-    teineswegs  dnivlivu-i:  ans  /rrklrinertcn  nnd  feingcricbcncn   Thiors.-hal.-n, 
s.md.M-n   VOfXUgSWeiae  aus  KalkspathrhoinboedcrdR-n  bcslohcn.     Diesc    leUUcmi 
sind   nicht  ct\\a  (lurch  cincn   rinknslallisirunjisprocess  aus  dcm  Schalcndclrilus 
luM-sorucuanucn.     da    man    ncbcn    ihnen  zahlreiche,    zum  Thcil  ausserordcnllich 
/.arlc    orgamacbe    Hcsl<-    \\ohlcrliallcn    anlrilVt,    sind  viclnichr    diivclc    chcmische 
Absai/c.      Alinlichcs  ;:ilt  vom  Dolomit,   desscn  sogcnanntc  dichtc  Varietalcn  aus- 
ur/rirhiu'l    klcinkr\stallinische    Slruclur    bcsitzen.      Da    die    kohlensauren    Kalk 
al.s,  hcidcnden  Organismen  nur   hochst  geringe  Mengen  von   kohlcnsaurer   Mau- 
IICM,.  ..l.snndern,    so  ist  auch  die  Annahme  der   Entslehung   dcr  Dolomile   und 
stai-k  maai\rsialialtigcr   Kalkstc>inc    durch   thierische  Vcrmillclung  abiicschnitten. 
Dicscr  rinsiand    S.AMC    die  krystallinische   Structur  der  Dolomite,    die   wicder- 
holtc   Wcchsdlaizcnmi:  Ict/.lcrcr  mil  Kalksleinen  und  endlich  Absatze  von  dolo- 
initisrhcii  (icstcincn    aus    FlUssen    und  Quellen,     wic    sie    vor   unseren   Auijcn 
\«»r  sich  ychen,    sio  sprechiMi    auf  das  Uberzeugendsle  fUr    die  Entstehunii   dcr 
Dolomite    und   dolomitischcn   Kalkslcine   aller  Formationcn    auf  dcm  Wcgr  drs 
diic.icii.   clicniischcn  N7iederschlages,   wenn  sich  auch  spater  in  manchen  dicscr 
(;<>stcin<-  n(»cli  Process.-  bethatigten,  durch  welche  der  Dolomitgehalt  angereichcrl 

\\urde. 

Durch  einlaehe  Ausscheidung  des  kohlensauren  Kalkes  und  der  kohlensauren 
Magnesia  aus  den  im  Meere  in  Usung  befindlichen  Bicarbonalen  dieser  Krden, 
M,.|,I  die  Hilduiii:  der  gesteinsaufbauenden  Kalkspath-  und  Doloinithspalh-Krvstiill- 
,hcn  nichl    \or    sich,    vveil  keine   der   Bedingungen,    unter  welchen    die  Ab- 
.chciduni:  dcrselben  aus   ihren  Losungen   erfolgt,    dort  gegeben   ist.     Bei  kalk- 
absct/cnd.-n  Quellen  fmdet  cine  Verdunstung  von  Wasser  und   eine  Vertluchti- 
-II.IL;   der   nur  halbgcbundenen   Kohlensaure    und   dadurch  eine   AusscheiduiiL: 
d.-s'  kohlensauren   Kalkes  stall.     Von  dem  Wasser    unserer   hculigrn   .Meere    je- 
do.h  miissten  75  Procent  verdunsten,    ehe  sich  kohlensaurer   Kalk   abscheiden 
uiird.-.  cin  Vorgang,  der  sich  nur  bei  einem  eintrocknenden  Binuenmeere  dcnkcn 
lassl.     In    Folge  VerflUchtigung   der   halbgebundencn    Kohlensiitin-    mil    auf  der 
Oberllache    unserer  Meere    verdunslendem  Wasser    kann   eine   Ablayeninu    von 
Kalkstcin  chcnso  \\rnig  statUindcn,    \\eil    der   ab-esehiedene    kohlensaure    Kalk 
von  den.    freie    Kohle.isaure   cnthaltcndcn  Wasser   der  lieleren  Meeresschichtcn 
>  sogleich  wiedcr  aiif-elosi   uerden  \\iir.l.-.     Durch  Abscheidung  aus  Meeren  wic 
die  heutiuen    .seheint    dcshalh    «lie  .Modichkeil  %on  KalkMeinbildungen    nicht   ge- 
geben   ^ii    scin.     Hochst   wahrscheinlich  ist  dies  jedoch  von  den  Oceaneu    der 


IV.    Petrogeoetisehe  (irnin^u-. 

alleslen  Perioden.  Damals  \\aren  die  almospharischen  .N'iedcr.schla'ue  kohlen- 
saurereicher  ;ils  jelzt,  d;i  sic  ihren  \Veg  (lurch  ciucii  l.uflkreis  inachen  musslen. 
in  \\clch(Mii  sich  die  ganze  Knhlensaiire,  die  hculc  in  den  Carbonalgesleinen 
ills  solchc,  in  den  IMliin/cn  und  den  Kohlengesleinen,  sowie  ini  Di.mi.mt  als 
kiihlenslolV.  ini  Hilumen  als  Kohlenwasserslofl'  der  Erde  einverleihl  ist,  noch 
in  gasl'tii-imgem  Zuslande  \erlheill  belaud.  Diese  ;in  Kohlensaure  reichen  Hegen- 
\\avser  \\irklen  auf  die  Kalk-  und  Magnesiasilicate  der  Erslarrungskruste  in 
holtem  (irade  zerlegend  ein  uud  filhrten  dein  Mccre  stark  concenlrirle  Solu- 
lionen  von  Kalk-  und  Magnesiaearbonalen  zu,  wo  sich  lot/lore  in  l;oli:e  der 
stelen  Verdunstnn^  des  \Vassers  sannneln  und  anreichcrn  Timsston.  Mei  dent 
Manuel  an  Kalk  absumlernden  Tliieren  und  IMlanxen  Irat  endlich  der  (loncen- 
iralionsurad  ein,  hei  \velcheni  sich  die  Kalk-  und  Magnesiacarboiuile  als  dolo- 
niilische  Kalksleine  ahschieden.  Die  Bildung  der  letztercn  lassl  sich  ferner 
auf  die  Wcise  denken,  dass  eine  Zersel/ung  des  Chloivalciums  und  Clhlor- 
inaiinesiiuns  ini  Meei'essNasser  (lurch  die  von  der  Zerselzuug  der  Silicaliiesieine 
luM-rilhrenden  Carbonate  und  zwar  nauienllich  (lurch  kohlensauix's  \airon  slall- 
land. 

Was  schliesslich  die  Hoi^ensteine  und  Oolithe  belrifl'l,  so  kann  ilber 
deren  niinerogene  Enlstchungsvvcise  ein  Zweifel  nicht  .olmallen ,  da  ihre 
concentrisch-schalige  und  radial- faserige  Slruclur  keine  andere  Deutung  nioglich 
inacht.  \venn  auch  der  erste  Anstoss  zuni  Beginn  des  lagenweisen  Absal/.es 
von  einein  l>ereils  vorhandenen  minerogenen  oder  zoogenen  Kornchen  ausge- 
gangen  sein  mag.  In  der  Bildung  des  Erbensteines  von  Carlsbad  sehen  \vir 
einen  ganz  analogen  Process  sich  vor  unsern  Augen  betha'tigen. 

Die  krystallinischen  Quarzsandslcine  besitzen  eine  zieinlich  grosse 
Verbreitung  in  der  sediinentiireu  Schichtenreihe  der  Erdkruste.  Es  bestehen 
nicht  nur  ganze  Schichten  und  Schichtensysteme  (in  der  Braunkohlen-,  Quader-. 
Buntsandslein-,  Kohlen-,  und  untersilurischen  Formation)  aus  lauter  inehr  oder 
\\eniger  \ollslandig  ausgebildeten  Quarzkrystallen,  sondern  sehr  haulig  xeig(Mi 
sich  auch  krystallinische  Quarzindividuen  in  grosserer  oder  geringerer  Anzahl 
deni  echten  klaslischen  Sandsteine  vieler  Formationen,  sowie  den  Ouar/ilen 
des  vorsilurischen  Schichtensysteines  beigemengt.  Die  gesleinsbildenden.  scharl- 
kanligen,  klaren,  zuni  Theil  fast  farblosen  Quarzc  konnen  nur  (lurch  direcle 
chemische  Ausscheidung  aus  einer  Losung  von  Kieselsaure  oder  (lurch  Re- 
aclion  von  z.  B.  schwach  kohlensa'urehaltigeni  Wasser  auf  ausserordentlich  MM- 
dilnnte  Alkalisilicalsolulion  hervorgegangen  sein. 

§.  II.  Zoogene  und  phytogeue  Sedimeutgesteine.  In  dem  Absdmitte 
Uber  den  Einfluss  des  organischen  Lebens  aul'  geologische  Voi-giinge  isl  pag.  189 
ge/eigl  \\ordcn,  dass  die  Thatigkeit  vieler  Thiere  daraul'  gerichlet  isl.  durch 
Abscheidung  von  kohlensaurem  Kalke,  den  sic  zu  ihreni  (leriiste  odei1  (lehauso 
benulzen,  den  Kalkbicarbonatg-^halt  dos  Meeres  in  slelein  (Ileichgewichle  zu 
erhalten.  Dieselbe  Aufgabe  wie  heute  lag  ihnen  auch  in  friihoren  Perioden  ob, 
\vir  linden  deshalb  in  alien  Formationen,  vvelche  iiberhaupt  Kesle  organischer 
Wesen  fuhren,  theihveise  oder  fast  ganz  ausschliesslich  aus  kalkigen  Theilen 
ihrer  Korper  uebildete  Kalksteine.  Die  \\esenllirhslen  der  gesteinsbildenden 


IV.  -       tnii', 


Tim-re  un.l  dor  vorxNieuond  (lurch  ilire  Yern.illehmi:  horM.rue^murnfu  kalk- 
sieine  siiul  nun.  u-.n/.'  ab^el.en  xnn  den  Norsteinerunusreiehen  Kalken  uiul 
ihren  Kinselilusson.  loluende 

Foraminiferen  ,  die  N  u  m  n.  ul  i  t  enk  ,.  I  k  o  und  Mi  1  ioli  t  henka  I  k  e  des 
Terliar.  die  Se  1.  r  e  i  hk  re  i  d  e  und  der  K  re  i  do  t  u  ff  dor  crolaeoiselien  l'<,rmali..n. 
dt-r  r'usulinenka  Ik  dcr  russisehen  unit  nordamerikanisclien  Kolilenl'ormalmn. 

Spongion,    die    Spo  us;  ion  ka  Ike    d.-s    \\eissen    Jura    von    Franken    und 

Schwaben. 

Polypen,  dor  Koral  Irnkalk  des  weissen  Jura  in  Hamio\er,  Sohwabeo 
uiul  Knuland.  die  Korallcnkn-idc  Jiillands  und  Seelands. 

Echinodormen,  die  K  n  cr  i  n  it  en-  (Trochi  Ion-)  Kalko  dor  Trias,  dio 
C  rinoidonka  Iko  dor  nnrdamerikanisclien  Kohlonronnalion. 

Molluskcn,  dio  Torohralolbanke,  Gervillio  n  bii  nko  dos  Mus.-l.ol- 
kaikos.  (n-Nphaoonkalko  dos  Lias,  Cyrcnonkalko  des  \Voaldou.  Ilip- 
puritonkalko  dor  Kroido.  C  o  r  i  Ihionka  Iko  und  L  ilor  i  n  o  1  1  o  n  ka  I  k  o  ilrs 

I'orliiir. 

Wiirmer,  dor  Sorpulit  dos  Doislcrs,   Brv  ozocnschichten  dcr  obercn 

Kroido   son  Maslrioht  und  Nc\v-Jorso\. 

Audi  in'\>issr  NVirbelthicrc  haben  durch  Anhauluni;  iliror  Skololthoilr 
und  Hirer  Kx.-reinente  (Koprolithen)  zur  Bildung  von  Gosleinssoliiohlon  lasl 
,.usohliossli<-h  l.oiuetrauen.  So  boslolit  das  Honcbed  dor  ..horslon  TriaS  ans 
Kn.M-lien-  und  /alinlrauinenlen  von  Froschsauriern  (Lal»\rinthodonlon  und  C.a- 
iK.idlischon,  -  dio  Knochenbreccic  auf  dein  Boden  nianohor  llbhlen  aus 
Skelottlioilon  von  Biiren  und  lhanen,  diejenige  in  Spallen  der  ilalionisol.on 
und  urioohisohon  Kalkiiobiriio  aus  Rhinoceros-,  Hippopotamus-  uiul  llirsrli- 
rosUMi.  —  dor  (Juano  aus  Excrementen  von  Vogcln. 

Der  Nouolahilisolio  I'rsprimii  dor  Hraunkohle,  Stcinkohle,  des  Anthracil<>s 
und  (Irapliil'rs.  dor  Naphlha  und  dos  IVln.leum,  des  Bilunions,  vieler  Brand- 
sohioler.  des  Aspaltrs  isl  pau.  l(.l->  Ix'sproohen  wordon.  Nobon  dioson  llaupt- 
ir|,r.isentiinlen  drr  p  li  >  loiir  n  o  n  GcsltMiir  treton  einiue  andore  mil  Hilll'o 
ptlan/lioln-r  [.ol.enstliatiukoit  vor  sich  gegangene  Gesteinsl)ildungon,  nchmlich 
die  aus  Diatomeenpanzcrn  bcstchenden  Kiosokulir,  Polirschiefer,  Tripel  sUirk  in 
den  Bmtergrand. 

C.    Umgewandelto  (metamorphischej  Qesteine. 

55.  12.  Begriff  (lCS  MetamorphisniUS.  Schon  aus  oborllik-lilioliem  Vrr- 
-loiclie  x.\\i>olion  den  sohlaniiuiiion  oder  sandigen  AI)siUzcn  oiner  MecreskUste 
und  einem  iian/  /Aseilollos  auf  dicselbe  \\ei.se  enist.mdonen  Schieferthon  und 
Sandsloin  /..  B.  dor  Juraformation  orgiobt  sich,  »lass  in  den  (lostoinsniassen 
soil  Hirer  Ablaurnmi:  i:o\visse  Ver.inderun^en  v..r  sich  geganiirn  sind  ,  die 
einorsoits  in  oinem  Vorhiirtunus-  und  Verdiolitun-sproeoss<>  duroli  don  Druck 
von  Seiten  mnehliuer  ilberlauornder  Scliioliteneoniplexe.  andc-rsj-its  in  der  Ver- 
kitlunt;  \on  einzolnon  Sandsteinkornehen  duroli  eine  alliuahlirh  eiedriageodfl 
Mineralsolution  bostchon.  Solehe  Veranderungen  haben  alle  SediinenUiriiestoino 
der  Krdki-usto  erlilton,  sir  sind  os,  \velchc  Ulwrliaupl  dio  Existonz  von  Ge- 


220  l\ 

Memsarlen  iin  (iegensaly.e  zu  den  urspriinglichcn  losen,  \\eichen  Mceresnieder- 
schlauen  bedingen.  Deshalb  I'assen  wir  jene  Vorgiinge  als  zur  Gesleins- 
werdung  unerliisslich  nblhige  aid  und  bezeichnen  die  durch  ihre  Yerniiltlmiu 
enlslandenen  (loteine  nicht  als  umgew.andelle,  sondern  als  urspriingliche.  Den 
Ausdruck  umgewandbh  oder  metamorphisch  pflegt  man  erst  dann  an 
y.uuenden,  uenn  ein  ursprllngliches  (iestein  aus  iruend  einei  I'rsache  cine 
Dtagestaltung  seiner  chnuischen  Zusammensctzung,  seiner  mineralischen  Con- 
stitution oder  seiner  Struclurverhallnissc  erfahren  hat. 

Bei  Gelegenheit  der  Belrachtung  der  chen)ischen  Thiiligkeil  des  Wassers 
ist  die  Gcsteinsuinbildende  Tendenz  desselben  genllgend  hcrvorgehobeii  uorden. 
Es  zeigte  sich,  urn  nur  einige  der  auflalligslen  Beispiele  zu  wie<lerholen.  dass 
durcli  den  Process  der  Audbsung,  Zersetzung  und  Fortfuhrung  gewisser  (le- 
sleinsbestandtheile  cine  Lockerung  des  GefUges,  das  Zerfallcn  vieler  bis  dahin 
I'ester  (iesleinsarten  hervorgebracht  vvurde,  dass  durch  diesen  Process  schliess- 
lich  aus  Granit,  Porphyr  und  Gneiss  Kaolin  hervorging  (pag.  150  ,  als  Resi- 
duuin  der  Zersetzung  von  Basalten  Basallwackc  und  Basalllhon  zuriiek- 
blieb  (pag.  151),  und  dass  aid  der  andercn  Seite  durch  \Yiederabsatz  der  aus- 
uelauglen  Mincralsubstanzen  in  Blasenraumen  desselben  Gcsteines  aus  schlacki- 
unn  Eruplivgeslein  Maude Isteine  wurden  (pag.  155).  Man  hat  sich  jedoch 
gevvbhnl,  wenn  gleichwohl  ohne  besondere  Berechligung,  diese  VerUnderungen 
und  Umvvandlungen  nichts  als  Aeusserungen  des  Melamorphismus  y.u  bezeich- 
nen, sondern  diese  Benennnng  allein  auf  solche  Vorgange  anzuuenden.  die 
uenn  auch  zuwciien  mil  theihveisen  Zerselzungen  verbunden,  zur  Bildung 
eines  neuen  und  oft  krystallinischen  Gesteins  filhrtcn ,  welches  nichl  s(ilten 
selbsl  vviederum  einer  spateren  Zersetzung  untervvorl'en  sein  konnte,  was  bei  den 
obengenanntcn  RUckstanden  der  Vervvesung  gevvisser  Gesteine  kaum  der  Fall  isl. 

Als  nachvveisbare  Ursachen  der  Metamorphosirung  gewisser  ursprUoglicher 
(ieslfMiie  hal  man  erkannt:  I;  Mineralquellen  und  Sickerwasser,  2  \ulkanische 
Gas-  und  Dampfevhalationen,  3)  Erdbriinde,  4)  Eruptivgesleine.  Die  dutch 
solche  Ursacheu  hervorgebrachten  Umwandlungen  sind  locale  Erscheinunuen. 
\\eil  die  den  Anstoss  zu  denselben  gebenden  EinflUsse  ihre  Grenzen  habeu. 
sich  in  der  Niihe  ihres  Ausgangspunktes  am  energischsteu  bethtttigeo  und  sich 
in  uleichem  Schritle  mil  der  zunehmcnden  Entfernung  von  diesem  \erringern 
und  endlich  verlieren.  Diese  Erfahrung  fiihrte  zugleich  zur  Entdeckung  der 
melamorphosirenden  Ursachen.  Nur  die  Uberzeugendslen  Grilnde,  also  souohl 
der  Nachweis  der  Ursache  des  Umwandlungsvorganges,  als  die  Beobachtuog 
inniger  durch  allmahliche  Ucbergiinge  erwiesener  Verknilpfung  des  umgeuan- 
dellen  (iesleines  mil  dem  urspriinglichen  Mullergesein  geben  die  Bere< -litii:uni:. 
ein  Gestein  ftlr  melamorphisch  zu  bezeichnen. 

§.  13.  Nachweisbare  Oesteinsuniwaiidlungen  durch  Mineralquellen 
und  Sickerwasser.  Der  wichligsle  der  hierher  gehorigen  Process^  ist  der  der 
Dolom  ilisirung  magnesiahaltiger  Kalksteine,  d.  h.  ihre  Umwandlung  in 
Dolomit.  Die  Mehrzahl  der  verschiedeuni  Erkliirungsueisen  di(>ser  Krscheiuung 
haben  nur  hislorisches  Inleresse,  unter  ihnen  sind  nur  zwei  als  solche.  denen 
grbs'serc  Wahrscheinlichkeil  zur  Seite  stehl.  her\nrzuheben  ; 


1\       IVtroia'lli'tische    lifolo-ie 

1)  Auf  n.aiznesiahaltii;e  Kalksteiue  \Nirken  kohlensauivl.altigr  Wasser  ein. 
extrahiren  mehr  Oder  weniger  Uhlensauren  Kalk  als  hicarhonat  mi.l  lassen 
rmllu-li  Dolon.it  oder  ma-nes.areirhen  Kalkstein  /muck  Slflhe  pig.  1*8 

diese.,.  PTocesse    der    retatifOT   Anreichen.nu    dea   KagnesiagetaUes    ftioes    ur- 

spriliiiili.-l.    srlnsach    dolomitisehen    KalUesleines  gfl.t    in    r'nlgi'     d«-r    WegftlhJMng 
des  Kalkcarhonate.s  cine   Vnlunu-mrrringi'rnng   Hand   in   Hand     pag. 

:'     Bine    Utettng   ?dB    Ul.U-nsau.vr  .Ma-nosia   in   kol.lensiinn'lialtiu.Mn  \\asst-r 
NNirkt   anl   u.-NNi.lmlirhr   oder  he.vits    .naunesiahalti-c    KalkshMm-.    rnl/i.-ht    iliiicn 
knhUM.sj.uivnKj.lk.     wetebet    t-rhohlii-l.    liislk-lin-    1st    ais   Ma^U'smc-arlmnat     und 
sel/t  d.iliir   K.ilk-Mau.H-sia-Carhonat   al>.     Dieser  VoriiJ.nu   l.raucl.l   niclil   nut  cn.cr 
VoJumenverringernBg   vcrl.nndcn  /u  win   niul  beruht  daraui;   dass  di,-  d,,|)|»(.U- 
Ulilrnsamv  Mauncsiasolution  anlanus  ans  d,-n,    dolomitisi-l.cn   Kalkstcin    kohlcn- 
sauren  Kalk  aufhiimnt,    his  sic  sid,  soNN.-it  ^csatti^  hat,   dass  sic   krysteHini- 
sc-hcn   Dolomit  ahsct/t.      In  dcn.sclbcn  Maasse  ahcr  Nsic  dieses  gesohieht,    wirkt 
Bie      da  ihr  Uchall  an  Kohlcnsiiure  unverandert   bleibt,    von  Neuc.n    ai.lliiscnd 
auf'dcn   Kalkstcin  fin  and  tahrt  deshalb  so  lange   fort,  Dolon.it   ausznsd.eidcn, 
his  sic  ihivn  ucsaiiunlcn  Gehalt  an    kohlcnsan.vr  Magnesia    eingebUsst   hat   nnd 
cine  gesftttigte  Anlliisunii  von  doppelt  kohlensaurem   Kalke  bildet.     Aus   dicser 
NNi.-d  sid.  an   Orlcn,    wo   die  Kohlensiiure  entweichen  kann,    schliesslich    aiu-1. 
kohl.M.saurcr  Kalk  ahsetzen.     Ihre  vollkommenste  Bcstiiliunnii  lindct  die  Ansicht 
Uhcr   <liesen    Von-aim    der    Doloinilisirung    in    i:cwissen    Pseudomorphoscn    von 
Kitt.M-spalh   narl.   Kalkspath,    wobei  der  ursprUnglichc  Kalkspathkn stall  ^m    dcr 
Uherllarhe  ai.s  in   kiirniii  krj stallinischen  Dolomit  uiniiewandi-lt  NN urdo,   wShrend 
der  Kalkspathkern  oft   noch   erhalten    blieb.     HOchst  instructiv    als    Rrlauterung 
und   »r\N«-isn.iltel  fur  den  nehmlichen  Process  ist  ein  in  der  Nahe  von  Tharand 
aufm-schlossenes  Dolomit vorkommen.    Dort  troton  zwischen  Thonschiefe.-n  lagerr 
tenmge   KalkMe,,./.<.nen    anf    und    neh.n.'n    in    der   Nachbarschaft    der    dorti^en 
h,rph>r.-  den  Charakter  ausgedehntcr  Breeciengebilde  an.     Diese  bestehiMi  aus 
klemeren    und  -rosseren,     schai-rkanti-en    KalksteinlVaiiinenten ,     uelche     dinvh 
,-in,.    krsstallinische    zum    Theil   drusige    Dolomitmasse   zusa.nn.eni:ckittet    sind. 
M.Mstenti.eils  ab.-r  sind  diese  BruchstUcke  selbst  ganz  oder  theilweise    in   Dolo- 
,,.il    •Brannspath     u.n^-Nsandelt.      Hier   isl   also  das  lockcre   HaulxNcrk   von  Kalk- 
steintram.nern   \on   cinem  inagm-siahaltiiien  Kohlensiiuerlini:  durchstriin.t  worden, 
NNelehcr  souohl  die   NVrkittnnii  der  Hrnehstiickc    (lurch    krystallinisehen  Dolon.il 
.,ls    and.    deren  allmahliehc  Umwandlunj;    in  Dolomit  verursj.chte.      \Vir    hah.-n 
,,ls(,  jet/l  dreu-rlei   Processe    kennen    iielernl.    (lurch    NNclchc  Dolomite  entstehen 
kiinlu.n       |)     dnrrh    direcle    chemische    Anssrli.-iduni:.     ;>j    (lurch    l-Mra.-tion   dcs 
kohlcnsauren  Kalkuehaltes  eines  magnesiahalli-cn  Kalkslcincs,  :i,  (lurch  AusU.nsch 
\,m    ueu-cruhrteni    Ulileiisaurem    Kalke   gri-.M.   /.uuefuhrlc  kohlcnsaure   Magnesia. 
Nrhrn    der   Dnloinitisininu    der   Kalksleinc    isl    die    rmwandluni:    dcs   Anhy- 
drites  in   (iNps    (lurch  Aufnahme    von    NVj.ss.-r    cin    herxorraLiendcs    Beispiel    des 
,|un-h     atn.ospharisrhe     und    Sickeruasser     hedin^ten     Meta.norphisn.us ,     ,jcd(,ch 
schon   in   -enU-ender  Weise     pag.    H  «i     hcsprochen   Nvorden.     Dasselhe    gill    N..I. 
der   Metamorphose   des   Spalh.-isenst.-inrs    und    SchNNcL-lkieses   in    lirauneisensl,-,,, 


pag.     I'M 


222  IV.     iVtro-tMiHisrliP 

Hierher  gehiirl  endlieh  die  tTmwandlung  \on  Augil,  (iliinmer.  Hornblende. 
•  Iranat.  Diallag.  ()li\in  nnd  dhondrodil  I'iihrenden  (iesleinen .  .il.so  \or/iiglieh 
Kklogit.  Olivinfels.  Diabas.  (Jabbro.  Hornblendesehiefer.  Diorit  in  Serpent  in. 
Dieses  (iestein  repriisentirl  das  Knd/.iel  eines  Proee>se.s,  \\elclier  auf  die  Har- 
sh-Hung der  duivh  fern  ere  Ver\\iUerung  wenig  tmgreifbarefl  \\asserhalligen 
kieselsauren  .Magnesia  hinarbeitet.  Dieses  geschieht  nielit  allein  dadnrch.  dass 
diese  Yerbindung  als  Hesidunin  eines  ZersetzungS-  lind  Auslaugeproeesses  diirch 
kohlensiiurehaltige  (lewiisser  /nrilekbleibt ,  soiulern  nanientlieli  (lurch  Aus- 
scheidung  derselben  aus  Losungen  von  Magnesiasulfal.  -earbonal  oder  -chloriir. 
sobald  sie  init  kieselsanren  Alkalien,  Kalkenle  niul  Thonerde  in  BeiiilininLi 
konnnen. 

§.  14.  Nachweisbare  (xesteinsnniwaiidlungen  durch  vulkanisclic 
Diinipfe.  Den  Krateren  der  Vulkane,  so\vie  den  Sj)alten.  welehe  in  den  \nlka- 
nischen  (leuenden  den  Krdboden  dui'ch/iehen.  entsti'iinien  Kohlensiiure,  lieisse 
\Vasscrdiinipfe.  Chlor\vassersto(T,  Schwefelwasserstofl'  nnd  seh\\efelii:o  Siinre. 
Nanientlieli  ist  es  die  Selnvefelsanre.  das  Oxydationsproduct  der  beiden  letxt- 
izenannten  (iase.  \\elche  bci  ihrer  Kin\\irkung  auf  das  Nebenueslein  rascher 
als  die  Kohlensiiure  die  Kieselsiiure  aus  ihren  Verbindunuen  anstreilit  nnd  mil 
den  Basen  sicli  \ereiniuen<L  zahlreichen  neuen  Substanzen  rrspruni;  iziebl.  lin 
Alluenieinen  %verden  die  (iesteine  dadurch  gebleicht,  ihre  dunkele,  oft  sch^ar/e 
Farlte  »eht  in  eine  7Aim  Theil  blendend  \\cisse  oder  gelbliche  uber.  ihre 
Festigkeit  nininit  ab,  sie  werden  poros,  inorsch  nnd  xorreiblich  nnd  \er\\an- 
dt'ln  sieh  endlieh  in  tuft-  oder  thonartige  Massen,  von  welchen  7)is\veilen  die 
Krxslalle  der  weniger  leieht  angreifbaren  Mineralien  in  unzersel/.leni  /nstande 
unisehlossen  \\crden.  Bcsondei*s  energisch  und  tiefeingreifend  \\irken  der- 
artige  Xersel/.nngen  dort,  wo  die  Ausstroinungen  von  gasartigen  Substanxen 
dni'cli  /jigleieh  mil  hervorbrechende  Wasserdiiinpfe  oder  heisse  Quellen  unter- 
stilt/t  NNt-rden.  Im  grossarligsten  Maassstabe  geht  diese  Um\\andlnng  an  den 
Palagoniltnflen  verschiedener  Localitiiten  Islands  vor  sieh .  \vo  sie  durch  xahl- 
reiche  mil  Gewalt  aus  den  Gesteinsspalten  des  PalagonitluHbodens  hervor- 
braiisendt1  Strahlen  von  seh\vefeliger  Siiure,  Seh\vefel\vasserstoH'  und  \Vas>er- 
diiinpl'en  in  abweehselnde  La  gen  von  bunlen  und  weissen  Thonen  \erwandelt 
werden.  Aehnliclie  l-lrseheinnngen  sind  auf  Java,  auf  der  Insel  Vuleano.  in  der 
Solfatara  bei  Xeapel,  am  Pic  von  Teneriffa  in  Enlwieklung  begrifl'en. 

Als  \eubildungen  aus  den  sanren  NVasstM'diiinpfen  und  den  aus  dein  (ie- 
slein  extrahirten  Stotl'en  set/en  sieh  Ihalith,  Alaun.  l-'.isenkies.  Sclmefelkies 
und  /.umal  (iyps  ab.  So  vermoehte  eine  anhaltende  Kin\\ifkung  der  Fmnaro- 
len  auf  traehylisehe  (Jesleine  aus  denselben  einen  M>llst;indigen  Alaunstein  her- 
xustellen,  \\  ie  es  im  Beregher  Comitat  in  I'ngarn.  ferner  in  Tolfa  gesehehen. 
Kbenso  gehen  nicht  selten  mil  der  Unnvandlung  der  vulkanischen  TuH'e  in 
thon;ihnlieh<'  Massen  ansehnliehe  (iNpsbildnngen  Hand  in  Hand.  Die  gan/.e 
/erset/.le  TutVniasse  \\ird  dann  von  weissen,  faserigen  (i\psti%ninern  duivh- 
xogen.  odei-  umfasst  Schiehlen,  Stocke  oder  bliitlei'ige  Krystallgruppen  dieses 
Minerales  Island.  l.i|)ari.  i  Koiiunt  Kalkstein  in  der  Niihe  del-  Fuinarolen  oder 
\on  Schwefelwasserstoff  haltigen  nnellen  vor.  so  wird  die  Kohlensiiure  desselben 


IV.    IVtroijonetisrhc    Cirolo^ic  223 

(lurch  Sclmelclsaure  ersct/t  und  das  (icsicin  y.um  Theil  unter  Liloichy.eitii;cr 
Ahlairenmi:  von  Schvs del  in  <i\ps  umuevNanddt.  So  isl  an  dcr  Soll'alara  hoi 
Neapd  am  Sec  Aunano  mul  an  dcr  (irotte  des  S.  Calouero  aiif  Lipari  ans  Kalk- 
Mein  dci-  ivinsle  Alabaster  cnlslandcn.  —  cin  Ke\veis  daliir.  dass  dassclhe  .Mineral 
das  I'roducl  iiianiii^i'altiucr  \  crschicdcnartip'r  Processe  sein  kaini  :  hahcn  vsir 
doch  hcrcits  ucsehcn.  da>s(i\ps  dinvli  direeten  Nicderschlaii  pai;.  16fi,  dnrcli 
uci:cns('ilii:c  /rrsrt/uni:  von  koliltMisamvin  Kalk  und  Sulfal(Mi  von  Kison, 
kiipt'cr  und  /ink  pau.  t'ii.  durch  rin\\andlunii  dcs  Anhvdi'it  (p;i».  I'M., 
(lurch  Xcr/cl/un-  \ulkanisclirr  Tuffo  durcli  l;iniiai-.>lcn  und  cndlich  (lurch  IMII- 
\\irkuni:  von  Scli\M>l'el(|uollcn  und  huuarolcn  aul'  Kalkstcin  ontstolu-n  kann. 

§.  Jo.  Oesteinsuniwandlnngen  durch  Kohlenbrainde.  1  l«)i/c  \on 
Stcinkohlcn  und  Hraunkohlcn  izcrathcn  l>is\voilon  durch  Sclhslcnt/.iindung  in 
Brand  und  \\crdcn  dann  lanusam  und  allmiihlich  in  oft  hcdcutcndcr  Ausdch- 
nuiiiz  \(M"/chr(.  Kin  nalilrliche  Kolizc  dicsci-  ICrschcinung  1st,  dass  die  (Jesleine, 
\\clche  das  llaniionde  und  I  jciicndc  dcs  brennendon  Kohlenflot/os  sind ,  also 
naincnllich  thoniizc  Sandsteine,  Schiefcrthon  und  Thone  durch  einen  solchcn 
Mi-dhrand  in  iihnlichcr  \\cisc  Itccintlusst  und  M'randcrl  \vcrdon,  \\  ic  die 
l,(>hin/.icizel  im  Feucr  eines  hivnncndcn  Ziegelofens.  Sic  wcrden  liiniiere  Xeil 
einer  sehr  •liohen  'rein])cratur  aiisuesel/l  und  \verden  da  her  notlnvendiiicr  \Veise 
i-flirannl,  uefrillcl.  \erschlackl  und  tlieilwoise  auch  verulasl  und  /urn  Theil 
in  hlauL-rauen.  rothlichen  odcr  huntuellannnUMi  IN)  reel  I  an  jaspi  s,  zuin  Thcil 
in  hlasiL-e  Schlacken.  \\elclie  rVairinontc  von  iichranntom  his  halhizescluuol/cneni 
Thon  und  SchieCcrlhon  uinschliessen,  iiniiicwaiHlelt.  Solche  Gestcinsveriinde- 
nniiien  sind  hei  l)utt\\eiler  unlVrn  Saarhriicken.  hei  X\\ickau  dureh  hrennende 
Steinkohlcnllol/.e,  hei  Ahtrode  in  Hessen,  hei  Bilin  und  Karlsbad  in  Hohmen, 
hei  Xiiiaii  in  Sachsen  durch  ausgebrannte  Braunkohlenlager  vor  sieli  uci:an-en. 

§.  1fi.  Naclnveisbare  Verandenmgen  durch  Eruptivgesteine.  Hei  dcm 

-luthflUssiuen  Zuslande.  den  die  Kruptixuesteine  hesassen,  als  sie  von  deiu 
Krdinnercn  aus  in  die  Spalten  der  Krdkruste  injicirl  \\urden,  isl  \ orausy.usety.cn. 
dass  sie  aul  ihr  Neheni:estein  sowohl,  \vie  auf  die  \on  ihnen  uinschlossen(M) 
Fraunienle  des  lel/tei-en  cine  Kin\\  irkuni:  ausgcilht  halx'n.  Dergloichcn  in  dcr 
That  heohachlele  Vcriinderuniicn  \\erden  als  Con  tactmetanio  rp  h  ose  n  be- 
y.eichnet,  sind  jcdoch  nicht  so  hauliL:.  als  man  er\\arten  sollte.  An  un/iihliizen 
1'unklen.  svo  man  den  Contact  eines  erupli\en  und  seines  Neheniiesteines  heoh- 
acht.-l  hat.  /i-ii:l  sieh  \ielmehr  koine  Andeutuni:  ciner  l'ni\\andlunii  des  lelx- 
tcren.  ohne  dass  man  sich  dicse  Ki-scheinunu  hei  dcr  Kmptindlichkeit  mancher 
hcnachhartei-  (lesleinsiuassen  ueuen  Ilit/c  crkliiren  kiinnte.  Die  demnach  ver- 
haltnissmiissii;  seltcnen  (lontactmetamorphosen  lasscn  sich  y.um  Theil  aus  den 
liohen  Temperatururaden  der  i»lullilliissii:en  Krnpli\  masse  herleiteu,  zum  Theil 
aher  scheint  den  dcm  erupti\en  Mauma  heiLiemeiiizleii  ilberhily.lcn,  \\;isseri»cn 
Solutionen  ein  Hau|)tantheil  an  dcr  .Mctaniorphosiruni;  des  Neheni-esleines  y.u- 
y.ukommcn.  Durch  hohc.  dcm  NchciiLicsteine  mitiictheille  Temperalur  \eran- 
lasslc  (lontacterscheinuni-'cn  hcstehcii  in  der  Kriltuni;.  Verkokuniz,  HrennuiiLi. 
HiistuiiL:.  Veriilasuiii:.  I'mkrvstallisirunL;  und  siiulenlormiL'cn  Ahsondei  IIIIL;  des 
Nehenizesleines 


221  IN'.    I'i'li  (>L:rncli>rlip    (JtM»|(ii;ic. 

Die  Ersrheiming  dci  Verglasung,  Frit  lung  mid  H  re  n  n  u  n  g  zeigl  sicli 
in  \tiiy.iiglicher  Deiitlichkeit  bei  den  BruchsUicken  von  Thon.sdiiel'er  und  Grau- 
\\arke.  \\elrhe  diuvli  die  Yulkane  der  Vonler-Kilel  und  des  Hoderberges  ober- 
h.-illt  Bonn  itn  Yerein  mil  Bomben.  Aschen  und  Lapilli  ausgeworl'en  \\orden 
sind,  lerner  bei  dciirn  von  Glimmerschiefer,  Quarx  und  Gneiss  aus  don  vul- 
kanisrlien  SchlackenanhttU&ingei)  des  Kammerbilhl  bei  Eger,  welche  /uni  Theil 
mil  einer  lormlichen  Glaskrusle  bedeekt  sind.  Ganz  ahnliehe  Einvvirkungen 
lialu'n  die  Hasalle  auf  ungivnzende  Sandsleine,  Mergel  und  Schieferthone  aus- 
^ciil>t,  haben  die  Sandstoini'  enllarbl,  xu  oincr  cniailiirti^cn.  ^liinxcnden  Masse 
iiclVillel  (x.  B.  an  der  Hlauen  Kuppe  bei  Eschwe^e),  haben  das  thoniii-kalki^c- 
Hindcinittel  gewisser  Sandsleine  xu  Glas  geschrnolzen,  wahrend  die  Ouar/korner 
unversehi'l  iiel)lieben  sind  (Oberellenbach  in  Niederhessen),  hal)cn  Tlione  und 
Meiizel  in  Porcellanjaspis  (x.  B.  bei  Weida  in  Bayern),  sowie  GranillVaij;- 
inenle  in  schlackige  Massen  umgewandelt,  deren  Feldspath  gesclimolxen  und 
den  Glimmer  gebrannt  (x.  B.  am  Puy  de  Dome).  Endlich  haben  ge\\isse 
Dolerite  Islands  eine  vollstandige  Schmelxung  der  angrenxenden  Tulle  und 
I'honolithe  xu  einer  obsidianartigen  Masse  verursacht.  Ahnliche  Erschei- 
nungen  des  Contaetmetamorphisinus  sind  bei  Trachyten  viel  vveniizer  hiinlig. 
bei  1'orphyren  und  Melaphyren  aber  selten,  bei  Griinsteinen  \Aohl  kaum  und 
beini  Granit  und  Syenit  noch  gar  nicht  nachgewiesen. 

Dahingegen  haben  sowohl  Basalt,  Trachyt  und  Phonolith,  \\ie  Melapli\r 
uiui  Porphyr  an  einer  grossen  Anzahl  von  Punkten  Veranlassung  xur  Verko- 
kung,  d.  h.  zur  Umwandlung  von  Braunkohle  in  Steinkohle  und  Anthracit 
und  von  Steinkohle  in  Anthracit  und  graphitische  Substanx  gegeben.  l-^iiie 
sell r  gewohnliche  Folge  der  von  dein  gluthflUssigen  Eruptivgesteine  ausgehenden 
Krhitxung  des  Nebengesteines  ist  seine  prismatische  Absonderung,  wie 
sie  sich  in  ahnlicher  Weise  bei  den  den  Schmelxraum  umgebenden  Gestell- 
steinen  der  Hochb'fen  auszubilden  pflegt  und  im  Gontacte  von  Basalt  mil  Bunt- 
sandstein  (Wildenstein  bei  Btidingen),  Quadersandstein  (bei  Zitlau),  Thon  und 
Braunkohle  (arn  Meissner),  von  Trachyl  mil  Steinkohle  (Commentry),  von  Pho- 
nolith mil  Braunkohle  (im  nbrdlichen  Bohinen),  von  Felsilporphyr  mil  Dolomit 
(Toseana),  mil  Kohle  (Allwasser  in  Schlesien),  von  Melaphyr  und  Kohle  (Sulz- 
baeli  in  der  Pfalx)  beobachlel  werden. 

Ebenfalls  nichl  sehr  sellen  isl  die  von  Eruptivgesteinen  ausgehende  Um- 
wandlung  gewohnlicher  dichler  Kalksleine  in  xum  Theil  schneeweissen,  kry- 
stallinisch  kornigen  Marmor,  vvobei  die  Schiehlung  verloren  geht  und  die  et- 
\\aigen  oi-ganisehen  Resle  desselben  verwischt  werden.  Dies  ist  x.  B.  aul  der 
Insel  St.  Jago  am  Griinen  Vorgebirge  durch  einen  Lavastrom  gesehehen.  \NO 
er  mil  einem  ganx  jungen  Kalksleine  in  BerUhrung  gelangte,  ganx  almlii-hes 
wiederholt  sich  auf  der  Insel  Ralhlin  an  der  Kilsle  von  Antrim  in  Irland.  Ilier 
uerden  die  Sfhiehten  der  Kreide  von  x\vei  parallelen  Basaltgiingen  dergestalt 
durchsetxl.  dass  diese  durch  ein  12  M.  breiles  Z\\  isehenmittel  von  Kreide  \on 
einander  getrennt  werden  Fig.  23).  Diese  ausserdem  noch  von  einem  C|\N;I 
(>.:?  Meter  niiichtigen  Basallgange  duivlisrlmittene  /one  ist  \ollsljindig  in  Marmor 
umgewandelt.  Dasselbe  ist  mil  der  ansserhalb  del1  Hasallgiinge  belindlichen 


IV.    lVlroi_:eiieti>.e!if 


225 


Kreide  ;mf  oino  Kntferuunu  \on  iiber  I  M.  t:eselielien  .  \on  \\n  ;ius  oin  uan/. 
allmahlielier  I 'her^aiii:  in  die  t:r\\iilinlirho  Kreide  slaltlVndct.  Die  Yerslcineruii- 
sind  in  dor  umkrvslallisirlen  Kividr  spurlos  \  er.sehu  undrn.  In  t:an/.  ana- 


Fig.  Z».    Kreide  im  Contact  mil  Rasalt  \vl  Marmor  nmgowandelt  (Grundrigs). 


lo-er  Wrisr  sind  p-wisse  Kalkstrinr  drr  I'xrenaen  und  Skandinaviens  dnreli 
(iranite  und  S\enite  in  .Marmor  umtjoNYandolt  \vorden.  Dasselbe  \\iederhoU 
sieh  .in  \rrsrhirilrurn  Punklrn  drr  Insrl  Sk\r,  \\o  i:r\\i)hnlirlirr ,  Aiuinonitrn 
und  (ir\|)liarru  fiilirrndrr  Kalkstrin  im  Contaclr,  mil  Syenil^ranit  und  syrnili- 
srlirm  l-'rlsitporphjr  in  srhnrr\\  rissrn  kr\staHinisclu'n  Marmor  ilhrr^rlil. 

Allr  dirsr  (lontacUN  irkuniicn  drr  ICruplixizrstrino  auf  ihr  Nrhrui;rstrin  las- 
>rn  .sirli  aus  drr  mrhr  odor  wonit^er  lang  andaurrndrn  Krhil/ung  dessell)en 
hrrlritrn.  bosondors  \\run  man  annimml ,  dass  das  Wu'rmeleilungsvrnnoiirji 
drs  Nrhrn^rstrinrs  durcli  Vrrmillrlimii  d(>s  soino  I'orrn ,  Fu»on  und  Scliirli- 
rrlullrndrn  Wassrrs  \rriirnssrrl  und  dadurch  don  Contarlrrscliri- 
die  Miiiilirhkril  oinrr  iin'issrrrn  Vrrhrriluni-  i?ojj;ol)on  wurdo.  Namonl- 
lirh  Iiei  rnikrNsl.illisirunii  des  Kalksteinos  scheinon  erhilzte  Wasser  rim-  ^r- 
sentliche  Hollo  als  Vehikel  dor  vom  I;,rupti\^esloino  ausLielienden  liohen  Tom- 
peralmvn  i;ospiell  /.u  hahen.  Anderer  Art  ahor  \\aron  die  aJs  hydatolher- 
miseli  he/.eielmoleii  Ausserun^Mi  dor  Conlaetinelainorplio.se,  wio  sio  durcli  das 
Kindrintion  dor  \on  dein  l;.ni|)tivmai;ma  emporgofUhrlen  Uberhitzlen,  Nviissori^on 
Solulionen  sielie  pat:.  201)  ill  dom  Noliengostoino  hervorgobracht  wurden.  Diese 
liei««>en  l.osuut:en  draiit;on  in  die  Poren  dor  l>enaehl>arton  Gestoine  und  voi- 
millollen  niehl  nur  eine  rmkr\  slallisiruiit: .  sondern  solzlon  /ui^loieli  ilire  mi- 
noralisehe  Last  alt  und  \er\\andelteii  daduroh  nichl  nur  die  Struclur,  sondern 
die  iiosammlo  elieiniselie  /usaininen.set/.unt:.  die  jian/.o  mineralisehe  (lonslilulion 
der>ell»on.  Am  aiii-enlalliiislon  selieint  sich  dieser  Vorgang  dorl  holhiiti^l  /.u 
lialten,  \\o  uewolmlielie  Kalksleine  dnreh  (Iranilo  nichl  nur  in  Marmor  umiio- 
\\andell  uurdeii.  \\.is  aueli  wold  olino  Vormilleluni:  dor  Kruplivwasser  t:e- 
sehelion  kann  ,  sondern  \s  o  y.ut:leie!i  eine  [mprflgnatMHl  dor  (lonlaet/oue  dossol- 
hen  mil  fivmdarliiien  Mineralion,  namonllieh  kalkliallit:on  Siliealen,  \\  io  (iranat. 
Vosusian.  Kpidul,  Hoi  nhlende .  (ir.immalit,  danohon  Spinoll,  Flussspalh ,  (ilim- 
iner  slallirorunden  hat  iPjronaon,  Skandiiiavien ,  Alpon).  Audi  siiul  Hoispielo 
lioschriehon  \vorden.  \\oKalksleine  /.um  Theil  lerliiiron  Alters)  im  Conlaele 
mil  I5.is.ilt  \oiiOli\in  uiuMlat:neteisenei7..  im  (ioiitaete  mil  I.eueitlava  von  Leu- 
cil  und  Sodalitli  impriit:nirt  sind  (lout-iors  in  Fraiikreieh,  Monl((  Somma  .  Kino 
iilmlielie.  dun-li  die  \om  (iranile  abslammeiiden  l'>ru|tti\L;e\viisser  heuirkle,  auf 
Krliit/.unt;  des  .Nehen-e.steine.s  und  Xufuhr  ueuer  Mineralsuhslan/.  Iteruhonde 
(lontaetinetaiiiorpliose  isl  die  I'IIIXN andlunt:  \nn  (Jrau\\aeko  und  (irau\\acken- 
selnefer  in  Ilornfels,  \vie  sio  hesonders  in  der  Uingehung  des  Brockens  slall- 

Credner,  Elemente  d.  Oeologio.  15 


226  IV.    lVlroi;i>ncti>che  Geologic. 

grfunden  li.it.  Yor/iidich  schiin  sind  dieso  Contactersfcheinungen  mid  der  all- 
mahliehc  I'beriiani:  des  sehr  harlen  .  splitleriiien  llornl'elsos  in  uewohnlieho 
Grauwacken  am  Hehboriier  Graben  bei  Andreasberii  x.n  beobachten.  Die  rm- 

\\andlunii  der  letctgenannten  SddUneQtttrgestoine  in  llornfels  h.u  nicht  in  einer 

Fritlunii  mid  Yerdasuni:  derselben ,  sondcrn  namentlich  in  Hirer  ImpriiiMiation 
mil  Lrranitischeil  EruptivwaSSGTn,  v\olcho  (lit1  Kcstandtheile  des  Granites  in  1  .it- 
si!  mi  hielten,  slalliierunden.  In  l"nli:c  d;i\i>n  1st  del1  Kifsrlsiiurcgchiill  (K-s  (ir;m- 
wackenthonschtefers  brdrutcnd  \cnnclirl  \\ordcn.  Gnniiil,  Tuniuilin  und  1-Vld- 

spathkrystcQlchen,  sovvic  GlimmerblUlichen  ImU-n  sidi  ausgeschieden^  kur/..  die 
inineralische  und  ehemische  Constilulioii  dos  Nebeogesteiofl  ist  \ciiindrri  \vordcn. 

Kinc  iindtM'f  durch  Vcrinitlclun^  dor  Kiiiptivwasscr  des  (iranilc.s  Itodinutc 
(Itiiilactcrschoinun^  ist  die  rnmandlunu  dor  Thonschiofer  in  Flecksehiefer,  l:rucht- 
scliierer.  Knotcnschiet'er ,  (larbonschiefor,  Chiastolithschiefor ,  feldspathfiihrende 
("ilinimerschiefer,  und  Cornuhianit.  Bei  alien  diescn  Metainorphosen  lieuinnt  dor 
iieNNiihnliche  Thonschiofer  in  dcr  Richtunii  nach  dcin  (iranite  /u  ein  fcinschup- 
piizcs,  krystallinisches  Gefiljie  an/unelunen,  Lamellon  von  Gliniiuer  und  Kurn- 
chen  von  Ouar/  treten  allniiililich  doutlich  l\ei'\or.  sie  \verdon  zahlreicher  und 
nehinen  an  Grosse  zu  und  zugleich  enlwickeln  sich  in  dein  (Jcsteine  uluitkele 
Flocken .  wei/.enkdrniihnliohe  oder  bUschefformige  Concretioncn  einer  falunit- 
artiiien  Sul)stanz,  oder  ahor  Krystalle  von  Chiastolith  und  Feldspalh,  l)is  dcr 
urspriiniiliehe  Thonschiet'er  /,u  scinein  (lontacle  mil  dem  Granit  als  ein  charak- 
leristischer  (Ihiastolilhschiefor  oder  feldspathlulirendei'  Gliinniorschiefcr  erscheinl. 
Diese  rinwandlunLrsprodiicte  uniizeben  solche  Granitmassivs,  \\elche  inselartii: 
aus  eincni  Schieforterritoriiini  horvoiraijcn  ,  nicht  sellen  allseitiu  in  Form  einer 
holartij4en  Zono.  Dies  ist  vorzilglieh  bei  den  Granilparlion  Corn\\alls  dor  Fall, 
dasselbe  \\iederholl  sich  in  dor  liretaiine  und  in  den  l'\reniien,  so\\  ie  in  dein 
Schiefergebifge  Sachsens.  und  /v\ar  am  linken  Elbufer  in  tier  I.inie  \on  \\"ee- 
senstein  nach  Leuben.  Die  Breite  soldier  Uinwandlungszonen  schwankl  zwischen 
4000  und  30  bis  40  M. 

Der  Beanlworlunsi  der  Frage ,  ob  ge\\isse  ki-\slallinische .  sich  an  Granil 
und  Svenit  anlehnende  Gcsleine  diesen  ihren  kr\stallinisclien  (lliarakler  dein 
S\enil  und  Granit  \erdanken,  also  von  diesen  inetaniorphosirt  sind.  muss  die 
I  .^Istrllniii:  der  erupti\en  Natur  des  (iraniles  \  oi-ausiiohen.  In  der  Nachbar- 
schal'i  niancher  der  lanreiitischen  oder  Urgoeiiisformalion  angebOfiger  (inciss- 
izranile  trelen  kr\  slallinisclie  Kalksleine  auf.  \\(>lche  i-erade  italic  dein  Gnnlacte 
mil  jeneii  reich  an  accessoi'isi-hen  ( JeincnLZlheilen  .  jedoch  jiinuer  sind  als  die 
benachbarten  Gncissiiranile  nnd  diese  uleiclil'iirmiL:  iiberla^ern  oder  mil  solchen 
oder  deren  schit'1'erij.'cn  GesleinsNarietiilen  \\ •echsellai:ern .  \M>  also  Kalkslein 
und  Gneissi:raml  /nsammcni:ehorii:e  Gliedcr  eines  Scliiclitencomplcxes  bilden. 
Solche  nainentlich  aus  Nordanierika  beschriebene  Vorkoniinen  \\erden  /.ii\\eilen 
.ils  Ixpisehe  Heispiclc  der  h\ dalolhermischeii  (lonlaeliiiotainorplinse  durch  Granil 
aul^el'iihrl  .  sind  es  aber  ebenso  \\enii:.  \\  ie  ire\\isse  Gneisse  und  (iliniiucr- 
si-hiel'er.  \\elche  iih'ichfalls  als  Glieder  del1  laurenlischen  GneissfortttafioD  in 
\i-ibindiniL:  mil  Granilen  uleichen  I 'rspruiii.rs  und  Alters  auftrelen. 

\\eseniliclu'  rnlersliil/inii:    hat    die    Lehre    \oiii    hylatolliermi.schen  Con- 


IV.    IV'tm^iMirtisrhe  Geologic.  227 

lactmelaiimrpliismus  in  jje\\  issen  \on  Daubree  angestellten  Experimental)  uehin- 
deii.  welche  sich  ;iuf  die  Wirkiini;  iiberhil/ler  \Vasser  auf  Miueralai^reiMle 
nnd  Mineralsubslany.cn  ilberhaupl  be/.iehen.  Auf  :Jt>0  Grad  H.  erhil/.te  und 
langere  Xeil  auf  diesem  Tomperatargracle  erhaltene  reine  \\asser  \\andellen 
Obsidiansliicke  y.u  einem  feinkorni^en  krsstallinischen  Trachyt,  Glas  in  eine 
kaolinarliue.  namenllich  aus  (Juar/.krv.stallchen  und  \Yollastonilnadeln  bestehcndc 
Masse  inn.  Xu  iVrntMvn  Vcrsiifln'ii  NM-iulrh'  man  slatt  rcinen  Wassci's  Thcr- 
mal\\asst'r  \un  IMnnibicivs  an.  dcsscn  hcdt-ntcndcr  (ichalt  an  MiiHTalsiiltslan/.i'ii 
nnd  /\\ar  Nnr/nu^wcix-  Alkalisilicalrn  sclion  darans  licrvorging,  class  sich  aus 
HUM  in  dt-n  IlOhlnnurn.  KuLrt-n  und  POIXMI  alli-iimisclicn  Manci-\\ci-kcs  jciuvs  Ba- 
df.s  Chahasit,  Apoph\  Mil.  ll\alitli.  I'lussspath,  Aragonit,  Kalkspatli  u.  a.  Mine- 
ralicn  ahset/tMi,  dass  also  durch  ilnv  Vcnniltcluiiii  c'in  der  Zeolith-  und  Car- 
lionalbildunii  innorliallt  dcr  Mandclstoiiu-  analoger  Process  cingeleitet  wird. 
Solchc  durch  Ahdampfen  cunccntrii'te  Thennahvasser  wandcltcn  in  iibcrln't/.lcni 
/uslandc  Kaolin  in  l-'cldspathki-Nstallc  um  ;  in  der  kaolinischcn  Masse,  in  welche 
die  (ilasi'iihi-e  /ersel/l  \\orden  \\ai~,  hatlen  sich  Diopsidkr\ sliillchen  ausgebildel, 
-  lauter  Miuebnisse.  \\elche  .sich  zu  Gunsten  der  hydatolhennischeu  Conlacl- 
inelamorphose  auslc^gen  lassen. 

§    IT.     Die  Theories  vom  allgeiueinen  Metainorpliismus.     Wir  liaben 

Itishei-  eine  Heihe  \on  (iestc-inen  l)elraclilel,  deren  lTr.spning  nnd  jel/.ige  Er- 
selu'inuni:s\>eise  \\ir  mil  ansclieinender  Sicherheit  erklaren  konnten.  Neben 
diesen  aber  exisliren  niiichliiie  Schichlenreilien  \on  (ineissen,  Gliinmerschiefern, 
llornblendescliiefei'n,  Chloritscliiel'eni,  Talkschiefei'n  und  Granulit  mil  /\\ischen- 
iielagerlen  (Iraniten  und  Syenilen,  Uber  deren  Enlstehungs-  und  Ausbildnniis- 
\\eise  die  Ansichlen  der  Geologen  noch  unklar  und  unbeslininit  sincl  und  /nin 
Theil  Nveit  auseinander  jiehen.  .lene  (Jesleine  bilden  nicht  nur  die  Uber  30,000 
Meier  machine,  als  laurenlisch  und  huronisch  be/.eichnele  Gneiss-  und  krystal- 
linische  SchieferfuriDution,  also  die  ;ille>,teii  nns  /.UL-iinglichen  Gesleinsbildnni;en, 
siiiidern  WiederholeD  sich  in  verschiedenen  jilniieren  I'erioden  als  izleichtni'inii; 
zwischengelagerte  Schichleni'eihen  /AN  isehen  ecliten  und  versleinenin^si-eiclien 
Sandsteinen.  Kalksleinen  und  Schiererlhonen.  \\  ie  dies  /..  B.  im  Silur  Nor\\e- 
Ljrns.  im  Silnr  \on  Schottlaiul.  im  DeMtn  des  Taunus.  im  Jura,  in  der  Kreide 
uml  im  l.ociin  der  Cenlralal})(M»,  im  Jura  der  niirdlichen  Apenninen  del-  Fall 
isl.  Die  ursprunglich  sedimeutiire  Knlstehungsweise  aller  dieser  Gneiss-  und- 
nanienllich  der  kr\  stallinischen  Schielei-cmnplexe  kann  nichl  be/\\eit'ell  \\erden: 
in  Dbereuutifnmiing  mil  der  Si-hichleiiabsonderiiiiiz  \\iederholen  sich  zahllose 
NVechsellauerungen  der  verschiedenafftigBleil  (iesleine;  die  <loloinilisehen  Kalk- 
sleine  der  \i»i->ilui-isehen  Schierei-rorinalidii  sind  so  deullich  geschichlcl .  \\ie 
It -iassiseln'r  \\ellenkalk;  /.\\  ischeii  ihnen  11'eten  reueliniiNsi^e  Lai^er  \(»n  QuaivJl, 
(lonuloiiierateii,  i:rnben  Sandsteinen  und  Thonschiereni  auf;  Hire  Sehichluiii:s- 
ll.ichen  >ind  an  i:e\\i»en  l.uealil.ilen  \mi  den  deiilliclislen  \Velleiifurchen  be- 
deekl  :  >ie  >elbsl  \\  ecloellaLierii  in  i:rii>ster  Heiielinjissiiiki-il  mil  geschichleleii 
(ineissen,  (ihlorit-.  Talk-.  Glimmer-,  uml  llornblendeseliierei-n :  /\\  isehen  diesen 
lieien  Emlagerungen  son  (iranil.  Kli»l/e  son  iMagneleiseneiv.  und  (iraphit  auf; 
endlich  uehen  sie  in  versteineruugsfUhrende  Silurschichten  iilnsr  oder 

15* 


228  IV.     Pi'tm^iMirlixche    (icnlo-ic. 


erl  /\\ischcn  die  fnssilreichen  (loinplexe  jiiiigcrer  Forinalioneii. 
-  alles  Krscheimmgcn.  \\elche  i'iir  cine  sediiiienlare  Knlslehung  tier  belrel- 
lenden  Gncisse  mid  krvslallinischen  Sohiefergesteine  sprechen.  Ihi1  heuliger 
Gesteinscharakler  isl  jedoeh  nach  Ansiclil  der  Mehr/.ahl  dcr  Genlogen  uiclit  dcr 
UrSplHlngliche,  vielmehr  \erfiel  das  anfiinglichc,  sedimenlare,  klaslische  .Material 
ini  La  life  drr  Xeil  cincr  I  nmaiidlnng,  cincr  iMelamorphose.  aus  \\elclier  die 
krvslallinische  Slrnelnr  iiinl  del1  pelrographische  Hal)itus,  wie  ihn  <lie  (iiiei-- 
NIK!  krvslalliniselie  Seliiel'erreilie  lieiile  x.eii:!.  resultii'le.  Uber  die  Nalur  mid 
die  I'rsaehe  dieses  die  kr\  slallinisdie  Aiishilduni:  l>ediii|4enden  UinwandluiiLis- 
processes  LTchen  die  Ansichteii  \\eil  aiiseinaiider  nnd  enllx-lircii  /inn  Tlieil  noch 
jcjilichcr  sicliercn  Btigrtinduogi 

Die  jet/iize  I'.rscheinungsweise  dcr  hesjtroclienon  nielamorplnschen  Schich- 
Icnetiinplexc  \\ird  jc  nach  dein  vcrschiedcnen  Slandpunkte  der  CieoloiiCMi  \on 
den  Kiiu'ii  als  das  Kesnltat  dcr  vom  gluthllussiijen  Krdinnern  hcraiif\\irkenden 
liolicn  Ti'inpei'alur,  von  den  andcren  tils  das  Resultal  In  drocheniischcr  1'rocesse. 
d.  h.  eheinischer.  durch  Sickerwasser  ein^clcitelcr  Von;ange,  mil  anderen  Wor- 
(en  einerseils  als  eine  Reaction  des  Ynlkanismns.  andererseits  als  einc  solche 
der  Atiiiospliiirilien  l)etrachlet.  In  ersleivin  Fa  lie  war  der  Metainorpliisnins  des 
urspriiniilielien  Sedinienlannateriales  die  l-'oke  eincr  langsam  wirkenden  Er^ 
hil/.ung  durch  die  innere  Erdwlirme,  wodurch  unter  zugleich  staUfindendein 
Drucke  der  ul>crlagerden  Schichlencoinplexe  eine  Schmelzung  dcr  untersten 
nnd  cine  innere  rnikrystallisirung  der  em  hoheres  Niveau  einnehnieudcn  (Ic- 
slcinsmassen  bedingt  war.  Bei  diesem  Processe  \vird  einerseits  den  \\assern. 
wclchc  anfiinglich  die  Poren  der  Sedimentgcsteine  anfQllten,  die  WJinneleitungs- 
fahigkcit  derselben  vergrb'sserlen  und  somit  als  Vehikel  fiir  die  Wa'rme,  /nuleich 
aber  in  ihrcni  iiberhilzten  Zustunde  als  Auflosungs-  und  Zersetzungsmitlel  dien- 
len,  tindei'ci'seits  den  (lascn  und  Diiinpfeu,  welche  dem  gluthfliissigcn  Krdki'rne 
enlweichen  und  das  Geslcin  durchdringeu  ,  als  uingestaltenden  Ursachen  cine 
grosse  Rolle  zugetheill. 

Diese  Theorie  setzt  voraus,  dass  bedeutende,  vom  Erdinneren  ausgehendc 
Tcinperalurcii  alliniihlich  in  ein  hoheres  Niveau,  nehmlicli  in  das  (lurch  die  Se- 
dinicnlablageruniicn  dcr  iilleslen  Oeeane  eingenonnncne,  liinaufgcn'ickl  seien, 
nnd  erkliirt  dies  dadurch,  (lass  in  Folge  einer  Krlib'hung  der  Erdoberfla'che  durch 
Ablagerung  niiichtiger  Scliiclitens\sleine  die  conslanlcn  Tenipcraluren  der  Krd- 
ki-uste  (chlhonisothcrmen  Fliichen)  naeh  oben  gestiegen  seien.  Auf  diese  Weise 
\\crdcn  die  Teniperalnren  der  ursprilnglich  oberfliichlichen  Gebilde  durch  Aus- 
t'iillung  eines  el\\a  15300  M.  tiefcn  .Meereslieckens.  also  durch  Ablagerung  eines 
eben  so  inacliligeii  Scliiclil(Micoini)le\es  uni  I  DO  (Irad  (1.  siehc  pair.  7  geslei- 
gerl.  Der  durch  solche  \\iirineeiii\vii-knnucn  eingeleilele  und  ini  La  life  Janger 
/.citriiuine  vollendete,  sng.  Inpngcne  odcr  plulonische  Metainorphosirungs- 
process  iindet  sein  Analogon  in  gewissen  Erscheinungen  der  Contactinelainor- 
|)hosc,  denen  /u  Folge  z.  B.  Thonschieler  durch  die  Kin\\irkung  des  cruplixen 
(iraiiilinaginas  in  (lliininerschiefei1,  Chiaslolilhschiefcr  und  Gneiss  uingc\\andclt 
\\urden.  Auf  der  anderen  Seile  bleibl  nach  dieser  Theorie,  \vcnn  sic  allgeinein 
auf  die  Deulung  des  L'rsprunges  der  geschichteten  krystallinischen  Silicatgesleine 


i\     PetrogenetisctM  <;«'nin-ii>.  229 

anue\\andt  \\ird.  die  ThaKidie  vollsiandig  unerklcfrlich,  da.v,  (l<nnple\e  \nn 
echien  Gncisscn  mil  uraniiiselien  EinlagemngeD,  so\\jc  \on  krystallinischen 
Seliiel'ern  auf  unveranderten  versteinerangsroiohea  Sediroentfirschichton  auirulien 
iinil  \dii  solehen  direct  iiml  deichlormiL:  uberlagerl  \\crden. 

Im    Gei;ensal/    /.u     dieser  Ansiclil    iiber    den    Ausgnngspunkf    und    die    Vor- 
U.illLie    (lex    Melaiiiitrpliisimis    uaii/.er    SchiclilcnsN  sleme    abslrallirt  die    hydroel.e 
misclie  Thcorie  des  alkemeincn   .Mctamorphismus  \on  einer  [tlutonisclien  Ilil/e- 
eiimirkuni:.    erkennt    in    lanuandaucrnder   I)iircli\va'ssermig    die    Irsache    dieses 
um.s.sarliuen   GeMeinsuiiiNxandlungsprticesses   und   selireiltl   diesei1  di(>   slalluelialtle 

substantielle  Verttnderuiig  und  Umkr^stallisirtMig  der  metamorpfaischen  Sehicli- 
(en  7.11.  Danacli  ist  dieser  Vnriiani;  die  sich  in  der  Knltiefe  l>e(hiiti»ende  I''oi1- 
set/unji  der  in  den  oherllaelilirlien  Ni\eaus  der  Krdkrustc  als  Zerset/iini:  nnd 
Aullnsunii  >ieh  izellend  maclienden  elieniischen  Tliiitiiikeit  des  Wassei's  sielie 
P.IL;.  lil  u.  1'.).  I.el/.teres.  Kulilensiiure  und  SauerslolV  enlhallend.  driiiiil  nacli 
seinein  Niedersclilniic  ans  der  Almospliiire  (lurch  die  (iesieine  nalie  der  Hrd- 
olterlliiclie.  \\o  Jlmi  dureli  slatllindende  Oxydalionsprocesse  der  Saiierstoll'.  (lurch 
Xerset/iini:  ue\\  isser  Silicate  die  Kolilensiinre  ent/oizen  \\ird,  bis  heide  (lase, 
naclidem  das  \Vasser  oinen  laniieron  \Veg  in  die  Tiefe  /uriickiidoi:!,  allmiihlich 
uan/  aiif-e/ehrl  sind,  und  jene  Zersel/nnizen  aufhiiren  milsscn.  Dahiiii-etzen 
halien  .sieh  die  (ie\\;isser  mil  lOslichen  MiiUM-alsubstanxen  l)elad(M»,  >v(il<ilu>  in 
tieler  lifiiendcM  Scliichten  anizelanizt,  Veranlassung  zu  Gostoins\eriinde!MinLien 
iielten  >iehe  pa».  132).  Auf  diose  Weisc  in  Losung  /uizelulirle  Alkali-  und 
Kalk>ilicate  \erltiiulen  sidi  mit  l)oreils  vorliandenen  /u  /.usjininienueset/len  Si- 
licaten  (z.  B.  Foldspath,  Glimmer),  \velchcsicl),  da  dieser  Process  iiusserordcnl- 
lieh  langsam  vor  sich  geht,  krystallinisch  ausschciden.  Enthallen  einfaclio  Si- 
licate. \\elclio  sieh  mil  einander  V(>rl>indon,  Kieselsiiuro  in  griisserei1  Mengc, 
als  di(>  aus  denselben  cnlstelienden  Doppelsilicale .  so  (M'folgt  l>ei  diesem  Vor- 
^aii^e  cine  Ausscheidung  des  Quarzes.  Die  hydrochemischc  GestcinsmeUimor- 
l>hose  bestelil  demnach  in  der  Zufuhrung  von  Minerallosungen  aus  obcrlliicli- 
licheii  Ni\eaus  in  liefere,  ferncr  in  dem  Vollx.U|j;  gegenseitiger  \Yrbindungen 
und  /ei-set/ungi-n  /\\ischen  jenen  Solulionen  nnd  dem  durch\\;isserlen  Gesteins- 
materiale  und  endlich  in  der  daraus  hervorirelienden.  langsamen  und  deshalb 
kr\stallinisclien  Neuliildung  \on  .Miner;ilien,  also  in  Summa  der  vollslandigen 
I'liiueslaltunu  der  cliemischen  Zusammenset/uni:.  der  pelrograpliisehen  Consli- 
lution  und  der  Strueturyerhallni>se  des  urspriin^liclien  Gesteines.  Dieser  Pro- 
cess erforderl.  \\enn  auch  unler.sliil/.t  durch  den  Druck  Uberhpern<ler  Scliichten 
und  die  Tcmperatur/.unalune  dcr  Krdliclc.  enurine  Zeilriiume.  Die  I'ol-ericli- 
tige  (]onsei|uen/.  dieser  Tlieorie  isl.  dass  •/..  B.  aus  ein  und  demselben  Kalk- 
sleine.  jc  nacli  dcr  Natiir  der  in  ihm  circiilirenden  Mineralsolutionen  und  der 
dadureh  einuelcitctcn  cliemisclien  Proccssc.  sich  an  der  cinen  Stelle  ein  l'\ro\en- 
nder  Am|ihiboli;esteiii.  an  dcr  anderen  ein  (iranal-  odcr  I'ipidittgeslein,  an  einer 
drittcn  ein  Ouar/-  odcr  l-'ehlspalliueslein  enl\\iekeln  kann. 

Dcr  llaii|)lcin\vurf  gegen  di<-  Tlieorie  \mn  hydi-ocliemisclien  Metamorphis- 
mus  berulil  daraul'.  dass  si,,  liin-.-iv  /eilraume.  als  /,.  H.  vom  Silur  bis  jel/.l 
\erllosscn  .sind.  fiir  die  rm\\andliini:  der  (iesieine  in  l-'olge  allgemeiner  Durrh- 


IV.   Pdtrogenetfeche  Geelogta. 

\\,is>enmg  vnraussel/l.  denn  allc  Formalionen  \om  Silni-  his  jety.l  hclinden  sich. 
wo  sic  ii  or  in  ;il  ausgobildel  sind,  noch  niclil  ini  /nslande  des  Melamorphosirl- 
scins.  Nun  cnthallen  aber  allc  palaeOCOfSehen  Formatinnen,  so  namcnllich  aueli 
diis  direct  ;mf  die  kryslallinische  Sehiel'erl'ormation  I'nluende  cambrische  mid 
silurische  SchichlensNslem.  Uollstiicke  souohl  \oii  Gneissen.  ills  auch  \on  kr\- 
stallinischen  Selnd'crn,  \\elelie  jzrnau  dcnselbcn  Habitus  bcsil/cn,  \\ic  ilir  Mut- 
lergeslein.  Dor  beanspruchle  lang\vierige  iMelamorphosirungsprocoss  der  vor- 
silurisclu'ii  Fonnationen  war  also  bciin  l-jiitrill  dcr  I'lrdc  in  die  silurisclic 
I'ci'iodc  hci-cils  vollendot,  kann  dcslialh  kcinc  laiiizcn  /citraunu?  in  Ansprucli 
ucnoiiiiiHMi  liahcn.  \\iirc  aber  dieses  l.ctxtcrc  dcr  Fall,  so  iniissliMi  alle  uusei'c 
palaco/oisi-hon  Fonnationen  sehon  liingsl  in  krvst;>lliuisehc  Seliicfcr  und  Gncisse 
inn^e\\;indelt  sein. 

Ausser  dicsern  und  dem  oben  gegen  eine  plutonischc  Mel;inior])hosc  an- 
uefuhrten  (irundc  (Exislcnz  von  Gneiss-  und  krystallinischcn  Schiefercomplexen 
zwischcn  uiueriinderlen  verslcinerungsfUhrcndcn  Schichten)  habon  cinii;e  (ieo- 
logon  noch  cine  Anzahl  anderer  Einwllrfo  gellcnd  geinacht,  \\clelic  sic  \oran- 
l;i»en,  sich  dajzcuen  zu  orkliiren,  class  ilberhaupt  eine  derarliiie  alkenieinc 
Metaiiiorphosirung  der  alteslen  Sedinientiii'iicslcinc  stettgefanden  liabc.  diiss  \iel- 
inelir  ihr  heutiger  Gesteinscharakter  ein  urspriinglicher  sei,  nrspriing- 

lich  in  eben  dem  Sinno,  \>  ie  dies  Wort  von  Schieferthonen,  Conglomeraten. 
Sandsteinen,  Mergelschiefern,  Rogensteinen  u.  a.  gebraucht  wird.  Von  diesen 
KiiiNNiirfen  mbgen  neben  den  oben  berUhrtcn  noch  folgendc  I'lalz  linden: 
i)  Uberall,  wo  die  vorsilurische  Formalionsgruj^pe  bekannl  1st,  sei  cs  in  Indien 
oder  Skandinavien,  in  Canada  oder  in  Bayern,  liliedert  sic  sich  in  derselben 
\Veise.  besitzt  sic  gleiehen  pelrojiraphischen  Aul'bau,  liihrcn  ihre  ein/.clnen 
Scliieliten  diesclben  aecessorischen  (ieincnizthcilc,  wiederholen  sich  in  ihr  die 
nehinlielien  \\ 'ei •lisellagerungcn  dcr  verschiedenarligslen  (iesleine.  Dit-se  voll- 
kommene  Ubereinslimmuiii;  des  pelrographisehen  Charaklers  cincr  idter  :50,00(l 
.Meter  niachligen  Schiclitenreilie  kann  nichl  das  Product  eines  dem  \Veehscl 
und  Zufalligkeiten  ausgesetzten  ])urch\\asserungsproeesses  sein.  -2)  Die  soxvohl 
in  diinnen  I.amellen,  wic  in  miichligen  Schiclilencomplexen  wcchselnde  (ie 
sl(Mnsl)esehall'enlieil  der  (Ilieder  der  Gneiss-  und  ScbieferfMUiation  steht  immer 
in  voller  Ubereinstimmung  mil  der  Schichtenabsonderung,  Ix'ides  sind  von  cin- 
ander  abhangige  Verhallnisse.  Es  hat  sich  mithin  das  Material  successive  ge- 
anderl  mil  der  Andenmg  der  Bedinguniicn,  \\elchc  der  schichtcMimiissiucn  Ab- 
l,ii:enmg  zu  Grft'de  liegen.  Aus  einei'  hydrochernisehcn  Melamorphose  hingc^en 
\\iirden  in  Folge  des  slofTliehen  Umtauschcs  ziemlich  deirhartige,  nichl  ;il»ei 
oft  in  gcringen  Abstiinden  ihi'en  Habitus  vollslandig  andernde  Gesleine  hervor- 
ue^angen  soin.  3)  Die  durchweg  den  Schichtungsllachen  parallcle  AiKirdimim 
der  (llimnierblattclicn  und  dcr  llornblendesanlcn  ini  (ilimmer-  und  Hornblende- 
scliiefer,  das  sich  Anschmie^cn  der  (ilimmerlamellen  an  acccssorische  Kr\slallc, 
z.  B.  an  Granat,  lasst  sich  allein  dnrch  eine  chemisclie  I'raedpation  dicscr 
Gemeogiheile,  nichl  (lurch  cine  h\droclieinisehe  llcriinsbilduni;  aus  festem  Ge- 
sleinsmaleriiilc  crkliiren.  4)  Die  Ansiclil  \erein/.eltcr  Gcologen,  d.iss  der  kr\ 
slallinischc  Habilus  der  Krupti\gesleine  ein  secundarer,  crsl  allmiihlich  ;nis  cinem 


IV.      I'rtl'n^iMICli-rllC 

nrspriinulirh  lioniouencn  her\  urueuanizen  sei  .  sticss  iiul'  alluctneinen  \Yiderspnieli. 
\M-il  man  sicli  mil  Hecht  izcizcii  (lit1  Idee  slriiuhle.  <l;iss  sich  /..  B.  ein  /.oil  ;;rns.scr 
Sanidinkrystall  in  dcr  stanm.  widerslands(ahii;en  Uhriiien  (Jesleinsmasse  hiiUe 
Plat/  versehallen  uiul  allmahlich  \\achsen  konncn.  Kin  rnterschied  /\\  ischen 
diVsi-n  alluomein  MTv\orlonen  Ansichten  nnd  der  \on  der  allmahlichen  Aushil- 
dmii:  MIII  Tunnalin.  (initial,  Spinell.  Until,  Klnssspalli.  Apatil.  Slanrolilh  u,  a. 
in  eincm  r.'.siru  Scdiinriil.irui^lfiiic  in  hdp-  liMlniclu'iuisclKM-  Mctainurpliosi-  isl 
iiirlit  crsiditlicli.  Hal  man  I'cnuM-  mil  Hcchl  1'ilr  die  licrcits  \or  Kr,slaiTiiii!4  dcr 
X\\  isclicninassc  fi-r«>lt;li'  Individiialisinini;  dcr  I  cldsp.illikr\  slallc  dcs  I'lirphjres 
nnd  Traclnlo  da>  Vni-knninitMi  MHI  /.crhroclicncn  und  von  Gnindinassc  ^t'lrt'iin- 
Icn  Ortlidklas-  nnd  Sanidiiikryslallcn  L;cllcnd  i:cmac|il.  so  kann  dicscllic  Sclilnss- 
l(»li:cruni:  mil  lU'/iiu  anl'  die  rr\\ahnlcn  acccssoriscli  in  dci1  (Inciss-  nnd  Scliic- 
rci-lormalion  aiiftrclcndcn  ^rystaUi^dividuen  in  Ansprncli  UCIKIIIIIIICII  \\crdcn. 
anch  liit-r  linden  *\c\\  /.crlirochene  Xirkon-  und  (Jranalkrxslalle ,  dcn-n 
t-nlt-  ivp-nsriti^  M-rsflitilicn  nnd  von  Goslcinsmassc  izt-trcnnt  sind. 

Xclit-n  dcr  ohcn  crlaulertcn  Thcoric  dcs  allucmcincn  .Mclamorphismns  lii.ssl 
sich  die  Ansichl  von  der  Ursprllnglichkeit  dor  altesten  Sod  imciil- 
I  n  i  in  a  I  iouon,  vsie  folgl,  darslollen: 

AIIN  dcni  Xnslandc  dcr  Millkoimncncii  (ilnllilliissiiikcil  iiing  die  Erdo  durch 
Aiissir.ililunu  \on  Wiirmc  in  don  Wcllcnraum  in  das  Stadium  dcr  Schlackcn- 
liildmii:  iiltcr.  in  I'uluc  dcrt-n  sic  sich  mil  ciner  Erstarrunuskriislt-  licdccktc. 
I'nlcr  dcm  Dnit-kc  t-incr  Atniospliarc.  in  \M-lclicr  sich  dt-r  sammtlichc.  hcnlc  in 
Kohlcn-  und  Carfoopatgesteineji,  so\\iti  in  tii^anix-hcii  \\Cscn  iicl'csscltc  Ktihlcn- 
slulV  als  Ktililciisiiuro.  allcs  Wasser  dor  hcutigon  Krdtiherfliichc  nnd  Kruslc  in 
(ias-  nnd  Dampffonn  vtMlhcill  hcl'and:  unter  doni  Druckc  tlicscr  AtiiKispliiirc  \\ar 
di«'  (Itindcioaliiiii  dcr  \\"asscrd;im|)rc  /.n  \Vasscrschon  hci  Tom{)oralurtMi  moulicli, 

unit-r  tlcncn  sich  ln-i  den  heulim-n  alm(isi>harisch<>n  Yerhallnissen  das  Wasser  um- 

i 
gckehrl   in  Dainpf  \er\\andcll.      Die  Knldlierflachc  hcdeekte  sieh  mil  eincm  Mccn- 

MIII  iilicrhil/len  \Vasscrn.  Diesc  \\  irklen  ill  liochsl  eneriiiseher  \Veisc  y.erset/.cnd 
nnd  Itisend  auf  die  mincralischen  Ueslandlheile  der  l-j'slarrunusknisle.  In  hike 
allma'hlicher  Ahkiihluni:  dieser  crstcn  Mccrc  \crltiren  sic  ihre  Solu^ionsfa'higkeit, 
(In-  his  dahin  in  I.nsuui;  helindlichen  Snhslanxen  sehieden  sich  aiis  nnd 
liefcrten  anlanulieh  das  kr\slallinische  .Malt-rial  der  (ineiss-  nnd  (ilimmersehic- 
fer.  spalcr.  jc  mehr  naeh  eiimelrelener  Ahkiihliinu  die  ehemisehe  l>ildnnus\\eise 
finer  mechanischcn  I'l.il/  machle  .  das  Malerial  dcr  rrlhtinschii-rer  und  dann 
der  uexMihnliehen  Tli<iiisehii-rci .  Nichl  y.u  iihersehen  ist  hicrliei,  dass  der  Kr\- 
stallisationspunkl  dcr  Eahlreichen,  dan^ils  in  Sulution  helindlichen  Mineralsnli 
siaii/.en  M.II  dein  relali\en  Verhallnivse  der  i;lcich/.ciliL;  ^eluslen  nder  sich  in 
I.IISHIIL;  hallenden  Snlislan/.en  ahhini:  nnd  danach  einem  slclen  NVeehsel  unler- 
\\iirrni  \\ar.  In  den  I  rinecren  iinderle  sich  dies  \crlialluiss  je  nach  den  mehr 
oder  XM-ni-er  raseh  nnd  masscnliaH  erfiil:jenilen  Alisselieiduugcn  CMi/elner  Mi 
neralkiirpcr .  sn\\  ie  naeh  der  in  nndeichcm  Schrille  \nr  sich  ueheiiden  Anrei- 
ehcrnni:  dersclhen  an  \crschiedcnarliuen  Miiicralsnhslan/.en  (lurch  neiie  Xer- 
sol/.unucn  nnd  l.osuu^en.  Die  I  nke  des  iiicoii.slanlen  Vcrhiillnisses  dcr  ueloslcii 
Hcslandlheile  des  heisscn  I  rmecres  \\ar  dcr  uherra.schendc  \Vceh.sel  der  resnl- 


IV.     IVtroLMMlt'lisrlir 

tirenden  Gesteinsablageningen ,  so\\ie  die  Moglichkeil  .  da>,s  siHi  Mineralknrpei-, 
die  in  reinem  \Yasser  ganz  \ersdiiedene  Krystallisationspunkte  liaben  ,  gleieh- 
zeitig  oder  in  umgekelirler  Heiheiifdge  ausseheiden  konnten. 

Dass  iiuch  unsere  erhien,  verstemerungsftthrenden  »klastischen«  palaeozoi- 
sdien  Thnnsdiiel'er  nichl  diuvliaus  aus  /iisaimneiigeselmemmlen  Triunmeniiale- 
riale,  sondern  /.uni  Thcil  ;\us  urs  piln  i;l  i  ch  k  r  \  sl;i  1 1  i  n  i  sch  c  n  Aussclici 
duiiiicn,  aiis  klcincn  HonihlcndcsJiiilclK-n ,  (JlimnirrlilaUdirn ,  Quiirxkornclirn 
^n-ich  ;inFliLssiiikoitseinschlUsson  und  mitdtni  benachbarten Gesteinselementeo  \cr- 
(licsscnd  und  vi-rsNjirliscn}  hcstcluMi,  1st  crsl  ktlrzlich  durch  Zirkel  niicliizcxN  Irscn 
und  untcrstiitzt  die  Theorie  von  der  nrsprttaglich  krxslallinisclicn  Knlslrhunu  ;m- 
dcrcr  Scliichtoncoinploxo.  In  dor  roiidniiissiizcn  Aufeinanderfolge  von  den  (Jncisscn 
/uni  (JliinnuM'schiefcr,  von  dicscm  zuin  Phyllit  und  cndlidi  \<>n  Icl/.lci-cm  /n 
den  vcM-sldiKM'iingsrddicu  palaeozoischen  Scliioforn  hat  man  somil  nur  dn  mil 
dcr  Zeit  sich  inalc'ricll  iinderndes  AusscheidiingsVenndgeti  und  oine  Verschic- 
dcnhdl  dcr  die  Ausbildung  dor  ausgeschiedcncn  Masse  bedingenden  iiusseren 
Verliiiltnisse  zu  erblicken ,  ein  Nachlassen  der  rein  chemischen  und  eine  Zu- 
nahnie  der  niechanischen  oder  der  unter  Yermittelung  der  Organisinen  \or  sicli 
uehenden  Malerialbildung,  mil  \\elcher  eine  Verringerung  der  NeiLiunii  '/.ur  Bil- 
dung  von  krystallinischen  Gemengtheilen  gleichen  Schritt  halt. 

Fiir  die  Anha'nger  der  Ansichl  einer  hj^latop^Toy(MH'ii  |{ilduni;s\Neise  der 
Eruplivuesleine  und  ihrer  hydalothermischen  Contactindaniorphose  sollt(>  diese 
Theorie  von  der  UrsprUnglichkeit  des  krystallinischen  azoischen  Gesteinsmate- 
riales  nichls  befremdendes  haben.  Nehmen  sie  doch  mil  Bezug  auf  die  l^nt- 
steliunii  des  Eruplivgranilcs  an,  dass  cine  Mischung  von  gluthfliissiirer  Gesteins- 
masse  und  iiberhilztem  Wasser  durch  Abktihlung  zur  krystallinischen  Ausbil- 
dung gelangt  sei  :  die  Enlstehung  der  sedinientiireii  Gndsse  und  Granite  \\ai- 
ein  an/iloger  Vorgang,  nur  dass  iiberhilzle  Wasser  nicht  die  Neben-,  sondern 
die  Hauptrolle  spielten.  Die  Eruptivwasser  des  Granites  (»granitischer  Saft«), 
welche  das  benachbarle  Gestein  mil  Feldspalh-,  Glimmer-,  Spinell-,  Hornblende--. 
Turmalin-  und  Quarzkrystallen  impragnirten,  waren  ahnliche  Solulionen,  \vie  die 
ilb(M'hilzlen  Ge\\;tsser,  aus  denen  sich  die  ersten  aus  den  nehmlichen  Miiu-ralien 
bestdienden  Sedimenle  krystallinisch  ausschieden. 

Locale  und  sporadische  Einlagerungen  von  krjslallinisehen  Siliralgesteinen 
zwischen  versteinerungsfilhrenden  klastisehen  Sedimenlgesleinen  diirften  sii-h 
als  das  Resullat  der  Einwirkung  von  Mineralqucllen  auf  frische,  noch  schlam- 
migc  Sedimenle  erkliiren  lassen. 


Flintier  Abschnitt. 
Architektonische  Geologie. 


Ms  1st  die  Aufgabe  tier  archilcklon  ischen  Geologic,  zu  erforst -hen, 
.ml  \\cldic  \\Visc  die  (icsleine,  dercn  Zusammensetining  uiul  KnlslelmiiL;  in 
IViilicren  Akselmillen  hcsproclien  \\nnlc,  xiun  Aufl>;ui  der  I'eslen  Krdkrusle  be- 
iinl/.t  \\orden  sind.  \\elche  Form  die  ein/elnen  Bauslcinc  bcsil/.en,  und  \\ic  sic 
mil  cinander  zu  einem  grossen  Ganzen  verknilpft  sind,  --  kurz  sic  soil  den 
Ita  ii|)hi  n ,  die  Architcktur  dcr  Krdc  ergrtinden. 

Die  Mrdknislc  1st  aus  Gobi  rgsgliedcr n  aufgcbaut.  Untcr  einein  Ge- 
hirusdiede  sei'siehl  in;in  cine  tirosscrc,  durch  ihr  Material,  ihre  Form  und  Lage- 
nmi:  individualisirte  d.  li.  als  selbsUndigea  Ganze  charakterisirtc  Gesteinsmasse. 
Miileriiil.  1  orin  und  Laiicrung  cines  Gesleincs  sind  aber  das  Gesammtresultat 
dcr  EntstehimgSWeise  dessclben  und  jc  nach  ihreni  sediinenlaren  oder  ci'up- 
li\en  rrspruniie  so  dmvhaus  verschicdcn ,  dass  die  Gcbiiviilieder  nacli  dicser 
ihrer  Kntslehuiii;  und  den  da\nn  abhiini:ii;en  Vcrhiiltnissen  in  gesehi  c  li  I  e  t  e 
nnil  massive  liesnnderl  \verden  milssen.  Zu  ihncn  ^esellen  sich ,  riiiiinlich 
freilieli  cine  selir  unhTiicordnete .  nalionalokonoiniscli  aber  ausserordenlHch 
\\iclilim-  I5olle  spielcnd.  die  plat  t  e  nforin  ige  n  Miner  alma  88  en,  die  Mi  ne- 
ra  lua'nue. 

.1     Die  geschichteten  Gebirgsglieder. 

§.  I.  Die  Sdlicllt.  Die  Lieseliielilelcn  (lebirusdiedcr  bivslehen  ans  einer 
reiielmas.siucn  Heihenfolue  \on  anf  einander  lai:eniden  Sell  i  c  li  I  e  n  .  unlcM'selKMilen 
sieli  al.so  \nu  den  iiN'^siiien  durch  den  Hesil/.  riner  Seliichlniii:.  Mine  Scliiehl 
is)  cine  dureli  anniilicnid  parallele  Fliielicn  lie^n-nzte  (Jesteinsmasse .  in  dcr 
Kc-.'I  \on  scdimenla'rem  rrsprun::e.  Hire  IJc^rcn/imL'slliiclicn  licisscn  Schieli- 
t  unusflaehen.  Dcr  filr  echle  i;escliiclitclc  (Icstciiu'  lie/.ciclmcndc  I'arallclismns 
ist  nicht  allcin  in  dcr  iieizenseiti^en  Laiic  dcr  Scliicliinn-sllaelicn.  snndcrn  sclir  ge- 
\\iilmlicli  aueh  in  dcr  I'arallelMniclnr  dcr  Sehiehlenmasse  selbst.  so  in  Sehicfc- 
:.  in  heller  oder  dunkeler  Streifung,  in  verslcincrimgsiviclicn  Zonen,  in  grob- 


•i:\  I 


\     \rchitektonische  (I 


nder  feinkornigen  Slreilen  und  in  Lagen  \  on  Rollslileken  ausgesproehen.  Kino  %er- 
hjiltnissniiissig  sollone  Ausnahme  von  dieser  Regel  bildei  die  I)  i  a  _uo  n  a  I  s  e  h  i  c  h- 
tuiii:,  \\elohe  auf  Sandsteine  he>elir;mkt  isl.  Sio  beslehl  darin.  dass  sich  innerhalb 
einer  \on  parallelen  Sehichlungsllachen  begrenzlen  Sandsleinbank  eine  (Jiier- 
sehiehlung  und  -Streifung  zeigt,  welche  die  Hank  (|uer  durchselzl  siehe  (i.-.  :' i 
und  dor  Wirkung  \on  Kbbe  und  Flulh  zuzuschroiben  isl.  In  andoren  Sand- 

sleinen  von  der  Kohlonformation  herab  bis  zu 
deneii  der  jiingslen  IVrioden  ist  nicht  selten  eine 
ungl  eiehforinige  Paralletstructuf  in  der 
Weise  ausgebildet,  dass  sie  innerhalb  kurzer 
Distanzen  plo'tzlich  absetzl  und  ohne  alien  Uber- 
gang  eine  ganz  andere .  Richtung  annimml  lii:.  l-'i  . 
In  ein  und  derselben  Gesteinsschicht  konnen 
dann  viele  kleine  S\stenie  von  Parallelstruelur 
unlerschieden  werden,  welche  regellos  durch 
einander  liegen  und  gewohnlich  auch  kleine  Ver- 


Fig.  24.  Diagonalschichtung  (discordante 

Parallelstructar)  im  Sandsteine  (b.)  von  Snh- 

Icr  Neudorf  ira  Thiiringer  Walde. 


schiedenheilen  des  Kornes,  der  Farbung  und  Zusammenaetzimg  erkennen  lassen. 
Das  Sehichteninalerial  ist  in  den  meisten  Fallen  das  Product  eines  Ados 

des  ineehanischen  oder  chemischen  Niederschlagsproccsses  aus  Wasser  oder 

wasseriger  Lb'sung,  \\iihreinl  die  Schichtungs- 
kluft  einer  Unterbrechung,  einer  Pause  in  dieseiu 
Vorgange  enlspricht.  Auch  dann  \\enn  Schiehten 
vulkanischen  Eruplionen  ihren  Ursprung  ver- 
danken,  (wie  bei  den  geschielitelen  odor  Slralo- 
vulkanen)  sind  sie  das  Product  eines  von  union 
nach  oben  forlschreilenden  Bildungsacles.  \vel- 
unterbroehen  \\urdo.  Die  Dieke  einer  Sehiehi. 


Kiuf.  25.  Uugleichforraige  Parallelstructur. 

rlior   (lurch    einzclnc    Pauscn 


also  der  rechlvvinkelige  Absland  ihrer  beiden  Sehichluniisflachen  \vird  als  ihre 
Maehtigkeil  bezeichnel;  sie  schwankt  zwischen  dein  Bruchtheile  eines  Xolles 
und  vielen  Fussen  und  bleibt  sich  selbst  bei  einer  und  derselben  Scliieht 
nioht  imnier  vollkoinmen  gleich,  nainenllich  nininit  dieselbo  nach  ihren  Hiin- 
dei-n  /.n  zienilich  gloiehmassig  ab.  In  diesein  Falle  niiln-rn  si.-li  die  Scliiolidin.-s- 
Iliiolien  niehr  und  mehr  bis  sic  sich  cndlioh  sehneiden.  Dioso  Krsolieinuni:, 
das  sich  Auskeilen  einer  Schicht,  -  maolii  sich  in  der  Hegel  nur  b<>i 
Vergleiehunuen  dor  Maehtigkeil  einer  Sehichl  an  niehreren  \on  <>inander  enl- 
fernlen  Punklon  benierklich.  Trill,  sie  in  der  Weise  auf,  dass  eiii(>  (iostoins- 
masse  son  nur  geriiigen  Diinensionen  allseiliu  NOD  ilir  belroH'on  \\ird.  .so  er- 
halt  diose  lol/.lere  eine  linsenlorinige  (ieslalt  und  heissl  dann  Ion  lieu  hire 
Ki  nlaueriinu.  Sind  die  Cnjiluren  soleher  I'-inlaueninuen  sehr  umvuolin.i^iu 
oder  unbestimmt.  und  Ix'silzen  diese  .uleiehzeilii;  bedoulonde  Dimonsidiion.  so 
noiml  man  sio  s  I  oek  I'o  r  in  i  go  l;.  i  n  I  a  i;e  ru  n  ue  n  oder  Stiicko  /..  H.  \on 
(.xps.  Sal/.  .  Besomlers  injichlige  Seliiehlon  cordon  als  Hiinko.  S«-liichlen 
\on  leehiiiseh  nul/barem  (iesloinsmalerialo  als  Fliilze.  z.  H.  Sti-inkoliloiillnl/. 
l\u|»rersehierorlli.l/  .  \\enn  ihre  Miiehli^keil  koine  sehr  uh-idibleibondo  ist.  als 
l.-iuer  (z.  13.  KisensleinlapT  be/.eiehnet.  ob\\ohl  diese  t'nlerschiede  niohf 


V.     Aivliitektnnisclie 

slreni:  goliandhabt  uorden  Die  Slelle.  wo  rim-  Sehiehl  die  Krdol.erllaeho 
acfaneidet,  wo  also  riii  reehlwinkelber  .xl. -i-  .srhrauer  (Juers.'hniU  der  Sehiehl 
entstoht.  heisst.  f.-ills  dieselhe  oine  uenekle  odor  h.,ri/,outale  LIL-O  l).-sil/t  .  ihr 
Ausueheudes.  tails  SM  sehr  steil  autuerirhlel  isl  ,  odor  Nerliral  Stehl,  dor 

S  r  hie  lit  en  kopf. 

Die  Obor-  und  I'ntersoilo  einer  Sehieht  \\ird  iluivh  die  Schich  tu  n  u  s- 
fl  lie  hen  uebildol.  deren  obere,  die  (iivn/.e  nacli  der  niichst  jiiniicn-n  Schicht 
DiH-hfliiclM-.  deren  union'  dio  S  o  h  1  fliic  li  o  liouannt  wird.  Die 
iohon  sind  p-Nsol.nlu-h  ol.on  mid  jilall ,  Wolon  ahor  /uwoileu  I'.r- 
«l;«r,  woloho  in  inniiistoin  /usaininonhangc  mil  der  Bildunu  drr 
S-hirhlon  stohon.  llirrluT  u.-hoivn  dio  \Vollonfun-lion,  Roiionln.pfonspuron. 
l.oisten ,  I'seiidoiiioi-plioson  von  Sloinsal/M  Thierfiilirlon  nnd  inan- 
andoiv  Spuron  uriianisdion  l.ohons.  An  llaolion.  sandij:.-n  odor  solilain- 
MoiToskilston  hiUU-u  sioh  dnrch  das  Spiel  der  Ebho  und  Fluth,  iluivh 
deii  \\.-llonsoliIii-  dor  Sro .  lan^oslivckto  \Nollonlonni-o ,  llaoho  Krhohunsion 
und  YertiolimLMMi.  l-'.rliiirtot  eino  solcho  Sand-  odor  SchlainuiM-liiohi  und  wird 
son  Nouoni  NOU  Sodinionlon  bodookt .  so  \\ordon  diese  Wellenfurchen  aid 
dor  Karhlliiolio  (lor  Sohicht  in  ihrer  wirklichen  Gestalt  und  auf  dor  Sohllliioho 
,1,-r  narlisi  jiinuoron  Schiohl  in  Form  oinos  Abdruokos  orhallon  blciben.  In 
di-r  Thai  linden  sio  sieli  auf  don  Sohiohlun-slliirheii  violor  Sandsleine,  (irau- 
waok.-n.  rhniisehi.M'or,  Ouar/ito  und  kiosoliiicr  I'liseiier/o  solbsl  dor  huroni.selirn 
Schiororl'oniialion  in  I.  :/.torer  an  ein/elnon  Stollon  an  der  Siidkuslo  des  Lake 
Suporinr.  Nnrdainerika).  Auf  der  Oberllacho  mancher  sandi-er  und  ih.miuer 
(M-M.Miissoliiohl.Mi  siud  kleino  rundlicbe  Eindrilckc  zu  beobaohton,  welolio  durch 
,|,-n  AnlVolilai:  \on  «ot;onlr«>pftMi  auf  dio  damaligen  schlanimigen  nnd  sandiuon 
ITer  \\iiluvnd  der  Kbbo  horsorgobracht,  von  der  emdrin^ondon  Kluth  mil  Sehlaimn 
bi-dookl  und  auf  diese  \\eise  orhallen  wordon  sind.  In  Folge  des  Trockoiious 
ciuer  IViselien  Schlammsehiehl  wiihrend  der  Kbbo  bildon  sioh  aeftxf&flfloige 
Kissr  ;iuf  ilin-r  OluM-llarlic,  welcho  von  don  Sedimenten  der  na. -listen  t'lutli 
\\icderausuelulll  \\erdouund  dann  an  der  Unlersoile  dor  nougobildeten  Sohiehl 
in  l.rislenlnrm  horxorlreteu.  In  ahnlioher  \\eise  uerden  die  l;ussspuron  dor 
Thioi-e.  \\el.-he  sich  iil»er  den  inicli  plastischon  Sehlaimn  l)owoi^l  habon,  oonser 
\irl.  Selir  oft  sind  die  S.-hiehtuui;sllaehcn  von  don  Hoslon  der  Ho\\olmor  drs 
M.M-ITS.  ,ui>  ilom  die  Sedimente  al^clri^rl  \\nrdou,  liedeekl.  Iliiulii:  isl  eudlieh 
die  Krsolieinuni; ,  dass  /\\i'i  (.rst.-iussehiehton  durch  dUnne  Zwisolienl.iL-en  von 
andercm  Material.-,  diiroh  emeu  Hoslri;  uelreuul  \\erden. 

§.  2.  Scllichtenreiheu.  I'nlor  einor  Seliichl<-nroiho,  Sdiirhloni;nippe  ..der 
cinoni  Sehielili-n.sNsleine  \erslehl  man  eine  yloiolilnrini^e  concordanle  Aul 
rin.mdorfoli;e  \on  Sehiehlon.  Die  Xu.sainmon^ohiii'iLikoit  der  lel/.leren  isl  weder 
allein  dureh  uleidie  VersleiiifruniislnhrunL: .  nooli  aussehliosslioh  duroh  liloioh- 
..rliue  prlroiirapluM-lio  Hosoliallonlioit .  s.nulorn  dureh  ^l.-ieli/oili^>  I'aralloliliil 
<;ieiehf<>rmi::keil.  Concordanz)  der  ein/.elnen  ulterlauernden  Sehiehlon  bedingl. 
Line  Seluehlonreihe  isl  demuach  das  IVoduel  eiues  /usaiiiiuenhangenden.  uiiLce- 
slbrlen  Ablai:oruni:s\  or^aiiLies  aid'  deni  (irundo  oinos  Mooros-  odor  Seebeekeus. 
Die  iihor  ir^-nd  oiner  Seln.  ht  nder  Schichlongruppe  betindliche,  also  bei 


23C)  \     \rchttekt6nische  Heoloijf. 

Dorraalen    Verh^Unissen    jiinucre   Ablagerung,    ncnni    in.in   das   lla 

(lit-    inilci-     ilir     belindliche    I'arlie     der    Seliiehlenreihe     das    I.  i  eg  e  11  d  e     jener 

ills  Hori/oni  ani;enommenen  Sdiichi  odor  Schichtengroppe, 

Die  Vcrkntipfung  der  einzclnen.  petn>i:rapliiseh  oft  durehaus  vorsehiedeneri. 
/.u  einem  S\slein  veraeseilschafteten  Sehichlen  kiinn  cine  mehr  oder  \\eniuor 
enue  sein.  Am  loscslen  isl  dieselbe  dorl,  \\o  gan/.  heterogene  Gesteinsschiehlen 
geselzlos,  pliilzlich  und  ohne  i'l»cri;;iiiu  mil  cinjuidcr  NM-rlisolhi^rni.  Dcr  in- 
niuslc  /iisiiinincnhiini;  \\ird  dui'ch  den  ;i  1 1  inii  111  i  die  n  Chortia  n  L:  ilircs  M;ilc 
rialcs  hcriiostcllt.  So  nthmen  in  ihren  unteren,  also  iiltcn-n  Schichlcn  cciMrnl- 
itnne  Sitndsteinc  nach  ihroiu1  Hangenden  zu  melir  und  niohr  thoniizcs  Hinde- 
millel  aiif,  bis  diosos  vor  den  Sandkorncrn  vorvvaltot  und  sic  allniiililich  u;iiix. 
vordriiiiiil,  so  class  die  jdngstcn  Schichtcn  als  reine  odor  sandiuc  Srhirl'crllione 
dastchon.  Conglomerate  gehen  durch  nach  irgend  einer  Richtunir  (Mnlrrlende 
Vci  kleinorung  ihrer  Gerolle  in  Sandslcine ,  Kalksteine  durch  Aufnahnie  und 
ritci'liandnehnien  ihres  Thongehaltes  in  Mergel  und  Thone,  Gneissc  durch  Y.u- 
riickli'clcn  des  Feldspathes  und  Ausbildung  cincr  schieferigen  Structur  in  Glim- 
nicrschiefer  ilber  u.  s.  w.  Bci  der  Yerkntipfung  pctrographisch  vcrschicdciK-r 
Schichlcngruppen  oder  einzelner  Schichten  durch  Wechsellagerung  sfelh-n 
sich  zwischen  den  Schichten  einer  Gesteinsart  anfangs  spSrliche  und  diinnc 
•Lagcn  einer  anderen  ein  und  nehmen  in  der  Richtung  nach  dem  Ilangendcn 
odei'  Liegenden  an  Zahl  und  Machligkeit  zu,  bis  sie  durch  allmiihliche  Yerdrim- 
uiing  der  frilher  dominirenden  Gesteinsart  schliesslich  das  alleinige  (icbii^s- 
malerial  bilden.  Solche  Verknilpfung  durch  Wechsellagerong  ist  namentlich 
bei  krystallinischem  Kalkstein  und  Glimmer-  oder  ChloritschietVr  beobachlcl 
worden.  Ganz  ahnlich  aussert  sich  die  Yerknilpfung  petrographisch  verschiede- 
iici-  Schichtengruppen  durch  in  irgend  einer  Richtung  Uberhandnehniendc 
Goncretionsbildung.  Anfa'nglich  sparliche  und  unansehnliche  lenliculiire 
Concretion^massen  nehmen  grossere  Dimensionen  an  und  schliessen  endlich  das 
Gcsteinsmaterial,  in  welchem  sie  frtlher  eingelagert  schienen,  vollkommen  aus. 

Ebeuso  wie  in  der  Richtung  nach  dem  Hangenden  und  Liegenden ,  so 
konnen  solche  Anderungen  des  Gesteinsmateriales  auch  innerhalb  ein  und  der- 
selben  Schicht  sich  einstellen.  In  ersterem  Falle  erlitten  die  Ablagerungsvor- 
hiillnisse  in  einem  Meeresbecken  im  Laufe  der  Zeit  eine  Umgeslaltung .  in  lel/.- 
terem  Falle  waren  sie  gleichzeitig  an  verschiedenen  Punkten  desselben  Al>- 
lagcrungsareales  verschieden.  Es  kann  dann  eine  ganz  eigenthtimliche  Ver- 
knilpfung der  resultirenden  gleichalterigen  aber  verschiedeoartigen  Seliielit(>n 
slalliinden :  die  auskeilende  Wechsellagerung  (fig.  26).  llier  sind 
zwei  Gebirgsglieder  z.  B.  Kalkstein  A  und  Sandstein  B  in  grosserer  Knirernuiig 


Fig.  26. 

von    einander  rein  und    selbstsliindig  ausgebildel .    allein    in  der  HichtunL:    n 
dem  Sandsteine  zu  beginncn  die  Sehichlen  des  Kalksteines  allmiihlich  seh\\iirher 


237 

zu  werden  und  sieh  schliesslich  aus/ukeileM ,  \\ahrend  sicli  x.uuleicli  /.s\  ischcn- 
-rcilcn.le  l.a-en  M.M  Sandstein  cinslcllcii  und  an  Miichtiiikeit  y.imehincii,  his 
sic  die  Schichtenreihe  sian/.  allein  /usanmicnscl/cn.  Can/  diesclhc  Krschcinunj: 
hietet  sirh  nalilrlich  drni  Mcohachlcr  dar.  \venn  er  \on  H  nach  A  /.u  i:rhl. 
nui-  .lass  hicr  dcr  Sandstein  das  Nerdrimute.  und  der  Kalksloin  das  \  erdrani:cn.lc 
Gebirgsglied  1st. 

§.3.     Scliichlculaixc;  ScliicMeiistorungeii  (lurch  Aufrichtung.    All*' 

mil  llulfe  des  \Yassers  aid'  dem  (iruiulc  \on  Mccrcs-  odor  Scchcckcn  ahiic- 
srt/l.Mi  SrhiclitfM  halUMi  ursprUniilii'li  t>iiu«  liori/ontale  oder  nur  schr  \\vniu  g^- 
nt'iulc  M-IINX  fhcndr  Laur  inin-.  VcrliaUiiissinassii;  nur  sclttMi  halu-n  sic 
sirh  difst-lltf  l)t>\valirt  (so  die  silurisrhrn  Scliiditcn  dcs  nord\\cstliclicn  Husslands. 
dcr  OuiHlcrsaiidstcin  dcr  siirlisischen  Sclmciz,  die  Koldenfonnation  dcr  \vcsl- 
lichcn  Kohlcnfcldcr  von  Nord-Aincrika  u.  a.  in  den  ineislcn  l-allen  ahcr  liahcn 
sic  dicsclhcn  mil  einer  secundiiren  vcrtauscht,  d.  h.  eine  Schi  rh  tea  slorun  i; 
crliltcn. 

Die  Stiirunu  der  urspriin^liclien  Laiierun^sfonn  dor  Schichten  ofl'enharl 
sidi  I  durch  dcrcn  Anfrichtunii  mil  Vcrbleib  ihrer  ebeuflachigen  Ausdeh&UQg, 
:'  .lurch  ilirc  HicLiunii,  Kallnnu  odcr  Knickuni?,  3}  durch  ihre  Zerspalluniz. 
/crlriiininci-iinu  und  VcrN\crfun^.  Die  Ursache  solcher  Storungen  des  Schichlen- 
hancs  dcr  Krdkruste  siiul  zu  sucheu  1,  in  localon,  mehr  odcr  \Ncnii:cr  cner- 
-is.hcn  vulkanischcn  Hehun-en ,  ,p;1^  l28);  2>  in  seitlicher  Prcssung  durch 
Kniportivilmni!  henachharlei-  Landstriche .  nainentlich  aber  durch  Zusamraen- 
/.ichnni:  dcr  sich  ahkuhlenden  Erdkrusle;  3,  seltener  und  in  beschranklem 
.Maas>>lah('  in  l<u  alcn  Eruptioncn  pa-.  204)  ;  4,  in  der  Volumenvermindcruny 
lic-ender  SchichU>nreihen  in  Folge  ihrcs  Austrockenens,  ihrcr  Auslaugung  (wie 
hci  LicNvissenDolomitisirungsvorgangen  pag.  165)  oder  ihrer  Verkohlung ;  5,  in  der 
Wcduhruiii:  -an/.er  (ichirusjzlieder,  so  von  Gypsslocken,  Salzeinlagerungen  durch 
das  \\asscr  (paj:.  IGi);  6,  endlich  in  der  Volumenvermehrung ,  wulche  durch 
Aufnahme  von  Wasser  von  Seilen  uewisser  Gesteiusarten  (bei  Umwandlunu 
von  Anhulrit  in  (i\ps  pau.  1 40'  vor  sich  goht. 

Hci  cinfaclK-r  St  hi<  htcnaufrichtung  haben  die  Schichten  stall  der  anfanit- 
lidi  hnri/onlalcn  cine  nichr  oder  weniucr  ucnci-le,  oft  sogar  senkrechte,  zu- 
\\cilcn  sclhst  illu'rin-kipptt-  Stcllung  erhalten.  Dass  diese  nicht  ihre  ursprung- 
lichc.  sondcrn  eine  erst  spiiler  riniinioiiiniene  isl,  dafUr  spricht  ausser  unsercn 
Vorstelluniien  \<»n  dcr  Scdinicntl)ildunu  an.  h  das  Vorkommen  von  flaclilinscn- 
od(M-  platlcnl'ormiuen  HullsUickcn  in  slcilstehenden  Schichten,  wo  sie  Uber  ein- 
ander,  ihre  schari'cn  Hiindcr  einander  /.u^ckehrt,  ihre  uriisstcn  A\cn  parallel 
den  SchichluniislliicluMi  lieiiend ,  an-eordncl  sind.  In  dieser  Slellunu  kiinncn 
sic  uninnglich  ahuclauerl  \\(M'dcn  sein,  inUssen  diesi'lhc  \iclinclir  crsl  spiiler 
erhalten  hahen.  Zu  dem  nehndichen  Schluss  filhrt  die  horizonlale  oder  stark 
t:cneiutc  I.aize  fossiler,  noch  an  ihrein  \\  ur/.e I \\erke  haflender  Haiiinstiiinnic, 
vu-Irhc  icrht\\iiikeliL:  auf  stcil  aufi:frirhl«-l»'n  Schichlen  slehen.  Sie  verlauschlen 
ihre  urspriinglich  \erlicalc  Slrlluni:,  nachdcni  sic  schon  liiiii-sl  von  Gesleins- 
nialorial  umhullt  wordcn  \varen,  in  Koliic  der  Aufrichlung  der  Schichlen  mil 
iuer  horizontaien. 


\  .   A!rchitektonische 


Senkredile  Scliiclilfii  he/eidiucl  man  ;ils  auf  dein  Kopfo  sie hen d: 
sel/te  sich  <lir  Be\\egung  der  I'nlerlage,  ;ius  welrher  diese  \ertirale  Stellung 
henorging,  nodi  \\eiter  forl.  so  gelangte  die  belrolVcne  Sdiidilenreilte  /u  einer 
Uberki  ppten  l.agerungsform,  indent  die  iiur  wenig  erhobenen  Scliiclilcii  spiiter 
von  den  nadisdiiebenden  .Massen  cmporgedriingt.  immer  slciler  aufgeridilel  mid 
endlidi  iilKTstilr/.l  wnrd.cn,  so  dass  jel/t  d;is  Unlcrslc  y.u  Oberst  liegt.  Soldie 
Kreignisse  haben  /.  B.  die  Sdiidilengrnppe  des  Ilarxrandes  hei  Goslar  mid 
Oker  hetrollen  .  \vo  die  Kreide  vom  \veissen  Jurn  und  dieser  \oin  hraiinen 
Jura  und  Lias,  lel/terer  \on  den  iilteren  Formationen  his  zuni  DCMHI  iilter- 
lai;ert  \vird.  \viilireiul  urspriiiiiilicli  iierade  die  uniirekelirle  l.aueniii^slolue  slalt- 
I'and.  Aeluiliehes  lial  sich  in  dor  sachsisch-bohmisclien  Scliwei/  /iiizetra^en, 
\\o  \\cisser  Jui'a  in  das  Nivean  des